Film- und Serienkritiken

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„Zurück in die Zukunft 2“ – Das Review, das es erneut tut

„Zurück in die Zukunft 2“ – Das Review, das es erneut tut

Zeitreisen, ja die geh’n immer. Manchmal schief, oftmals noch schlimmer! Im ersten Teil wurd’s vorgemacht, wie’s als Handlung bestens kracht. Dem Doc, dem Brown, ist’s zu verdanken, dass man kann jetzt „Fusion“ tanken. So landet man in einem Flug – und der Zukunft rasch genug. Dort man trifft auf die Gestalten, von den’ man kann nicht sooo viel halten: Biff ist alt und doch durchtrieben, kann sogar im Zeitstrahl fliegen! Doch der Marty – und der Brown – ihn ein weit’res Mal verhaun’. (P.S.: Diesen Absatz schrieb mein Clown…)

INFORMATIONEN:

Regie: Robert Zemeckis
Jahr: 1989
Budget: 40 Mio $

Poster
Zurück im Film ‚Zurück in die Zukunft’ geht es zurück in die Zukunft.
Inhalt: Der Deutschlehrer hat’s Euch damals hoffentlich beigebracht, was die drei Phasen der griechischen Zeitreise-Tragödie sind? Der erste Teil ist der „Temporal-Aufbau“. Irgendwo in der Zeitlinie, hier im Jahre 2015, passiert etwas Bedeutsames, was alle weiteren Zeitlinien beeinflusst. Man spricht auch von der „Biff-ödie“, weil hier der alte Biff einen Sportalmanach stiehlt. Sogleich sehen wir in der Gegenwart die veränderte Realität, welche die Hauptfiguren schockt und ihre weiteren Pläne nötig macht. Man sagt dazu „Hiob-Klimax“ oder auch „Calvin-Klein-Konstante“ (nach dem ersten Teil), wenn der Hauptdarsteller merkt, dass Biff plötzlich reich und sein Stiefvater ist. Als letztes gibt es den „Finalen Zeitsprung“-Spannungsbogen: Hier ist es das Jahr 1955, wo alles zu einem Abschluss und zur Andeutung eines Nachfolgefilms (griechisch: „Filmopulus weiterguckulos“) kommt.

Besprechung:

Die erste 45 Minuten waren mir als Kind die liebsten der ganzen Trilogie, aber ebenso wie bei den „Glücksbärchies“, „Eins, Zwei oder Drei“ oder „Tutti Frutti“ fragt man sich über 20 Jahre später, welches Milchbarthormon einen damals geritten hat. Und warum man nicht schon mit zehn Jahren Dramaturgie-Erklärbücher aus dem Theaterverlag studiert hat, um die Schwächen früher zu checken. Denn mit aktuellem Hintergrundwissen aus dem Klugscheißer-Katalog sind so manche Twists hier durchaus auch für den Hinter…n….grund. – Dass zum Ende des ersten Teils beispielsweise noch überhaupt kein zweiter geplant war, merkt man daran, wie schnell Martys Freundin nach einem hysterischen Anfall (die Erbkrankheit aller Filmfrauen bis Anfang der 90er) schlafen gelegt wird, damit sie die coole Action nicht durch ihren ungewollten Östrogenausdünstungen stört. Das ist nicht schlimm, fällt aber vor dem perfekt(est)en Vorgängerfilm eeetwas auf, bzw. ab.

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„Das ist eine Käsereibe, die ich da auf dem Kopf trage! Wieso soll das ‚wahnsinnig’ sein? Wie soll ich denn sonst die Füße meiner Opfer essen können, hä?“ – Par(o)die-Tiiime: Griff hat alles im selbigen. Seine Gang wird später im gesamten Internet bekannt sein, sobald es 2072 endlich erfunden wird. Aber man sollte nicht alles auf einmal verlangen. Immerhin darf jeder zukünftige Bürger einen durchgedrehten Laufsteg-Designer sein eigen(artig) nennen…

