Film- und Serienkritiken

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Qualität setzt sich eben durch: Kurtzmans Vertrag bis 2026 verlängert.

, Qualität setzt sich eben durch: Kurtzmans Vertrag bis 2026 verlängert.

Endlich haben wir es geschafft: Nach etlichen Hammerschlägen auf den Hinterkopf vom Lieben Gott ist das Universum endlich putt gegangen. Logik spielt ab jetzt keine Rolle mehr und wirtschaftliche Erwägungen haben einem sozialistisch-utopischen Grundgedanken Platz gemacht, bei dem wir eben NICHT mehr nach Geld und Gewinn streben. Endlich ist die Vision von Star Trek also Realität geworden und Gestalten wie Küchenchef Neelix, die DS9-Servierkraft Rom und der Showrunner Alex Kurtzman können schalten und walten, bis der Warpkern zur gigantischen Pfeffermühle mutiert.


Ich muss gestehen: Die Meldung, dass Alex Kurtzman nun auch noch weitere 5 Jahre das Trek-Franchise betreut, ist einerseits kaum zu fassen – andererseits aber nur konsequent in ihrer Nicht-Nachvollziehbarkeit.

Schon länger scheint sich die Medienbranche von dem abgekoppelt zu haben, was früher nachvollziehbar war: Serien mit 8-9 Millionen Budget/Folge hatten gefälligst enorm erfolgreich und beliebt zu sein. Punkt. Ende der Diskussion.

Ja, kaum zu fassen: ENT wurde noch abgesetzt, da die Serie nach 3-4 Jahren nicht GENUG Gewinn bei 1,7 € Millionen Budget/Folge abwarf. Doch heute genügt vermutlich eine Click-To-Würg-Ratio von 192 durch Pi mal Daumen, um im globalen Wettbewerb um Streaming-Inhalte und „Märkte der Zukunft“ zumindest nicht der Letzte am Beatmungsgerät zu sein.

Ich hatte wohl massiv unterschätzt, wie EGAL die inhaltliche, künstlerische und visuelle Qualität inzwischen geworden ist. – Anders ist es nicht zu erklären, warum Alex Kurtzman nun erneut mit 150(!) Millionen Dollar von Dannen ziehen darf, was die bisher unbestätigten, aber wohl leider realistischen Internetschätzungen sind.

Verständnis habe ich hierfür leider keins. Und das liegt nicht (nur) daran, dass ich natürlich auf eine Erneuerung und Neuausrichtung des extrem eingefahrenen Deppen-Star-Treks gehofft habe (= nach 4 Jahren kann man die ewig gleichen Mechanismen auch als New-Fan nicht mehr als „frisch“ bezeichnen?). Und es liegt auch nicht (nur) daran, dass ich Alex Kurtzman für so talentiert und wie eine Raupe mit Verpuppungs-Phobie halte. Und auch nicht (nur) daran, dass ich nicht müde werde, seit Jahren auf die Blödigkeit und die moralisch verwerflichen Botschaften der neuen Serien hinzuweisen.

Nein, inzwischen geht meine Abneigung weiter. Viel weiter.

Kurtzman ist für mich inzwischen jener Kollege, der im Betrieb schneller befördert wird, weil die Frau vom Chef ihn mag – oder weil eine Neubesetzung den greisen Chef überfordern würde („Wir finden doch nie wieder einen, der die Programmiersprache „Excel“ beherrscht, odeeer?“). Kurtzman ist für mich dieser Pickel, der weder heilen noch aufplatzen möchte, an dem man aber genüsslich rumspielt, weil man die 10 Kilometer lange Fahrt zum Hautarzt scheut. Obwohl das Gewebe um den Pickel herum bereits einen ungesunden Lila-Ton angenommen hat.

Klar, im Internet ist die Häme vermutlich bereits groß: Dass trekmäßig alles doch gaaanz wunderbar erfolgreich sei – und man sich nicht den Hatern und Schlechtrednern ergeben habe.

Wobei der eigentliche „Skandal“ (sofern einem das alles für diese Wortwahl noch wichtig genug ist) eigentlich nicht jener ist, dass man einen kreativen Drückeberger aus seinem geliebten Franchise vertrieben sehen möchte, als vielmehr die Tatsache, dass solch eine drehbuchtechnische Arbeitsleistung inzwischen AUSREICHT – und honoriert wird.

Emotional und moralisch sind die neuen Serien inzwischen so verkrüppelt, dass auch die schlechteste Voyager-Episode niemals mithalten könnte. Ich behaupte: Wer sich heute nicht über Alex Kurtzmans Vertragsverlängerung wundert und ärgert, der hätte damals vermutlich auch nur mit den Schultern gezuckt, wenn Jerry Bruckheimer das DS9-Finale inszeniert hätte.

Wer keinen Anspruch hat, sollte Fans und Anspruchssuchenden nicht vorwerfen, ihn stets weiter zu fordern. Zu fordern mit Nachdruck und – ja – auch mit bissigen Kommentaren, die der verblödenden Ideologie von fiktionalen Werken trotzdem noch angemessen sind.

Denn wer sich aufgrund des unwiderlegbaren(?) „150-Mio-Dollar-Arguments“ auf der richtigen Seite wähnt und findet, dass eine bahnbrechende Utopie zerstört gehört, solange man sich in den neuen Serien ständig umarmt, nachdem man alle erschossen und/oder totgelabert hat, hat vielleicht weniger Argumente als gedacht.

So oder so: Die erneute Verlängerung des Vertrags um viele, viele Jahre beweist nicht, wie viel Geld (oder eben nicht) man in Zukunft mit Star Trek verdienen wird. Es beweist nichts rund um die Themen „Streaming“, „Diversität“ oder „Erfolg“. Nach Durchsicht aller bisherigen Folgen von und mit Alex Kurtzman beweist dies nur eine Sache mit Gewissheit:

Brechreiz-herbeibeamende Unterhaltung, die dem einem oder anderen vielleicht gefallen wird – aber bei seriöser Betrachtung so zeitlos und kultig wie ein geplatzter Hoden sein dürfte.


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von Klapowski am 02.08.21 in Star Trek

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Kommentare (96)

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  1. Agentbauer sagt:

    Das darf doch nicht wahr sein. Ich habe insgeheim schon so etwas auf Rick Berman und Brannon Braga gehofft.
    Auch wenn deren Star Trek am Ende etwas ausgelutscht war, war das noch immer mein Star Trek.
    Das, was der Kurze Mann daraus gemacht hat.. och nee, wirklich… das geht noch 5 Jahre so weiter. Das ist doch zum k….

  2. Scholli67 sagt:

    Jetzt macht ja nicht mal mehr das Meckern spass.

  3. Einheitskanzler sagt:

    Dann bin ich jetzt noch rauser als ich eh schon raus bin. Zu Picard habe ich mich noch nicht durchgerungen und Disco gucke ich parallel zum LEGO-Spielen; wenn man da ein paar Szenen oder Dialoge verpasst, stört es ja nicht weiter, da die Handlung ohnehin innerhalb von 45 min. mehrere sinnlose Sprünge macht.
    Und nein, ich unterstütze Kurtzman-Trek NICHT mit einem Netflix-Abo.

    • ClaraFen sagt:

      Dann freut es Dich doch sicher das BlueBrixx jetzt endlich auch anständige Star Trek Klemmbaustein-Sets auf den Markt bringen wird. Wenigstens an der Merchandise und Spielzeugfront scheinen die Verantwortlichen endlich so etwas wie Fingerspitzengefühl und Weitsicht zu entwickeln. Naja, es sei denn dies bleibt eine Eintagsfliege ;(

      Antworten
  4. AynRand sagt:

    Abwarten und Tee trinken. Es gibt was den Streaming Markt anbelangt keine Garantie das ViacomCBS überhaupt besteht. Disney+ (14 %) hat Marktanteile gegen Netflix (28%) gewonnen Amazon (20%) auch, Apple hat gerade einmal (3%), und ViacomCBS (weniger als 3%) wollte mit dem Peacock (4%) Premiumservice fusionieren, kommt aber nicht zustande. Es gab bereits ein Rebranding beim ViacomCBS Streaming Dienst.

    https://9to5mac.com/wp-content/uploads/sites/6/2021/07/apple-tv-market-share.jpeg

    Kurtzman bläst immer gerne PR Meldungen und Spin in das Netz. Die Sektion 31 Serie sollte ja schon gedreht sein. Kommt nicht zusammen, nicht dieses Jahr, nicht nächstes Jahr. Er kann den Vertrag haben. Was passiert wenn ViacomCBS mit samt Trek verkauft wird? Es gibt keine Garantie das es die Firma in der Form so in den nächsten Jahren überhaupt noch existieren wird. McFarlanes „The Orville“ läuft auf Hulu, Hulu hat mit 13% jetzt schon mehr Marktanteile.

    Steht in seinem PR Sprech das er wachsen möchte und er große Pläne hat, bedeutet es nicht das er auch schafft, sondern es bedeutet nur wir haben keine/kaum Marktanteile, in super geschönt. ViacomCBS hat im Moment keine Hits, selbst die breit aufgestellte „SWAT“ Show da kommt nicht in die Buschen, das ist eine 08/15 generische, langweilige Copshow. Hannibal Lector ohne Hannibal Lector ist praktisch tot, Clarise oder so ähnlich. Und zum „Zustand“ von „Star Dreck“ unter der Fuchtel von Kurtzman brauche ich hier wohl nichts schreiben.

    Ich bin mir sicher der Markt regelt und Kurtzman geht unter. Nur eine Frage der Zeit bis ViacomCBS die Marke weiterverkaufen muss um Kapital aufzubringen.

    • Klapowski sagt:

      Danke für die Einordnung. Ich komme aus Zeitmangel nicht mehr oft dazu, das zu recherchieren.

      Dass ViacomCBS neben Amazon, Netflix, Disney und Co. nicht viel zu melken… äh… melden hat, war mir natürlich klar.

      Trotzdem ist die erneuten „Erneuerung“ von Star Trek, hin zum altbackenen Kurtzman/Abrams-2010er-Käse, erst mal ein Downer für mich. Und eigentlich wollte ich VOR meiner Rente noch mal eine mittelmäßige Trek-Serie sehen.

      Mag ja sein, dass Star Trek in 2 Jahren an Apple, Hulu oder die US-Armee verkauft wird, aber was wäre dann mit Kurtzi? Muss man den dann mitschleppen? Oder „darf“ man den dann aus seinem Vertrag rauskaufen für weitere 100 Millionen?

