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Kunst für Leute, die sich nicht für Kunst interessieren? – Wenn die KI Bilder träumt…

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All das Gerede darüber, wie „schlau“ Künstliche Intelligenz eines Tages sein wird, hat nun neue Berechtigung erfahren. – Wo man sich vor ein paar Jahren noch wunderte, warum man plötzlich „Damenwindeln“ als Werbung bekam, nur weil man zu oft „Bud Spencer prügelt windelweich“ gegoogelt hat, kann nun aufatmen… Denn endlich ist der Computer zu einer Bedrohung(?) geworden, die zu den jahrzehntelangen Verschwörungstheorien passt. Ja, bildgenerierende KIs sind heute so gut, dass uns vor Schreck das Malbuch aus der Hand fällt.


Alle nachfolgenden Bilder sind mittels Dall-e-2 entstanden

Falls jemand es noch nicht mitbekommen hat: Computergenerierte Bilder sind gerade ein großes Ding im Netz! Jeder Influencer, der zu spät auf den Zug aufgesprungen ist, zeigt neuerdings anhand dutzender Beispiele, wie gefährlich und faszinierend die Bilder sind, die man anhand weniger Sätze erstellen lassen kann. So auch Zukunftia heute…

KIs haben sich so saugut entwickelt, dass man sich gar nicht ausmalen will (ha! „ausmalen“, versteht ihr?), wie gut Bilder in ein paar Jahren aussehen werden.

Und wer sich auch nur ein bisschen in einen Künstler (Designer, Artist…) hineinversetzen kann, kann ganz deutlich deren Horror spüren! Seit Wochen wache ich nachts auf und glaube die Gänsehaut von einem Illustrator zu spüren, der gerade zum ersten Mal im Netz auf die Generatoren von „Midjourney“ und „Dall-e 2“ gestoßen ist.

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Insekten, die vor einer zerstören Stadt ihre Banner schwingen: Dieses Bild könnte man auf ein Buchcover drucken. Der Künstler (ICH?) will damit wohl aussagen, dass das Streben nach national-imperialistischen Errungenschaften am Ende die Bedeutung eines flüchtigen Insektenvolkes besitzt? Oder ich gerade 20 Sekunden Langeweile, dafür aber einen Hirnfurz hatte…

Musste Kollege Sparkiller vor Jahren noch einige Zeit investieren, um mir ein Buchcover für „Jenseits der Macht“ zu kreieren, so gelingt das heute schon in 10 Sekunden.

Einfach dies hier eintippen:
„A dark staring head in the space, mysterious light on the edges, nebulars und stars are shining indistinctly, in style of unreal engine“

Und schon darf man sich aussuchen, was man nun besser findet… Hier das allererste Ergebnis der KI, nicht verfeinert:

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Dunkler Blick, ein Hauch von „Alien“, „Prometheus“ und eurer Mudder: Als neues Buchcover wäre das gar nicht übel? Fehlt nur noch die KI, die mir meinen vierten Roman generiert… Oder, wie Karl-Theodor zu Guttenberg sie seit Jahren zu nennen pflegt: „Ghostwriter“.

„Kunst entsteht eigentlich nicht am Computer!“, könnte man hier entrüstet sagen. Und ja, man hat tatsächlich weniger Bock, das Bild zu interpretieren, wenn kein Mensch dahinter steht. Oder man das Gefühl hat, dass der Algorithmus aus Millionen Vorlagen „einfach“ was Neues gemixt hat…

Aber Hand auf’s entgeistert polternde Herz: Macht es für das eigene GEFÜHL oder die WIRKUNG des Bildes wirklich einen so großen Unterschied, wie es entstanden ist? Und ob Künstler in aller Welt nun verhungern oder sich ärgern, Boykotte beschlossen werden oder man Ausnahmen zulässt („Ab 500 Wörtern Beschreibungstext und 50 verfeinerten Generierungen ist es doch wieder ein Kunstwerk!“), all das spielt vielleicht keine so große Rolle?

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Ein Schädel zwischen trockenen Keksen: Ist Kunst zum Konsumobjekt geworden? Oder war es das nicht schon immer?

Das klingt wahnsinnig hart, aber existiert ein BILD, das betrachtet wird, vielleicht nur für sich selbst? Nicht für den Künstler, den marktwirtschaftlich ausgehandelten Preis, ein Museum oder einen Käufer? Ja, ich gebe zu, dazu keine fertige Schlaubi-Meinung zu besitzen, habe aber das Gefühl, dass das Argument „Teufelszeug, weg damit!“ uns ähnlich weit bringt wie die Leute, die damals die Dampfmaschine abgelehnt haben – da man dann ja weniger Bergleute braucht.

