Film- und Serienkritiken

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„Foundation“ – Review der Pilotfolge

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Die Foundation-Buchreihe von Isaac Asimov galt lange Zeit als unverfilmbar: Zu viele theoretische Gedanken, zu viele Zeitalter, zu viele Personen, zu wenig Kurtzman-Logik. Doch dank unseren Freunden von „Apple TV“ haben all diese Nachteile nun ein Ende! Endlich erstrahlt diese klassische Geschichte in einem Glanz, bei dem auch ich mich als Auserwählter fühlen darf. Ja, auch ich spüre bei all diesen Themen und Sternenreichen die Last von Jahrtausenden auf meinen Schultern. Und das, obwohl die Pilotfolge doch nur eine Stunde lang geht…?


Das Hauptproblem, warum diese Verfilmung schrottig ist, ist einfach zu erklären:

Die Prämisse ist … Schrott.

Und das war sie bereits in den Romanen von Isaac Asimov. – Man stelle sich vor: Da läuft ein genialer Mathematiker herum, der aus der Mathematik nicht nur tiefenpsychologische(!) Entscheidungen von Menschen (z.B. Herrschern) ableitet, sondern sich sogar einbildet, ganze Reiche mehrere hundert oder tausend(!) Jahre im Voraus zu berechnen.

Was ungefähr so doof ist, als wenn irgendwer wüsste, ob Armin Laschet morgen über seine eigenen Füße stolpert (und in den Betonmischer fällt) oder ein genialer Physiker bald eine alternative Energiequelle erfindet.

Mister Seldon ist somit ein wahnsinniger Psychopath, der sich einbildet, die Wahlergebnisse in zehn Jahren, die Unglücksfälle in hundert Jahren (z.B. so etwas wie Fukushima) oder die Lage jedes Neurons in jedem verdammten Menschen zu kennen. Solche Personen wie Hitler, Einstein oder Merkel wären für ihn dann vermutlich hundert Jahre vorher ein Datenschluckauf in seiner Exceltabelle – oder so ähnlich.

Seldon braucht somit nie wieder eine Tageszeitung, ist dafür aber der ideale Chefanwärter für eine Spinnersekte. Und für Sex mit leichtgläubigen Jungfrauen?

Dabei hätte ich Seldons Ausnahmestellung sogar hingenommen, wenn der gute Mann einfach eine Kristallkugel, eine Zeitmaschine oder ein Paralleluniversum zum Kurz-Reingucken zur Verfügung gehabt hätte! So aber erwartet die Serie, sich einer spinnerten Ideologie hinzugeben, die zu allem Übel (ich spoilere nur ungern) vollkommen RICHTIG ist.

Aber somit passt sie – zugegeben – in die derzeitige Ideologie von Dr. Who, Star Wars und Star Trek, wo ALLE irgendwie auserwählt und besonders sind. Ja, alle unsere Helden sind liebliche Schmetterlinge, vor Myriaden Jahren von Gott oder dem „Schicksal“ (was auch immer das ist) handgeknetet und mit einem zärtlichen Kuss auf den Lebensfaden in die Welt geschickt.

Nervig.

Und die Intelligenz des Zuschauers unterschätzend.

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„Ich habe in meinem Bierglas gesehen, dass fünfzig Planeten weiter irgendwann das Chaos ausbricht.“ – „Äh. Ist das denn seriöse Wissenschaft, Herr Seldon?“ – „Natürlich! Aber nur, wenn man beim Zählen der Bierschaum-Blasen kräftig einen Fahren lässt, höhö.“

Genauso anstrengend ist das Worldbuilding. So toll und teuer das auch alles (teilweise) aussieht, so ermüdend ist es bereits jetzt, die Hauptfiguren (die Hälfte davon Michael Burnham) dauernd staunen zu sehen:

„Boah, Raumstation! So toll, so groß. Sachen bauen, das könn’se, die Chines… äh… die Dingsbumsianer!“

„Diese Großstadt. Ganz schön groß und voll! Ich komme ja leider nur aus einem armen Fischerdorf, bestehend aus teuren Edelkulissen.“

„Dieser berühmte Mister Seldon! So schlau und schön! Da bin ich glatt so aufgeregt, dass ich das Schauspielern vergesse.“

„Diese prächtigen Wandgemälde beim bösen Herrscher. So bunt und wandgemäldig! Die zeigen wir am besten mehrmals.“

„Diese phantastischen Nebendarsteller, die mich an mein Ziel begleiten! Einer schöner als der andere. Da muss ich vor lauter Freude erst mal Primzahlen vor mich hinmurmeln…“ (= Kein Witz, das machen junge Genies nun mal)

„Wow! Schlechte Hologramme bauen sich mit zirpenden Hologramm-Geräuschen auf! Gut, dass nebenbei rührende Musik spielt, schnief!“

So geht das in einem fort… Zumindest in der Pilotfolge gefällt es den Machern, dem Zuschauer einen Beauty-Shot nach dem anderen hinzuwerfen. Was erfahrungsgemäß bedeutet, dass man 3 Episoden später in einer Besenkammer über das Ende der Welt philosophiert. Denn irgendwie muss das alles ja bezahlbar bleiben.

Aber vielleicht klappt das ja schon in Folge Eins? – Denn einige CGI-Momente wirken dann doch so, als hätte man ein paar Beleuchtungs-Effekte vergessen.

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„Wow, dieser Fahrstuhl reicht bis zum Planeten herunter? Ein Wunder der Technik! Aber was ist mit den Sicherheitsvorkehrungen?“ – „Die sind 1A! Die ‚Bruderschaft der taubstummen Blindfische‘ hat uns seit der letzten Mittagspause niemals enttäuscht!“

Nervig ist auch, dass man die halbwegs breitgefächerte Zukunftsvision aus Asimovs Büchern auf wenige Ereignisse runter-vereinfacht. So wird in den Romanen (meiner Erinnerung nach) z.B. nicht der Weltraum-Lift zerbombt. – Wobei solche lächerlich einfachen Störaktionen umso deutlicher zeigen, wie fehlerbehaftet Seldons langfristige „Psycho-Mathematik“ ist.

