Film- und Serienkritiken

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„Blade Runner 2049“ – Die Kritik, die sich (und dir) Zeit nimmt.

Kult oder nur was für Knut? – Selten war sich das Publikum uneiniger als bei dieser Fortsetzung des 80er-Jahre-Originals. Lustigerweise war schon Ridley Scotts damaliger Skill-Beweis zuerst kein Erfolg. Das Publikum wusste mit dem Film erst mal weniger anzufangen als ein denkender Mensch mit „Alien Covenant“. Ich selbst mag übrigens das 1982er-Original, weiß aber nicht mehr, warum. Eine gute Basis für einen Kultfilm, wie ich finde. („Ich verteidige ihn gegen alle Angriffe, indem ich die Kritiker… äh… vor die Nase boxe?“)

INFORMATIONEN:

Regie: Denis Villeneuve
Jahr: 2017
Budget: 150 Mio Dollar

Poster
Komm in einen Replikant, kannste rausgucken

Inhalt: Ryan Gosling ist ein Replikantenjäger, der der Menschheit vor abtrünnigen Kunstmenschen befreit. Doch eines Tages findet er nach einem Tötungsjob eine Kiste mit Knochen unter einem Baum. Danach ist alles anders…

Besprechung:

Beim neuen Blade Runner scheiden sich die Geister: Die einen halten ihn für eine pure Einschlafhilfe, ganz nach dem Motto „Träumen Androiden vom elektrischen Schlafen?“, während andere den SF-Film für ein Meisterwerk halten, das dem Original in nichts zurücksteht (vielleicht abgesehen von der Zahl der nächtlichen Regenstunden). Meine hochprofessionelle Meinung hierzu lautet: BEIDES ist vollkommen richtig. Ja, dieser Film ist eher ein Gemälde als überbordende Filmhandlung, mehr Kunststudentenfutter als Handlungskanone. Und somit reiht es sich eher bei „Star Trek – Der Film“ und „2001 – Odyssee im Weltraum“ ein, deren Inhalt ebenfalls zum Gähnen langweilig war, die aber von der Atmosphäre so viel richtig machten, dass sie heute zu Recht als absolute Klassiker gelten. Ja, so ehrlich muss man auch im REM-Schlaf sein!

Coole Cynthie-Musik hören? Dann verzichten Sie doch mal auf ihr teures Radio geben Sie 12 Euro für einen Kinobesuch aus. WIR werden es nicht bereuen!

Die Kritik, dass „Blade Runner 2049“ kaum Action beinhaltet, kann ich voll nachvollziehen. Viele Zuschauer erwarteten nach dem Trailer vermutlich einen Harrison Ford im Blutrausch, während Ryan Gosling in der Schießbude Androidenköpfe perforiert. Zugegeben, es gibt brutale Momente mit aufgeschlitzten Bäuchlein und weggesprengten Müllsammlern, aber im Grunde sind das nur Ausreden dafür, um vorher minutenlange Monologe zu halten oder Ryan Gosling im hochspannenden(?) Landeanflug im Niemandsland zu zeigen.

Überhaupt fühlt sich der gesamte Film wie ein laaanger Landeanflug an. Der Film will zu bestimmten Stationen, macht aber nicht immer sofort eine glasklare Zielansage. Mallorca oder München-Hauptbahnhof? – Man muss schon ein wenig aufpassen, um das zu wissen. Und manchmal muss man den Figuren auch einfach tiiief in die Augen schauen, denn manche Dinge und Motive werden nur in Pupillenschrift und Augenbrauen-Morsezeichen kommuniziert.

„Diese Statuen erinnern stark an Götterdarstellung der Antike. Sie zeigen, dass der Mensch auch 2000 Jahre später später den gleichen Drang zur Überhöhung…“ – „Schätzchen, willste jetzt rein in unser’n Puff, oder nich?“ – Standard beim Stand-Art: Die Atmosphäre ist so dicht, dass man sie schneiden könnte. Der Smog hier wird allerdings gelöffelt.

Trotz der allgegenwärtigen Schwere ist „2049“ deutlich besser zu verstehen als der Vorgänger, den ich zuerst für eine Doku über asiatisches Essen in Imbissbuden hielt. Doch damals wie heute hat jedes Detail einen Grund: Die Einsamkeit(?) des Helden in seinem Apartment, der Rückblick zu eingepflanzten(?) Erinnerungen, das langwierige Suchen von Informationen, all die eingestreuten Reflektions-Minuten für Neuronal-Sportler.

