Film- und Serienkritiken

Der Latinum-Standard des Star Trek Universums

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„Für immer Shrek“ – Das Review

„Für immer Shrek“ – Das Review

Die Shrek-Reihe ist – trotz einiger Durchhänger – noch immer eine meiner liebsten Animationswelten, ausgelöst durch meine frühkindliche Prägung im Jahre 2001, die rätselhafterweise im Erwachsenenalter stattfand. Ich mag ihn halt einfach, den Rebell mit den Würstchenohren. Doch würde der abschließende Teil mich noch einmal begeistern wie ein Sumpf aus Schokosoße? Lange Zeit traute ich mich nicht an Teil 4 heran, bis mir völlig überraschend ein alter Freund (Amazon) eine Blu-Ray anbot, die ich unmöglich ablehnen konnte…


INFORMATIONEN:

Regie: Mike Mitchell
Jahr: 2010
Budget: 165 Mio $

Poster
Das Universum in der Nussschale
Auf dem Papier des zuständigen Bejubelungsmagazins („Moviestar“) las sich das alles noch recht ironisch-märchenhaft: Der Oger bemerkt, dass bei Filmteil eins noch alles besser und anarchischer war, woraufhin Rumpelstilzchen ihm den magischen Drehbuchautoren mimt und eine Paralleldimension erschafft, in der die Teile 1 bis 3 niemals existiert haben. Eine gute Idee, die ich auch auf die „Fluch der Karibik“-Reihe ausgedehnt sehen möchte. OHNE den demnächst nachfolgenden 4. Teil, wenn’s denn geht.

Leider funktioniert dieser nette Kniff bei Shrek aber nur mit halber Kraft, denn mein Hirn widersetzte sich dem Universumsradierer auf dem Bildschirm (hätte wohl die „Special Bewitched Edition“ kaufen sollen?), so dass ich mich sehr wohl noch an die Vorgänger erinnern konnte. Und wir wissen schon seit „Star Trek 11“: So ein Reboot ist auch nicht der Weisheit letzter Lattenschuss, wenn der Autor sonst nur Feenstaub in der Birne hatte.

Statt zu Tode gerittener Gebrüder-Grimm-Satire gibt es die alten Figuren nun einfach in neuen (Speck)Rollen, die teilweise nicht mal besonders lustig angelegt wurden: Der Esel klamaukt aufgrund jahrelanger Unterdrückung irgendwie etwas depressiver vor sich hin (Mubarak und Rumpelstilzchen müssen weg?), der Ach-so-lustige-Kater ließ mir schon in Teil 2 teilweise die Gucklust (Achtung!) zusammenschnurren und Fiona als Freiheitskämpferin ist so unlustig, dass ich ständig an die Spiegelwelt-Episoden von DS9 denken musste. – Was diesen Film wohl eher aufwertet.

„Keine Sorge: Diese verdammten vollen Windeln prügele ich windelweich, hahaaaa!“ – „Hm. Könntest Du bitte wieder einmal die Woche zu diesem Stammtisch mit Deinen ungehobelten Zyklopenfreunden gehen?“ – Tanz der Tunten: Shrek hat von sich selbst die Nase voll, was sofort eine zustimmende Verbindung mit dem Publikum erschafft.

Überhaupt empfand ich die Actionsequenzen diesmal als ziemlich spannungslos (Im Gegensatz: Drachenkampf, „Shrek 1“), die Märchenanspielungen ärgerlich vergessenswert (Im Gegensatz: Der Zauberer ohne Hose in „Shrek 3“) und die Songauswahl etwas Banane (Im Gegensatz: Alle Lieder aus „Shrek 1“). – Rückblickend könnte man sagen: Teil 1 hatte Herz und Ironie, Teil 2 immerhin Zaubertrankspinnerei nach gallischem Vorbild und Teil 3 funktionierte mit einigen popkulturellen Anspielungen immer noch in geordneten Anarchiebahnen. Und der 4. Streifen? Rennt „Finaaaaleee!“-gröhlend durch die (zweit)besten Szenen der Vorgänger, malt kleine Schmucksternchen auf alte Witze und erfindet bereits neue Vorgeschichten, obwohl man sich den Erstling immer noch nicht zum sechsten Mal angesehen hat.

