Film- und Serienkritiken

Ernsthafte Kritiken zu Film und Serie.

„The Expanse“ – Kritik der Staffeln 1-3

Viele Nerds mit cheeseburgerverklebten Baseballschlägern sind sich einig: Zukunftia muss dafür bestraft werden, dass sie die absolute KULT-Science-Fiction-Serie nicht wohlwollend genug besprochen hat! – Aber genug zum Thema „Discovery“, denn eigentlich soll es hier auch um „The Expanse“ gehen. Jene Serie, die bald in Staffel Vier geht und auch eine fünfte sehen wird. Erhältlich bei „Amazon Prime“. Wo auch sonst? Etwa dem SF-„Experten“ Netflix? (*Prust*)

Inhalt: Die Erde. Der Asteroidengürtel. Der Mars. Und noch ein paar Brocken, Raumstationen und Busbahnhöfe dazwischen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie finden die jeweils anderen total bescheuert, weil man sich gegenseitig ausgebeutet, militärisch bedroht oder mit nervigen Unabhängigkeitsbemühungen konfrontiert.

In dieser schwierigen politischen Lage folgt ein kleines Frachtschiff einem Notruf. Doch hinter dem SOS verbirgt sich dummerweise eine Gefahr, die das ganze Sonnensystem in die Katastrophe stürzen wird. WENN nicht ein paar Mutige auf allen Seiten des Konflikts das Unglück verhindern… Oder es anfachen. Oder sie in einer unbeachteten Nebenhandlung sterben. Oder sie nebenher rausgeschrieben werden. – Wer weiß das schon vorher?

Nicht wundern: Die Serie ist vor einiger Zeit von Netflix nach Amazon umgezogen.

Besprechung:

„Expanse“ machte es mir zu Beginn nicht leicht. Siehe dazu auch mein Review zu den ersten paar Episoden, bei denen ich mich stets im seriellen Unsympathen-Land wähnte. Nur die anheizenden Worte von Kollege Sparkiller hielten mich damals bei der Stange. („Alles total hochwertig! Weitermachen, Klapowski! Spaß haben ist halt kein Vergnügen.“)

Doch die Hauptstory entfaltete sich weiterhin mit der Geschwindigkeit eines anfahrenden 50-PS-Lkws, während alle auftauchenden Raumfahrer desillusionierte Typen mit dem moralischen Kompass eines Discovery-Offiziers waren. Dazu kam, dass die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme so zahlreich waren, dass ich nur noch „Diese armen, armen Menschen!“ stammelte, und in monotone Wipp-Bewegungen meines Oberkörpers verfiel.

Ihr dachtet, Babylon 5 war faszinierend, weil da die Arbeiter auch mal streikten oder es Probleme mit der Wasserversorgung gab? Dann stellt euch auf NOCH deprimiertere Arbeiter (meist „Gürtler“) ein, die euch vor Frust die Haut vom Gesicht fressen wollen – wenn es nicht gerade zu viele Wasserversorgungsprobleme dafür gibt. Die Leutchen auf der Erde halten sich hingegen für was Feineres (zumindest optisch trifft dies voll zu), während die patriotischen Leute auf dem Mars in den ersten 1,5 Staffeln nur am Rande behandelt werden. Aber immerhin: Man verpasst auch hier keine besondere Freundlich- oder Fröhlichkeit…

Doch tatsächlich lohnt es sich, dranzubleiben. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich sooo lange durchgelangweilt hat („Oh, eine Asiatin wird seit 7 Folgen vermisst. Mal was ganz Neu… Altes!“), dass man schon aus TROTZ anfängt, sich z.B. für den unfreundlichen Sicherheitsfutzi auf Ceres zu interessieren. Irgendwann hat der nämlich genug Leute bedroht, sodass alle Beteiligten zwangsläufig Bewegung in die Sache bringen. („Okay, hier hast du Infos zu der verschwundenen Dame. Und als Bonus: 93 Mal was aufs Maul!“)

„Mach den Mund zu, Junge! Siehst aus wie eine offene Luftschleuse!“ – Überraschend hart: Links sehen wir die Michael Burnham der Serie – allerdings mit chronischer Tränendrüsentrockenheit. Auch der Rest der Crew ist es gewöhnt, sich alleine durchzusetzen. Denn im Weltraum hört dich niemand … die Straßenkarte auseinanderfalten?

