Film- und Serienkritiken

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Short Treks – Kritik zu „Children Of Mars“

Short Treks – Kritik zu „Children Of Mars“

Man mag (auch) von diesem Short nicht viel halten, aber eines wird in den Geschichtsbüchern stehen: Für einige Tage war dies die ST-Serie, die 18 Jahre nach „Nemesis“ am weitesten in der Zukunft spielte! Tja, da habe ich bei der Recherche wohl mal endlich meine Hausaufgaben gemacht? Apropos Hausaufgaben: Diese neue Mini-Story spielt in einer dezent unfuturistischen Schule (die Spinde sind nicht mal sechseckig!) und zeigt erstmals, dass Kurtzman durchaus schon von Bildungseinrichtungen gehört hat.

Inhalt: Zwei Mädels geraten in der Schule in Streit und prügeln sich. Als sie danach schuldbewusst dasitzen, wird der Mars (= der Ort, an dem jeweils ein Elternteil gerade ist) von Raumschiffen angegriffen. Das macht sie traurig und sie halten sich an den Händen. Ende.

Besprechung:

Wie so oft gilt auch diesmal: Wer bereits den Trailer gesehen hat, hat quasi 80% der Handlung begriffen und spart sich 6 Minuten Zeit.

„Du hast mein Picard-Fanposter von der Wand gerissen!“ – „Quatsch! Du hast meine Worf-Klobürste aus dem Zimmer geklaut!“ – Willkommen bei „Dawson‘s Krieg“: Pünktlich zum Start der Picard-Serie sehen wir zum ersten Mal Patrick Stewarts Gesicht. Dabei hätte man den auch einfach auf eine Kinderriegel-Packung abdrucken können, um Promo-Kosten zu sparen und trotzdem die selbe Zielgruppe anzusprechen?

Eigentlich hätte diese „Folge“ (gibt es eigentlich eine Anzahl von Mindestminuten für diesen Begriff?) großartig sein können. Das liegt schon daran, dass man diesmal auf alles verzichtet, was STD so oft Probleme bereitet: Es gibt quasi keine Dialoge, kein wirkliches Ende, keine Sternenflottenoffiziere. Dafür aber Musik, bei der sich einem sogar die Butter im Kühlschrank verflüssigt.

Nachfolgend gibt es den Schmalzballaden-Walzer („Heroes“ von Peter Gabriel, in der GUTEN Version ursprünglich von David Bowie) mal in der Textfassung. Und wenn man vorher auf diesen Link klickt, weiß man vermutlich auch, bei welcher anderen Show sich die STD-Macher nun diesmal wieder haben „inspirieren“ lassen.

I wish I could swim.
Like dolphins can swim.
Though nothing will keep us together.
We can beat them for ever and ever.

Hier geht in diesem Short Trek also um zwei Nichtschwimmer, die davon träumen, Delphinen auf‘s Maul zu schlagen – und das für eine sehr lange Zeit.

Oh, we can be heroes just for one day.
Oh, we can be heroes just for one day.
I, I will be king.
And you, you will be queen.

Angeheizt durch das Meeressäuger-Massaker wollen sich die beiden Nichtschwimmer exakt zweimal als Helden fühlen. Und gleich danach als Königin und König. Da hier eindeutig von einer (im weitesten Sinne) ehelichen Verpaarung gesprochen wird, gehe ich davon aus, dass die beiden Mädchen homosexuell sind. – Ich hoffe mal, dass das keiner der Zuschauer total schwul findet?

Als die ersten Nachrichtenbilder des olympischen Sitzfußballspiels ‚USA gegen Irak‘ über die Kleinbildschirm-Großwände flimmern, findet ein Umdenken bei den Mädels statt. Und sogar ein körperliches Umdrehen! – Ist das schon Krieg? Oder unbarmherziges Cross-Promotion-Gewitter zwischen zwei Serien, die BEIDE kaum gesehen werden? Mann, ist das spannend!

I can remember standing by the wall.
And the guns shot above our heads.
And we kissed as though nothing could fall.
And the shame was on the other side.