Überhaupt sind die ersten Minuten extrem überdreht und wirken zu 92,1% wie eine Parodie auf den ersten Teil und hat zu 7,9% das „Schlechterer Nachfolger, der viel zu viel wollte“-Gen, das man eher aus den letzten 15 Jahren kennt. Michael J. Fox spielt beispielsweise seine eigene Tochter (oder wollte Zemeckis einfach mal was für Transen tun?) und Biffs Enkel namens Griff(!) überzieht die Bösartigkeit seines Vorbildes ins Irrenanstalthaftige. „Sein Implantat ist falsch gepolt“ – Klar, kommt durch die zukünftige POLschmelze, ist ja logisch… Spätestens, wenn der alte George McFly nach einem Golfunfall(?!) verkehrt herum(!) durch die Wohnung schwebt, wünscht man sich den charmant-ruhigen Beginn des ersten Teils wieder. Oder einen RICHTIGEN Drogenfilm aus den 60ern/70ern, denn wenn schon, dann bitte… denn schon.

Hier gefiel man sich irgendwann etwas zu sehr darin, die Kinder und Enkel ALLER unwichtigen Nebenfiguren mit (mal guter, mal weniger guter) Opamaske zu zeigen. Ja, auch die FRAUEN. Und natürlich stets mit den selben Schauspielern als Nachfahren, denn wir wussten es ja schon seit Diethelm und Dettfried Duck im Carl-Barks-Stammbaum, dass die „Schnäbel“ immer die gleichen bleiben. Zugegeben, das ist zwar alles sehr lustig für 10-Jährige und Ältere, die bei ihren Personalausweisdaten mal gerne Fünfe gerade sein lassen, hätte aber den Film niemals bis zum Ende getragen. Das ist „Bill & Ted“, nicht „Filmkunst für die Ewigkeit“.

Aber vermutlich wollten die Macher einfach nur ihre Ideen zu einer überdrehten Zukunft des fernen Jahres 2015(!) loswerden, halt Schwebeautos, dehydrierte Mini-Pizzen, sprechende Kleidung, herumschwebende Hai-Hologramme und Ronald Reagan in einem futuristischen 80er-Cafè präsentieren. Zugegeben: Ich weiß auch nicht, ob ICH diesen Verlockungen widerstanden hätte („Raaah! Und dann noch ein durchsichtiges Haus mit Düsenantrieb, gnaaa!“). Aber durch diese Gagdichte und dem extremen Tempo zu Beginn des Films werden einige Grundregeln der Dramaturgie bereits verdächtig wie… HEUTZUTAGE gebogen, denn so bunt und flott wird der Film später nie wieder. Wie beim James Bond „Skyfall“, wo die Eisenbahnszene zu Beginn die visuell Beeindruckendste war. Es dauert daher auch ein ganzes Weilchen, bis man sich wieder an die Figuren als HANDELNDE Personen (und nicht nur als Stichwortgeber für Gags) gewöhnt hat, was schon erstaunlich ist, da ich den ersten Teil kurz zuvor erst gesehen hatte. Mit Zeitsprung sogar noch kurz währenddessen.

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„Hey, da hinten ist ja tatsächlich ein Gegenstand, der NICHT in der Luft herumschweben kann! Oh, Scheiße… Jetzt füllt da einer Helium rein!“ – Zukunft für zügige: Hätte es die Euro-Krise, Berlusconi, Wikileaks und den Pferdefleischskandal in Lasagne nicht gegeben, wir könnten schon in 2 Jahren so viel weiter sein. Doch vielleicht erreichen wir die hochgesteckten Zeile doch noch? Wenn nur jeder Bürger 2 Patente auf Antigravitationsantriebe einreicht, muss bei der Menge ja irgendetwas herauskommen!

Auch die apokalyptische Zukunft mit Biffs Hochhaus (wer möchte als Reicher nicht im eigenen Betonquader residieren, statt in einer abgedroschen Villa?), den Gangs und der überdrehten Erklärung, dass DAS eben dabei heraus kommt, wenn man das Glücksspiel legalisiert, waren leicht „Over the Top“. Okay, in einer Filmreihe, in der man Zeitreiseautos und Plutoniumstäbe durch die Pampa fährt, ist das alles noch denkbar. Aber: Man atmet dann doch langsam auf, sobald Marty ENDLICH wieder im guten alten 1955 gelandet ist und die wohlige Oldie-Atmosphäre nebst Musik sofort wieder an den ersten Teil anknüpft. „Hier ist der Kult, hier darf ich sein“, will man ausrufen und wird sogleich in ein TOLLES Abenteuer geworfen.

