Film- und Serienkritiken

Der Latinum-Standard des Star Trek Universums

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Revolution – 1.01 – Meinung zum Piloten

Revolution – 1.01 – Meinung zum Piloten

Gesetzlose Todeszonen, marodierende Mörderbanden und einsturzgefährdete Wegsehenswürdigkeiten – Wer wie ich in Gelsenkirchen aufgewachsen ist hat zwangsläufig eine gewisses Vorliebe für das Endzeit-Genre. Daher kommt das neueste Werk von Produzent J.J. „Stempelt meinen Namen einfach überall drauf“ Abrams gerade recht, eignet eine Videoaufnahme dieser Serie sich doch wunderbar um im Falle eines tatsächlichen Weltuntergangs potentielle Horden an fiesen Strahlenmutanten erfolgreich verscheuchen zu können.

Folgende Vorgehensweise scheint sich bei neuen Sci-Fi-Serien zur Zeit so ziemlich durchgesetzt zu haben: Für eine opulente Pilot-Folge werden ruhig mal ein paar Milliönchen mehr auf den Kopp gehauen, um die Zuschauer danach aber erst einmal mit lauen Bühnenstück-Episoden bei heiterer Unlaune zu halten. Warum? Keine Ahnung, vielleicht hofft man auf die Ausdauer der Einschaltenden, daß es irgendwann wieder besser wird? Oder man geht davon aus, daß die Einschaltquoten selbst bei hochwertigen Folgen sinken werden und man sich daher lieber am Anfang den großen Werbe-Reibach wünscht?

Gut, daß man bei Revolution auf diese Weise vorgeht kann ich nach einer Folge natürlich noch nicht behaupten. Aber es würde mich doch sehr wundern, wenn man uns im weiteren Verlauf z.B. tatsächlich die selbe Menge an photogeshoppten und blankgerechneten Szeneneinstellungen von verwucherten Hochhäusern und verfallenden Denkmälern zeigen wird. Zumal die fast gleichaltrigen Serien-Kumpels ganz ähnlich vorgegangen sind. Der Story-Dinosaurier „Terra Nova“ von Steven Spielberg lockte zu Beginn ebenfalls erst mit einer „schön“ versifften Zukunftsstadt, transportierte uns danach aber in eine als ferne Vergangenheit gepriesende Farn-Plantage mit dem optischen Charme einer lustlos hingestellten Reihenhaussiedlung.

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„Kinderchen, nennt mir doch mal den besten Hinweis, durch welchen auch der letzte Hirni-Zuschauer versteht daß wir in einer Welt ohne Strom leben?“ – „Ganz klar, der Hufschmied!“ – „Neeein, die Mittelalter-Kluft von dem unplausibel dicken Kind da!“ – „Heeey!“ – „Quatsch, das Buch mit den Zeichnungen aus dem 11. Jahrhundert da unten!“ – „Das Autowrack als Blumenbeet im Hintergrund?!“ – „ALLES richtig! Denn wir halten unsere lieben Zuseher nämlich für besonders bescheuert!“

Überhaupt scheinen sich Abrams und Spielberg gegenwärtig ein trauriges Wettrennen zu liefern, wer in kürzester Zeit den mittelmäßigsten Sci-Fi-Mampf in den Ether würgen kann. Und bislang liegen dabei beide so ziemlich gleichauf. In der Kategorie „Schneller abgesetzt, als man seine Schlafmütze aufsetzen kann“ steht Abrams das unglaublich schemahafte „Knastvogel der Woche“-Drama Alcatraz an der Seite, während Spielberg das „Fressvogel der Woche“-Ursüppchen Terra Nova aus seinen alten Socken auskocht. Im neuesten Humpel-Rennen dagegen heißt es Revolution gegen Falling Skies, bei welchen uns selbst die Logos mit fast derselben düsteren Erdkugel begrüßen, um dieses ganze Katastrophen-Feeling noch einmal zart mit dem kreativen Holzhammer zu unterstreichen.