Klar, man hätte jede Recherche wie in einer dieser unsäglichen CSI-Serien rüberbringen können, aber das wäre NICHT besser geworden:

„OhGutenTagIchBinHierDerArchiviarFolgenSieMirBitte-OhDaHabenWirJaSchonDenDatensatz!“

Stattdessen staksen die Figuren meist durch viel zu große leere Räume und Flure, die aussehen, als hätte man sich beim Design beim Stonehenge orientiert. Überall wimmelt es nur so vor Blöcken, Kuben und rechteckigen Fenstern… Wer in dieser Welt auf einen FußBALL oder gar KREISverkehr zeigt, wird vermutlich standrechtlich erschossen? – Aber all diese distanzierten Bilder sind auch nötig, damit das Storythema nicht so abgeschmackt wirkt, wie es eigentlich ist. Denn seien wir mal ehrlich: Die Frage, ob künstliches Leben jetzt zurecht lebt oder sich übertrieben krampfig am Grundgesetz festklammert, ist fast so alt wie die allererste Science Fiction. Und somit nicht mehr gaaanz taufrisch.

[Bereits im Jahre 1580 soll laut Legende ein Jude einen Golem aus Lehm erschaffen haben, damit der ihm Arbeit abnimmt. Leider waren Filmrollen damals teuer – somit spielte der Plot nur 200 Fässer Salz und 3 Liter Lebertran ein]

„Hey, SIE! Sie haben gerade ein iPhone gewonnen!“ – „Hab keine Zeit dafür.“ – „Okay. Dann freut es Sie vielleicht zu hören, dass ich zusätzlich ein afrikanischer Prinz bin, der nur durch Ihre Hilfe…“ – Hier zählen Ohrenstöpsel schon zum Verbraucherschutz: Überall wird man holografisch umworben. Blöd ist’s vor allem für die Leute, durch deren Häuser dieses Hologramm täglich zur Arbeit geht.

So schwer es uns Popkultur-überfrachteten Polterköpfen auch fallen mag: Gerade das Ruhige, Besonnene und Schwermütige macht diesen Film zu etwas Besonderem. Die Handlung biedert sich nicht an wie ein billiger Pfandsammler-Android, sondern will erarbeitet und manchmal auch einfach ausgehalten werden, wenn z.B. ein „Geburtsmoment“ in Gewalt umschlägt. Musik und Bilder zeigen hier, wie traurig, dröge und sinnfrei unser Dasein ist, ohne das aber allzu plakativ zu tun. Hiernach fühlt man sich glatt wie Oma Platuschke, die schon 1970 wusste, dass Computer aus der Hölle kommen und jede technologische Errungenschaft seit dem Zweitakt-Motor in den Bereich „Musste das noch sein?“ fällt.

Was? Eure Stimmung ist jetzt so am Boden, dass sie ein Putzandroide aus der Ecke fegen muss? Dann lasst euch als Trost gesagt sein, dass man an unerwarteter Stelle auch sehr natürliche Bilder bekommt: So sind riesigen Serverkästen komplett in Holz-Optik, Computerchips sehen wie japanische Majhong-Steine aus und die „Geburt“ der Androiden erfolgt aus einer durchsichtigen Plastiktüte an der Decke. Okay, letzteres klingt jetzt nicht sooo natürlich, aber eine raschelnde Riesenqualle erinnert immer noch eher an eine Gebärmutter als ein Metallzylinder auf Rädern. Passt schon so.

„Da bin ich 200 Kilometer durchs verwüstete Niemandsland geflogen, bin radioaktiven Stürmen ausgewichen und für WAS? Für einen Download-Code von ‚Fallout 5‘. Na, vielen Dank auch!“ – Wüste Beschimpfung incoming: Bevor unser Held mit Harrison Ford zusammentrifft, müssen zuvor viele Finger den Synthesizer herunterfließen.

Und endlich habe ich auch verstanden, warum die künstlichen Lebewesen so schwer zu erkennen sind: Eigentlich SIND es ja sogar Menschen mit Knochen und (fast) funktionierender Gebärfunktion! Hatte ich im alten Film noch das Gefühl, Harrison Ford eine Packung Kühlschrankmagnete in die Hand drücken zu müssen („Hier! Zum Testen der Zielpersonen!“), so verstehe ich das ganze Replikanten-Ding jetzt eher als klassisches Klon-Programm. Mit einem kleinen „Hirn digital umgekrempelt“-Kniff am Rande.

