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TOS-Review – 1.07: „Der alte Traum“

TOS-Review – 1.07: „Der alte Traum“

Wir sind alle realitätshörige Trottel… „Nur“ weil es seit Jahren Kurtzman-Trek gibt, reviewen wir „nur“ noch das moderne Zeugs. Dabei gibt es doch diese seligen Klassiker, auf denen wir vor 10 Jahren noch herumgetrampelt sind, weil sie aus der Zeit gefallen schienen. Aber inzwischen fällt so mancher Trekkie gerne hinterher – mit einem Fallschirm aus Ferengi-Ohren. Ja, olle, stinkige Effekte gelten seitdem (beschönigend) als „gut abgehangen“ und „aromatisch“. Und schlechtes Schauspiel geht inzwischen als „Burnham und Stewart sind viel mieser!“ durch. Daher hier eines unserer ersten(!) TOS-Reviews…


Und um zu beweisen, dass wir klassische Episoden nicht hochjubeln, verreiße ich heute eine der miesesten Folgen aus TOS, Staffel 1. Damit wir uns danach den Perlen zuwenden können.

Der Originaltitel („What Are Little Girls Made Of“) erscheint mir übrigens NOCH unpassender als der deutsche, da es nicht um echte „Girls“ geht. Es sei denn, man meint hier Chapel, die auf dem Planeten alle kurzberockten Beine voll zu tun hat, abwechselnd den Captain und den dortigen Bewohner (immerhin ein Doktor!) anzuschmachten.

Und „little“ wären alle hier gezeigten Girls auch nur dann, wenn sie von meinem Großonkel angesprochen werden würden. („Selfmade-Millionärin hin oder her. Für mich bleibt ’se immer … die Kleene!“)


Der Inhalt:

Laut Google passiert dies hier: „Die Crew von Raumschiff Enterprise gerät in große Gefahr, als ein größenwahnsinniger Wissenschaftler die Weltherrschaft an sich reißen will.“

Äh… Vielleicht habe ich diesen Part überhört, aber die Welt(raum)herrschaft erscheint mir bei diesem Seppel-Sit-In eher unwahrscheinlich…? In jedem Fall trifft Kirk auf dem Planeten Exo III den verschollen geglaubten Dr. Roger Korby. Der sich mit zwei Androiden umgibt.

Besprechung:

„Androiden für Leute, die dieses Thema nicht mögen“ – So lässt sich die Episode zusammenfassen.

Irgendwie wusste man nicht, was man dem Publikum hier erzählen sollte. Ich tippe darauf, dass der Autor vor diesem Drehbuch in den Kessel mit alten 50er-Jahre-Science Fiction gefallen ist und seitdem überall ruft: „Der Dicke… äh… der dick Auftragende? Welchen dick Auftragenden meint ihr!?“

„Hey, Glonk! Es sind Fremde auf unseren Planeten gebeamt. Was bedeutet dies für unsere Rechte als denkende, logisch agierende Lebensform?“ – „Ich nix verstehen die Frage. Ich mit Ärmel an Thermostat hängen geblieben.“ – Da arbeite ich lieber in einer Rederei: Die Dialoge sind nicht wirklich prall. Dafür gibt es aber viele davon. Und was Pralles finden wir vielleicht auch noch?

So gibt es hier den grobschlächtigen Roboter mit dem Frankenstein-Cosplay (wenn Frankenstein früher schon mal einen Wickelvorhang getragen hätte), eine eher zarte Androidin, die angeblich nicht für die Liebe gebaut ist (es sei denn, man befiehlt es ihr) und einen Kirk-Doppelgänger, der irgendwie wie das Original ist, aber dann doch schulterzuckend durch die Handlung taumelt.

Dessen Enttarnung und weiterer Story-Verbleib war so lieblos inszeniert, dass dessen ERSCHAFFUNG fast das Kultigste an diesen Szenen ist.

Hier wird nämlich die Benutzung einer Sony-VR-Brille realistisch simuliert – aus der Sicht des Innenohrs:

„Sehen Sie es positiv, Kirk: Ab einer Bewegungsunschärfe von 50 km/h kann man Ihren muskulöseren Doppelgänger mit Ihnen verwechseln.“ – Deswegen heißt es Film-DREH: In dieser Zentrifuge wird den Leuten ein Robo-Doppelgänger aus der Hüfte gezerrt. Das Rohmaterial ist übrigens (kein Witz) eine grüne Schaumstoffpuppe mit der Lizenz zum Fußboden-Vollbröseln.

Zumindest VOR oder NACH diesen Szenen hätte man clevere Dialoge zum Sinn & Unsinn von künstlichen Lebensformen anbringen können.

Und ob die biologischen Wesen mit ihren stets feuchten Hosen und Nasen nicht die wahre Bedrohung für irgendwas sind (= für trockene Taschentücher?). Doch selbst aus Sicht der 60er-Jahre ist das alles auf einem Doofmanns-Niveau, das nichts zu Ende denkt und alle paar Sekunden ein neues Fass aus mentaler Prickelbrause aufmacht. Zumal die künstlichen Wesen selber total desinteressiert an sich und ihrer Umwelt scheinen. Bestimmt alle Facebook-Poweruser?

Das Motto der Folge: „Wir können zwar ein neues Lebewesen auf Drahtbasis erschaffen – am Ende ist es diesen Biestern aber selbst EGAL, wenn sie in ihren ganzen Überlegenheit auf dem Küchenstuhl rumkippeln.“

Eigene Ziele für die Zukunft? Gibt es nicht, solange irgendwer irgendwas zu den Robotern zu erzählen hat. („Sehen Sie, Kirk! Sie tut, was ich sage, ist aber vollkommen eigenständig. Aber nur bis zu einem Kreditkartenlimit von 500 Dollar. Die Hobbys ‚Häkeln‘ und ‚Stumm rumstehen‘ hat sie sich aber selber ausgesucht.“)

Zusammen mit der alten Liebschaft von Chapel und der verschwundenen Zivilisation (vielleicht im Parkdeck des Höhlensystems noch mal gucken?) macht die Handlung gleich zehn Fässer auf, kann aber mit dem heraussickernden Schmiermittel nichts anfangen.