Die Verknüpfung mit dem ersten Film, die Überschneidungen, Begegnungen und Parallelhandlungen sind so super gelöst, dass man den ersten Filmteil als notwendiges Übel (= wir sprechen von einem „7-von-10“-Übel) hinnimmt und zu schätzen lernt, dass man es immerhin hin bekommen hat, den alten Biff organisch auf den jungen treffen zu lassen. Auch wenn der Knacker DANACH schon in einer veränderten 2015er-Zukunft hätte landen müssen, was auch für chronisch logiklöchrige Zeitreisefilme einen recht offensichtlichen Fehler darstellt. Aber anders ging’s halt nicht, ohne spontan die ganze Geschichte wegzuwerfen oder so viel erklärendes Quantengedöns zu erfinden, dass die Trilogie an dieser Stelle ihre Technobabble-Unschuld verloren hätte.

Schön und sinnvoll ist’s, wie sich die beiden Martys und Doc Browns im Jahre 1955 umschiffen oder beinahe treffen. Biff und seine Kumpels bekommen somit in Teil 1 durch diese frühe Art des zubuchbaren „Downgrade Contents“ NOCH mehr aufs Maul. Gleichzeitig dürfen sie (widerwillige) Geburtszeugen der vielen Running Gags der Serie sein: Biff rast noch mal in einen Misttransporter (erstaunlicherweise der einzige Kakawitz in der Reihe), das Hoverboard wird nicht seine letzte große Rolle gespielt haben und Marty darf sich unter dem Tisch des Schuldirektors herumdrücken, für den alle Menschen immer noch „Nullen“ sind. Ein binärer Typ, fürwahr.

Apropos „Binär“: Statt inflationären Computereffekten gibt es hier eher zurückhaltene Tricks, wie startende Schwebeautos (ohne sichtbaren Schnitt, nachdem jemand ausgestiegen ist!) oder doppelt zu sehende Schauspieler. Trotzdem sehe auch ICH hier doppelt und vergebe statt 5 SFX-Punkten (= Veraltungsbedingt) gleich die Höchstmenge von 10! Denn nach 24 Jahren hätte man deutlich mehr als exakt… NULL Effekte erwartet, die etwas lächerlich aussehen. Nennenswerte Peinlichkeiten gibt es hier aber nicht. – Bravo!

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„Zeitreisen… Schreibtischreisen… SCHREIreisen. Die nächste Erfindung vom Doc sollte etwas weniger gefährlich sein. Oder wenigstens einen integrierten Tablettenspender mit der Aufschrift ‚Cyankali’ besitzen.“ – Hier eine völlig neue Version des vielzitierten Klassikers: „Junge, solange Du die Füße unter MEINEM Tisch hast, da…“ – Wieso Marty sich nicht einfach das Buch greift und zur Tür hinaus läuft (es wurde schon MEHR Schaden in der Zeitlinie angerichtet), bleibt sein Geheimnis. Und das seines masochistischen Zweitpersönlichkeit.

Die Jagd nach dem Almanach ist actionreich, kommt aber mit relativ normalen Elementen aus: Tunnel, Auto, Rückspiegel, fliegende Zeitmaschine… Und der Nemesis aller „Jäger des verlorenen Almanachs“: Nämlich abnehmbare Schutzumschläge (*donner*). – Wer hierbei das Wiedersehen und Wiedererleben aller wichtigen Teil-1-Momente als plumpe Wiederholung missversteht, ist dieser genialen Zeitreisegeschichte übrigens unwürdig und kann sich stattdessen gerne eine Ritter- oder Dinosauriergeschichte aus der Mickey Maus denken. Ich mochte die Idee, die Parallelhandlung und die Art der Umsetzung: DAS ist mal geiles Zeitreisegedöns, bei dem selbst Star Trek nur blöd aus der Wild-West-Stadt glotzen kann, das vergilbte Bild der Walsonde am Schlüsselband.