Wobei die interessanteste Frage hier auch nicht ist, ob die Biester ein Bewusstsein haben, sondern wie man es verändern kann. Und ob man dadurch als Mensch meschugge oder komplett wahnsinnig wird..

Zu logisch darf man eh nicht drangehen: So wirken die Tech-Gadgets oft arg analog und unhandlich. Aber gut, dafür sind sie natürlich viel interessanter als z.B. ein Smartphone der Zukunft, das wohl – realistisch betrachtet – rechteckig bleiben dürfte („Neu! Das Huawei P340! Mit 1400-Megapixel-Kamera und Androiden-Sensor!“). Interessant ist auch, dass diese Welt selbst in den „wärmsten Momenten“ (zum Beispiel Sonnenuntergangslicht oder schnuckeligen weiblichen Hologrammen) fast NOCH distanzierter und menschenfeindlicher wirkt. Aber gut, vielleicht liegt es auch an der gezeigten Kinderarbeit und den Müll-Landschaften? Auf jeden Fall gibt es hier einiges zu interpretieren.

Warum z.B. ist die Erkennungsmelodie eines handlungsrelevanten Hologramms ausgerechnet aus „Peter und der Wolf“? Die Rechte an „Cherry Cherry Lady“ nicht bekommen? Zufall? Im Ernst, hier fehlte mir tatsächlich mein einordnender Deutschlehrer. Herr Stickdorn, übernehmen Sie!

„Mister Ford? Warum müssen Sie im Exil leben, fernab jeder Zivilisation?“ – „Nun, es begann damit, dass ich mit meinem Sohn einen Kristallschädel im Dschungel finden wollte…“ – Ent-Deckar-Bonus: War Deckard, die Hauptfigur des Originals, nun ein Replikant? Diese Frage wird hier so komplex und dennoch simpel NICHT aufgeklärt, dass es schon wieder genial ist. Aber gut, warte ich halt noch mal 30 Jahre…

Ob der Film nun philosophisch oder laaangaaatmig ist, das müsst ihr selbst entscheiden. Entweder, in eurem Kopf rattert es oder ihr bekommt Seitenstechen in der Lunge – dazwischen ist wenig möglich. Doch für aufmerksame Schauer gibt genügend Andeutungen der Marke „Was macht einen Menschen zum Menschen?“, „Wie real sind Erinnerungen?“ und „Müsste Ryan Gosling nicht seit einer halben Stunde tot sein?“. Ob man darauf herumdenkt, bleibt einem stets selbst überlassen. Und ob’s am Ende ein gesundes Schläfchen oder Freudentränen werden, das entscheidet durchaus die Tagesform des Zuschauers. Ich habe ihn in drei Teilen gesehen und konnte Morpheus grabschende Arme dadurch recht gut abwehren.

Und dieser fragmentarische Glotz ist immerhin besser, als den Film z.B. auf Pro 7 zu sehen. Hier würde man sich vermutlich eher an die beworbenen Handy-Tarife erinnern als an die leisen Töne. Denn stets schwankt der Film irgendwo zwischen Kitsch und Kühle, zwischen Autismus, Bildbesoffenheit, Traurigkeit und Vergangenheitsbewältigung. Dinge, die mit Chipstüte über’m Kopf und vier Pinkelpausen pro Stunde nicht wirken.

Zum Schluss sei noch gesagt, dass mir die pointierten Actionsequenzen gut gefielen. Ob waberndes Wasser, kurze Kloppe oder Schussduell mit einem herausragenden Harrison Ford: Hier stimmt das Timing und somit auch der Begeisterungslevel aller Cineasten. Endlich wird die Birne wieder auf Guckgewohnheiten geeicht, die mit Thors Hammerschlägen bereits außerhalb des Normbereichs geprügelt wurden. Denn „2049“ wirkt eher wie ein Film der 80er. Dadurch kommen selbst unkreative Tötungsarten härter rüber, weil Kameramann und Schauspieler stets das richtige Maß finden.

