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„Schreib halt was hin“ – Drehbücher im neuen Star Trek

Drehbücher sind interessant: Man schreibt als Lohnsklave etwas auf, übergibt es Alex Kurtzman und plötzlich wird alles Star-Trek-Kanon. Ohne spürbarer Absprache mit den anderen Autoren. Diese „Demokratisierung des Schaffensprozesses“ ist faszinierend in einem Franchise, das früher von Fan-Scripts überschüttet wurde – von denen fast alle abgelehnt wurden. Doch was sind eigentlich Merkmale von guten Storys? Und wie ist meine Prognose zur „Picard-Serie“? Und hat CBS Ideen eines Indie-Spiels geklaut?

Wie viel von den Drehbuchautoren abhängt, scheint vielen Zuschauern immer noch nicht bewusst zu sein. So ernte ich z.B. immer wieder mal Antworten wie „Kein Wunder, Doc X war ja auch besser als Y“, wenn es um „Doctor Who“ geht. Wenn ich dann erwähne, dass die Autoren ja gleich geblieben seien (bzw. gewechselt haben) oder sogar ein anderer Showrunner am Start sei, so ernte ich fragende Gesichter. Das Wort „Regisseur“ und seine Bedeutung scheinen inzwischen bekannt zu sein, das Wort „Autor“ hingegen nicht. („Ah, du meinst sicher Autor…adio?“)

Noch immer scheinen viele zu glauben, dass der Kellner auch das Essen kocht, die Möbel aufstellt, die Speisekarte festlegt und den Wein im Keller selber keltert.

Aber okay… Ich kann es schon verstehen, dass man nicht an allen Schaffensprozess-Teilnehmern Interesse hat. Mich selbst z.B. interessieren Schauspieler eher weniger, was ich allerdings oft durch blöde Sprüche zu kaschieren versuche. Irgendwas muss man hier auf Zukunftia ja hinschreiben! Aber wenn wir alle mal ehrlich sind: Wen interessiert schon, ob Michael Burnhams Darstellerin 15% mehr oder weniger talentiert ist? Ob sie älter, schwärzer oder jünger ist? Ob sie viel gestikuliert oder eben gar nicht? Ob ihre Tränen künstlich oder CGI-animiert sind? – Das ist mir meist vollkommen Latte. Und wenn ich mir Sonequa Martin-Greens „Arbeit“ so ansehe, dann weiß ich, dass es ihr ganz ähnlich geht.

Die Darsteller bei TOS und TNG (an die danach erinnere ich mich nicht gut genug) waren zu einem großen Teil auch eher B- bis C-Mimen, denen man ihre Gefühlsregungen nur dann abgenommen hat, wenn sie still an einem Tisch saßen, um das Tagesgeschäft zu diskutieren. Sobald es emotional mal ein bisschen tiefschichtiger wurde, musste Stewart (und vielleicht noch Nimoy und Spiner) die Arbeitsmoral im Alleingang retten. Ich erwähne das nur, um klarzumachen, dass es am Ende die Drehbuchautoren und Dialoge waren, die alles zu Kultserien verwurschtelten. Ungefähr so wie hier.

Welche Macht die „richtigen“ Worte haben, kann man hier vielleicht ganz gut sehen. Stellen wir uns einfach vor, dass es hier nicht um Synchronisation geht, sondern darum, dass sich ein Autor zwischen zwei möglichen Dialogen entscheiden muss. Nach den „Discovery-Schreibregeln für doofe Zuschauer“ würde die Szene übrigens so beginnen: „Stimmt etwas nicht, Mister Spock? Sie sehen SEHR traurig aus. Das macht mich auch TRAURIG.“ – „Es ist nichts. Schnief. Ach, warten Sie… Folgendes wollte ich Ihnen schon IMMER mal sagen…“

Es ist es spannend herauszubekommen, WARUM einem eine Geschichte gefällt – oder warum nicht. Wenn man erst einmal an diesem Klebstoff geschnüffelt hat, kommt man davon nie wieder los. Dann will man auch dissen… äh… wissen, wie sehr z.B. der Showrunner die einzelnen Drehbücher beeinflusst. Und was eigentlich ein „Writer‘s Room“ ist. Und wie beispielsweise ein Joss Whedon die „Buffy“-Drehbücher verfeinerte, wie er es vorher bereits als sogenannter „Script Doctor“ getan hat.

