„Star Trek – Starfleet Academy“ – 1.04 – „Vox in Excelso“ – Review

Klingonen haben es nicht leicht bei Starfleet bzw. Alex Kurtzman. Kaum sehen ihre Schädelplatten wieder normal aus (siehe Staffel 1, DISCO), werden sie in dieser Serie wieder „verstellt“. Denn bei einem Schiffsunfall kommen (vermutlich) mehrere Herrschaftshäuser UND die Eltern unseres Teenie-Klingonen ums Leben… Dies sorgt für Trauerarbeit zwischen Debattierwettbewerb, unaufgelösten Familienproblemen und – weil es ein eher intimes Drama ist – kaputten Heimatplaneten. Denn Qo’noS hat schon wieder ein Problem.
Bitte nicht steinigen, Leute… Und weg mit dem Noppen-Bathlet aus der Schwulen-Community, okay?
Denn: Der Beginn der Episode hat mir tatsächlich GUT gefallen. Und da alles stets eeewig langgezogen ist, nimmt der Beginn eine nicht unerhebliche Zeit der Episode ein. Kleiner Kniff, um bessere Bewertungen zu ergattern?
Im Ernst, wäre das eine gute Idee, zukünftig nur die ersten 10-15 Minuten einer Folge auszustrahlen? Dann hätten wir häufiger solche Auflistungen wie hier:
– Die Idee eines Argumentier-Wettbewerbs passte saugut zur Akademie. Zwar waren die Themen plump gewählt (und wieso kennt Caleb die NRW-Ausführungsbestimmungen für linksdrehende Solarkraftwerke auswendig?! Gefängnisbücherei?) und ich hätte gerne die einzelnen Argumente für länger als 10 Sekunden gehört, aber immerhin.
– Dass Caleb am Podest fast einen Panikanfall bekommt, mag man für unklingonisch halten, aber im Kontext einer Teenie-Serie („Was?! Ich soll 40 Jahre in die Rentenkasse einzahlen und meine Sexualität verstehen? Aber ich bin doch erst 12, buhaaa!“) passte es ebenfalls. Zumal das ja nur widerspiegelt, dass er früher nur mit dem Metzgermesser durch den Wald gerannt ist. Woher sollen die Polit-Neuronen da auch kommen?
– Zu den Minihighlights gehörte auch das heimliche Pizzafressen hinter’m Schreibtisch, wofür erneut die Roboter „gehackt“ wurden. Klar, bei Tilly und Burnham hätte ich mich beschwert, aber HIER fühle ich mich an tolle Abenteuer hinter dem Mattenwagen in der Sportstunde erinnert.
(Wobei da ALLES ein tolles Abenteuer war, was nichts mit Herzschlägen über 70 bpm zu tun hatte.)
„Schweißtropfen? Auf meinem Kopf?! Na wartet, diese nassen Kragenkrieger sollen meinen Zorn spüren! (*Bong*) Aua.“ – Zorn ist der Weg zur dumpfen Seite der Macht: Eigentlich hatte ich in meinem Tagebuch schon vor einem halben Jahr vermerkt: „Heute unbedingt den Sojafresser-Klingonen aus Starfleet Academy hassen!“ Doch lustigerweise habe ich schon sooo viele Kriegerstorys erlebt, dass ich dieses Unterzuckerungs-Adventure beinahe interessanter finde.
Natürlich ist das hier kein politischer Krimi, bei dem einem das klingonische Messer in der Hose vor Freude aufspringt. ABER ich muss sagen: Ja, ich habe das Thema der Folge VERSTANDEN. Was bei Kurtz-Trek schon mal der erste Schritt ist – und zwar hin zu dem Gefühl: „Einfach mal Episode durchlaufen lassen, statt vor dem Fernseher zu flüchten“ (*auf kilometerlangem Trampelpfad neben Haus zeig*)
Ich meine damit auch (durchschnittliche) Elemente wie diese hier:
– Jay-Den lebte mit seiner Steinzeitfamilie gaaanz tief im Wald, um Tiere (und Rituale) leidlich auszuweiden. Das holpert und stolpert zwar etwas im eigenen Kopf, da man auch mal eine Stadt hätte zeigen können – oder zumindest einen Klingonen-Aldi –, aber passt (leider) zu dem, was wir bisher über dieses Volk gelernt haben.