Apropos Vereinfachung: Der fiese Herrscher lässt zu Beginn erst mal einen alten Künstler exekutieren, damit man als Zuschauer sofort eine Fahrkarte für den Dystopie-Bummelzug lösen will. Dass niemand in dieser Galaxie sonderlich gut drauf ist, wird sowieso schnell klar… Jegliches Lächeln beschränkt sich auf die Vorfreude auf den saftigen „Apple TV“-Gehaltsscheck. Echte Emotionen oder liebenswerte Charaktere muss man hier mit der Lupe suchen.

Aber eine, die Klischees vergrößert, versteht sich!

Dass sogar Kinder unsympathisch rüberkommen, bemerkt man schon in den ersten Sekunden. Wer z.B. vor einem mysteriösen Artefakt ohnmächtig wird, wird im Stich gelassen (und das Abziehen der Kumpels nicht mal gezeigt!) und wer sein Heimatdorf verlässt, wird böse angeschaut. – Wenn auch nicht böse GENUG, denn für den doofen Zuschauer muss noch mal extra erwähnt werden, dass die Dörfler einen „hassen“.

Alle Palastwächter, Politiker, Raumfahrt-Assistenten, herrschende Frauen und wandelnde Wegweiser sind ebenfalls mies drauf. Weit und breit gibt es keine Figur zu sehen, für deren Schicksal man sich interessiert. Viel lieber zählt man auf, wie viele Planeten da draußen so rumkreisen (= Viele?) oder deutet an, wie besonders die weibliche Hauptfigur doch sein muss, weil sie diesen krassen Mathematikwettbewerb gewonnen hat. – Was man sich übrigens alles selber VORSTELLEN muss.

Kurz: Ein Story-Aufbau, bei dem jede Brechstange protestieren würde, würde man sie hiermit zu sehr vergleichen.

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„Leute, ich muss euch sagen: Ich bin gar nicht sooo böse! Gestern habe ich mir nämlich überlegt, mir einen Schnurrbart wachsen zu lassen und all das hier ‚Spiegeluniversum’ zu nennen!“ – Eigentlich ist ein gemeiner Herrscher interessant. Dummerweise zieht er aber nur den EINEN Mundwinkel klischeehaft hoch. Das gibt 50% Abzug in der Antagonisten-Schule.

Die Dialoge reißen es ebenfalls nicht raus: Alles wirkt tonnenschwer und unheilschwanger, ist aber gleichzeitig beliebig. – Rituale, Namen, Orte, Funktionen, absurde Star-Wars-Mode mit Plastikhüten am Kopp… All das hängen die Autoren dem Zuschauer als Mühlstein um den Hals, um ihn dann im Meer der Pseudotiefsinns zu versenken.

Und manchmal wirkt das Ganze trotzdem wie eine Seifenoper:

„Kann ich dich alleine lassen?“ (Seufz, Schnauf)
„Ja. Kommst du wieder?“ (Flenn)
„Ja.“ (blöd guck)
„Haben wir noch Zeit?“ (zu Boden glotz)
„Ja.“ (feuchte Augen bekomm)

Hier traut man dem Zuschauer nichts zu. Und davon sogar viel.

Da mag man sich schon gar nicht mehr fragen, warum es eine „Kirche der Seher“ gibt, wenn man doch glaubt, dass Seldon viel besser „sehen“ kann. Ist das eine andere Magie? Oder doch nur so ein katholischer Jungs-Anfass-Verein? Warum hocken die zum Reden in der Kanalisation rum? Oder ist das nur die örtliche Bali-Therme?

Aber die Hauptfrage hierbei lautet: Ist das jetzt Hard-SF oder Weichbirnen-Fantasy?

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„Ich bin der einzige Seher auf diesem Planeten, der im Klärbecken arbeitet.“ – „Und? Was erkennt Ihr hier, Euer Hochwürden?“ – „Dass die Zeit des geblümten Toilettenpapiers vorbei ist, mein Kind!“ – Lieber unheilschwanger als die Logik abtreiben lassen: Diese Serie hält sich für sehr episch und würdevoll, was man bereits an der laaangsamen Redegeschwindigkeit erkennt. Vielleicht das ideale DVD-Geschenk für Oma und Opa?

Es gäbe noch mehr zu nennen, was mich stört…

Wie z.B., dass das gerade eingetroffenen Dorfmädchen nur mal kurz auf rumfliegende Hologramm-Pixel starren muss, um das Lebenswerk von Seldon zu verstehen. – Wofür ein paar ZAHLEN oder GRAFIKEN gar nicht schlecht gewesen wären? Aber dafür hatten die Grafiker wohl keine Zeit mehr, nachdem sie den Weltraumfahrstuhl genau zu dem Zeitpunkt abstürzen ließen, an dem Seldon vor Gericht stand?

Wobei ich es immer noch für dämlich halte, dass der Imperator (auch, wenn der langlebig ist und Klone hat) sich für eine Vorhersage interessiert, die 500(!) Jahre in die Zukunft reicht. Heutige Menschen sind ja schon überfordert, wenn es um Vorhersagen zum Jahr 2030 geht. („Was?! Autos, die nicht mehr mit vergorenem Dinosaurier-Öl fahren?! Verbrennt den Ketzer!“)

Oftmals baut die Serie einen extrem weeeiten Horizont auf, was ja sogar interessant wäre. Doch am Ende sind’s nur schöne Worte…

Denn trotz der Jahrtausend-Prophezeiungen geht es am Ende doch wieder nur um (weibliche) Auserwählte, die innerhalb von 24 Stunden durch 7 Orte und 3 Entscheidungsprozesse gejagt werden. Da bleibt für den Neuankömmling nicht mal Zeit für einen Blick in die Hotel-Minibar.

Wobei unserem weiblichen Niemand sogar sooo viel Eigeninitiative zugestanden wird, dass die Bösen vorher nicht mal (viel) Druck aufbauen, als es an die „Gerichtsverhandlung“ mit Doktor Bashir geht.

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„Ich lege dem ehrenvollen Gericht nun den Beweis vor, dass diese Frau ebenfalls NICHT die Zukunft vorhersagen kann! Beweisstück B: Ein Lotterieschein von vorletzter Woche – mit nur 6 richtigen Ziffern! Ohne richtige Superzahl.“ – Im Nachhinein müsste mir der Konsum der besseren TNG-Drehbücher als Philosophiestudium angerechnet werden, wenn ich mir im Vergleich diesen Blödsinn hier ansehe?


Fazit:

Diese Pilotfolge schafft es tatsächlich, hektisch und schnarchig zugleich zu sein. Eine jahrhunderte Prophezeiung(!), die ich übrigens schon nach dem Anschauen des ersten Trailers abgegeben hätte.

