Stargate Universe – 1.14 – „Der genetische Code“ („Human“) Review

Endlich mal eine Folge, die wirklich gut war! Noch immer beben meine Wimpern voll freudiger Erwartung auf das zweite und dritte Ansehen dieser Episode, um auch ja kein Detail zu verpassen! Nicht nur, dass wir diesmal Rush in einer sehr menschlichen Situation sehen, in der jeder von uns stündlich gelangen kann, nein: Auch auf dem Planeten-der-Woche gibt es eine spannende Wendung, mit der nicht mal Rush in seinem Formelwahn gerechnet hat! Unglaublich, wie die Qualität der Serie ansteigt, seitdem ich höflich um ein paar Nachbesserungen gebeten habe!
Ha, verarrrscht! Folge war megagrottig. Wolle wisse, warum?
In meinem letzten Review wurde mir ja angekreidet, ich würde zu oft erwähnen, dass bei Stargate Universe „nichts“, „wenig“ oder zu viel „Null“ passiert. Das hat mich tatsächlich zum Nachdenken gebracht und meine Autorenehre (wenn auch zugunsten meines Ehrlichkeitsanstiegs) tief erschüttert!
Aber welche Synonyme gibt es also noch so für die Abwesenheit von Handlung, auf dass ich diese in Zukunft erwähnen könnte? – Nun, ich wollte in diesem Review mit „Leere“ und „dem Nichts“ beginnen, es dann mit „Nullsumme“ etwas mathematischer und später mit „Vakuum“ ein wenig physikalischer werden lassen. Um ein bisschen Pfeffer reinzubringen, wollte ich mich sogar selbst widerlegen und mit dem „Plenismus“ kontern, welcher besagt, dass es das Nichts gar nicht gibt. Erwähnenswert wäre dann vielleicht noch gewesen, dass die Natur das Nichts (z.B. das Vakuum) zu verabscheuen scheint, was bereits Aristoteles vermutete (Stichwort „horror vacui“).
Angesichts dessen ist wohl wirklich schade, dass die Natur keine Drehbücher schreibt.
Wie ihr sicherlich schon erraten habt, gibt es auch diesmal eher eine… „Anti-Reichhaltigkeit“. Die Story wird diesmal präsentiert voooon… dem Sarotti-Mohr. Ein paar Afrikanische Staaten haben nämlich ein paar Ideen (Motto: „Hilfe für die Erste Welt“) beigesteuert, weil die Weißen zu arm waren, um sich z.B. selber eine Monsterspinne, eine Frau mit unheilbarer Krankheit und einen Steinschlag einfallen zu lassen.
Die Story: Irgendwelche Codes fehlen auf der Destiny. Daher bekommt Rush kurzfristig einen Anflug an egomanischer Großherzigkeit („Ich bin großherziger als ALLE anderen, ha! Euch mach‘ ich fertig!“) und setzte sich in den gefährlichen Antikerstuhl, der seinem Vorgänger noch das ganze Hirn versaut hat. Um diese charakterferne Opferungsbereitschaft wieder auszugleichen, träumt er dann von seiner Zeit auf der Erde, als er noch so arschig war, dass er eine eigene Toilettenpapiermarke besaß.
Nebenbei sucht er auf Cornflakes-Verpackungen und Busfahrplänen nach den gesuchten Datenfitzeln. – Für wie geistig umnachtet hält man den Zuschauer hier eigentlich? Nicht mal lustige „Die Realität verändert sich“-Spielchen bereichern hier den Spannungsbogen um den ersehnten 2%-Steigungswinkel.
Seine Frau ist todkrank, doch Nicolaus Rush hat nur seine Formeln im Kopf: „Ja. Hm-hmm. Sterben. Totgehen. Abnippeln. Klar habe ich dir zugehört, Dingsbumslotte! Ja, natürlich. Ich schaue dann mal nach einem weißen Sarg, wenn ich um 3 Uhr nachts von der Uni komme, kein Problem. Ach, könntest du bitte deinen zugeheulten Trauerkloßkopp ein wenig zur Seite bewegen? Ich sehe die herbeihalluzinierten Zahlen besser, wenn du die weiße Wand nicht verdeckst, dankeeee!“
„Niko? Ich habe ganz schlimm Kr… Kr… Krankheit. Ich werde bald sterben!“ – „Nein. Wenn du ganz still hälst, können dir die bösen Symbole nichts tun, Schatz! Hinter mir sind sie auch schon seit einer Weile her, aber ich weiß, wie man sie bekämpft, gnaa. GNAAAH!“ – Der volle Warnsinn: 10 Jahre nach „Matrix“ sieht man seinen Datenvisionen jetzt im Kreis, nicht mehr grün und von oben nach unten. Eine moderne Serie, fürwahr!