– Wirklich seltsam wirkt das Wald-und-Wiesen-Setting vor allem, als im Wald die Metallkugel auftaucht, aus der gleich ein Audio-File der Föderation entfährt: „Hey, Waldläufer. Wir rekrutieren übrigens wieder.“ – Ein bisschen lebensnäher hätte das gewirkt, wenn irgendein Föderations-Heini hinterm Heuhaufen versucht hätte, den verwundeten Bruder zu retten? Und Jay-Den von diesem Gebrauch modernster Technologien („Was? Mullbinden sind nicht zum Essen?!“) so beeindruckt wäre, dass er eine Laufbahn in Betracht zieht?
Trotzdem: Kann man so machen.
– Dass sich der junge Klingone bei der Academy nicht sooo wohl fühlt, nachdem die Klingonenhäuser bei Glatteis von der Straße gerutscht sind, ist verständlich. Auch hier fährt die Episode nicht komplett blind in die Nebelbank – sondern orientiert sich durch verbale Rundumschläge (wie ein Bathlet in der Herrensauna?) brauchbar durch die psychologische Nabelschau.
Dass das Unwohlsein eher diffus ist UND sich mit Familie, Politik, Prüfungsdruck und Lenden-Durst mischt, ist ja eher altersgerecht.
– Bisschen blöd wird es nur, wenn man als Zuschauer zwischendurch vergisst, WAS unseren Jay-Den gerade so wütend macht: Dass alle nach seiner Stimmung fragen? Oder man klingonische Politik zu viel oder zu wenig diskutiert? Irgendwas mit Fake News wird kurz angedeutet („Hey, waren das nicht die Echsenmenschen, die Qo’noS angefressen hatten?“), was dann aber wieder fallen gelassen wird, damit Jay-Den mit seinem männlichen Love-Interest(?) Atemübungen mit Hausfrauen-Science-Fiction-Touch abhalten kann.
Was den Homo-Touch angeht, habe ich übrigens keine Lust, über ggf. aufgesetzte Wokeness zu reden. Es ist, wie es ist… Denn solange die Girls heterosexuell und gut gebaut sind, darf der Klingone auch gerne durch den Fluss des Blutes an das andere Ufer schwimmen. Man ist als Trekkie ja kein Unmensch?
„Denk dran, was Khaless immer gesagt hat: Nur wer tief einatmet, hat die ideale ‚Schwert-Life-Balance‘!“ – Statt Medicus zum Meditus: Jay-Den fühlt seine Kultur nicht immer gewertschätzt. All der liebevolle Krieg, das Blut, das Verderben… Wieso mag das keiner lobpreisen, obwohl er doch Americ… Starfleet great again machen wollte? Egal, darauf noch einen kräftigen Ausatmer in die Dinkel-Brötchentüte.
Eigentlich geht es aber nicht um die Podiumsdiskussionen mit Caleb, die irgendwo zwischen „Storyrelevant“ und „komplett sinnfrei“ herummarodieren. Diese waren eh nur ein Vehikel, um zu zeigen, dass der Holodoc alte Picard-Weisheiten aufgreift („Ist das erste Glied der Kette geschmiedet…“).
Und dass Caleb – trotz aller Softness – noch zu klingonisch ist, um mit verdrängten Emotionen am beleuchteten Streberpult vorbildhaft Luthers Thesen runterzurasseln.
Somit verläuft die finale Blabla-Battle dann in einem Anschrei-Wettbewerb, aus dem man als Zuschauer weniger über Klingonen, Menschen und Politik lernt, weil ständig der Doctor dazwischen plärrt: „Zweite Verwarnung. Dritte Verwarnung. Achtung, es ist verboten, mit dem Zeigefinger in die Nase des anderen zu stoßen!“
Aber gut. Das war vermutlich nötig, da die Autoren sich vermutlich seeehr konzentrieren mussten, um Diskussionsthemen zu finden, die zumindest vier Sätze lang wie konsistente Trek-Kommunalpolitik klingen?