Plötzlich steht das genannte Königspaar also an der Mauer und lässt die Pistolenschüsse über sich hinwegpfeifen. Da das in Städten wie z.B. Gelsenkirchen eine legitime Art der Freizeitgestaltung ist, steckt man sich unbeeindruckt die Zungen in den Hals. Kein Wunder, dass bei derlei unkeuschem Gebaren auf der anderen Mauerseite Fremdscham ausbricht!

Mal im Ernst: Ich habe ja gar nichts gegen filmische Experimente. Schon alleine aus Selbstschutz, nachdem wir kürzlich zwei sinnfreie Animations-Geschichten ertragen mussten!

Aber sollte bei einer Kurzgeschichte nicht irgendwas … Kunstvolles rauspurzeln? Dass Schüler sich über eine unverdienten Verweis vom Lehrer streiten, ist normal. Dass man sich in Schulen rauft, auch. Und dass das alles plötzlich egal ist, wenn die Eltern mal eine Bombenexplosion von innen betrachten, ist auch eher ein Durchschnittsverhalten. In einer richtigen Folge würde jetzt irgendeine Geschichte erst anfangen (= Man bricht aus, springt auf einen Güterzug nach Cronos und sammelt Pfand-Tribbles von Parkbänken). Das tut sie hier aber nicht, weil: wegen Short-Format.

Und dabei ist es mir auch EGAL, ob diese beiden Girls irgendwann später eine größere Rolle bekommen. Schließlich haben wir ja auch nie einen Riker-Kurzfilm gesehen, bei dem der junge William einer Replikator-Verpuffung im Wohnhaus gegenüber beiwohnt. Man muss uns nun wirklich nicht jeden belanglosen Scheiß zeig… (*Zettel reingereicht bekomm*) – Was!? Alex Kurtzman will gegen meinen letzten Satz gerichtlich vorgehen?!

Somit bleibt bei mir irgendwie das Gefühl übrig, dass wir diese „Story“ nur wegen einer bestimmten Sache gezeigt bekommen. Verdammt, aber ich komme einfach nicht darauf, WAS zum Geier das sein könnte… ?!

Aha! DAS ist es also, worauf sie uns hinweisen wollen: Dieser Bildschirm hat vier Pixelfehler und niemand tauscht das Gerät aus! In welchen Zeiten leben wir denn? Anscheinend in denen, in denen die „Synths“ (laut Bildschirm) den Mars abfackeln. Das sind wohl die bei Picard angeteaserten Romulaner-Borg mit Hugh-mäßigem Menschenanteil und ungesund viel Kurtzman-DNA?

Dass dieser Short nur ein Etikettenschwindel ist, wissen wir ja alle, oder? Eine Geschichte, die NUR um aufkeimende Freundschaft und plötzliches Händchenhalten geht, würde man uns in den eigentlichen Serien niemals zeigen. Eher verpfändet man ein paar Explosionen, Zeitlöcher und Auffahrunfälle, um sich kleinere Explosionen leisten zu können.

Aber zum Schluss mal was Gutes: Abgesehen von der ständigen Frage, ob wir für jede tote Fliege im Star-Trek-Schaufenster einen Short-Trek mit komplett neuen Stilmitteln brauchen (animierte Fliegenklatschen mit knuddeligen Äuglein?), machen die Mädels ihre Sache hier GUT! Ich habe den zwei Charakteren ihre Gestik und Mimik mehr abgenommen als der Discovery-Crew irgendwas von dem Bauerntrampeltheater, das uns seit Jahren die Pferde scheu macht.

Da würde ich mir fast mal eine halbstündige Folge in der Mobbing-Schule der Föderation ansehen. Mich würde auch wenig stören, dass das Schulbus-Shuttles tatsächlich die umgebauten Shuttles aus STD sind, deren Modell weit über 100 Jahre alt sein dürfte. Man hat ja oft an Schulen zu wenig Geld.

Moment mal…? Das Star Trek-Universum… Mit Delta Flyer und so…

Kein Geld… ?

Mal abgesehen von dem Shuttle… An WAS erinnert mich nur diese Architektur? Na klar: An die tollen Wohn-Hochhäuser, die in armen Städten so beliebt sind. Toll, wie viele subtile Details die Macher immer einbauen!