Und auch die Raumfahrer, die mit Ach und Krach eine seltsame Entdeckung im All überleben, bekommen langsam Persönlichkeiten. Hier muss man aber (*Stöhn*) ebenfalls lange dran bleiben, um die Eigenschaften der Figuren richtig zuordnen zu können! Denn die gibt es stets in recht ähnlichen Geschmacksrichtungen: brutal-kernig, zäh-kernig, ehrenvoll-kernig und zwangsweise-kernig. Doch mit der Zeit lernt man, dass selbst der „Psycho“ in der Gruppendynamik extrem wichtig ist – und auf welche Weise er von seinen psychisch normalen Freunden profitiert. Und wenn es nur so ist, dass sie ihm erklären, wann ein „Befragter“ genug „verhört“ wurde… („Ah? Wenn aus allen Öffnungen dieses rote Zeug rauskommt, richtig?“)

Auch der Captain der bunten Truppe verdient sich erst nach und nach seine Sporen. Beginnt der noch als schweigsamer Schmusebär mit Andreas-Elsholz-Gesicht, wird er nach und nach deutlich härter. Okay, besonders komplex ist zwar keine Figur, aber das muss ja auch nicht sein. Das ist ja im echten Leben auch keiner. Außer Kollege Sparkiller.

War da noch was? Ach ja: Die Führungskräfte auf der Erde, die sich stets davor fürchten, dass der Mars oder Leute im Asteroidengürtel etwas Nachteiliges planen könnten. Bei diesen Politikern ist vor allem die Inderin hervorheben (= skrupellos-kernig), die auch mal „Terroristen“ foltert oder alte Wegbereiter mit nebulösen Drohungen verschreckt („Wäre doch schade, wenn dein Sohn demnächst wegen Drogenbesitzes aus der Kita fliegen würde, oooder?“).

Ab der 2. oder 3. Staffel legt genannte Politikerin sogar noch mal derart an Aufrichtigkeit zu, dass man sie fast als Lieblingsfigur bezeichnen könnte. So eine Art Cersei mit dem Moralkompass von Tyrion – nur für den Fall, dass ihr ebenfalls die Serie „Homeland“ kennt.

Und ja: Am Ende ist es erstaunlich, wie gelungen die Charaktere sind. Denn trotz chronischer Griesgrämigkeit ist niemand „böse“, weil es im Paralleluniversum immer geregnet hat (*Lorca anguck*), oder weil der Autor einen Antagonisten als Knarren-Abzugsbetätiger brauchte. Nein, hier diktieren die Umstände, wie sich eine Figur verhält. Das mag sich selbstverständlich anhören, ist es aber nicht. Wenn hier eine dubiose Entscheidung getroffen wird (= geheime Proben vernichten oder nicht?), so sehen wir an allen Ecken und Enden, wie die Person zu ihrer Entscheidung kam. Okay: Dadurch kommen zwar die wenigsten „Twists“ komplett aus dem Nichts – aber warum sollten sie es auch, diese billigen Biester?

„Ich habe den Feminismus zwar nicht erfunden, hätte aber kein Problem damit, ihm aufs Fressbrett zu hauen!“ – In der zweiten Staffel sehen wir mehr von dieser Frau. Ihre Hobbys: Walnüsse zwischen ihren Oberschenkeln zerknacken, dem Mars zu neuer Stärke verhelfen und andere Planeten zwischen ihren Oberschenkeln zerknacken.

Besonders hervorzuheben sind natürlich alle Dinge, die mit dem Weltraum zu tun haben: Wenn man nicht gerade stark rotiert oder auf einem Asteroiden abhängt, ist man halt schwerelos. Punkt. Dann zieht man entweder die Magnetstiefelchen an oder bleibt angeschnallt, wenn einem das budgetfressende Rumgeschwebe nicht passt. Ich würde sogar sagen: Alles, was mit Navigation, Richtungswechseln, Zentrifugalkraft oder sinnfreiem Rumkreiseln zu tun hat, gehört zu meinen Lieblingsszenen dieser Serie. Und ich bin sonst eigentlich niemand, der stundenlang im Rollkragenpulli auf der Brücke steht, um seltene Züge zu fotografieren. („Ooooh, guck mal! Der eine ist nicht verspätet.“)

Lustig: Beschleunigt das Schiff zu sehr, platzen Adern im Kopf und man ist hinüber. Zwar gibt es zur Unterstützung lustige Säfte in die Blutbahn, aber auch die können keine Wunder wirken. Viel Aua macht ein Sprung mit hohen G-Kräften immer. Ganz davon zu schweigen, dass einem der halbe Hausrat um die Ohren fliegt (oder man ein drittes Ohr in den Kopf gebohrt bekommt), wenn man nicht alles schön festmacht. Hier scheint man in realistisch rumwirbelndes Zeug mehr Zeit investiert zu haben als in anderen Serien für die Animation der Raumschiffe.

