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Das letzte Land (2019) – Das Gastreview

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Unser Gastautor – Tobias H. – wagt sich erneut an einen SF-Film aus dem hiesigen Anbau. Das merkt man auch daran, dass das Budget nicht vorhanden ist. Beziehungsweise noch auf einem Tagesgeldkonto in der Lindenstraße wartet? Hut ab, dass Tobias weiterhin solche Werke antesten mag. Ich selber habe damit ja aufgehört, nachdem ALLE German-SF daraus besteht, traurig in die Kameras zu gucken. Und dabei zu murmeln: „Die Schraube da… Die hat es auch schon bei ‚Alien‘ gegeben.“ Aber nun zum Review:


Ein Gastbeitrag von Tobias H.

Die Science Fiction hat es hierzulande wirklich schwer. Weder literarisch noch cineastisch tut sich in deutschen Landen viel. Wobei es bei den Büchern noch etwas besser aussieht, aber seitdem die Orion 1966 zum letzten Mal in ihren Tiefseestrudel eintauchte, tut sich auf den Bildschirmen kaum noch was. Da war die sondersame Verfilmung der „Sterntagebücher“ wohl noch eines der Highlights. Umso froher war ich, als ich dieses Werk entdecken durfte. Das sollte sich dann aber bald legen und am Ende sehnte ich mich nach dem berühmten Orion-Bügeleisen.

Story: in einer nicht näher definierten (das trifft hier auf fast alles zu) Zukunft, entdeckt ein Sträfling auf einer nicht näher benannten Wüsten-Strafkolonie ein altes Raumschiff vom Format eines Shuttles. Die Freude währt nicht lange, denn nur kurze Zeit danach betritt ein Gefängniswärter den schrottreifen Kahn. Dieser sollte den Sträfling eigentlich wieder einlochen, aber schnell wird klar, dass die beiden ihr Ticket vom germanischen Tatooine in Händen halten.

Relativ fix wird das Shuttle dann flugfähig gemacht, wobei sich in Anbetracht der Technik an Bord ein Ingenieur aus dem Jahre 1850 vermutlich als große Hilfe erwiesen hätte und dann gelingt doch echt – an via Funk meckernden Gefängniskollegen vorbei – der Start in das All. Die beiden vom Knastplaneten haben sogar Namen Nowak und Adem, aber allein schon, dass ich hier nachschlagen musste, sagt doch viel über einen Film mit nur 2 Figuren aus.

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„Okay, ich bringe Action rein und Du etwas Handlung!“ Teamwork – das wird oft angestrebt, aber nur selten wirklich erreicht – so auch hier.

Gut, bis hierhin war das hier gehobenes Voyager-Level, aber dann konnte diese „Qualität“ nicht mehr gehalten werden. Die nächsten anderthalb Stunden gondeln die beiden Unsympathen durch das All, docken NICHT an einer Raumstation an und verfolgen NICHT die seltsamen Hinweise auf was auch immer, die man an Bord überall finden kann. Besagte Hinweise offenbaren sich etwa in einem Rauschen im Helmfunkgerät oder aber in Zahlen (!) auf einem Bauteil.

Nicht zu vergessen ist auch das Logbuch, welches von geheimnisvollen Dingen wie „Problemen“ oder „Wahnsinn“ redet. Es mehren sich dann die Hinweise (eigentlich nicht, aber man sagt es so), dass die Raumfähre von der Erde stammen könnte. Was daran so besonders ist oder weshalb man die Erde offenbar vor langer Zeit aufgegeben hat, bleibt völlig offen.

Man probierte hier auch eine Art Psychodrama, denn über eine reine Zweckgemeinschaft geht das Bündnis zwischen den beiden Figuren nie hinaus – wobei ich das auch als Pluspunkt sehe. Wesentlich schlechter sind da die Paranoia und die Schnitzeljagd gelungen. Diesen Film so zerrupfen zu müssen ist eigentlich schade, denn für eine No-Budget-Produktion (so nennen ihn selbst die Produzenten) ist das Setting nicht mal übel. Die Raumfähre, auf der sich fast alles zuträgt, ist vertretbar gelungen und scheint direkt dem Alien-Universum entsprungen zu sein.

