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„Star Trek – Lower Decks“ – 3.06. – „Hear All, Trust Nothing“- Kritik

, „Star Trek – Lower Decks“ – 3.06. – „Hear All, Trust Nothing“- Kritik

Mit alten Franchise-Elementen kann man sich heute viel MEHR zusammenstricken als eine veritable Hater-Karriere: In dem seeehr fein umrissenen Segment des Anarcho-Zeichentricks (im Rick/Morty-Stil) für 40- bis 50-Jährige (im Alter von 16 Jahren) profitiert eine Episode besonders von Verweisen auf Früher! Und gerade das ist hier gut gelungen. Und ich bin mir sicher, dass man im Hintergrund bereits an weiteren Modellen rendert (Voyager schon fertig?), um diese Erfolgsgeschichte bei 44-jährigen Hobbykritikern in deutschen Mietwohnungen weiter voranzutreiben!


Okay, DAS war ja mal ein Gutfinden mit Ansage.

Dass wir hier nicht im Wertungskeller die Wasserleitungen stopfen würden, war mir schon klar, als ich die Textzusammenfassung auf „Amazon Prime“ sah: „Auf der Raumstation DS9…“

Da konnte man sich sicher sein, dass die Autoren mit halbwegs gelungenem Mental-Schluckauf beim Drehbuchanarchisieren bereits einen Haufen graubärtiger Altfans abholen würden. PLUS natürlich zahlreiche Frauen in der Menopause (wir sind ja keine sexistischen Ausgrenzer).

Wir sehen hier immerhin das erste Mal eine halbwegs Kanon-kompatible Darstellung der Station – und zudem ein SEHR schönes Rendermodell des Weltraumkreisels. Das ist den Machern auch sehr wohl bekannt, man die Cerritos einfach „immer weiter kreisen“ lassen, während der alte Soundtrack (mehrfach) anläuft.

Früher hätte ich das ja etwas arm gefunden, aber seitdem man beim Kurtzman nur noch die abgewandelten Tschernobyl-Mutationen einstiger Schiffe sieht, kann ich damit leben, bei offiziellen(!) Franchisenehmern kurz einen Stehlen Seelenverwandten erblickt zu haben.

(Der Spruch mit dem „Ihr freut euch auf ein Franchise-Lokal? Ihr seid solche Touris!“ war da durchaus selbstironisch gemeint?)

, „Star Trek – Lower Decks“ – 3.06. – „Hear All, Trust Nothing“- Kritik

„Endlich sind wir da! Beim absoluten Geheimtipp des Trek-Franchises!“ – „Echt? Captain Archers erstes Warpschiff hatte ich mir größer vorgestellt.“ – Selten sah DS9 besser aus. Okay, vielleicht nur diese eine Mal, als die Klingonenschiffe sich am rechten Pylon materialisierten? Als Odo diesen grünen Pullunder trug?

Kritisieren könnte man natürlich, dass die Gags wieder mal auf das Offensichtliche anspielen – und selten tiefer blicken: DS9 ist halt „berühmt“, „cool“, „verwegen“, „gefährlich“.

Und das wird dann auch ständig gesagt, damit auch jeder Volltrottel, der bereits beim Simpsons-Touring-Test durchgefallen ist („Ich-sehe-da-keine-Ironie. Bitte erklären, Biep.“), mental mitkommt.

Supertoll ist es aber schon, wie man das Innere der Station nachgebaut hat, dass Kira in der deutschen Synchro ihre alte Stimme hat (null verändert!), die Gamma-Quadrant-Aliens immer noch auf kleinliches Geschäftemachen aus sind (irgendwie wirkten die damals alle wie Ferengies? Oder Kurtzmans himmlisches Elysium?) oder so Kleinigkeiten wie Lichtstimmung.

Ein wenig nervt es aber schon, wenn auch nach der Hälfte der Folge ständig alles „COOL“ sein soll: Der seltene Orioner, das Glücksspiel, die Quartiers-Partyspiele… Die Serie TUT nicht mal so, als wenn die Charaktere andere Ziele hätten, als auf K(n)opfdruck eine Sprechblase wie ein 16-jähriger Autist rauszudrücken. („Wow! Modelleisenbahn! Und der Klebstoff klebt sogar die Klebstoff-Flächen zusammen!!“)

Dieses erfolgsverwöhnte Selbstabfeiern kann man ja gerne den Marvel-Zeugs überlassen („Was, du bist DER Thor?!“), aber bei einer Trek-Satire erwarte ich etwas mehr, als sich satirisch über den Kultfaktor lustig(?) zu machen, indem man ihn eigentlich nur mit Einhorn-Textmarkern unterstreicht.

