Film- und Serienkritiken

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Star Trek: Phase II – Ep. 9 – “Mind-Sifter“

Star Trek: Phase II – Ep. 9 – “Mind-Sifter“

Meine Güte, muß man sich schon durch die Abrams-Trekkse an eine ganze Brigade neuer Köppe für bekannte Charaktere gewöhnen, setzt man mit dem Mind-Sifter tatsächlich noch einen drauf. Hier werden nämlich nicht nur im Folge(n)takt die Darsteller ausgewechselt, man ist sich scheinbar auch nicht ganz sicher, ob man nicht doch lieber wieder „New Voyages“ statt „Phase II“ heißen will. Da hilft es auch nicht, daß sogar innerhalb der Geschichte zwei Hauptcharaktere unter den Folgen einer Identitätskrise leiden. Doch lest selber, was ich, der Klapo— äh— der Sparko, desweiteren dazu zu sagen habe…

Story: Kirk findet sich plötzlich in einer Irrenanstalt der 50er-Jahre wieder. Zur selben Zeit (in der Zukunft) sieht sich Spock gezwungen, das Kommando über die Enterprise zu übernehmen. Dies findet die Crew natürlich total doof und macht dem Vulkanier als Folge das Leben schwer. Ist ja auch ungeheuerlich, als erster Offizier eine funktionierende Befehlskette auf dem Schiff aufrechterhalten zu wollen. („Fähnrich Sackgesicht von Deck 10 hätte da viel mehr Spaß dran, jawoll!“)

Aber mal ohne Witz, mittlerweile habe ich es wirklich aufgegeben, den Überblick über die ständigen Darstellerwechsel der Stammcrew zu behalten. Ist Spock noch derselbe wie letztes Mal? Der Scotty ist ja anscheinend noch der echte Sohn vom Echt-Scotty, aber McCoy scheint auch wieder eine neue Fresse verpasst bekommen zu haben. Da müßte New Voyages, pardon, Phase II langsam wirklich mal eine Übersichtstabelle veröffentlichen.

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„Oh, Jimmy-Boy! Ich bin eine ernstzunehmende Psychologin der 50er-Jahre und habe unter den Vorurteilen dieser Zeit zu leiden! Aber Dein schmuddeliges Gesicht und schlecht gespielten Wahnanfälle haben mein Herz erobert.“ – „Gnaaablblbl? Enterpriiiise?!“ – „Hach, Du weißt einfach, was eine Frau hören will. Nimm mich, jetzt!“ – Herzensstecher. Kirk verbringt den Großteil seiner Zeit damit, durch eine triste Irrenanstalt zu stampfen und sich mit den Pflegern zu prügeln. Aber das kommt halt davon, wenn man kein Lichtbild für die neue Gesundheitskarte einschickt.

Ansonsten: Habe ich eigentlich etwas verpasst? Der groß im Titel angekündigte „Gehirnsieb“ der Klingonen wurde nämlich nur einmal (nicht) gezeigt und überhaupt wirkte der Handlungsstrang der, dieses Mal ganz schön moppeligen, Ex-Kratergestirne sogar ziemlich überflüssig. Existierte dieser doch letztendlich nur um das Gedächtnis von Kirk außer Gefecht zu setzen, während das scheinbare TOS-Vorbild „Griff in die Geschichte“ mit einer versehentlichen Überdosis Cordrazin zum schnellen Durchdrehen doch wesentlich unkomplizierter unterwegs war.

Vorbild auch, weil die Schritte von „Mind Sifter“ (ein Titel, welcher nach bester Sat.1-Übersetzungstradition durch ein spoileriges und fades „Die Gedankensonde“ ersetzt wurde) irgendwie sowieso die selben wie beim „Griff“ sind:

1. Ein Hauptcharakter verliert sein Gedächtnis und springt durch den Wächter der Ewigkeit in die (Kulissen-technisch günstig darstellbare) Vergangenheit.
2. Dieser beginnt dort, geistig total verwirrt, eine Romanze mit einer selbstbewußten Frau. (Merke: Wenn in der eigenen Birne nix mehr deucht, werden die Weiber ganz schnell feucht.)
3. Seine beiden besten Freunde riskieren alles und finden ihn, natürlich zeitgemäß gekleidet, gegen Ende der Folge.

Nur fehlt es dieser neuen Version an Tiefgang. Ging es beim Griff in die Geschichte vor allem um das Dilemma, daß Kirk den Tod seiner Flamme akzeptieren muss, besteht Fanfilm-Kirks Aufenthalt im Irrenhaus eigentlich nur aus etwas übertrieben dargestellten Zuckanfällen ohne daß dabei ein mögliches Verändern des Zeitroms auch nur erwähnt wurde.