Apropos Wild West: Wir sehen ja schon an der relativ „normalen“ Westernstory in Teil 3, dass Zeitreisen umso unpersönlicher und abgedroschener werden, je weiter man sich von seinem selbst und seinen Verwandten entfernt. Und wir wissen seit dem Film „Timecrimes“, dass die spannendsten Momente durch wenige MINUTEN Zeitmanipulation entstehen, wenn man sich selbst beim Getränkekauf aufhält und spontan 1 Liter Wasser aus der zukünftigen Blase verschwindet. Schade nur, dass der Darsteller des George McFly in der Fortsetzung aufgrund seiner bestimmt viel TOLLEREN, anderweitigen Karriere (welche war das doch gleich?) nicht mehr mitspielen wollte. Er musste in den (wenigen) Szenen gedoubelt werden, was aber nur Profis, Fans, Freaks und den uneuphorischeren Hörern des Audiokommentars auffällt.

Wie Marty am Ende des 2. Teils das Ende vom ERSTEN relativiert, in dem er Doctor Brown in der Schlusssequenz erneut aufsucht, das hatte schon was! Ein großer Moment der Filmgeschichte, der vom Doc mit der einzigen möglichen Reaktion geadelt wurde: Der steife Umfall-Einfachwopper mit voller Langbeinstreckung. In Momenten wie diesen spürt man direkt, wie viel Spaß alle Beteiligten beim Dreh hatten. Einen 80er-Jahre-Filmfreund wie Marty oder den Doc, DEN hätte ich gerne mal! Was bekam ich stattdessen? Shia LaBeouf in „Transformers“, dessen Dialoge und Mimik man auch mit imitierten Motorengeräuschen zusammenfassen könnte („Bröööömm, brrrrööömm!“) und meinen Kollegen Sparkiller, der mir ständig sagt, wie geizig ich doch sei. – Wie gut, dass ich diesem Fiesling keinen Lohn zahle!

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„Ich weiß gar, was sie haben, Doc! Die anderen 3 Martys hinter der Hausecke haben mir sogar erzählt, dass sie sich schon seit 5 Zeitlinien und 18 Paralleluniversen so schreckhaft anstellen!“ – Etwas streckhaft: Doc Brown (The Past Edition) kann seinen wohlverdienten Feierabend nach gleich ZWEI durchgemachten Filmen wohl nur erreichen, wenn er seine angesammelten Überstunden per Zeitreise überspringt. Das ist zwar weniger erholsam, wird aber von führenden Arbeitgebern empfohlen, um Mitarbeiter NOCH MEHR auszulaugen.

Die Musik ist natürlich auch diesmal wieder gelungen, bietet allerdings nichts, was der erste Teil nicht auch schon hatte. Aber der hat künstlerisch ja schon genug für ZEHN Filmchen rausgehauen. Schnitt, Kamera und Action sind ebenfalls wieder auf einem Niveau, das heutige „Star“-Regisseure wohl nur mit den Worten „Gelungener Gag, mein Freund Kritiker, hahaha! (*Schulterklopf*)“ quittieren würden.


Fazit: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, dazu Inhalte der Trilogieteile 1, 2 und 3, etwas mehr Action UND zusätzlich 3 bis 13 Running Gags: Der Mittelteil der Filmreihe hat sich viel vorgenommen und bietet es auch. Das Gemosere weiter oben erfolgte natürlich auf hohem Niveau, da wir natürlich wissen, das Zukunftia-Leser nicht alles klaglos fressen, was man ihnen hinwirft. – Es sei denn, es hat mehr als 450 Kalorien/100 Gramm. Sieht man von einer gewissen Tendenz zur Albernheit und minimalen „Unrundheiten“ ab, ist auch dies ein Film, den man schon als Kind gesehen haben MUSS. Kollege Sparkiller wird dies bei einem persönlichen Besuch (in Euer Vergangenheit) bei Euch kontrollieren.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Und hier wieder zum Abgewöhnen:

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Artikel

von Klapowski am 05.08.13 in Filmkritik

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Kommentare (13)

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  1. DJ Doena sagt:

    >Auch wenn der Knacker DANACH schon in einer veränderten 2015er-Zukunft hätte landen müssen<

    Nicht zwingend. Wir wissen vom Ripple-Effekt und den Zeitungen, dass sich Veränderungen der Zeitlinie wie Wasserwellen in die Zukunft ausbreiten.