      Ich bin inzwischen fast sicher, dass man entspannter wäre, wenn es einfach mal die nächste Orville-Staffel gäbe. Am besten noch – aus Fairnessgründen – mehrere Ablegerserien:

      „The Orville – Picard“ (Ein Mann, der ein gealterter Bierbrauer ist und zufällig auch Picard heißt, bricht ein letztes Mal in den Weltraum auf)
      „The Orville – Schlauer Decks“ (Junge Fähnriche entdecken, wie sie seriös und erfolgreich werden)
      „The Orville – Section 13“ (Diplomaten sorgen für den Frieden im Weltraum)
      „The Orville – Strange Old Worlds“ (Jede Woche ein anderer, bereits entdeckter Planet)

      Mal abwarten.

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    • Scholli67 sagt:

      Ich nehm jedes dieser Spinoffs!

      Vielleicht noch „The Orville – Troopers“ entomophile Blauhelme im Weltall?

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    • AynRand sagt:

      „Mag ja sein, dass Star Trek in 2 Jahren an Apple, Hulu oder die US-Armee verkauft wird, aber was wäre dann mit Kurtzi?“

      Wenn er nicht von selber vorher abspringt, kann er bei einer Firmen Pleite (USA Chapter11) vom Insolventsverwalter nichts erwarten, er verliert den Auftrag. Produktion wird eingestellt, da nichts mehr gezahlt wird. Er kann klagen, wird aber nichts bringen da du jemanden verklagst der kein Geld mehr hat und die Klage auch Geld kostet. Marke wird abverkauft, Dienst wird eingestellt, Inhalte werden verkauft, um die Schulden zu begleichen. Es wäre auch möglich das neue Geldgeber gibt, aber niemand greift gerne in ein fallendes Messer.

      Real kommt es wahrscheinlich zu einem Aufkauf und Umstrukturierung. Da ist dann der neue Besitzer am Drücker, mit dem hat Kurtzman keinen Vertrag. Und er bekommt wenn die Erbsenzähler und die Anwälte der Übernahmefirma ihre Arbeit machen auch keinen neuen.

      Es kann sein das seine Produktionsfirma dann auch vor die Hunde geht, da er seine Einnahmequelle verliert.

      Vom ViacomCBS Streamingdienst gibt es keine verlässlichen Zahlen, der Marktanteil liegt unter 1% laut der Gerüchteküche das ist aber nicht sicher. (100.000 bis 250.000 Zuschauer in Kanada, vielleicht 1,2 Millionen in den USA. Laut Telekommitarbeiter Unbekannt aus dem Großen weißen Norden. )

      Antworten
    • FordPrefect sagt:

      Ist ViacomCBS diese Paramount+ was ich in den ganzen STD und PIC Trailern gesehen habe?
      Ich hoffe, dass sie untergehen und Kurtzi nicht mitgenommen wird.

      Ich bin ja fasziniert wie groß Hulu ist, ohne die Abwanderung von The Orville hätte ich davon nie gehört. Liegt vielleicht daran, dass es in Europa (noch) nicht angekommen ist?
      Und ich würde auch jeder dieser The Orville Spinoffs Schauen :-D

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    • Equi000 sagt:

      Herrlich, her mit den Orville-Ablegern. Bitte die mit dem Wunderkind, das in der Schule immer durchgefallen ist, nicht vergessen.

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  5. Grimm sagt:

    Unfassbar, ich hab wahrlich körperliche Schmerzen, seit dem ich die Meldung gelesen hab.

    Ich hatte ja immer noch diese klitzekleine Hoffnung, zu Lebzeiten nochmal richtiges Star Trek zu sehen. Das wars dann wohl…

    • Serienfan sagt:

      Unbestätigten Doomcock-Gerüchten zufolge hat CBS zuvor bei Andreas Scheuer und Jens Spahn angefragt, die aber beide mit den Worten „besser kriegen wir das Verkacken auch nicht gebacken“ abgelehnt haben sollen.

      Insider haben nun bestätigt, dass Alex Kurtzman tatsächlich der einzige lebende weiße Hetero-Mann Hollywoods ist, der in den letzten 25 Jahren nichts Unwokes getwittert hat, weshalb er schließlich als einziger für das Franchise infrage kam. Aus diesem Grund steht Kurtzman zurzeit auch schon in Verhandlungen darüber, die nächste Oscar-Verleihung zu moderieren. Internen Quellen zufolge arbeitet Kurtzman bereits an seiner bewegenden „please, please, give us a chance“-Oscar-Begrüßungsrede, mit der er hofft, vergraulte Zuschauer zurückzugewinnen.

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  6. Raketenwurm sagt:

    Und als nächstes kommt heraus, dass die youtube-Sendung mit dem Bärtigen in Wahrheit von ViacomCBS produziert wird. Das ist nämlich das eigentliche Geschäftsmodell: Beschissenes Star Trek senden, damit alle wütend auf youtube gehen, wo dann mit Werbung die fette Kohle verdient wird. Dann macht diese Entscheidung, Kurtzman weiter wüten zu lassen, nämlich total Sinn.

  7. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Mir fehlen die Worte !

    Gruss Bergh

  8. Serienfan sagt:

    Man muss aber auch sagen, dass aktuell kein altes Franchise in guten Händen ist. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass echte Talente gar kein Interesse daran haben, alte Marken weiterzuführen. Leute wie James Cameron machen was eigenes wie „Avatar“.

    Währenddessen darf Kathleen Kennedy daran arbeiten, dass „Star Wars“ in der westlichen Welt genauso erfolgreich ist wie aktuell in China. Chris Chibnall darf mit seiner Baerbock unter den Timelords seinen (ohnehin nicht so wirklich verdienten) Ruf als guter Producer und Autor ruinieren. Und Paul Feig durfte mit „Ghostbusters“ zeigen, wie Schreiben mit der Delete-Taste geht: Man kopiert mit „Copy&Paste“ ein komplettes Drehbuch und löscht dann alles, was daran je originell und witzig war.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass Hollywood aktuell nur noch Bewerbungsschreiben berücksichtigt, in denen die Floskeln „shake things up“ und „will create internet buzz“ enthalten sind. Wobei da sogar was Wahres dran ist, denn es dürften inzwischen tatsächlich nur noch Leute wie Doomcock oder Critical Drinker sein, die Star Trek in den Google-Algorithmen lebendig halten.

    • Kazairl sagt:

      „Man muss aber auch sagen, dass aktuell kein altes Franchise in guten Händen ist.“

      Nicht ganz richtig. Das seit 1954 existierende Godzilla-Franchise ist noch in halbwegs gutem Zustand, aber auch nur, weil die Japaner ihr Prestige-Monster nur ungern abkacken sehen. Ja, es mag schlechte Godzillafilme gegeben haben, aber das ist auch Teil des Fandoms, absichtlich schlechte Filme. Ansonsten aber ist das schon ein Fandom, was noch nicht am Boden ist, aber eben nur wegen japanischer Intervention.

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    • Serienfan sagt:

      Gut, die Wahrnehmung der „Godzilla“-Filme in Deutschland ist wahrscheinlich schwer vergleich- und noch schwerer einschätzbar, ist sie dank Synchro und fehlenden Filmteilen doch zwangsläufig völlig anders als in Japan. Der letzte Film ist ja „umstritten“, zumindest scheint er aber von Leuten zu stammen, die Ahnung haben (vielleicht sogar zu viel Ahnung).

      Sehr vergnüglich und informativ fand ich ja dieses Video.

      https://youtu.be/9CtY2IUe6BU

      Wenn es einen deutschen Godzilla-Fan geben kann, dann ist Jörg Buttgereit eindeutig einer. Auf die dritte Auflage seines Buches „Japan – Die Monsterinsel“, die angeblich im Oktober neu aufgelegt wird, freue ich mich schon.

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      „Avatar“ mag was „Eigenes“ sein; ob es auch was Neues oder Orignelles ist, darüber lässt sich bekanntlich streiten. Und auch Cameron kriegt ja offenbar seit x Jahren nix auf die Beine in seinem „Franchise“. Kein neuer Teil weit und breit. Ein Zustand, den ich mir für Star Trek herbeisehne.

      Wie originell und andersartig die Trek-Filme der 80er waren, kann heutzutage nicht groß genug gefeiert werden. Trotz sehr durchwachsener Qualitäten einzelner Teile: Im festgelegten und recht klar definierten Rahmen wurden jedesmal und sehr bewusst neue Wege beschritten, mit anderen Farben gemalt, inhaltliche Wiederholungen vermieden.

      In dem Sinne hätten viele Fans den 1. JJ-Film verziehen, sogar geschätzt (Variante „Actionkracher“), wenn nicht schon der klargemacht hätte: Hirn, Kreativität und ein anderer Gestaltungswille als „simpelste Mainstram-Formeln durchpeitschen“ gab und gibt es nicht.

      Antworten
    • Kazairl sagt:

      @Serienfan: Danke für den Videotipp. Ist ein wirklich interessantes und vor allem gutes Video. Es stimmt schon, dass man das Titanverse als umstritten bezeichnen kann, aber wengistens hatten Fans Glück, dass Leute die Filme gemacht haben, die Godzilla und die Lore, die sich darum gebildet hat, wirklich mögen. Wenn solche Leute sich zB Star Trek annehmen würden, wäre das Fandom denke ich bedeutend besser und würde sich nicht so anfühlen als wäre es nur eimn Cash Grab oder von jemandem gemacht, der ST hasst.

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    • Serienfan sagt:

      Es ist auch erholsam, Fans, die WIRKLICH wissen, wovon sie reden (und nicht nur als hippe Moderator kurz vor der Sendung den Wiki-Eintrag überflogen haben), zuzuhören.

      Ich bin kein „Avatar“-Fan (schon gar nicht, weil wir dem die unsägliche 3D-Phase im Kino verdanken), aber „Star Wars“ und „Star Trek“ haben nun wahrlich auch nicht das Rad erfunden. Insofern ist „Avatar“ schon ein Volltreffer, und der enorme Erfolg in Disneyworld (ganz im Gegensatz zum Star-Wars-Land) ist auch ein Zeichen, das Dinge, denen man echtes Engagement anmerkt, auch ankommen.

      Cameron dreht ja nun mehrere Teile auf einmal, und die werden dann schon auch wie eine Bombe einschlagen.

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      Mag sein, dass du recht behältst mit der kommenden Sensation by Cameron. Leidenschaft und Wahnsinn kann man ihm nicht absprechen.

      Und dennoch denke ich, alte Räder hin oder her: Die Unterschiede innerhalb der 80er-Trek-Movies sind größer und erfrischender als der jene von Camerons Avatar zu üblichem Mainstream-Klischee-Mantsch. Das 3-D-Gimmick hat ihn gerettet/gehypt. Und das ist – hoffentlich – tot. Auf die lange angekündigten Sequels würde jedenfalls ich nicht wetten.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Der digitale Mensch, der „zurück zur Natur“ will, wobei die Vorstellung von „Natur“ eher auf „Bambi“ als auf der Realität fußt.

