„Star Trek – Strange New Worlds“ – 4.07 – „Like Chronitons Through the Hourglass“

Da haben wir sie also… Eine „Soap Opera“-Episode. Also eine echte. So mit Kitschmusik, verändertem Schauspiel und Parodie-Charakter. Quasi die Boomer-Version einer Jubiläums-Sonderfolge. Nur halt in der Schrottwichtel-Variante für böse Leute, die nicht genug Paramount+ einschalten/einabonnieren. Inhalt: Pike wacht mit einem Kopfverband auf der Krankenstation auf und wird vom übertriebenen Minenspiel aller Charaktere begrüßt. Also wird es auch für ihn Zeit, mit den Mundwinkeln das Wort CRINGE zu buchstabieren.
Ich wiederhole es noch mal: Eine Soap-Episode. Im Trek-Universum. Review noch notwendig oder gleich zur Endnote runterscrollen?
Dass ich aufgrund dieser Prämisse lediglich mit den Schultern zucke und ein lockeres „Tja, war abzusehen“ raune, liegt natürlich an den letzten SNW-Wochen. Die da oben machen halt das, was ihnen gefällt? Seien es „Neue angepisste Zielgruppen“ für mehr Zuschauer mit Schädel-Harn-Trauma, wilde Abweich-Experimente für mentale Nebengleisfahrer oder einfach nur Showrunner-Langeweile nach Jahren an Bedeutungs-Stagnation: Irgendeinen Grund wird auch DIESE heutige Episode schon haben. Denn nichts passiert ohne Grund – und sei es nur der Hass auf ehemalige Fans?
Und natürlich sollten wir gleich zu Beginn hinterfragen, ob die Drehbuchvariante von „Wurst mit Gesicht“ überhaupt auf irgendeiner Ebene funktioniert. Denn wenn Pike nicht ständig hinterfragen würde, warum im Hintergrund irgendwelche „Tüdeldü“-Musik spielt oder alle Figuren lächerliche Kunstpausen machen, würde man womöglich erst nach vielen Minuten darauf kommen, dass wir hier nicht ein Kurtzman-Standard(!)drehbuch erhalten.
„Hey, warum schauen wir nach jedem Satz versonnen in die Zimmerecke?“ – „Hey, warum kommentieren Sie alles, was wir tun?“ – „Und wieso kommentieren wir die Kommentierung?“ – Inception für Leute mit Alptraum-Phobie: Die Vierte Wand wird hier durchbrochen mittels Fanservice (= Trelane ist verantwortlich), mittelmäßiger Selbstreflektion, Franchise-Selbstüberschätzung, Genre-Swapping und Comedy-Logik. Mehr Metaebenen bekommen wir nur, wenn wir alles auf einer elfdimensionalen Leinwand streamen…
Ja, in den letzten Jahren wurden Burnham & Co. oft dafür gerügt, dass ständig geflennt und geliebt wurde. Dass Schicksalsschläge besprochen und Traumata enthüllt wurden. Somit lag es für die Macher vielleicht nahe, es mal „richtig“ zu versuchen? Nur um uns zu zeigen, dass man das noch um 100%… äh, um 20% steigern kann.
Und das ist halt das Problem: Statt die reale Kritik anzugehen, um alles „trekkiger“ zu machen, begibt man sich in „Jetzt erst recht“-Gefilde, lacht sich beim Schreiben ein viertes Koksloch in die Ballerbirne und freut sich, wie selbstironisch & fremdverarschend man mit der völlig unpassenden(?) Kritik der Kunden … Hater umzugehen weiß.
Darauf zur Feier des Tages… eine Knetgummi-Episode?
Aber okay, tun wir für einen Moment so, als hätte man noch Bock auf die drölfzigste Gimmick-Episode:
– Spock braucht ein neues Spenderherz und liegt halbtot rum. Derweil wird sein sexy Zwilling namens Sybok (ja, der aus dem fünften Film) gerade von Düster-La’an aus dem Gefängnis geholt und hält seine Brustbehaarung in den Wind. Ebenfalls gespielt von Ethan Peck.
Das wäre vielleicht in einer anderen Konstellation richtig ulkig, wenngleich mir bei der Befragung meiner Stirn mittels Baseballschläger keine eingefallen ist…
Vielleicht DOCH mal einen anderen Darsteller bringen, dafür den halben „Ha, der sieht ja genau so aus“-Gag liegen lassen?
Aber okay… Gleich 3,50€ zusätzlich bezahlen für einen Gastschauspieler – für etwas frischen Wind – wäre dann wohl zuuu viel verlangt. TV-Serien sollen schließlich nicht von der schlechten Wirtschaftslage ablenken.