Kurz: Die Autoren sind das Herz der Geschichte, sofern vorhanden. Und hier fällt schon mal auf, dass die Schreibsklaven von Discovery (und der neuen Picard-Serie) beinahe null SF-Erfahrung haben. Null. Niente. Zero. – Okay, mit eeetwas gutem Willen könnte man Alex Kurtzmans Drehbücher für „Transformers“ und „Cowboys and Aliens“ in diese Sparte stecken, wenn man umherfliegende Schrapnelle denn irgendwie für zukunftsträchtig halten möchte. Für den Schrotthändler am Set mag es sogar so sein… („Juchu! Gratis-Geld“)

Ansonsten hat seine Autorencrew wenig mit (guter) SF zu tun gehabt. Und ich behaupte, dass man das merkt. Nicht eine einzige technische Errungenschaft bei Discovery wurde bisher so beschrieben, dass sie einfachen naturwissenschaftlichen Prüfungen standhalten würde. Wo man früher oftmals noch ein paar Konzepte wie „String-Theorie“, „Quantenverschränkung“ oder „Raumkrümmungen“ verwurstet sah, müssen wir uns plötzlich mit einem seltsamen Geschwurbel herumärgern, als wenn ein Blinder von der Farbe der Sonne reden würde. Plötzlich sind Pilze(!) der Kern der Physik, die dann wahlweise verschiedene Universen zugänglich machen, als Jenseits-Reich herhalten müssen (Dr. Culber ist da jetzt drin?) oder als Raum-Abkürzung dienen. Zeitreisen kommen vermutlich auch noch, gefolgt von einer umfassenden Space-Intelligenz und der Heilung von Weltraum-AIDS.

Science Fiction, das ist für die Disco-Macher eben nicht ein Konzept, das mit bestimmten Erfindungen ganz bestimmte Probleme löst – und neue erschafft. Nein, für sie sind es stets allumfassende Erfindungen, die einfach mal alles lösen. Und wenn das in einer Staffel mal schiefgeht, ist die Erfindung „böse“ und wird angeblich nie wieder angerührt. (= „Die Tatsache, dass wir jetzt endlich wissen, wie man die Sporenkrankheit von Stamets heilen kann, bringt mich nur zu einem Schluss: Diese Technik ab JETZT nicht mehr zu benutzen.“)

„Deine Fähigkeit zu lieben, das hat mich gerettet, Michael! Heul…“ – Wenn Ash Tyler zu den Klingonen geht, passt nichts mehr zusammen: Wie kann jemand gefühlt eine halbe Stunde rumschleimen und rumheulen, um sich dann für die kalte Klingonenwelt zu entscheiden? Wie wäre es daher mit einem Satz gewesen, wie: „Als Mensch würde ich sagen, dass deine Liebe mich gerettet hat. Doch mein klingonischer Anteil sagt einfach nur … Danke für deine Hilfe.“ – Wo bleibt sonst das Ambivalente?

Ich behaupte mal, dass die Autoren (oder Kurtzman als „Endabnehmer“) noch nie mehr als zwei Folgen „Abenteuer Forschung“ gesehen haben. Nun mag der eine oder andere behaupten, dass es doch egal sei, ob man nun das Konzept der Lichtgeschwindigkeit verstanden hat – oder eben nicht. Ich behaupte aber, dass man selbst die größten Schrottdrehbücher noch veredeln kann, wenn man stets ein paar Sekunden Klugheit drüber streut. Und sei es nur was, was ein zweiklassiger technischer Berater aus einem alten P.M.-Artikel gekratzt hat.

