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Klapo fordert: Mehr Langsamkeit in der Science Fiction – aber zackig!

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Hier mal eine ziemlich öde Frage: Woher kommt die Angst vor „langweiligen“ Filmen? Ich meine nicht die „schlechten“ langweiligen Filme, die nichts zu sagen/fragen haben – und nicht mal eine Halbantwort höflich wegnuscheln. Sondern die „guten“ langweiligen Filme, bei denen wir 15 Minuten lang brauchen, um danach 45 Minuten lang eine Figur vorgestellt bekommen, bevor die Komplexität exponentiell ansteigt. – Äh… Oder vielleicht schon der Abspann läuft und man sich fragt: „Stand der Typ nicht nur die ganze Zeit in der Wüste und hat sich an den Zehen rumgepopelt?“


(Die Antwort auf die obige Frage lautet in der Regel: „Nein.“)

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Zweimal ein „Arschloch-Move“ der Filmindustrie? – Wie schon „Dune“ im Jahre 1984 wird vermutlich auch die demnächst erscheinende Neuinterpretation die SF-Fans spalten: Surreales Meisterwerk oder „Game of Thrones“ für Bandwurmliebhaber? Das Gros des Publikums wird diese Frage danach entscheiden, mit wie viel Action-Bumm uns die Dialoge „versüßt“ werden.

Wobei man man „langweilig“ erst mal mit „langsam“ oder „atmosphärisch“ übersetzen könnte. Schließlich hat sich ja jeder Filmemacher etwas bei langatmigen oder (vermeintlich) überflüssigen Szenen gedacht. Und mit diesen meine ich jetzt vor allem NICHT Dialog-Sequenzen, sondern vor allem Landschaften, Totalen und Raumschiffe. Eben die Momente, Dialoge und Figuren, bei denen man nicht spontan drauf kommt, warum die eigentlich dort sind. – Aber vielleicht später dann? Nach der Abi-Fete vielleicht?

Eben jene Momente, in denen man sich fragt, ob man mit seinem pizzagepolsterten Hintern versehentlich auf die Pause-Taste der Fernbedienung gerutscht ist. Jene Momente, bei denen man sich bei „Blade Runner“, „2001“, „Alien“ oder „Arrival“ fragt, ob der Regisseur erst beim Dreh entdeckt hat, dass er seit Jahren heimlich auf nackte Hauswände oder Sternenhimmel steht.

Denn gerade bei diesen filmischen Entschleunigungs-Werken kommt dieses Gefühl der Leere auf, das viele Menschen aber schon nach wenigen Sekunden enorm belastet. Und ich muss zugeben: Vor 12-20 Jahren habe auch ich ebenfalls nach meinem Smartphone gegriffen (ein kleiner Holzblock vom Sperrmüll, wir hattten ja nichts), wenn sich der Filmemacher erdreistete, mich teilweise 60-600(!) Sekunden lang NICHT mit Dampfgeplauder oder Actionsequenzen zu erquicken. „Was soll denn das, was erlaube Kunst?!“, brüllte ich da noch, während ich die schönsten Raumschlachten aus DS9 auf einem alten 14-Zoll-Röhrenfernseher in Dauerschleife laufen ließ.

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„Blade Runner 2049“ lebt von der Ruhe der Bilder. Kein Wunder, denn der Hauptcharakter ist verloren, einsam und verdammt gutaussehend. All das würde bei Hektik untergehen. Versucht ihr mal, „nachdenkliche, intelligente Stille“ in drei Sekunden zu erzählen! Dafür brauche ICH immer ein komplettes Bewerbungsgespräch.

Ja: Auch ich werde HEUTE noch wuschig, wenn man einfach mal eine Overtüre dudeln lässt (nein, das ist keine Marmelade) oder ganz alte Streifen sogar einen Vorspann(!) hatten, in dem wir uns die Namen der Lichttechniker und Fußpfleger durchlesen durften. Und das, bevor sich irgendwas außer den Haaren/Flackergegrissel am Bildrand bewegt hat. – Frech, aber wahr.

