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„Trabant Z1“ – Der bestellte Verriss zum Hobby-Hörspiel

Sehr nett und fast schon ekelhaft Verriss-erbettelnd schrieb uns einer der DDR-Comedy-Macher vom „Plotcast“ an, dass wir doch bitte mal bei ihnen reinhören mögen. Es ginge in den 2 bisherigen Hörspielen um Trabbis, verrückte Wissenschaftler und anderes Gedöns, welches natürlich zu 100% gewoooollt trashig sei. Aaaaaber nach Abzug der folgenden – zur Absicherung der Macher gleich selbst beigefügten Mängelliste – sei es vielleicht doch nicht sooo schlecht? Oder sogar gut? Bitte? Jaaaa? Denkt drüber nach, Genosse Spark & Klap! Finden Euch kuuultig, ehrlich!

Folgende Kritikpunkte bekamen wir also schon per Mail geliefert, damit wir selber nicht mehr sooo achtsam zuhören müssen, was auch sehr hilfreich war:

– Amateur-Sprecher.
– Sounds selbst gemacht.
– Nach C64 klingende Sounds.

Trotzdem gab es immerhin bereits den Hörspielpreis 2014 für die „Beste Idee“, was gar nicht mal abwegig ist, ist die Grundidee doch tatsächlich noch das Beste an diesem antihumoristischen Schutzwall. Übrigens: MEINE Idee für ein prämiertes Hörspiel beinhaltet übrigens sprechende Dinosaurier, die in einer riesigen Schweineblase leben („Jurrassic Pork“). Reicht das für den Preis, oder muss ich noch was Langweiliges dazu aufnehmen?

Bevor es hier losgeht, zitiere ich noch mal direkt aus der Mail, die uns erreichte: „Schließlich soll es ja so klingen, als hätte man die Serie wirklich im Jahre 1988 in der DDR produziert. Also: Alles Absicht!“

Nachdem wir diese Dinge also eigentlich nicht mehr kritisieren dürfen (Die „Sich-selbst-per-Mail-relativiert-runtermachen“-Regeln sind da eindeutig), machen wir am besten einfach Folgendes: Die erste Folge so wiedergeben, wie ich sie nach zweimaligem Hören noch in Erinnerung habe:

trabbiz1

„Waaah, macht das weg! Die verheißungsvoll-leeren Felder machen mir Angst!“ – „Keine Sorge, unsere Schreiber arbeiten sehr langsam und nur, wenn sie im Tiefschlaf reden. Manchmal nehmen wir die Dialoge dann auch schon direkt auf, jahaaa!“


Folge 1:

„Antifaschistischer Schutzwall. Deutsche Demokratische Republik! Tun sie was!“
„Ich bin es selbst. Knartzzz. Haha. Faschisten!“
„Genosse Becker. Antifaschister Schutzwall! Nennen sie mich nicht Oberst, Karl-Rosa.“
„Peng-Peng. Danke. Faschisten weg.“
„Uhr auf der Brust. Sprengladung.“
„Da schlägt es Dreizehn, Oberst Kai-Rotha…“
(*Aufziehgeräusche, Knacktöne*)
„Super. Hier, unsere neueste Wunderwaffe gegen den Faschismus.“
„Knaaarz.“ (*unverständliches Gemurmel*)
„Danke, Genosse Oberst. Auf meinen Trabbi warte ich seit… ewig.“
„Genosse Faschismus-Schutzwall. Oberst Danke-Karl-Roh! Frieden sichern. Faschisten. Oberst?“
„Oberst. Wunderwaffe? Gestank! Der Trabbi springt über den antifasch… den Wall halt.“
(*Komische Musik spielt, Episode Ende*)

SF und DDR samt „Knight Rider“-Anleihen sind eigentlich keine ganz üble Idee. Die Umsetzung ist allerdings mit so ziemlich keinem Humor kompatibel, der nicht vorher mit der Anal-Banane („Haha, Bananeee!“) bedroht wurde.

Das Ganze ist (inhaltlich) meist unverständliches Geschwurbel, wo man partout nie weiß, ob da jemand „Messer-Ede“ oder „Messing-Rede“ gesagt hat. 80% der ersten Folge bestehen zudem aus gegenseitiger Vorstellung, alt- und aufgebackenen DDR- und Kriegs-Witzen („Ich schieß noch mal gerade, denn können wir uns unterhalten.“) und nicht soooo toller Betonung. So manches „Jaaaaaa genaaaaaauuuu!“ oder die „geflüsterte“ Ansprache an der Mauer („Hört her, ihr… murmelmurmelumrl…“) lassen sich nicht wirklich damit erklären, dass der Trashfaktor gewollt ist.