    D.h. als Old!Biff wieder im Jahr 2015 ankam, war seine Veränerung der Zeitlinie dort noch nicht angekommen.

    Und selbst wenn: Old!Biff, Doc und Marty waren alle in Hilldale, weit weg von den üblichen Schauplätzen der Filme. Eine Veränderung der Zeitlinie wäre ihnen dort nicht ad hoc aufgefallen, es sein denn Alternativ!Biff hätte auch den Stadtteil verfallen lassen.

  2. G.G.Hoffmann sagt:

    Wie fast alle Zeitreisefilme, die in einer nahen Zukunft spielen, schwächelt der Film daran, daß er die mögliche technische Entwicklung gnadenlos überschätzt (so z.B auch: I, Robot) und nicht bedenkt, daß Filme auch noch 30, 50, 70 Jahre später geschaut werden, die Zukunftsvision also sehr bald von der Realität eingeholt werden wird. Ferner wird nicht berücksichtigt, daß Menschen nicht alles, was technisch möglich ist, im Alltag auch umsetzen möchten (Türen ohne Türgriffe, Videoleinwand vor dem Fenster, Faxgeräte in jedem Raum, gleichzeitiges Schauen von 18 TV-Programmen, etc.).

    Der Reiz des Vergleichs zwischen 1985 und 1955 lag daher auch nicht in dem eher geringen technischen Fortschritt, sondern in den gesellschaftlichen Entwicklungen. Damit hätte ein Teenager aus dem Jahr 1985 im Jahr 2015 sicher einige Probleme.

    • Sparkiller sagt:

      „daß Menschen nicht alles, was technisch möglich ist, im Alltag auch umsetzen möchten“

      Mir kam eigentlich nie der Gedanke, daß man dem Zuschauer eine realistische Darstellung der Zukunft bieten wollte. Also anstelle einer GEWOLLT übertriebenen Zukunftsvision durch z.B. den Holo-Hai, Hover-Skateboards, dem „Max Headroom“-Barkeeper, Opa McFly an der Zimmerdecke und den selbstbindenen Schnürsenkeln.

      Eine Vision, welche doch eigentlich sogar einen großen Anteil am Kultfaktor von Teil 2 ausmacht?

      Antworten
    • G.G.Hoffmann sagt:

      So kann man das natürlich auch sehen. Allein bei der auf die Sekunde genauen Wettervorhersage hätte ich stutzig werden müssen. Allerdings macht es den Film aus heutiger oder zukünftiger Sicht etwas albern, wenn für das Jahr 2015 Technologien in Aussicht genommen wurden, die auch noch Jahrzehnte später fernab jeder Realität sein werden (z.B. fliegende Autos und Hoverboards) oder schlichtweg albern sind (selbsttrocknende Jacke, selbstbindende Schuhe, staubabweisende Buchumschläge).

      Allerdings muß man den 1980ern zugute halten, daß man damals wesentlich optimistischer auf die technische Entwicklung geblickt hat. Das Jahr 2000 galt aus der damaligen Perspektive als Schallmauer, hinter der wir in einer SciFi-Welt leben würden. Das Space Shuttle sollte nur der Beginn einer neuer Weltraum-Epoche sein. 2004 der erste Marsflug, ab 2020 Warpantrieb. Statt dessen haben das Ende des Kalten Krieges, 9/11 und die Finanzkrise die Raumfahrt um Jahrzehnte zurückgeworfen. Ich persönlich war damals überzeugt, im Jahr 2012 als Archäologe mit Picards Urururgroßvater die ersten Ausgrabungen von Pyramiden auf dem Mars zu leiten. Statt dessen besteht der ganze technische Fortschritt darin, daß ich meine Steuererklärung mittels ELSTER online abgeben muß und auf dem Paßfoto nicht mehr debil grinsen darf. Irgendwie ist das ernüchternd.