Fazit: Egal, welche leckere Geschmacksrichtung von allgemeiner Verwirrung man diesmal beabsichtigt hat: 6,5 Minuten sind einfach zu wenig für IRGENDWAS. So fühlte ich mich heute nicht mal ausreichend verschaukelt, wie sonst bei Kurtzman-Trek.

Und das verursacht ein herbes Verlustgefühl, das wohl nur mit dem Tod von Grimassen-ziehenden Elterndarstellern vergleichbar ist.

Die Aufwertung von der üblichen „Darf man hier noch weiter graben?“-Note gibt es diesmal tatsächlich wegen des guten Castings. Und für die fehlenden Dialoge.

Der Schmalz-Song ist aber echt zu viel. Da könnten mir auch zwei Kosmetikerinnen mit Gewalt die Tränen aus den Augäpfeln drücken!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Oh, wieder Zeit für unsere Tabletten?!
Meine Güte, wie das beim Trek wieder aussieht. Geht ja gar nicht. Die Effekte könnten mit ihren dunkel-dumpfen Farben auch aus dem Vorspann des nächsten Doom-Spiels stammen, während alle Beteiligten wohl nur eine verpasste Pillen-Ausgabe vom Sprung von der nächsten Brücke entfernt sind.

Discovery sei Dank kann ich eh nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, in welcher der Star Trek Epochen wir uns gerade befinden. Wurde deren Geschichte und Look über all die Jahre mit der Liebe eines Sammlers wertvoller wie langweiliger Briefmarken gehegt und gepflegt, stampft man seit J.J. „Mystery Box“ Abrams wie ein schielender Elefant mit Parkinson durch den Scherbenhaufen ehemaliger Konsistenz. Natürlich nur echt mit Endzeit-Farbfilter.

Wurde in der Zwischenzeit etwa Trump IX zum Föderations-Präsidenten gewählt? Oder warum ist die Optik schon seit dem Abrams-Trek so merkwürdig martialisch und wenig optimistisch? Komische & scheissig designte Holo-Schilder mit „Achieve“, „Grow“ & „Work sets you free“ (glaub ich) helfen da auch nicht weiter.

War man als Föderierter bei TNG & Co. noch so entspannt wie ein Mitarbeiter der Steuerberater-Hotline, gibt es beim New Trek schon für ein Anrempeln und Lehrer-Karikaturen direkt ordentlich einen auf die Fresse, während die Schulkollegen begeistert zujubeln. Nennt mich alt, aber DAS hätte es früher beim Boothby nicht gegeben!

Was war eigentlich die Story des Ganzen? Was wird vom Zuschauer an Lektionen mitgenommen? Man kann sich auch als Frauen ordentlich in die Nicht-Eier hauen, aber dank „Space 9/11“ am Ende doch noch beste Freunde werden? Menschen, die nicht malen können, gehören verprügelt? In unserem Schulen gibt es nicht genug Gehirnwäsche-Schilder? Runzelige Picard-Köppe auf Bildschirmen sind die beste Anfix-Methode?

Ähnlich hervorragend harmoniert hat auch die Wiederholung der gruseligen Mutti-Zunge (Danke für die Albträume!) in der Emo-Rückblende mit Herzschmerz-Musik. NOCH einfacher hätte man es sich wohl nur mit dem Einsatz von Nine Inch Nails „Hurt“ machen können. Aber wenigstens war man nicht SO verzweifelt!

Apropos, so langsam frage ich mich ja doch, warum wir hier eigentlich noch diese Reviews verfassen. Wie viele im deutschprachigen Raum schauen sich die Short Treks schließlich an? Mehr als FÜNF? Glücklicherweise hat sich der Aufwand für diesen Meinungskasten in Grenzen gehalten. Man wäre ja auch schön dooof, wenn man dafür jetzt ein Arbeitsfass aufmachen würde.

Übrigens, diese Picard-Werbe-Vorschau der Short-Treks und der allgemeine Verfall durch das Kurtzman-Trek hat unser Redaktionsmaskottchen „Schpock“ (und auch mich??) in eine dramatische wie melancholische Sinnkrise gestürzt.

