Film- und Serienkritiken

Ernsthafte Kritiken zu Film und Serie.

„Star Trek – Picard“: Ein Blick auf das geleakte Drehbuch

Endlich hat es sich ausgezahlt, 327 Gläser mit Deutschen Bockwürsten an unsere Medienkontakte in den USA geschickt zu haben. Denn durch diese Maßnahme konnten wir über die Jahre allerlei Personen für uns gewinnen, die uns mit frischen Infos zu neuen Serien auf dem Laufenden halten. Und diesmal ist uns sogar der absolute Clou gelungen: Wir bekamen Einblick in das Original-Drehbuch der ersten Minuten der neuen „Star Trek – Picard“-Serie! Natürlich haben wir den Text exklusiv für euch übersetzt…


Wir sehen ein Sternenfeld im Weltraum. Doch mittendrin wabert plötzlich etwas. Langsam wird ein getarntes Objekt sichtbar. Es ist eine Art riesige Pyramide, deren Oberflächen-„Platten“ sich ständig drehen, ummorphen und sinnfrei verschieben – wie die Gesichter der Roboter in den „Transformers“-Filmen.

Die Kamera schwenkt etwas zur Seite und wir sehen, dass gerade ein Schiff aus dem Warp fällt. Es ist die „USS White Man“, kommandiert vom 55-jährigen Captain John MacJohn-Johnsen. Der Bildausschnitt bewegt sich auf die Brücke zu und durch die Schiffshülle hindurch, bis wir den Captain in seinem Stuhl sehen. Er blickt verstört auf den Hauptbildschirm.


John MacJohn-Johnsen: „Was ist das für ein Mist, den ich da sehe?“

Cooles Alien (mit superaufwändiger Maske): „Es ist einfach aus dem Nichts aufgetaucht, Captain!“

John: „Ist das Ding cardassianisch? Bajoranisch? Klingonisch? Ferengisch? Oder irgendetwas anders, das beweist, dass unsere Autoren ausreichend nach Star Trek gegoogelt haben?“

Cooles Alien: „Ich kann es nicht sagen. Aber es scheint sehr alt zu sein. Unsere noch nie benutzten, doch sehr wichtigen Alterungsbestimmungssensoren zeigen das an!“

John: „Also ein uraltes Weltraumvolk, das wir nicht kennen… Oder halt nur jemand, der sich mit der Geschichte des Alphaquadranten und ihrer Artefakte auskennt. Ach, wenn wir doch nur so jemanden an Bord hätten.“

Cooles Alien: „Ich habe alle Daten übrigens an die Sternenflotte weitergeleitet.“

John: „Hey, hätten Sie Ihren Captain nicht vorher um Erlaubnis fragen könn… ? (*aus dem Off von Alex Kurtzman angeschubst werd*) Öh, schon gut. Habe kurz vergessen, in welcher Serie wir uns befinden.“

Cooles Alien: „Äh… Unsympathischer, älterer Captain?“

John: „Ja, was ist denn noch?“

Cooles Alien: „Das fremde Schiff scheint eine Art Waffe aufzuladen.“


Kamera schwenkt wieder nach draußen. In einer total aufwendigen, übertrieben coolen Animation wandern Partikelstrahlen auf der Außenseite des fremden Objekts umher, um nach 20 Sekunden doch nur von einem festen Punkt an der Oberseite abgeschossen zu werden.

John: „Neeeeiiiinnn!!“

Cooles Alien: „Raaaaah!!! Das erinnert mich an damals, als Michael Burnham…“

Der Strahl trifft das Schiff und zerstört es in einer detaillierten Sequenz. Die Szene wird aus mehreren Perspektiven wiederholt, teilweise in Zeitlupe.


Ortswechsel: Wir sehen Patrick Stewart, der durch den breiten Flur einer amerikanischen High School tapst, welche durch einige Pappschilder zum „Sternenflottenhauptquartier“ umgebaut wurde. Auf manchen Wegweisern sind Rechtschreibfehler. Schließlich bleibt Picard an einem Tresen stehen, hinter dem ihn ein freundlicher junger Mann angrinst.