Die bekloppte Kinderaufzucht vom Beginn ödet einen zudem so sehr an, dass man Shrek nicht mal wünscht, dass er sein „Brady Family“-Universum wiederherstellen kann. Und da das neue so lustig ist wie ein Fips Asmussen mit grüner Wandfarbe, möchte man auch diesen alternativen Affenkram nicht wirklich sehen. So ertappte ich mich nach der Hälfte des Filmes dabei, wie ich in den Sofaritzen nach alten Erdnüssen suchte, statt mir interessiert anzusehen, wie viele Oger es plötzlich gibt.

Viele Dinge habe ich auch nicht kapiert: Warum verschmorrten die Hexen, wenn man ihnen Wasser ins Gesicht schüttete? Schwere Hygiene-Allergie, oder watt? Wie kann eine Höhle, die ein paar Meter unter dem Wald liegt, in einen Mordor-ähnlichen Komplex münden, der irgendwie gar nicht nach „drinnen“ aussieht? Wie hat es Rumpelstilzchen geschafft, dass der Sumpf austrocknete? Böse Handlangerarmee mit Heizlüftern? Und warum versteifte man sich so auf die langweiligen Hexen, während es in Teil 3 noch so viele schöne unterschiedliche Bösewichter gab? War die Random-Software für das automatische Erstellen von Warzen und Hakennasen etwa im Sonderangebot? Und wieso sieht man Fiona nie in ihrer Menschengestalt? Wenigstens einmal hätte man das zeigen müssen. – Nichts gegen unrealistischen Schwachsinn in Animationsfilmen, aber die anderen Shreks erschienen mir irgendwie durchdachter zu sein.

„Hey, ich bin gar nicht so dick! Dieser fette Kerl hinter mir bestaunt mich immerhin schon seit einer Stunde durch das Bullauge!“ – Shrek lass nach: Alte Figuren mit neuen, schlechteren Blutwerten sorgen nur kurzzeitig für den gewollten Verfremdungseffekt. Und warum der neue Kater unbedingt ein Trekkie sein musste, war mir dann auch etwas zu hoch.

Aber schlecht ist der neue Teil dadurch noch nicht. Wie auf den alljährlichen Familienfeiern in der Realität werden eben noch mal alle schrägen Gestalten angekarrt, die man (zum eigenen Erstaunen) schon gar nicht mehr so schräg findet. Wenn man zum 4. Mal sieht, wie Onkel Benno mit dem Finger lustige Quietschgeräusche auf seiner Glatze macht, ist das eben schon wieder ganz normal. Genau so wie die üblichen Gags um Lebkuchenmänner mit Eunuchensynchro, hirnose Holzpuppen und die drei kleinen Schweinchen. Dass diese „Leute“ nun aggressiver, anarchischer und schweigsamer daherkommen, ändert nichts daran, dass es seit „Shrek 1“ im Grunde immer um das selbe geht: Akzeptiere dich selbst und den toleranten Rest, küsse deine große Liebe (schon wieder) und erledige einen Märchenbösewicht, während dir noch der Lipgloss auf der Zunge zerläuft.

Inzwischen parodierte die Reihe auch nicht mehr Disney, sondern seine eigenen Vorgänger, was in etwa so sinnvoll ist, wie ein neues Satiremagazin, dass ironische Artikel über die „Titanic“-Redaktion bringen möchte. Am tiefgründigsten war noch die „Fernsehsendung“, die Rumpelstilzchen im Stile von egozentrischen Diktatoren an seine Untertanen versendete. Nur echt mit Regenbögen und Propaganda-Landschaftshintergründen im Stile nordkoreanischer Behudelungspinsler.

