Das ernsthafte Medienmagazin

Free Burma! – Eine nur FAST satirische Sichtweise.

Dass wehrlose Mönche zusammengetrieben, umgebracht und gefoltert werden, macht mich stinkig. Es macht mich sogar regelrecht wütend! Nach einigen Berichten wurden etliche Tausend Mönche und viele andere Bürger zusammengetrieben, auf Lastwagen verladen und im Dschungel erschossen.

Auch, wenn viele Medien sich diesbezüglich zurückhaltend äußern, da die Beweise noch fehlen, scheint dies nicht sehr abwegig zu sein. Hier neige ich sogar mehr dazu, der allseits beliebten BILD-Zeitung zu glauben (= „Alle tot! Waaaah!“), als den doch recht vorsichtigen Medien, die sich – mathematisch sicherlich richtig, inhaltlich jedoch etwas seltsam klingend – auf den Satz versteifen: „Laut Junta gibt es 9 Tote, in Wirklichkeit könnten es aber auch viel mehr sein…“ – Ja, wie viele sind es denn dann „mehr“? 12? 13?

Leicht seltsam, wenn die größte humanitäre Katastrophe der letzten Zeit in manchen Medien auf das Level eines Busunglücks heruntergekocht wird…

Im gestrigen SPIEGEL spricht der Burma-Experte im Interview sogar noch davon, dass die Gefahr für die Mönche nicht soooo groß sei, denn: „Auf Buddha schießt man nicht!“ – Pustekuchen! Wenn mich die Weltgeschichte etwas gelehrt hat, dann, dass man auf alles schießen kann: Auf Juden, Christen, Moslems, Priester, Kinder, Gehkranke und Heilige. Vom ballistischen Standpunkt her alles überhaupt kein Problem! – Und das ist das Traurige: Schlimm genug, dass das Leben nicht als heilig genug geachtet wird, als dass man diese ständige Morderei mal endlich zur vergangenen Fußnote der Geschichte erklären könnte, nein: Es gibt kein abgebrühtes Militärregime, das nicht auch auf einbeinige Kleinkinder (weiblich) ballern würden, selbst wenn diese bereits 60 Jahre Nonne gewesen wären.

So unschuldig und hilflos kann man gar nicht sein, als dass einem Diktator seine Restmenschlichkeit reaktiviert und ihm vor Schreck der Kaviar vom Brot fallen würde! Grausam! Traurig! Scheiße ist’s!

burma1.jpg

Ob dieses Bild wirklich ECHT ist, ist nicht bekannt. Was für mich aber auch keine große Rolle spielt, denn dass irgendwo in Burma gefolterte Todesopfer mit dem Gesicht nach unten liegen, ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche.

Nun heißt es ja, dass das Internet (also die Öffentlichkeit ) in dieser Geschichte eine Waffe sei. Daher habe die Junta auch die Internetzugange gekappt und „freundliche Warnschüsse“ auf die Brustregion von Menschen abgegeben, die sich in Birma auf der Straße mit einer Kamera erwischen ließen. Man will als Militärregimer ja nicht, dass ausgeräucherte Kloster plötzlich bei Youtube zwischen tollpatschigen Hunden und herumalbernden Karaoke-Kids zu sehen sind…

Wobei MIR als Nutzer und Befüller des Internets nicht ganz klar ist, was ich tun könnte. Ob mit Gräuel-Bildern oder ohne: Interessiert es die Militärregierung, wenn ein paar Tausend (oder Millionen) wie ich aus ihren Wohnzimmern in Baden-Baden ein lautes „Pfui!“ in ihre Blogs rotzen? Ich würde meine Webseite sofort rot anmalen (öh?) und „Free Burma“ in jede Ecke malen, wenn ich Grund zu der Annahme hätte, dass man dadurch etwas ändern könnte. Natürlich freue ich mich auf die internationale Aktion am 4. Oktober, bei dem alle Blogger diesen einprägsamen Satz auf ihre Webseite schreiben sollen. Ist ja auch besser als nix, wenn auch nicht viel besser.

Denn dass das Internet noch immer nicht die Macht hat, wahres Unrecht zu verhindern, ist traurig und schränkt den viel beschworenen Mitmach-Charakter dieser Technik erheblich ein. – Man kann mit gut geplanten Aktionen zwar Konzerne in große Probleme bringen („Siemens ist doof, weitersagen!“), demokratisch gewählten Politikern zusetzen (wie dieser Amerikaner, der schwule Schwulenhasser der Republikaner zwangsoutet; Einen Link habe ich gerade nicht da) und den Lifestyle erheblich mitbestimmen, aber: Eine Terrorregierung, die sich einfach Geldscheine in die Ohren stopft und dabei so lange laut singt, bis der offizielle Protest vorbei ist, kann man wohl nur schwerlich schocken… Zumal alle Sanktionen meist eh nur das Volk treffen.

