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Star Trek Enterprise – 1.10 – „Familienbande“ („Fortunate Son“) Hoffmann-Review



von Gert Günter Hoffmann

Wow! Diese Woche hat uns Star Trek wirklich überrascht! Eine spannende Story, nicht zu viel Technobabble, Crew und Schiff in Hochform und an Humor hat es auch nicht gemangelt! Die beste Voyager-Folge seit Jahren!

Schade, daß es eine Enterprise-Episode war…

Ehrlich gesagt habe ich mir schon Sorgen gemacht. Seit Wochen sitze ich fasziniert vor dem Fernseher und finde kein einziges Haar in der Suppe. Dieses Enterprise drohte unsere Seite an den Rand der Existenzberechtigung zu bringen. Was nützt die schönste Satire-Seite, wenn die neue Serie so spannend ist, daß einem nicht einmal die kleinste Kritik einfällt.

Empört verfassten wir einen Brief an Rick Berman:

„Lieber Rick, Eure neue Serie enthält keinen einzigen Logikfehler! Was soll der Scheiß?
Dein STUS-Team“

Bermans Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er war mindestens so empört wie wir. Er sei gerade erst aus dem Urlaub zurückgekehrt, wetterte er uns vor zwei Wochen durch`s Telefon. Kaum sei die Katze aus dem Haus, tanzten die Mäuse auf dem Tisch, erboste er sich gegenüber unserer Seite. Die verantwortlichen Autoren seien mit sofortiger Wirkung gefeuert worden. Ab nun, so hieß es, würde er wieder selbst das Heft in die Hand nehmen. Er habe da noch ein paar Voyager-Drehbücher im Schreibtisch…

Gesagt, getan. „Fortunate Son“ ist das erste Folge aus der beliebten Reihe: „Episoden, die die Welt nicht braucht.“

Ein Anruf der Sternenflotte reißt Archer aus dem Tiefschlaf. Auf dem formschönen Flatscreen, der jedem Captain des 24. Jh. den grünen Neid ins Gesicht treibt, meldet sich Admiral Forrest und verkündet dem verdutzten Captain (und dem nicht minder verdutzten Zuschauer), daß die Enterprise zwar schön, schlank und schnell, aber trotzdem leider nicht das erste Erdenschiff im tiefen Raum ist. Nicht nur das: eine ganze Flotte lustiger Erdenschiffe düst da durch Sonnensysteme, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat…

Ja, da fühlt sich nicht nur der angebliche Weltraumpionier verarscht, sondern auch der Zuschauer mächtig angepißt. Da hätte auch Neill Armstrong desillusioniert aus der Kapsel geguckt, wenn er auf dem Mond von TUI-Touristen begrüßt worden wäre – von wegen: „Du bist der Erste“ und so. So macht das ja auch keinen Spaß. 78 Lichtjahre von zu Hause weg und am Strand trifft man die Nachbarn.

Apropos 78 Lichtjahre. Autobahn- und Voyagergeschädigte wissen ja, wielange man um diese Jahreszeit für diese Strecke braucht. Jedenfalls deutlich länger als 3 Monate. Doch das nur am Rande (der Galaxis).

Nun da wir wissen, daß der Weltraum im 22. Jh. schon genauso langweilig war wie im 24., wir uns also im vertrauten Fahrwasser trek`scher Alphaquadrantenödnis befinden und der Erkenntnis ein Stück näher sind, daß auf der Enterprise auch nur mit Neelix` altem Nudelwasser gekocht wird, können wir uns der eigentlichen Story zuwenden, die es in Sachen Spannung durchaus mit dem Weltraum aller Trek-Jahrhunderte aufnehmen kann.

Und das bereitet weit weniger Schwierigkeiten als Voyager etwas Gutes abzugewinnen: alter Frachter hält jungen Nausikaner gefangen, um eine demoskopische Umfrage durchzuführen. Ein paar gepflegte Trukker-Schläge in die häßliche Wildsau-Fresse sorgen für Gesprächigkeit und locken sogleich die Kumpels der geschundenen Alienseele auf den Plan. Archer, ohnehin schon ziemlich sauer, statt in den unendlichen Weiten auf der A44 gelandet zu sein, soll den Streit schlichten.

Tja. Das war`s eigentlich schon. Die langbefürchtete Katastrophe ist nun eingetreten. Mayweather hat eine Charakterfolge erhalten: zwei unfallfreie Sätze in Folge, ein paar oberflächliche Gewissensbisse und am Schluß bekam Kunta auch noch seinen Maisbrei. Lecker. Zwischendurch darf er auch noch ein paar naive Worte an den Feind richten und treudoof den Sonnenuntergang hinter Rigel V bewundern. Schönen Gruß von Harry-„Nach-Hause-Telefonieren“-Kim.

Ein richtiger Schatz, dieser Mayweather. Ist ja auch was Feines: Demütigung durch Zuneigung. „Unser Travis ist ein richtiger Schatz“ heißt: Travis verdient 800 Dollar im Monat, ist froh, nicht mehr auf dem Frachter seiner Eltern die Klo`s putzen zu müssen und hat aus arbeitsmarktpolitischen Gründen immer gute Laune. Sind Sie so lieb und putzen noch die Torpedoschächte? Das ist lieb, danke, Sie sind ein richtiger Schatz.

Der erste Blick auf den familiären Hintergrund von Travis Mayweather wird uns sicher genausolange in Erinnerung bleiben wie Jake Siskos neuer Roman oder Wesleys erster feuchter Traum. Ohne Zweifel wird dieser Mann uns noch viel Vergnügen bereiten. Der ideale Kandidat für üble Transporter-Scherze der Crew und langweiligen Beinahe-Sex mit außerirdischen Trullas.

Nun erstmal sind wir um die wertvolle Erfahrung reicher, daß Frachterkinder mächtig einen an der Klatsche haben, aber trotzdem treu zusammen stehen wie Warpgondeln im Abendrot. Gähn.

Ach ja. Tucker und Hoshi hatten diesmal Sendepause. Und soweit es Tucker betrifft, ist das auch gut. Und wenn wir jetzt noch begreifen, daß Voyager am 21.Mai 2001 endgültig den Warpkern heruntergefahren hat, könnte aus Enterprise eine richtige schöne Serie werden.

Für den aufgewärmten Kaffee von Tante Käthe gibt es aber leider nur eine

Note: 4-

(ggh)

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Artikel

von Hoffmann am 01.01.03 in Star Trek: Enterprise

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