Zusammen mit den zahlreichen anderen Details wie „Munition alle“, „Luftschleuse putt“, „Anzug löchrig“ und vielen Dingen mehr bleibt hier eine ganz besondere Stimmung übrig: Nämlich die, dass man mit dem kleinsten unprofessionellen Verhalten mausetot sein kann. So Gags wie bei Discovery, wo man halt mal eben eine weltbewegende Erfindung aus dem Hut zaubert, wenn es eng wird, gibt es nicht. Und wenn es doch mal etwas innovativer sein soll, so decken sich die spontanen Ideen mit der realen Physik. Zum Beispiel, wenn man von mehreren Monden in die richtige Richtung „geschubst“ wird.

„Ich glaube, hier haben seltsame Dinge stattgefunden.“ – „Woran hast du das gemerkt, Sherlock? War es der blaue Schimmer an der Hutablage oder die auf Tentakeln rumlaufenden Babyköpfe?“ – Forschung für Forsche: Der Vorteil von eher niedrigen Fördergeldern wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig diskutiert.

Dass die Serie so oft genannt wird, wenn es darum geht, STD zu dissen, ist kein Wunder. Denn sie steht – auch wenn sie ebenfalls düster ist – für das exakte Gegenteil in Sachen Storytelling. Auch wenn es in Staffel Drei ein paar Ausnahmefälle gibt, auf die wir später noch kommen.

Generell gilt aber: Ein Flug irgendwohin dauert schon mal eine Weile, jede Kursänderung muss wegen multipler Gefahrenlagen erst mal ausdiskutiert werden und manchmal geht eine Entwicklung so langsam voran, dass man fast die Geduld verliert. Was dann aber halb so wild ist, weil die Schauspieler ihren Job gut machen und ich die Serie optisch für die derzeit schönste SF-Serie halte. Klar, das Wenigste wirkt photorealistisch, aber dafür versucht man nicht, sein CGI durch Bildrauschen, rotierende Kirmes-Kameras oder andere Effekte zu überdecken. Übrigens soll „Expanse“ wohl auch so ungefähr um die 8 Millionen kosten, während Disco mit bis zu 8-9 Millionen zu Buche schlägt. Wer hier besser mit dem Geld umgeht, muss ich wohl nicht erwähnen?

Der grundlegende Pferdefuß ist jedoch: Die Geschichte ist nichts Weltbewegendes. – Was, Klapo?! Blasphemie!? Ja, so ist…

Die eingefleischten „Expanse“-Fans mögen es mir verzeihen, aber nichts, rein GAR nichts an dieser Serie ist wirklich neu, innovativ oder wegweisend. Zumindest nicht, wenn man mehr als 10 SF-Romane gelesen hat. Weder die Art der politischen Intrigen ist frisch („Gib mir das, was ich nicht habe.“), noch der militaristische Ton bei quasi ALLEN Fraktionen („Wir müssen bis zur nächsten Folge klären, wer den Kurs zur übernächsten Folge festlegt!“), noch die etwas esoterisch anmutenden Fähigkeiten der immer größer werdenden außerirdischen(!) Bedrohung. Letztere „cheatet“ sich halt in jeder Staffel etwas mehr durch biologische und physikalische Eigenschaften, während sie so mächtig wird, dass man irgendwann nur noch wissen will, WOHER der ganze Quatsch kommt – und was er von meiner Aufmerksamkeitsspanne will.

Zumindest hätte mich das mehr (und früher!) interessiert als die übermächtigen Monster mit Kristallen am Kopp.

„Guck mal, der Günther trägt jetzt einen Blaumann. So um den ganzen Körper rum quasi!“ – Spoiler für Heuler: Mag sein, dass ich hier nicht erwähnen sollte, dass die überstarken Ungetüme nur misshandelte Menschen sind. Aber wer sich über diesen Spoiler aufregt, dreht vermutlich auch durch, wenn er die demnächst aufleuchtende Farbe an der Verkehrsampel richtig errät.