Ja: Es wird tatsächlich mehrmals (Subtilität, ick hör‘ Dir davontrapsen!) mit einem Spezialeffekt aus rumfliegenden Symbolen gezeigt, dass Rush nur seine Berechnungen im Sinn hat. Zwischendurch darf immerhin SG1-Mitglied Daniel Jackson durch die Gegend stieren („Ich hab‘ da einen tollen Tipp für dich: Kümmere dich um deine Frau. Tschüss dann, bis nachher!“), sich vom Alpha-Arschloch anmachen lassen und in mir die Befürchtung wecken, dass Michael Shanks extra für diesen Auftritt totgekloppt wurde, um espritmäßig mit der Destinycrew mithalten zu können. Ganz große Gastdarsteller-Verheize, die hier betrieben wurde!
So geht das die komplette erste Hälfte lang: Rush mault jeden an, der mehr als drei Sätze sagt und ihm dabei NICHT die Lösung seines Mumpitz-Kreuzworträtsels verrät, kritzelt in Großaufnahme auf seinem Block herum („Wenn du zum Sterbehospiz gehst, bringst du dann auf dem Rückweg einen Radiergummi mit, Spatzi?“) und jagt seine Studenten zum Teufel („Äh, aber der sind sie doch selber, Doctor!“). Davon abgesehen erscheint es überaus praktisch, dass der Antikerstuhl einem zur Lösung von Bordproblemen am Raumschiff erst mal in den REM-Schlaf versetzt, wo man stundenlang von der Vergangenheit träumt. Wahrlich ein überaus hilfreiches Gerät, das der früheren Alienbesatzung sicherlich half, die Geschehnisse im letzten Mond-Bordell noch mal kostengünstig Revue passieren zu lassen.
Während wir also den Doktor dabei beobachten, wie er sämtliche Zuschauersympathien verspielt und seinen Dreizehntagebart zum Rasieren regelmäßig in einen komischen Symbolwirbel steckt (klappt nur leider nicht), gehen Eli und Chloe auf einen Planeten herunter, der so eine Art alternatives Griechenland darstellt, das KEINE Staatshilfen der EU bekommen hat: Überall sind Säulen und Ruinen und nix los… Pardon… keine… ähm… weni… äh… leicht unterrepräsentierte Handlungsstränge. – Puh, ist das schwer, einen Scheißhaufen nicht beim Namen zu nennen!
„Okay, wir haben 6 Stunden, um diesen verlassen Planeten in einer Nebenhandlung zu erkunden. Denkt dran: Die Zeit reicht daher nicht für die üblichen Alienangriffe, mysteriöse Krankheiten oder Zeitsprünge!“ – „Dann müssen wir statt dessen eben verschüttet werden, auf einer antiken Bananenschale ausrutschen oder für 5 Minuten für immer hierbleiben wollen!“ – Raffe, Schlaffe, Häusle schaue: Zur Zeitersparnis ist das Loch zum Reinklettern schon zu Beginn in Schrittreichweite…
Zuvor dürfen wir aber noch der genialsten Charakterszene seit der Erfindung der Mainzelmännchen beiwohnen:
Chloe: „Ich habe das Gefühl, dass du mich meidest, wegen der blöden Sache mit der Rebellion. Dabei war die doch vom Drehbuchautor gar nicht für eine längere Zeit ausgelegt!“
Eli: „Grunz…“
Chloe: „Ich verspreche, das so etwas nie wieder vorkommt! Zumindest nicht, solange den Autoren nicht auffällt, dass sie 93% des erzählerischen Potenzials des Aufstands verschenkt haben und dieses nachzuholen versuchen.“
Eli: „Okay, voll feeett! Dann lass uns zusammen auf den Planeten runtergehen. Wer zuletzt da ist, iiiist ein fetter Vollneeeerd, hihihi!“
Young: „Na gut, ihr zwei Furzeltäubchen! Aber was hätte die strunzdoofe Chloe dieser Mission beizusteuern?“
Eli: „Äh. Chloe hat Doktor Jacksons Arbeiten studiert. Ich habe ihr selber das Umblättern beigebracht und bei zwei, drei unbekannten Buchstaben geholfen. Außerdem hatte sie an Harvard Geschichtsunterricht!“
Aaargh! Bei dieser Zurschaustellung fehlender oder dahingepfuschter Charakterentwicklung läuft mir regelmäßig die Grütze aus der Murmel! WAS, in Gottes Namen, ist daran denn spannend oder anspruchsvoll?! Die beiden wollen sich anscheinend, werden aber naaatürlich erst in Folge 100 zusammenkommen, und das auch nur, wenn es sich hierbei um eine lustige Körpertausch-Folge handelt und Chloe eigentlich mit einem starken Neger vögeln möchte! Aaaargh! – Diese entsetzlichen SF-Klischees, mindestens 15 Jahre alt, dazu diese aufgesetzte und mit Wackelbildern und Großaufnahmen zur Pseudo-Inhaltshaftigkeit aufgeblasenen Null- und Nichtigkeiten! – Oh großer Zukunftus, bitte mach mich stark!
