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„Justice League“ – Die Justizkritik

Okay, meine letzten drei Superheldenfilme („Thor 3“, „Spiderman Homecoming“, „Wonder Woman“) fand ich alle überdurchschnittlich. Dabei könnte man es belassen und sich damit abfinden, dass man nun offiziell zum hirnlosen Plastik-Fan des modernen Kinos geworden ist. Doch wie in einem verrückten Experiment im Keller eines Wissenschaftlers musste ich die Dosis jetzt noch etwas erhöhen, um endgültig zu „Superheldenfan-Man“ zu mutieren. Hierfür wählte ich diesen Film aus. Die Gründe waren einfach: Ein Film namens „Die Justiz-Legende“ klingt für mich als alten BGB-Fuchs äuuußerst interessant.

Inhalt: Batman sieht anhand seiner letzten Stuhlprobe, dass sich neues Unheil zusammenbraut und braut daher an einem neuen Team: Der Justice League. Pünktlich zum gemeinschaftlichen Praktikum fällt dann auch gleich der Superbösewicht namens „Steppenwolf“ aus dem Himmel, um mangels effizienterer Aggressionsbewältigungsstrategien den Planeten Erde zu demolieren.

„Mischen Sie für diesen Film bitte Pathos mit Rührseligkeit!“ – „In den Teilen 50 zu 50, Boss?“ – „Sind Sie verrückt? Dann könnte das ja glatt ein Kultfilm werden. Nein, 35 Prozent müssen warme Pupsluft sein.“

„Okay, Google? Generiere ein Drehbuch mit folgenden Inhalten!“ – Wer Marvel vorwerfen will, generische Bedrohungsszenarien aufzuwerfen, der muss erst mal an Justice League vorbei. Denn hier ist wirklich ALLES vorhanden, was die moderne Klischeeforschung hergibt: Ein bekloppter Name („Steppenwolf“ klingt in etwas so außerirdisch wie „Waldlichtungs-Eule“), dazu rätselhafte Waberwürfel, die den ganzen Planeten vernichten können (Schon wieder beim lieben Gott aus der Hüftprotese gesprungen, oder was?) und ein gar seltsamer Plot, der es nicht schafft, Atlantisbewohner, Amazonen und geflügelte Minions unter eine Silikonkappe zu bekommen.

Mein wissenschaftlicher Beraterstab hat das hier mal genauer aufgeschlüsselt:

Ist das ein fliegendes Faultier? Nein, es ist … Superman! – Und da ist es wieder: Das alte Problem, dass der Kryptonier immer irgendwie außer Gefecht gesetzt werden muss, damit wir überhaupt eine Story bekommen. So ist der gute Man(n) erst mal tot, was man jedoch beheben kann, wenn man undefinierbare Weltraum-Orbs in seinen Whirlpool wirft. Und wenn er dann mal nicht (mehr) tot ist, so ist er mindestens verwirrt und muss erst mal wieder zur Vernunft geprügelt werden. Und wenn DAS geschehen ist, muss Supi erst mal zum Selbstfindungstrip auf die Farm, um darüber zu sinnieren, ob man ihn noch braucht (Überraschende Antwort: JAAAA!). Erst dann kann der Bösewicht quasi im Alleingang zerklatscht werden.
Ohne Gleitcreme eingeführt – Seltsam, diese neuen Figuren… Bei Flash fragt man sich ständig, was der debil grinsende Teeniedarsteller da soll, dessen Origin-Story aus einem unkultigen „Um-die-Ecke-Biegen“ besteht. Und Aquaman? Der wird erst nachträglich(!) in seinem Film im Dezember 2018 vorgestellt. Wohlgemerkt: Nachdem Bruce Wayne den Mann mal gerade am Fischerdorf aufgegabelt hat. – Im Ernst, da hätte er auch gleich den Yeti und den außerirdischen Elvis einsammeln können. Und dieser Hacker-Heini mit der seltsamen Robofassade? Der tatsächlich „Cyborg“ heißt? Wo kam der her? Reicht es jetzt schon, einen Einen Einparkunfall zwischen zwei Chemikalienfässern zu erwähnen, um neue Helden einzuführen?