Schon nach 8 Minuten hat man als naturgemäß arroganter Wessi keinen Bock mehr auf die Worte „Genosse“, „Schutzwall“ oder „Jungpionier“. Von Knight-Rider-ähnlichen Kampftrabbis „sieht“ man leider auch zu wenig. Immerhin wird auch die STASI erwähnt, aber ohne dieses Wort wäre es ja auch keine echte(?) DDR-Comedy(?)-Fake-Comedy(?) geworden?

Aber, um es mit dem Ende der Episode zu sagen: „Solange ich noch Geld auf meinem Schweizer Nummernkonto habe, ist der Kampf noch nicht vorbei.“ – Daher hier gleich Episode 16:


In der zweiten Folge (welche nur aus Humorgründen „Folge 16“ heißt, man weiß schließlich, wo man seine Durchzähl-Satire anzubringen hat) geht es hingegen um eine nackte Frau(?), die sich über Bananen unterhält. BANANEN! HAHA! Der Klassiker des DDR-Witzes, immer wieder für einen verkrampften Schmunzler gut. Probiert das mal mit Äpfeln oder Pampelmusen, ha!
Und dann kommt hier noch irgendwas mit Sekt und fehlenden Pointen.

trabbiz2

Eine gute textliche Vorbereitung ist wichtig, „to set the tone“, wie der Engländer sagt. Immerhin kann ich mich beim Lesen besser als beim Hören konzentrieren – UND muss nach 30 Sekunden nicht aus reinem Selbstschutz weghören. MEINE innere Stimme ist nämlich äußerst wohlklingend.


Hier der Inhalt:

Mann: „Katapult vorbereiten. Nebelwerfer. Frieden!“
Trabbi-Knut: „Ich will… Nuschenuschelnuschel.“
Frau: „Menschliches Wesen. Bananen. Treibhaus. Faschistische Pflanzen. Süchtig machend.“
Mann: „Walter Ulbricht.“
Frau: „Bananen. Süchtig. Böse. Faschisten. Gelbe Schale.“
Trabbi: „Wer den Frieden will, der mussmsmhsllm…“
Frau: „Obszönes Obst. Treibhaus. Faschisten. Hu, warm hier, ich zieh mich aus. Huuuhhaaaa!“
Böser: „Haarr, habe ich sie!“
(*Peng, Peng, Peng,
Peng, Peng,
Pengpeng.*
)
Frau: „Ist der nasse(?!) Mann jetzt weg?“
Mann: „Oh, Werteste. Nehmen sie doch noch eine Banane. Und diesen Pelzmantel.“
(*komische Musik, Folge aus*)

Den verlangten Verriss können wir also mit vollster Gähn-Schutzwallhaltung abliefern. Schon ziemlich langweilig, das. Aber immerhin war die Anfrage-Mail sehr gut formuliert. Vielleicht ist’s die beste in den letzten 10 Jahren, daher: super gemacht! Sonderpreis der Zukunftia-Pressestelle!

Wie?

Ja, ich weiß, dass das wieder nur ein niedliches Miniprojekt ist, aber WAS soll jetzt hier genau der Witz sein? Reicht das Nuscheln von „Banana-DDR-STASI-Schlechte-Technik-Haha“-Blabla und die ständige Wiederholung von lachmuskelreizenden(?) Worten wie „Genosse“ für den Internet-Vollhype?

Ich denke nicht.

Mit guten Sprechern könnte man vielleicht noch 20% mehr rausquetschen, aber im Prinzip ist’s ähnlich aufgebaut wie die „Boys“-Hobby-Sitcom. Okay, man KANN sich natürlich zwingen, 2 x 8 Minuten zuzuhören und für die Kritikpunkte eine weitere „Bitte XY nicht beachten, ist gewollt“-Liste bei den Machern anzufordern.

Man kann es aber auch lassen.


Bietet auch ihr Medien jeglicher Art an, die ihr hier werbewirksam(?) verrissen sehen wollt? Dann schreibt uns, und habt keine Angst: Wir finden eh fast alles doof. Und alle wissen das.

SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Hoffentlich kommen bald die vor zehn Jahren bestellten Witze!
Ganz ehrlich, die Idee um eine DDR-Version der Serie „Knight Rider“ ist auch meiner Ansicht nach gar nicht übel und mindestens EINEN Fernseh-Sketch wert! Gerne auch mit den üblichen lahmen Bananen- („Schmeiß sie in meinen Tank um den Turbo-Prust zu aktivieren!“) und Mauer-Witzen („Verdammt, die wollen das Ding umhacken! Schnell, mach ein Feuer!“ – „Hä? Wieso?“ – „Na, dann haben wir doch eine Firewall!“) für den Flachwitz-Kuuultfaktor.

Aber auch wenn man uns via Anfragemail schon den Wind aus den Ohren nehmen will: Bei einem Hörspiel müssen zumindestens die Gags einen minimalen Pointenfaktor besitzen und dabei sprachlich auch mit einer gewissen Überzeugung abgeliefert werden. Dann lieber etwas langsamer sprechen, statt ein betonungslos dahingemurmelnuscheltes „Ds Bild inmeinerakte isnichaktuell. Ich habe schonhäufgerversuchtmeinen *SCHUSSGERÄUSCH* drauf *SCHUSSGERÄUSCH* hinzuweisen…“. Wesentlich schmeichelhafter für’s Trommelfell war da schon dieser ältere Sprecher des Oberluxusdings, auch wenn er bei der Aufnahme das nächste Mal besser nüchtern aufkreuzen sollte. („Heeey, ihr Fassssschisten… wisschen Sie, wir schuchen im Moment… *hick*“)

Kurz, die Qualität der Sprecher etwas aufdrehen (Profi-Tipp: Das erste Wort zu Ende sprechen, bevor man mit dem zweibeginnt!), die Dialoge in Sachen Pfiffigkeit noch anziehen (oder zumindest nachvollziehbar machen) und dabei Gag-Schlagwörter wie „Faschisten“, „Bananen“, „Freundschaft“ und sonstige DDR-Klischés auf ein überschaubares Minimum reduzieren.

Als Vorbild möchte ich dabei auf mein eigenes Hörspiel um eine Gruppe dialektbehafteter Ruhrgebietssöldner verweisen: Das Ey-Team!

*wäschekorb zum auffangen von medienpreisen hochhalt*


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Artikel

von Klapowski am 11.08.14 in Das Test-Labor

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Kommentare (1)

  1. TurboTorte sagt:

    A pro Popo Hörspiele: vielleicht solltet ihr auch hier eine Rubrik aufnehmen – empfehle da besonders die Serie „Mark Brandis“. Weitere passende Serien/Reihen/Einzelhörspiele: Mark Brandis Raumkadett, Perry Rhodan – Sternenozean, Star Wars (Erben des Imperiums, Die dunkle Seite der Macht, das letzte Kommando), Jan Tenner, Planet Eden, Captain Future (inszenierte Lesung, hattet ihr bereits vorgestellt), Takimo, Das dunkle Meer der Sterne, Die Schläfer, Cungerlan, Adams van Ghoot, Raumschiff Promet, Fraktal, Blauer Planet.

    Weitere tolle Serien anderer Genres: Amadeus, Gabriel Burns, Offenbarung 23, Mord in Serie, Mindnapping, Edgar Allen Poe, Dorian Hunter, Jack Slaughter, John Sinclair, Lady Bedfort, Drizzt, Caine, Hellboy, Point Whitmark, Team Undercover, Ein Fall für die Rosen, Dragonbound, Die Elfen, Die letzten Helden, Morland, Abseits der Wege, Don Harris – Psycho Cop, Gruselkabinett, Peter Lundt, End Of Time, The Border, Humanemy, Meister der Angst, Dark Mysteries, Mittschnitt, alles von Kai Meyer, Prof. van Dusen, Sherlock Holmes, Sonderberg & Co., Traumwandler, das Lufer Haus, Larry Brent, Schrei der Angst, Tom Shark, Batman, die schwarze Fledermaus, drei ??? etc. etc.

    Zusätzliche Tipps: Darkside Park (große Empfehlung), Porterville, Goldagengarden (Nachfolger Goldagengarden X über Startnext finanziert), Sebastian Fitzek ungekürzte Hörspiele: das Kind, Amokspiel, der Seelenbrecher

    So das langt erst mal – vielleicht kann ich so den Sparki und Klappo ein wenig dazu inspirieren, noch mehr Artikel über Hörspiele zu bringen, dem leider in Vergessenheit und zu wenig Aufmerksamkeit geschenktem Medium. :-)

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