Zwischendurch hat sich die Episode dann auch mal bequemt, die Kanzlerin mit einem machtvollen Klingonen zu zeigen (fehlte nur das Tigerfell vor dem Kamin?). Grund: Qo’noS hat Schluckauf und somit auch alle Welten drum herum. Eben das typische „Upsi, kaputt?“-Problem, das man uns seit 2009 bereits in Bezug auf Vulcan und Romulus zeigte. Kurtzman hat als Kind vermutlich immer schon gerne Luftballons zertreten… ?
Daher muss eine neue Heimat her, welche die Klingonen aber nicht „geschenkt“ haben wollen („BAH! Wie sieht das denn aus? Gebt uns wenigstens einen LANGEN Antrag vom Jobcenter!“), weil man zu stolz ist, die Zukunft der eigenen Rasse an „Almosen“ zu knüpfen. Einerseits verständlich, andererseits aber langweilig unterkomplex.
Tod von ganzer Kultur unwichtig, wenn Khaless nicht mit hochgerecktem Daumen aus der Gruft springt?
Und waren sich da alle (wichtigen) Klingonen einig?! Gab es keinen anderen Planeten, zu dem man die Umzugskartons und Küchengeräte schicken könnte? – Ja, ähnlich profan kommt das ganze „Planet putt“-Gefasel nämlich rüber.
Was GENAU ist da denn passiert? Ich hatte nämlich kurz weggehört, um mich auf die nächste Nahaufnahme von Jay-Dens grünen Augen zu freuen… Vielleicht einfach mal solche Sachen zeigen? Beim Mond Praxis weiß ich’s doch auch noch!
„Wir nehmen euren Planeten nicht an! Wir sind schließlich Klingonen, wir haben unsere archaischen Prinzipien!“ (*Mit Sektglas am Kamin balancier und Pizzakäse auf Boden tropf*) – Ein sogenanntes „Geh’Schenk“: Wichtige universelle Prinzipien wie Sonnensystem-Eigentum oder Quadranten-Mietminderung werden hier verhandelt wie ein Läusekamm auf dem Polenmarkt. Aber okay, das war bei TNG auch schon so…
Später kommt dann noch heraus, dass Calebs Familie einfach ohne ihn abgeflogen ist, nachdem er einen Adler nicht abknallen wollte. – Die weibliche Jem-„Sahnetorte hat ja nur die Kalorien aus frischer Milch!“-Hadar erklärt dieses unerhörte Verhalten aber nachträglich:
Der Vadder wollte Jey-Den bestimmt nur SCHÜTZEN. Er hätte den Vogel sonst unmöglich verfehlt. Und er ist nur zum Zigarettenautomaten im Deltaquadranten verschwunden, weil er WOLLTE, dass Jey-Den einen glücklichen Neustart wagt.
Klar, das KANN man sich alles in die föderale Besserverdienerbirne reinschwurbeln. ICH wäre allerdings nicht überzeugt davon, dass mein Dealer-Vater mich nur deswegen in der Regentonne ausgesetzt hat, weil er mir die ganzen Heroinspritzen darin schenken wollte. Zwar wirkt die neue Deutung recht glaubhaft (schönen Dank an den etwas anders geschnittenen Rückblick im Wald), aber von Star Trek erwarte ich doch mehr Beweise statt Schnarchgeschwurbel um zittrige Hände am Jagdbogen.
Und generell war „Wegstoß-Psychoterror“ auch bei den Klingonen bisher unüblich? Worf und seiner Verwandten haben doch auch immer klar gesagt, was Phase war, statt sich vieldeutig zu verpieseln?
Apropos Piesel: Das Ende der Episode ließ mich ratlos zurück.
Um den Klingonen das ehrenvolle Übernehmen des bezugsfertigen Felsenmurmel zu ermöglichen, ruft man mal – so im Spaß – den Krieg aus und beschießt sich kurz – auch so zum Spaß. Nach ein paar Treffern ohne Verletzte sind sich alle einig: Die Klingonen haben gewonnen und die Föderierten mit zwei dampfenden Wasserleitungen und einer kaputten Teetasse deutlich den Kürzeren gezogen. Ergo: Planet erobert, Robert.
