Film- und Serienkritiken

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„Splice – Das Genexperiment“ – Das Review mit eigener DNA!

„Splice – Das Genexperiment“ – Das Review mit eigener DNA!

Ganz entfernt kann man diesen Film mit „Species“ (1995) vergleichen, wenngleich dieser eher eine sexualtherapeutische Therapie für prüde „Alien“-Fans aus dem Amiland darstellte. „Splice“ kommt jedoch deutlich cooler daher und wird – darauf gebe ich Euch Brief und Schniepel – in 18 Jahren deutlich besser gealtert sein. Der Punkt, an dem ein Alien/Mensch- bzw. Genexperiment/Mensch-Hybrid seine Sexualität entdeckt, ist ja aus irgendwelchen Gründen oft etwas C-Movie-behaftet. Ehrlich, ich habe auch keine Ahnung, woran das genau liegen könnte (*Qualle über Kondom zieh*)…

INFORMATIONEN:

Regie: Vincenzo Natali
Jahr: 2009
Budget: ca. 28 Mio $

Poster
Was für ein Splicewetter da draußen!
Inhalt: In einem Forschungslabor werden künstliche, wurmartige Lebensformen geschaffen, die medizinische Enzyme herstellen sollen. Doch das Genetikerpaar Clive Nicoli und Elsa Kast wagt sich noch weiter und züchten heimlich einen weiblichen Hybriden, der Mensch-DNA in sich trägt. Wird dieser wohl ein glückliches Ende nehmen, hmmm…!?

Besprechung:

Die Botschaft ist in diesem Film zum Glück nicht allzu plump, auch wenn diese natürlich „Ethische Grenzen darf man nicht mit einem Doktortitel durchbrechen“ lautet. Klar, die Konzernführung des Pharmaunternehmens wirkt nur so sympathisch wie ein Großbänker, der sich neue Kosenamen für seine Kunde ausdenkt („Volltrottel? Schwachmat?“), aaaber es kommt durchaus rüber, dass hier Wesen gezüchtet werden, um wichtige Medizinprodukte herzustellen. Da das Labor, die Technik und das Fachvokabular ziemlich glaubwürdig wirken, hat man hier auch nicht sofort diesen Würgereflex im Hals. Ihr wisst schon: Den, den wir davon kennen, wenn in anderen Filmen Computernerds faktische unmögliche Dinge schaffen (*auf 3 Tastaturen gleichzeitig tipp, niedrig aufgelöste Bilder in 4k-Auflösung erscheinen lass*).

Adrian Brody und Mrs. Dingsbums erweisen sich sofort auch als richtige Wahl für die Rollen: Hier forschen keine Schönlinge, Durchgeknallte oder Moralitätskrüppel, sondern Leute wie Du und ich. Wenn wir beiden denn Hollywoodstars wären. Dingsbums will ein Kind und gleichzeitig ein erfolgreiches Genprojekt abschließen, was liegt da näher, als… ? Hm, eigentlich liegt es doch erstaunlich WENIG nahe, wenn man es so aufschreibt, aber es ist den Charakteren zu verdanken, dass man keine Sekunde an ihren Entscheidungen zweifelt. Oder alternativ an ihrem Hirnaussetzer, der das ganze Geschehen schon durch Unterlassen ermöglicht hat.

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„Komm, komm! Ich habe hier was gaaaanz Leckeres für dich!“ – „Nee, danke, Paps. Sind ja doch wieder nur moralische Implikationen einer ethischen Zwangskontroverse gemäß dem Kant’schen Imperativ!“ – „Öh, zugegeben, ja. Aber könntest DU Dir nicht wenigstens versuchen VORSTELLEN, dass sie ein Keks wären?“ – Kopf-Sache: Wie in solchen Filmen üblich, denkt und lernt das Wesen unglaublich schnell. Schließlich soll das große Massaker ja pünktlich vor einem quantenphysikalischen Wissensdurchbruch geschehen, wegen der Dramatik.

