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„Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

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Langsam wird’s albern. – Wenn DAS hier eine Trek-Serie sein soll, dann kann man auch Jo Gerner aus GZSZ in den „Tatort“ verfrachten und das Ganze „Stargate“ nennen. Anders gesagt: Mit Markenpflege hat „Prodigy“ nur was zu tun, wenn man der Marke „Star Trek“ neben diesen Auswüchsen noch eine Maniküre verpasst. Aber… Ist dieses Werk auf seine Art trotzdem gelungen? Sparkiller und ich sind zur Klärung dieser Frage aus dem Gitterbettchen gestiegen.


 
Wir wollen offen sein. Es aus der Sichtweise der jungen Zielgruppe betrachten. Es als allgemeine SF-Serie sehen. An die Verbesserungen bei „Lower Decks“ denken. Der Serie Zeit lassen. Den Atem fließen lassen. Die letzten 55 Jahre verdrängen. Nicht mehr Star-Wars-Vergleiche als nötig (= trotzdem viele?) anstellen.

Puh, ganz schön viele Hirnverrenkungen und Hirn-Bungee-Sprünge, die man für dieses Review leisten muss.

Der erste Schock kommt nach ein paar Minuten, wenn man bereits 15 Minuten herum hat. Dann bleiben nämlich immer noch 30(!) übrig! Nein, hier gibt es keinen 20-Minuten-Trickfilm-Spaß wie bei „Lower Decks“! Denn das kindgerechte neue Star Trek kommt (gefühlt) in doppelter Spielfilmlänge. Zumal man wegen der hektischen Erzählweise auch Stoff für DREI Spielfilme bekäme.

Kann ein ausgeschlachtetes Franchise trotzdem sympathische Momente liefern? Sind nicht in jedem verschrotteten Computerchip ein paar Gold- und Platin-Stücke? Anders gefragt: Gibt es erwachsene Fans, die sich die starken Momente (ein paar sehen wir hier!) tatsächlich aus dem Abfalleimer im Paramount/CBS-Vorgarten kramen wollen?

Atmen… Aaaatmen. Es ist die Pilotepisode. Das trekkige Raumschiff startet ja erst am Ende. Man darf kein Hater sein. Man darf nicht zu viel kritisieren. Man darf der zweiten Episode nicht vorgreifen. Man darf das Medium der Animationsserie nicht vergessen. – Man darf nicht dies, man darf nicht jenes.

Tja, „Prodigy“ ist die seriengewordene Verbotspartei für den Geist.

Zum Inhalt… Der Fortnite-Hauptcharakter im 90er-Jahre-Coolness-Style wird rumgeschubst. – Er muss in den Minen geknechtet werden, aber gleichzeitig eine große Klappe haben. Er muss wendig und schnell sein, aber neben den massiven Mitstreiten wie ein Hänfling aussehen. Er muss typische Trick-Film-Logik ertragen (= viel zu schnell abbremsender Fahrstuhl), aber trotzdem Angst vor jedem herab fallenden Felsen bekommen.

Eben das Rundum-Sorgenfalten-Paket für den RTL-Vormittag am Samstag.

Und trotzdem kann ich diesen Serienversuch durchaus wertschätzen. Denn trotz des plumpen Beginns im Steineklopper-Land (gibt es nicht mal weniger klischeehafte Zwangsarbeiten?) scheint immer wieder eine gewisse Selbst- und Fremdliebe bei den Charakteren durch. „Prodigy“ wirkt dadurch sogar weniger zynisch als „Picard“, „Discovery“ oder „Lower Decks“.

Zwar will man in dieser Welt nicht versklavt werden, würde aber durchaus mit guten Freunden im hier gefundenen Schiff umherreisen.

Und ja: Es ist klar, dass ich nicht die Zielgruppe darstelle. Zu wenig Propellerhut, zu viel Haarausfall. Konnte ich bei „Lower Decks“ noch oberflächlich mitfiebern/schmunzeln, so ist hier ein Punkt erreicht, wo ich aus dem Review-Reigen aussteige. Und das, obwohl die Episode in der zweiten Hälfte wirklich … rund wirkt.

, „Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

„Captain, wir haben die Pastellfarben-Partikelwerfer aktiviert! In 10 Minuten werden wir alle in ein Van-Gogh-Sonnenblumen-Gemälde umgewandelt.“ – Warmes Wichtel-Licht: Trotz der Gefahren schenkt uns die Serie warme Farbtöne. Das hilft tatsächlich sehr. In so einer Umgebung hätte Beckett Mariner unseren Boimler bestimmt seltener in den Schwitzkasten genommen?