WENN ich das Video bereits im Jahr 1590 gesehen hätte!

Trotz der netten Kulissen (die jedoch uneinheitlich wirken) habe ich leider schon keinen Bock mehr auf das Mathegenie, das einem verrückten Wissenschaftler hilft, den Untergang zu stoppen. Zumal man sich hier für Ökonomie, Demokratie oder Psychologie eh nicht interessiert…

Lieber versuche ich selber, den Dritten Weltkrieg aufzuhalten. Der könnte übrigens zwischen 2022 und 2521 stattfinden. Aber wenn ich DIESES Review abschließe, besteht eine 13,5%-ige Wahrscheinlichkeit, dass alles ganz anders kommt.

Hey, seid ihr gerade vor Verwirrung einen Fahrstuhlschacht runter gesprungen?

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Die Foundation zu dick aufgetragen, „Foundation“ – Review der Pilotfolge

Es ist die alte Geschichte. Missverstandene Intellektuelle warnen vor dem Niedergang einer langjährigen Herrschaft und fallen dabei in Ungnade.

Im Ernst: Bereits 2014 haben wir euch vor der Dunkelheit der Kurtzman-Ära gewarnt. Das habt ihr jetzt davon. Die nächsten 30.000 Staffeln könnt ihr euch selbst zuschreiben.

Genau wie all diejenigen, welche nicht auf Harry Seltsam… äh… Hari Seldon und Gal Gadot… stop… Gaal Dornick gehört haben. Ganz ehrlich, so ziemlich alle Namen in Foundation werde ich mir auch zehn Seasons später nicht merken können. Asimov hat wohl selbst bei seinem eigenen nur mit dem Kopp auf die Schreibmaschine gehauen.

Und für so einen Schlaumeier geht Harry schon sehr undiplomatisch vor. Dass keine Regierung über „Bald alles kaputt hier!“ höchst erfreut seien wird, das müsste ja keine Überraschung sein? Immerhin hatte er ja das Glück, dass nur fünf Minuten nach seiner Jahrtausende überspannenden Gleichung bereits die ersten Klischee-Terroristen den schicken Space-Aufzug von Trantor in die Luft sprengen. Was offenbar SO einfach ist, dass man sich wundert, warum dies nicht wöchentlich geschieht.

Aber letztendlich gehörte ja selbst DAS zum großen Harry-Plan. „Ha-haaa, ich WOLLTE, dass man mich in das planetare Gelsenkirchen-Äquivalent der Galaxis abschiebt! Bei euch Bürokraten braucht allein der Warpsprung-Antrag immer drei Monate!“

Gut, König Imperium war schließlich auch ein Loki-Imitat mit Lizenz zum Intrigieren und fehlendem Respekt vor der Maler-Innung, wo nur noch der Schnurrbart zum Zwirbeln fehlte. Da will man vielleicht doch etwas Abstand halten.

Fazit: Visuell auf Kino-Niveau, inhaltlich für mich als Nicht-Buchkenner nicht wirklich der Burner. Da es sich bei der ersten Folge nur um das (Achtung!) Fundament handelt, wird aber sehr wahrscheinlich noch so einiges an interessanten Wendungen oben drauf kommen.

„Ha-haaa, ich WOLLTE, dass ihr die erste Folge nur mittelmäßig findet!“ – Harry Seltsam

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von Klapowski am 28.09.21 in Serienkritik

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Kommentare (32)

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  1. Grinch1969 sagt:

    Ich fand es ein bißchen zäh aber eben auch bildgewaltig. Der Zusammenbruch des Sternenlifts war grandios in Szene gesetzt, ob die Figuren mich wirklich bei Stange halten muß man sehen. Die Kinderrolle ist allerdings schon mal mies gecastet und noch mieser, sorry kleiner, geschauspielert. W.Crusher Faktor 10 von 10 Höchststrafe.

  2. Hayos sagt:

    Hm. Komplett langweilen tut es mich nicht, doch auch nach zwei Folgen bin ich mir nicht sooo sicher, wie ich das Ganze finden soll. Und Klapo hat mit seinen Ausführungen schon ein paar gute Punkte. Aber (noch) ist es nicht so nervig wie Discovery oder Picard. Oder werde ich alt?

    Es steht und fällt für mich, wie sich der Hauptcharakter weiterentwickelt. Wenn sich die Mary Sue-Ansätze weiter ausprägen, bin ich definitiv raus.

  3. Nummer 6 sagt:

    Selin erklärt doch, daß er eben nur die ganz großen Entwicklungen sehen kann, und keine Einzeleffekte.
    Je größer ein System, desto geringer sind die relativen Auswirkungen kleiner Störungen. Welche Auswirkung hätte ein lokaler Hitler bei 10.000 besiedelten Planeten? Gesamtdynamiken lassen sich hingegen zeitlich ganz gut extrapolieren.
    Ich vermute, hier ist von den Machern der Serie auch an eine Analogie zu Klimaprognosen gedacht worden. Da wissen wir auch nicht, wie heiß es in welchem Sommer irgendwo wird, und noch weniger lassen sich Naturkatastrophen vorhersagen, aber das große Ganze gilt als sicher vorhersagbar.

    Die sonstige Umsetzung ist relativ solide und sticht optisch schon positiv hervor, welche SF-Serie sieht denn besser aus? Die Mathe-Hologramme sehe ich eher als optische Metapher für einen geistigen Zugang, der ja jenseits von klassischen Zahlen liegen muß, sonst könnten die Computer das auch ohne menschliche Hilfe berechnen.

    Bezüglich Storytelling und Worldbuilding KANN man natürlich viel kritisieren, aber da habe ich wesentlich schlimmeres befürchtet. Würde man alles zeigen und erklären, bräuchte man 20 Staffeln, das kann also nur in einem Stakkato geschildert werden.

    Intellektuell ist das alles natürlich nur flache Unterhaltung im humorarmen Woke-Zeitalter, aber im Vergleich zu New Trek doch eine Offenbarung…

    Knappe drei Sterne

    • Klapowski sagt:

      „Selin erklärt doch, daß er eben nur die ganz großen Entwicklungen sehen kann, und keine Einzeleffekte. Je größer ein System, desto geringer sind die relativen Auswirkungen kleiner Störungen.“

      Ich finde diese Art der Vorherberechnung aus SF-Sicht ja durchaus interessant. Kein Wunder, denn das sind ja die ganz alten Fragen: Determinismus, Schicksal, Physik statt Gott, menschlicher Wille statt Chaos, Aufklärung statt Rumeiern…

      Aber am Ende kann ich weder den alten Büchern noch dieser Verfilmung besonders viel Tiefgründigkeit abringen.

