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Doctor Who – 11.03 – „Rosa“ – Kritik

Endlich mal eine Episode um’s … Busfahren?! – Nachdem in den letzten zwei Folgen eher dubiose Zeitreiseexperimente auf Seiten des Zuschauers angesagt waren („Ist es schneller vorbei, wenn ich die Zeiger der Küchenuhr eeetwas antippe?“), sollte die dritte Folge mit „der Neuen“ endlich zünden. Schließlich habe ich bereits vor Monaten meinen Kollegen Sparkiller darum gebeten, 300 retouchierte Bilder anzufertigen, auf denen ich die neue Doctorin sanft im Arm wiege. Von den Unmengen an diesbezüglich bedruckten T-Shirts ganz zu schweigen…

Inhalt: Die Doctorin landet im Amerika des Jahres 1955, wo demnächst eine Frau namens Rosa aus dem Bus geworfen wird – weil sie schwarz ist und nicht für einen Weißen aufstand. Doch irgendein temporales Feld umgibt die genannte Dame. Könnte es etwa sein, dass irgendwer diesen wichtigen Moment verhindern will? (Spoiler: Ja, genau so ist es. Und ein wütender Weißer steckt dahinter.)

Besprechung:

Wie ist das eigentlich, wenn man Missstände anprangern will? Sollte man dann das Opfer mit ultratraurigem Blick zeigen, dazu gefühlsduselige Musik abspielen und den „Täter“ einen Tick zu gemein agieren lassen? Kapieren wir nur dann, dass die „Rassentrennung“ böse war, wenn der Busfahrer beim dermatologischen Separieren richtig sauer wird – statt vielleicht einfach nur genervt (oder nachdrücklich) aufzutreten?

All diese Fragen kann ich getrost mit einem „Neee, war diesmal schon okay so!“ beantworten. Zumindest in der ersten Szene dieser Folge, in der wir einen kleinen Vorgeschmack auf das finale „Nicht-Aufstehen“ bekommen.

Denn ungefähr sooo könnte es auch passiert sein, bevor Rosa Parks im Jahre 1955 aus einem Bus flog, dann eingesperrt wurde – und später mit Martin Luther King eine neue Bürgerbewegung begründete. (Dass vorher die Gründung ihrer eigenen Buslinie namens „Black Tours“ im Sande verlief, lassen wir hier mal außen vor)

„Danke sehr, dass sie mir beim Laufen helfen. Wenn Sie mich dann bitte mit dem Kopf im nächsten Müllcontainer abstellen würden? Ach, Ihr Reizgas ist wirklich gaaanz reizend zu mir.“ – Weiße als Abführmittel: Gut nur, dass DIESES Bild heute nicht mehr möglich wäre. Busse mit diesen Fenstern gibt es nämlich nicht mehr…

Und hier auch erst mal ein (halbes) Lob: Für eine Kinderserie im Vormittagsprogramm des WDR werden die rassistischen Umtriebe jener Zeit ganz brauchbar dargestellt.

Mehr war wohl auch nicht gewollt.

„Doctor Who“ ist nun mal Flachzangen-TV, das Konflikte schon immer so angelegt hat, dass ihnen auch ein zehnjähriger Schulabstinzler mit beidseitigem Resthirnverlust folgen kann. – „Okay“, könntet ihr jetzt fragen, „MUSS eine solche Serie für SF-Anfänger denn dann überhaupt das Thema Apartheit thematisieren?“ Und ich würde darauf antworten: „Wenn sie mal was anderes als schlechtgelaunte Aliens mit chronischer Doctoren-Angst zeigen will – dann sehr gerne!“

Denn wenn man mal außen vor lässt, dass die „bösen Weißen“ ein bisschen zu hasserfüllt spielen, statt einfach nur nervös auf ihrem „Recht“ zu beharren (so wie ich, wenn ich im Zug abwechselnd auf einen betrunkenen Punk und meine Sitzplatzreservierung zeige), dann ist die Grundidee schon mal sehr gelungen. Quasi wie die DS9-Story „Jenseits der Sterne“. Es wurde generell langsam komisch, dass man ständig mit der Zeitmaschine rumdüst, aber selten die Zeitlinie repariert. Derlei SF-Standard war den feinen Herren mit dem Plastikmonster-Fetisch wohl schon zu ausgelutscht, wie?