Einerseits war das eine echt konsequente Strategie, andererseits so fahrlässig, kindisch und schnell runtergespult, dass man es sich hätte auch sparen können?
Haben die Klingonen etwa (ACHTUNG!) keine Ehre?
Ich würde mir bei so einem Kindertheater als Krieger ja eher doof vorkommen. Ob nun Klingonen-Ehren-Fetisch oder nicht: Die glorreichen Geschichten über den mutigen „Vorbeischießer“ an der Bird-of-Prey-Wumme sollten dann eher kurz ausfallen, um die zukünftigen Geschichtsbuchleser nicht allzu sehr zu verwirren?
„HAHA! Wir werden den Planeten erobern! (*Upsi, alles okay da drüben? Das hat ganz schön gesurrt und gezirpt?*) Harr… In dieser epischen Schlacht spiegelt sich das Kampfgeschick der ganzen Flotte wider!!“ (*Mach noch etwas Phaser-Puderzucker auf die USS RIKER, die hat noch keine Kokelflecken*) – Ehre ist der Klemmfurz unter den Emotionen: Man drückt sie raus, weil es nicht anders geht und wedelt unauffällig in Richtung Fenster.
Kurz gesagt: Die Episode hat durchaus ihre kleinen Momente. So fand ich die homosexuellen Anspielungen zwischen Jay-Den und seinem Atem-Akrobaten fast schon kultig-doof.
Ebenso entzückt die Verwendung von Analogkäse – statt richtig blöden Dialogen. Am Ende ist zwar nichts richtig fokussiert und zu Ende gedacht, allerdings war das jetzt die erste Episode, die ich FAST am Stück sehen konnte. (*auf angebissene Sanduhr zeig*)
Auch fand ich das Optische eher gut. Klar, der von Kollege Sparkiller erwähnte „Pissfilter“ ist vor allem bei den Planeten-Rückblicken SEHR präsent. Und auch auf der Akademie selbst will man fast einen Försterroman mit weißen Schimmeln verfilmt sehen.
Aber das alles gefällt mir ungemein besser als die blau-schwarze Schattenpampe, die man uns ab 2017 oft über den Facepalm stülpte. Mit ein paar Änderungen würde ich das Set sogar als hübsch bezeichnen.
Clever: Warum Jay-Dens Vater eine derartige Wut auf einen Vogel entwickelt, muss man sich als Zuschauer selbst zusammenreimen.
Fazit:
Die bisher beste Folge von Starfleet Alchemie!
Natürlich werde ich damit alleine stehen, da die Homo-Andeutungen, die üblichen „Warum darf ein Kadett in die Politik reinfunken?“-Vorwürfe und das generelle Selbstmitleid für Profi(drin)schwimmer eher an schlechte DISCO-Episoden erinnern.
Das Internet kennt da ja nix – und verzeiht da eher den Blödsinn von „Picard, Season 3“, weil am Ende alle noch mal vor der Kamera verwes… verweilen durften.
Ich finde allerdings, dass HIER vieles stimmiger wirkt, wenn man bedenkt, dass diese Serie hier „Star Loser – The Vaterkomplex“ sein MÖCHTE.
Und ich als ehemaliger Minderjähriger durchaus verstehe, dass es hier um Leute mit Tobsuchtsanfällen und schlechtem Durchhaltevermögen geht. Zugegeben: Toll, utopisch und durchdacht ist das weiterhin nicht, ABER man möchte hier nicht (mehr) ständig sein Sisko-Poster daneben hängen – und auf die traurigen Unterschiede verweisen.
Ich freue mich daher auf die nächste Folge. Ob Jay-Den und der andere Futzi noch knutschen werden? Was wird das nächste Schulfach sein, dass irgendwie den Star-Trek-Geist beschwören soll?
Also ICH bleibe dran! (*Hormonpickel mit zwei alten Staffelboxen ausdrück*)






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