      Wie kann man so einen Widerspruch auflösen? Cameron hat es geschafft. Die Natur als reiner Digital-Kitsch. Das körperliche in einem künstlichen Avatar. Religion als Fantasy-Zauber.

      Verstörend dabei ist nur, wie unsagbar ernst sich dieser Quatsch nimmt. Aber das ist ja ein generelles Phänomen, das nicht zuletzt bei Marvel und DC zu beobachten ist.

      Dennoch möchte ich anerkennen, dass hier die CGI-Technik wirklich für visuelle Epik genutzt wird, die einen noch das „Eintauchen in Bilder“ erlaubt, von dem sich das heutige Reizüberflutungs-Kino ja vollständig verabschiedet hat.

      Antworten
    • Kazairl sagt:

      Zum Thema Avatar sage ich nur: Ich kann honorieren, was Cameron hier gemacht hat und das World Building für Pandora ist schon beachtlich, aber wenn man den Film genauer betrachtet, ist es leider nur Schauwerte und wenig dahinter. Die ersten beiden Stunden verlieren sich in Exposition, das gute World Buildung gerät in den Hintergrund, danach kommt das Actiongewitter, das mir seltsamerweise mehr im Gedächtnis geblieben ist als der Rest des Filmes. Das ist eigentlich nichts Gutes, weil ein guter Film von Story, Charakteren und Character Developing lebt und Avatar hat davon zu wenig und das, was es hat, ist dann leider auch noch zu sehr von anderen Quellen inspiriert um aufzufallen. Wenn ich an die Storyline von Avatar denke, kommt mir eher Pocchahontas oder Der mit den Wolf tanzt in den Sinn als der eigentliche Film und wieder muss ich sagen, dass wenn ein Film nur dadurch Leben bekommt, dass er andere Filme beklaut (etwas, das Kurtzman auch prima beherrscht, darum ist sein Trek auch so lieb/leblos) dass er dann hohl wirkt, ohne Inhalt. Da hat für mich jeder Godzilla-Film, egal wie cheeesy, mehr Seele. Ich denke da nur an den Film, der mich ins Fandom gebracht hat, den ich als Kind damals auf irgendeinem der Fernsehkanäle gesehen habe, er war sehr dämlich, einer jener Filme, die den human friendly Godzilla zeigten, aber selbst jetzt, fast 20 Jahre nachdem ich ihm zum ersten Mal gesehen habe, verstrahlt er immer noch diesen Charme und hat so schön eigene Ideen, gespeist aus der japanischen Geschichte und Mythologie (King Shisa gefiel mir schon damals sehr gut, auch wenn er im Film wenig zu tun hat), dass Camerons Avatar (der abgesehen von Pandora und seiner Flora und Fauna zu wenig eigene Ideen hat) dagegen nur verlieren kann.

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  9. Ferox21 sagt:

    Nun, wie die anderen schon sagten ist es offenbar fraglich, ob der kurze Mann mit diesem übertrieben hohen Budget wirklich die nächsten 5 Jahre durcharbeiten kann. Fall doch wird es weiter Business as usual geben, also feministisches Discovery, uninteressantes Picard und ggf. eine neue Serie mit weiblicher Hauptfigur (Section 31).

    Da wünscht man sich wirklich, dass Viacom Pleite geht und der ganze Spuk vorzeitig beendet wird. Jedoch dürfte es in diesem Fall wieder einige Jahre mit neuem Star Trek essig sein, denn so schnell wird da keiner weitere Millionen in die IP stecken wollen, davon können wir wohl ausgehen.

  10. FordPrefect sagt:

    Ach man, ich kann dem hier nur 100% zustimmen.
    Auch der Critical Drinker hat schon eine Folge zu gemacht. Mit einem wirklich Herzzerreißendem „Go away now!“ am Ende, dass mir aus der Seele spricht.

    https://www.youtube.com/watch?v=3BiyH8lENRs

    Tja, bleibt mir nur noch ein weiteres Mal alle bisherigen Folgen bis 2005 durchzuschauen und zu hoffen das The Expanse sich hält.
    Ich weiß wirklich nicht ob ich noch die Lust habe STD S4 und PIC S2 und den ganzen restlichen Mist zu hate watchen.

    • Scholli67 sagt:

      @ Ford
      also hate-watchen (watt’n geiles Wort, haha) würde ich die nur im wissen, dass das das letzte Aufbäumen von Kurtz-Trek ist und es dann endgültig verröchelt.
      Wenn der jetzt noch jahrelang weiter wurschteln kann dann tue ich mir das nicht mehr an, nicht mal mehr um mich darüber aufzuregen.

      Antworten
  11. G.G.Hoffmann sagt:

    Aber was hätte diese Seite denn die letzten 20 Jahre ohne ENT, Abrams- und Kurtzman-Trek gemacht? Freut Euch doch mal, dass so viel Geld für Star Trek vorhanden ist (wo immer es herkommen mag).

    TNG auf Blu-ray, demnächst UHD-Blu-rays der Filme, DS9 und VOY gerüchteweise schon im HD-Transfer, Rückkehr von Picard & Friends. Schlechtes neues Star Trek macht doch das alte nicht kaputt. Die Auswahl steigt und gelegentlich fallen ein paar Brotkrumen zugunsten der Neupolitur des alten Star Trek ab.

    Ohne das könntet Ihr auch nicht jede Woche kommentieren, dass Ihr jetzt aber endgültig raus seid.

    • Kazairl sagt:

      Wie soll man sich denn über etwas freuen, wenn es so lieb und vor allem leblos ist wie Kurtzman-Trek? Der Mann versteht es zwar, von allem etwas zu klauen, was gerade populär ist, aber wenn es darum geht, eine eigene Vision an den Start zu bringen, etwas Eigenständiges zu machen, seinen eigenen Star Trek umzusetzen, dann verliert er gehörig, weil er fast immer nur besere Serien kopiert, siehe DSC Season 3, wo er recht lieblos Andromeda nimmt und daraus eine schlechtere Serie macht.

      Antworten
    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      „Schlechtes neues Star Trek macht doch das alte nicht kaputt.“

      Doch, macht es.

      1. habe ich viel, viel weniger Muße, mir „altes“ ST anzuschauen. Wie schon festgestellt: Wenn man weiß, wo es hinführt, wenn man weiß, wie z.B. dieser Sir Patrick Stewart tickt und was er aus seiner Rolle gemacht hat, muss ich mich zumindest jedesmal ärgern, wenn sein „alter“ Picard auftaucht. Klar, ich kann aus Trotz schauen, oder mit dem verbitterten „Früher war alles besser“-Gefühl. Aber völlig ignorieren, was ist, das geht nicht. Irgendeine Haltung muss man ja einnehmen. Umgekehrt weiß ich noch, wie sehr STII die Originalserie für mich AUFGEWERTET hat. Um diesen Effekt hätte es eigentlich gehen sollen, wenn man ein Franchise weiterführt…

      2. Defacto wird der Wert insgesamt verringert. Das Fandom wird immer älter, es kommen kaum neue Fans nach, man kann sich schlechter ausstauschen oder Sammelobejekte tauschen. Als Kultphänomen war ST ja auch deshalb wertvoll, weil sie die kleine Insel, die man selbst darstellt, ideel erweitert hat. Man war Teil von etwas Größerem, das so viele gleich oder ähnliche verstanden haben. Diese kulturelle Funktion, die uns – ob wir es zugeben oder nicht – sehr wichtig ist als Mensch wird ruiniert durch schlechtes Trek. Es ist dieses bewusste Zerstörung von „Kulturgut“, die Doomcock, Critical Drinker, Midnight’s Edge, Nerdrotic etc pp. so lautstark beweinen. Meines Erachtens völlig zu Recht.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Dieses subjektive Empfinden wird offenbar nicht von Fakten getragen. Anders scheint mir nicht erklärlich, wie man in den letzten 12 Jahren drei teure Kinofilme und drei aufwändige Realserien (SNW schon vorweggenommen) sowie zwei Animationsserien produzieren konnte und offenbar bereit ist, in den nächsten fünf Jahren noch einen weiteren dreistelligen Millionenberag hinterherzuschießen.

      Wer TNG-Picard aufgrund von PIC jetzt nicht mehr mag oder altes Star Trek aufgrund des neuen Star Trek nicht mehr gerne schaut, hat ja wohl ein anderes Problem.

      Hat denn die Figur Kirk darunter gelitten, dass er im Nexus landete und von einer Brücke fiel? Sieht man jetzt Spock mit anderen Augen, weil Nimoy in ST:11 und ST:12 noch einmal auftauchte und eine lächerliche Beatles-Perücke trug oder man ihm in DSC eine Adoptivschwester andichtete? Oder er zuletzt von zwei Schauspielern mit ebenso lachhaften Perücken verkörpert wurde, die null Ähnlichkeit mit Nimoy und nicht im Ansatz dessen Charisma haben?

      Findet man jetzt Han Solo aus SW:4 bis SW:6 wegen „Solo“ doof und weil er in SW:7 einen bekloppten Tod starb, nur damit Harrison Ford in SW:9 noch einmal als unwürdige Tattergreis-Vision auftauchen durfte? Muss man daran beim Anschauen von SW:4 jetzt immer denken?

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      Ja, man sieht ihn mit anderen Augen. Ansonsten macht man die Augen zu. Man kann sich zum Ignorieren trainieren, das stimmt. Ist aber gar nicht leicht: Mit anderen „Fans“ kannst du dich nicht mehr über Spock unterhalten, ohne vorher klar zu machen, welchen man denn nun meint.

      Du kannst dich fragen, warum denn drei Kinofilme produziert wurden, wenn sie angeblich kein Geld brachten. Du kannst dich aber auch fragen, warum so lange kein 4. kommt, wenn sie doch alle soo erfolgreich waren. Dass Teil 3 keiner mehr sehen wollte („Flop“) und JJ1 nur wegen des überbordenden Marketingbugdets reüssierte, das er – offenbar – mit Ach-und-Krach einspielte, ist gängige Lehrmeinung, oder?

      Hinter der Produktion der x-tausenden Serien steht weniger das viele Geld, das damit gemacht wird, als vielmehr der pure Verdrängungs- und Überlebenskampf in den „Streaming Wars“. Wer jetzt nichts anzubieten hat, wer jetzt nicht mächtiger als mächtig, viriler als viril erscheint, geht für immer unter. Es ist Showbusiness, und der blankeste Spieler am Tisch trägt das teuerste Glitzerjackett.

