Film- und Serienkritiken

Der Latinum-Standard des Star Trek Universums

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„Star Trek – Starfleet Academy“ – 1.05 – „Series Acclimation Mil“ – Review

„Star Trek – Starfleet Academy“ – 1.05 – „Series Acclimation Mil“ – Review

Die Querverweise auf alte Trek-Serien haben zuletzt etwas geschwächelt. Klar, es gab metergroße Erinnerungstafeln („Da! Die Harry-Kim-Universität für Windelforschung!“), aber den ganz großen Anbiederungs-Schmonz musste man weiterhin bei PICARD suchen. Doch das ist nun vorbei. Unter dem Motto „Der Sisko ist nicht nur von Bajor, sondern da, wo DU ihn brauchst“ macht sich unsere Holo-Detektivin auf den Weg, um investigativ durch ein Museum zu laufen. Was ungefähr so sinnvoll ist, wie die Antarktis in einem Antarktis-Museum in Paderborn zu ergründen? – Doch tatsächlich findet man später auch metaphysische Spuren des Propheten-Tausendsassas. Aber vorher muss das entsprechende Hirnzentrum erst mit einer (simulierten) Alkoholvergiftung auf Trab gebracht werden…


Konsequent! Zukunftsweisend! Effizient! Produktivitätssteigernd!

Kurzum: Her mit dem Friedrich-Merz-Gedächtnispreis!

Jahrelang habe ich mir einen Wolf geschrieben, um zu erklären, warum man die Second-Screen- und die Tik-Tok-Generation mit den neuen Star Trek-Shows abholen möchte. Dass die Figuren versuchen, eine (gefühlte) Gefühlsrealität des Publikums abzubilden, indem man jede Hauptfigur als Unikum, Einhorn-Schmetterling und wertvolles Wesen darstellt.

Doch diese Arbeit kann ich mir ab jetzt sparen, da diese Episode das SO sehr nach vorne trägt, dass es auch der Dümmste versteht. Ich muss sagen, ich fühle mich … erleichtert? Nu-Trek ist endlich dort angekommen, wo es holpernd und polternd bereits die letzten Jahre hinabgerollt ist: Ins künstlerisch Bodenlose, gefolgt vom finsteren Tal der fehlenden Einschaltquoten.

„Ich bin der Lappen, der die Nacht umflattert. Ich bin der Spinat, der an deinen Zähnen hängenbleibt.“ – Wie das Intro von „Darkwing Duck“, aber etwas weniger ernst: Hier wird Selbstinszenierung noch doof geschrieben. Und wer nicht tanzend zur Schule geht, hat eh nicht alle Photonen auf der Palme.

– Unser Lieblingshologramm tanzt in Rück-, Vor- und Seitwärtsblicken. Und sie steppt, singt, gestikuliert und grimassiert wie ein Social-Media-Zombie auf Daumen-Entzug.

– Sie erwähnt, dass sie „einmalig“ sei auf dieser Welt, total „einzigartig“ und freut sich dabei einen Ast, so breit wie ihr Gewinnerlächeln. Schade, dass das vorher keinem aufgefallen ist? („Odo, Sie gibt es nur einmal hier.“ – „Juppiejey! Darauf eine Schlübberparty!“)

– An allen möglichen Stellen hagelt es Einblendungen, Bildchen, Animationen. Unsere Holo-Tante zeigt dann gerne auch mal drauf („Meterhohe Einblendung, wird gerne mal übersehen?“ *Erkennungs-Break-Dance start*), damit bloooß nichts untergeht, was als meterhohes Selbstbestätigungs-Monster auf den Franchisewellen schwimmt.

Das alles wird natürlich in einen größeren Kontext gesetzt. Am Anfang ist das noch die „Mission“: Unsere Holo-Facebook-Matratze soll nämlich gucken, wie die normalen Leute so druff sind. Ist ja nicht so, dass man Hologramme so programmieren könnte, EXAKT wie normale Menschen zu reagieren? Umso rätselhafter, warum ihre „Meister“, die sogenannten „Maker“ keinen Schimmer haben, was uns Fleisch- und Knochenklopse so antreibt.