Stets wirken die verwendeten technischen Begriffe schwammig. – WAS sind die „kondensierten Pfützen“, die beim Sporensprung auftreten (und dann nie wieder?). Etwa Wasser, das aus der Pilzdimension in die unsere dringt? (Von mir erwünschter Erklärsatz: „Keine Sorge, es erscheint nie innerhalb vom menschlichen Körper!“)

Wie kam man überhaupt darauf, dass man damit im Weltraum rümdüsen kann? Wäre es nicht schön gewesen, Stamets würde mal in einem ruhigen Moment erzählen, wie er vor 12 Jahren die fremden Sporen bestrahlte und dann ein Reagenzglas einfach durch den Tisch durchfiel? Und dass er dann wusste, dass er „von der Geschichte der Wissenschaft auserwählt“ sei? Das hätte dann auch gleich erklärt, warum er stets so überheblich rüberkommt.

Ebenso ist für mich die Illusion futsch, wenn mir bei Discovery ständig erklärt wird, wie genial, schlau und talentiert jedes der Führungsmitglieder doch ist. Um es dann in jeder Folge zu wiederholen: „Sie sind der beste Specialist der Sternenflotte, ganz ehrlich! Wie Sie das immer machen mit diesen … Spezialisten-Sachen. Mann ey!“

„Hey, das Ding mit den Tropfen wird aber später nicht wirklich wieder aufgegriffen, oder? Aber das ist sicher eine Ausnahme… Daher öffne ich jetzt eine der Türen durchs bloße Anhauchen und gehe ins Bett.“ – Geboren, um zu gehen: Auch in den 90ern wurden etablierte Dinge oft nie wieder gezeigt. Da hatte man allerdings noch nicht den Anspruch, eine staffellange Geschichte zu erzählen. – Übrigens wird in Folge 3 auch erwähnt, dass 300(!) Forschungsprojekte auf der Discovery stattfinden. Gezeigt wird aber nur dieses hier.

Und das sind eben keine kleinen Problemchen, an die man sich halt gewöhnen muss (sonst „Hater“), sondern teilweise schlimme Schnitzer, die in jedem Drehbuch- oder Autoren-Workshop für nackenschädigendes Kopfschütteln des Lehrers sorgen würden.

„Etabliere das, was du später noch mal zeigen willst, aber ändere es nicht mehr!“, würde der rufen.

Oder: „Lass nie Personen gut dastehen, indem andere sie ständig loben. ZEIGE lieber etwas Schlaues! Show, don‘t tell!“. (Und wenn es nur ist, dass ein Charakter einen Nebenfigur davon überzeugt, dass man mehrere Diagramme übereinander legen sollte, um statistische Ausreißer zu finden.)

Oder: „Charaktere brauchen eine glaubwürdige Entwicklung, vor allem, wenn sie eingefahren sind. Wenn Burnham früher noch NIE verliebt war, dann lass es nicht zu, dass sie sich nach 60 Sekunden Kantinengespräch einfach so … verliebt.“

Oder: „Lasse wichtige Entscheidungen nicht ständig außerhalb der Screentime ablaufen!“ (= Warum geht Tyler zu den Klingonen am Ende? Wieso lobt die Sternenflotte mal Burnham für Verfehlungen, dann wieder nicht? Kann man da nicht mal das politisch motivierte Abwägen im Hinterzimmer zeigen?)