Ja, man merkt erneut, dass alle „eingekauften“ Serienmacher besser als Kurtzmans Teams arbeiten. Hier stellt sich nicht so sehr die Frage, OB die Macher ihr Handwerk beherrschen, sondern nur, ob man genau DIESE Dienstleistung jetzt in den Gelben Seiten heraussuchen würde.

Und trotzdem ist dies keine dieser Serien, die ich als Erwachsener lange gucken kann. Egal, ob es unter dem Label „Star Trek“, „Star Wars“ oder „Wars das endlich?“ läuft.

Falls es bei euch anders ist: Glückwunsch! So leicht würde ich auch gerne an körpereigenes LSD kommen…

Dass dieses Ding solide ist, ist schwierig einzusehen, weil Kurtzman & Konsorten seit Jahren eine Serie nach der anderen ankündigen – von der nicht EINE irgendwas in Richtung TNG/DS9/VOY darstellt. Somit hat es „Prodigy“ schon psychologisch schwer. Und das, obwohl die Figuren nach 25 Minuten noch mal deutlich ruhiger und sympathischer wirken. Hier sei vor allem der klotzige Felsentyp genannt, der eigentlich ein schlaues Kind ist. Hier dachte ich sogar kurz: „Ach, wie goldig!“

, „Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

„Sag mal… Sind zwei große Troll-Charaktere nicht einer zu viel?“ – „Sei mal nicht rassistisch. Wenn wir mehr kleine Menschlein hätten, wäre das übler. Die kann man nicht voneinander unterscheiden!“ – Gestöhnungssache: Obwohl ich Grafik und Charakterdesign nur so mittel finde, sehen die Standbilder irgendwie … schick aus?

Somit tue ich mich schwer, hierunter ein Fazit zu schreiben. Hier alle meine Gründe im praktischen Verzweiflungsmegapack:

– Die Optik ist für TV-Animationsgedöns gut, für mich zweckmäßig-okay. Aber für Kurtzman-Verhältnisse so konsistent, dass sie wieder superkrass-genial wirkt. Meine Endbewertung lautet daher: Zwei Heringfilets mit Kartoffelbrei.

– Die Charaktere sind klotzig, motzig, schrillig, gut und böse. Für Scooby-Snacks haben manche aber den falsch geformten Mund. Das selbstbewusste Mädel ist hübsch divers, dafür die „Jungs“ aber nicht. Bewertung daher: Drei übereinander gestapelte Kieselsteine.

– Sorry, ich muss den letzten Punkt verfeinern… Abgesehen vom kindgerechten Aussehen steckt hier durchaus Liebe drin. Gerade in der MITTE der Folge musste ich doch anerkennend nicken. Die Idee einer körperlosen Entität, die mit Hilfe eines schrottigen Roboters herumläuft, war echt gut. Allein das war trekkiger als alle Augen-Ausquetsch-Szenen der letzten drei Jahre!

– Die Musik kann man positiv erwähnen. Hier sind wir inzwischen an einem Qualitätspunkt, an dem Trek-Serien vor 20 Jahren nicht mithalten können. Ich würde sogar behaupten, dass das pathetische Geschrammel von Michael Giacchino (letzten drei Trek-Filme) wesentlich mehr am Franchise-Feeling vorbeischepperte.

– Janeways Hologramm hätte ich nicht gebraucht. Den Bösewicht hätte ich nicht gebraucht. Aber wenn wir SO anfangen, wird es irgendwann müßig. Im Ernst, wer braucht überhaupt noch neue Serien von … irgendwas?!

, „Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

„Nein, Mister Bösewicht, wir haben die Sklaven nicht absichtlich verjagt.“ – „Genau. Dafür bin ich eh viel zu niedlich, Miiiaaau!“ – Auch für die jungen Frauen unter den Kids geeignet: Man kann diese krampfhaft-breite Figurenaufstellung kritisieren. Am Ende gibt’s hier aber trotzdem 300% mehr heterosexuelle Männer als bei „Discovery“.

Der Schluss hat mich jedoch am meisten überrascht!

Für eine Trickserie war der Start des Raumschiffes (und der dauert eine Weile) absolut toll dargestellt, wobei ich die vorhergehenden Vorbereitungen und das „Umstimmen“ der Verwalterin (“Wolltest du nicht auch immer die Sterne sehen?“) fast noch stärker fand.