Technisch ist der brachiale Budenzauber wie immer sehr hübsch gemacht. Doch trotz mehr Polygonen, Felleffekten, Berechnungszeit und Umgebungslicht fand ich die anderen Teile optisch irgendwie einprägsamer. So als hätte man einem Künstler zwar 20 neue Farben in den Malkasten gegeben, ihn aber zum Ausgleich an einem Klapptisch an der Bundesstraße arbeiten lassen. Kleine Überblend- oder Kameraspielereien, die ich in Teil 1 noch schlicht und genial fand, sehe ich hier nicht mehr. Mehr ist eben manchmal… weniger.

„Du willst meine Seele kaufen, Rumpelstilzchen?“ – „Jau. Weißt du zufällig, wo die Typen von Dreamworks sie vor ein paar Jahren versenkt haben, hm?“ – Stehauf-Zwergen-Aufstand: Bernhard Hoëcker spricht den mystischen Zauberdealverkäufer in einer preisgekrönten Mischung von „Hätte man jeden anderen nehmen können“ und „Sauber gemacht“. Antagonistenpreise für besonders gesellschaftsschädigendes Verhalten gewinnt der grimmige Gnom allerdings nicht. Das schlimmste, was er getan hat: Er aber einfach den Klimawandel geschehen lassen.

Schön aber, dass der 4. Teil am Ende doch noch irgendwie die Kurve bekommt. Der Abschluss ist sauber, ein bisschen romantisch und zitiert den Erstling so hemmungslos, dass ich fast sagen möchte: „Kultfilme sind wie Zwiebeln: Klapo muss immer weinen, wenn sie später noch mal angeschnitten werden.“


Fazit: Die liebgewonnen Figuren retten den 4.Oger-Aufguss vor der Bedeutungslosigkeit. Nun kann das Märchenbuch aber wirklich langsam mal verplompt werden. Sicher werde ich mir diesen Film in 1-2 Jahren noch mal ansehen, aber bis dahin verweilt er in meinem DVD-Regal ganz sicher erst mal… „far, far away…“

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 29.01.11 in Filmkritik

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Kommentare (5)

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  1. DJ Doena sagt:

    Bzgl. Wasser und Hexen: War das nicht die Art und Weise wie Dorothy die Hexe des Westens im „Zauberer von Oz“ besiegt hat? Zumindest war es so in der russischen Nacherzählung der Geschichte „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ von Alexander Wolkow.

  2. FF sagt:

    Bei Oz war das mit der Hexe auch so. Kann mich dem Fazit ansonsten nur anschließen.

    Shrek 4 kam ja auch fast zeitgleich mit Toy Story 3 raus. Und im direkten Vergleich war Toy Story 3 um einiges besser. Mal von der schrecklich schlimmen nervenden deutschen Synchro mit Bully Herbig abgesehen.

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Ich kann Dir leider in Deiner Bewertung nicht ganz folgen. Insebesondere, was den Schluß betrifft. Bin nämlich nach 45 Minuten eingeschlafen. Da hilft nur die alte Kinderweisheit: keine Trickfilme mehr nach 19 Uhr.

  4. Bonchess sagt:

    Das mit den Hexen kommt mir auch bekannt vor…

    Gemessen daran, dass ich nur den ersten Film gesehen habe, und den schon blöd wie Toast fand, hält mich die 3- nur wenig mehr davon ab, die anderen drei Teile zu sehen (ich liebe Schachtelsätze). Bin ich eigentlich die einzige, die das Gefühl hat, dass Animationsfilme auf Klapos Tränendrüse drücken? Wenn ich in Bielefeld demnächst im Kino ein weinendes Mannsbild sehe zücke ich sofort mein Autogrammbuch…

  5. Donald D. sagt:

    Spinnst Du, Klapo??? Die DS9-Spiegeluniversum-Folgen waren doch toll! Immer eine nette Abwechslung.
    Und seit Kronberg den Esel nicht mehr sprechen kann, ist Shreck für mich eigentlich ebenfalls tot.
    @ Bonchess: Frauen und Trickfilme- das hat noch nie zusammengepaßt.

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