      Denn auch wenn ich das ganze Universum betrachte, jede Galaxie, jedes Atom… Aber unser Sonnensystem außen vor lasse…
      – Dann wird auch der beste Computer nicht sagen können, ob in diesem fehlenden Datensatz ein bewohnter Planet oder fünf Gasriesen zu finden sein werden.

      Hochrechnungen sind nun mal keine Wissenschaft. Zumal Seldon ja eine mathematische Variable seiner „Psychohistorie“ selber verändert: Die Psychologie!

      Allein dass sich Trends, Meinungen und verfügbares Wissen verändern, macht sein Hochrechnen doch bereits unbrauchbar. Vor allem, wenn er darüber SPRICHT und Menschen plötzlich anfangen, sich leeeicht anders zu verhalten. Ich könnte ja auch behaupten, dass es seit dem Jahr 1350 im Schnitt alle (willkürliche Zahl) 38 Jahre einen Krieg auf deutschem Boden gab.

      – Das passt aber trotzdem nicht mehr. Weil uns z.B. irgendwann aufgefallen ist, dass moderne Waffen viel zu sehr AUA für alle Beteiligten bedeuten – und sich Kriege für kaum jemanden lohnen. Um nur einen Grund von vielen zu nennen.

      Ich finde daher diesen Mini-Hype um die „Foundation“-Romane dezent ärgerlich. Denn es hat ja mit Aufklärung, Selbstbestimmung oder auch Plot-Spannung wenig zu tun, wenn man behauptet, futuristische Übermenschen müssten sich irgendwelchen Psycho-Esoterik-Formeln von einem längst verstorbenen Seppelkopf beugen.

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    • Mario D. sagt:

      „Vor allem, wenn er darüber SPRICHT und Menschen plötzlich anfangen, sich leeeicht anders zu verhalten.“

      Naja, das ist ja bei jeder Beobachtung von Menschen so. Wenn sie wissen, dass sie beobachtet (= analysiert, ausgewertet) werden, verhalten sie sich oft erstmal anders als wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Da spielt soziale Erwünschtheit eine Rolle, oder auch bewusste „mit mir nicht!“-Versuche, die Beobachtung zu manipulieren, usw. Darum ist es für Seldon so wichtig, dass er selbst verschwindet. Wenn er zu lange dabei ist, schauen alle nur auf ihn, aber es soll sich von allein entwickeln.

      Natürlich ist das trotzdem alles sehr naiv gedacht. Aber wie schon unten gesagt, passt es zur Enstehungszeit. Menschliches Verhalten wie das von Maschinen berechnen, sich dabei zwar eingestehen, dass das für Individuen oder kleine Gruppen nicht geht, aber wenn die Grundgesamtheit nur groß genug ist (Millionen bis Milliarden von Menschen), doch ganz optmistisch sein, dass es klappt.

      „Ich könnte ja auch behaupten, dass es seit dem Jahr 1350 im Schnitt alle (willkürliche Zahl) 38 Jahre einen Krieg auf deutschem Boden gab.“

      In der einen Heyne-Ausgabe von Foundation ist hinten so ein Essay drin, der zig solche Beispiele für historische Trends darstellt und spekuliert, ob man sowas alles zusammendenken und so eine Grundlage für eine Art Seldonsche Psychohistorik schaffene könnte. Aber der stammt auch aus den 80ern, ist also auch alt.

      „Übermenschen“

      Bei Foundation sind die Leute alle sehr normal. Da gibt es anfangs keine Übermenschen. Später kommt n bisschen Telepathie dazu, was aber auch noch nichts Besonderes ist. So richtig fängt Asimov mit Übermenschen erst bei „Die Suche nach der Erde“ an, dem er die Gaia-Hypothese in ihrer esoterischen Interpretation zu Grunde legt. (Und seine Altherrenfantasien auslebt, wenn das ganze planetare Bewusstsein Gaias durch eine leicht bekleidete junge Dame repräsentiert wird, was einer der Gründe ist, wieso die Spätwerke nur schwer erträglich sind.)

      Aber was halt nun die Serie angeht – entweder man sagt, man sollte diesen Stoff gar nicht erst verfilmen, weil der eh blöd ist. Oder man guckt halt, ob das, was die Serie daraus macht, trotzdem unterhaltsam ist.

      Hab das Gefühl, du findest Foundation schon jetzt genauso schlimm wie Discovery, was ich nach 2 Folgen nicht nachvollziehen kann. Wie auch den Vergleich Gaal / Burnham nicht. Nur weil man mal staunend die Augen aufgerissen hat. Siehe Foto oben, das suggeriert, als würde die Schauspielerin permanent so rumlaufen und Burnham nacheifern, was aber nicht der Fall ist.

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    • Klapowski sagt:

      Wie gesagt, ich finde das ja alles durchaus faszinierend. Und ich hätte mir sogar gewünscht, von der Serie ÜBERZEUGT zu werden. Von mir aus kann man sogar versuchen, mir mit Beispielen (die spontanen Ergüsse von uns beiden sind ja jetzt schon besser?) zu erklären, warum die Prämisse nicht so naiv ist, wie man denkt.

      Ich bin sowieso dafür, dass man den Zuschauer auch mal langweilen darf.

      5 Minuten Dinge erklären, das hält wohl jeder aus, der sich für ein Thema interessiert. Ein Fußballfan seines Lieblingsvereins hört ja auch nicht damit auf, die Spiele zu gucken, weil der Kommentator langweilig ist oder das Spiel 90 Minuten mit 0:0 dahinplätschert.

      Den Vergleich mit „Discovery“ muss sich „Foundation“ dann leider doch gefallen lassen. Da faselt man z.B. auch ständig was von Künstlicher Intelligenz, wiederholt aber nur das WORT. Was KI konkret bedeutet? Egal, das muten die Macher den Zuschauern nicht zu. Und den Autoren auch nicht, sich mal für 30 Minuten einen Wikipedia-Artikel durchzulesen.