Und manchmal schwächelt man doch etwas bei den Details.

So gibt es z.B. außerirdische Substanzen, die (natürlich) blau glühen und total leicht ansteckend sind. Aber dann doch wieder irgendwie nicht. – Oder vielleicht wurden auch einfach die Szenen rausgeschnitten, in denen der kontaminierte Raumanzug oder die Schuhsohlen stundenlang mit Spüli behandelt werden.

Viel interessanter sind da schon die wiederkehrenden Figuren und Nebengeschichten, die aus ollen Klischees einen richtig soliden Story-Salat würzen. Es ist den Autoren ja auch nicht vorzuwerfen, dass sie in einer Welt, in der z.B. Kinder zu Experimenten missbraucht werden, nicht auch Leute einbauen, die ihre Tochter SUCHEN. Hier wäre es schon fast dämlich, gewisse Perspektiven außen vor zu lassen.

Sieht aus wie in Düs-Burg: Mit ihren großen Düsen, Schleusen und Ladeluken machen die Schiffe ordentlich was her. Auch wenn man sich manchmal fragt, warum das alles so abartig gigantisch sein muss. Da wäre ICH als zehnköpfiges Hillbilly-Konstrukteursteam wohl auch so mies gelaunt, wie die Burschen hier stets gezeigt werden…

Trotzdem: Ein bisschen experimenteller könnte man manches schon darstellen. Eine halbe Folge aus der Sicht der fiesen Forscher vielleicht? Oder eine Nebengeschichte, die mir zeigt, was der reiche Asiate eigentlich WILL? Immer nur von „Fortschritt“ und „ultimative Waffe“ zu faseln, wird dann doch irgendwann langweilig… – Resident Evil habe ich nämlich auch schon mehrmals durchgespielt, wisst ihr? Auch wird mir etwas zu lange nicht thematisiert, WOHER bestimmte Substanzen eigentlich stammen. Und was der Zweck des Erschaffers ist. Spätestens zu Beginn der dritten Staffel, wo das Zeugs erneut an einer anderen Lokalität abhängt, wären ein paar neue Hinweise oder Klärungen mal nett gewesen…

Aber okay, das hier ist eine TV-Serie. Seit dem Verzicht auf 40-minütige Einzelgeschichte gehört „Zeitschinden“ ja neuerdings zum Standard – und muss somit nicht als Kritikpunkt aufgezählt werden. Man geht ja auch nicht ins Schwimmbad und beklagt sich über nasse Füße.

Daher schnell wieder was Positives:

Am besten sind – rein subjektiv – einige Szenen in der Mitte der zweiten Staffel, wo auf spektakuläre Weise ein Schiff gestohlen wird, die Aufstände sich häufen und die Crew sich langsam damit abfindet, das Schicksal des gesamten Sonnensystems auf den Schultern zu tragen.

Und hier noch mal ein Money-Shot. Übrigens heißt der so, weil wir von Amazon gefälligst GELD sehen wollen, dass wir hier die Serie so gut und ausführlich besprechen. Im Ernst jetzt!

Auch spürt man deutlich, dass eine Romanreihe als Vorlage diente. Alles wirkt aus einem Guss, was dem Zuschauer nervige Stirnklatscher erspart. Neue Wundertechnologien aus dem Nichts oder heimlich geänderte Prämissen kann man mit der Lupe suchen. Hier nimmt man die Worte „Planung“, „Intelligenz“ und „Werktreue“ noch ernst. Hier hagelt es kein Writing für Analphabeten, sondern für erwachsene Menschen, die auch nicht alle 30 Minuten eine Actionszene benötigen.

Und was ist ab der dritten Staffel? (einige Spoiler)

Leider reißt die Serie mich seit dem Ende der dritten Staffel hin und her… Teilweise sogar im Kreis, was an einigen inhaltlichen Wiederholungen liegt. – Denn in einer kruden Space-Mischung aus Extasy-, Schlafmittel- und Esoterikmissbrauch werden hier plötzlich so einige Klischees aufgebracht, die zwar die politische Handlung etwas auflockern, am Ende aber doch etwas beliebig wirken können. Ja, teilweise fühlt man sich an die schlechtesten Sisko-Visionen aus DS9 zurückversetzt, wo einem ständig Aliens was vom (zeitbefreitem) Pferd erzählen, aber am Ende doch nur wochenlang vor sich hin faseln. Weil ihnen das Konzept der Dramaturgie angeblich egal ist – oder weil sie als Kind nie gelernt haben, die Uhr abzulesen… („Wir verstehen euer Konzept von Raum und Zeit und Logik leider nicht. Wir können dir das stuuundenlang in deinem Raum, in deiner wertvollen Zeit und sogar recht logisch erklären!“)