Einfach mal das EIGENE verfickte Betriebshandbuch anlesen bzw. anfühlen?

„Wir schicken dich auf eine epische Mission, die uns helfen soll…“ – „Hey, ihr virtuellen Bros und Sisteressen! Ohne schwebenden Questmarker gehe ich nicht mal in die Kantine.“ – Data wäre Scholz… äh, stolz: Jetzt sind wir bei Star Trek schon sooo weit, das künstliche Wesen wissen wollen, wie es ist, ein, äh… substanzloser Pixelnebel zu sein?! Faszinierend.

Die Farbstrudel sprechen übrigens wie der brennende Busch in der Bibel („Musik? Gefühle?! Interessiert uns nicht! Wir wollen nur wissen, welche Gefühle – und vielleicht Musik? – die Fleischwesen besitzen!“).

Das ist natürlich 1-zu-1 aus „The Orville“ gemopst, wo Isaac ebenfalls Daten sammelt, um den Bedrohungs- und/oder Opfer-Faktor der menschlichen Spezies zu bestimmen.

Trotzdem ist die Idee ganz okay. Auch wenn ich mir denke, dass man das schon vor Jahrhunderten hätte lösen müssen? Und zwar in der preisgekrönten, leider nie ausgestrahlten Gerichtsepisode: „Wem gehört Holodoc?“

Aber auch hier verzeihe ich „Starfleet Academy“ mehr als den Vorgängerserien… Ja, das überkandidelte, entgrenzte Verhalten unserer Holo-Heuschrecke wirkt unreif und unnötig. Und ja, man könnte jederzeit fragen, warum man keinen 40-jährigen Bartträger/in erzeugt hat, um die Fleischwesen auszuhorchen?

Klar, der „Burn“ und neues Jahrhundert und so – aber wirklich logisch ist das alles nicht. Ein bisschen Hintergrundwissen hätte da nicht geschadet, so à la: „KIs waren lange verboten; haben wir aus Dune gemopst.“

Aber okay, es geht hier um eine patentierte „Suche“(tm). Irgendwas muss man ja verfilmen, wenn Alex Kurtzmans Zehnagel nicht in Reichweite ist?

Und WIR haben irgendwann ja auch nicht mehr gefragt, warum Data keine gescheite Gesichtsfarbe (= Schweinchenrosa) erhalten hat. Dafür aber drölfzig Zwillingsbrüder und Zwillingsväter.

„Hey, ich möchte ein Projekt in eure Richtung starten.“ – „Hey, so ein Zufall. Wir wollten ein Projektil in deine Richtung starten.“ – Treffen der Degenerationen: Im bajoranischen Latte-Macchiato-Tempel ist die Zeit der grauhaarigen Gruselpriester längst vorbei. Ab jetzt wird den Propheten gehuldigt, indem man auf Sitzsäcken ihr neuestes Videogame bespricht. Spoiler: Boooooring!

Auch die mangelnden Manieren unserer hüpfenden Holo-Glückspille hätte man einfach wegprogrammieren können: Denn hier labert sie ja einfach einen bajoranischen Sitzkreis voll („Kann ja auch sein, dass eure Religion Quatsch ist?“) und findet es generell okay, dass ALLE sich sofort um sie kümmern, wenn sie z.B. ein Schulprojekt brex.
Das kann ich aber besser ertragen als bei DISCO, SNW oder PIC, wo rebellische Figuren sich selbst die eigenen Ohren – im Badezimmerspiegel? – abgekaut haben, weil sie trotz Elite-Ausbildung völlige Narzisten waren.

Der Kern der Episode ist dann tatsächlich, dass sie das Schicksal von Sisko auflösen will. Hierfür fährt man Geschütze auf, für die eine alte Frau (= Alex Kurtzman) lange auf uralten Trek-Webseiten stricken musste:

– Es gibt eine Art Sisko-Museum. Natürlich echt mit Baseballschläger und Ball. Bei Picard gab’s eine einbalsamierte Tasse mit ranzigem Teebeutel?!