Mann: „Kann ich Ihnen helfen, Sir?“

Picard: „Ich wurde herbestellt. Direkt von meinem WEINBERG hat mich die Führungsebene weggeholt.“

Mann: „Ich verstehe. Aber an wen genau sollen Sie sich denn wenden?“

Picard: „Das weiß ich nicht. Ich hatte gerade ein paar REBEN in der Hand und die WEINFÄSSER ausgespült, als der Anruf ankam.“

Mann: „Wer sind Sie denn, wenn ich fragen darf? Und warum nennen sie alles um ihren Weinberg herum in Großbuchstaben?“

Picard: „Tue ich doch gar nicht. Da können sie auch meinen süßen HUND fragen!“

Mann: „Ach, Sie sind bestimmt dieser Jean-Luc-Patrick Stewart? Ja, den habe ich auf meiner Liste. Sie können direkt hinter mir durchgehen. Zum Zimmer von Admiralin Rathapaltaharaptai. Die ist übrigens Inderin.“

Picard: „Na endlich. Sie sind mir ja eine ganz schöne TRAUBE… taube Nuss. – Oh, entschuldigen Sie. Ich bin etwas aufgebracht, weil sich mein Leben vor Jahren radikal verändert und ich durch einen persönlichen Schicksalsschlag…“

Mann: „Raum 293. Rechte Seite.“

Picard schleicht wütend murmelnd den Gang hinunter, wobei seine Weingut-Gummistiefel leise auf dem glatten Boden quietschen.


Es folgt ein Schnitt. Wir befinden uns nun in einem schmucklosen Raum, in dem das Wort „Schulhausmeister“ mit etwas zu durchsichtigem weißen Klebeband abgedeckt wurde. In einem mit Starfleet-Symbolen wild beklebtem Gaming-Drehstuhl sitzt Admiralin Rathapaltaharaptai zwischen indianischem Wandschmuck und afrikanischem Wandteppichen. Es klopft an der Tür, sie blickt auf und ruft den Gast herein. Es ist Jean-Luc-Patrick Stewart.

Rathapaltaharaptai (fröhlich): „Wie schön, dass Sie es schon geschafft haben. Kommen Sie rein!“

Picard (grimmig): „Ich musste zwanzig Minuten an der globalen Transporterplattform in Paris anstehen, um hierher gebeamt zu werden! So lange musste ich zuletzt nur warten, um nach Vulcan teleportiert zu werden.“

Rathapaltaharaptai: „Ich bedaure es sehr, ihren wohlverdienten Ruhestand durch spektakuläre Millionengagen von Seiten der Firma CBS stören zu müssen, aber es ist ein Notfall eingetreten, den nur jemand lösen kann, der DIPLOMATISCH, HUMANISTISCH und KULTIG ist.“

Picard: „Das ist sehr nett, aber warum sagen Sie das in Großbuchstaben?“

Rathapaltaharaptai: „Nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass die Sternenflotte Ihnen verziehen hat.“

Picard: „Sie meinen, weil ich damals die Rettungsflotte nicht schnell genug nach Romulus geleitet habe? Dafür muss ich mir erst mal selbst verzeihen.“

Rathapaltaharaptai: „Sie konnten echt nichts dafür. Es war die (*macht Faust*) verdammte Macht der Mathematik. Die Krümmung des Weltraums – gemäß dem absoluten Genie namens Albert Einstein – war eben in diesem Sektor durch die beginnende Supernova bereits zu massiv verändert worden. Es war klar, dass Sie sich verfliegen würden!“

Picard: „Das mag sein. Aber ich bekam damals trotzdem meine Michael-Burnham-Ehrenmedaille aberkannt. Auch Sie waren dabei, wenn ich mich richtig erinnere.“