Mit einem großen Spannungsaufbau hält man sich bei „Revolution“ jedenfalls nicht auf. Kaum hat man uns noch schnell an unsere Abhängigkeit von Elektrizität, Internet und Fernsehen erinnert, da stürmt Papa Ben auch schon zur Tür herein um seine Familie darüber zu informieren, daß man in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht mehr mit Paketen von Amazon rechnen sollte. Und es bleibt auch gerade noch genügend Zeit, damit dieser einen Satz unbekannter Daten auf einen goldenen (!) und herzförmigen (!!) USB-Stick kopieren kann. Es wird wohl mit dem roten Faden ™ zu tun haben, könnte aber auch einfach eine Sicherheitskopie seiner Angry Birds-Highscore gewesen sein.

Und weil gutes Timing sehr, sehr wichtig ist, fangen direkt danach auch schon die Lichter an zu flackern. Handys laden ihre letzte App, Flugzeuge rummsen mit einem Drehwurm zu Boden und die Pornoindustrie muß in Zukunft wohl auf Wanderbühnen ausweichen. Dieser Strom-weg-Moment wird natürlich sehr schön präsentiert, denn schließlich befinden wir uns noch in der Pilotfolge. Aber weil eine Darstellung des darauf folgenden Chaos selbst dafür zu teuer wäre, wird es nun Zeit für die „15 Jahre später…“-Einblendung.

Schnitt zur friedvollen Öko-Siedlung aus dem Amish-Katalog. Schafe bläken, Kinder rennen herum und die Petunien blühen im ausgeschlachteten Rumpf eines Beetle. Ein dicklicher Nerd übernimmt völlig überraschend die Rolle des sprücheklopfenden Weicheis/Trunkenbolds und Ben nebst Familie (minus die wahrscheinlich extra für Rückblenden verstorbene Mutter) leben friedvoll in ihrer kleinen Gemeinschaft. Töchterchen Charlie mutierte zwischenzeitlich zu einer 1:1-Kopie der Flitzebogen-Hauptcharakterin aus „The Hunger Games“, während man bei Sohn Danny jederzeit erwartet, daß dieser sich in einen der Werwölfe aus „Twilight“ verwandelt.

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„Mensch, diese Billigflieger übertreiben es so langsam doch etwas mit ihren Kosteneinsparungen!“ – „Hey, DU wolltest doch 5 Euro günstiger reisen, indem Du den Rasen auf der Startbahn selber schneidest!“ – Schwachmatte Painting. Von solch schönen Panoramen aus dem Malkasten bin ich eigentlich ein sehr großer Fan. Schade nur, daß die Charaktere ganz ähnlich hergestellt wurden.

Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Die Fiesen(c) suchen Ben, weil dieser mit seinem güldenen Kitsch-Stick anscheinend den Strom wieder anknippsen kann, was in Sachen Machtergreifung ja durchaus einen Vorteil darstellt. Dabei geht etwas schief und Bens Bruder, Marke „Harte Schale, weicher Kern“, muß als Familienersatz einspringen. So weit, so unoriginell. Denn wie bei der bereits erwähnten Serien-Konkurrenz scheint man hier wieder den sicheren, den langweiligen, Weg eingeschlagen zu haben. Den Weg der schönen, aber profillosen, Katalogköpfe und Geschichten nebst Antagonisten aus dem Drehbuch-Generator. Alles ist hier sauber, die Klamotten gewaschen, die Zähne geputzt, die Haare frisiert und die Gesichter gepudert. Die Handlung ist die simpelste Mischung aus „Rettung“ und „Reibung“ zwischen den Figuren, welche einfach nicht extremer in die üblichen Rollenschubladen (Dicker Mann = Lustig, Junge Frau mit Bogen = Mutig, Lederjacke mit Dreitagebart = Antiheld) passen könnten. Überraschungen sind hier leider fehl am Platze.

Fazit: Eine weitere schöne Grundidee, welche der Bocklosigkeit des aktuellen Fließbands für US-Serien zum Opfer gefallen ist. Ob „Flash Forward“, „V“, „The Event“, „Terra Nova“, „Jericho“ oder „Alcatraz“, die Liste in Sachen eingestampftes Mittelmaß ist lang. Dabei haben diese Serien eigentlich alle ein nettes Konzept gemeinsam und kranken oft nur an einer murksigen Umsetzung. Fade Figuren, lahme Geschichten, die Ursache für all diese Probleme lassen sich nur schlecht bestimmen. Immerhin funktioniert noch eine Sache: Der (Nicht-)Einschaltwillen des Zuschauers. So müssen viele Serien-Gurken immerhin nicht lange leiden.