      Der Vergleich mit Burnham war natürlich fies, aber ich stehe dazu. Wer heute noch mit jungen Frauen aufwartet, die eigenschaftslose Genies sind (dafür aber ihre Gesichtsmuskeln ständig Kirmis fahren lassen), muss mit meiner in Gang gesetzten Assoziationskette leben.

      Und die war hier sogar besser vorab berechenbar als die Psycho-Historie vom Seldon?

      Ich muss aber zugeben, dass ich die Folge 2 nicht gesehen habe. Die wollte ich zwar angehen, aber konnte mich nicht durchringen. Wie immer gilt: Wenn es später tiefgründiger wird, bitte Bescheid geben!

      Antworten
    • Mario D. sagt:

      Die Prämisse IST ja aus heutiger Sicht naiv, da hast du ja Recht.

      Man kann keine Zukunft über tausende Jahre berechnen, auch nicht für riesige Menschenmassen, auch nicht, wenn man individuelle Abweichungen mit einbezieht (wie das Maultier, das auch zum Plan gehört).

      War damals halt beliebt. In Arthur C. Clarkes „Die Sieben Sonnen“ war Alvin auch als Abweichler vom System vorgesehen, aber nicht, damit dann was Besseres kommt, sondern damit das System sich weiter erhält. Oder in neuerer Zeit Neo in der Matrix. Das sind alles technokratische Gesellschaftsvorstellungen, wo das Ideal die kybernetische Regelung ist, aber die Autoren offenbar wussten, dass das nix wird, und deshalb einzelne Individuen als Teil des Plans „vorhersahen“, die das System stören sollen, damit es sich anpassen muss und nicht endlos stagniert, aber sich nach der Anpassung am Ende doch wieder stabilisiert.

      Gaal hat mich überzeugt, als sie in der Ratssitzung in der 2. Folge erstmal von Zahlensystemen angefangen hat und die naiven Grundannahmen der Ratsmitglieder in Frage gestellt hat (es ging um die Verteilung von Finanzen). Genau so würde ich mir einen jungen Wissenschaftsnerd vorstellen, der von seinem Chef in die Fakultätsratssitzung geschickt wird, weil der was Besseres zu tun hat, und dort erstmal durch Detailfragen nervt :D Solche Leute gibt es. Dass dieser Nerd sich trotzdem kindliches Staunen bewahrt hat – wieso nicht.

      Antworten
  4. Serienfan sagt:

    Wenn ich mir die trostlos dreinblickenden Gesichter im Trailer so ansehe, dann braucht man nach dieser Folge offenbar ein paar Michael-Haneke-Filme zur Aufheiterung.

    Sorry, aber es hilft alles nix, man muss es so hart sagen: Die Popkultur ist im Arsch. Ich glaube, wir wussten nicht, was wir hatten, als sowas im Fernsehen lief: https://youtu.be/xkfNvtbg5UA

  5. Mario D. sagt:

    Die Serie hat es schwer – die Buchvorlage gehörte lange zu meinen Lieblingsbüchern, aber Asimov hat nicht über Individuen geschrieben. Seine Charaktere waren völlig gesichtslos und sind über seine Bücher hinweg auch alle austauschbar. Asimov gelingt es aber, das Gefühl zu vermitteln, als gäbe es einen großen, Jahrhunderte überspannenden Plan, der nun schrittweise umgesetzt wird, dann mehrfach scheinbar scheitert, was aber Teil des Plans war. Das liest sich durchaus spannend. Und das Buch passt zu seiner Entsteheungszeit, in der sich langsam die Idee entwickelte, dass sich Gesellschaften kybernetisch regeln lassen.

    Die Serie hat das Problem, dass sich das alles nicht gut erzählen lässt. Alles, was eine Serie so ausmacht, muss dazugedichtet werden. Gleichzeitig ist das schnelle Vorantreiben von Handlung auch Teil des Buches. Asimov hat gefühlt alle dreißig Seiten einen Plottwist drin, was beim Lesen cool ist, aber im Fernsehen komisch sein kann.

    Eine fiktive Geschichtsdokumentation wäre dem Inhalt des Buches angemessener.

    Trotzdem ist Gaal nicht mit Burnham vergleichbar. Gaal nehme ich z.B. ab, dass sie was von Mathe versteht.

    Bear McCreary hat mal wieder einen Soundtrack von Bear McCreary abgeliefert, und der Track „Gaal leaves Synnax“ hätte so 1:1 auch in BSG oder Caprica funktioniert, in seiner bittersüßen Mischung aus Melancholie und Pathos. Ich höre das Lied ehrlich gesagt seit drei Tagen rauf und runter, und krieg immer noch Gänsehaut. Ich bin halt ein einfaches Gemüt.

    • Mario D. sagt:

      Ach und was noch schwierig ist… eigentlich müsste man alle zwei Folgen die gerade aktuellen Charaktere rausschreiben. Im Buch spielt Gaal nach 40 Seiten keine Rolle mehr. Und so geht es auch allen anderen. Die Idee des Klonkaisers find ich cool, und bei Demerzel ist es eh kein Problem, aber wie das bei den anderen funktionieren soll … O.o Selbst Hari erscheint nur noch mal kurz als eine Art Videobotschaft.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      „Gaal nehme ich z.B. ab, dass sie was von Mathe versteht“

      Wenn man nur die zweite Folge betrachtet, kann ich das nicht sagen. Fürs Rechnen hat sie keine Zeit, weil sie Wichtigeres zu tun hat … über zukünftige Kinder und die Schaffung eines „Heims“ mit ihrem Lover reden zum Beispiel.

      Lediglich in der Komiteesitzung gibts einen intelligenten Monolog von ihr … allerdings erscheint sie völlig unvorbereitet zur Sitzung … gab bestimmt Wichtigeres.

      Antworten
    • Mario Donick sagt:

      „über zukünftige Kinder und die Schaffung eines „Heims“ mit ihrem Lover reden zum Beispiel.“

      Ähm, und das ist so ungewöhnlich? Du wirst Hals über Kopf aus deiner gewohnten Umgebung gerissen, auf einen trostlosen Planeten im Nirgendwo, weit ab von irgendwas – ist es da nicht natürlich, sich jemanden zu suchen und sich über eine mögliche gemeinsame Zukunft Gedanken zu machen? Das Thema Familie und Kinder und wie man das mit unsicheren Tätigkeit verbinden kann ist auch für echte junge Akademiker, die an Unis auf irgendwelchen dubiosen Mini-Stellen rumkrepeln, ein sehr akutes.