So hart das klingt… Diese Art der Bildgenerierung, die sich auch auf Musik und andere Kunstformen übertragen lässt, wird unsere Welt drastisch verändern. Und ja, alle Künstler tun mir in der Seele leid.

ABER vielleicht heißt das alles auch, dass man Kunst demokratisiert?

Denn jeder kann nun aus hundert Bildchen das generierte Werk aussuchen, das ihn am meisten anspricht. Und am Ende sagt das dann trotzdem etwas über den User der KI aus… Man muss sich keine Memes und GIFs mehr „klauen“, sich nicht stundenlang hinsetzen und braucht auch kein „Kapital“ (teurer Rechner, teure Ausbildung, teure Pinsel), um das Bild, dass man iiirgendwie im Kopf hat, dort herauszubekommen.

Klar, Illustratoren werden zukünftig Probleme bekommen. Ich beneide sie nicht. Aber all die Empörung, die über Bild-KIs hereinbricht, zeigt nur, wie sehr man das Thema über Jahre unterschätzt hat.

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Lässt man den Beschreibungstext weg, gibt es gleich mehr zu rätseln. Warum habe ich z.B. dieses Bild generiert und genau das aus 8 verschiedenen Versionen ausgewählt? Was könnte das überhaupt sein? Die Klimakatastrophe, ein Schwarzes Loch oder eine Sonne mit Stoßdurchfall nach einer Kurtzman-Episode?

Während andere halt Einhörner und Cupcakes generieren lassen, versuche ich mich an düsteren SF-Bildchen. Allein die Auswahl auf dieser Seite hier ist gut geeignet, einen Psychotherpeuten ganz stark in meine Seele blicken zu lassen.
(„Klapo mag Ameisen, ist depressiv und beschäftigt sich nur mit Existenzfragen und Schwarzen Löchern. Behandlung: Einsperren!“)

Und man denke nur einmal weiter: Wird es in 10 Jahren vielleicht ganze bewegte Actionsequenzen geben, in denen der KI-Künstler einfach vorgibt: „Spiderman schwingt sich durch Atlantis und weicht einem Schlag von Hulk aus?“ Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben.

Meine wilde These ist sogar, dass das Ergebnis vielleicht sogar über die Vorgaben der derzeitigen Marvel-Filme hinausgeht? Eine KI, die komplexe Formeln verwendet, um sich Szenarien zu „erträumen“, kann vielleicht auch den Genero-Rotz der letzten 10 Jahre ausgleichen? Erweitern? Verbessern? Interessant machen?

Probieren wir es doch einfach mal mit dem Spiderman/Hulk-Bespiel von weiter oben:

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Okay, Hulk ist irgendwie im Urlaub, das fliegende Ding im Hintergrund eher ein (nicht bestellter) Mückenschwarm und die Haltung von Spidey eher die eines Freeclimbers. Mir gefällt es trotzdem! Und das sage ich nicht nur deswegen, weil ich mir alle KI-Bilder seit Wochen manisch abspeichere. („Für meine virtuellen Urenkel, die später in der Cloud leben müssen, hust.“)

Eigentlich soll dieser Artikel auch nur eine Anregung zum Dialog sein. Mich interessiert nämlich tatsächlich, was IHR darüber denkt.

Zum Schluss dann noch meine ausgewählten Lieblingsbilder… Sparkiller hatte vor Wochen auch ein paar nette Dinge erstellt, doch die kann er ja selber herzeigen.

Auf 10% davon sind sogar andere Leute als ICH drauf.

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Auf was balanciert der Vogel? Und welcher Künstler war das Vorbild? Phrasen über Phrasen…

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Titel: „Das Ende des Kalten Krieges“, Preis: 3,50€. Und eine Figur aus dem Ü-Ei.

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Titel: „Ein kühles Pilz bitte, Herr Ober!“, Preis: 890.000 €

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Titel: Im kühlen Neonpanzer der Stadt, Preis: Eine Dose Schildkrötensuppe

Wie gesagt: Ich habe keine fertige Meinung hierzu.

Aber die, die sich jetzt entwickelt, muss sich damit auseinandersetzen, dass KI-Kunst nie wieder weggegehen wird. Und dass die vielen gesellschaftlich relevanten Details (bekommen zuvor eingescannte Künstler z.B. einen kleinen Bruchteil ab?) am Ende auch nur Dinge sind, die man klären kann. Und MUSS.