Und somit profitiert auch die überdrehte Doctreuse – samt ihrer andauernden Gesichtsmuskel-Kirmes – vom klassischeren Plot. Das gleiche gilt für ihre drei „Hans-Wurst-in-die Luft“-Begleiter, die zwar weiterhin nur mit zwei Charaktereigenschaften aufwarten (= dumme Fragen stellen / ausländisch aussehen), diese hier aber gewinnbringend einsetzen. Natürlich immer aus der Perspektive eines Kindes ohne SF-Erfahrung gesprochen. Oder aus (*räusper*) MEINER Perspektive. Denn ich wusste von der geschichtsträchtigen Rosa gar nichts.

„Aah! Ein Schwarzer hat mich angefasst! Hoffentlich kriege ich jetzt keine näher definierte Immunschwächekrankheit, die erst in einigen Jahrzehnten populär wird!“ – Weiß vor Wut: Blöd, dass diese Figur so übertrieben chargiert. Dabei fallen Rassisten doch auch durch ihr Schweigen auf! Oder – in Teilen Deutschlands – durch das Ersetzen aller Vokale durch die Laute „Ö“ und „Ä“.

Auch begrüße ich es, dass man die Psychologie der Serie mal „erdet“ und anhand realer Ereignisse nachjustiert. Bisher war das ja alles immer sehr im luftleeren Raum: Im Zweifel machen alle, was der Doctor sagt, Logiklücken und Todesgefahren werden munter weggegrinst und jahrhundertealte Schwachsinns-Traditionen aufgegeben, weil der Doc beim Machtwortsprechen den kompletten(!) Zeigefinger ausgepackt hat.

Da sehe ich lieber eine Gutmenschen-Story, in der mit kühlem Verstand die Zukunft bewahrt wird.

Äh, ich sagte „mit kühlem Verstand“! Muss daher die ganze Zeit dieses kitschige Lied am Ende spielen? Und die geschockten Großaugen-Landschaft auf Seiten der Doctorin, als Rosa Parks aus dem Bus geführt wird? Und die Zeitlupe, war die auch wichtig für diese „Schwarze Sache“? Und dass irgendein dämlicher Mini-Asteroid(!) nach Rosa benannt wurde, was von Frau Doctor derartig vorgetragen wurde, als hätte die Dame die Krankheit Krebs vom Antlitz der Welt getilgt, war DAS nötig?

Wenn dies das wundersam „veränderte Universum ist“, dann ist der „Klapowski-Kiesel im Dorfteich“ aber auch einer! Und musste man unbedingt noch mal anhand alter TV-Bilder zeigen, wie Frau Parks 1999 einen Orden bekam? – Man sollte doch durchaus denken, dass ein uralter Zeitreisender nach zig Dalek-Kriegen, Cyberman-Aufständen und dem erlebten Ende des Universums nicht bei jedem Nationalhelden aus Anno Dunnemals in heißen Tränen der Rührung ausbricht! Gott flennt bestimmt auch nicht, wenn ich was an den WWF spende!

Und das ist das Problem dieser eigentlich schön inszenierten, schön ausgewählten und schön geschönten Story: Man fühlt sich ein bisschen so, als würde man einen „Irgendwas mit Flüchtlingen“-Tatort in der ARD sehen. Ja, ich sah direkt das Sachbuch „How to erzieh a Zuschauer“ in den Händen der Serienmacher aufblitzen. Dabei hätte ich mir doch viel mehr das Umsetzen der klassischen Dramaturgen-Fibel gewünscht. – So hatte ich z.B. gehofft, dass der weiße Bösewicht einen ganz anderen Plan haben könnte, als „nur“ die Schwarzenbewegung auszuschalten, weil ihm womöglich ein Schwarzer mal im Gefängnis auf den Fuß getrampelt ist (= Was immerhin schon MEHR Motivation als das gewesen wäre, was in der Folge genannt wurde. Nämlich nix). Er hätte z.B. die ganze Zeit versuchen können, der böse Busfahrer zu sein, oder derjenige, der auf Rosas Sitz wollte. Weil er unbedingt Teil der Geschichte sein möchte, unabhängig von irgendeiner Agenda.