      „allerdings erscheint sie völlig unvorbereitet zur Sitzung … gab bestimmt Wichtigeres.“

      Wurdest du schon mal als Nachwuchswissenschaftler von deinem Prof in ein Gremium geschickt, um ihn spontan zu vertreten? Klingt unrealistisch, gibt es (leider) auch bei uns. Viel Vorbereitung ist da auch nicht immer.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      Bitte!!!
      Es geht hier um den prophezeiten … besser … errechneten Untergang des seit Tausenden von Jahren bestehenden galaktischen Imperiums und die Chance (!) das prognostizierte dunkle Zeitalter durch eine Foundation zu verkürzen!!!

      Und Gaal ist nicht irgendeine Nachwuchswissenschaftlerin, sondern … laut Drehbuch … der einzige Mensch in der Galaxis, der Seldons Berechnungen überprüfen kann.

      Wir sind erst in der zweiten Folge. Da gibts doch wohl genug Stoff jenseits eines trauten Heims mit Kinderlein, mit dem sich das Drehbuch beschäftigen könnte.

      Ja, klar … Nachwuchswissenschaftler werden ständig von ihren Profs in wichtige Gremiensitzungen geschickt. Die werden sich dann aber bis zur letzten Sekunde nervös auf diese Sitzung vorbereiten und nicht noch eine Reunde im Raumschiffbad schwimmen gehen.

      Antworten
  6. Simon Wright sagt:

    Was mich wirklich stört, ist der Larifariumgang mit Asimovs drei Robotergesetzen. Meinetwegen muss und kann man zahlreiche Änderungen aus den gut 70 Jahre alten Büchern vornehmen, aber wenn man schon Asimov verfilmt, sind doch gerade die Roboter das was sein Werk ausmacht. Da kann man eben nicht einen 08/15-Roboter der sich prüde bedeckt, wenn er sich selbst repariert, draus machen und der dann bei zig Toten nicht ein zusammengeschmolzenes positronisches Gehirn hat, weil es gegen seine Programmierung verstößt das zuzulassen.

    Wir sind eben nicht bei Star Trek wo man dem Doctor seine ethischen Subroutinen entfernt und der dann jedweden Scheiß bauen kann. Das erst danach Torres vorschlägt die lieber mit einem Passwort zu schützen rettet den Ursprungsquatsch tausend möglicher böser Hologramme auch nicht wirklich.

    Das die drei Robotergesetze nicht zu umgehen sind, weil z.B. ein neu entwickeltes positronisches Gehirn wegen zuviel Streß, Arbeit oder WersolldenndieKinderabholen nicht in Angriff genommen werden kann, ist zwar auch nicht gerade ein Höhepunkt der Logik in den Robotergeschichten, aber deswegen kann man ja nicht bei jedweder Verfilmung das in Frage stellen, damit es einem besser ins langweilige Standarddrehbuch passt.
    (Gut, Asimov hat noch ein nulltes Gesetz hinzuerfunden, das die Menschheit über das Einzelschicksal von Menschen stellt, aber auch das läßt ein positronisches Gehirn schmelzen und ob die Serie das wirklich aufgreift? Naja, acht Staffeln müssen ja mit was gefüllt werden…)

    • Mario D. sagt:

      Ich hab mich auch erst gewundert, aber das Nullte Gesetz ist in der Tat der Ausweg. Das hat Asimov zwar erst 1985 erfunden, aber nun gehört es halt dazu. Und im Gegensatz zu Giskard war Daneel auch in der Lage, damit umzugehen, auch wenn das den regelmäßigen Wechsel seines Gehirns nötig macht.

      Wieso Eto so tut, als würde sie sich schamhaft verbergen, erklärt sie dem Kind (um menschlicher zu wirken und weil sie es anstrengend findet, zwei Identitäten zu haben, also tut sie auch für sich so, als wäre sie eine Frau).

      Antworten
  7. JP1957 sagt:

    Ich habe mir jetzt tatsächlich (für einen Monat) Apple TV geleistet, um hier mitzuschreiben.

    Erste Folge: Okay, es besteht noch Hoffnung.

    Zweite Folge: Sind die Macher verrückt geworden? Da ist anscheinend genug Schotter für beeindruckende Bilder da … aber was für „Inhalte“??? Die ganze Regierung des Imperiums besteht aus drei Kaiserklonen und einer Roboterin? Der Kaiser stellt der Foundation einen ganzen Planeten zur Verfügung, aber warum zum Teufel soll die Sterberate dort bei 37% der Kolonisten liegen? Da hat man eine epische Geschichte als Vorlage … und zeigt uns „stundenlang“ eine Liebesgeschichte und einen Dialog, in dem es um zukünftige Kinder geht (Gähn). Warum muss die Beziehung vor dem hervorragendsten Wissenschaftler der Galaxis und seinen Fans geheimgehalten werden? Und warum braucht man in einem hochmodernen Raumschiff, mit dem Tausende (?) von Kolonisten transportiert werden können, eine Wäscherei mit Dutzenden von Mitarbeitern? Und die kriegen (echt, kein Fake) dann nicht einmal den Flecken aus Seldons Lieblingshemd! Himmel!

    Am Ende wird Seldon von Gaals Lover aus heiterem Himmel ermordet … und mich interessiert überhaupt nicht, wie das in Folge 3 erklärt wird.

    • Mario D. sagt:

      Das ist teilweise wohl der Versuch, Charaktere, die bei Asimov extrem blass und austauschbar sind, menschlich werden zu lassen. Oder die an sich trockene Story etwas dramatischer zu machen.

      Seldon muss sterben, damit er den Aufbau der Kolonie (… oder sein Experiment) nicht durch seine Anwesenheit beeinflusst. Im Buch stirbt er einfach durch Alter/Krankheit, wird nicht gezeigt, nur gesagt/von ihm angekündigt. Warum man in der Serie unbedingt eine Art Vatermord draus machen musste – ist auch wieder dramatischer.

      Angemessener wäre es (wie oben schon geschrieben), wenn man die Story als fiktive Geschichtsdoku erzählen würde. Dann könnte man pro Folge ein Hauptkapitel abhandeln, auch wenn dann in jeder Folge fünfzig oder mehr Jahre vergangen sind und die Charaktere alle andere wären.