      Antworten
    • schoenerAndi sagt:

      Wobei mir eine übertriebene Vorstellung der Zukunft
      immer noch lieber ist, als diese lahmen Sets in z.B. „Real Steel“, oder den Zeithopsenden Mafia-Killern mit dem
      Willis Bruce (kann mir den Titel net merken…), oder
      „In Time“(?).
      Vor allem weil die Filme einerseits extreme Errungen-
      schaften wie kämpfende Roboter, Zeitreisen und Zeit statt Geld parat haben und uns verklickern wollen, dass
      daneben nix vorwärts gegangen ist.

      Antworten
  3. Turnschuh sagt:

    Das hyperventilierende Nonsense-Chaos von der ersten Hälfte dieses Teils will ich lieber mal ignorieren und wirkt auf mich wie eine einzige Übersprungshandlung (ha!) der Autoren, die nie mit einer Fortsetzung rechneten, irgendwas mit „Zukunft“ machen mussten, und sich eben das größt mögliche Wahnsinns-Spektakel aus den Hirnwindungen saugten.

    Richtig gut und genial wirds erst, wenn der Fortsetzungfilm in den Vorgängerfilm hineinreist. Das ist Zeitreise-Komik auf einem solchen Meta-Niveau, mir fehlen die Worte („Great Scott!“).

    Doch auch hier nehm ich Raunzer dem Film eines jedes Mal übel: Die Temporär-Blind- und Taubheit der Antagonisten. So blöd kann gar kein Marty-Versteck sein, so laut der Versteckte gar nicht husten und ins WalkieTalkie plärren, so spät gar nicht ducken, dass ihn die anderen nach schlechtester Schlechte-Boulevard-Theater-Tradition nicht dennoch übersehen. Die ganze Jagd nach dem Almanach basiert im Prinzip auf diesem Kniff/dieser Unart, den/die ich einfach nicht als ironische Überspitzung schlucken kann.

    Drehbuch – toll und verspielt konstruiert. Erzählhandwerk – meisterhaft; da wird nichts ausgelassen. Doch zu oft kehrt sich der doppelte Boden der geschmeidigen Erzählmaschinerie nach außen. Oder mir wird bei der überbordenden Präsentation der Erzähltricks übel wie nach zuviel Eisessen.

  4. icebär sagt:

    „Statt dessen haben das Ende des Kalten Krieges, 9/11 und die Finanzkrise die Raumfahrt um Jahrzehnte zurückgeworfen.“ – GGH

    Und die schlussendlich dafür präsentierte Quittung war dann konsequenterweise auch „Star Trek Into Darkness“, ein Film, der keinerlei neue Ideen oder überzeugend/überraschende Inhalte bieten konnte. Ganz davon zu schweigen, dass JJAs jüngste Franchise-Vergewaltigung nicht einmal mehr das Prädikat „Science-Fiction“ verdient, sondern eher so was wie „Bud Spencer & Terence Hill @ 11. September in Space“ gewesen ist.

    Da bleibe ich doch lieber bei 3D-Holo-Haien aus dem Amiga. So was frustriert mich nämlich nicht bei dem Versuch, mich von der Realität für 2 total überdrehte Stündchen auszuklinken.

  5. BetaPan sagt:

    @icebär
    „Bud Spencer & Terence Hill in Space“ <- das wäre was feines. Allerdings müßte dann auch Rainer Brandt für die Synchro verantwortlich sein!
    Aber wehe die kommen dann mit so einem neumodischem Serenity & Battlestar Galactica Müll an, das man im All keine Geräusche hört – Ich will gefälligst auch in "Space" die Ohrfeigenschellen schallen hören!

    Bud: "So, und jetzt verpass dem mal eine, damit er sich dreht!"
    Warmer-Scheitel-Terence: *tschh*
    Bud: "Nicht streicheln! Drehen soll er sich!! In Richtung Sonne!!!" *TSCHHHHHHHHH* (Dreifachecho)
    http://www.youtube.com/watch?v=rwc9qOTuxp4

  6. hype sagt:

    Es gab eine Szene, in der sich Biff auflöste (kam beim Testpublikum angeblich nicht so an), und das wurde auch angedeutet als Biff Schmerzen bekam. Es hiesse auch, das daran gedacht wurde, das Biff erst ankommt wenn die junge Jennif(f)er aus dem Haus geholt wurde.
    Auch müßten sich Martys Kinder auflösen wenn man die beiden vom Oktober 1985 nach Oktober 2015 entführt. Natürlich breiten sich Veränderungen der Zeitlinie aus – und zwar immer 30 bzw. 59,9 Jahre hinter einem! Mal auf die Zeitungen achten: Ronald Reagen 5. Amtszeit, selbst wenn Diana noch leben würde wäre wohl 2015 immer noch die jetzige (englische) Königin an der Macht.