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Artikel

von Klapowski am 17.10.22 in All-Gemeines

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Kommentare (14)

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  1. Dingens sagt:

    Bin in einer Künstlerfamilie aufgewachsen, habe keine künstlerische Ader und maße mir daher auch keine absolute Meinung an. Aber ein paar Gedanken möchte ich an dieser Stelle dazugeben.

    Kunst hat für mich normalerweise mehrere Ebenen: die kreative Idee hinter dem Objekt; die handwerkliche Umsetzung; die „Message“ des Künstlers; die Rezeption durch den Betrachter; und bestimmt noch weitere. Ich glaube, dass KI-Kunst keine Kunst im herkömmlichen Sinn ist, weil die kreative Idee des KI-Nutzers vielleicht nur vage ist, und weil der KI-Nutzer sich keine handwerklichen Skills aneignen musste, um das Bild zu erstellen. Die Beziehung des Nutzers zum Objekt bleibt industriell, es reicht, wenn er sich oberflächlich damit beschäftigt, was er will, um ein für ihn akzeptables Ergebnis zu bekommen.

    Das heißt nicht, dass ich KI-Bilder ablehne. Ich glaube aber, dass KI-Kunst zur herkömmlichen Kunst im gleichen Verhältnis steht wie das „Kunstgewerbe“ zur Kunst. Zum Verständnis, was ich mit dem Unterschied meine, hier der Wiki-Artikel zum Kunstgewerbe: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstgewerbe

    Wenn ich jetzt noch einen Bezug zu Star Trek herstellen darf: Ich glaube, dass diese Technologie irgendwann zu solchen Funktionen führen kann, in denen der Computer auf dem Holodeck „kreativ“ extrapolieren soll, wie z.B. in der TNG-Folge „In den Subraum entführt“ oder in der VOY-Folge „Herkunft aus der Ferne“. Das fände ich cool.

  2. Kazairl sagt:

    Das Ganze ist mehr als nur kritisch zu betrachten. Ich kenne persönlich Künstler, die sich davor fürchten, in Zukunft keinen Job mehr zu haben weil KI generierte Kunstwerke sie ersetzen könnten, Ich bin selbst in Communities unterwegs, die KI generierte Kunst verboten haben, weil sie den Künstlern Vorrang geben und tendiere auch dazu, dass KI generierte Kunst zumindest streng reglementiert werden sollte.

    • Klapowski sagt:

      Kann ich total gut verstehen. Wäre ich Künstler, ich wohl würde tatsächlich Petitionen unterschreiben, mich an die Politik wenden, KI-Kunst-Nutzer auf Twitter beschimpfen und… nur zur Vorsicht schon mal schauen, wo man seine abgebrochene Bankerlehre nachholen kann. – Wobei mein Bankberater auch seit Jahren KI-gesteuert zu sein scheint.

      „dass KI generierte Kunst zumindest streng reglementiert werden sollte.“

      Ich finde das derartig schwierig, dass ich mich nicht mal traue, dies ansatzweise zu fordern. Was heißt „reglementiert“? Darf man daran nicht forschen? Schwierig, weil das Feld so groß und wichtig ist – und so gut geeignet, Bilderkennung und Abstraktion zu trainieren.
      Und die „Freiheit der Forschung“ gibt es ja auch noch.

      Oder darf man es erforschen, aber nicht BENUTZEN? Wenn es so käme, wer sollte das kontrollieren? Gibt es dann Razzien in Zeitschriftenverlagen, ob das neue Cover wirklich von einem realen Künstler gestaltet wurde? Wird die Software dann nur auf Uni-Campus geteilt, aber nicht mit der Industrie? (Worüber sich die meisten Firmen eh kaputtlachen werden)

      Vorstellbar wäre auch die Einführung einer Art „Biosiegel“, wie in der Lebensmittelindustrie. „Legebatterie“ wäre dann halt ein KI-Bildchen, während „Freilandauslauf“ dann echte Künstler bezeichnet. Wobei die Nachweisbarkeit dann immer noch schwierig bleibt. Ebenso wie Mischformen.