All das sind Dinge, die bei Discovery im Minutentakt gezeigt werden. Und da dort niemand drüberbügelt – oder es zumindest auf das nötigste eindämmt – , heißt das für mich: Dem Lektor/Korrektor/Durchwinker ist es scheißegal. Mir kann keiner sagen, dass nicht jeder normal denkende Mensch bei der ersten Tilly-Web-Episode zumindest gedacht hat: „Wieso sollte ein Planet zusammen mit seinen Bewohnern geboren werden?“

Okay, vielleicht war es sogar ganz anders gemeint und nur im Dialog falsch rüber gekommen. Aber dann wäre ein kollegiales Zurufen über den Autoren-Flur ausreichend gewesen („Weißt du eigentlich, wie ALT Planeten sind?“), um die schreibende Kollegin ausreichend zu mobben. Und zu mehr Qualitätsarbeit zu bewegen. Oder dazu, sich mal Wikipedia mit gelbem Textmarker auf dem Monitor anzustreichen.

Lorca früher und heute: Zu Beginn ist er noch schlau, strategisch und weiß genau, wie er sein Gegenüber führen kann. Doch schon wenige Folgen später ist er überzeugt davon, dass Burnham sich (relativ grundlos) für ihn entscheiden wird. Außerdem hält er sich für unfehlbar (obwohl er nur extrem viel Glück hatte) und faselt derartig von Allmachtsphantasien, dass er selbst Hitlers Helfer dazu gebracht hätte, mit dem Zeigefinger Kreisbewegungen an der eigenen Stirn zu vollführen.

So gehe ich auch schmerzlich davon aus, dass die die „roten Lichter“ in Staffel 2, die plötzlich in der ganzen Galaxie aufleuchten, zeitgleich „empfangen“ werden. Vermutlich wird man es auch genauso in der Serie formulieren: „Sind gleichzeitig erscheinen“ – Punkt. Sonst nix. Das kann man natürlich machen. Muss man aber nicht. Schöner wäre doch für alle das hier:

„Burnham, das ist unmöglich! Die Lichtgeschwindigkeit erlaubt es nicht, dass wir – exakt auf die Minute – alle Signale gleichzeitig empfangen!“

„In diesem Falle schon, Captain. Jemand hat sich die Mühe gemacht, hochverdichtete Gravitonen vorauszuschicken, die den Raum vor den Photonen minimal krümmen. Ähnlich einem hypothetischen Warpantrieb mit dem Faktor 9,998!“

„Das … ist … unfassbar!“

Nein, kommt mir bitte jetzt nicht mit: „Dafür ist keine Zeit!“ Wir sprechen hier maximal von 10 Sekunden Screentime. Und von einer Serie, die uns eine halbe Staffel lang Tylers mysteriöse Schnetzel-Visionen gezeigt hat, obwohl jedem klar war, wohin das führte. Und selbst, wenn niemand der Zuschauer sich für Gravitonen oder Lichtgeschwindigkeit interessieren würde, so würde der ganze Plot trotzdem viel mysteriöser, größer und bedeutsamer erscheinen! Selbst Sepp, dem Dorfdepp, würde bei meinem Beispieldialog ganz sanft dämmern, dass sich hier irgendeine Macht ganz besonders viel Mühe gegeben hat. Und eben nicht nur 7 Funktürme angestellt.

Selbst, wenn man die (wissenschaftlich umstrittenen) Gravitonen als Nerd scheiße finden würde, so sind diese noch immer besser als „Denkt euch selbst was aus, wir Autoren hatten keinen Bock“.

Früher fand ich die ganzen Erklärungen zum Warpantrieb albern. Doch heute, wo alles total „verpilzt“ ist, gewinnt der alte Blödsinn einen neue Anziehungskraft. „Blödsinn“ deswegen, weil ich in der dritten Gleichung einen klitzekleinen Rechenfehler sehe. (*künstliche Nerd-Pickel ins Gesicht kleb*)

Da wir gerade so schön über die Autoren spekulieren…

Wir müssen eh mal den Elefanten im Raum ansprechen. Einen Elefanten, der sehr nach Tardigrade aussieht. Denn ganz zufällig ähnelt der Bärtierchen-Plot bei Discovery extrem einem Indie-Spiel, das bereits deutlich vor Serienstart auf Steam vorgestellt wurde – und derzeit noch unter dem Namen „Tardigrades“ entwickelt wird. Die Ähnlichkeiten waren sogar so frappierend, dass der Gamedesigner sich nun genötigt sah, CBS vor Gericht zu bringen. Schon alleine, um nicht selbst wegen vermeintlichem Ideenklau verklagt zu werden, sobald sein Spiel rauskommt. Denn CBS drohte dem Designer bereits ein Verfahren an.