      Die Frage lautet ja auch: Wenn diese Serien, diese funkelnd neuen, so erfolgreich und beliebt sind – warum gibt es kaum Merchandise? Die fehlenden Actionfiguren sind hier wie überall, wo kritisch über ST gedacht wird, ein Thema. Stattdessen kommen wieder TNG-Figuren heraus. Und die TOS-Enterprise bei Playmobil.

      Wie die meisten hatte ich die Hoffnung, dass Kurtztrek bald verschwindet und kollektiv vergessen wird, wie die TV-Serie mit Mrs. Columbo (Mulgrew!). Aber der Knall-Dumm-Bumm-Alptraum krallt sich weiter fest. Die Frage nach dem Warum ist eine gute – und derzeit das Interessanteste an ST und der aktuellen Popkultur.

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    • Scholli67 sagt:

      @ Gigi
      Die Antwort auf all diese Fragen ist „Ja“. Es variiert nur je nach Thema oder Person ob es ein kleines „ja“ oder ein großes „JA!“ ist.

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      Ich geb dir aber insofern Recht, als Kirks Tod in GEN wirklich keine Rolle spielt. Den hab ich – wie eigentlich alle TNG-Filme – relativ erfolgreich verdrängt. Mit den Filmen werde ich immer wieder konfrontiert, Leute lieben oder akzeptieren „Rambo-Picard“ (PIC ist insofern eine recht logische Fortsetzung von Sir Patricks Kampf für sein Ego und gegen seine Rolle).
      Aber: Kirks Tod scheint niemals jemand wirklich ernst genommen zu haben. Film, Szene, alles so schwach – ich glaube fast, hier könnte man von „kollektivem Verdrängen“ sprechen…?

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    • dartsarrow sagt:

      Ich würde anmerken wollen, dass die von G.G.Hoffmann angesprochenen Szenen eben nur das sind – Szenen. Es ist nicht legitim, sie mit ganzen Staffeln gleich zu setzen.
      Ich kann meinen Frieden damit machen, dass Kirk in fünf Minuten unspektakulär und charakterfern Hopps geht. Aber das kann ich eben nicht, wenn „[…]drei teure Kinofilme und drei aufwendige Realserien […] sowie zwei Animationsserien […]“ ein einziges Inhaltsmassaker an allen vorangegangenen Kinofilmen, Realserien und Animationsserien veranstalten. Eigentlich fehlt es nur noch, dass Kurtzman auf die Idee kommt, Pine, Quinti und Peck eine Schlager-LP aufnehmen lässt, um damit Shatner und Nimoy selbst auf dem Feld noch in die Eier treten zu können.

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    • Serienfan sagt:

      Es hilft nun mal alles nichts. So gut wie niemand erinnert sich daran, dass „Dallas“ in seinen Anfängen eine um Realismus bemühte, sozialkritische Serie war, die ernste (Tabu-)Themen aufgriff. Irgendwann folgte so viel Schwachsinn, bis hin „Traum“ (sozusagen die Pamela-Zeitlinie von „Dallas“), dass der Gesamteindruck heute ein anderer ist.

      Und daher wäre Roddenberry auch zu Recht entsetzt über das, was aktuell unter dem Namen „Star Trek“ erscheint.

      Ein „es ändert die alten Episoden nicht“ ist schlichtweg ein inhaltsloses Troll-Argument. Natürlich ändert nichts die Vergangenheit, was für eine alberne Belehrung soll das eigentlich sein? Aber der Blick auf die Vergangenheit, der kann sich sehr wohl ändern. Und um den geht es.

      Wer das nicht begreifen will, der hat, man muss es leider so hart sagen, keine Ahnung, wie die Wahrnehmung von Kultur funktioniert.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      „Belehrend“ scheint mir doch eher die Haltung vieler „Alt-Fans“, wie man „New Trek“ und dessen vermeintliche Auswirkungen auf „Alt-Trek“ gefälligst wahrzunehmen habe. Ich mag Star Trek schon seit über 30 Jahren (die eher verwirrenden Kindheitserlebnisse mit TOS klammere ich mal aus), aber es ist letztlich nur TV und Kino. Man sucht sich heraus, was gefällt.

      Meiner Meinung nach kann ohnehin keine Neuauflage irgendeiner Produktion jemals wieder Gefühle zurückbringen, die man als Kind, Teen oder Twen mit Filmen oder Serien verbunden hat. Das ist schlichtweg eine Frage der persönlichen Entwicklung und der damaligen, prägenden Lebenssituationen. Das heißt nicht, dass man nicht auch aktuelle Serien oder Filme neu ins Herz schließen kann. Aber Neuauflagen abgeschlossener Kapitel funktionieren emotional nie, auch nicht im echten Leben. Um mit Scotty zu sprechen: irgendwann kommt die Zeit, da man feststellt, man kann sich nicht noch einmal verlieben.

      Oder kennt jemand ein Gegenbeispiel?

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    • Scholli67 sagt:

      @ Gigi
      Dein zweiter Absatz ist in meinen Augen absolut korrekt. Obwohl mit dem erneut verlieben – da gibts bestimmt Beispiele, aber geschenkt, im Kern hast du recht.

      Der erste Absatz allerdings verfehlt das Ziel.
      Das klingt bei dir so als ob „Alt-Fans“ da bewusste Entscheidungen treffen.
      Wenn was ich jetzt über „Neu-Picard“ weiß meine Beurteilung der Person und die Emotionen die ich mit ihm verbinde verändert, dann KANN das auch rückwirkend die Sicht auf „Alt-Picard“ verändern.
      Du kannst die beiden Picards vielleicht sauber trennen, ich nicht und scheinbar auch ettliche andere nicht.

      Kannst du noch die ersten Staffeln von Game of Thrones gucken, wissend das alle deine früheren Spekulationen wohin die Entwicklung der Charaktere wohl führen wird in einem Komposthaufen enden, und sie noch GENAUSO genießen? Beurteilst du was die da treiben noch genauso?

      Was Disco und den anderen Kram angeht, tja, die kann man besser ignorieren.

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    • Serienfan sagt:

      Niemand kann trennen. Niemand kann sich von Assoziationen frei machen. Niemand kann von sich behaupten, sein Unterbewusstsein im Griff zu haben.

      Ich weiß: Es gibt viele, die selbstverliebt von sich behaupten: „Werbung funktioniert bei mir nicht.“

      Natürlich wird man durch Werbung nicht zur willenlosen Marionette. Aber ich möchte nicht wissen, wie oft auch ich nur deshalb zu einem bestimmten Produkt griff, weil mich die Werbung dazu brachte, Positives mit dem Produkt zu verbinden.

      Assoziationen sind mächtig. Und genau vor diesen Assoziationen hatte Spielberg Angst. Er befürchtete, dass „Der weiße Hai“ irgendwann mehr und mehr mit Trash assoziiert wird.

      Es ist eine berechtigte Angst.

      Genau deshalb ist „Star Trek: Picard“ auch das größere Ärgernis. Diese Serie hat eindeutig schlimmeren Schaden angerichtet als „Discovery“.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      „Diese Serie hat eindeutig schlimmeren Schaden angerichtet als „Discovery“.

      Bei wem und inwiefern jetzt genau? Ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Schauen Leute jetzt eine tolle TNG-Folge wie „Wem gehört Data?“ und denken fortwährend „Oh, mein Gott! Picard wird 30 Jahre später zu einem senilen Tattergreis und schließlich zu einem Androiden in einer schlecht geschriebenen Serie mit sinnlosen Gewaltorgien, in der die Förderation nur noch als Schatten ihrer selbst existiert und in mies gerenderten Copy&Paste-Einheitsschiffen herumfliegt?“ Und Data wird 30 kg fetter, ist eigentlich tot (schon seit „Nemesis“ übrigens), während seine kompletten 800 Billiarden Bit Speicherkapazität irgendwie in ein paar Moleküle überführt wurden und er als Erinnerung in einem USB-Stick weiterexistiert (WTF…?).

      Denken die gleichen Leute bereits seit 20 Jahren beim Anschauen einer TNG-Folge daran, dass Picard in ST:8 komplett ausrastet und wild um sich schießt, Data einen Emotionschip und Sex mit der Borg-Queen hat, später „stirbt“ und seine Erinnerungen erfolglos in einen Prototyp seiner selbst zu überspielen versucht hat?

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    • Einheitskanzler sagt:

      Ja, genau das passiert.
      Wenn ich jetzt Luke Skywalker am Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter sehe“ muss ich (leider) UNWILLKÜRLICH an den würdelosen Tattergreis in Episode 8 denken.
      Wenn ich Kirk in „Der Zorn des Khan“ sehe, muss ich unwillkürlich an seinen armseligen Abgang in „Generations“ denken.
      Wenn ich einen obercoolen diplomatischen Picard in TNG sehe, muss ich unwillkürlich an den dämlichen Haudrauf in „First Contact“ und „Nemesis“ denken.
      Ich will es nicht, aber es PASSIERT.

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    • Scholli67 sagt:

      G.G. Also so langsam wirkst du ein bockiges Kind.
      Du tust so als willst du einfach nicht akzeptieren dass andere Leute das anders sehen.
      Die haben das gleiche Recht darüber zu nörgeln wie du das recht hast das mit einem Handwedeln abzutun.

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      @G.G.
      Ja, daran denken „die Leute“. Das ist ja auch der Sinn dieser Fortsetzungen und Uminterpretationen.
      Wer Picard in den 90ern kennen und lieben lernte, kann mit intellektuellen Scheuklappen oder purer Ignoranz alles andere ignorieren. Genausogut kann man Klimawandel und Corona für ungültig erklären.
      Wer Picard ab heute kennenlernt, nun, der hat sowieso keine Chance, und ist Kurtzman völlig ausgeliefert. Weil sein Vertrag noch länger geht, und die alten Trekkies aussterben, wird das „neue“ Star Trek für die junge Generationen umso mehr das definitive werden. Das darf einen Trekkie kümmern, der mehr sieht, als selbst.

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    • Serienfan sagt:

      „Bei wem und inwiefern jetzt genau?“

      Bei etablierten und gut ausgearbeiteten Charakteren, die hier verheerenderweise auch noch von den gleichen Darstellern gespielt werden.

      Und ja: Wenn man mit jemanden eng befreundet ist, sich die befreundete Person aber in einen Idioten verwandelt, bis es zum Zerwürfnis kommt, dann wird man frühere gemeinsame Urlaubsfotos auch mit anderen Augen betrachten.

      „Discovery“ hat sich hier ja im Vergleich dazu zurückgehalten und ist wenigstens bei jeder Gelegenheit in Parallelwelten oder weit entfernte Zukunftszeiten geflüchtet.

      (Gut, bei Spock kann ich akzeptieren, dass er zunächst ein durchgeknallter Autist mit „ich hasse meine Schwester“-Trauma war, bevor man ihn später heimlich um die Ecke brachte und gegen Leonard Nimoy austauschte.)