Die wenigen Weltall-Aufnahmen können sich auch sehen lassen. Die Low-Tech zieht sich als roter Faden durch das Werk. Mit einer besseren Story hätte man ein schönes Wahnsinnsdrama machen können. Das eigentliche Hauptproblem ist aber das permanente LOSTen, was ich persönlich gar nicht abkann. Fragen, die den SciFi-Fan wirklich reizen, werden stets umgangen. Wie etwa:

Die besuchen mehrere Sternensysteme? Was ist deren Überlichtantrieb? Kein Wort davon. Nur von Düsen und Triebwerken ist ab und an die Rede.

Was hat es mit dieser geheimnisvollen Raumstation auf sich?

Kommt die Raumfähre wirklich von der Erde?

Apropos Erde, war die Welt am Ende unser Heimatplanet? Warum stirbt der Gefängnistyp bitte nochmal?

Was ist mit den Fähren-Vorbesitzern passiert, bzw. wie kam das Teil auf die Wüstenwelt?

Was sollen die „Hinweise“ eigentlich sein? Haben das Helmrauschen, die kryptischen Logbucheinträge und die Zahlenreihen aus dem Schiffsanus eine Bedeutung?

Wie konnte der Sträfling eigentlich abhauen oder was war der Grund für seine Verurteilung?

Warum sieht der Gefängniswärter kein Stück besser oder privilegierter aus, als sein Gegenstück? Ungerechte Gesellschaft somewhere?

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„Wow! Ein fremder Stern! Los da müssen wir unbedingt NICHT hin.“ Wie wäre es wohl, wenn die NASA eine Sonde zum Mars sendet und dann kurz vor der Landung einfach weiterfliegt? Übrigens ist das eine der beiden Weltraumszenen.

In der Form könnte ich eine komplette Rundreise um den Pluto lang weitermachen. Wir haben hier das deutsche Gegenstück zu dem ebenfalls recht schnarchigen Schweizer Film „Cargo“, wobei der zumindest eine Handlung hatte und ein Set, durch das man nicht in 10 Sekunden durchgelaufen war. Die bemühten Schauspieler können das alles nicht retten. Man denkt wirklich, die hätten die Anweisung bekommen „Ja, in einer Fähre im All. Irgendwie. Mit Hinweisen halt. Macht was draus!“. Komplette Sequenzen wirken wirklich schlecht improvisiert.


Fazit: viel zu wenig Inhalt für echt viele Fragen. „Das letzte Land“ hatte Potenzial, aber es macht nichts draus – ganz ähnlich wie die deutsche Energiewendenpolitik. In seiner ganzen Rätsellastigkeit ein dröger und unnötiger Film. Commander McLane kann also entspannt sein. Seine Orion zieht im deutschen SciFi-Film-Kosmos auch weiterhin alleine ihre Bahnen.


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von Klapowski am 22.10.22 in Gastbeitrag

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Kommentare (5)

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  1. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ich möchte Widersprechen: Es gibt gute deutsche SF, man muss nur sehr lange suchen.
    Schau Dir mal das Arche Noah Prinzip an. Für ein solch geringes Budget knallt der Film heftig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Arche_Noah_Prinzip

    Der Film hat weiss Gott seine Fehler, ist aber trotzdem richtig gut anzuschauen.

    Orion, besser gesagt Raumpatroille spielt natürlich in einer ganz anderen Liga.
    Ich sage nur ZeichenStifftMinenAnspitzer und Rowenta.

    Gruß BergH

  2. justduke sagt:

    Keine gute deutsche Sifi im Orion-Format mehr vorhanden.

    Na dann habt ihr wohl noch nie von Ijon Tichy gehört ;-)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ijon_Tichy:_Raumpilot

    • Kampfhamster sagt:

      „Da war die sondersame Verfilmung der „Sterntagebücher“ wohl noch eines der Highlights.“
      Den Ijon Tichy hat der Autor in dem Wissen angespielt, dass er bei Nichterwähnung vom Staubigsauger heimgesucht wird – jede Nacht!

      INSPEKTION! INSPEKTIOOON!

      Antworten

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