„Sagen Sie, warum werden hier eigentlich Menschen hergestellt?“ – „Weil normale Menschen nicht gut genug waren?“ – „Hat das was mit dem ‚Großen Blackout‘ zu tun, über den in diesem Film immer gesprochen wird?“ – „Ja. So nennen wir die allgemeine mentale Leistung bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl im Jahre 2016.“

Auch der nette Twist gegen Ende gefiel mir. Vor allem, weil er NICHT dreimal für Doofe erklärt wurde und NICHT jeder Teil-Plan extra aufgedröselt wurde („Seht her: Damals, 2038 ging ich an der Elbe entlang und ersann folgendes…“). Vor allem erlaubt er problemlos einen dritten Teil, in dem nicht „nur“ irgendwelche Replikanten gejagt und nach dem Stand ihres Stresslevels befragt werden.

Bedenklich ist jedoch, dass Ridley Scott teilweise unzufrieden mit diesem Film war („Zu lang!“). Somit besteht die Gefahr, dass eine mögliche Fortsetzung wieder vom unsäglichen „Ich fahre ‚Alien‘ vor die Wand, damit ich noch mehr Androiden zeigen kann“-Opa umgesetzt wird.


Fazit: Oberflächlich betrachtet ist die Story nicht neu, die Geschichte nicht weltbewegend und die Spielzeit eventuell um zwei Toilettengänge (= Haufis, wir reden nicht nur von Urin!) zu lang. Trotzdem ist die Optik so stilsicher, der Schnitt so perfekt, die Musik so bassig und der Stil so gut getroffen, dass ich unmöglich weniger Punkte geben kann.

Dann sonst wäre ich womöglich kein… Achtung!… richtiger Mensch?!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Diese Überschrift bitte ganz laaaaangsam lesen!
Langsame Kamerafahrten. Das gebannte Starren der Charaktere ins Nichts,. Imponierende Anblicke werden von stimmungsvoller Musik und dem gelangweilten Blähen des Zuschauers untermalt. Doch genug von „Star Trek – Der Film“, reden wir einmal über diese späte „Blade Runner“-Fortsetzung. Ihr wisst schon. Der Film, von dem eigentlich niemand einen zweiten Teil verlangt hatte?

Trotzdem, schön anzusehen isser ja und auch die Synthesizer-Musik summt dabei sehr angenehm in den Ohrmuscheln. Man lässt sich Zeit. Lässt den Filmen atmen. Immer weiter atmen. Die Hand rutscht langsam aus der Chipstüte und dein Körper fühlt sich leicht. Immer leichter. So leicht, dass einen die charismafreie Hackfresse des Hauptdarstellers mit ihren 1,5 Gesichtsaudrücken kaum noch stört. Gut, dies mag am Ende vielleicht sogar seinen Grund haben, aber sympathischer wird er dadurch trotzdem nicht. Das ändert aber nichts am der cineastischen Entspannung, welcher dieser Streifen bietet. Einfach abschalten und die breitwandige Optik einwirken lassen. Langsam greift Mr. Sulu zur Steuerung des Impulsantriebes. Die Enterprise beschleunigt und taucht in die geheimnisvolle V’Ger-Wolke ein. Immer weiter. Atmen. Ja, das Atmen nicht vergessen.

Plötzlich ein Herzschlag und das Gehirn registriert, dass man sich gerade etwas ganz anderes ansieht. Es macht keinen Unterschied. Langsam gleitet das Flugauto von „K“ über dystopische Landschaften. Mr. Spock hebt seine Augenbraue. Sein Gesicht so erstarrt wie das von Harrison Ford, welcher seine mimischen Muskeln wohl nur noch beim Betrachten seiner Gagenschecks zum Einsatz bringt. Aber ich ignoriere auch dies. Alles ist so schön. Die Handlung? War vorhanden, glaube ich. Doch sie war gar nicht wichtig. Sie wird verloren sein in der Zeit, wie…Tränen im Regen.

Zeit zu sterben.