Okay, der kleine Zeitsprung in der Staffelmitte ist durchaus zu begrüßen, aber hier schälen sich bereits erste Fragezeichen aus dem Hirn: Die Crew der Rossinante hätte z.B. seit Wochen gejagt haben müssen, oder? Oder ist das neuerdings okay, einen Kriegshelden frei herumfliegen zu lassen, der zwischen 66,66% und 100% aller drei beteiligten Fraktionen ständig ans Bein gepieselt hat?

„Narben-Paule? Da Sie ja anscheinend noch wichtig werden, hätte es doch nicht geschadet, Sie mal von ein paar Seiten zu beleuchten?“ – „Ich wurde ja beleuchtet, Engelchen. Mit dem Schürhaken in die Fresse, wie du siehst.“ – Blendwerk: Meistens wirkt die schnörkellose Vorstellung der Charaktere recht gekonnt. Doch diese beiden hätte man noch weitaus besser beleuchten können. So wirklich wusste ich nämlich nie, woran ich bei den Hanseln bin.

Und wie soll die Crew in Zukunft ihre Sprit-Rechnungen bezahlen? Plus die ständig anfallenden Kosten für verballerte Munition? Für normale Arbeit sind die ja definitiv zu bekannt jetzt. Okay, man bekommt wohl Geld Für die Reportage, die an Bord gedreht wird, aber diese beiden Unterschichten-Blogger sahen jetzt nicht gerade nach dem Gegenwert von 5 Tankfüllungen und 10 Super-Raketen aus…

Auch finde ich es dramaturgisch etwas komisch, dass man vom dicken Schwarzen lange nichts mehr sieht. Ja, dieser Typ, der seine Atomraketen für „wohltätige Zwecke“ gespendet hatte… Und hätte es wirklich NOCH eine Tochter des bösen Industriellen gebraucht, die mit eindimensionalen Rachenplänen durch die Welt(all)geschichte schippert und Köppe zerdrückt? Das wird ja langsam so familiär wie bei Discovery… („Sarek? Sie hier? Als Mechaniker?“)

Außerdem: Die Politik auf der Erde nimmt plötzlich keinen großen Stellenwert mehr ein, während man das dezente Gefühl hat, dass die Reisezeiten und Aufenthaltsorte ebenfalls ein kleines Bisschen… egaler geworden sind. – Zum Beispiel: Ein neues Alienobjekt(!) im Weltraum wird irgendwie nicht so riiichtig erkundet, so dass ein dämlicher Zukunfts-YouTuber mit seinem Angeberraumschiff der Erste zu sein scheint, der irgendwas vor Ort „erforscht“? Und die berühmte Marsianerin aus Staffel 2 hätte man vielleicht zwischendurch auch mal zeigen sollen, bevor sie mit ihrem Minischiff wieder aus der Versenkung geflogen wird? Mal ganz davon abgesehen, dass die in einer fliegenden Regentonne nebst Mini-Crew zur Erforschung antritt… – Da hat man vom Mars schon deutlich bessere Schiffe gesehen. Und das sogar nur für Erkundungsflüge!

Auch hatte ich tatsächlich nicht ganz kapiert, wer wann und mit welchen Plänen (und Sicherheitsvorkehrungen?) in das Artefakt eintaucht. Hier hätten ein paar zusätzliche Lagebesprechungen geholfen. Oder ein langsam vorausfliegendes Schiffchen mit Inhalt (Ratten?), das auch noch mal automatisch zurückkehrt, bevor man gleich ganze Crews im wabernden Ereignishorizont versenkt. („Ups, wir alle haben jetzt Space-Krebs? Schaaade!“)

Früüüher war ja alles eher hyperrealistisch. Aber jetzt steht die Weltraum-Pastorin neuerdings mit ein paar nutzlos erscheinenden Hanseln auf der Brücke, um Glückskeksweisheiten zu verbreiten. („Ich muss den Leuten Halt geben, falls das Alien-Portal total gottlos daherkommt – und womöglich diese moderne Rockmusik hört!“) Und wie das genau mit dem Geschwindigkeitslimit funktioniert, habe ich auch nicht gecheckt. Ändern die „Aliens“ das ständig, damit sich bloß keiner beim Anflug langweilt? Die menschlichen Eindringlinge bleiben doch genauso bedrohlich – oder halt nicht bedrohlich? Wollen die Aliens denn jetzt, dass da Leute reinfliegen – oder halt nicht?