Aber seht selbst:

Die Parallelen sind teilweise gruselig: Eine Crew findet heraus, dass man mit blauem Flitter und riesigen Bärtierchen superschnell durch die Galaxie reisen kann. Zwei der Leutchen sind homosexuell und sehen Stamets und Culber ähnlich. Und das ist noch nicht mal das Ende der Fahnenstange…

Diese Zufälle sind tatsächlich recht seltsam. Und ich tendiere dazu, es nicht nur für Zufälle zu halten. Es sei denn, man könnte mich für diesen Gedankengang abmahnen. DANN würde ich ganz klar verkünden, dass dieser miese, dreckige Gamedesigner gefälligst seine Pfoten von CBS-Ideen nehmen soll, jawoll! Ist ja ekelig, so was! Kann froh sein, dass er von so einer sympathischen Firma wenigstens noch mit einer Klage bedroht wird!

Ob es sich hierbei nun um böse Absicht, ein unbewusstes Aufschnappen von Ideen oder um einen Vollkommenen-Zufall-im-Ernst-ich-sage-das-ohne-Knarre-an-der-Stirn handelt, ist am Ende des Tages auch fast egal. In Erinnerung bleibt nur, dass man hier nicht gerade offen und sympathisch mit diesem „seltsamen“ Thema umging. Zusammen mit dem unnötigen Verbot des Fanprojekts „Stage 9“ (= Enterprise D virtuell nachbauen) und der Abmahnung des Fanfilms „Axanar“ macht das nicht gerade Lust, sich hochpreisige Discovery-DVDs zu kaufen. Selbst dann, wenn ich die Serie toll finden würde.

Doch wir sind vom Autoren-Thema abgekommen…

Wie oben erwähnt, haben die alle weniger SF-Erfahrung als meine Mutter. Und das will schon was heißen! Akiva Goldsman können wir da allerdings etwas außen vor lassen, denn schließlich hat der auch „Lost In Space“ und „I, Robot“ verantwortet. Zwei Filme, die ich persönlich aber für belanglosen Schrott halte, denen nur das hohe Budget unter die flatternden Arme greifen konnte. Dass Goldsman nun also für die neue Picard-Serie verantwortlich ist, macht mich nervös! Nicht zuletzt, weil er beim filmischen Total-Versager „Der Dunkle Turm“ an zweite Stelle der Drehbuchautoren gelistet ist – und sogar an erster Stelle unter „Produktion“.

Durch moderne Vergrößerungstechnologie konnte ich bereits einige Zeilen der auf dem Tisch liegenden Zettel entziffern. Da steht: „- _ – – _ – – -_- —“
Im Prinzip also schon Brauchbareres als bei Discovery.

Autorentechnisch sieht es beim Patrick-Stewart-Projekt tatsächlich etwas interessanter als bei Discovery aus:

Kirsten Beyer durfte mehrere Ideen für Voyager pitchen, von denen leider keine genommen wurden. Allerdings schrieb sie einige okay bewertete Voyager-Romane, die immerhin zeigen, dass sie sich intensiv mit Star Trek beschäftigen kann. Diese für Vollzeit-Nerds verfassten Werke enthalten garantiert mehr „Fachwissen“ als die letzten drei Kinofilme. Weniger geht ja auch kaum…

Michael Chabon hat für seinen Roman „The Amazing Adventures of Kavalier & Clay“ immerhin den Pullitzer-Preis gewonnen. Es geht hierbei um zwei Juden, die Abenteuer- und Superheldengeschichten schreiben, bevor ihr Leben bergab geht. Lustigerweise spielt Homosexualität hierbei eine Rolle. Was ja gerade ein so großes Trendthema ist, dass ich Kollege Sparkiller manchmal schon aus Prinzip nackt um den Redaktionstisch jage.