Rathapaltaharaptai: „Sie wissen doch, dass das eine politische Entscheidung war. Wir wollten eigentlich die Macht der Mathematik degradieren, aber mehrere Griechen fühlten sich damals dadurch auf den Schlips getreten. (*sie räuspert sich*) Wie auch immer. Wir haben Sie hergerufen, weil im Sektor XB-31 ein seltsames Schiff aufgetaucht ist, das sehr alt zu sein scheint.“

Picard: „Na und? Warum sollte ich daran interessiert sein? Morgen ist immerhin die große „Kinder verkosten Rotwein“-Nacht, gefolgt vom traditionellen Traubenstampfen. Mein Bruder hatte das damals eingeführt, nachdem ich ihm kräftig auf’s Maul gehauen hatte.“

Rathapaltaharaptai: „Sie sollten es tun, weil Sie der einzige Mann sind, der … der … in der Sternenflotte 4 Semester ‚Wissenschaft‘ zusammen mit ‚Die wunderbare Macht des Altertums‘ studiert hat. Sie wissen schon. Wie Aristoteles damals. Und Newton. Und Pol Pot.“

Picard: „Wenn Sie jetzt noch irgendjemanden zitieren, dann schreie ich…“

Rathapaltaharaptai: „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage!“

Picard: „Oh Gott, Sie haben es getan. Tja, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig. Wann geht es los?“

Rathapaltaharaptai: „Morgen erst. Wir müssen heute noch ein paar Gewaltverbrecher, kaputte Existenzen, völlig Verrückte, destruktive Geheimdienstler und psychotische Teenager zusammenkratzen, damit die Mission ein Erfolg wird.“

Picard (*stöhnt*): „Kann ich nicht ein paar normale Wissenschaftsoffiziere bekommen?“

Rathapaltaharaptai: „Sind Sie verrückt? Diese Entdeckung muss absolut geheim bleiben! Normale Offiziere verplaudern sich doch nur auf der nächsten Sternenbasis. Doch unseren halbseidenen Mitarbeitern würde das nie passieren. Die würden schon vorher verhaftet werden.“

Picard: „Naaa gut. Aber ich hoffe mal, dass wir keinen Widerstand von irgendeiner Fraktion befürchten müssen?“

Rathapaltaharaptai: „Doch, leider schon. Das völlig unbekannte Raumschiff hat die Begehrlichkeiten von 192 Völkern im Alpha-Quadranten geweckt. Und von 495 Völkern in den restlichen Quadranten. Von den Bewohnern der anderen Galaxien ganz zu schweigen. Nach unseren Berechnungen werden die alle in 24 Stunden am fremden Objekt eintreffen.“

Picard: „Hmm… In diesem Fall würde ich gerne ein schrottreifes Schiff bekommen, das sich in der zweiten Folge aber als unzerstörbare Superwaffe entpuppt, weil einer meiner Crew im Knast gelernt hat, die Schilde um 1400% zu verbessern. Die Macht der Mathematik – und so weiter…“

Rathapaltaharaptai: „Ich sehe, wir verstehen uns langsam. Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass Section 31 Sie ebenfalls die ganze Zeit jagen, verfolgen, veräppeln und verwirren wird.“

Picard: „Klingt störend. Können wir das nicht verhindern? Die gehören doch schließlich auch zu uns?“

Rathapaltaharaptai: „Seitdem die im letzten Jahr einen eigenen Section-31-Präsidenten demokratisch gewählt haben, sind die Burschen gefährlicher als die Klingonen geworden. Die lassen sich nichts mehr sagen.“

Picard: „Nun gut… Da wäre nur noch eine Sache: Kann ich meinen Hund mitnehmen?“

Rathapaltaharaptai: „Hm, schwierig. Wir haben bereits eine süße Katze, einen computeranimierten Lurch und einen Zwergschimpansen mit Borg-Implantaten an Bord. Aber ich denke, wir können da für Sie eine Ausnahme machen.“

Picard: „Na gut. Wird sicher (*macht übertrieben fröhliche Handbewegung*) ein großer Spaß.“

Rathapaltaharaptai: „Aber Logo, Bruder! Peace! – Ach ja, Ihr Schiff haben wir schon mal zum Einsatzort rübergebeamt. Sie können sich dann Morgen einfach beim Pförtner melden. Dann schicken wir Sie hinterher.“

Picard: „Soll ich was mitbringen?“

Rathapaltaharaptai: „Handtücher und Schuldgefühle wären toll.“

Picard: „Cool. Crazy. Na dann bis dann!“

(Abset… Fortsetzung folgt?)