„Hey, Leute? Ich sehe schon wieder tote Menschen. Aber die wollen mir aus Spoiler-Gründen nicht verraten, was hier abgeht. Schade.“ – Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen – damit der einem noch zwei weitere Staffeln verschreibt! Spätestens hier wird klar, dass es sich doch um eine ganz normale Serie handelt, die auch nur mit abgestandenem Wasser kocht.

Und dann war da noch das Problem mit den oben erwähnten Visionen… So was wirkt schreiberisch gerne mal faul, weil es lediglich erklären soll, warum kleine Kriegshelden sich weiterhin üüüberall einmischen sollen. Die „Aliens haben halt gerufen“ – und fertig? Hier hätte eine persönlichere Motivation irgendwie sauberer gewirkt.

Ich will aber nicht die positiven Aspekte des eher „spinnerten Ansatzes“ verschweigen: Alle Hauptfiguren sind in Season 3 viel besser mit dem harten SF-Kern verknotet, ohne sich ständig durch 95 Sicherheitsmaßnahmen, Weltraum-Straßensperren und Diskussionen hangeln zu müssen. Nach zwei Staffeln der Marke „Wie kommen wir diesmal unbeschadet von A nach B?“ wurde es den Autoren vielleicht zu blöd, sich selbst von spaßbringenden Storys fernzuhalten?

Eine Bitte hätte ich aber trotzdem: Solche Dinge wie „Dreckspfote in Quantencomputer halten, da sonst die Super-Vision nicht startet“ sollte man nicht übertreiben. Klar, fortgeschrittene Technik wirkt oft wie Magie, aber in einem derartig schmutzigen Setting wirkt die Zauberei schnell man deplatziert.


Fazit Staffel 1:

Ein schwerfälliger Beginn mit unsympathischen Leuten in unsympathischer Umgebung. Hier muss man schon beinahe medikamentös auf sein ADHS einprügeln, um ab Folge 5 oder 6 langsam von der Handlung mitgerissen zu werden. Aber okay, ist halt total anspruchsvoll und erwachsen, nichts für ungeduldige Lullis mit Tinder auf dem „Second Screen“.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Fazit Staffel 2:

Wenn die Kriegsgefahr in Form von Detonationen an die Schiffe klopft und immer mehr Fraktionen reingezogen werden, wird es spannend(er) im Hause „Expanse“. Einige krasse Tode und erstmals „spielbare“ Charaktere helfen ebenfalls beim Tollfinden. Auch ist das Mysterium hier weder zu groß, noch zu klein. Quasi wie bei LOST, als es noch gut war (= die ersten 3 Folgen).

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Fazit Staffel 3:

Bestimmte Dinge sind auserzählt – oder stecken in der Wartekiste, bis man sie zum erneuten Auserzählen benötigt. Und das, während andere Dinge ihren Anfang nehmen. Wer jetzt den Fehler(?) macht, ältere Wendungen in ihrer Gesamtheit zu bewerten, wird feststellen, dass manches im Sande verlief, sich anderes wiederholte, ein bisschen lahm war oder „nur“ von der grandiosen Stimmung lebte. Aber: Das ist bereits meckern auf hohem „Wir müssen noch 2 Staffeln füllen“-Niveau…

Positiv: Endlich gibt es mehr verrückte Alien-Wendungen. Negativ: Es gibt mehr verrückte Alien-Wendungen.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
SF gegen ADS
Schönes Wörldbilding. Charaktere, bei denen man sich sogar das Gesicht merken kann. Gelungene Effekte und Kulissen. Eine ausgearbeitete Story, wie man sie zuletzt bei Babylon 5 gesehen hat.

Schon super, dieses Star Trek Discovery.

Ha-ha! Reingelegt!

Ich rede hier natürlich von „The Expanse“, der Verserienung einer bereits sehr umfangreichen Roman-Reihe. Will sagen, im Gegensatz zu George R. R. „Was? Zu Ende schreiben? Muss doch auf Tour gehen und viele andere Projekte machen!“ Martin scheinen die beiden Schreiberlinge auch weiterhin ordentlich Schreib-Gas zu geben, so dass man sich über ein voreiliges & lustloses Ende der Serie (hoffentlich) keine Sorgen machen muss.