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  8. William sagt:

    Puuh,
    bin ich froh an das ganze als Popcorn Serie herangegangen zu sein
    und mich nur Dunkel an die Bücher erinnere.
    Was ich viel Schlimmer fand …… es geht um die Zukunft der Menschheits Galaxis der Zivilisation an sich ?
    und wir sehen wie eine Liebesbeziehung Aufgebaut ( <ja ein Witz ) und Gevögelt wird ?
    Und das nichtmal zur Arterhaltung ?
    Warum mussten wir das überhaupt sehen ? absolut Verschwendete Sendezeit dazu war wahrscheinlich ne Menge CGI drin daher auch Teuer ohne Ende ( die 500 Dollar die am Ende fehlen ), Verschwendung pur.
    Da ist mir doch tatsächlich das nicht Gekaufte Popcorn im Hals stecken geblieben.

    Sonst Hm… für eine konkrete Meinung warte ich noch die Restlichen Folgen ab.

    • Mario D. sagt:

      Also Folge 3 kann man, wenn man nicht an menschlichen Beziehungen und allgemeinem World Building ohne Handlung interessiert ist, dann auch ignorieren. Da landen zwar wie im Buch die Anakreoner auf Neu Caprica, äh, sorry, Terminus (also die 1. Seldonkrise), aber erst ganz am Ende. Interessant könnte dann Folge 4 werden, wie das Problem gelöst wird. Im Buch ist das wieder auf wenigen Seiten erledigt.

      Immer mehr verstetigt sich bei mir der Eindruck, dass das Material nicht geeignet ist für eine normale Serie, weil alles, was zu einer Serie dazugehört, dazuerfunden werden muss, was aber den eigtl. Stoff in die Länge zieht.

      Trotzdem gefällt es mir. Schöne Bilder, schöne Musik.

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    • Mario D. sagt:

      Ach und das Mysterium um das Portal ist auch eher unnötig. Im Buch ist klar, dass es eins gibt, dass es sich sich zur 1. Seldonkrise öffnet und Hari dann Tipps zur Lösung der Krise gibt. Wieso das jetzt so aufgebauscht wird… naja.

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    • Sparkiller sagt:

      „wenn man nicht an menschlichen Beziehungen und allgemeinem World Building ohne Handlung interessiert ist“

      Danke für die Info, war doch nach der zweiten Folge meine Durchquäl-Motivation bereits recht niedrig.

      Krampfig eingebaute Beziehungen, welche die SciFi-Elemente zum Halten bringen, kann ich nicht mehr ab. Wie schon gesagt wurde: Es geht um Ereignisse im galaktischen Maßstab und man muss sich stattdessen austauschbare Verkündungen schwelender Leidenschaften im Badeanzug antun.

      Nix gegen Zwischenmenschliches, aber das kann man wesentlich organischer einbauen und nicht wie ein Tür… äh… Showstopper.

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    • Serienfan sagt:

      Man versteht langsam, weshalb Roddenberry bei der Classic-Serie feststellte, dass Science-Fiction-Autoren zwar großartige Einfälle, aber oft kein Gespür für Dramaturgie haben, weshalb er eher auf klassische Autoren aus anderen Genres setzte.

      Für mich hat der Foundation-Roman nie funktioniert. Es überrascht mich wenig, wenn ich höre, dass entsprechend auch die Serie nicht funktioniert. Frühere Fernseh-Autoren hätten der Vorlage das verleihen können, was ihr fehlt: Eine fesselnde Dramaturgie. Hierfür würden sich ja gerade im Asimov-Universum die unsterblichen Roboter anbieten, die man als feste Hauptfiguren etablieren könnte.

      Vielleicht hätte man ein paar alte TNG-Autoren engagieren sollen. Die hätten sicher helfen können bei der Frage, wie man einen für Zuschauer sympathischen Androiden konzipiert.

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    • G.G.Hoffmann sagt:

      Die Frage ist: kann man unter den heutigen Bedingungen (gleichzeitige weltweite Veröffentlichung per Streamingdienst) überhaupt noch Kultserien erschaffen, die ganze Generationen vor dem TV-Bildschirm vereinen und noch in Jahrzehnten Teil der Popkultur sein werden? Oder ist das mit dem Ende des linearen Fernsehens und der „westlichen Vorherrschaft“ in der TV-Landschaft, die im wesentlichen auf die Konsumenten in Nordamerika und einigen großen westeuropäischen TV-Nationen zugeschnitten war, vorbei?

      Ich nehme an, Letzteres. „Game of Thrones“ hat das aus westlicher Sicht vielleicht noch annähernd geschafft, war aber eine Serie, die an das europäische Mittelalter und hiesige Mythen angelehnt war und in Sachen Hautfarbe und Sexualität wenig Diversität aufbot.

      Data sagte in der TNG-Episode „Die neutrale Zone“ über das Fernsehen: „Diese äußerst primitive Form der Unterhaltung hat das Jahr 2040 nicht überlebt, Sir.“ Das könnte sich in 20 Jahren als sehr hellsichtig erweisen.

      Selbst in Fankreisen gibt es kaum noch Einigkeit. Jeder pickt sich beliebig heraus, was ihm gefällt. Die meisten Streitgespräche auf „TrekMovie“ & Co. haben inzwisches folgendes Muster:

      „Ich mag Spock, hätte ihn aber lieber auf DS9 gesehen, wobei Janeway dort der Captain hätte sein sollen, weil ich Sisko lieber als Sicherheitschef auf der Voyager gesehen hätte. Data ist meine Lieblingsfigur, hätte aber blonde Haare bei ihm besser gefunden. Kirk kann ich gar nicht leiden. Aber Tom Paris wäre ein super Captain der Enterprise, mit Michael Burnham als Steuerfrau. Lieblingsfolgen: alles mit Troi.“

      „Kann ich nicht nachvollziehen. Seven of Nine wäre eine viel bessere Kommunikationsoffizierin als Uhura gewesen. Aber Sisko war Kult. In meinem persönlichen Kanon ist er jedoch Admiral und hat Pille als Chefingenieur. Einzig logische Variante für mich, weil alles, was nach der Folge „Horta rettet ihre Kinder“ kam, sowieso in einem Paralleluniversum spielt. Punkt.“

      Analog laufen die Diskussionen in StarWars-Foren, etc. ab.