      Antworten
    • Kazairl sagt:

      In der Tat wäre eine Reglementierung schwierig, aber Politik findet immer Wege, alles zu reglementieren. Ich könnte mir Folgendes vorstellen: Man könnte ein KI Kunstwerk mit Blockchain kombinieren wie es bei NFTs geschieht. Im Endeffekt wäre dann im Code des Kunstwerkes lesbar ob ein realer Künstler dahintersteckt oder nicht. Wäre natürlich nicht zu 100 Prozent narrensicher, aber dann wäre die Technologie endlich mal zu was anderem nützlich als sinnlos Geld zu vermehren.

      Antworten
    • Statrick Pewart sagt:

      Wozu Reglementierung? Viele Berufe wurden durch Fortschritt und Technologie irgendwann obsolet – und wenn es eines Tages den Künstler oder Teilbereiche der Kunst erwischt, weil eben Maschinen auch das mittlerweile besser oder effizienter können als der Mensch – nun, dann ist das eben so.

      Warum sollte man den Bildermaler besser stellen als den Buchdrucker? etc. etc.

      Wenn mir ein Bild gefällt ist mir die Herkunft des Bildes doch egal.

      Antworten
  3. VerwirrterTurnschuh sagt:

    Seit keine Menschen daran beteiligt sind, interessieren sich plötzlich alle für surreale Gemäldemalerei. Davor wars ja nicht so der Renner, oder?

    Derzeit hat es noch die Faszination von Deep Fake: Können Computer Bilder erzeugen, die aussehen wie echte Menschen – oder wie von echten Künstlern? Immerhin steht das „Echte“ im Mittelpunkt, das „Zutiefst-Menschliche“. Der unperfekte Pinselstrich ist wieder schick. Irgendwie tröstlich, denn es zeigt, wonach wir lechzen. Wir wollen es halt billig und schnell haben, also tut es auch eine Simulation.

    Gemalte Filmplakate, wenn auch nur künstlich künstlerisch, wären fast schon wieder ein Schritt in die von mir bevorzugte Richtung, weg von den Photoshopattacken der letzten Jahrzehnte. Schafft es die „KI“ (ich glaube, streng genommen kann man nicht von „künstlicher Intelligenz“ sprechen bei diesen Programmen), computeranimierte Filme wie echten Zeichentrick aussehen zu lassen? Ästhetik von letzterem fehlt mir nämlich auch. Dann wäre vielleicht auch Disneys Pinocchio-Remake nicht soo ein Reinfall geworden. Oder etwa doch auch? Dass wir alle lieber Star Trek von einer „KI“ generiert sehen würden als von Kurtzman & JJ, wurde ja schon festgestellt.

    Andererseits: Mich beginnt dieses „KI-Kunst-Gepansche“, das mir seit Wochen in jede Timeline gespült wird, schon zu nerven. Wie die Masken-Filter am Smartphone der (Enkel)Kinder; wie die Kalendersinnsprüche mit Stockfoto. Die Grenzen zur wahren Kunst könnten im Bio-Hirn schneller gezogen werden, als man als „KI“-gekitzelter Mensch so denkt.

  4. jako sagt:

    Mal sehen wo das ganze in ein paar Monaten steht und in ein paar Jahren erst.
    In den Startlöchern stehen schon:
    – Text zu 3D Modell
    – Text zu Animation

    Zurzeit ist es ja noch so, dass realistischer wirkende Bilder eindeutig zu erkennen sind. Finger sind z.B. so ein Detail, an dem sich KI noch die Zähne ausbeißt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit…

    Aber es gibt einige Sachen, die kann KI gar nicht ersetzen. Die Freude daran, selber ein Bild zu malen, eine Idee zu haben, diese umzusetzen, sie wieder zu verändern… Und das wissen auch viele Menschen zu schätzen.

    Es ist schon was anderes ein Bild im Zimmer zu haben, von dem ich weiß, wer es gemalt hat und das mit so vielen Nuancen verfeinert wurde, die eine bestimmte Person erdacht hat.

    Für bestimmte Anwendungsbereiche ist all das ein segen. Texturierung, prototyping, tweening… Aufgaben die einfach anstrengend und zeitaufwändig sind. Da müssen sich viele Leute umstellen und werden ihre Jobs verlieren. Aber es werden auch viele neue Jobs entstehen.

    Eine Herr der Ringe: Trilogie in ihrer ganzen Komplexität wird sich wahrscheinlich auch in 10 Jahren nicht einfach durch KI erstellen lassen. Aber die Schlachtszenen werden einfach zu realisieren sein.

    Es muss nur jemand am Ende stehen und in der Lage sein, den Mist auszusortieren.