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von Sparkiller am 14.09.12 in Serienkritik

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Kommentare (5)

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  1. Sonderschulstreber sagt:

    Den Screenshots nach zu urteilen, die ich bisher davon gesehen habe, hat das irgendwie diesen gräßlichen, gelackten Look vieler network scifi/mystery Serien. Da habe ich schon gleich keine Lust mehr überhaupt erst reinzuschauen. Dann noch dieses scheinbar absolut hanebüchene Szenario: Elektrizität is wech! Wie soll denn das gehen? Ist mal eben so eine grundlegende Kraft im Universum ausgefallen? In dem Fall hat sich die Welt aber gut (zusammen-)gehalten.

  2. Halbnerd sagt:

    Ich würde auch gerne wissen, warum einfach so ALLE Kraftwerke der Welt ihren Dienst versagen sollten. Hatten die Schulden bei der EZB und wurden alle parallel geschlossen oder wie soll ich das verstehen?

    Zur Serie: alleine schon durch die sonderbare Ausgangslage fällt mir ein Eintreten in diese (eingetretene?) Welt sehr schwer.

    • JK sagt:

      Keinen Strom? Das gabs doch schon in der Afterworld Serie. Allerdings wurde es da mit irgendwelchen Militärsatelliten erklärt, die jeden Strom absaugen. Ob es jetzt so eine Erklärung dafür gibt, d.h. ob es mehr Scifi oder Fantasy ist, ist für mich eigentlich egal, solange die Serie gut ist, was ich allerdings nicht beurteilen kann und es nach dem Review wohl auch nicht danach aussieht.

      Antworten
  3. KojiroAK sagt:

    Also irgendwie scheint sich der Begriff, Science-Fiction gewandelt zu haben.
    Früher hiess Science-Fiction noch vieles tolles technisches Gerät und hübsche bunte Effekte.
    Heute würde wohl auch Bonanza unter Sci-Fi laufen, solange man am Anfang sagt, irgendwie ist uns die Technik abhanden gekommen.

    Ich tippe auch mal drauf, dass die Frage „was zur Hölle war da los“ auch ständig auftauchen wird, mit der Aussicht auf eine Antwort (speziell immer dann, wenn gerade über eine Fortsetzung der Serie verhandelt wird). „Hey, in der nächsten Staffel werden wir antworten geben, aber um die zu verstehen müsst ihr schon heute einschalten. Und auch allen Freunden erzählen, sagen wir auch üüüüüberhaupt nicht um höhere Einschaltquoten zu erreichen, ganz ehrlich.“

  4. Onkel Hutt sagt:

    Alles, wo J.J.A. draufsteht, wird von mir gemieden. „Lost“ ist für Dauerkiffer, die sich Logik- und Storylücken selbst auffüllen können, „Super 8“ fing sehr gut an um dann schnell langwielig und als billig Kopie zu enden wie „Cloverfield“ (welches schon so anfing).
    Wenn ich nach „Terra Nova“-Bildern gugel, erscheint der einzige Dinosaurier auf Seite 2, und der Schnippsel ist auch noch aus „Jurassic Park“. Ich vermute mal, die CGI-Dinosaurier sieht man dort eher selten ?
    Erinnert mich an „Sagen Sie, haben Sie in Ihrem Dinosaurier-Park auch mal einen äh Dinosaurier ??“
    Überhaupt wirds tatsächlich schwer, sich eine neue Serie zu suchen. Nachdem ich einige Staffeln von „Flash Forward“ oder „Heroes“ durchgehalten habe und jedesmal veräppelt wurde, habe ich auf so storytechnischen Endlosschleifen wenig Lust. Klar, von sowas (und anderen Dingen) lebt eine Serie und auch bei Akte X hatte man immer gedacht, in der neuen Staffel wirds aufgelöst, aber wenn man mittlerweile schon im Piloten weiß, all die Fragen werden, wenn überhaupt, erst in zehn Jahren mal andeutungsweise gelüftet und bis dahin tun sich für eine absurde Antwort 15 neue Fragen auf, schaltet man schon reflexhaft ab und tut sich das nicht an. Da geht man zum Regal und zieht sich ein paar Folgen „King of Queens“ oder „Cheers“ rein, da konnte man am Ende der Episode mit einem Lachen beruhigt den roten Knopf drücken ohne mit bohrenden apokalyptischen Fragen ins Bett zu müssen.

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