Das ernsthafte Medienmagazin

„Komm in unser Team, sonst setzt es was!“ – Amüsante Web-Offerten

Sobald man mehr als 100 Artikel und 3 Klicks am Tag hat (oder umgekehrt?), bekommt man seltsame Mail-„Angebote“ von selbsternannten „Geschäftsleuten“, die ebenfalls im Netz aktiv sind. Pardon: „aktiv“ sind. Seltsamerweise sind jedoch viele der Anschreibenden wohl zuvor im Gebrauchtwagengeschäft tätig gewesen („Das ist kein Unfallwagen, sondern ein Cabrio auf der linken hinteren Seite!“), so dass man sich meist beherrschen kann, dem seltsamen Buchstabengulasch irgendeine Zusage rüber zu reichen.


Und was anderes kann man ihm ersatzweise auch nicht geben, da sich die eigenen Hände einfach nicht füllen wollen, egal, wie oft man beim Lesen dieser Mails hinein gähnt.

Besonders beliebt war bei Sparkiller & mir in letzter Zeit die folgenden Varianten:

Erwähnen einer tollen Partnerschaft unter Gleichgestellten

(Zitat: „Ich bin der Leiter des Projekts. 16 Jahre alt momentan, vermutlich ungefähr in Deinem Alter.“) Gerne darf man seine über Jahre gepflegte Seite auch KOSTENLOS abgeben, um sich vom selbstständigen Domainboss zum Praktikanten einer digitalen Drückerkolonne hochzuarbeit… äh, runterzuschenken (Zitat: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Du einer (…) kostenlosen Übernahme zustimmst. Du würdest dann auf Wunsch unserem Team beitreten“).

Hattet ihr nicht auch schon oftmals das dringende Bedürfnis, an der Ampel Euer Auto zu verschenken, damit Euch der neue Besitzer darin nach Hause fährt?

Reklame für die eigenen TOLLEN Webseiten des Mailautoren

Ganz wichtig: Den Link nicht nennen, da solcherlei Informationen den Angeschriebenen nur verwirren. Dieser könnte immerhin bereits über 30 sein und somit auch regelmäßig auf den Enkeltrick hereinfallen. Da die Webseite aber ausnahmslos toll ist, reicht ein dahin geworfenes Detail (Zitat: „Wir betreiben ein Portal für ein ‚Software Entwicklungstool‘.“ ) oder aber der Hinweis darauf, dass man quasi Netzmonopolist im Fachbereich „Ja, wir sind auch in Google gemeldet“ ist. Zitat: „Ich betreibe mit Freunden einige Websites über verschiedene Themen.“

Unglaublich! Themen! Nicht über den Jemen oder Tee-Man, nein, Themen! Wo darf ich unterschreiben, lechz?

Inanspruchnahme von Angeboten, die man selber gar nicht anbietet

Wie schrieb mir ein waschechter Doktor kürzlich doch so schön: „Hättet Ihr 5 bis 6  Filmchen oder auch mehr, die uns im Rückblick richtig zum Lachen oder wenigsten zum Schmunzeln bringen. Überspielen auf DVD?“ – Nun ja, ein paar DVDs hätte ich da schon in meinem Regal, auch Komödien wie z.B. die Knaller von Monty Python. Aber das war es wohl nicht, was der Typ wollte, der immerhin Veranstaltungen für Medienschaffende organisiert. Kein Wunder, dass es da schon in der Mail an branchenüblichen Hohlfloskeln nicht mangelt, wie z.B. „B2B“, „Hybrid TV“, „Smart TV“ und „Hamburg Media Summit“.

Warum bei uns handgestrickte Videos vermutet werden, was diese genau – oder ungefähr – beinhalten sollen (Eine Axt, die in einem Fernseher steckt?), wird natürlich nicht verraten. Wir in der Brrooontsche wissen schließlich von Hause aus, was die Leute von uns erwarten, oder?

Aber immerhin wurden hierfür bis zu „100 Euro“ angeboten und der Ton war ein sehr freundlicher. Dennoch ist man überrascht, wie unprofessionell, orthografisch fragwürdig und inhaltlich lückenhaft selbst „Non-Cross-Over Profit-Sharing Media-Observer“ Kontakte knüpfen.

„Ich stemme das Popo-Putz-Projekt auch ohne Content, Members, Brain und Menpower! Den Arsch wischt nämlich immer noch meine Mama ab…“ – Zeigt die Zahl seiner ersten Schamhaare an: Guido Freiherr von Frohgemut, Business-Beschäftigter und Profimailschreiber. Doch aus irgendeinem rätselhaften Grund wollte SPIEGEL ONLINE ihm die Seite nicht für einen alten Schulaufsatz über junge Katzenbabys schenken…

Sonstige unpassende Sprüche, gegen die ein Deutsches Comedy-Walross direkt feinfühlig wirkt.

„Ach warte, ich habe gerade 10.000 Euro im Lotto gewonnen.“ – Auf die Frage, warum Sparkiller seine Domain denn für lau abgeben sollte.

„Da mir Ihre Artikel inhaltlich sehr gut gefallen und ich mich die angesprochenen Themen sehr interessieren, würde ich gern einen Gastartikel für Sie schreiben.“ – Blöd nur, dass Sparkillers Seite www.gameinsider.de eine Newssammlung ist und keine Artikel anbietet. Aber wer möchte schon einen Satz aus seinem Anschreiben löschen, dessen Copy&Paste-Inhalt zum unveränderlichen Sakrament der Katholischen Kirche erhoben wurde?

“Hoffentlich kann meine E-Mail dieses Mal durchgestellt werden.“ – Klar, weil man auf die erste Meldung nicht geantwortet hat, muss das Internet in Gelsenkirchen wohl implodiert sein. Gerne kombiniert wird diese „Nicht antworten gibt’s nicht“-Haltung, die auch Telefonwerbern zu eigen ist, auch mit weiterer Seltsamkeit à la „Auf eine Vergütung möchte ich verzichten, da mir das Schreiben viel Freude macht.“

Blöd nur, dass die Seite, die man zudem noch selber ergoogeln musste, gar keine Texte anbietet, vom Impressum mal abgesehen. Aber alleine DAS ist schon so toll, dass man daran bestimmt auch die Aktienmehrheit erwerben möchte, gelle?


Fazit: Im Internet ist wieder der Doof unterwegs. „Projektmanager“ mit der Ausdrucksfähigkeit einer 16-jährigen Stubenfliege in der Medienbranche brechen sich regelmäßig einen ab, wenn sie erklären wollen, WAS zum Geier sie eigentlich wollen, WAS zu bieten haben und wieso man sich auf der Stelle in sie verlieben sollte.

Würde man beim Fleischer genau so bedient werden, würde es wohl heißen:

„ICH bin garantiert in ihrem Alter, werte Oma, und biete ihnen heute ein nicht näher beschriebenes Kohlenstoffstück zu einem tollen Preis an! Überschreiben Sie mir einfach ihr Haus und schon schreibe auch ich. Ihnen nämlich auf ein Blatt Papier, warum auch ICH Rente total knorke finde. Das können sie dann auf ihrer Web- oder Straßenseite verwenden. Wie, keine Antwort? Einfach rausgelaufen? Muss wohl das Hörgerät kaputt gewesen sein, tztz…“


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Artikel

von Klapowski am 02.06.11 in Intern

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