Diandra Pendleton-Thompson war bisher anscheinend nur unterstützend tätig. Der in ihrem Dunstkreis auftauchende SF-Kurzfilm „Lucky Night“ (2014) hat selbst auf IMDB weder Bildchen, noch Inhalt, noch Reviews. Zu „Awakenig Love“ ist ebenfalls nichts rauszukriegen. Außer, dass sich auf dem Plakat zwei Menschen küssen und das irgendwie schmalzig aussieht.

James Duff schrieb ab den 90ern ein paar Teenager-Dramen für‘s TV, von denen ihr garantiert kein einziges kennt. Dafür hat er aber die Enterprise-Folge 1.10 verbrochen, die von mir mit einer 3- veredelt wurde. Wobei das Wort „Mayweather-Charakterfolge“ noch heute abführende Wirkung entfaltet. Mehr hat James Duff nicht für Star Trek gemacht. Reichte ja auch.

Alles zusammen genommen tippe ich also auf eine Picard-Serie, in der Akivia Goldsman ab und an populäre Themen vorschlägt („Künstliche Intelligenzen, die Hunger und Durst bekommen!“), dann aber sanft von Profi-Autorin Kirsten auf Spur gebracht wird („Nennen wir es doch … Datenbank-Durst und Input-Hunger?“). Michael Chabon wird dann ab und zu was Intellektuelles einstreuen („Kann ein Charakter ein schwuler Jude sein?“), während Diandra Pendleton-Thompson noch damit beschäftigt ist, nicht negativ aufzufallen – und irgendwie ihren ganzen Namen auf ihr Namensschild zu schreiben. James Duff ist dann das Zünglein an der Waage, weil er genau weiß, wie man als 63-Jähriger ein Teenie-Publikum anspricht („Der Jude sollte deutlich unter 25 sein!“).

Doch das alles werden wir erst in 1-2 Jahren erfahren. Bis dahin gilt: „Bringen Sie uns mit Warp an diesen strengen Korrektoren vorbei, Mister Kurtzman!“


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Artikel

von Klapowski am 14.10.18 in All-Gemeines, Star Trek: Discovery

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Kommentare (8)

  1. Donald D. sagt:

    Interessanter Artikel. Ich wußte gar nicht, daß „Disco“ soviel geklaut hat. Kann ja noch spannend werden, wenn die wirklich zweifelsfrei beweisen, daß CBS neuerdings aus purer Verzeiflung ohne Ende mopst und „Disco“ die Benutzung des „Mushroom-Drives“ (TM & C 2018 by Donald D.) untersagt wird. Vielleicht werden die Autoren dann gezwungen, kreativer zu werden, aber viel Hoffnung habe ich da eigentlich nicht. Was die Picard-Serie angeht: da sollten die etwas schneller sein. Stewart ist nicht mehr der Jüngste und wenn die Serie über mehrere Staffeln laufen soll, ist Eile geboten. Ein Alter von 80/90 Jahren im 20. Jahrhundert ist etwas anderes als im 24. Jahrhundert.

  2. Serienfan sagt:

    Nun isser also da! Der berühmte „Fachkräftemangel“, von dem man dauernd in den Polit-Magazinen liest, der sich aber sofort in Luft auflöst, sobald man die 45 überschritten hat.

    Gab’s also zu TNG-Zeiten den Star-Trek-Fachkräfte-Überschuss, ist man jetzt offenbar schon froh, für eine Picard-Serie jemanden zu finden, der ohne nachzuschlagen weiß, dass Star Trek nicht hinten mit „ck“ geschrieben wird. Anders kann man sich dieses Trauerspiel von Amateuren, die den neuen Autoren-Cast bilden, jedenfalls nicht erklären.