DAS wäre mal überraschend gewesen.

„Deine Art muss aus dem Weg geräumt werden, schwarzer Junge!“ – „Nicht solange die Kraft der LIEBE in mir dafür sorgt, dass du jetzt (vielleicht) stirbst!“ – Mexican… äh… Arischer Stand-Off: Der böse Weiße stellt sich dem ebenso liebevollen wie dunkelhäutigen Sportler (der nicht Fahrrad fahren kann) gegenüber. Ich hoffe, liebe Kinder, dass ihr versteht, wie ihr euch moralisch richtig entscheiden würdet. Genau: Auch als Guter nie Gegenfragen stellen – und die Selbstjustiz nicht vergessen!

Und irgendwie nimmt die Serie dann auch zu viele bequeme Abzweigungen. So entscheidet einer der Companions einfach mal, den Gegenspieler in eine andere (Ur-)Zeit zu schicken, was den Doc moralisch eher null interessiert. Warum auch? Ist ja nur ein Rassist. Und wieso musste man alle Companions im Bus noch mal extra ermahnen, bloß nicht einzuschreiten, egal, wie furchtbar(?) der „Bitte stehen Sie von Ihrem Platz auf“-Befehl auch klingen würde? Habe ich was verpasst? Wurde die schwarze Frau doch direkt am Bus-Vorderreifen aufgehängt? Hält man uns Zuschauer denn für komplett bescheuert?

Und wäre es nicht cool gewesen, noch irgendeinen inneren Kampf in den Hauptfiguren zu sehen? Was wäre, wenn die Pakistani als Fast-Schwarze z.B. den Busfahrer noch hätte aufstacheln müssen („Wollen sie sich das etwa bieten lassen?“). Denn am Ende einfach zu sehen, wie alles exakt so passiert, wie es passieren muss (plus/minus ein paar Heulbojen-Töne), das war jetzt wenig spannend.


Fazit: Eine schöne, wichtige und etwas andere Episode, die aber leider auf den letzten Minuten vollkommen zur Gutmenschen-Masturbation wird. So sehr ich die Prämisse auch mochte, so unterfordert fühle ich mich auch, wenn mir Schmalz-Songs den Tränensack-Blues ins Gesicht zu zaubern versuchen.

Und muss die Doctorin wirklich sooo belehrend sein? Ein einziger relativierender Schlusssatz („Rosa Parks ist keine Heldin. Sie stand nur zur rechten Zeit am richtigen Ort nicht auf.“) hätte genügt, um meine Fernbedienung nicht unter 0,5 Litern halbverdauten Abendessens suchen zu müssen.

Schwarzbrot übrigens.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 22.10.18 in Serienkritik

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Kommentare (8)

  1. JPlewka sagt:

    Jenseits allem Wunsch nach politischer Korrektheit und weil der Autor sympathischerweise selber formuliert „Denn ich wusste von der geschichtsträchtigen Rosa gar nichts.“ seien zwei Dinge angemerkt:

    > Die Frau hieß Rosa Parks;
    > Die Bewegung,in der Parks und King tätig waren (die Bürgerrechtsbewegung)war keine „Schwar-
    zenbewegung“ – da mischten auch Tausende von Weißen mit.

    • Klapowski sagt:

      Danke für den Hinweis. Das „S“ von Parks hatte ich wohl überhört. Wurde korrigiert.