„Ich soll mein Herz spenden? Nun, es ist gefroren. Enttäuscht durch all die entgangene Liebe durch Wein, Weib und Trekfranchise.“ – Haart an der Grenze: Dieser Wuschelvulkanier wird als Zwangsspender gleich zu Beginn hergekarrt. Das ist eine negative Version der Zukunft, die man aufgrund der Visionshaftigkeit des Geschehens natürlich nicht kritisieren darf. Da ich aber ein Klischee-Bösewicht bin, tue ich es trotzdem.
– Derweil kommt durch einen DNA-Test heraus, dass Uhura die Tochter vom Captain ist. Das könnte durchaus witzig sein, wird aber zwischen all dem anderen Wahnsinn nicht besonders hervorgehoben. Hier hätte man sogar eeetwas übertreiben müssen, damit überhaupt der uneheliche Bruder vom Schwippschwager vom „Comedy-Timing“ vorbeischaut?
Ja, Leute… Ich weiß auch nicht, auf welcher Ebene man die Kriterien hier noch anlegen soll. Abschwellen der Halsschlagader? Dauer (oder Verminderung) des gelangweilten Wegpennens und/oder des wütenden Aufschreckens? Schreibt’s mir einfach in die Kommentare der kommenden LEGO-Episode.
– Zwischendurch erklärt Trelane, dass diese Realität ein „Geschenk“ sei. Oder ein Experiment. Oder eine Schulaufführung. Oder ein Ausgleich für das letzte Treffen. Hier verliert man beim unlustigen Zwiegespräch des doch arg(!) mächtig gewordenen Einviertel-Gottes bzw. Nachtrags-Qs schnell den Überblick. Pike übrigens auch. Der unterbricht Trelane einfach mal, als der seinen Namen sagen will. Wegen TOS, verstehste? VERSTEHSTE? Drehbuch-Skills, verstehste?!
Eigentlich aber egal, da Trelane ja nur magische Munkelschwurbel-Grund ist, damit die Autoren diese Episode bauen konnten.
Das hier ist selbst für SNW-Verhältnisse ein ziemlicher Erklärbär-Kackhaufen.
„Captain, ich bin es, ihre Erz-Nemesis!“ – „Pfff… Diese Enkeltrick-Betrüger werden auch immer älter.“ – Macht-Wichs macht nix: Liegt es nur an meiner ältlichen Schwerfälligkeit, oder ist dieser Karnevals-Struppi so kultig, einprägsam und unterhaltsam wie der Botschafter-der-Woche, der in TNG immer hinter irgendeiner Säule stand?
– Ich wäre ja nur halb-genervt, wenn man wenigstens etwas über die Charaktere erfahren würde! Denn bei der grausamen Musical-Folge konnte man wenigstens die Gefühlslage ernst nehmen und im Kopf zu einer zehnseitigen Deutschklausur verschwurbeln. Hier aber wird uns die Gefühlsebene unter dem Hintern weggezogen (wie schon beim Puppengedöns neulich) und unter dem Vorbehalt der inhaltlichen und emotionalen Austauschbarkeit gestellt. Alles, was gefühlt wird, ist ja nur wie frühaaa, in den 90ern. Auch wenn das später DOCH als tiefgründig eingeordnet wird.
Aber… (*mit Wisperstimme näher komm*) ich glaube denen da oben ja nicht alles, wisst ihrrr?
– Klar, man kann behaupten, dass Pike sooo sehr seine Tochter vermisst (also die aus einer ANDEREN Vision? Ich weiß nicht mal mehr, was das für eine Episode war, die wir im Rückblick sehen), dass er der lippenstiftliebenden Funkerbraut halt dieses Kind-Etikett aufkleben musste. Aber im Ernst! Was kommt als nächstes? Im Barbie-Universum sieht Ken wie La’an aus, weil sie gerade sooo viel maskuline Gewalt in sich spürt?
Da gucke ich mir lieber AI-Slop auf YouTube an. Kürzer, witziger und unbelastet von Kindheitserinnerungen. Eine Win-Win-Win-Situation. Und da sind meine eingesparten Beulenpflaster für den Kopf noch nicht mal mit drin.
– Der Doctor dreht zwischendurch mental ab. Denn er hat (*Trommelwirbel*) „Space Madness“. Darüber könnte man immerhin nickend schmunzeln – welcher der Zuschauer hat die inzwischen nicht? -, aber hier zeigt sich auch, wie WENIG die Vermischung von „Soap Opera“ mit „Science Fiction“ funktioniert.