Oh, da sind noch ein paar Chipskrümmel ganz unten drin. *mampf*

Wertung (für uns Sitzfleischer, die das Trocknen von Wandfarbe ganz doll spannend finden):
8 von 10 Punkten

Wertung (für Leute, die jede Minute das Smartphone aus der Tasche ziehen und nur bis zur Überschrift dieses Artikels lesen):
4 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 02.06.18 in Filmkritik

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Kommentare (14)

  1. Kai Hawaii sagt:

    Sehr schöne Würdigung von Klapo, auch treffender Kommentar von Spark – denn das ist ein Film von und für SciFi-Fans, die VOR der Marvel-Superhelden-Seuche und der Invasion der Herren der Ringe und des Herrn Potter sozialisiert wurden. Letztgenannter Müll hat Millionen Teenagerhirne auf immer fehlprogrammiert. Könnte mich stundenlang aufregen, aber das Leben ist zu kurz. – Also ich fand Blade Runner 2049 beste Filmkost und habe mir ihn auch im Arthouse-Kino unter lauter Edelfans angetan, da wäre JEDER Popcorntütenraschler und Handychecker im hohen Bogen rausgeflogen. Worum gehts? Wie in jeder auf einer Philip-K.-Dick-Story-Verfilmung eigentlich nur darum, den EINEN Hauptgedanken in x Anläufen durchzukauen. Und das ist auch wieder gelungen im zweiten Anlauf. Aber dafür braucht es ZEIT, drei Stunden oder halt drei Staffeln wie beim „Man in the High Castle“.

    P.S.: Gibts in Bielefeld eigentlich einen Zukunftia-Stammtisch oder wenigstens ein Sommergrillfest??

    • Cronos sagt:

      Netter Film, aber ein bisschen langweilig. Irgendwie habe ich mir dann doch gewünscht das jetzt die Riesenroboter kommen und alles kaputt machen.

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Dem schließe ich mich an. Endlich mal wieder ein Film, der sich Zeit für die Geschichte und Bilder lässt, wenngleich man ihn nur ausgeschlafen oder in drei Teilen durchhält. Jedenfalls nichts, um ihn an einem Donnerstag-Abend nach der Tagesschau zu beginnen (* wegschlummer *).

      Deshalb konnte ich auch die Kritik an „Die letzten Jedi“ nicht nachvollziehen. Kaum lässt sich ein Film heutzutage mal ein wenig Zeit, schon heißt es, er sei schnarchlangweilig. Die Theorie, es müsse heute alle 7 Minuten ein Actiongewitter losbrechen, weil anderenfalls der durchschnittliche Zuschauer wegdämmere, scheint nicht weit von der Wahrheit entfernt zu sein.

      Man sollte die heutige Jugend mit „Ben Hur“ (222 Minuten) oder Kenneth Branaghs „Hamlet“ (233 Minuten) bestrafen.

    • Sparkiller sagt:

      „Kaum lässt sich ein Film heutzutage mal ein wenig Zeit, schon heißt es, er sei schnarchlangweilig.“

      Muss ja nix mit der Länge zu tun haben. „The Last Jedi“ schwankt für mich zwischen (erneuter) Nacherzählung der alten Filme (dieses Mal mit Episode 5: Start mit Flucht der Rebellen, Versprengung der Hauptfiguren, Jedi-Training mit bösem Loch als Höhlen-Ersatz, Yoda (!), Salz- statt Schneeplanet (!!), etc.) und planlosen Neu-Elementen (Snoke hat NULL Hintergrundgeschichte, Reys Familie wurde anscheinend auch fallengelassen, usw.).

      Der Glücksspiel-Plot fühlt sich bestenfalls wie Füller an („Codeknacker hat keinen Bock. So ein Glück, in unserer Zelle ist NOCH einer!“). Positiven Mut zum Doof zeigte man immerhin mit der frisch gezapften Titty-Milch. Prost!

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Da darf man aber auch keine zu hohen Ansprüche an die Handlung haben. Es ist doch immer noch Star Wars. Da steckt das Wort „doof“ doch schon im Namen. Deshalb hat mir „Die letzten Jedi“ – mit Ausnahme von Lukes Tod – ausgesprochen gut gefallen. Dass Poe als Han-Ersatz nichts taugt, übersehe ich dabei großzügig.

  2. Tabularius sagt:

    Der Film hat mich zimlich beeindruckt. Ich fand auch nicht das er irgendwie langweilig waehre. ganz im Gegenteil, der Film ist so voll mit Szenen sie interpretiert werden wollen, das ein hoeheres Tempo es unmoeglich gemacht haette ueberhaupt zu irgendwelchen Schluessen zu kommen.

    2 Dinge hab ich allerdings zu bemaengeln. erstens ist der film etwas unterkuehlt, und es ist nicht ganz so einfach sich mit den Chars zu identifiziren. (Wird von JOy aber fast wett gemacht) Und der Boesewicht ist leider unterste Schublade. (Damit meine ich Jared Leto, nicht seine Androiden Assasine, die war ganz ok

    Deshalb nur 8/10 und damit einen punkt schlechter (fuer mich) als der grandiose Arrival.