Aber zuerst war auch ich überrascht, wie gelungen das Gesamtbild war. Oft reicht ja schon die erste halbe Stunde um zu erkennen, wie viel Bock(tm) durch eine Produktion fließt. Und dass die ersten drei Staffeln vom Qualitätsbomber SyFy finanziert wurden half auch nicht gerade. Aber Optik, Musik, Story und Schauspiel harmonierten bereits von Anfang an sehr schön miteinander.

Parteien wie Erde, Mars und Asteroiden-Gürtel werden glaubwürdig eingeführt, unterscheiden sich deutlich und keine davon wirkt absolut gut oder böse. Außer vielleicht die, naja, Bösen halt, welche zumindest über fehlgeleitete Motivationen verfügen. Also mehr, als 95% aller Marvel/DC-Finstermänner („Hab schlecht geschlafen. Muss Welt vernichtööön!“).

Am Besten gefällt mir aber wohl, dass man sich Zeit nimmt. Ruhige Momente herrschen vor und die Geschichte bewegt sich entspannt, aber nicht ZU langsam. The Expanse stellt für mich die Weiterentwicklung von Star Trek dar, wie man sie uns leider nicht geboten hat. Aber, Hey, „Power of Math“ und so. *fremdschäm geh*

Dazu tragen auch viele Kleinigkeiten bei. Die Mormen und ihr Generationenschiff. Riesige Asteroidenbasen. Das Thema Pflanzenanbau im Weltall. Ein schöner Flashback zur zufälligen Erfindung des Flottantriebs (oder so). Meuterei im Militär. Da ist eigentlich für jeden etwas dabei.

Okay, Humor zum Bauchfesthalten gibt es eher selten. Dafür viel von der staubtrockenen Variante, was hier wohl auch viel besser passt. Für so richtige Hammergags habt ihr schließlich unsere Artikel. So wie den von meinem Kollegen dort oben.

*kurz nach oben guck*

Gut, vielleicht auch nicht.

Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, wie es mit der Expanse weitergeht. Staffel 4, ab welcher Amazon die Schecks ausstellt, scheint ja in eine etwas andere Richtung zu gehen. Dieser kurze Ausschnitt mit ohne Dialog macht schon einmal Lust auf mehr:

Wertung: 8 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 16.08.19 in Serienkritik

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Kommentare (11)

  1. Bolleraner sagt:

    Tolle Sendung, die wie oben beschrieben erst später richtig Fahrt aufnimmt. Und sie ist ein weiteres Beispiel für den Einfluss von Alejandro Jodorowsky auf zeitgenössische Science Fiction. Das literarische Vorbild von Miller ist John DiFool aus den Incal Comics, für welche ich eine klare Kaufempfehlung ausspreche, beim Belenus!

  2. BigBadBorg sagt:

    Yup, gute Serie! Wesentlich komplexer als so manche andere Sci-Fi-Serie, die sich anspruchsvoll schimpft (Discovery – Science, Fuck Yeah!).

    Sie hat zwar, wie oben beschrieben, auch so manche Schwäche, aber wenn sie dieses Niveau in der vierten Staffel beibehält, dann gerne mehr davon! Unsympathische Charaktere müssen nicht zwangsweise Hassobjekte sein, Frau Burnham.

    Und wo wir gerade bei ollen Kamellen die an euch vorübergezogen sind: Wo bleibt eigentlich das Review von Future Man…? Die ist zwar nicht wirklich anspruchsvoll, aber sie hat Corey Wolfheart. Alleine deswegen: 6/5 Sternen!

    • Klapowski sagt:

      > Wo bleibt eigentlich das Review von Future Man…?

      Kommt wahrscheinlich nicht mehr. Grund: Mich nerven Serien und Filme, die wild ein paar popkulturelle Dinge zusammenklatschen und eine Schippe Gewalt und derbe Sprache drüberschmieren, damit es „mutig“ und „innovativ“ wirkt. Nichts gegen Blut und Sex, wenn es passt (= GoT früher), aber „Deadpool“ hat für mich schon nicht funktioniert.

      Und sogar „Rick & Morty“ hätte es mit seinen vielen tollen Ideen nicht nötig, dauernd nebenbei haufenweise Menschen/Aliens zu töten („Haha! Voll überraschend! Und die Helden machen einfach weiter, LOL! Voll kultig seit 30 Folgen, ROFL!!“ – „Ja, Dani. Und jetzt ab ins Bett. Morgen ist Schule…“).