Erstaunlich auch, dass dieser Film sowohl als Familiendrama, als auch als Horrormovie und Moraleintopf ganz gut funktioniert. Sonst bekommt man diese drei Dinge ja nur am Weihnachtsabend bei den Eltern miteinander vereint. – Aber Spaß beiseite, Spast kommt: Das Wesen Dren wirkt durchaus verloren und weckt Mitgefühl, bleibt dabei aber dennoch grautönig statt schauwertig. So tötet sie, als die finale Hormonumwandlung noch nicht absehbar ist, einfach eine Katze, um ihre Ziehmutter zu schockieren. Vermutlich hätte sich Dren hier ihren Instinkten noch widersetzen und moralisch handeln können (z.B. hätte sie erst mal einen Nörgelrentner oder J.J.Abrams-Fan umlegen können, um ihren Standpunkt klar zu machen), doch sie entschied sich bewusst für die dunkle Seite des Reagenzglases.

Mit wenigen Stilmitteln wie einem traurigen Blick oder kurzen Szenen aus der „Aufzucht“ schafft es der Film, dass man mit allen Beteiligten mitfühlt. Quasi Spielbergs „A.I.“ ohne Pinocchio-Metaphern, beklopptem Alien-Ende und Oberflächlichkeits-Overkill. Dabei verzichtete man dankenswerterweise auf typische „Bin ich denn sooo anders?“-Momente, wie diese, in denen Dren vor Einsamkeit einen Kindergarten erschreckt („Will spielen, haaaarr! Hey, wo rennt ihr denn hin?“) oder im Lexikon nachschaut, was das Wort „Freund“ oder „Missgeburt“ bedeutet. Das Plakative hob man sich dafür komplett für den Schluss auf (ab hier SPOILER!), als sie plötzlich mordet und vergewaltigt(!).

Die weiter oben angedeutete (einvernehmliche) Sexszene zwischen Adrian Brodis Figur und Dren hingegen wirkt glaubwürdig genug. Hier zeigt sich, dass das Wesen noch exotisch genug aussieht, um erfrischend „anders“ zu sein, aber noch weiblich genug, um einen durchschnittlich versauten Mann ein Hosenzelt zu zaubern. Letztendlich verlieren alle Charaktere nach und nach ihre Unschuld, ihre Glaubwürdigkeit sowie das Recht, bei Greenpeaceveranstaltungen gegen Genmais zu demonstrieren.

Dennoch fehlte mir trotz aller Lobhudelei irgendetwas. Nennt es „The Klapo Way of Keif“, aber die GANZ große epische Geschichte ist es jetzt auch nicht geworden, eher so eine Art „Fernsehfilm Deluxe“ mit „Kinoeffekten – Überdurchschnittliche Qualitätsstufe“.

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„Maaaami? Bin ich wirklich so viel anders als alle anderen?“ – „Natürlich nicht, Kind. Und jetzt versteck dich wieder im Hühnerstall, bevor du die Schweine zu Tode erschreckst, ja?“ – Und zum Schluss ein Bäuerchen: Dren wird auf einem alten Bauernhof versteckt, wo sie viele neue Spielkameraden bekommt: Mister Heugabel, Herrn Heuhaufen und Frau Pferdetränke.

Vielleicht wäre der Schluss STÄRKER gewesen, wenn die Stärke nicht nur in den Muckis unseres geflügelten Genom-Gargoyles gelegen hätte. Sämtliche moralische Verzwickungen und familiäre Vertüddelungen lösen sich am Ende schlicht auf mortalem Wege auf: Notwehr, Mord, Unsachgemäßer Umgang mit Raubtieren. Das ist ein „Glück“, das die meisten Debattierclubs und Ethikkommissionen nicht haben, wenn es um ein Thema mit moralischem Mindfuck geht. – Andererseits hätte ich wohl auch gemosert, wenn Dren einfach an Altersschwäche gestorben wäre, was die ganze Zeit über ja der reinigende Masterplan der Wissenschaftler gewesen war. Unter unseren Zulesern besser bekannt als: „So wie damals, als wir an Omas Häuschen wollten“.