Oder habt ihr von „Space Madness“ bei „Dallas“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Denver Clan“ oft gehört? Man fragt sich unweigerlich, was hier WARUM überhaupt parodiert werden soll. Und ob man solche Spielereien nicht besser auf Picards Familien-Weingut hätte treiben können.
(„Was?! Mein Neffe hat vor seinem Tode noch einen weiteren Neffen gezeugt?! Mein Erbe ist in Gefahr! Ich lande im Föderations-Armenhaus!“)
„Trelane? Dieses Experiment ist zu weit gegangen. Eine Soap-Episode ist ja okay. Aber damals wurden meines Wissens nach komplette Drehbücher geschreiben, die auf etwas hingearbeitet haben.“ – Hat sich ebenfalls ihren Flachbildfernseher auf den Kopf gedonnert: Eine weibliche Q! Im Outfit vom Original-Q! Sie reden gelangweilt miteinander! Geil, ich habe mich deswegen weggeschmissen. Wortwörtlich jetzt.
Ich könnte noch mehr „analysieren“, aber keine der Szenen hat irgendeine innere Spannung, einen Twist oder eine clevere Idee. Und nach 37 Minuten ist alles „schon“ wieder vorbei – weswegen die Figuren so tun müssen, als hätte der vorher ausgekippte ChatGPT-Kübel irgendwelche tiefenpsychologische Goldnuggets enthalten. Stattdessen liegt halt das drin, was in Kübeln oft … so … drin … liegt. Wurgs.
Das alles geht so weit, dass La’An in Spocks barbusigen Bruder (Sybok) vielleicht etwas sehen wollte, was sie an Spock nicht bekommen hat. Also eine Beziehung mit einem zwinkernden Stecher, auf den ab und zu ein Kamera-Zoom zurast? Welche Art der (Nicht-)Persönlichkeitsentwicklung oder Liebesbeziehung hier vertreten werden soll, weiß ich nicht. Irgendwas mit „Toxisch“ vorne dran?
Und Captain Pike kam einfach nicht mit dem Verlust seiner Frau klar. Das wäre ja sogar verständlich, aber SOWAS haben wir sogar in Trek-Visionen schon besser aufgedröselt gesehen – siehe Siskos Frau… Dafür musste der DS9-Captain damals nicht so tun, als wäre Quark ein entlaufendes Riesenbaby, das zwangs-beschnullert werden sollte.
Zu allem Überdruss kommen die letzten Minuten genauso(!) kitschig rüber wie die Soap vorher. Nichts gegen Tränen und Therapeutenbesuche, aber Pikes Weinanfall (der vielleicht sogar der stärkste in Star Trek jemals ist?) wirkt angesichts der Kackhaufen-Parade wie eine solide Schauspielleistung für einen äußerst soliden Papierkorb.
„Oh mein Gott! Ich habe meiner Freundin nie gesagt, dass ich sie sogar noch mehr als super-duper-krass liebe!“ – „Warum haben Sie dann nicht von IHR geträumt oder wenigstens eine Vision gehabt? Warum eine imaginäre 5-Minuten-Tochter mit Kochfetisch?“ – „Schluchz. Die Rechnungen! All die Handwerkerkosten für das Weingut! Paramount hatte kein Geld, die damalige Schauspielerin einzukaufen. Buhuuhuuu! Wir sind sooo arm. Vor allem geistig.“
Fazit:
Hätte die Episode irgendwas in Richtung von „Die Truman Show“ probiert, hätte man hieraus etwas stricken können, was nicht nur die Fäden aus meiner Hirnhirse rauszieht.
Trelane hätte noch besser erklären können, warum GERADE hundert Jahre altes Gaga-TV für ihn so interessant ist. Oder warum er die Crew nicht in Situationen bringt, von denen er nur GLAUBT, dass sie darauf wie im TV reagieren würden.
So eine eigene Ölquelle auf Deck 13 hätte da durchaus geholfen? („Und jetzt: Kämpft darum!“)
So aber lässt man die Charaktere 45 Minuten lang nur oberflächlichen Unsinn reden, was nach 10 Minuten schon weich und wächsern wirkt – wie der Milchlichtfilter im Hintergrund. Und erstaunlich unlustig daherkommt.
Aber immerhin: Dass man sich nach 20 Minuten genauso sabbernd abwendet wie von einer „normalen“ Soap, das muss man in einer „interessanten“ Trek-Kulisse erst mal schaffen!
Für diese Krampf… Glanzleistung gibt es einen ganzen Stern!