„Heyhoo! Bis zu den gelbstichigen Rändern des Greenscreens. Und noch viiiel weiter!“ – Vom Waterboarding-Star zur Schmeißfliege: Warum Aqua Man eigentlich so gut fliegen und überall runterfallen kann, habe ich nicht kapiert. Aber vermutlich reagiert er immer noch auf die Physik im Ozean und fällt nur mit maximal 9,8 Metern in der Sekunde. Und das auch nur aufwärts.

Wir brauchen jetzt … Money-Man! – Selten zuvor spürte ich so deutlich, dass es hier nur darum geht, irgendwie ein neues Franchise an’s Laufen zu bekommen, das seit Jahren immer wieder mal müde vom Feldweg rollt. Nichts geschieht aus einer tieferen Motivation oder einer Dramaturgie heraus, sondern nur, weil bestimmte Dinge abgehakt werden müssen. So erklärt sich dann vielleicht auch, warum Batmans Auftraggeber vollkommen gelangweilt davon Kenntnis nimmt, welche Clowns der Fledermausige da plötzlich angeschleppt hat. Wo bei Marvel immer wieder mal purer Ironiespaß aufkommt (oder man es wenigstens versucht), hat man hier oft das Gefühl, einen Haufen depressiver Clowns zur proktologischen Untersuchung zu begleiten.
Die Schnitt-zeljagd des Grauens – Der Schnitt wirkt so, als wären unglaubliche Materialmengen (und der künstlerische Mindestanspruch) heimlich durch die Katzenklappe weggeworfen worden. Vor allem die Szenen, in denen etwas passiert. Ein Hausmeister wird sieht etwas Unheimliches? – Schnitt, schon ist er gefühlte 2 Sekunden zu früh verschwunden. Ein Bösewicht springt auf eine flüchtende Amazone? – Zack, die Landung wird schon nicht mehr gezeigt. Das erinnerte mich fast an die seligen „The Rock (1996)“-Zeiten auf RTL, wo man ebenfalls munter raten durfte, welches Raumzeit-Phänomen uns gerade die halbe Actionszene hat überspringen lassen…
Samstags werden Socken und das CGI gewaschen – „Tut mir Leid, Mrs. Platuschke. Ihre Effekte sind schon alt, sehr krank und müssen bald eingeschläfert werden.“ – „A… Aber… Mein Mann hat sie doch erst vor 15 Jahren frisch gekauft! Der V-Verkäufer sagte uns, dass die mindestens bis 2022 modern aussehen würden.“ – „Da sind sie wohl einem Trick(effekt)-Betrüger aufgesessen. Sehen sie hier: Die Hologramme oben links! Die wurden deutlich sichtbar nachträglich eingefügt. Und diese Fläche rechts, wo das Licht durchscheint: Alles künstlich und vollkommen verwaschen.“ – „A-Aber was soll ich denn jetzt nur tun?“ – „Das, was alle tun: Den wegretouchierten Schnurrbart vom Superman-Darsteller auf jedem einzelnen Frame suchen.“ – „Hmm… Na gut. Klingt immerhin besser als Bingo…“

„Echt jetzt, Leute? An einem derartigen Klischee-Ort halten sich die Bösen versteckt? In Steve Bannons alter Fake-News-Druckerei?“ – Fabrikverkaufklopp: Wenn es eng wird, muss man eben endlich tätig werden! Diese drei Figuren hier warten z.B. äußerst dynamisch und übermotiviert auf Supermans Auftreten.


Fazit: Eigentlich ein solider Vertreter des Genres, der mit allen Zutaten das anstellt, was jeder normale Küchenmixer leisten muss – plus das Zerschräbbeln von bunten Plastikfasern.

Zack Snyder kurbelte routiniert – und mit dramaturgischem Routenplaner – einen Film herunter, der ebenso gut ein 120-minütiger Trailer oder ein extrem langer Werbespot sein könnte. Man langweilt sich kaum, weiß danach aber nicht mehr, warum. Und wieso stehe ich nackt auf der A3 und habe einen Frosch in der Hand?!