Und Glitter draufschmiert.

, „Star Trek – Lower Decks“ – 3.06. – „Hear All, Trust Nothing“- Kritik

„Worüber wollten wir doch gleich verhandeln?“ – „Selbstdichtende Thula-Beeren, Weib!“ – Versteht ihr?! Selbstdichtende Schaftbolzen! Thula-Beeren! Kombiniert! Komme ich jetzt ins Writing-Team? … Wie? … Was soll das heißen, „zu intelligenter Humor“?

Am Ende ist es aber immer am interessantesten, welche Mini-Story sich aus all den Sprüchen ergibt. Eben dieser kleine Moment zwischen „Alles so cool hier!“ und „WIR waren so cool hier!“…

Der Augenblick zwischen Franchise-Fummeltrine und Gewaltsamer Auflösung des Episodenproblems. Minute 15 bis 22, um exakt zu sein.

Und auch das war… okay. Quarks Entführung hat deutlich über zehn Augenzwinkerer gedauert – und wird daher knapp in meinem Langzeitgedächtnis landen. Und der Twist, dass der angeberische Orioner gar nichts drauf hat, war plump, aber immerhin vorhanden.


Fazit:

Wenn man ehrlich ist, hätte man hier deutlich MEHR rausholen können. Die bajoranische Religion hätte mich mehr interessiert (replizieren die ihre Kirchensteuer z.B. selbst?) als eine Kerzenparty bei den Crew-Mädels.

Und die Story um den „besonderen“ Likör-Replikator, für den die Leute auch GELD bezahlen, hätte ich gerne mehr ausgeschmückt gesehen. Ich warte schließlich seit über 23 Jahren darauf, dass das mal erklärt wird!

Und Kira hätte ruhig irgendwas Spaßiges sagen dürfen – z.B. einen Haferbreifleck mit „Odo?!“ ansprechen?

Wie das hier auf jemanden wirkt, der DS9 gar nicht kennt, kann ich mir schwerlich vorstellen. Da bleibt es vermutlich bei einer durchschnittlichen Episode mit den üblichen Einzelteilen à la „Versuch nicht cool zu sein, wenn du es schon BIST!“…

Unabhängig davon finde ich aber, dass hier eine DOPPELfolge toll gewesen wäre! Mehr Zeit für spaßige Zeitverschwendung UND noch was Politisch-Cardassianisches dazu?

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 02.10.22 in Star Trek: Lower Decks

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Kommentare (10)

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  1. Kazairl sagt:

    Immer noch die beste Kurtzman-Serie da draußen (wobei ich Progidy noch nicht gesehen habe), sie sollten die Verantwortung endlich an den LD-Serienmacher übergeben, der scheint ein echter Fan zu sein.

  2. Agentbauer sagt:

    Da gab es mal einen Seth MacFarlane, ich glaube der hat da was annehmbares hinbekommen ;)

    • Kazairl sagt:

      Stimmt, ihn hatte ich ganz vergessen, ist weit gekommen von Kack und Furzhumor von Family Guy hin zu spielfilmlanger Scifi von höchster Qualität.

      Antworten
  3. bergh60 sagt:

    tach auch !

    @FrankMich klegst Du nicht hinein.
    Ich werde ncht Seth McFahrenlassen und The Orville nenen. ;-)

    Ich kenne DS9 nihct(gut). Bin irgendwo in Season 2 oder 3 ausgestiegen, weil
    zuviel Religion und Gesandte Gelehrte oder umgekehrt.
    Trotzdem fand ich den Einstig mit der DS9 Melodei zum Wiehern und der Rest wr auch sehr amüsant.
    Quark war Quark, Kira war Kira , nur schlanker und der rest war auch gut.

    Gruß BergH

  4. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Hallo Frank :
    Zusammenfassung 3.07
    Rückblick auf alte Folge
    Erdnüsse Bespringer
    Zisch
    Krähhh
    Bums
    Beiss
    Bums
    Beam
    Tractorbeam
    Beam
    Phaser
    Phaser
    Photonetorpedo
    Phaser
    Rums
    Bums
    Friede
    Freude
    Gefängnis

    Gruß BergH

    Hevorzuheben wäre der Existenzialistische Ansatz, des Seiensim Seien des Seienden und der fehlende Nihilismus.
    Das war ganz kleines Kino, aber großes Tennis.

  5. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Was erwartest Du von einem Robot der im Original
    Erdnuss-Bespringer heisst ?

    Ich fand die Folge auch eher so la la, mal sehen wie Klapowski das sieht.

    Gruß BergH

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