      Und das mit der nicht-ausschließlich-schwarzen Schwarzenbewegung (mit Weißen) hast du ja jetzt auch richtig gestellt. Jetzt weiß (haha: weiß!) ich mehr…

  2. BigBadBorg sagt:

    Diese Folge sollte mehr Wirbel verursachen als Black Panther, wo bleiben die Hash Tags? Die Top Posts auf Reddit, Facebook? Die Demonstrationen? Oder hätte das nur geklappt wenn Rosa Parks nen coolen Anzug angehabt und ein paar Busfahrer verkloppt hätte?

    Ich schließe mich dir an, Klapo, schöne Folge, nur das Ende war arg übertrieben inszeniert. Ähnlich war ja das Ende mit Van Gogh, aber das funktionierte irgendwie besser.

    Und ist nicht schlimm wenn du nicht von Rosa Parks gehört hast, ich kannte auch nur den Namen. Doctor Who hat es geschafft mir beizubringen warum ich Respekt vor ihr haben sollte. Hab ich jetzt auch. Verändert jetzt nicht mein Leben, aber tolle Frau, Hut ab!

  3. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Die Doctor im Bus?

    Da war doch was mit Bus?
    Ach ja die r********e Michelle Michelles mit dem Doctor im Bus in der Wüste, oder ?

    Man die Folge war gu
    t, mal sehen wie die jetzt sein wird.

    Gruss BergH

    • Klapowski sagt:

      Hut ab, BergH. Ich finde dich extremst mutig für dein Alter (104?).

      Ohne Vorwarnung eine 10 Jahre alte Episode aus dem Hut zu ziehen, den Namen der Darstellerin vollkommen falsch zu schreiben (Michelle Ryan hieß die), das Ganze mit mysteriösen Sternchen zu versehen und DANN noch zu schreiben, dass die damalige Folge „gut“ war (war sie übrigens nicht), das würde ich mich nicht trauen. Und ich bin immerhin derjenige, der ohne Hose auf alle Pressevorführungen geht, zu denen er eingeladen wird.

      Das nenne ich „Eier aus Stahl“!

      Würde mich nicht wundern, wenn du im Jahre 2099 eine Ehrenmedaille für besonders zukunftsweisende Kommentare erhalten würdest.

  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Die Folge in der Wüste war spannend, lustig und Michelle Ryan ein absoluter Augenschmaus.
    (Michelle Ryan) begleitet den Doktor im Osterspecial 2009 Planet of the Dead (Folge 4.15)
    Mir egal , wie Du sie fandest. ;-)
    Und die Sternchen überdecken rappelscharf, aber das weißt Du ja.

    Die Rosa habe Ich noch nicht zu Ende gesehen.
    Aber vielleicht sind wir da sogar fast einer Meinung.

    Insgesamt kann man sich die Doctor anschauen,
    es war aber auch schon mal besser;
    so zu Ecclestone’s oder Tennants Zeiten.

    Gruss BergH

    • Klapowski sagt:

      „so zu Ecclestone’s oder Tennants Zeiten.“

      Ich muss ja weiterhin sagen, dass ich den Ecclestone am besten fand. Der hat nicht gar so viel rumgehampelt und spielte sich nicht zu sehr in den Vordergrund. Danach waren die SF-Geschichten ja nur noch Ausreden, um den Doc das geplante Stand-Up-Programm vom jeweils neuesten Autoren vorlesen zu lassen.

  5. bergh sagt:

    tach auch !

    So Rosa Parks zu Ende gesehen.
    Und Du hast Recht, den Kinderlandverschickten Bösen, hätten sie ja mit der Tardis abholen und irgendwo
    exilieren können. Was war nochmal seine Intention. Alles anders damit es ihm besser geht ?

    Na egal: Fazit : Ganz nette Folge und die Frau Doctor zappelt nicht gar soviel.
    Am Grundkonzept kann sie ja auch gar nicht viel ändern.
    Vielleicht werden die Drehbücher bald besser.

    Gruß0 BergH

    P.S. Wo sind eigentlich unsere süßen Avatare geblieben?

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