– Auch ein Bajoranischer Drehkörper steht da recht unmotiviert rum. Ein bisschen wertvoller als „gar nicht“ dürfte der doch schon sein?

– Cirroc Lofton (Jake Sisko) darf als Hologramm auftauchen und seinen Vater über den grünen Klee loben. Und wisst ihr was? Jedes Wort davon ist BERECHTIGT!

– Im Museum darf dann auch nicht der Schriftzug(!) vom Restaurant(!) von Siskos Vater(!) fehlen. Und der Hinweis auf die Spezialrezepte der Familie. Im Picard-Museum gab’s damals ein Earl-Grey-Kochbuch?

Zugegeben, das ist alles plump wie schlecht eingedicktes Jumbalaya. Und intellektuell befindet sich das auf einem ähnlichen Niveau wie das Raumschiff-Museum von LaForge bei PICARD („Defiant? Enterprise D? Egal, wir fliegen sie alle!“). Doch am Ende des Tages hat unsere Holo-Hupfdohle ja recht, wenn sie fast flennend vor den Mythen und Hinterlassenschaft des BEN SISKO steht – und sich klar wird, dass sie dagegen nur als feuchter Furz im Franchise-Gesicht dasteht.

Nachdem Picard damals demontiert hatte, musste ich HIER als Zuschauer mehrmals nicken und sagen: „Jawoll, endlich sacht’s mal einer!“

Ich kann allerdings verstehen, wenn man hier die Hasskappe trägt, weil es sooo schräg daherkommt. Hier geht es nämlich in die Richtung, dass man Benjamin Sisko quasi „beschwören“ will, statt mit wissenschaftlichen Methoden seinen Astralleib zu suchen. Wurmloch-Reste beim letzten Landregen versickert?

Und für die Suche diskutiert man ernsthaft(!), ob man ihn nicht mit Tomaten(!) anlocken könnte, weil Propheten-Geister es bekanntlich nicht mögen, wenn das Lieblingsrezept mit falsch deklariertem Biogemüse zubereitet wird?

„Mein Vater war der beste Mann der Welt! Nur er konnte stundenlang auf einem Drehkörper reiten, ohne herunterzufallen. Und er war ein sorgender Daddy! Guck, er hat mich sogar gegen Corona impfen lassen. 182 Mal! Mit einem Baseballschläger!“ – Ehre, wem Ehre entfährt: Auch Dinge, die normal sein sollten, werden hier in den Mittelpunkt gestellt. Aber okay, Benjamin HAT ja wirklich Milliarden von Leben gerettet. Das muss man anerkennen. Äh… Was machen eigentlich gerade die Leute im Putin-Museum gegenüber?

Dass Avery Brooks hier NICHT als Schauspieler zugegen ist, hilft aber, auf Abstand zu der „Handlung“ zu gehen. Und die „Handlung“ als reinen Teenie-Liebesbrief an eine viel bessere Serie zu betrachten.

Man muss sogar DANKBAR sein, dass es so viel um den Sisko geht. Die Nebenhandlung um Captain Akes Kollegen, der das Meer erwärmt(!), damit die Beschützer-Aale einer Alien-Delegation (nein, ich denke mir das nicht aus!) sich dort wohlfühlen, hätte da vermutlich MEHR Gehirnzellen gefressen.

Was meinst du dazu, Benjamin? Wie bitte? Mehr Knoblauchpulver an die Oetker-Pizza? Wie ihr befehlt, oh Herr!

Das geht dann soweit, dass die Führungsriege in einer Art … Deppen-Rollenspiel den diplomatischen Empfang vorbereitet. Nur echt mit Furzgeräuschen aus dem gekochten Blähfisch, Küchenutensilien am Mund, wildem Gekicher und einem fast heulenden Chef von der Kriegs-Akademie. („Buhuuu, ich bin als schwacher, trotteliger, schwitzender Mann konzipiert worden – und weiß nicht, warum mich keiner Ernst nimmt?!“)

Diese Minuten meines Lebens bekomme ich NUR mit 1,21 Gigawatt und einem DeLorean zurück!