Viel mehr Hoffnungen hege ich da in Bezug auf die „moralischen Selbstheilungskräfte“ im Lande selber. NOCH latschen die Soldaten noch barfuß durch die von ihnen besetzten Kloster, um den heiligen Ort wenigstens hornhauttechnisch noch irgendwie zu ehren. Aber vielleicht kommt dieser Widerspruch, der im letzten Satz für uns offensichtlich ist, ja auch in den Köpfen des dortigen Militärs an. Denn was dort veranstaltet wird, wäre in etwa so, als müsste unsere Bundeswehr alle Kirchen abriegeln und Priester, Pfarrer und Ministranten in den Keller sperren.

burma3.jpg

Nett gemeint, bringt aber wohl leider nichts: fett gedruckte Appelle auf roten Pappen (hier vor der Burma-Botschaft in den USA). Trotzdem ist lauter Protest an allen Fronten das mindeste, was man tun kann. Leider dürften Aufforderungen wie „Kauft keine Autos aus Burma“ eher wenig bringen…

Da kann man nur die leise Hoffnung hegen, dass auch weiterhin der eine oder andere Militärarsch lieber desertiert und der übrigen Welt Bericht erstattet, als stur den Laster mit den nächsten Exekutionsopfern beim Fahren auf der Landstraße zu halten.

Der Buddhismus ist eine Religion der Gewaltlosigkeit (und im Gegensatz zu den anderen mystischen Hobbyschlachtern hat diese Glaubensrichtung diesen Titel ausnahmsweise wirklich verdient!) und wenn die Soldaten auch nur einigermaßen Angst davor haben, im nächsten Leben als sehkranke Amöbe wiedergeboren zu werden, ist hoffentlich noch eine Umkehr möglich. Will sagen: Massenaufstand beim Militär, So viele Deserteure, dass es auch für die restlichen zum „Davonlaufen“ ist und Oberbefehlshaber, die einfach nicht mehr mitspielen.

Von den Vereinten Nationen oder gar den USA an sich ist wenig zu erwarten, da die Erdölvorkommen in Burma wohl trotz allgemeinen Rohstoffreichtums im Land nicht gerade die „Kosten-Nutzen“-Grenze überspringen…

ICH zumindest hoffe lieber auf hübsch-hässliche Schuldalpträume bei allen bewaffneten Kriegstreibern in Burma, als auf den wundersamen Effekt von ein paar Bloggern, die sich ein hübsches „Free Burma“ aus ein wenig Html basteln können.

Aber, nur für den Fall, dass es doch etwas bringen sollte:

„FREE BURMA!“

Meine Stimme habt ihr…


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Artikel

von Klapowski am 02.10.07 in All-Gemeines

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Kommentare (4)

  1. Kaum zu glauben sagt:

    Ich hatte schon Angst hier irgendwelche dummen Witze über diese doch sehr ernste Angelegenheit zu lesen.
    Schön das dies nicht der Fall ist.

    Sehr guter Artikel, leider zu wahr.

  2. PinkPüppi sagt:

    Einer der besten Artikel die ich in der Blogosphäre die letzten Tage zu diesem Thema gelesen habe…. und auch ich bin der Meinung, sollte es helfen tu ich es, ob es das tut weiß man nicht. Aber schon allein das sich sehr viele Blogger und Menschen darüber Gedanken machen empfinde ich als positiv ;)

  3. - sagt:

    „…die größte humanitäre Katastrophe der letzten Zeit…“

    War das dass Fünkchen Satire in dem Text?

  4. Dam dam sagt:

    Ganz ehrlich :
    EInen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan (vielleicht auch im Kosovo) vehement ablehnen und gleichzeitig phöööse totalitäre Systeme, wie eben dieses in Burma, kritisieren.
    Wie haben denn die Taliban regiert, die versuchen das Land wieder unter Kontrolle zu bekommen?
    Wer schützt die Afghanen zur Zeit davor? Wer hilft Ihnen beim Aufbau?

    Langsam wird diese Seite wirklich zu einer Satire-Seite. Ganz ehrlich.

    —–

    BILDblog
    N24 (XD)
    und Spiegel.

    Das sind die Richtigen. Mit Ausnahme des Ersteren. DAS, lieber Zynika, ist Satire vom feinsten. Selten so gelacht.

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