Dasselbe gilt auch hier. Pike gefangen in einer Seifenoper? Gerne, warum nicht!*
Blöd nur, dass man wie bei der Puppenfolge kaum etwas daraus gemacht hat. Nyota denkt, der Captain ist ihr Vater? Statt diese doofe Idee für entsprechend doofe Reaktionen zu nutzen redet man einfach nur trocken über die Situation. „Sybok“ mit dem Aussehen eines lateinamerikanischen Gigolos? Zeit für NOCH mehr Beziehungsgeschwafel. Was auch das Problem aufzeigt, dass selbst die NORMALEN Kurtz-Dialoge so krampfig und unglaubwürdig wirken, dass man schon ganz genau hinschauen muss um den Seifenoper-Effekt obendrauf überhaupt noch zu bemerken.
Die Rahmenhandlung mit Trelane war ähnlich oberflächlich und diente nur um das Verhalten unserer Crew ähnlich dünn zu erklären wie die Puppen-Verwandlung. Und war Q bei Picards Selbstfindung mit den Dom-Jot-Messerstechern noch stets an seiner Seite, lungerte sein „Sohn“ dagegen nur im Regieraum dieser blutarmen Truman-Show rum.
Hier kam definitiv die Idee „Was wenn wie Seifenoper?!“ der Autoren vor dem eigentlichen Drehbuch, bei welchem weitere Ideen auch bereits erschöpft waren. Genau wie bei den Puppen hätte es meiner Meinung noch viel irrer werden müssen. Vor allem habe ich auf den Moment gewartet, wo Pike nicht nur genervt rumstampft sondern Trelane mit seinen eigenen Waffen schlägt. Also wo er sich NOCH übertriebener verhält als der Rest und sich dabei eigene Kitsch-Plots ausdenkt. Aber auch bei ihm wurde nur die Story um seine Traum-Familie mit seiner entschwundenen Kapitäns-Flamme ausgebuddelt, welche in Sachen Subtilität sowieso schon an eine Seifenoper erinnert. Aber wenigstens bleibt man konsequent?
Und da ich wirklich gerne auch mal was positives schreiben möchte: Das Schauspiel der Charaktere fand ich manchmal schon ganz lustig, mit den Seifenoper-typischen Eigenarten wie das Starren in eine sinnlose Richtung oder kleine Details wie das Ranzoomen und die Kamerawinkel. Die „schlechtere“ Beleuchtung auf dem Frachter möchte ich glatt für den Rest der Serie behalten. Besser als der übliche bunte Bonbon-Look ist das allemal.
Fazit: Hallo? Wann normale Trek-Folge? So mit erforschen, besprechen und entdecken und so? Fremde neue Welten? Neue Zivilisationen? Diplomatie? Irgendwas? Irgendwo?? Eeeechoooo!!!
Nach eigentlich einer ganzen Staffel an „speziellen“ Folgen ist dieses „Guckt mal, wie viel Spaaaß wir beim Drehen haben!“-Gehampel kaum noch zu ertragen. Wenn Picard in Zehn Vorne anfängt Seemannslieder zu singen, dann ist es tatsächlich besonders, da er ansonsten halt sehr zugeknöpft präsentiert wird. Aber HIER ist das nur ein kaum spürbares Gasgeben wenn man sowieso schon zu schnell fährt.
Ja, Officer, dieser graubärtige Typ mit Brille dort ist an allem Schuld! Handschellen, aber fix!







„Star Trek – Strange New Worlds“, Kritik zu Episode 1, „Strange New Worlds“
Star Trek – Strange New Worlds“, Kritik zu 2.08 – “Under The Cloak Of War”
„Star Trek – Strange New Worlds“ – 3.06 -„The Sehlat Who Ate Its Tail“
„Star Trek – Strange New Worlds“ – 4.04 – „A Case of Chiaroscuro“
Übrigens: Schicker Rechtschreibfehler … Minenspiel statt Mienenspiel.
Aber verständlich, wenn man die ganze Sch… am liebsten in die Luft jagen würde ;-)
Mir gefällt diese Idee einer Genre-Staffel von Review zu Review besser. Was steht für die letzten drei Folgen noch zu erwarten? Superhelden? Tarantino? RomCom? Star Wars?
So kurz vor Schluss scheint man die etwas holprig gestartete Serie noch ins richtige Fahrwasser zu leiten, so dass TOS nahtlos anschließt.
Bearbeiten LöschenJa, Genre Staffel wär toll!
Science Fiction fehlt noch in Deiner Aufzählung.
Bearbeiten Löschen