„Guck mal, wenn meine Holo-Körper gammelige Kartoffeln angesammelt hat, kann ich machen, dass die Blumen auf dem Tisch eingehen. Hauch!“ – „Dies erfordert einen sarkastischen Blick meinerseits. Mann, bin ich heute wieder Kultfigur.“ – Heinz Erhardts Erben: Wenn die Serie erst mal loslegt, verhaftet sich die Humorpolizei vor lauter Kichern gegenseitig.

Natürlich versucht man, die Sisko-Geschichte irgendwie mit unserer Holo-Heulsuse zu verknüpfen.

Das ist einfach: Beide Leben waren vorherbestimmt UND sie sind Abgesandte. – Das muss reichen für den „Reim dich, oder ich schlag dich“-Marathon.

Okay, so übel fand ich den Ansatz tatsächlich nicht, zumal die Holo-Heilsbringerin ja wirklich künstlich erschaffen wurde und etwas vollbringen soll, was ebenso rätselhaft wie (beinahe religiös) schwachsinnig ist. Auch wenn letzteres eher am Drehbuch liegt. – Dumm ist nur, dass man es vollkommen übertrieb und sie dann in der Disco irgendwas von wegen „Jaaa, Boxkampf! Wie beim Sisko damals!!“ brüllte. Gut, da war sie „betrunken“, aber so weit kommen wir noch, dass wir den Hirnschaden einer Figur als Entschuldigung für schlechten Fanservice heranziehen?

Machen wir bei Trump ja langsam auch nicht mehr…

Das letzte Drittel der Episode geriet dann arg schwach. Ohne Asbach-Figuren und Querverweise auf coolere Charaktere trägt sich nix hiervon. Man schleppt sich durch bunte Lichter aus dem Regenbogenverleih, gestaltet sich die eigenen Augen – durch pflichtschuldige Drag-Queen-Auftritte – durchaus woke und tolerant, wundert sich über die „Große Techno-Nacht“ am Disco-Eingang (die nachfolgende „Love-Parade“ am Warpkern nicht vergessen?) und sucht die bräsigen Trek-Elemente der 60er- bis 2000er-Jahre mit einer total oberhippen Lupe.

„Hey, lass uns noch was trinken!“ – „Keine Lust, bin schon wieder geil auf Sex.“ – Tanz in den Brei: Hier geht um Freundschaft und Gemeinsamkeiten. Schade, dass vorher keine Episoden kamen, die uns auf derartiges vorbereitet hätten? *auf vorherige Szene zeig, in der ein Charakter Konfetti auskotzt*

Dazu kommen Jey-Dens männlicher Flirtpartner an der Bar, die nervenden Goons vom Kriegsministerium („Ihr habt doofe Ohren!“ – „Bah! Selber Ohren.“) oder Calebs Kuss mit der Rattigen…

Das alles sind nur Streif- und irre Blinklichter auf dem Weg zur Episodenausfahrt. Zumal das Comedy-Timing von Caleb echt an schlechtes Kasperletheater erinnert. Schon weil sein Auge immer so komisch rumspringt, als hinge es an einem Stoff-Faden. Hatte seine gemopste Mutti etwa sein Schauspieltalent in der Handtasche mitgehen lassen?

Am Ende läuft dann der Schleim in dicken Strömen durch das Seerosenbecken der Akademie: Unsere Holo-Hirnige schlägt dann ein altes Buch von Jake Sisko auf, aus dem dann die Buchstaben rausfliegen. Huuui! – Vermutlich denken die derzeitigen Autoren, dass „Lesen“ tatsächlich so funktioniert?