Welche ich glücklicherweise als mediales Mahnmal für euch alle aufzeichnen konnte:

Wertung: 2 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 11.01.20 in Star Trek, Star Trek: Picard

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Kommentare (19)

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  1. JP1957 sagt:

    Zu früh … zu früh … zu früh … die Picard Serie startet doch erst in 14 Tagen.
    So lange werd ich mein Leben noch genießen (*Phaser wegschieb*).

  2. Nerd sagt:

    Optisch gibt es wirklich keinen Unterschied zu STD. Selbst die Schiffswerft und Raumschiffe haben sie 1:1 aus STD übernommen. Soll das nicht 150 Jahre früher spielen?

    Teuer kann dieser Short Trek wahrlich nicht gewesen sein, wenn sie das in einer stinknormalen Bücherei gedreht haben mit Ikearegalen und mechanischen Türschlössern. Man hat sich nicht mal die Mühe gemacht, Heizungsrohre und Kabelkanäle zu verstecken. Auf dem Mars gibt es offenbar auch 400 Jahre alte Treppenhäuser.

    Bin ich eigentlich der Einzige, der es merkwürdig fand, dass Papa nicht nach Hause kommen kann, obwohl der Mars nur Minuten entfernt liegt und ein nukleares Inferno auf aus dem Orbit sichtbare Großstädte gerade mal 3.000 Leben kostet?

    Warum tragen die da überhaupt noch Schuluniformen, warum wieder so ein emotionaler Vulkanier und wieso transparente Displays, auf denen man 1. nichts sieht und bei denen man 2. nach spätestens fünf Minuten übelste Verspannungen bekommt, weil man mit ausgestreckten Armen arbeitet.

  3. Grinch1969 sagt:

    Ich schaue das nicht aber lese eure Reviews. Wahrscheinlich habe ich bereits die Kontrolle über mein Leben verloren.

  4. Serienfan sagt:

    Löblich: wo andere Showrunner für das Nicht-erzählen von Storys 6 Episoden mit Überlänge brauchen, reichen hier 6 Minuten.

    Ich frage mich nur mit mäßig-amüsiertem Interesse: ist diese sublime „Picard“-Werbung auf Netflix zu sehen gewesen?

  5. TUB_Stephan sagt:

    Bin ja schon gespannt, wie unterirdisch Picard wird. Und es wird der selbe Mist wie bei Discovery, nein ich meine nicht den Mist wie Discovery und garantiert den Mist Picard, damit meine ich die unzähligen Diskussionen, die keinen Konsens bringen, nur das bekämpfen zweier Meinungsgruppen und daher nichts ist, außer Energieverschwendung.

    Das hat doch schon sadomasochistische Züge sich diesen Quatsch anzutun.
    Nur weil Star Trek draufsteht?
    Ich denke den meisten ist klar, dass Star Trek, dass was es für die meisten war, tot ist und wir hier einen billigen Abklatsch einer tollen Sache bekommen. Als ob der Partner tot ist und trotzdem noch Sex mit ihm hat.
    Und in dieser verdammten Konsumentengesellschaft kann man nur eins machen, sich z.B. bezogen auf Star Trek, sich eben von diesem Schrott frei machen, sich erwachsen verhalten (Gott, ich habe es wirklich geschrieben)und was eigenes zu erschaffen, was vielleicht eine Fanbase findet und dennoch mit Qualität überzeugt oder vernünftig zu handeln und diese scheiß Produkte links liegen zu lassen und gute Produkte zu unterstützen.

    Mich würde ja interessieren wie viel der Mist in der Produktion kostet. Was eigentlich das Marketing verschwendet, die Gagen, die Produzentengehälter und was eigentlich daneben für die Umsetzung übrig bleibt

    • Serienfan sagt:

      „Billiger Abklatsch“?

      Wenn es denn nur ein „billiger Abschlatsch“ wäre! Aber es ist ja eine gezielte Transformierung bis ins Gegenteil, unter dem Gummi-Argument der angeblich notwendigen Modernisierung.

      Lernen kann man daraus, dass man die Star-Allüren von Shatner und Nimoy wohl stets überschätzt, die von Stewart wohl stets unterschätzt hat. Shatner und Nimoy haben zumindest nie ihre Minderwertigkeitskomplexe auf Kosten von Star Trek ausgelebt und dabei ihr Ego über Charaktere gestellt, die andere erschaffen haben und denen sie ein Leben als Multi-Millionäre zu verdanken haben.