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      @Scholli67

      Doch, doch. Du darfst das gerne anders sehen. Mich interessieren andere Ansichten, das ist so horizonterweiternd. Ich selbst kann nur nicht nachvollziehen, weshalb schlechte Entwicklungen innerhalb einer Reihe/Serie sich rückwirkend negativ auf das „gute alte“ auswirken sollen. Ich empfinde das nicht so. Ich glaube auch nicht, dass eine Mehrheit jener, die sich für Star Trek mehr als nur sporadisch interessiert, das so sieht.

      Ich hatte mir von PIC etwas anderes erhofft und bin eher nicht geneigt, mir Actionfiguren und Raumschiffmodelle aus der Serie zu bestellen. Aber es war ein interessantes spätes Wiedersehen mit alten Charakteren (und ein vielfach uninteressantes mit neuen). Jetzt stehen die PIC-Blu-rays im Bücherregal zwischen all den anderen Star Trek VHS-Kassetten, DVDs, Blu-rays und UHD-Blu-rays. Bestimmt lege ich sie in zwei oder zwanzig Jahren bei Gelegenheit noch einmal ein. Ganz ohne Groll.

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    • Tabularius sagt:

      Ich sehe es wie GGH. Ich habe seit STD und PIC etliche ST Folgen und Filme gesehen die ich damals spitze fand und heute weiterhin genauso.
      Mein Freude an einer guten Folge ist durch den neuen Murks kaum bis gar nicht geschmälert worden.

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    • Scholli67 sagt:

      @ G.G.
      na, da sind wir doch auf dem besten Wege zu friedlicher Koexistenz :-)

      Wieviele Leute was stört oder nicht stört – da müsste man mal deutlich mehr als zehn Leute befragen. Solange können wir alle nur spekulieren.

      Antworten
    • Donald D. sagt:

      Zitat Gert-Günter: „Findet man jetzt Han Solo aus SW:4 bis SW:6 wegen „Solo“ doof und weil er in SW:7 einen bekloppten Tod starb, nur damit Harrison Ford in SW:9 noch einmal als unwürdige Tattergreis-Vision auftauchen durfte? Muss man daran beim Anschauen von SW:4 jetzt immer denken?“
      Ja, muß man. Ich wollte schon lange wieder mal die Star Wars-Filme I-VI schauen (VII-IX existieren für mich nicht). Da ich aber noch nicht vergessen habe, wie Solo weggekillt wurde, Yoda total bekifft einen sinnlosen Cameo-Auftritt bekam und Skywalker sich als der letzte Jedi-Trottel präsentierte, komme ich z.Zt. an „Star Wars“ nicht heran, ohne fast losheulen zu müssen, was Disney für eine Scheiße aus der Saga gemacht hat!
      Und was den ollen Steward angeht: Warum dreht der eigentlich diese Scheiß-Serie? Muß der nicht seine Kohle langsam reinhaben oder hat der alles verjuxt? Aber ich denke, daß zumindest Pic nicht mehr lange läuft, der ist ja auch schon 81. Wie lange will er sich das noch zumuten? Eventuell hat der liebe Gott ein einsehen (zugegeben, ein fieser Gedanke, aber so wäre die Serie definitiv zu Ende). Mir macht nur eines Angst: Daß sich Kurtz-schniedelwutz-man noch an DS9 vergreift. Sollte das der Fall sein, muß er weg, so oder so.

      Antworten
    • Serienfan sagt:

      Marvin: Did you lose the fight?
      Rick: Of course. I’m the heavy.
      Marvin: What the audience sees is Bingo Martin whippin‘ the guy from Bounty Law’s ass. Another coupla years playin‘ punchin‘ bag to every swingin‘ dick new to the network is going to have a psychological effect on how the audience perceives you.

      Aus „Once Upon a Time in Hollywood“ von Quentin Tarantino

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    • JP1957 sagt:

      @Donald: „Und was den ollen Steward angeht“

      Als Verteidiger der utopischen Ideale des alten Trek solltest Du den Stewart aber schon mit t schreiben …

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    • Donald D. sagt:

      Wie oft habe ich das nun schon geschrieben!?!? Ich habe ihn absichtlich zum Schiffs-Steward gemacht, weil ich ihn als Captain nicht mehr Ernst nehme. Auch so ein Beispiel: TNG hat bei mir an Ansehen dermaßen verloren, daß ich kaum noch reingucke. So haben die New-Trek-Deppen mir das versaut! Im Übrigen waren und sind mir utopische Ideale scheißegal, weil’s sowieso nie so kommen wird, wie in „Star Trek“. Dafür bin ich Realist genug. Ich lerne auch kein Klingonisch, wie manche Trekkies, die wohl absolut nichts anderes zu tun haben. Auch geht mir der „First Contact“-Day am Gesäß vorbei, weil’s einfach nur Quatsch ist. Ich will mit „Star Trek“ Spaß haben und den hatte ich prächtig mit TOS, TNG, DS9, VOY und ENT (allerdings bei letzterem mit mächtig Abstrichen). Den hat man mir mit JJ-Trek genommen und das nehme ich den CBS-Trotteln am meisten übel. „Star Trek“ ist z.Zt. die reinste Qual und das darf es einfach nicht sein.

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    • JP1957 sagt:

      „Wie oft habe ich das nun schon geschrieben!?!?“

      Woher soll ich denn wissen, wie oft Du das schon geschrieben hast?

      Immerhin weiß ich jetzt, dass Du weder Klingonisch lernst, noch den First Contact-Day feierst und Dich deshalb für etwas Besseres als „manche Trekkies“ hältst.
      Bist Du jetzt gar kein Trekkie oder einer von den höherwertigen (ohne alberne Sprachkenntnisse und Feiertage)?

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    • Donald D. sagt:

      Einer von den höherwertigen natürlich. Wozu Du Dich zählst, mußt Du mit Dir selbst ausmachen. Andere Trekkies wußten das aber, daß ich Steward aus den o.g. Gründen so schreibe.

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    • JP1957 sagt:

      Wunderbar.

      Ich liebe Zukunftianer, die hier mit dem nötigen Ernst an die Sache herangehen!

      Wo kämen wir sonst hin … möglicherweise würden wir dann für eine Satireseite gehalten.

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    • Donald D. sagt:

      Ich bin kein Zukunftianer, sondern Gegenwartler. Muß man auch sein, denn wer sich zuviel mit der Zukunft beschäftigt, verpaßt sein eigenes Leben.

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    • JP1957 sagt:

      Der Leser nickt begeistert … endlich ein Spruch fürs Poesiealbum!

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  12. Scholli67 sagt:

    @ Gigi
    „Schlechtes neues Star Trek macht doch das alte nicht kaputt.“
    Naja, kommt drauf an. Ich hab schon ein paar Leutchen sagen hören, dass sie TNG Episoden jetzt anders wahrnehmen, weil im Hinterkopf rumspukt was aus Picard geworden ist.

    Falls die Dösbaddel irgendwas mit DS9-Charakteren veranstalten, werde ich mir das auf keinen Fall ansehen. Sicher ist sicher.

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Ich kenne solche Leutchen nicht. Klingt erfunden.

      Aber dieser Logik folgend sähe ich Picard schon seit 1994 mit anderen Augen, als er erst in „Generations“ den Tod seines Bruders und Neffens herumschluchzend beweinte, sich später im Nexus eine viktorianische Spießerfamilie mit Weihnachtsfest herbeiträumte und in „First Contact“ komplett ausrastete und zum Mörder wurde.

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    • Scholli67 sagt:

      Was’n heute los mit dir? Zuviel/zuwenig Kaffee? Unterzuckert?

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      @G.G.: Dass du den Unterschied feststellst und Picards Charakterzeichnung schon ab GEN als misslungen und unpassend wahrnimmst, ist mir schon sehr viel wert!

      Aber natürlich kennst du „Leutchen“, die die Chakterentwicklungen und Neudefintitionen beim neuen Anschauen alter Folgen und Filme mitdenken (müssen). Sie diskutieren hier mit dir. Das ist kein besonderes Nahverhältnis, zugegeben – aber näher kommt man Fans heutzutage kaum noch, wenn man überhaupt welche findet.

      Diese Ecke des Fandoms scheint mir immer noch eine wenn nicht die vernünftigste im deutschenprachigen Weiten des Webs. Danke an die hier ansässige Allgemeinheit an dieser Stelle.

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    • Serienfan sagt:

      Und ich muss sogar zugeben, dass ich die Charakter-Verfälschung von Picard in den Kinofilmen sogar noch übler fand als das, was in „Star Trek: Picard“ aus ihm gemacht wurde.

      Insofern muss man wahrscheinlich schon dankbar sein, dass Picard nicht hasserfüllt, verbittert, selbstmordgefährdet, weinerlich oder starrsinnig dargestellt wurde.

      Blöderweise hat man all diese Charakter-Eigenschaften auf die anderen Figuren aus „Star Trek: Picard“ verteilt. Insbesondere Seven of Nine ging den Irrweg des Picards aus den Kinofilmen.

      Antworten
    • G.G.Hoffmann sagt:

      Es allerdings nicht unrealistisch, sondern nur dramaturgisch ungeschickt, Charaktere auf diese Weise zu verändern. Denn Zuschauer mögen solche Veränderungen oft nicht. Wer Realismus sucht, guckt die Tagesschau.

      Seven mag nach der Rückkehr der VOY überfordert auf der Erde gewesen und abgedriftet sein. Vielleicht mangelnde Akzeptanz, Zurückweisung als „XB“, eine unglückliche Liebeserfahrung. Alles denkbar und nicht realitätsfern. Nur wissen wir als Zuschauer nichts darüber, weil die Autoren uns die Veränderung ohne Erklärung vor den Latz knallen. Und selbst wenn: will man gebrochene Helden sehen? Meistens nicht.

      Im Trekcast zu PIC wurde von der Zerstörung der Utopie der heilen TNG-Welt gesprochen, indem man die Charaktere wie Menschen aus unserer Zeit gezeichnet hat und nicht wie aus dem 24. Jahrhundert. Andererseits: Picards Bruder, Siskos Vater, etc. Star Trek hat eigentlich schon immer gezeigt, dass die Menschen außerhalb der Sternenflotte „normaler“ geblieben sind und die Sternenflotte ein ziemlich elitärer Club ist.

      So sagte Riker auf Nepenthe ja auch, er habe kein Problem damit, dass Picard auf der Schiffsbrücke ein arroganter Sack sei, in seinem Garten aber schon. Es sind eben verschiedene Welten und TNG zeigte meist nur die eine Seite.