      Antworten
  9. Mario D. sagt:

    Ich hab meine diffusen Gedanken mal geordneter aufgeschrieben, falls Links erlaubt sind: https://ueberstrom.net/2021/10/01/schoen-unverfilmbar-foundation-apple-tv/

    • Hayos sagt:

      Danke! War sehr interessant zu lesen!

      Das geradlinig (dokuhafte?) von Folge 3 fand ich tatsächlich sehr überraschend – wie eine Gegenthese zum stressigen Hin-und-Her von Picard & Discovery.

      Mir geht ähnlich wie dir, bei mir funktioniert die Serie im Moment sehr gut über die getragenen edlen Bilder, Musik & Atmosphäre. Dann kann man auch mal die „your special“-Klischees überhören.

      Anders gesagt: Wenn man auf der einen Seite Blade Runner 2049 hat und auf der anderen die Marvel-Formel, schlägt das Pedel mehr zu Ersterem aus.

      Antworten
  10. JP1957 sagt:

    @Doktor Mario: „„wenn man nicht an menschlichen Beziehungen und allgemeinem World Building ohne Handlung interessiert ist“.

    Wie kommst Du bloß darauf?

    Zu World Building habe ich gar nichts geschrieben (in Folge 1 sehe ich kein relevantes WB; in Folge 2 fällt mir lediglich die (idiotische) Wäscherei beim Schiffsbuildung ein).
    An menschlichen Beziehungen (in Serien) bin ich sehr interessiert, aber a) nicht in derart oberflächlicher Weise und b) nicht in unpassenden Situationen, das hat Sparkiller schon ausgeführt.
    In der demnächst anlaufenden Serie „Angela – eine Frau ging ihren Weg“ möchte ich sie ja auch nicht die Hälfte der Sendezeit mit ihrem Schnuffel auf der Couch sehen, sondern im Kanzleramt und im Clinch mit der Männergang um Friedrich M. und Roland K..

    Ähnlich episch angelegt wie Foundation war GoT. Die Staffeln waren (integriert in die epischen Handlungsbögen) voller wunderbar geschilderter menschlicher Beziehungen … ich habe jede Minute davon (in den ersten 5 Staffeln) genossen.

    • Mario D. sagt:

      Ich hab quasi als „Infopost“ (also nicht zu dir) geschrieben, dass Folge 3 (!) nicht interessant ist, wenn man nicht an World Building oder Beziehungen interessiert ist.

      WB geschieht in Folge 3, indem die Anfänge der Kolonie gezeigt werden, sowie die Klonkaisersache mit einer Rückblende eingeführt (und etwas sehr langen „bemitleidenswerter geriatrischer Kaiser bereitet sich auf den Tod vor“-Szenen fortgeführt) wird.

      Beziehungen, indem jetzt Hardins Love Interest gezeigt wird. Ja, das ist nicht die Art von Beziehung, die man sehen will ;)

      Das Hauptproblem ist halt: Es gibt auch in der Vorlage keine nennenswerten Beziehungen, nichts was auf Dauer angelegt ist. Keine Details zu den Planeten. Ich weiß nicht, wie die Serie das erfolgreich ändern will. Quasi alles muss man dazu erfinden, und man weiß ja, wie das bei GoT ausging, als die Buchvorlage ausging.

      Andererseits sind die Ansprüche gerade bei zukunftia ja sehr hoch, die wohl kaum eine aktuelle Serie erfüllt. Ich lasse mich hingegen von netten Bildern und netter Musik einlullen ;)

      Antworten
  11. JP1957 sagt:

    Aber Hallo … jetzt hat sich auch der Chefpsychohistoriker der FAZ der Serie angenommen.
    Da bleibt kein Auge trocken:
    „Der Konzeptkern von Asimovs „Foundation“ bleibt dennoch dramatisch aktuell. Denn das numerische Schätzen sozialpolitischer Trends, historisch hervorgegangen aus Demographie, Epidemiologie und Verwandtem, kann mit Jean-Jacques Rousseaus gefährlicher Idee einer „volonté générale“, eines Gemeinwillens, jederzeit sowohl konstruktiv wie destruktiv mobilisierend zusammenwirken.“

    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/serien/science-fiction-serie-foundation-bei-apple-tv-als-weltraum-oper-17557658.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  12. bergh60 sagt:

    tach auch !
    Ich weiß nach der 2ten Folge immer noch nicht was ich davon halten soll.

    Diese Serie hat mit Asimov ungefähr so viel zu tun, wie I Robot
    mit diesem Film von Willy Smith. Ich mag den Film, aber der hat mit Asimov ungefähr nur den Titel gemeinsam.

    Die Tricks bei Foundation sind toll aber soviel Gewalt wie in einer Folge Findet man im Gesamtwerk von Asimov nicht. Das Wüsteste war die Schlägerei mit den CO2 Flaschen in die Sterne wie Staub / The stars like dust.
    Ein Prequel zu Foundation (behauptete Asimov)

    Also ich bin noch nicht sicher wie ich das bewerten sollte.

    Gruß BergH

    BTW Di Tricks sind supertoll, aber sonst?

  13. Grinch1969 sagt:

    Nach Folge 3 bin ich ein wenig ratlos, definitiv tolle Bilder aber Figuren und Schauspieler zum wegschmeißen. Aber wenigstens kein rumgeflenne alle 2,5 Minuten, von daher schonmal einiges viel besser gemacht als das aktuelle Trek Zeugs. Wahrscheinlich bleibe ich da dran.

  14. mortimer3 sagt:

    „Aber die Hauptfrage hierbei lautet: Ist das jetzt Hard-SF oder Weichbirnen-Fantasy?“ – Die Frage stellte ich mir auch beim Sichten der Neuauflage von „Dune“, wo ja auch ein mehr als 60 Jahre altes Œuvre ausgewertet (ausgeschlachtet?) wird. Bei Asimov holt man sich den Kick ins Interstellare per Mathematik, bei Herbert per psychoaktiver Substanz. Da hätte viel dringelegen. Leider geben die Macher zuviel auf Klein-Döfi-mit-Plüschohren-Kram wie Geballer, Hauen und Stechen, Rumgedüse mit irgendwelchen Indiana-Jones-Fahrzeugen, dass für das Ausarbeiten von wirklich Fremdartigen, meinetwegen auch Rätselhaftem keine Zeit bleibt. Mann wankt genauso belämmert aus dem Kino wie beim geisttötenden 007.

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