  5. G.G.Hoffmann sagt:

    Wer erinnert sich nicht an den Aufstand der Tischler gegen IKEA? An den Marsch der Fotografen auf Smartphone-Fabriken? An wütende VW-Arbeiter, die gegen Robotor protestierten („Als ob der eine Beifahrertür so liebevoll tragen könnte wie ich!“)?

    Das Kino hat das Theater nicht obsolet gemacht, der Fernseher nicht das Kino, Streamingdienste nicht das lineare Fernsehen. Kein Sänger hat seinen Job durch die Schallplatte verloren, kein Kreativer durch YouTube und Tiktok gelitten. Im Gegenteil. Viele neue Entwicklungen haben Kreativität gefördert und den „Markt“ für eine Vielzahl von Menschen geöffnet.

    KI kann keine Kirchen oder Hauswände bemalen, keinen Pinsel schwingen. Der Mensch misst handwerklichen und künstlerischen Werken eine viel größere Bedeutung zu. Ein IKEA-Schrank mag praktischer sein als einer aus dem 18. Jahrhundert. Im Zweifel zahlt man für letzteren aber ein Vielfaches. Das Gemälde „Salvator Mundi“ wurde im 20. Jahrhundert für ein paar Kröten veräußert und 2017 als mutmaßliches Werk Leonardo da Vincis für 450 Mio. USD versteigert. Genauso kann der Preis wieder ins Bodenlose fallen, wenn die Zweifel an seiner Herkunft lauter werden. Der Mensch hat ein irrationales Verhältnis zu Kunst und Kultur. Die Konstantinbasilika in Trier wird als größter und besterhaltendster römischer Bau gefeiert, obwohl im Laufe der Jahrhunderte vielfach zerstört und umgebaut, so dass nur noch wenige Ziegelsteinreste der Apsis und der Westwand römischen Ursprungs sind: ein paar Backsteine, die Maurer (nicht mal Abi!!!) vor 1.700 Jahren gelangweilt aufeinander gestapelt haben. Weltkulturerbe!

    Bin da ganz entspannt, was „Kunst“ aus dem Computer anbelangt.

    • jako sagt:

      Naja…. KI wird eben doch Hauswände bemalen können. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann werden Pinselroboter verkauft, die generierte Bilder perfektioniert malen können werden.

      Antworten
    • G.G.Hoffmann sagt:

      Und trotzdem wird es für die Menschen nicht den gleichen Wert haben. Wenn ich meiner Omma ein Motiv aus dem Quelle-Katalog ausgeschnitten habe, hat sie sich auch nicht so gefreut als wenn ich mich selbst stundenlang hingesetzt und etwas gemalt habe.

      Auch selbstgeschriebene Dankworte kommen irgendwie besser als eine gedruckte Karte. Die Menschen schätzen es, wenn sich jemand Mühe gibt und Wertschätzung zeigt. Niemand interessiert sich (ernsthaft) für ein Bild, das mit drei Befehlen von einer KI dahingerotzt wurde. Hübsch anzusehen, vielleicht. Aber ohne materiellen und ideellen Wert.

      Nach wie vor bewundern wir in Filmen „praktische Effekte“, echte Kulissen, echte Stunts. Ein Stuntman, der fünf Meter tief fällt, ist allemal interessanter als ein CGI-Hulk, der 50 Meter hoch „springt“.

      Wer eine realistische Bleistiftzeichnung eines Gesichts hinbekommt, hat die Bewunderung seiner Mitmenschen. Wer das gleiche Gesicht per App zur Bleistiftzeichnung macht und herumschickt, erhält bestenfalls einen genervten Like.

      Antworten
  6. DasNarf sagt:

    Kunst ist die Darstellung von Beziehungen.

    Im Wesentlichen sind dies zwei:

    1. Die Beziehung des Künstlers zu seinem Werk (Was ist sein Motiv? Welche Einflüsse wirken auf den Künstler (Zeitgeist, künstlerische Strömungen, Biographie)? Was will er ausdrücken? Welche darstellerischen Mittel wählte er (Material, Technik)?)

    2. Die Beziehung des Betrachters zum Werk (Interpretation, Kritik, Geschmack)

    Bei KI-Kunst (sofern man das überhaupt so nennen darf, denn eine bewusste Intelligenz fehlt) fällt Punkt 1 fast komplett weg. Übrig bleibt lediglich der Einfluss des Programmierers, der festgelegt hat, durch welche Filter das Programm läuft, und die Vorgabe thematischer Variablen durch den Benutzer.