„Ja, wir verstehen uns jetzt wieder gut. Wir haben bemerkt, dass unsere gegenseitige Kurz-Abneigung nur der Tatsache geschuldet war, dass wir seit mehreren Folgen die selben Klamotten tragen. Stimmt’s, Süße?“ – „Ja, mein wilder Hengst. Dein Geruch macht mich schon ganz wuschig! Ich öffne schon mal langsam meine Schenkel für Staffel 4, ja?“ – Wenn das Drehbuch Leute wieder zusammenführen will, kämpfen selbst Reviewwindmühlen wie die meinige vergebens dagegen an…
Damit die Szenen auf dem Akropolis-Planeten auch tiefgreifende Charaktermomente besitzen, darf noch erwähnt werden, dass einer der Soldaten „ein wenig klaustrophobisch“ ist, als in den düsteren Kabuff im Boden abgetaucht wird. Jetzt werden sogar noch DIESE alten „Uns ist sonst keine Phobie eingefallen, um die Figuren verletzlich wirken zu lassen“-Elemente aus der Grottenkiste geholt, um uns ein Charakterszenenderivat aus angemaltem Sperrholz zukommen zu lassen! Und, nur noch mal für das Protokoll: AAARGH!
Damit noch ein bisschen zusätzliche Spannung – in meinen vor Aggressivität angespannten Nackenmuskeln – aufkommt, stürzt auch noch die Höhle ein. Sooo muss es sein, für Drama klein. Wäre ICH der Drehbuchautor oder derjenige, der die Zufallskarten mit den einzubauenden Handlungssträngen aufgedeckt hat, ich würde mich tüchtig schämen und mich zwecks Klischee-Harakiri für einen Star-Trek-Transporterunfall melden.
Zurück zur zweiten Hälfte des Rush-Handlungs(?)strangs: Damit wir auch Bescheid wissen, dass wir alle total traurig zu sein haben, schreckte man nicht vor einem akustischen Textmarker von der der Breite eines Unterarms zurück. Die quietschigste Geigenmusik (ich HASSE Geigen!), die sich überhaupt im Soundarchiv finden ließ, rubbelte mir liebevoll auch noch die allerletzten Nerven vom Rückenmark. Praktisch die nervige Antithese zu der üblen Country- und Teenie-Mucke der letzten Episoden. Was ist aus dem guten alten Epik-Orchester à la „Doctor Who“ geworden?! Ist Trommelfell-Bulimie neuerdings wieder In?
Da muss auf Seiten der Macher schon echt schon viel Petersilie im Ohr gewachsen sein, wenn man schon bei einer Fernsehserie(!) jedes Mal über diese grottenmiese Alternativ-Mucken stolpert!
„Okay, aber jetzt müssen SIE mir mal helfen, Doc! Nebenan laufen gerade diese viel cooleren Visionen mit fliegenden Cracknutten, Raumkämpfen und diesem Joghurt-Drink, der TATSÄCHLICH die Abwehrkräfte stärkt. Könnten sie mich vielleicht DORTHIN halluzinieren, bitte?“ – Durch „Stargate Universe“ erwiesen: Die Kreidezeit dauerte (zumindest gefühlt) tatsächlich einige Millionen Jahre; hier gibt es sie immerhin mit passender Tafel dazu.
Fazit: Eine der miesesten Folgen bislang. Ich konnte gar nicht so viel brechen, wie ich kotzen musste. – Diese unsägliche, ironiefreie Wichtigtuerei um jeden weggeschnippten Popel oder leeren Taschenlampenakku, gepaart mit dem pseudotiefgründigen Anspruch (= Frau wird mittels Geigenmusik eingeschläfert) ist hochgradig beschämend für alle, die irgendwann mal irgendwo irgendeine Serie gut fanden!