Und wieso DANN eine Vision von Jake auftaucht, macht auch kaum Sinn. („Hä? Ich dachte, DU hättest mich herbeigezaubert? Egal: Lass uns darüber reden, wie besonders wir alle sind.“)

Das wird dann nur noch getoppt von einer Dax-Nachfolgerin, die weise durch die Handlung schwebt. Die sagt natürlich erst am ENDE, wer sie ist, bevor sie in der Großen Pause verschwindet. Da hat der aggressive Zeigefinger an meiner Schläfe mehr Impact gehabt? (Aua…)

„Ich bin Sieglinde Dax. Ein Nachfolger von Curzon. Du darfst mich aber gerne ‚Alter Mann‘ nennen.“ – Eine geht noch, eine geht noch rein: Der Dax-Parasit ist auch in hunderten von Jahren noch überall drin! Da kann sich Jeffrey Epstein eine Scheibe abschneiden.

Die letzten Szenen ließen mich verdattert zurück. Unsere Holo-Selbstfindungs-Fee grient begeistert in die Kamera, spricht mit Benjamin Sisko („Wenn du mal vorbeikommen magst: Gerne!“) und wartet darauf, dass der Abspann noch ein fettes „Danke an Avery Brooks“ einbaut.

Da hatte ich kurz Angst, dass Avery in den letzten Wochen einen tragischen Unfall beim Lampenaufhängen hatte?!

Aber nein: Die Macher wollten einfach nur ihre 11 Millionen Dollar teure Bewerbung abgeben, damit der störrische Altstar auch mal wieder vorbeischwebt.

Um Religion, Philosophie und Vermächtnisse ging es da nur am Rande.


Fazit:

Dass die Episode den alten Benjamin Sisko wie einen vergoldeten Gaul durch die Manage schiebt, finde ich tatsächlich GUT.

Auch, wenn alles davon billigst herbeigeplappert wurde und man fast auf ein Oujia-Brett wartet (nach dem Flaschendrehen mit Zungenkuss-Zwang selbstverständlich), versucht man hier NICHT, die alte Figur zu demontieren. Oder arg umzuschreiben.

Und wenn doch, dann nur, weil die Schlagworte einem langsam auf das Langzeitgedächtnis schlagen. („Hä? Er hat gerne gesegelt? Ach ja, aber doch nur im WELTRAUM? Einmal?!“)

Trotzdem verzeihe ich angesichts solcher Heldenverehrung auch die langweilige Nebengeschichte um die „Maker“, die unserer Holo-Haubitze in einer Virtual Reality was vom Pferd erzählen.

Und weil ich gut drauf bin, übersehe ich fast die Muppet Show am Abendbrottisch. Und den recht ziellosen Bar-Abend mit Sinnfrei-Klopperei. Und die Tatsache, dass nicht mal EIN Absatz von Jake Siskos Hammerbuch vorgelesen wurde.

Im Ernst, wenn man einfach ALLES Schlechte übersieht und NUR noch auf die Verweise auf alte Sachen blickt, hat man viel mehr Spaß hiermit.

Es wirkt fast so… als… als könnte das sogar das langfristige ZIEL von Nu-Trek sein?!

(*verschwörerisch in Kamera blinzel und von zwei Wurmlochpropheten abgeführt wird*)

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKIS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
So fühlt sich also Wahnsinn an.

Glückwunsch! Nach all der Zeit mit dem Kurtz kann ich es selbst kaum glauben, aber diese Folge war für mich tatsächlich NOCH bizarrer und qualvoller als sonst. Muss man erst einmal hinkriegen. Nicht schlecht.

Äh, also DOCH schlecht, meine ich. Und wie. Meine Herren.

*rausgesupptes gehirn wieder ins ohr drück*

Das Übel beginnt mit einer Montage von Holo-Sam, wie sie selbstsicher (glaube ich, mit ihren Gesichtsausdrücken komme ich nicht ganz klar) durch die Akademie stampft und dabei von allen Kadetten respektvoll angeglotzt wird. „Coole“ Spitznamen, alberne Kindergarten-Schrifteinblendungen, Klingonen im Damenrock, Glitter-Bananenkotze (!) und sinnlose Tanzeinlagen inklusive. Der größte Twist war dabei für mich, dass es sich um KEINE selbstverherrlichend Fantasie von ihr handelte. Oh, Mann.