    Weiter gedacht könnte man die KI auch einfach als Werkzeug betrachten, wie einen Pinsel, ein Grafiktablett oder Hammer & Meißel, nur dass dieses Werkzeug autonom arbeitet und sogar den „Kreativprozess“ übernommen hat.

    Ob das nun gut oder schlecht ist? Ich weiß nicht, ob man das so einfach beurteilen kann. Den meisten Menschen dürfte das ohnehin egal sein, da sie Kunst vor allem als Unterhaltungselement und damit reines Konsumprodukt sehen. Genau genommen haben wir es mit heutiger, populärer Kunst ohnehin selten mit Kunsthandwerk zu tun, und immer häufiger mit Kunstgewerbe, dessen primäres Ziel in der Massenproduktion liegt. Eine Gefahr für „klassische oder legitime Kunst“ sehe ich da (noch) nicht, da diese ohnehin nur von einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse konsumiert wird (s. Bourdieu, Die feinen Unterschiede).

    Und nicht zuletzt bleibt die Frage im Raum, ob die Deutung des bisherigen Kunstbegriffes und seine Unterteilung in in „populären und legitimen Geschmack“ anhand gesellschaftlichen Standes nicht ohnehin ein Relikt alter Zeiten ist.

  7. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Schaff der Künstler die Kunst, oder schafft die Kunst den Künstler.
    Diese ernsthalt gestellte Frage über einem 2 Seiten Essay über Kunst nud Künstler im Bösner Katalog hat mich echt 5 Minuten beschäftigt.

    Schafft KI Kunst , oder nur etwas, dass so aussieht? Die nächsten Jahre werden es zeigen.
    Hat nicht vor kurzem eine KI eine Bach/Bethoven Oper vollendet? Laut Experten war das ganz O.K.

    Ich spreche , bis jetzt, der KI Kreativität ab,
    aber das kann noch kommen. Genauso wie Skynet Bewusstsein erlangt, oder eben nicht.

    JJ Trek hat mich schon so begeistert, wie das KurtzTrek mich eher entgeistert hat. Mit AUsnahme von LD, denn das ist echt O.K.

    Zurück zur Kunst
    Ich sehe das wie GGH
    Man darf (ge)(b)espannt sein und abwarten was daraus wird.

    Gruss BergH

  8. Hayos sagt:

    Kurz zu mir: Ich verdiene meine Brötchen mit Zeichnen, Concept Art, Storyboard, Animationen und dergleichen.

    Habe auch schon sehr KI früh ausprobiert als es noch SEHR weird aussah. Aber schon da war es manchmal eine nette Basis zum drüberzeichnen, wenn man am schnellen Brainstormen und Konzepten war.

    Bin nun auch schon eine Weile in der Beta von Dall-E 2…und jetzt ist es eine Mischung aus Angst und den kreativen Möglichkeiten die es bietet :D Am Ende kann man es aber eh nicht aufhalten (Pferde vs. Auto).

    Ich persönlich bin aber in der komfortablen Situation, dass ich vor Ort live recht schnell zeichnen kann, das kann die KI noch nicht, die Robotik wird da noch eine Weile brauchen. Also. Glaube ich.

    >> Wird es in 10 Jahren vielleicht ganze bewegte Actionsequenzen geben, in denen der KI-Künstler einfach vorgibt: „Spiderman schwingt sich durch Atlantis und weicht einem Schlag von Hulk aus?“ <<

    ..eher in 4 Jahren :D Die Entwicklung geht gerade rasend schnell und eine Menge Teams sind da am Forschen.

    https://www.slashcam.de/news/single/Mit-neuer-Google-KI-in-Photos-von-Landschaften-hin-17514.html

    Ansonsten @ Zukunftia & Leser: Probiert mal "Stable Diffusion" aus, das ist die Open-Source Alternative zu Dall-E 2, kann man Zuhause am Rechner offline berechnen lassen (Nvidia-Karte vorausgesetzt). Qualitativ sehr nah an Dall-E 2 + dass dort auch Sachen wie Nudity, Zombiekram & Promis funktionieren. Habe ich gehört.

    Download:
    https://github.com/cmdr2/stable-diffusion-ui/

    Oder hier auch vor free online mit etwas kleinerem Funktionsumfang:
    https://www.mage.space/

    Viel Spass, denn wie gesagt, der Zug lässt sich eh nicht mehr aufhalten.

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