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Entlas(s)tungszeugen: Showrunner von „Star Trek – Discovery“ entlassen.

Was haben ein Tankwart, ein Waffenschmied und ein Chefautor von „Star Trek – Discovery“ gemeinsam? Ganz klar: Es gibt für sie keine Jobs mehr. Bei Discovery liegt das allerdings daran, dass die Showrunner Gretchen J. Berg und Aaron Harberts entlassen wurden. Diese Glücklichen! ICH bat schon im Februar 2018 um meine Entlassung, was von der „Akademie leidender Rezensenten“ jedoch mit einem mehrseitigen Verriss meines Schreibens abgelehnt wurde. – Doch im Ernst: Für die uns wohlbekannte CBS-„Serie“ (Anführungsstriche sorgfältig gewählt) sind das keine guten News…

Es gibt mindestens zwei Gründe für den Rausschmiss von Gretchen und Aaron. Der Erste lautet: Sie sollen im Staffelauftakt zur zweiten Season so viel Geld verballert haben, dass die späteren Episoden vermutlich mit Handpuppen abgedreht werden. Dies kam bei den Geldgebern eher so semi an. Vollkommen verständlich für eine Firma, die Planungssicherheit möchte.

Ob das für den Zuschauer etwas Schlechtes sein muss? Nun, da bin ich zwiegespalten: Einerseits halte ich ein hohes Budget für nicht notwendig, waren doch die Episoden 14 und 6 für mich die besten der ersten Staffel. Das waren Folgen, in denen Menschen rumstanden und über Probleme redeten. Oder im Vulkanier-Modus rumdösten und im Traum über Probleme redeten. Sicherlich also nicht die teuersten Episoden.

Andererseits sahen aber die teuer gemeinten der ersten Staffel grauenerregend aus und waren somit keine Werbung für eine weitere Reduzierung irgendeines Budgets. Körniges Bild, verwaschene Effekte, grausamer Schnitt, nichtssagende Kulissen, künstliche Lichteffekte (siehe die Waldelfen-Geschichte) und zudem die Geschichten selbst, die aus Geldmangel(?) zu 90 Prozent auf einem verdammten Schiff spielten. Sollte die frühe Budgetüberschreitung das alles noch verschlechtern, könnte das bedeuten, dass wir in Zukunft nur noch Lens Flares sehen und uns ein Erzähler aus dem Off erklärt, dass da gerade ein Ferengi-Schiff vorbeigebraust ist.

Eine derartige Budget-Überschreitung weist in jedem Fall darauf hin, dass hier alles andere als Vollprofis am Werk sind, die mindestens nicht NACHGEFRAGT haben, ob man für die große Pike-Enttäuschung am Anfang nicht etwas mehr springen lassen könnte – oder wie man das Problem gemeinsam lösen könnte. Man hätte von vornherein argumentieren können, dass man diese erzählerische Vollkatastrophe dringend benötigt, um neue Fans von der Marke Star Trek abzuschrecken und alte Trekkies nachhaltig zu verstören. Anscheinend wurde da aber einfach blind gedreht/geschrieben und erst später Bescheid gesagt…

„Du, Gretchen? Der Kameramann erscheint mir nicht kompetent genug. Soll ich ihn anbrüllen?“ – „Lieber nicht. Sollte Klapo einen billigen Dickenwitz über mich reißen, kannst du DEN dann durch die Kamera hindurch anblaffen.“

Ein weiterer Grund für ihren ungewöhnlichen Rausschmiss nach ca. 5 Folgen der zweiten Staffel liegt in Gretchens und Aarons Umgang mit den anderen Autoren begründet. Die Rede ist laut „Hollywood Reporter“ von lautem Fluchen in der Besprechung, von „laut werden“ und der Bedrohung eines einzelnen Autoren. Als die anderen das der Personalabteilung melden wollten, wurde weiter gewettert und verlangt, dass solche Dinge nicht nach außen getragen werden dürfen.

Gut, das mit dem Fluchen verstehe ich nach dem Staffelfinale. Wobei natürlich schwer zu sagen ist, wer hier Koch und wer Kellner ist. Und natürlich ist ein taffer Ton in Hollywood hinter den Kulissen durchaus an der Tagesordnung. Jedoch scheint hier schon eine ganz besondere Stimmqualität vorgeherrscht zu haben, ist doch ein Austausch der Showrunner mitten in der Staffel extrem ungewöhnlich. Und wenn sich gleich mehrere Schreiberlinge laut „Hollywood Reporter“ unwohl fühlten, so ist das nicht die kreative Freiheit, die das Stoppelfeld „Discovery“ dringend benötigt.

Kultige Geschichten entstehen meist nicht durch das Bedrohen und Einengen des Künstlers. Wer mit dem Teppichklopfer in der Hand „das weltbeste Referat“ von seinem Kind fordert, wird eher mit roboterhaft vorgetragenen, verschlüsselten Hilferufen rechnen können. Also exakt so was wie Staffel 1, wo ich tatsächlich permanent das Gefühl hatte, das fünf Schizophrene und zwei Psychopathen im Keller sitzen, um zwischen Streckbank und Eiserner Jungfrau an konsistenten „Geschichten“ zu „arbeiten“.