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 16.07.19 in Star Trek

Stichworte

Ähnliche Artikel


Kommentare (9)

  1. Elfis Kunstnasenblut sagt:

    Liest sich besch*ssen. Und ist somit immernoch 11001001 Mal besser als die endgültige Umsetzung.

    Patrick Stewart ist eben auch nur ein famegeiler Ekeloppa des 20. Jahrhunderts und wohl leider doch nicht „unser aller Heiliger Zukunfts-Jean-Luc“. Hier darf Otto-Normal-X-Man mal wieder nicht Schauspieler mit Rolle verwechseln. Hätte Stewart Stil gehabt, was ihm allseits und vollumfänglich vorgeworfen wird, würde er einfach weiter mit seinem neu erworbenen Stück Frischfleisch nackig durch den Geldspeicher hopsen und sich auf seiner ressikanischen Fleischflöte Shakespeare zitieren lassen bis der Tal-Shiar-Arzt kommt.

    8===O – – –

  2. JP1957 sagt:

    Ist doch klar … sofort sind die Hater wieder da und urteilen, bevor auch nur eine Minute der Serie zu sehen war.
    TYPISCH! (in GROßBUCHSTABEN … wo zum Teufel ist das große ß???).

    Freut euch doch, dass wir Jean Luc überhaupt wieder zu sehen bekommen. Und diesmal auch ein bisschen menschlicher … ich freue mich auf jeden Fall auf Geschichten mit seinem Hund, fand den Hund in Enterprise auch toll. Und dann noch eine Katze und ein Borg Schimpanse – wie GEIL ist das denn????!!!!

    Ich bin nur ein bisschen enttäuscht darüber, dass anscheinend der Weinberg nur ein Eye Catcher war für das Plakat. Hätte gern mehr über meinen Jean Luc als Weingutbesitzer erfahren in einer Welt ohne Geld.

    • DerBeimNamenNennt sagt:

      Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Beitrag hier ironisch gemeint sein muss. Spätestens als der Autor angab er hätte gern mehr von Picard auf den Weingut gesehen…

      Falls das wider aller vernünftigen Erwartungen doch erst gemeint sein sollte:
      Gar nicht mal soo teuer, weil erstaunlich wenig gefragt, kann ich eine Moselkreuzfahrt nur empfehlen. Dort gibt es Weinberge, älter als die meisten Staaten in Europa und die Menschen sind Stolz auf ihre Wein. Zwar gibt es da noch Geld, aber man kann da einiges über Wein usw. lernen, wenn man denn will.
      Es gibt auch diverse Dokus der öffentlich-rechtlichen. Have fun!

  3. Skapo sagt:

    Mit den ganzen Weinbergen in Frankreich erinnert mich das alles irgendwie an „Louis und seine Außerirdischen Kohlköpfe“… Eventuell wird das ganze ein Louis de Funes reboot im Trek Universum?

  4. Nummer 6 sagt:

    Schön und gut, aber warum ist rechts oben Adenauer abgebildet? Fliegt er das gegnerische Raumschiff aus dem Altertum?

  5. bergh sagt:

    tach auch !

    Adenauer sah viel jünger aus, als er Kanzler wurde.

    Gruss BergH

    BTW: Ich bin sicher die wirkliche Umsetzung von Picard wird schlechter , als oben beschrieben.
    Da gehe ich (fast) jede Wette ein.

  6. Anonymus (Bosch) sagt:

    Ich will Steward als neuen Onkel Dittmeyer sehen! Bei Orangen muss er sich auch nicht so viel bücken, das wirkt gleich viel vitaler!

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht

Jenseits der Welten