Nun ja, die Effekte und das ganze Drum… Drenherum machen jedoch einiges her: Schnitt, Kamera und Timing machen richtig schlanke CGI-Füße, was man bei den heute üblichen Katastrophen(film)schnitten nicht oft genug erwähnen kann. Schon in der schneckenhaften Urform wirkt Dren realistischer als eine ganze Droiden-Schulklasse unter der Ägide von George Lucas. Und auch die CGI/Schminke-Mischformen bringen selbst Kenner ins Schwitzen: „Augen Fake, Gesicht echt? Oberkörper real, aber bis wohin? Raaah! Will Pappschminke und Puderkulissen aus den 60ern wieder haben!!“

Irgendwie hat der Film was. (*Daumen und Zeigefinger langsam aneinander reib*) Vermutlich diesen Mittelwert aus „Zu viel Budget und 50 Minuten Dauer-Bumm“ und „Filmhochschul-Drama mit 2 Wackelkameras“. Hier bin ich Mensch, hier guck ich rein. Und sehe dabei zu, wie andere es nicht sind. Oder es nicht so genau wissen. Mal ehrlich: Klassischer geht es nicht für einen wahren SF-Fan! – Und eine Art kleines Pon-Farr ist hier ja auch noch dabei, jucheee!

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„Nein, meine Schöpfung! Ich kann mit dir keinen Sex haben! Jedenfalls nicht, solange mein Fetisch-Tintenfisch nicht aus der Reinigung ist, hechel!“ – Der obige witzige Spruch setze sich nur knapp gegen folgenden durch: „Wie, Kind, Du bist bisexuell!? Hinfort, du bist nicht mehr unsere Tocht… unser transgenetisches Experiment!“ – Gar nicht erst in die engere Auswahl kam hingegen: „Nein, Kind, Du bist sage und schreibe 2 Wochen alt! Ich stehe auf deutlich jüngere.“


Fazit: Erfreulich leises Drama vom „Cube“-Macher, das berührt, aber nicht mit mehr als mit 5 Kieferbewegungen die moralischen Implikationen vorkaut. Doch obwohl Grautöne drin sind, wirkt am Ende doch alles recht rund und abgeschlossen. So darf man mit dem „guten“ Gefühl einer überraschend mutigen/vorhandenen Vergewaltigungsszene aus dem Film gehen, statt im Internet noch mal über Genmanipulationen zu recherchieren. – Das ist schade, denn sicher hätte noch eeeetwas mehr drin sein können. – Moralisch jetzt, nicht in der Vergewaltigungsszene, Herrgott!

Jedenfalls ein Film, der deutlich besser als sein Ruf ist. – Äh, hat er überhaupt einen bei SF-Fans?

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Artikel

von Klapowski am 05.11.13 in Filmkritik

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Kommentare (2)

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  1. Helbnerd sagt:

    Ja, der Film hat einen Ruf, aber zählt zu den Subraum-Werken der SF. Er ist so weit in andere Sphären eingetaucht, dass man ihn im normalen Universum nur als 90er-Relikt wahrnehmen kann. Schade, denn Klapo hat Recht: „Splice“ kann sich sehen lassen. Nur das geniale „Gattaca“ hat sich mit dem Thema Genmanipulation noch besser auseinander gesetzt.

  2. Klink sagt:

    Wirklich gut gemachter Film, der in seinen letzten zehn Minuten aber zwanghaft ins völlig falsche Genre hineinstolpert. Das trashige Latex-Kostüm, auf das es am Ende leider hinauslief, hat dem Film auch visuell keinen Gefallen getan. Die Schlusswendung ist jedenfalls weitaus weniger überraschend, als es zuerst den Anschein hat, da bereits vorher längst angedeutet.
    Schwer, hier weiter ins Detail zu gehen, ohne zu viel zu verraten.

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