Dass Alex Kurtzman jetzt der neue Showrunner wurde, ist natürlich ebenfalls kein Grund zum Frohlocken. Noch immer suche ich verzweifelt nach einer Arbeit von ihm, die ich rundum gut finde. Oder nach einer Arbeit, deren Titel und Genre mich nicht schon so abschrecken (= computeranimierte Serie „Transformers Primers“), dass ich gar nicht erst reinschauen mag.

Auf alle Fälle ist es jetzt Essig für das Argument, dass die inkonsistente erste Staffel dem Weggang von Bryan Fuller zuzuschreiben sei. Auch im zweiten Jahr dürfen mindestens drei Führungspersonen (mit und ohne kokaininduzierten Agressionsproblemen) mit dem Salzstreuer wild am Science-Fiction-Menü herumwürzen.

Meine Erwartungshaltung ist somit eher … Autoren-anschreien-wollen-verdächtig.


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Artikel

von Klapowski am 16.06.18 in Star Trek: Discovery

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Kommentare (18)

  1. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Und gerade das hat mir die erste Staffel vermiest:
    Schlechte , inkonsistente Drehbücher.

    Soooo kann das nicht besser werden,
    jedenfalls nicht besser, als the Orville. The Orville, ich wiederhole, ist gewollt , oder ungewollt das bessere Trek.

    Gruß BergH

    • jako sagt:

      Muss eigentlich immmer dieser vergleich zu the orville kommen?
      Ist doch pupe… The Expanse ist eh besser als beides zusammen :)

    • Serienfan sagt:

      Ein Vergleich mit „The Orville“ erscheint mir sinnvoller als ein Vergleich mit der „Lindenstraße“.

      Es muss nämlich die Frage erlaubt sein, wie es Seth MacFarlane schafft, in Los Angeles (das im Vergleich zu Kanada deutlich kostspieliger ist) für ein Drittel des Budgets eine Serie hinzukriegen, die bessere Effekte (zum Teil echte Modellaufnahmen), einen aufwendigeren Soundtrack und Woche für Woche neue Alien-Designs aufbieten kann.

      Vielleicht wurden ja bei „Discovery“ die Lens-Flares einzeln von bedeutenden Künstlern erschaffen. Der Rest des Budgets ging wahrscheinlich drauf für die Koksmengen, die man für die Darsteller benötigte, die sich ansonsten nach einem Klingonen-Dialog-Drehtag eine Kugel in den Kopf gejagt hätten.

      In einem muss ich aber Klapowski widersprechen. Jobs für diese Showrunner wird es immer geben. Gerüchteweise sucht bereits jetzt Time Warner händeringend nach Leuten, die eine mögliche Fortsetzung von „Justice League“ für 500 Millionen produzieren, wobei der Film maximal nach einer 50-Mio-Produktion aussehen darf.

    • Bolleraner sagt:

      The Expanse wurde auch abgesägt. Keine weiteren Staffeln.

    • Sparkiller sagt:

      „The Expanse wurde auch abgesägt. Keine weiteren Staffeln.“

      Gab doch einen großen Fan-Aufstand, durch welchen Expanse jetzt mittels Amazon-Kohlen weitergeht:

      https://www.hollywoodreporter.com/live-feed/expanse-officially-revived-season-4-at-amazon-1115160

      Was mich auch sehr freut. Expanse ist für mich ein schöner Ersatz für Babylon 5 mit seinen politischen Intrigen, Malochern im All und stimmungsvoll auf der Realität basierenden Raumschiff-Sequenzen, wo man z.B. nicht einfach mal „Vollgas“ geben kann.

    • Bolleraner sagt:

      Danke, Sparki!
      Gut zu wissen und das freut mich ebenfalls sehr!

    • jako sagt:

      Also das mit den Effekten würde ich nicht unterschreiben.
      Klar, die Effekte von Disco sind selten sehenswert und oft mies (Traumschiff Spiegelunivesrum). Aber Orville hat jetzt nicht die Superklasse effekte, teilweiße auch
      zum fremdschämen.

  2. jako sagt:

    Alina Goldman ist auch weg.

  3. Cronos sagt:

    Es kann ja sowieso nicht schlimmer werden. Vielleicht wird es mit Kurtzman sogar ein bisschen besser. Und wenn nicht, dann ist es mir auch egal. Discovery ist sowieso am Boden.

    • Serienfan sagt:

      Kurtzman anzuheuern ist in jedem Fall eine sehr kluge Entscheidung. Da „Star Trek“ trotz inzwischen jahrezehntelanger Fan-Verarsche und bodenloser Qualität einfach nicht tot zu kriegen ist, kann das inzwischen nur noch Kurtzman richten, der klare Terminator für unerklärlich erfolgreiche Franchises.