      Das hat übrigens auch nichts mit irgendeiner Heile-Welt-Sehnsucht des in der Vergangenheit lebenden Fans zu tun. Ich würde auch keinen J.R. Ewing akzeptieren, der im Alter plötzlich als Entwicklungshelfer selbstlos die Malaria in Afrika bekämpft. Und eine Miss Marple, die Morde nicht mehr aufklärt, sondern selbst begeht, fände ich halt auch idiotisch.

      Ich sehe es jetzt schon vor mir. „Picard“, eine Serie strotzend vor Blödheit und erhobenen Woke-Zeigefingern, begleitet von den typischen Review-Phrasen über „erwachsen gewordenes Star Trek“, garniert mit dem typischen Bashing der ach so „toxischen“ Fans.

      Antworten
    • TUB_Stephan sagt:

      „Wenn es denn nur ein „billiger Abschlatsch“ wäre! Aber es ist ja eine gezielte Transformierung bis ins Gegenteil, unter dem Gummi-Argument der angeblich notwendigen Modernisierung.“

      Ich glaube das ist der Punkt und was für einen Grund hat diese Transformation, ich würde Demontage sagen? Du sollst nicht von einer besseren Welt träumen, Du sollst Dich mit dieser arrangieren. Das kriegt man ja dauernd gesagt, sei bodenständig, um es kurz zu machen.

      „Ich sehe es jetzt schon vor mir. „Picard“, eine Serie strotzend vor Blödheit und erhobenen Woke-Zeigefingern, begleitet von den typischen Review-Phrasen über „erwachsen gewordenes Star Trek“, garniert mit dem typischen Bashing der ach so „toxischen“ Fans.“

      Das sehe ich genauso, dahingehend wurde mir gesagt, dass ich negativ bin, kann möglich sein, aber ich würde, in diesem Fall eher, gemachte Erfahrung anführen, aber da gibt es ja immer die Bullshit-Aussage, aber die Hoffnung, blabla, dass klingt für mich dann eher wie Selbstbetrug.

      Was mich noch an diesen PR Quatsch stört sind dann solche Sachen, wie „Captain Picard – eine moralische Autorität“, wie da eine Heldenverehrung gepusht wird, sagenhaft, da könnte ich am Strahl kotzen. Das war er für mich nie, kultiviert ja, diplomatisch ja, aber dieser Quatsch mit der moralischen Autorität ist überzogen, im Nachhinein aufgebauscht, gleichwie Kirk in jeder Folge eine Dame aufs Kreuz gelegt hat. Klar gab es da ein paar super Folgen, wie Das Standgericht oder Wem gehört Data und ist Riker damit weniger moralisch, weil er für die Gegenseite prozediert? Da gab es einige Sachen, wo ich sage: Oh wenn der Bürokrat wäre, dann würde ich dem das abkaufen, z.B. seine ekelhafte, selbstgerechte Rede über die oberste Direktive, als da sich die Atmosphäre eines Planeten auflöste. Oder er als starker Macho, als die Mannschaft kurz vorm Erfrierungstod stand und Beverly meinte, sie gibt ihren Sohn ein Beruhigungsmittel und er emotional, inkompetent in bester machomanier meint, nein Wesley solle den Tod mit offenen Augen begegnen und er noch augenrollend Frauen ausspricht, dann wäre das fragwürdige Ende des Son’a in der Aufstand, vom Ersten Kontakt muss ich nicht schreiben und es gibt einiges mehr.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Die Grund für die Transformation? Wahrscheinlich allerlei:

      – Pseudo-Depri-Geschwurbel gilt als „modernes“ Fernsehen
      – Streitdialoge von Dummköpfen sind leichter zu erfinden als nachvollziehbare Konflikte unter intelligenten Personen – die Autoren machen es sich lieber einfach
      – Star Trek gilt als uncool und soll durch Star-Wars-Action mainstreamisiert werden

      Meine Prognose zu „Picard“: Die Serie wird exakt so sein wie „Star Wars – Episode 9“. Jede Menge Fan-Service, extrem viel Action, eine an Schwachsinn grenzende Story, ein paar gelungene Charakter-Szenen und im Gegenzug die Dankbarkeit der Discovery-Misshandelten, dass es wenigstens nicht ganz so unsagbar fad ist.