Ja, Kirk und Anhang haben sogar große Probleme, einen glasklaren(!) Vorwurf an den verrückten Professor zu formulieren. („Sie machen hier… doch irgendwas! Ich habe doch ihre Handabdrücke überall gesehen, jawohl!“)

Trotz der dürren Handlung spart die Episode nicht mit Symbolik. So besitzt die Felswand hinter Kirk ganz klar die Farbe und Struktur eines weiblichen Genitals.

Ebenso erzählt man uns in einer Spar-Sequenz, dass die früheren Bewohner des Planeten irgendwie große Hoffnungen in die Burschen gesetzt hatten (Fachkräftemangel bei den Briefbeschwerern?) und die Robo-Heinis wunderbar Stimmen nachmachen können („Alexa, imitiere bitte Alexa!“).

Wobei man um die angedeuteten sexuellen Themen am Ende doch wieder einen Bogen macht. So sind die offensichtlichen „Funktionen“ der jungen „Frau“ offensichtlich nicht wichtig genug, um sie vor den Zuschauern offen anzusprechen

Stattdessen werfen die ach-so-eigenständigen Roboter zu Beginn Kirks Sicherheitsmänner in den Abgrund, weil… um das Pappmachè der künstlichen Höhle neu zu pflastern? Das wird dann übrigens relativ unemotional zur Kenntnis genommen („Was für ein Unglück, alle tot! Ach, und Ihre Forschung ist übrigens phantastisch, vor allem die Energieoptimierung von rosa Glühbirnen.“)…


Fazit: Schwache Folge für den schwachen Geist. Und das liegt auch nicht daran, dass TOS so angestaubt ist. Denn die Frage nach alternativen Lebensformen wird in späteren Episoden oft besser gestellt.

Beziehungsweise überhaupt mal.

Besonders ärgerlich ist hier die reingeschraubte Liebesgeschichte von Schwester Chapel, die am Ende nur für ihren panischen Schrei sorgt – weil der forschende Doktor ebenfalls ein Android ist. Ja, das ist grausam, eklig und abturnend, wenn so ein Alienwesen innerlich ganz anders als Oma Platuschke daherkommt – äh, oder nicht?

Da hätte sich Gene Roddenberry glatt im Grabe umgedreht, wenn er damals nicht gerade erst die Serie erfunden hätte.

In Bezug auf philosophische Themen ist diese Geschichte ein Rohrkrepierer.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
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Artikel

von Klapowski am 27.01.23 in Star Trek - Das Original

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Kommentare (4)

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  1. Einheitskanzler sagt:

    .. aber Kirk und der versteinerte Riesenpenis sind Kult!

  2. Simon Wright sagt:

    Nach immer runzliger und runder werdenden Datas darf man sich doch auch mal über einen attraktiven Androiden freuen! Wer sieht denn noch auf die Pappkulissen? Also wirklich. Diese Nerds heutzutage setzen da wirklich seltsame Prioritäten. Aber solange Roddenberry sich dreht ist doch alles im Lot. Damit will er aber auch nur davon ablenken, dass die eher seltsam zusammengeschusterte Story mit der Chapelliebesgeschichte direkt von ihm selbst kam. Vielleicht wollte er seiner zukünftigen Ehefrau auch nur mal eine größere Rolle zuschustern (oder wann kamen die zusammen?).
    Ich habe die Folge gerne übersprungen, wenn mich die Sehnsucht zur TOS-Dauerschleife zwang, ich kann mit Doppelgängerfolgen rein gar nichts anfangen (Nur die beiden Rikers fand ich ganz ok). Jetzt habe ich mir sie eben doch nochmal angesehen oder davon geträumt weil ich eine Kröte voller psychoaktiver Substanzen abgeleckt habe, die gerade durchs Fenster sprang. Doch wie auch immer, mit etwas bzw. viel mehr Liebe hätte da doch eine prima Geschichte draus werden können. Alte mächtige Zivilisationen die von ihrer eigenen Schöpfung platt gemacht wurden wäre doch schon mal ein guter Anfang. Und ob man nun Android oder Mensch ist oder was man davon eigentlich sein oder werden will, ist doch auch ok. Und immerhin gibt es sicher ein paar 100 Startrekfolgen mit dem Thema dazu. Die stehen nicht gerade auf den Schultern eines Giganten, aber ich verbrenne jetzt auch nicht meine alten Startrekposter im Garten. Aber wenn mich jetzt nicht einer blitzdingst, werde ich mir die Folge auch nicht mehr ansehen.

  3. flyan sagt:

    obwohl ich seit mehr als 25 Jahren als Star Trek Fan bezeichnet werden kann, habe ich nie die gesamte Originalserie durchgeschaut, stattdessen nur einzelne lose Folgen.

    Wenn ich an TOS denke, kommt mir immer genau diese Episode in den Kopf, und die ist ja nun wirklich nicht das beste, was die Menschheit je hervorgebracht hat. Gut zu wissen, dass sie selbst im TOS Kontext eher schwach ist.

  4. Tabularius sagt:

    Ich meine mich wage daran zu erinnern das ich die Folge gar nicht mal so schlecht fand.
    Ich nehme an das liegt zu 90% am Outfit der Androidin.

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