Ein paar der „Kameraeinstellungen“ waren sogar besser als alles, was ich jemals bei Discovery gesehen habe. Genannt seien hier nur die bösen Roboter, die dicht an der Heldin vorbeigehen, während sie traurig ins Leere schaut. Der Oberfiese schwebt ebenfalls vorbei, wobei wir sein Gesicht nicht sehen.

Bemerkenswert war auch, wie selbstverständlich die Figuren füreinander einstehen und Streit beigelegt wird. – Einfach, indem man sich nach zwei Sätzen wieder auf das Wesentliche konzentriert. Hier muss man sich nicht schämen, Sechsjährige vor der Serie abzusetzen… Sie sollten danach aber 12 Stunden mit einer Kamillentee-Infusion im Bett liegen, um wieder runterzukommen.

, „Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

Durch den Monsun: Zu epischer Orchester-Mucke erhebt sich das Sternenschiff unter einem gigantischen Wasserfall. Dieses Bild ist so stark, dass es fast in den „normalen“ Trek-Serien fehlt. Aber keine Sorge… Gerüchten zufolge soll es bei den Kurtzman-Serien 16 bis 19 eine geheime Gefahr in den Niagarafällen geben, die das ganze Universum bedroht!


Fazit:

Kritisieren kann man viel…

Wenig Star Trek-Gefühl, viel Kindergarten-Krimskrams, eine Prämisse zum Augenbrauen-Hochziehen und generell wenig Argumente, die auch Erwachsene ansprechen.

Doch trotzdem bleibt da ein Kern, der herzlich, hochwertig und freundlich rüberkommt.

Ja, zugegeben, man schneidet Star Trek derzeit alle Arme und Beine ab – und ersetzt sie gegen andere Gadgets.
Aber wenn diese arme Kreatur dann im Rollstuhl vor einem sitzt und einem berichtet, wie gerne sie FREI und inmitten der Sterne wäre… Tja. Ich weiß nicht. Da wird selbst der härtesten Kritikseele ganz warm ums Herz. Schnief.

Weitergucken mag ich trotzdem nicht. Aber: An der Serie liegt es nur halb.

Auch mal was Neues.

Wertung als Nickelodeon-Serie für Jüngere:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Wertung als Star Trek Serie:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Star Wars für die Kurtzen, „Star Trek – Prodigy“ – Kritik zu Episode 1.01

Hurra, endlich eine neue Trek-Serie! Sind tatsächlich schon wieder fünf Minuten rum?! Kinder, wie die Zeit vergeht.

Apropos Kinder, sind diese in Sachen Geschmack wiiirklich so einspurig, wie es uns das neue Star Trek Prodigy beweisen will?

Ist die bewährte Standard-Cartoon-Formel aus „Held mit großer Fresse“, „Augenrollendes Tough-Girl mit weicher Schale“, „Lustiger Fettsack“ und „Spaßiger Roboter“ wirklich so resistent gegen Abnutzung?

Gut, Prodigy setzt dieses olle Gerüst an Unterhaltung immerhin ganz kompetent um. Die Animation ist nicht umwerfend, aber okay. Die Story ist nicht neu, aber okay. Die Figuren sind kein Feuerwerk des Einfallsreichtums, aber okay. Alles ist einfach nur… okay.

Kann man ein neutrales „Hmm.“ als Gesamtwertung durchgehen lassen?

Wie schon bei „Lower Decks“ ist man nach dem Ansehen wenigstens nicht sauer auf die Macher. Es ist nicht aggressiv bescheuert, aber es bleibt halt dieser Nachgeschmack, das Ganze in einer nur wenig veränderten Form schon öfters gesehen zu haben.

Gerade in „Star Wars“-Form schwankt Prodigy in Sachen Stimmung und Flottigkeit hin und her zwischen der Sternensaga und bestenfalls den Abrams-Trekfilmen. Von Roddenberrys Geist ist jedenfalls nichts mehr zu spüren, da hilft auch der Auftritt von Captain Janeway als technologisches Schreckgespenst nicht weiter.

Der Bösewicht ist der typische Mann mit fieser Stimme nebst finsteren Gesellen und steht somit auf einer Stufe mit den Marvel-Filmen.

Star Wars. Marvel. DreamWorks. Ja, da hat der Zielgruppen- und Einschaltquoten-Ausschuss wieder ganze Arbeit geleistet. Erwarten uns in Folge 3 dann Schulhof-Spiele á la Squid Game?