      Hier macht Kurtzman einfach so leicht keiner was vor. Mit „Transformers: Die Rache“ hat er den wohl miesesten Transformers abgeliefert, dann hat er für Sony das „Spider-Man“-Franchise so in den Dreck gefahren, dass die es daraufhin freiwillig an Disney herausrückten, und mit der „Dark Universe“-Reihe hat er es geschafft, ein Franchise noch VOR seiner Entstehung zu killen!

      Also klar: Unter ihm wird „Discovery“ besser … nämlich abgesetzt werden!

    • Cronos sagt:

      Da hätte ich aktuell nichts dagegen. Wenn Disco nicht deutlich besser wird können sie es auch gleich beenden. Aber ok, wir werden sehen was passiert. Der Stuhl des Produzenten scheint ja eine Art Schleudersitz zu sein. Mal sehen wie lange Kurtzman durchhält.

  4. G.G.Hoffmann sagt:

    Wenn man als Chef jetzt nicht einmal mehr seine Untergebenen ansschreien darf, ist das nicht mehr mein Land. Gut, man kann zwar auch sagen:

    „Du, John. Ich fand‘ es irgendwie nur so mittelknorke, dass Du mit dem Schreiben des Drehbuchs erst zwei Stunden vor Drehbeginn im Bus angefangen und nur 170 Worte zu Papier gebracht hast. 3+.“

    Aber in Anbetracht der Qualität von Staffel 1 kann ich Gretchen und Aaron gut verstehen, wenn sie ab und an die Contenance verloren haben. Die größten Werke der Filmgeschichte sollen gerüchteweise auch nicht von Leuten geschaffen worden sein, die jedem Kabelträger höchstpersönlich Puderzucker in den Hintern blasen, damit der Wohlfühlfaktor am Set gewährleistet ist. Man kann zwar aus jedem Unternehmen und jeder Behörde einen Waldorf-Kindergarten formen. Dass sich „der tanzende Morgenkreis“ günstig auf die Qualität der abgelieferten Arbeit auswirkt, darf aber bezweifelt werden.

  5. Tabularius sagt:

    Ich seh es wie die meisten hier.
    STD war so schlecht. Es kann eigentlich kaum noch schlimmer werden.

  6. Susan sagt:

    So viel zum Märchen das Discovery so erfolgreich ist und auch qualitätsmäßig alle Erwartungen übertroffen hat ;)

  7. hitzestau sagt:

    Ich wünsche Gretchen und Aaron von ganzem Herzen alles Gute für Ihren weiteren Weg durch unsere Galaxie… und wenn er Euch in eine andere führt, ist es ja auch nicht so schlimm. Falls Ihr für Eure nächsten Job-Bewerbungen eine Referenz eines begeisterten Zuschauers braucht, stehe ich gerne zur Verfügung. Discovery war eine so absolut mitreissende Show, Ihr habt die Essenz von Star Trek damit genau den Kopf getroffen und mich und Millionen Fans begeistert… was sorry, mein Fehler, ich dachte Ihr hätte wo anders gearbeitet…

    Aber einen muss ich hier in Schutz nehmen, und das ohne Ironie, Sarkasmus und andere schmutzige Hintergedanken: Alex Kurtzman, der zugegebenermassen auch einige Verbrechen auf dem Kerbholz hat, hat bei der im Artikel erwähnten Transformers-Serie keine schlechte Arbeit gemacht. Ich empfehle allerdings die Serie im klingonischen… Pardon im englischen Original zu schauen, keiner winselt schöner und unterwürfiger als Starscream, gesprochen von Steve Blum.

  8. Serienfan sagt:

    Das Grauen nimmt kein Ende: https://youtu.be/vNgCOqd8Ea0

  9. G.G.Hoffmann sagt:

    Näheres bei trekcore.com. Ich halte das allerdings nicht einmal für ein Gerücht. Insbesondere die Möglichkeit, dass Patrick Stewart sich mit fast 78 Jahren für so ein Projekt verpflichten lässt, erscheint mir eher fernliegend.

    Abgesehen davon kommen heutzutage sehr viele TV- und Filmprojekte nicht in die Füße. Alles wird jahrelang angekündigt und nichts wird veröffentlicht. Gleich ob Avatar, Indiana Jones 5, Star Trek oder Star Wars (Real-) Serien, etc. Es werden nur Gerüchte und Ideen in die Welt gestreut. Selbst wenn ein Projekt dann genehmigt wird, dauert es Jahre, bis es endlich fertig ist. Sogar bei vielen Serien liegen heute 12-18 Monate zwischen zwei Staffeln, obwohl nur noch 8-15 Folgen pro Staffel gedreht werden.

    Früher hat man bei allen Serien regelmäßig 26 Episoden pro Staffel herausgehauen und jahrelang ohne Pausen gedreht. Da war zwar auch nicht alles Gold und mindestens 1/3 der Folgen jeder Staffel konnte man vergessen. Aber die aktuellen langen Pausen in vielen Produktionen (z.B. auch Game of Thrones) sind der Qualität und dem Zuschauerinteresse sicher auch nicht zuträglich. Irgendwie scheint man das effiziente Produzieren verlernt zu haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass man heute niemanden mehr anschreien darf, wenn er nicht gut arbeitet (s.o.).

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