Im Ernst, man muss es gesehen haben, um dieses unglaubliche Ausmaß an generierter Cringe-Energie zu verstehen.

Der Hauptplot besteht dieses Mal daraus, dass Sam etwas Ärger mit ihren Holo-Vorgesetzten vom Holo-Planeten hat. Denn aus irgendeinem Grund können diese zwar ein menschliches Hologramm erschaffen, raffen aber gleichzeitig nix von unseren Eigenarten („Waruuum werden die hungrig, Bruuuda?!“). Warum kann man dies nicht einfach online nachschlagen? Oder denen das einfach erklären?

Und deren Problem mit Sam wirkte jetzt auch nicht sonderlich science-fictionisch („Girl, was für Kurse suchst du dir denn aus? Häkeln und Klöppeln!? Da muss ich glatt mein wütendes Rotlicht einschalten!“). Dies stürzt Sam jedenfalls in eine tiefe Sinnkrise und in einem besonders krampfig konstruierten Moment mittels eines DS9-Kinderbuches (!) zieht sie eine Verbindung zu sich und Benjamin Sisko. Sind ja beide Abgesandte, da hat man viel gemeinsam. Zum Beispiel den Titel und… öh…

DAS bringt jedenfalls Sam auf die Idee, mal den örtlichen Bajor-Fanclub (!) zu besuchen. Und diese Idee wird zudem mit einer holografischen Glühbirne (!!) symbolisiert. Ganz großer Humor, schmeiß mich weg. Der Club selbst ist auch nur eine Sammlung von plumpen Fanservice-Klischees („Bist duuu von Bajoooor?!“), wie eigentlich die ganze Episode. In Academy ist man davon ja sowieso umzingelt und darf keine Schranktür aufmachen, ohne dass man von Anspielungen auf vergangene Serien verschüttet wird.

Was kurz danach auch mit dem „Benjamin Sisko Museum“ (!) auf die Spitze getrieben wird. Aber schon witzig, dass dieses tatsächlich im Stil von echten Ausstellungen präsentiert wurde. Will sagen, endlose Texttafeln, eine erschreckend abgeranzte Uniform hinter Glas und ein paar olle Requisiten („Seine Schreibmaschine! Hach.“). Hat mich direkt an eine besuchte Game of Thrones Expo erinnert. Nur schlechter.
Und einer der Drehkörper der Propheten steht tatsächlich in New Orleans rum? Haben die Bajoraner nix dagegen? Und wieso sah der übler aus als die DS9-Version?

Den Jake-Darsteller konnte man übrigens auch noch bekommen, nachdem für das Gesicht von Avery Brooks wohl kein Geld übrig war. Tatsächlich witzig, dass man bei Jake auf den gruseligen 90er-Klamottenstil bei DS9 eingegangen ist.

Der Nebenplot um ein Probe-Dinner der „Erwachsenen“ (ich nenne sie nur zur Unterscheidung so) an der Akademie ist ebenfalls sehr sinnfrei und ähnlich „lustig“. Warcollege-Chef Kelric ist stark am schwitzen, da eine außerirdische Spezies sich lerntechnisch austauschen will. Und weil er für diese den Ozean aufwärmen (?) wollte, damit sich deren Bodyguard-Aale (?!) wohl fühlen. Wie alle Außerirdischen sind diese in ihren Bräuchen aber extrem unflexibel („Kein extra Käsemesser?! Dies bedeutet KRIECH!!!“), weswegen der ganze Auftritt vorher geprobt werden muss. Ein Suppenlöffel mit Loch, Mini-Megafone (?) sowie ein furzender Blobfisch (!) sind auch dabei, um auf den fan-tas-tischen Humor in dieser Serie noch einmal einzugehen. Hatte richtig Bauchschmerzen nach dieser Folge.

Nee, wirklich. Nur aus anderen Gründen.