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„Willkommen zu Pilles Comedy-Club! Kennt ihr den? Wieviele Glühbirnen braucht man, um einen Vulkanier auszutauschen? Natürlich mindestens 200 Kilo davon und einen Kran um diese über ihn abzuwerfen!“ – Attentat auf das Zwerchfell… und den ganzen Rest drumherum. Eigentlich findet an dieser Stelle ja die Andacht zu Jim Kirk statt, sogar inklusive an Kirche erinnernden Echo-Effekt bei Pilles Stimme. Blöd nur, daß die dazugehörige Kulisse höchstens gefühlte 5 Quadratmeter groß ist. („Könnten wir nicht diesen Flaggenhalter rausstellen? Dann passen hier gleich DOPPELT soviele rein!“)

Der zweite Handlungsstrang war dabei aber auch nicht viel besser. Denn, ja, nach spätestens fünf Minuten hatte ich durchaus verstanden, daß die Crew durch den Verlust von Kirk etwas sauer ist, weil Spock so „schnell“ (= etwas über einen Monat später) das Kommando übernommen hat. Was man als Sternenflottler aber eigentlich irgendwie nachvollziehen sollte. („Waaas, wir bleiben nicht FÜR IMMER ohne Kommandanten?! Los, lasst uns meutern!“)

Und der Schluß war auch nicht gerade der Knüller, fand Spock seinen Captain doch nur dadurch, weil dieser „durch die vielen Gedankenverschmelzungen eine permanente Verbindung“ zu ihm besitzt. Interessanterweise sogar durch die Zeit. Manche Autoren mögen es halt gerne bequem.

Angeboten wird die Folge übrigens in zwei Versionen: „CGI-Fresh“ und „Retro-Klassik“. Als Mann mit Klasse (nach der sechsten aber abgegangen) habe ich natürlich die Retro-Variante gewählt. Diese wirkte in Sachen Passform auch sehr gelungen, sah nur die Raumschlacht gegen Ende leider eher nach einem internen CGI-Test der frühen 90er aus, gegen welchen selbst Babylon 5 wie Avatar Deluxe wirkt. Und können sich die Leute von New Voyages / Phase II denn nicht mal endlich vernünftige Mikrofone leisten, damit nicht immer alles wie auf der Toilette klingt? Schon deswegen ärgerlich, weil die Bildqualität nebst Beleuchtung dieses Mal sehr kompetent wirkt. Gerade die Planetenszene mit dem Wächter der Ewigkeit wirkte sehr schön nachgebaut, was mich erneut an meine Bitte nach mehr Kulissen auf kultigen Papp-Planeten erinnert.

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„Okay, meine Blutweinschätzchen! Jetzt stellt euch mal in Krieger-Pose. Ich will die Macht des klingonischen Reiches vor mir sehen!“ – „Ach, nööö. Ich hasse solche unnatürlichen Aufnahmen. D’etlev, DU schaust jetzt einfach mal desinteressiert auf Deinen Tricorder und ich lasse dafür so richtig einen fahren… hnnngrrrr…“ – Gaskonzert. Dafür, daß unsere Schwertschwinger hinter dem namengebenden Mind-Sifter stecken, haben diese leider nur sehr wenig zu tun. Ein Drehbuch-Makel, über welchen D’etlev auch gerade via Whatsapp den Autoren informiert.

Auch die Schmink-Abteilung schob wohl wieder (unverlangte) Überstunden, wirkte Mr. Spock dieses Mal doch sehr grün um die Nase. Oder hatte er einfach zu oft über den Indianer-Lieutenant „Walking Bear“ inklusive Federschmuck gelacht? Klar, ethnische Einsprengsel sind ein Markenzeichen von Star Trek, aber Chekov saß auch nicht mit Wollmütze auf der Brücke, Sulu hatte keine übergroßen Vorderzähne und selbst Scotty trug keinen Schottenrock im Maschinenraum.

Ungewollt witzig war übrigens auch der Anfang. Nachdem man nun auch den Kirk-Darsteller ausgetauscht hatte, bestand die große Vor-dem-Intro-Enthüllung nämlich darin, daß es sich bei dem Irren in der Klappse eben genau um diesen handelt. Was aber logischerweise nicht den gewünschten Effekt hat, wenn eben dieser mit dieser Szene zum ersten Mal gezeigt wird! („Heeeey! Das ist ja… öh, wer eigentlich?!“)

Fazit: Eine locker 20 Minuten zu lange Kopie eines echten TOS-Klassikers, welche auf mich recht krampfig einen auf anspruchsvoll machen wollte. Der Klingonen-Plot ist sehr mager und lustlos (Kor haut am Ende einfach und extrem unbeeindruckend ab) und grundsätzlich stand gerade für eine Zeitreise-Geschichte einfach zu wenig auf’s Spiel. Am Besten also für das nächste Mal alle Darsteller erneut ausstauschen und eine Ausgrabung nach weiteren Alt-Stories starten. Vielleicht hat ja der Hausmeister der TOS-Studios in seiner Mittagspause noch was geschrieben. Oder hat man vielleicht sogar Roddenberry zusammen mit seinen Notizen verbuddelt?

*spaten raushol*

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Die Folge kann man sich mit deutschen Untertiteln hier ansehen.

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Artikel

von Sparkiller am 20.12.14 in Fan-Filme

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