    „What makes it personal?“ soll Michael Piller ja stets bei den Autorenkonferenzen gefragt haben, eine Frage, welche die Disco-Autoren leicht beantworten können, ist doch die Disco-Crew genauso ziel- und motivlos unterwegs wie die Schreiberlinge, die wahrscheinlich ursprünglich geglaubt haben, die Fans würden ihnen eine wirre Ansammlung von trekkigen Begrifflichkeiten begeistert aus der Hand fressen, wenn dabei nur alles gehörig blitzt und kracht.

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Ich glaube nicht, dass die Autoren jemals im Detail verantwortlich sind für das Technobabble und die Charakterausarbeitungen, da diese Lohnschreiberlinge mit den Serien und Filmen, für die sie arbeiten, in der Regel nicht vertraut sind. Der Autor liefert den groben Rahmen und die Dialoge, die nicht charakter- und serienspezifisch sind, der Rest wird von der Stammcrew eingearbeitet, die für Technik, Charakterentwicklung, etc., verantwortlich sind. Auch die Regisseure wechseln bei jeder Episode und die wenigsten haben eine Star-Trek-Vorbildung. Niemand erwartet von den wechselnden Dienstleistern, sich vor Antritt des Jobs mit der gesamten Geschichte eine Serie/Filmreihe auseinanderzusetzen.

    Die ersten Staffeln einer Serie sind zumeist ziemlich unausgegoren. Erinnern wir uns an Picard, der später ein strenger, aber warmherziger Opa war, in den ersten beiden Staffeln aber ein ziemlich arroganter Schmierlappen. Data hatte zunächst eine Vokuhila-Frisur, eine recht emotionale Mimik und – obwohl schon 30 Jahre aktiviert – sehr kindische Charakterzüge. 30 Jahre hat er anscheinend nichts gerafft, bevor er in TNG innerhalb von 3 Staffeln zu einem reifen Charakter ausgebildet wurde. T’Pol war in der ersten Staffel ein sprechender Eisschrank, bevor man sie später viel weicher und menschlicher machte.

    Das Sporennetzwerk wird vermutlich ein Irrweg bleiben, wie auch der Transwarp- und der Slipstreamantrieb. Alles technische Entwicklungen, die Weltraumreisen letztlich uninteressanter gemacht haben. Bevor sich die „richtigen“ Leute zusammenraffen, bleibt vieles nicht zu Ende gedacht. Nehmen wir die Kazon in VOY, ein Dumpfbacken-Volk, das gleichwohl nicht nur über Hochtechnologie verfügte, sondern sich auch noch über mindestens 2.000 Lichtjahre ausdehnte, nämlich die VOY zwei Staffeln lang begleitete. Das Konzept der begrenzten Anzahl der Shuttle und Torpedos musste ebenfalls schnell über Bord geworfen werden. Viele Geschichten in den Star-Trek-Serien spielen auch nur zufällig im Star-Trek-Universum, könnten jedoch auch für jede andere (SciFi-) Serie geschrieben worden sein.

    Sollte DSC mehr als zwei Staffeln überleben, wird es vermutlich auch erst in der dritten, vierten Staffel zu sich finden.

  4. Tabularius sagt:

    Ich geb Klapo erst mal in allen Punken recht. Es währe sehr schön wenn sich die Autoren mehr Gedanken um Wissenschaft und Worldbuilding machen würden. (Ein nicht unerheblicher Teil von Science! Fiction).

    Aber auch wenn das die Drehbuecher im Zweifel besser machen würde, aus einem schlechten Drehbuch wird dadurch auch kein Gutes.

    Das Gute an (zumindest den besseren) Star Trek Folgen, war nicht das Wissenschaft korrekt benutzt wurde, sondern das man die Wissenschaftlichen Probleme und Fragen als Aufhänger benutz hat um eine persöhnliche Geschichte zu erzählen, mit Charakteren an denen einem als Zuschauer was lag.