      Für Staffel 2 wird man dann noch ein paar TNG-Charaktere mehr zurückholen und uns in Dialogen mit Lippenbekenntnissen bombardieren, wonach die Föderation vor lauter Idealen und Ethik kaum geradeaus gehen kann, auch wenn man davon in der Story gerade nichts mitkriegt.

      Antworten
  6. Nestroy sagt:

    Falls jemand doch noch die Hoffnung gehabt hatte, dass Star Trek Picard zumindest einen Rest vom guten alten TNG fortführt, der muss leider enttäuscht werden, wie ich soeben gelesen habe.

    Patrick Stewart hat im unten verlinkten Artikel höchstselbst gesagt:

    „Ich denke was wir sagen wollen ist wichtig. Die Welt von ‚Next Generation‘ existiert nicht mehr. Es ist anders. Nichts ist wirklich sicher. Nichts ist geschützt.“

    Auch der weitere Text des Artikels lässt durchblicken, dass Stewart selbst auch wohl ein Interesse daran hat auch alle anderen positiven Aspekte von TNG und Picards Enterprise zu demontieren. Die Besatzung der Enterprise-D? Zu beschützt und respektvoll miteinander. Die Föderation selbst? Zu positiv und utopisch gezeichnet. Die Aussicht auf die Zukunft? Düster! Bitte! Wer die neue düstere Föderation in Discovery schon mochte, der wird Picard lieben.

    Solche Leute vielleicht schon, ich aber nicht.

    Link: http://www.robots-and-dragons.de/news/121815-keine-heile-welt-patrick-stewart-uber-star-trek-picard

  7. WKT sagt:

    Patrick Stewart hat doch schon vor vielen Jahren klargemacht, was er eigentlich möchte, damals hat er es nur teilweise bekommen. Jetzt ist er in einer Position, die ihm erlaubt alle möglichen Forderungen zu stellen, die bedingungslos erfüllt werden. In Verbindung mit den anderen Namen, die an der Produktion beteiligt sind, ist doch eigentlich klar was uns erwartet. In zehn, fünfzehn Jahren wird man nüchtern auf das neue Star Trek zurückblicken und ein vernichtendes Urteil fällen. Leider wird dann auch Stewarts Name mit dem intellektuellen Niedergang des Franchises verbunden sein.

  8. phip sagt:

    Habe ich irgendetwas verpasst? Ich meine bei Star Wars hat Disney klar gesagt was noch Canon sei und was nicht (mehr). Hier sehe ich nichts mehr von der Gesellschaft, die Roddenberry und Picard angepriesen haben: „Wir haben unsere Fehler überwunden und sterben nach Größerem“. In der (dieser) Zukunft wäre es gar nicht möglich, dass Papa nicht frei bekäme; und wenn, dann würde Töchterchen gar keinen Frust entwickeln und ihre Mitschülerin nach allen Regeln einer (Weiterführenden-)US-Hochschule aus den 1980ern verulken/dissen/schlagen …

    Die fahren ehrlich mit einem Sammelshuttle zur Schule? Und es gibt keinen Folgezug für verpennte? Nicht Mal das erdumspannende Transporternetz darf man benutzen (weil dies in der Pubertät die aus den Fugen geratenen Hormone wieder in Ordnung bringt oder weil wegen Religion)? Ein 08/15 Drehbuch aus der (möglichen) Preschool-Zeit eines Drehbuchschreibenden [habe ich richtig gegendert?] in den 80ern. Papa und Mama ist auf Pearl Harbor, um Kriegsschiffe gegen die Kommunisten zu bauen und hat für den Junior keine Zeit.

    Ich glaube, bald werden wir mit massiven Löschanträgen auf Memory Alpha konfrontiert werden. Admiral Picard? Ich dachte Janeway sei noch zuständig und Picard längst senil.

    Ist das Kunst oder kann das weg? Ist das Bauhaus oder Bauklotz? Und (über 7 Ecken verlinkt) ist das noch Punk Rock?