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von Klapowski am 29.08.18 in Filmkritik

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Kommentare (5)

  1. Ferox21 sagt:

    Die DC Filme machen es sich echt nicht leicht. Man versucht, das spritzige und gewollt selbstironische Marvel Universum durch übertriebenen Ernst und übergroße Bedrohungen zu kontern, scheitert aber daran, da man die eigenen Heldenfiguren nicht spannend genug verkauft (oder gar nicht erst richtig einführt) und es nicht schafft, eine gute Chemie zwischen ihnen aufzubauen.

    Für mich liegt das auch daran, dass Marvel das aus heutiger Sicht tatsächliche Glück hatte, dass die eigenen Helden weit weniger bekannt waren als die DC Helden. So konnte man Iron Man, Thor und Co. eine gelungene Frischzellenkur verpassen und musste nicht so sehr den Unmut der Harcore Fans fürchten wie bei DC.

    Justive League ist (leider) ein weiterer belangloser DC Film, und Wonder Woman bisher die einzige positive Ausnahme unter den Filmen aus diesem Comic Universum in den letzten Jahren…

  2. Serienfan sagt:

    Marvel-Filme zeigen Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Meist sind sie immer ein wenig dümmer, wenn sie körperlich besonders stark sind. (Bei Hulk ist das klar, im Comic gilt das auch ein wenig für Thor.)

    Der Erfolg der Marvel-Filme erklärt sich dadurch, dass durch die Superhelden-Thematik überhaupt mal wieder Charaktere im Kino sind, die einigermaßen klar definiert sind.

    Anders bei den DC-Filmen. Die Superhelden des DC-Universums sind eher wie Götter, und die DC-Filme behandelten, wenn sie gut waren, die Beziehung Mensch/Gottheit. Besonders bei den Batman-Filmen ging es ja um die Frage: Braucht der Mensch einen Superheld als Symbol? Zack Snyder hat dieses Konflikt-Verhältnis Mensch/Übermensch auf den Superman-Kosmos übertragen.

    Jetzt kommt die Marvel-Keule. Die Logik der CEOs mit ihren Millionengehältern ist ungefähr so: Cola verkauft sich viel besser als Sekt, also schütten wir doch löffelweise Zucker in den Sekt, dann verkauft er sich genauso gut wie Cola.

    Klar, dass das in die Hose geht. Menschen kommen in diesem Film kaum noch vor, dafür wurden die gottgleichen Superhelden banalisiert. Dadurch fehlt dem Film jegliche Kraft, jegliche Substanz. Waren die Filme vorher ein wirres Ärgernis, aber doch zumindest ein Ärgernis, das energiegeladen war, so ist das ein Film, der dem Begriff Action-Porn alle Ehre macht. Im Grunde könnte man, wie bei einem Porno, den Film auf seine Money-Shots reduzieren, beim Rest fragt man sich, warum er eigentlich gedreht wurde.

  3. Donald D. sagt:

    Der Film war okay aber „Batman v Superman“ war besser. Warum? Weil man sich dort nur auf zwei Helden konzentrierte und der Kampf gut gemacht war. Zudem gefällt mir Affleck als Batman fast noch besser als Bale (ich hoffe er bleibt noch eine Weile). „Justice League“ krankte daran, daß es zuviele Helden waren und wohl keiner, weder Fans noch Schauspieler, richtig mit den Auftritten zufrieden war. Marvel bekommt das irgendwie besser hin. Da steckt wohl wirklich ein Plan dahinter. Bei DC fehlt der bisher noch.

  4. bergh60 sagt:

    tach auch !
    Was für ein seelenloser shit.
    Alle Kritikpunkte oben sind noch untertrieben.

    Gruß bergh

  5. teletubbed sagt:

    Danke für die Arbeit der Bewertung. Im Sinne von Abwertung. Diesen Film werde ich mir nachhaltig ersparen. Was ich eigentlich schon vorhatte, als ich die ersten Bilder sah, die bei mir massiv den Eindruck zementierten, daß das Alter der Zielgruppe nicht wie üblich ein wenig gesenkt wurde, sondern gleich um 30 Jahre.

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