    Das es am Ende auch aus wissenschaftlicher Seite glaubwürdig war, war nur das letze Sahnehaubchen

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Ich frage mich zunehmend: war das wirklich so oder ist das nur die Nostalgie alter Säcke, denen die Serien in ihren Teen- und Twenjahren am Herzen lagen? Ich sehe mich mit einem Wohlgefühl Freitag Nachmittags nach der Schule auf meinem Bett in meinem Kinderzimmer liegen, TNG auf ZDF schauend, auf einem Mini-Röhren-TV. Später in einem winzigen Studentenwohnheimzimmer mit Gleichgesinnten, noch später in einer Nerd-WG. Und jede neue Folge wurde in einer fragwürdigen Bahnhofsvideothek nach Vorbestellung auf VHS ausgeliehen.

      War Star Trek damals objektiv besser oder war man nur jung und verliebt?

    • Serienfan sagt:

      Kurze Antwort: Ja!

      Lange Antwort: Lies einfach alles, was ich bislang auf Zukunftia geschrieben habe.

      Zur Strafe noch eine Hausarbeit als Link-Text:

      http://sciencefiction.com/2018/10/14/scientifically-accurate-orville-neil-degrasse-tyson-team-consult-series/

  5. Jim sagt:

    Ihr seid doch nur noch am meckern hier, euch kann man doch nicht mehr ernst nehmen…
    Immer die alte Leier – früher war alles besser etc. Picard wirds schon richten, die Serie wird bestimmt richtig krass!!

  6. DerBeimNamenNennt sagt:

    Zitat:
    „Aber wenn wir alle mal ehrlich sind: Wen interessiert schon, ob Michael Burnhams Darstellerin 15% mehr oder weniger talentiert ist? Ob sie älter, schwärzer oder jünger ist?“

    Klar kann eine hübsche Darstellerin viel herausreissen, wenn wir mal ehrlich sind.

    Also bezüglich der Schauspieler habe ich irgendwie die völlig irrationale Ansicht, dass Steward in eine andere Kategorie gehört als die meisten anderen TNG darsteller. Und das meine ich ausdrücklich ohne Abwertend sein zu wollen.
    S~ ist durchaus in der Lage, verschiedene Figuren glaubwürdig und seriös zu spielen und es ist daher wenig überraschend, dass er nach Star Trek weiterhin eine Karriere als Schauspieler machen konnte, womit sich andere Darsteller leider schwer taten.
    Das der Beitrag der Autoren unterbewertet wird, ist leider wahr. Allerdings darf der auch nicht überbewertet werden. Die Regie bestimmt auch viel darüber, wie eine Szene umgesetzt wird, dazu improvisieren Schauspieler gerne auch mal etwas und fügen der Figur damit eigene Aspekte hinzu. Am Ende haben Schnitt und Produzenten natürlich auch was zu sagen – auch wenn sich der „directors cut“ gut verkauft.

    Was „naturwissenschaftlich haltbare Konzepte“ angeht, so erinnere ich an der Stelle an das TNG Technoblubber oder an die Propheten aus DS9. Fazit: In Star Trek kann man mit Subraum quasi jeden Effekt rechtfertigen, solange es sich halbwegs plausibel darstellen lässt.
    Wenn in „Enterprise“ Phlox über Lebewesen philosophiert, die Lichtjahre zurücklegen, um auf ihre Heimatwelt zurückzukehren, dann darf das getrost auch jenseits der Grenze des Glaubhaften abgelegt werden.

    Zitat:
    „[…]CBS vor Gericht zu bringen. Schon alleine, um nicht selbst wegen vermeintlichem Ideenklau verklagt zu werden, sobald sein Spiel rauskommt.“

    Es fällt schwer, die sich einstellende Sprachlosigkeit ob der Absurdität der Situation noch zu überwinden.
    Ich werde darüber nachdenken müssen, welches der beiden Dinge für mich unwahrscheinlicher sind.

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