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    • Serienfan sagt:

      Man muss es allen Zukunftia-Kommentatoren hoch anrechnen, dass nie jemand mit dem hirnverbrannten „es ist aber realistisch, dass…“-Argument ankam.

      Es ist ja eine Seuche. Unterhaltsame Popkultur, die einst Spaß machte, wird unter der Flagge des vermeintlich „erwachsenen Realismus“ in irgendeinen sauertöpfischen Scheiß verwandelt. Von Batman-Comics bis hin zu John Sinclair.

      Vielleicht steht ja deswegen gefühlt die Hälfte der jungen Generation vor dem geistigen Kollaps: Die haben den gesunden Eskapismus verlernt. Ich mag es, wenn sich Grady, der Neffe von Jessica Fletcher, zum neunten Mal tierisch über den Besuch seiner Tante freut, obwohl er bei den acht vergangenen Besuchen jedes Mal unschuldig unter Mordverdacht geriet und eigentlich jedes weitere Auftauchen von Jessica als tödliches Omen sehen müsste.

      Der Verdacht, dass dies nicht „realistisch“ sein könnte, ist mir dabei durchaus auch schon gekommen!

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    • VerwirrterTurnschuh sagt:

      @realistisch: Komisch. Ich wiederum halte es für realistisch, dass Figuren wie Menschen gar nicht so leicht aus ihrer Haut, sprich: soziale Rolle rauskönnen. Die eigenen Eigenheiten, gute wie schlechte, passende wie unpassende, wird man schwer los und kann man kaum überspringen, hat man sie erst antrainiert. Egal, was passiert, außen wie innen: Seiner „Rolle“ ist kaum zu entkommen.

      Hingegen halte ich diese sogenannten „Entwicklungen“ (vulgo 180° Drehungen) von Figuren in Film und Fernsehen, die von einigen Fans als pararealistisch abgefeiert werden, für nichts als abgenudelte Klischees. Der bittere wie böse Satiriker Molière hat seine Figuren und die Welt auch damit entblößt, dass sie sich eben nicht änderten in ihren Marotten – allen Erkenntnisse und Ereignissen zum Trotz.

      Ein auf Selbstkontrolle geeichter Picard fängt also nicht zum Heulen von Rotz uns Wasser an, wenn ein junger Verwandter stirbt, auch wenn er vielleicht gerne würde. Er wird nicht zum Racherambo, der mit Genugtuung Lebewesen zu nassen Fetzen ballert. Mag sein, dass er manchmal gern würde. Und obwohl besonders simpel gezeichnet (offenbar – schaute das nie wirklich): Ein Jessica-Fletcher-Neffe, der aus seinem Verhaltensmuster nicht raus kann, muss nicht automatisch unglaubwürdig sein. (Auch wenn es das hier höchstwahrscheinlich ist…)

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Picard – wie auch andere Charaktere – haben sich auch innerhalb der Serie gewandelt. Obschon Stewart bei Beginn der Dreharbeiten von TNG bereits 47 Jahre alt war bzw. Picard 59 Jahre alt sein sollte, hat die Rolle sich in den – bezogen auf sein Lebensalter – kurzen 7 Jahren doch recht stark verändert. Der sehr arrogante Picard aus den ersten beiden Staffeln wirkt heute recht befremdlich, während er nur wenige Jahre später wie ein gütiger Opa auftrat.

      Einer der seltsamsten Picard-Momente ist für mich in der Folge 1×26 „Die neutrale Zone“, als Picard zu Riker (?) sagt, man möge ihn bitte mit den Gestrandeten aus dem 20. Jahrhundert verschonen. Was würde jeder historisch interessierte Forscher darum geben, mit Menschen zu sprechen, die vor 400 Jahren gelebt haben? Picard begegnet ihnen jedoch ausschließlich mit Überheblichkeit und Desinteresse. O.K., man hatte natürlich auch drei besonders dumme Exemplare ausgesucht (eine Hausfrau, einen versoffenen Musiker und einen Finanzmakler), die überzeichnet einfältig waren. Dennoch war Picards Reaktion auf sie mehr als seltsam.

      Insgesamt hatte PIC einen guten Storyansatz und nur mit dieser Skizze hatte man Stewart 2018 gelockt: Datas Erinnerungen existieren noch und Picard begibt sich auf die Suche, um seinen Verlust aus „Nemesis“ wieder gut zu machen. Eine clevere 10-teilige Miniserie oder vielmehr ein sehr langer Spielfilm, so das ursprüngliche Konzept. Tatsächlich hatte man aber anscheinend noch keinen Plan, wie man die 7 Stunden zwischen der durchaus guten Pilotfolge und dem Finale erzählerisch ausgestalten sollte, zumal das Finale im Hinblick auf eine dann doch geplante zweite Staffel umgeschrieben wurde. Sieben Stunden können auf der Leinwand schnell mal lang werden, wenn man eigentlich nicht viel zu erzählen hat.

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    • Serienfan sagt:

      Du sprichst hier ein Problem an, in das sich Russel T. Davies verrannt hat.

      Wenn man sich die alten „Doctor Who“-Folgen insbesondere mit UNIT ansieht, bemerkt man eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Timelord und seiner TARDIS. Müssten nicht alle vor Ehrfurcht wie gelähmt sein? Müssten die Begleiter des Doctors nicht für immer Probleme haben, in die banale Realität zurückzukehren?

      Dummerweise ist dann aber irgendwann keine normale Interaktion mehr möglich.

      Natürlich müsste Picard eigentlich bei jeder Gelegenheit Q mit Fragen bombardieren. Und Guinan, die offenbar sogar Kenntnisse über den weit entfernten Deltaquadranten hat, ebenso. Und den Wanderer müsste man bei jeder Gelegenheit bitten, das Rätsel des Universums zu lösen.

      Zack Snyder hat schon recht: Keine Regierung würde einen Superman tolerieren.

      Es gibt Dinge, da macht es jede Erklärung nur noch schlimmer. Star Trek ist voll davon, man denke nur an die permanent fehlenden Sprachbarrieren selbst bei völlig neu entdeckten Völkern.

      Wenn man sich als Autor in sowas verrannt, hat man irgendwann keine Story mehr. Man verstrickt sich immer tiefer in ein sinnloses Bemühen nach Realismus und Erklärungen.

      Die Idee von „The Neutral Zone“ war, die dumme Rückständigkeit unserer Zeit zu zeigen, und dass die Menschen der Zukunft auf uns wie auf Bewohner des späten Mittelalters herabsehen. Dass es darüber hinaus auch ein historisches Interesse an unserer Zeit geben könnte (obwohl dank unzähliger Filmaufnahmen natürlich die Menschen der Zukunft viel mehr über unsere Zeit wissen werden als wir über die Zeit von vor 400 Jahren), hätte die Story nur überladen.

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    • Donald D. sagt:

      @ Serienfan: Dazu kann ich mich aber nicht zählen. Wenn ich einem Menschen aus dem Mittelalter begegnen würde, würde ich nicht auf ihn herabschauen. Ich weiß ja, woher er kommt. Und wer sagt denn, daß die „dümmer“ sind als wir? Sie haben immerhin das Mittelalter überlebt, was wahrscheinlich keiner von uns könnte. Respekt für jeden, sage ich da, egal woher er kommt.

      @ GGH: Ich habe den alten Franzbert in „Die neutrale Zone“ gar nicht so arrogant in Erinnerung. Da muß ich wohl nochmal reinschauen. Ich glaube aber, daß Picard da weniger aus Desinteresse so gehandelt hat, sondern viel größere Probleme hatte, nämlich herauszufinden, wer die Kolonien in der Nähe der Romulaner zerstört hat.

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    • Serienfan sagt:

      Solange er wäre wie Catweazle, würde ich mir sogar Hörspiele von ihm kaufen! :-)

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    • Grinch1969 sagt:

      Aber bitte nicht die Otto Variante, nur das Original.

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    • Serienfan sagt:

      Otto Waalkes ist hochintelligent und offenbar ein Fan von Catweazle. Wie kann es sein, dass er „Catweazle“ so wenig begriffen hat?

      Ich kenne nur den Trailer seines Catweazle-Films, das aber hat mir schon gereicht. Die Jagd nach einem magischen Stab passt nicht in die Serie. Das einzig „Magische“ in „Catweazle“ ist seine Reise durch die Zeit, die er sich selbst nicht erklären kann. Danach lebt Catweazle in einer völlig rationalen Gegenwart, die nur er für eine Welt voller Magie hält.

      Ich glaube, wir brauchen mehr Producer wie Rick Berman. Leute, die leidenschaftslos über ein Franchise wachen und inspirationslos dafür sorgen, dass ein Erfolgsrezept nicht verändert wird. Fans sind offenbar völlig ungeeignet für die Übernahme von Franchises. Sie schreiben dümmliche Fan-Storys, die außer ihnen keiner lesen will und lesen sollte.

      Es sei denn, sie heißen Seth MacFarlane.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Da DSC ursprünglich ganz anders konzipiert war und vielversprechend klang, namhafte Trek-Veteranen wie Bryan Fuller und Nicholas Meyer beteiligt waren, aber sehr schnell das Handtuch warfen, wäre es interessant zu erfahren, welche Machtkämpfe hinter den Kulissen stattgefunden haben, um die Serie in ihre heutige Richtung zu bugsieren.

      Das wird Shatner wahrscheinlich erst in 15 Jahren zu seinem 105. Geburtstag in einer neuen Doku offenbaren.

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    • Scholli67 sagt:

      Serienfan, da schießt du aber gehörig am Ziel vorbei.
      „leidenschaftslos über ein Franchise wachen und inspirationslos dafür sorgen, dass ein Erfolgsrezept nicht verändert wird“ hätte uns 25 Staffeln TNG beschert.
      Auf der Stelle treten, die selben Stories mit leichten Variationen immer und immer wieder, weil einem irgendwann nichts mehr einfällt *hüstel*Enterprise*hüstel*, bloß nichts ändern, den gleichen Teebeutel immer wieder aufbrühen bis nur noch einen schale Plörre übrig bleibt.
      Da guck ich lieber Kurtzman dabei zu wie er Jay Äl ins Gesicht pinkelt.

      Man bräuchte zwar jemanden am Ruder der das Fränscheiß als ganzes im Blick hat und eben verhindert was Kurtzman da gerade treibt, aber es braucht darunter auch Leute die kreativ sind, Eier haben und den Laden ab und zu mal aufmischen, Leute wie Behr, die dem selbstgefälligen Starfleet-Pack den Stock aus dem Arsch ziehen oder Moore, der die Voyager auf einen Höllentripp schicken wollte.