Das alles sorgte dafür, dass ich das Anschauen mehrmals unterbrechen musste. In den Pausen konnte ich dann wenigstens in einen Traum eintauchen, der von meinem toten Opa handelte, der mir meine verschollene PIN-Nummer für den Bankautomaten rausgesucht hat.
Ah, die guten alten Episoden mit zwei separaten Handlungssträngen. Eigentlich eine schöne Erfindung, welche schon bei „The Next Generation“ häufig aus verschiedenen Gründen zum Einsatz kam. Unter anderem, wenn man entweder von einer einzelnen Story nicht wirklich überzeugt war oder wenn der Autor das Mistding beim besten Willen nicht auf 45 Minuten strecken konnte. Blöd natürlich, wenn BEIDE Geschichten den Zuschauer dazu veranlassen, es seinen Helden gleichzutun und zum WEINEN in den Keller zu gehen, während man sich dabei geistig abschottet.
So haben wir hier zum einen die kultverdächtige Story „Leuten gehen in Keller und die Decke kracht ein“ (bereits nominiert für den Stanley Kubrick-Gedächtnispreis) und die dramatische Geschichte „eines Mannes, welcher sich zwei Dioden in die Schläfen rammt, um im Wachtraum und mittels der Hilfe seiner toten Frau sowie eines verwirrt herumstampfenden Gaststars (Prognostiziere schon allein deswegen Top-Noten in den gängigen Communities) nach dem Passwort für ein Raumschiff zu suchen, während er gleichzeitig seinen Job als Uni-Professor wieder aufnimmt“. (Nominiert für den galaktischen WTF-Award.)
Da fragt man sich ja, welcher geisteskranke Antiker sich so ein Hirn-Holodeck zur Datensicherung ausgedacht hat. Oder gibt es auch schon jetzt eine Windows-Version, wo man alle seine bisherigen Stuhlgänge noch einmal virtuell erleben muss, nachdem man sein Zugangspasswort vergessen hat? („Oooh! Habe immer VIER-lagiges Toilettenpapier benutzt. Das muss ein Hinweis sein!“)
Das I-Tüpfelchen für mein dadurch bereits angespanntes Nervenkostüm bildete dabei übrigens zudem die penetrante Geigenmusik während den Szenen beim Rush im Kopp, welche mich stark an das bekannte Stück „Fingernägel auf der Schiefertafel“ erinnerte.
Obwohl, unfreiwillig genial war auf jeden Fall die völlig desinteressierte Scheiß-egal-Einstellung von Dr. Rush gegenüber seiner todkranken (Traum-)Frau. Weswegen alle Szenen mit solch (takt)gefühlvollen Dialogen wie „Du, Schatz, ich sterbe gerade. Buhuhuu!“ – „Aha. Soso. Übrigens, ich werde Heute wohl länger arbeiten.“ schon jetzt zu meinen persönlichen Favoriten der ganzen Serie gehören!
Weitere Mini-Höhepunkte: Die schöne Ruinenlandschaft, wo man die Pixel erst beim zweiten Hinsehen erkannte.Und… öh… der Schluß. Aber nicht nur, WEIL halt endlich Schluß war. Sondern auch, weil die Zurückgelassenen tatsächlich aus Haupfiguren bestanden. Wobei diese wahrscheinlich schon in der nächsten Folge „den Rush“ machen werden. („Im nächsten Tunnel war eine intergalaktische Notruf-Telefonzelle!“)
Fazit: Endlich gab es die erfolgreiche Hochstufung von Doc Rush vom „Arschloch“ zum „Oberarschloch“, welches das Rennen zum größten Unsympath bis zum Staffel-Ende wieder spannend macht. (Auf Platz 2 befinden sich, meiner Meinung nach, zur Zeit die Serien-Schreiberlinge.)
Einen deutlichen Notenabzug (von einer granatenstarken 4 plus) gab es aber für die beispiellos-einfallslose Nebenhandlung um unsere vier Grottenolme. Auf der anderen Seite: Die Frage „Werden die es wieder aus der Höhle schaffen?!“ hatte sich wohl zuletzt das Publikum von „Ukk, dem Geschichtenerzähler“ vor knapp zwei Millionen Jahren gestellt. Auch irgendwo eine Leistung, Gratulation dafür!
Note: 5 minus


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