    Trotydem ist es mMn einer der besten Sequels aller Zeiten. Nicht nur faengt er die Stimmung und den Look des Orginals wunderbar ein und erneuert ihn passernd. Er tut auch etwas das nur ganz wenige Fortsetzungen ueberhaupt versuchen.
    Er Erweitert auch die Bedeutung des Orginals und geht einen Schritt weiter.
    Im Orginal ging es um Erinnerungen, und darum wie sie einen Menschen definieren und Ausmachen.
    In 2049 geht man einen Schritt weietr und macht sich Gedanken darum, das Erinnerungen und Erfahrungen eben nicht ausreichen einen Menschen zu definieren.

    Und dayu werden noch zig andere philosophische Themen angegangen ueber die ich mir Vermutlich noch einige Zeit Gedanken machen werde.

    PS. voellig richtig, die Bemerkung das Marvel und Konsorten mit ihren voellig uebertieben Actionsequenzen dem Actionkino und letzendlich sich selbst schaden. Es kommt naemlich genauso auf die Actionszene an, wie auch auf den Kontext und den Aufbau des restlichen Films. Gibt es eine moderat spannende Szene in einem an sonsten ruhigen FIlm, wird die dennoch krass und aufregend wirken.

    Besteht der Film nur aus Actionhoehepunkten passt sich das GEhirn nach kurzer Zeit an und alle Szenen wirken oede.

    (Und das gilt alles auch unaebhoegig davon ob die Szene an sich glaubwuerdig ist. Und das sind die beim Modernen Actionkino ja zusaetzlich auch nicht!!!)

  3. Onkel Hotte sagt:

    Ich kann der Lobhudelei nur zustimmen. Wirklich sehr gut gemachte Fortsetzung. Weil der Streifen an der Kinokasse selbst nicht so gut weggekommen ist habe ich direkt mal die BluRay gekauft. Leider habe bisher keinen Abend gefunden, an dem ich noch genug Adrenalin im Blut hätte für diesen 2,5 Stunden Klopper, nachdem die Kinder ins Bett gebracht wurden.
    Entweder muss ich die mal früher ins Bett kriegen oder ich halte Ausschau nach einer Angebotspalette Rhino’s EnergyDrink.

  4. Serienfan sagt:

    Ich finde es ja durchaus erschütternd, dass einer der wenigen neueren Filme, die mich in jeder Szene durch Atmosphöre, Einfallsreichtum und Stimmung gefesselt haben, von so vielen als „langweilig“ empfunden wird.

    So nach dem Motto: Fad, aber doch halt kultig. Gut, es gibt ja auch Leute, die ein Meisterwerk wie „Vertigo“ fad finden, und die wahrscheinlich bei der Rückkehr von „Twin Peaks“ nicht über die ersten 10 Minuten hinauskommen.

  5. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ich habe die originale Twin-Peak Serie nie gesehen,
    jedoch mit der ZBH vor kurzen einen Blick riskiert.

    Dieses 80 er Jahre Tempo und das emotionale Gewimmer am Anfang geht gar nicht (mehr).

    Die Sehgewohnheiten wurden leider geändert.

    Gruss BergH.

    • Serienfan sagt:

      Dann scheiß ich aber kreuz und quer und im Quadrat auf diesen Zeitgeist. Was hat dieser Zeitgeist denn bislang an großer Kunst hervorgebracht? Wo ist denn das große Meisterwerk, das den sozialen Netzwerken mit der Aufmerksamkeitsspanne, die 140 Zeichen nicht übersteigen darf, entstiegen ist?

      Da bin ich heilfroh, dass sich Künstler wie David Lynch einen Dreck um diesen erbärmlichen Zeitgeist scheren, den wir hoffentlich bald hinter uns bringen. Wenn der Zeitgeist keine Genialität zulässt, dann ist ER fehl am Platz, nicht die Kunst.