      Hätten sie gemacht was du vorschlägst, wäre ich auch heute noch der Meinung, dass Star Trek die Sesamstrasse der Science Fiction ist, wo Leute positronische Matrixen durchs Raumschiff scheuchen und Geister vögeln. Genau das richtige für etwas zurückgebliebene Achtjährige.

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    • Serienfan sagt:

      Gegen 25 Jahre TNG hätte ich nichts, und es wäre allemal besser als der würdelose Unfug, der jetzt in die viel zu großen Fußstapfen tritt.

      Das, was von manchen als „erwachsen“ gefeiert wird, erinnert mich übrigens mehr an 12jährige, die heimlich Zigaretten rauchen und sich dabei ganz groß vorkommen.

      Moore, der bei „Star Trek: Voyager“ gleich mal hochkreativ mit Klingonen-Storys loslegte, überschätzt sich selbst ohnehin. Letztens ließ er sich für die Episode „Family“ feiern, die er gegen den Willen Roddenberrys durchgedrückt habe. Eine der schlechtesten Episoden von TNG mit an Idiotie grenzenden Dialogen. Die Frau soll gefälligst für den Mann nach altem Brauch kochen, alles andere ist zu bequem. Das ist ein so unfassbarer Schwachsinn, ich frage mich, ob man Roddenberry in ein künstliches Koma versetzte, damit das gedreht werden konnte.

      Und Ira Steven Behr, der sich immer für seinen „Mut“ feiert, weil er Roddenberrys positiver Zukunfts-Idee den Rücken kehrte, würde ich gerne mal sagen: Die Flucht vor Roddenberrys Welt hat mit Mut nichts zu tun, sondern mit Feigheit. Nichts scheint die ach so woken Hollywood-Libertären so zu ängstigen wie Roddenberrys Optimismus, weshalb sie ihn mit aller Gewalt immer wieder demontieren möchten.

      Interessanterweise kristallisieren sich aktuell vor allem jene DS9-Folgen als Highlights heraus, die sehr klassisches Star Trek sind, während Behrs langgestreckter Kriegs-Fantasy-Mischmasch (besonders grauenvoll im abschließenden Zehnteiler, der fast schon „Star Trek: Picard“-Niveau hat) meist keine Erwähnung findet.

      Antworten
    • Donald D. sagt:

      @ Serienfan: Für Deinen letzten Absatz müßte man Dich eigentlich aus der Luftschleuse schmeißen!!! So ein Schwachsinn!! DS9 war, bis auf ein paar Nebenhandlungsstränge, bis zum Schluß große Klasse, dank Berman, der wie oben schon jemand schrieb, stur darüber wachte und Behr, Wolfe und Moore, die viel Neues ausprobierten. Wenn’s Dir nicht paßt guck‘ weiter Pic. Niveauloseres TV gibt es ja z.Zt. nicht.

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    • Serienfan sagt:

      Es gibt für einen Star-Trek-Autor nichts Mutigeres, als Roddenberrys Idee anzunehmen und in ihr nach einer spannenden, konfliktreichen Geschichte zu suchen.

      DS9 (und Voy) haben das häufig und großartig getan. Es sind Episoden wie „Duet“, „Children of Time“ oder „The Begotten“, die auch heute noch qualitative Perlen des Fernsehens sind, die aber so auch in einer TNG-Episode hätten spielen können.

      Für dumme, gewalttätige Menschen Konflikte zu konstruieren, ist bei Weitem einfacher. Auch das hat man bei DS9 getan, und die Maquis sollten bei Voy einen ähnlichen Zweck erfüllen. Das zu loben fällt mir schwer.

      Ich mag soapige Bösewichter. Ich mag Soaps. Aber Figuren wie Seska oder Kai Winn waren mir dann doch zu „soapig“ böse. Es nur deshalb zu loben, weil man etwas Neues ausprobiert hat, fällt mir schwer. Denn neu war es für Star Trek doch nur, weil zuvor auf derlei Trivialitäten, die in anderen Serien typisch sind, verzichtet wurde.

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    • JP1957 sagt:

      @Serienfan

      Ich möchte tendenziell widersprechen.
      Mutig fand ich das Gedankenexperiment: Was wird aus der (hochgeschätzten) Föderation, wenn sie in einen Krieg gerät?
      Das hat uns (neben „Krach-Bumm-Folgen“, das sei eingeräumt) eine Reihe von herausragenden, teils bedrückenden Folgen beschert.
      Ich kann mich daran erinnern, dass ich damals kurz davor war auszusteigen, weil dieses Ausloten sich scheinbar zu weit von Roddenberry entfernte – dann erkannte ich den Wert darin.

      DS9 ist für mich aber die beste Serie im Trek-Universum, weil sie es meisterhaft verstand, die Kultur anderer Völker darzustellen und charakterreiche Figuren zu schaffen.
      Es stimmt – Kai Winn ist eindimensional, auch nach intensivem Nachdenken fällt mir aber keine andere Figur ein.

      Antworten
    • Zuse sagt:

      Wie Alle Anderen hier freue ich mich über diese Vertragsverlängerung …

      Ich hoffe, dieser Post landet in der Reihe der Neuesten.

      Ich bin z.Zt. ein Tele5-Beleuchteter, d.h.: Ich habe die Glotze ohne Ton an zum Feierabend und dort links von mir laufen die ST-Serien ohne Ton. Oft schaue ich bei den Credits am Anfang hin und denke „Tolle Folge“, aber lasse den Ton aus und gucke/mache was Anderes. Gerade gestern und heute habe ich 4 Top-Folgen TNG so „verbraten“ – 4 in a row! Äl Jay hat gewonnen! DS9 ist genauso out.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Ich bin da im Grundsatz mehr bei Serienfan, sehe das aber nach fast 30 Jahren „Fehlentwicklung“ bei Star Trek nicht mehr so dogmatisch. Schon die letzten beiden Staffeln TNG, die parallel zu DS9 liefen, zeigten nach Roddenberrys Tod Anzeichen der neuen Marschrichtung.

      Im Grunde genommen wollte man nach TNG zeigen, wie sich eine Sternenflotte außerhalb schöner weißer Forschungsschiffe und klarer politischer Strukturen bewährt. Der „bequeme“ kalte Krieg und die große Zeit der NASA waren Anfang der 90er vorbei und parallel dazu schickte man auch das etablierte Star Trek Universum in Rente. Das war bei DS9 unschön, bei VOY furchtbar, bei ENT abscheulich und ist bei DSC ohne Worte.

      Aus irgendeinem Grund ist man seit 30 Jahren – nicht nur bei Star Trek – offenbar der Ansicht, man müsse die Welt so beschissen und durchknallt darstellen, wie sich in den Nachrichten präsentiert. Utopien sind aus der Mode.

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    • Serienfan sagt:

      Bevor ich hier durch die Luftschleuse ins Vakuum trete, möchte ich, der DS9 noch immer für eine der besten Serien hält, die das Fernsehen jemals hervorbrachte, noch mal ein paar Begrifflichkeiten definieren: Was erfordert Mut? Was erfordert Talent?

      Ich kann als untalentierter TV-Producer jederzeit ein Columbo-Remake planen, in dem Columbo zum Dirty Harry wird und in Charles-Bronson-Manier das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Und dann kann ich mich selbst für meinen „Mut“ loben. Mutig wäre es aber eher, mich an guten Columbo-Folgen zu versuchen.

      Die Idee, die Föderation doch mal in einen „ganz großen Krieg“ zu verwickeln, erfordert für mich gerade einmal die Phantasie eines Fünfjährigen. Von Asimov zurück zu Lensman, dafür braucht sich keiner selbst auf die Schulter zu klopfen. Vor jedem Autor, der es erfolgreich schaffte, eine gute Science-Fiction-Idee in eine durchscnnittliche Star-Trek-Folge umzuwandeln, beeindruckt mich weitaus mehr als der „Mut“ von Producern, die sich begeistert in das alte Fahrwasser von Alien-Kriegen und Bad Guys stürzen.

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    • Bolleraner sagt:

      Den ganz großen Krieg gab es aber auch in den letzten Staffeln von DS9. Das sind auch die Folgen, die ich mir am seltensten heute noch ansehe. DS9 mit seinen Handlungen auf einer ortsgebundenen Raumstation galt im Vergleich damals bei vielen Zuschauern als eher langweilig. Ich erinnere mich daran, dass es damals hieß, die Autoren bevorzugten eine sequenzielle, folgenübergreifende Handlung um spannendere Geschichten schreiben zu können. Bereits einige Staffeln (in der vierten) vorher wurden im Zuge der Reaktion auf diese Kritiken auch die Defiant eingeführt, damit die Bande zumindest etwas mobiler wird, Worf auf die Station versetzt und die Geschwindigkeit der Titelmelodie erhöht.

      Die haben damals schon den eigentlichen Wert von TNG völlig falsch verstanden.

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    • JP1957 sagt:

      @Serienfan: Mit der Luftschleuse habe ich nichts zu tun, wohl aber mit dem Mut. Prinzipiell hast Du sicherlich recht, wenn Du das Thema „Krieg“ als „altes Fahrwasser“ bezeichnest, zu dem es keines Mutes bedarf.
      Im Zusammenhang mit Star Trek sehe ich das allerdings anders, denn die dort gemalte Utopie der Föderation stand ja nicht nur für das friedliche Zusammenleben von Völkern, sondern Kirk, Picard und Co. standen ja für (in der Regel) den ständigen und (fast) immer erfolgreichen Versuch, Konflikte friedlich zu lösen.

      In diese über zwei Serien und zehn Staffeln (man müsste die ersten DS9 Staffeln noch dazu zählen) nun einen Krieg einzuführen und zu schauen, was dieser Krieg mit den roddenberrysch geprägten Protagonisten macht (und wie die Zuschauer der Serie darauf reagieren)- dazu gehörte meiner Meinung nach Mut und Erfindungsgeist.

      Ich denke, dass uns diese Idee auch herausragende Folgen beschert hat, die es sonst nicht gegeben hätte.

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    • Serienfan sagt:

      So rosa, wie immer gerne behauptet, war Star Trek nie. Die TNG-Folge „The Wounded“ hat bereits in der vierten TNG-Staffel vieles beinhaltet, wofür DS9 später gelobt wurde.

      DS9 war für mich immer dann besonders „mutig“, wenn es sich voll und ganz dem bekannten „Star Trek“ zuwendete. Besonders großartig war dies in der Jubiläumsfolge mit den Tribbles, in der man ohne Ausflüchte eine erstaunliche Hinwendung zur Classic-Serie vollbrachte.

      Überhaupt war das die große Leistung von DS9: Alles aufzusaugen, was der „Star Trek“-Kanon hergab, um damit ganz tief in dieses Universum vorzudringen. Es ist auch bemerkenswert, dass uns keine andere Star-Trek-Serie zur damaligen Zeit so viel von der Erde zeigte wie DS9.