      Hier vergessen die Macher halt gerne mal, dass wenn ALLES humoristisch und gewaltmäßig möglich ist, man auch nicht mehr überrascht wird. Ich jedenfalls fiebere ganz schnell nicht mehr mit.

      So habe ich bei „Future Man“ über die Anspielungen auf 80er-Jahre-Brutalo-Helden einmal kurz gelacht, die Serie noch ein paar Minuten weiter laufen lassen und dann gemerkt, dass sich der Gag alle paar Sekunden wiederholt.

      Sollte sich die Serie aber ab der ersten Folge noch krass entwickeln, bitte ich um eine kurze Wortmeldung.

    • BigBadBorg sagt:

      > Sollte sich die Serie aber ab der ersten Folge noch krass entwickeln, bitte ich um eine kurze Wortmeldung.

      Jein, der Humor bleibt wie er schon in Folge eins war. Aber die Zeitreisestory ist witzig, aber nichts was einen gestandenen SF-Fan schwer überraschen würde.

      Wenn die Charaktere nichts für dich sind, dann brauchst du nicht weiterzugucken, auch wenn Wolf (eigentlich als einziger aber dafür richtig) eine tolle Charakterbildung aufweist.

      Es sind die Popkulturreferenzen, die teils derben Gags, und das Schauspieltalent der Hauptdarsteller die die Serie für mich von allem anderen abgehoben hat. Hier hat man irgendwie alles was over the top war nochmals over the top gemacht.

      Schau dir doch einfach mal die James Cameron-Folge an, sind nur 20 Minuten (Staffel 1 Pandora’s Mailbox). Wenn du das nicht wenigstens ein bisschen witzig findest, ist es nichts für dich.

      Und da du ja des Englischen mächtig bist, schlage ich direkt O-Ton vor. Ich habe zwar die Synchro nicht gesehen, kann mir aber gut vorstellen das viele Gags wahrscheinlich nur schwer übersetzt werden können.

  3. Karl-Heinz sagt:

    Das komplette 3. Buch ist in der zweite Hälfte der 3. Staffel rein gepresst. ( 1. Buch 1,5 Staffeln, das 2. eine und der Rest das 3. Buch ) Vielleicht guter Fan-Service um für einen möglichen Abbruch der Serie ein rundes Ende zu haben. Obwohl es ja ein riesiger Cliffhänger ist, zu sehen wie Menschen/Marsianer/Belter nun mit den tausenden Planeten umgehen werden. Es ist eigentlich auch gelungen aber leider fühlt man sich dennoch hinein geworfen und kann viele Charakter Intentionen nicht vollkommen nachvollziehen. Ein Charakter wurde auch weggelassen und in die weibliche belterin integriert. Vielleicht 2-3 Folgen mehr hätte es fast schon perfekt gemacht. Um eben auch solche Fragen was haben sie gemacht, wie verdienen sie ihr Geld, warum dürfen sie ihr Schiff behalten zu beantworten.
    Allerdings sieht man in dem langen Trailer auch wie die Rocinante ihre Railgun erhält was im Prolog des 3. Buches schon passiert also wird wohl auch einiges nachgeholt. Bin gespannt. Die beste ernste Scifi Weltraum Serie ( um die Kategorie etwas einzudämmen ,damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt ;D ) der letzten Jahre !

  4. Serienfan sagt:

    Acht Bücher sind erschienen, ein neuntes ist für 2020 geplant, ein Ende ist aber wohl nicht in Sicht.

    Daher stellt sich mir dann doch die Frage, wie daraus eine vor „Planung“ strotzende und in sich geschlossene Serie entstehen soll, wenn jetzt gerade einmal die ersten drei Bücher verfilmt wurden.

  5. JP1957 sagt:

    Stattdessen: „The Boys“ … Unterhaltung, Charakterzeichnung, Neues und ab und zu Tiefgang und politische Relevanz von Folge 1 an.

  6. bergh60 sagt:

    tach auch !
    Muss JP1957 zustimmen.
    Nach Sichtung der ersten Folge:
    Das scheint eine SEHR spritzige Serie zu sein.
    Die Guten sind (meist) böse und die Bösen nicht immer gut.

  7. JP1957 sagt:

    Und das Überaschende: Selbst das ändert sich während der Serie wieder ;-)

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