    • Onkel Hotte sagt:

      Ja, im Grund stimme ich dir, Serienfan, ja zu. Aber hätten die Filmleute aus den 50ern deine Wünsche beherzigt würden die Schauspieler heute noch alle 10 Minuten anfangen zu singen und tanzen, es gäbe seeeeeeeeeeehr lange Einstellungen, Frauen kreischen gefühlt ständig, es gäbe praktisch nur weiße Schauspieler ach ja und die Tricktechnik wäre über Ray HArryhausen nicht hinweg gekommen.
      Meinst du generell, das es ab den Nullerjahren gar kein Meisterwerk mehr gegeben hätte ? Herr der Ringe kam 2004 in die Kinos. Oder erst ab den Zehnerjahren ? Oder, das wenn Meisterwerk, nur ältere Regisseure aus der guten alten Zeit diese gemacht hätten ?

      OT: Hatte mir letztens „True Grit“ angeschaut. Da gab es die Szene, wo Uschi mit Pferd einen Fluss druchquert. Während der Szene dachte ich mir so „Ja, früher, da sind die Frauen wie bei James Bond dem Meer entstiegen und waren wieder knochentrocken und geschminkt wie von Zauberhand. Sowas machen die ja heute nicht mehr. Vor allen Dingen nicht bei einem Film der Coen-Brüder. Sprachs und war die Uschi wieder knochentrocken und geschminkt in der nächsten Szene. Ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Was ein „Meisterwerk“ sei, wird ja, zumal in Zeiten von Social Media, wo jeder Sender und Empfänger gleichzeitig ist, sehr subjektiv definiert. Die einen halten offenbar „Herr der Ringe“ für ein Meisterwerk (ich nicht), die anderen „Guardians of the Galaxy“ (ich nicht). Wieder andere sind der Auffassung, dass eigentlich nur „handgemachte“ Autorenfilme ohne CGI als Meisterwerke in Betracht kommen.

      Letztlich ist das persönliche Geschmackssache und auch davon abhängig, wann und unter welchen Umständen man einen Film gesehen hat. Was man so zwischen 12 und 25 konsumiert hat, wird in der Rückschau allgemein gnädiger und verklärter betrachtet als Filme, die man nach dem 30. Lebensjahr sieht (Leute mit Dreiviertelhosen und tätowierten Waden ausgenommen). Ich bin deshalb ein ziemlicher Fan von allem, was so in den 80ern und 90ern gelaufen ist und kann mit den Blockbustern der letzten 10 Jahre nur selten etwas anfangen. Das liegt aber sicher auch daran, dass das gemeinsame Filmerlebnis mit Freunden (oder der/dem jeweils Angebeteten) in der Jugend zu einer anderen Wahrnehmung und Erinnerung beiträgt und nicht unbedingt mit der Qualität der Filme zu tun.

      Aber auch unabhängig vom Konsumalter kann man durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein, was ein „Meisterwerk“ sei. Kürzlich sah ich in einer restaurierten Bluray-Fassung erstmals den 1931 erschienenen Film „M – Ein Stadt sucht einen Mörder“ und fand ihn ausgesprochen spannend und modern. Demgegenüber halte ich den hochgelobten, angeblich stilbildenden Hitchcock Kultfilm „Der unsichtbare Dritte“ (1959) für total misslungenen Müll und so angestaubt wie deutsche Heimatfilme aus gleicher Zeit.

      Wenn man Empfehlungen für „Filmkunst“ oder den „Filmkanon“ der Bundeszentrale für politische Bildung anschaut, kann man allerdings schon den Eindruck gewinnen, dass in den letzten 20 Jahren keine Meisterwerke mehr geschaffen wurden. Kann aber auch an der subjektiven Einstellung derjenigen liegen, die diese Listen erstellt haben (s.o.).

    • Tabularius sagt:

      Wie soll man denn ueberhaupt entscheiden welcher Film jetzt welchem Zeitgeist geschuldet ist? Das ist doch sehr vage.
      Wenn man fragen wuerde ob es z.b. in den letzten 10 Jahren gute Filme gab, oder gar Meisterwerke, wuerde man sicher ein Paar finden.

  6. Bergh60 sagt:

    tach auch !##@serienfan
    Mir geht der Zeitgeist am PoPo vorbei.
    Die Frisuren und das Erzähltempo der 80 er kann man aushalten.

    Am Anfang von TP werden aber viele Leute befragt und jeder , JEDER ! , auch die Männer,
    weinen erst einmal eine Runde, weil Dorfschönheit/Liebling tot ist.

    Das war selbst für die 80 er und mir zuviel !

    Gruß BergH

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