Fazit: Frei jeder Innovation bietet Prodigy durchaus brauchbare Unterhaltung auf dem Stand einer Samstag-Morgen-Serie. Klingt vielleicht nicht super, aber immerhin ergibt die Story hier einen Sinn. Im Gegensatz zu Disco/Picard.

Wertung als Nickelodeon-Serie für Jüngere:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Wertung als Star Trek Serie:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM


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Artikel

von Klapowski am 29.10.21 in Star Trek

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Kommentare (10)

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  1. Agentbauer sagt:

    Ich fand es auch so geht so.
    Hätte schlimmer kommen können, und das heißt bei Kurzman Trek schon einiges Gutes…Allerdings ohne Janeway und dem Raumschiff wäre das Ganze auch als Star Wars Serie durchgegangen.
    Die Musik ist übrigens auch von Michael Giacchino… der mit dem Geschrammel der letzten Star Trek Filme…

    • frank sagt:

      das war exakt mein gedanke! vom gefuehl her hatte ich die ganze zeit waehrend des schauens so ein star wars feeling. die sprechenden roboter (aka droids), seltsame aliens, etc. erst spaeter kam so ein bisschen minimal star trek durch.

      ob das absicht ist? wollen die etwa in fremden gefilden nach ‚fans‘ fischen? hm…

      Antworten
  2. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ich beantrage auch Umbenennung in :
    Star Wars Prodigy.
    Ansonsten : nezz, aber nicht mehr.
    Lower Decks gefällt mir doch besser,
    aber warten wir es mal ab. Bis S3 von The Orville müssen wir halt das Trek nehmen, das wir kriegen können.

    Gruß BergH

    P.S. Wann geht es denn mal mit Foundation weiter?
    Und wo bleibt das Lob für meine Videotechnische Arbeit ?

    • Torim2010 sagt:

      „ Bis S3 von The Orville müssen wir halt das Trek nehmen, das wir kriegen können.“ Hm dann werde ich mir einen Star Trek Aufkleber an den TV Heften und schau Fußball.
      Beides hat ungefähr gleichviel mit Star Trek zu Tun.

      Antworten
  3. Exverlobter sagt:

    Da ich immer noch kein Streaming habe, bleibe ich davon vorerst verschont. Vielleicht hole ich mir das mal, wenn es eine blu ray komplettbox gibt. Wie damals bei TAS, dass ich erst vor wenigen Jahren entdeckt hatte, und davon gar positiv überrascht war.

  4. frank sagt:

    wo bleibt eigentlich die kritik zu 1.03?

  5. Darkk sagt:

    Ich weiß, passt hier nicht rein, aber ich muss das irgendwo loswerden.

    Ich bin endlich mit Voyager durch und…oh Boy…unglaublich, wie schlecht die Serie ist. Wenn man die Folgen direkt hintereinander (und nicht wöchentlich nach der Schule;) schaut, erkennt man die Banalität und Peinlichkeit der Ideen und Drehbücher. Man merkt von Anfang an, dass die Verantwortlichen null Bock auf das Setting (einsames Schiff weit weg von zu Hause mit limitierten Ressourcen) hatten. Und das Ende…so überstürzt und hastig, als ob es alle kaum erwarten konnten sich davon abzuseilen. Über Details wie Umgang mit Hologrammen usw. kann ich mich gar nicht mehr aufregen, weil mir die Kraft dafür geraubt wurde :-/

    An sich ist das Setting und die Auswahl der Charaktere interessant, aber so viel Potenzial wurde verschenkt. Ich tue mir tatsächlich schwer auch nur eine Handvoll gute Folgen zu benennen. Im Kern bleibt die Serie nur als eine Ansammlung von irrationalen Charakteren und Entscheidungen in Erinnerungen. Ja ok, die Effekte waren nicht schlecht, aber selbst daraus wurde nichts gemacht… kaum gute Kämpfe oder Locations. In Kombination mit den nicht vorhandenen Storytellingfähigkeiten ist nur ein Fazit möglich: Finger weg.

  6. frank sagt:

    wo bleibt eigentlich die kritik zu 1.04?

  7. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Sag lieber wo Du die herhast,
    meine Quellen sind trocken wie die Erzählweise von Infiltration.

    Gruß BergH

  8. frank sagt:

    wo bleibt eigentlich die kritik zu 1.05?

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