Aber ihr merkt es auch, oder? Diese Folge ist fast schon eine Parodie von sich selbst, so over-the-top bescheuert ist hier alles. Dazu kommt noch der sehr wirre Schnitt, wo Sam auch einfach mal sinnfrei anfängt zu tanzen oder man über die Notwendigkeit von Tomaten in Gumbo diskutiert (!), was bei mir wirklich das Gefühl ausgelöst hat, langsam aber sicher verrückt(er) zu werden. Habe die meiste Zeit ungelogen mein Sofakissen fest an mich gedrückt um durch diese Episode zu kommen. Sowas übernimmt doch keine Krankenkasse.

Spätestens beim Besuch der Rave-Bar (?) konnte ich dem Gezeigten gar nicht mehr folgen. Sam overacted und taumelt durch die Gänge, nachdem sie ihren „Shots-Counter“ hochgedreht hat (!) um, wie ich vorsichtig vermute, in den Spuren von Benjamin Sisko zu wandel— torkeln, weil dieser vor Hunderten von Jahren die selbe Bar besuchte. Welche aber anders hieß? Irgendwann liegt sie auch AUF der Bar und gibt Glückskeks-Sprüche von sich, da das Sisko-Schicksal ja IRGENDWIE mit ihrem eigenen zu tun hat?! Erwähnte ich schon die Shots mit dem sehr seltsamen War College Vulkanier? Ist all dies vielleicht nur das Ergebnis einer massiven Kneipen-Tour der Autoren mit Blackout?

Humor-Topmaterial auch hier wieder, als Caleb an Sams Einstellungen rumspielt und plötzlich Marschmusik und Jodeln (!) zu hören ist. Wer zum Henker ist hier die Zielgruppe, Leute??

Fazit: Irgendwann möchte ich die Kurtz-Autoren mal live erleben. Deren tägliche Interaktionen, die Treffen im Schreiberling-Raum, deren Austausch an „Witzen“ (benötigt eigentlich mehr Anführungszeichen). Danach kann man vielleicht zumindest VERSTEHEN, warum insbesondere Academy so seltsam ist. Diese geballte Menge an Gaga-Ideen wie Glitter-Kotze, Furz-Fischen, Blasmusik, Morgenlatten, besoffenen Hologrammen und schwebenden Glühbirnen könnte man bei einer Nicht-Trek-Serie ja noch als faszinierenden Trash verzeihen, aber hier fühlte ich mich persönlich beleidigt. Was durch den starken DS9-Anteil noch schlimmer wirkte, unseren alten Kuuult sollen die gefälligst in Ruhe lassen. Zumal es inhaltlich auch sehr erzwungen wirkte („Der Abgesandte? Das bin ich doch aaaauch?!) und nur auf sülzige und austauschbare Belanglosigkeiten hinauslief. Da hätte man mit wenig Umschreiben aus Sisko auch Picard machen können („Hallo, ich bin Sam! Sie waren doch der Borg-Abgesandte, richtig? Wie passend, ich bin ja Kubus-förmig!“)

Bin jedenfalls froh, dass ich mich mit der Vergabe der GANZ schlechten Bewertungen zurückgehalten habe. Im Vergleich zu dieser Episode war der Rest davor nämlich richtig anspruchsvo— ordentli— durchschnittli— nicht ganz so kacke.

Verdammt, ich LOBE einfach zu viel! Meine größte Schwäche!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Weitersagen!

BS

Artikel

von Klapowski am 06.02.26 in Star Trek: Starfleet Academy

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Kommentare (1)

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  1. JP57 sagt:

    Ich habe bei jeder Nu-Trek Serie gebangt: Werden sie sich auch an meiner Lieblingsserie DS9 vergreifen?

    Werden die Schauspieler dieser wunderbaren Serie sich auch als geldgeile Opportunisten erweisen wie die Brückencrew der Next Generation, der Holodoc und Seven of Nine?

    Und jetzt geht es los? BITTE, BITTE NICHT!

    By the way: Im kulinarischen Wettstreit hat Gumbo-Sparkiller klar gegen Klapo gewonnen.
    Das Gericht aus der kreolischen Küche heißt Jambalaya! Mit a!

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