      Man kann trefflich darüber streiten, ob uns der große Dominion-Klingonen-Breen-Romuler-Krieg wirklich so viele Hightlights bescherte, wie gerne behauptet wird. Selbst wenn man das bejaht (ich halte die Zahl der Higlights des Domion-Krieg-Arcs für überschaubar), fiele es mir dennoch schwer, dies zu loben. Die Rückkehr in eine gestrige Science-Fiction-Banalität, wie sie ja Roddenberry gerade nicht haben wollte, ist weder besonders einfallsreich noch ist sie „mutig“.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Ich weiß auch gar nicht, wer jemals behauptet hat, das sei „mutig“ gewesen. DS9 ist rückblickend betrachtet eine gute Serie, aber vom Gesamtkonzept her schlechtes Star Trek.

      Ich habe die Serie anfangs mindestens so verachtet wie heute viele DSC verabscheuen. Diese kackbraune Loch von Raumstation mit ihren vielen Konflikten, die komplette Abwesenheit von etwas, das nur entfernt an die Sternenflotte erinnert, ein Commander, der wenig von einem Offizier derselbigen hatte. Ich konnte die Serie erst Jahre später mögen.

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    • Serienfan sagt:

      https://gizmodo.com/star-treks-ira-steven-behr-looks-back-on-the-complex-le-1834401786

      Ein verbittert klingender Ira Steven Behr: „I thought science fiction fandom was much more brave and bold, and willing to accept the challenge. And then I realized they just want to do the same old thing.“

      Ich finde das erstaunlich. Klassisches Star Trek IST „brave and bold“. Der Zuschauer soll sich Woche für Woche in ein völlig neues Abenteuer stürzen, ohne zu ahnen, was ihm bevorsteht. Am besten weiß er noch nicht einmal, ob ihm eine Komödie oder Tragödie bevorsteht.

      Ein staffelübergreifender Alien-Krieg ist genau das wiederkehrende „same old thing“, das dem Geist von Star Trek widerspricht. Ich habe kein Problem damit. Aber sowohl Star Trek als auch das Science-Fiction-Genre an sich haben Originelleres zu bieten als den großen Alien-Krieg.

      Ira Steven Behr: „But every time I hear something is not Star Trek, I start thinking, Well… maybe that’s a good thing.“

      Ja, und maybe it’s not a good thing, wenn ich sage: Das ist kein Champagner, sondern nur eine Limo.

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  13. Serienfan sagt:

    „Schlechtes neues Star Trek macht doch das alte nicht kaputt.“

    Doch!

    Das hat auch Steven Spielberg erlebt, als sein Filmklassiker „Der weiße Hai“ durch die dummen Fortsetzungen den Hauch des Horror-Trashs erhielt. (Weshalb er ursprünglich auch alle „Jurassic Park“-Filme selbst machen wollte, um den „Weiße-Hai-Effekt“ zu verhindern.)

    Dinge färben ab, der Mensch ist zur voneinander völlig losgelösten, getrennten Wahrnehmung nicht fähig. Das kommt übrigens auch schön in dem von mir verlinkten Video zum Ausdruck.

    https://youtu.be/9CtY2IUe6BU

    Kalkofe und Buttgereit geben zu, dass ihre Wahrnehmung der Godzilla-Filme auch untrennbar mit dem damals Erlebten verknüpft ist.

    Wenn sich jetzt zu Star Trek negative Assoziationen anhäufen, kann das genau der bittere Gallenröhrling sein, der am Ende die ganze Mahlzeit ruiniert.

    • G.G.Hoffmann sagt:

      Oder man hält es einfach mit Ricky Gervais:

      https://www.youtube.com/watch?v=L3dxMGzt5mU

      Ich glaube nicht an diesen Ausstrahlungs- bzw. Rückkopplungseffekt. Ich kenne niemanden, der „Der weiße Hai“ mit anderen Augen sieht, weil die Teile 3 ff. Schrott waren. Gleiches gilt für TOS oder TNG in Bezug auf Leute, die die Nachfolgeserien nicht mochten. Und wer bitte sieht den TNG-Picard von vor 30 Jahren jetzt ernsthaft mit anderen Augen, weil er in PIC als 90-Jähriger Arbeitsloser anders dargestellt wurde? Da finde ich Rambo-Picard in „First Contact“ nach wie vor problematischer.

      Man muss nicht mögen, was nach 2001 an Star Trek produziert wurde. Aber es hat den Laden am laufen gehalten und spendiert uns immer wieder Überarbeitungen und Merchandise zum alten Star Trek, was vermutlich nicht oder nicht in diesem Ausmaß der Fall gewesen wäre, wenn man nach ENT den Laden dicht gemacht hätte. Wenn als Nebenprodukt zu dem anscheinend doch nicht ganz erfolglosen Kurtzman-Trek noch eine komplette UHD-Überarbeitung der alten Filme geliefert wird – was Shatner noch kürzlich bezweifelte -, dann kann ich damit leben.

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    • Serienfan sagt:

      Dass man jetzt plötzlich doch wieder mit den alten Filmen in neuer Abtastung Geld machen will, ist gerade ein Zeichen, dass das New Trek nicht so läuft wie erhofft.

      Denn wahrscheinlich verkauft sich die 50. Veröffentlichung der Blu-ray-Classic-Box (kommt ja bald wieder eine raus) immer noch besser als die neueste Discovery-Staffel.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Gewagte These, bedenkt man, dass einerseits New Trek dreistellige Millionenbeträge hinterhergeworfen werden, während andererseits seit Jahren kolportiert wird, TNG-Remastered habe kein Geld eingebracht – was ich aufgrund der weltweiten TV-Lizenzen für die HD-Fassung bezweifele -, weshalb man leider keine 15-20 Mio. Dollar pro Serie für die Überarbeitung von DS9 und VOY ausgeben wolle. Dass es am Geld für eine 4K-HDR-Überarbeitung der alten Filme scheitere, hat ja auch Shatner auf Twitter mehr als einmal behauptet.

      Fakt ist: wir wissen trotz teils jahrzehntelanger Spekulationen nichts über den finanziellen Erfolg oder Misserfolg der alten und neuen Serien, da CBS/Paramount sich darüber ausschweigen. Lediglich bei den Kinofilmen kennen wir die Einspielergebnisse, die aber ebenfalls nichts über den langfristigen finanziellen Erfolg durch den Verkauf von physikalischen Medien sowie TV-/Streaming-Lizenzen aussagen.

      Falls die Zahl von 150 Mio. Dollar stimmt, glaube ich nicht, dass man allein dem Produzenten so viel Geld zahlen würde, wenn Kurtzman-Trek nicht auf irgendeine Weise eine Menge Geld einbrächte. Auch wenn heutige Geschäftsmodelle häufig schwer zu durchschauen sind und gerne auch einmal Seifenblasen produziert werden: so ganz losgelöst von tatsächlichen Geldflüssen und der Notwendigkeit finanzieller Erfolge ist Hollywood nicht, was man an zahllosen TV- und Kinoprojekten sieht, die jahrelang in der Vorproduktionshölle verharren, vorzeitig eingestampft werden oder gnadenlos floppen.

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  14. ghfh sagt:

    Es geht bei diesen Produktionen nicht um die Quote. Es geht um Marken. Mit den Quoten, welche Serien heute im Vergleich zu den 80ern, TNG hatte mal zur Höchstphase ein Rating in der Weberelavanten Zielgruppen von 18 Millionen (Da sinf die nicht werberelevanten abgezogen). Die free TV Premiere von Discovery lag in den USA bei 1,3 Millionen.

    Auf die Quote kommt es nicht mehr an, da ein Streaminganbieter nicht von der Webung sondern von den Abos lebt. Das Geld kommt auch, wenn eine Serie schlecht ist oder schlecht läuft. Star Trek ist ein Prestigeprojekt. Mit dem Diversitykram können sie ihr Image pflegen. Im Streaminggeschäft geht es nur um Neukundengewinnung. Die mreisten Neukunden bei Netflix und Co werden durch etwas gelockt und selbst, wenn es nicht gefällt, das Geld vom Abo gibt es ja trotzdem.

    Wenn zuviele Dinge schlecht laufen, wird natütrlich mal was abgesetzt. Ich schätze, Discovery ist so ein Kandidat. Mit Picard haben sie Erfolg und er lockt Neukunden. Auch wenn die Serie genauso schlecht ist.

  15. Rick-Berman-Apologet sagt:

    Der gute G.G. Hoffmann hat recht – man sollte sich von neuem Trek das alte nicht ruinieren lassen. Man sollte sich auch genauso wenig auf Diskussionen ums Rechthaben einlassen. Dass Kurtzman-Trek angeblich seine Fans hat und angeblich wirtschaftlich erfolgreich ist, ändert nichts an meiner Beurteilung, dass die Drehbücher handwerklich auf Zweitklässlerniveau sind. Mehr als ein paar Stichproben will ich davon nicht sehen, egal wie oft Kurtzmans Vertrag noch verlängert wird.

    Ich vermute, dass hinter der Produktion von Star Trek heute eine komplett andere finanzielle Gleichung steckt als vor 20 Jahren. Damals waren die Zinsen für Kredite viel höher und die Produktion einer Serie musste sich in kurzer Zeit rechnen – normalerweise schon mit der Erstausstrahlung. Heute sind die Kosten zur Bedienung von Krediten sehr viel geringer und es reicht daher auch, wenn sich eine Investition „irgendwann mal“ amortisiert.

    Außerdem hat die Flut an Content und der brutale Kampf um Aufmerksamkeit die alten Franchises mit eingebauter Riesen-Fanbase sehr wertvoll gemacht. Sprich: Es lohnt sich vielleicht, wenn man hin und wieder ein paar Milliönchen in die Pflege des Assets „Star Trek“ steckt, denn vielleicht kann man es mal für mehrere Milliarden (Milliardchen?) an eine andere Firma verkaufen. Wenn man dagegen nichts investiert, dann sinkt das Asset auf Dauer im Wert, weil es langsam in mediale Vergessenheit gerät. Aus der Perspektive wäre es egal, ob Kurtzman-Trek überhaupt nennenswerte Einschaltquoten bringt.

    Die Fassade von meiner Immobilie muss ich auch alle paar Jahre frisch malern lassen, sonst verkommt das Gebäude und wird irgendwann wertlos. Ob die Wandfarbe den Bewohnern, mir selbst oder irgendjemand anderem gefällt, ist sekundär. Ist ja nur eine Kapitalanlage, in der ich nicht selbst wohne.

  16. Serienfan sagt:

    Wer eine Katharsis braucht: https://youtu.be/9C0aPpT_w6U

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