    Aber Hut ab für eine gute, ordentliche, gepflegte, anständige, solide, gediegene Schulhofschlägerei im Flur.

    • Serienfan sagt:

      Bei „Star Trek“ wurden die Ideale der Sternenflotte demontiert.

      Bei „Star Wars“ wurden die Ideale von Luke Skywalker demontiert.

      Und, Trommelwirbel, supergroße Überrschung: Ich beiden Fällen waren die Fans nicht begeistert!

      Antworten
    • Grinch1969 sagt:

      Also ich fand den Ansatz mit Demontage zumindest bei Skywalker sogar sehr gut. War für mich absolut kein Problem auch ihn mal scheitern zu sehen.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Wir hatten ja erst im Film vorher erfahren, dass es mit Han Solo kein gutes Ende nahm. Die Ehe scheiterte, der Sohn geriet auf die schiefe Bahn, und Han Solo wurde wieder zum profitsuchenden und dabei wenig erfolgreichen DHL-Boten, der auch noch seinen Falken verloren hatte.

      Irgendwann hat der Zuschauer auch mal die Nase voll von dem „auch mal scheitern sehen“.

      Antworten
    • Grinch1969 sagt:

      Alles für mich kein Problem, hab da in der Realität schon weit schlimmere Dinge gesehen. Das mit dem Falken hat allerdings wirklich weh getan, ich würde mir meine Shelby Cobra ja auch nur aus meinen klammen, kalten, toten Fingern reißen lassen.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Irgendwann WIRD es aber halt zum „Problem“, was mich fragen lässt: Wieso glauben andauernd irgendwelche Autoren, es sei wahnsinnig kreativ, zu zeigen, wie Dinge den Bach runtergehen?

      Jeder DEPP kann Dinge den Bach runtergehen lassen!

      Das ist eine echt leichte Übung! Die „drei Fragezeichen“ als Erwachsene? Justus ist Verbrecher geworden und sitzt im Knast, Peter ist ein bierbäuchiger Alkoholiker, und Bob hat sich erhängt, nachdem sein erstes veröffentlichtes Sachbuch von der Fachwelt verrissen wurde.

      Ist doch super kreativ, und so gegen alle Erwartungen!!!

      Machen wir doch so weiter! Setzen wir alle Disney-Filme fort mit Szenen, die zeigen, das Schneewittchen stets von ihrem Prinzen verprügelt wurde, dass die sieben Zwerge in einem vom König angezettelten Krieg verstümmelt wurden, und dass der Wald dem Bau einer Golfanlage zum Opfer fiel.

      „Ist halt was anderes.“

      Dummerweise IST es halt inzwischen nichts anderes mehr. Ob nun „Alien“, „Terminator“, „Ghostbusters“, „Star Wars“, „Doctor Who“ … es wurde doch in den letzten Jahren EIN Franchise nach dem anderen mit der „mal was anderes“-Floskel schwungvoll an die Wand gefahren!

      Wieso bitte holt man Picard zurück??? WIESO??? Die Sehnsucht nach Picard ist ja wohl kaum die Sehnsucht nach einem Möchtegern-Bruce-Willis, der mit mit der „Herr der Ringe“-Laienspieltruppe durch eine Dystopie düst.

      Das ist in etwa so, als würde man die verloren gegangenen Gäste eines vornehmen Restaurants mit dem alten Küchenchef zurück ködern, um DANN BigMacs zu servieren.

      Antworten
    • Grinch1969 sagt:

      Zu meinem Problem wirds nicht.

      Antworten
  9. Anubiz sagt:

    Dieser Clip zeigt genau, was nicht stimmt mit dem neuen Star Trek.
    Man nehme eine Highschool, shoppe ein paar Hologramme rein, fertig.
    Die Kids sind auf einmal genauso Idioten wie heute, von Weiterentwicklung keine Spur mehr.

    Mit düster etc hab ich keine Probleme.
    Was Stewarts Vorstellungen angeht, hab ich keine Ahnung. Hab nur mal gehört, daß ST 9 viel düsterer hätte werden sollen, und diese ganze Schnulzenkram auf Stewarts Einfluß reinkam, also das Gegenteil was hier in den Kommentaren steht?

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