  7. Halbnerd sagt:

    Ja, es gab diese Auflöse-Szene mit dem alten Biff. Nach der Manipulation der Zeitlinie verschwindet er aus dieser. So wie es beinahe Marty in den 50ern passiert wäre.

    Ansonsten kann ich nur zustimmen. Ein gelungener Film, dessen wenige Kritikpunkte ganz klar in die Kategorie „Meckern auf hohen Niveau“ fallen.

  8. Radiator sagt:

    Ich habe mich ja als Kind immer auf die fliegenden Autos und die Teleporter gefreut. Was haben wir stattdessen bekommen? Immerhin die ausgeflippte Mode. Und man muß in seinem Haus nicht mehr das Licht selber ausschalten. Diese Mikrowelle aus dem Haus der McFlys hätte ich vielleicht noch gern :)

  9. DerBeimNamenNennt sagt:

    Also die Zukunft von „Zurück in die Zukunft“ ist meines Wissens bewusst so überdreht gezeigt worden. Den Machern war bewusst, dass selbst die realistischste Zukunftsversion später ziemlich lächerlich wirken kann („höhö, die haben Gehirnimplantate mit nur 250 MB, aber noch kein Internet.“) und haben deshalb für eine auch zu ihrer Zeit lächerliche Zukunftsvision entschieden.
    Dabei haben die Autoren aber schon einige „defuse Gefühle“ verarbeitet, die in den 80 Jahren oder allgemein verbreitet waren. So wirkt die Mode im Jahr 2015 ziemlich abgedreht und für uns (und die Zuschauer während der Prämiere) ziemlich lächerlich. Zum Beispiel lassen die Jugendlichen ihre Taschen aus der Hose hängen. Wohl eine Anspielung auf die Kapi-Mützen, die einige Jugendliche in den 80. umgedreht getragen haben. Das war für die Erwachsenen auch unverständlich, beeinträchtigt das doch den Wert als Sichtschutz. So wirkte es für die Jugendlichen im damaligen Film lächerlich, was ihre Nachfahren 2015 angeblich so alles tragen.
    Man könnte jetzt noch andere Beispiele nennen.
    Das Cafe der 80. Jahre war klar ein Witz darüber, wie man die damalige Zeit in den 2015 Jahren wohl sehen würde. Solche Witze gabs im ersten Teil ja auch.

    Für mich gehörte die erste Hälfte dieses Films auch zu den Höhepunkten der Trilogie. Vielleicht sind sie das sogar noch. Später wurde es erst wieder ruhiger.

  10. Scott sagt:

    Nicht nur George McFly hatte einen anderen Darsteller in Teil 2 sondern auch Martys zukünftige(!) Jennifer, nämlich Elizabeth Shue. Trotzdem (oder dennoch?) konnte sie im Verlauf des Filmes einfach mal in der Zukunft bewusstlos abgelegt werden. Das würde offenbar keine Konsequenzen vor sich haben, da man die Vergangenheit ja sowieso bald geändert zu haben vorhat. Im Film-Universum ist selbiges also meist eine selbsterfüllende und -heilende, aber auch hochkomplizierte und unübersichtliche Prophezeiung innerhalb der einzigen Zeitlinie. Verstöße dagegen werden einfach mit Foto-Auflösung bestraft.

    WENN es bei ZidZ ein Multiversum aller möglichen Zeitstränge gegeben hätte, wäre Jennif(f)er auf der Veranda bald(!) gefunden worden und hätte (wer weiß?) als zukünftige Mrs. Biff geendet? Und alle wären befr… zufrieden gewesen.
    Fin.

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