Doch spätestens seit meiner Reviews zu „Star Trek – Der Film“ und „Blade Runner 2049“ dürfte klar sein: Inzwischen genieße ich sogar die stillen Momente. Nicht, weil ich dabei stets tiefgründige Momente empfinden würde („Guck an, die linke obere Ecke ist blaugrün – Sie steht daher für das Natur-Chakra im Buddhismus!“), sondern weil es einfach NÖTIG ist, wenn es danach abgehen soll.

So ist es bei epischen SF-Filmen ja durchaus üblich, dass wir uns klein und verletzlich fühlen sollen – oder sogar MÜSSEN. Was ja auch angemessen ist, wenn Cthulhu und die Borg ans Raumschiff klopfen, die Mannschaft seit 3 Tagen ohne Sauerstoff aus dem Bullauge schaut und nebenan ein Schwarzes Loch zum Weißen Riesen mutiert.

Generell ist Unterhaltung gar nicht auf Dauer(an)spannung ausgelegt: So wie der eigene Körper Phasen des Ein- und Ausatmens benötigt, des Manisch-Herumlaufens und Samstags-Ausschlafens, so braucht jeder Film seine „Schlafeinheiten“. Selbst moderne Marvel- und Horrorfilme wissen das. Jedoch wissen sie es nicht GENUG, denn sonst würden sie mehr Dialoge bringen. Gerade z.B. diese Szene zwischen Rocket und Thor in „Infinity War“ ist wohl diejenige, die mir am meisten im Kopf geblieben ist. Und das GANZ ohne Spezialeffekte, nur… äh… mit einem trainierten, sprechenden Waschbären am Set.

Bei allen Filmthemen, bei denen es beispielsweise ums Warten, um quälend lange Momente oder gar um gigantische Größenordnungen geht, kommt man gar nicht umhin, die Augen des Zuschauers kurz in den Schlafwagen zu setzen – und diese eine Weile um den Häuserblock zu fahren.

Die sprichwörtlich „größte“ Bedrohung der Erde war wohl V’Ger. Wobei dieses Gefühl mit der Inszenierung zusammenhängt, nicht mit der Story. Hätte man z.B. die Xindi-Raumschiffe aus ENT ebenso laaangsam gefilmt (natürlich mit einem kecken Faultier-Logo drauf), würden wir wohl heute noch von der „epischen Zootier-Ära“ von Star Trek sprechen.

Natürlich könnte man versuchen, sich an lange Momente ranzutasten, um den Moment der Langeweile gaaanz knapp zu vermeiden. Aber gerade der muss oft überschritten werden, damit die erwünschte Wirkung überhaupt eintritt. Man stellt ja bei einem Entspannungs-Kurs auch keine Person hin, die genau auf die Körperspannung achtet – und einen dann wachrüttelt, wenn man locker wird.

Klar, wer nicht auf Raumschiffe steht, wird sich bei „Star Trek – Der Film“ fragen, warum der erste Anflug auf die umgebaute Enterprise nicht in wenigen Sekunden abgehandelt wird – Sechs lange Minuten geht diese Sequenz! Das wäre in einem JJ-Abrams-Film exakt die Zeit für … 72 Vorbeiflüge, wie dieser Ausschnitt beweist. Auch wenn der Vergleich wegen der unterschiedlichen Ausrichtung (Schiffsvorstellung/Kampfszene) zugegebenermaßen hinkt. Denn:

Weil das Schiff bei Abrams niemals optisch vernünftig vorgestellt worden ist, müssten die Kampfsequenzen natürlich NOCH langsamer und deutlicher gefilmt werden, harrharr…

Aber selbst der größte Gähner wird nach der laaangen Kirk/Scotty-Sequenz von 1979 zugeben müssen, dass ihm die blöde Weltraum-Blechhütte viel mehr ans Herz gewachsen ist. Schließlich ist sie das Heim der Besatzung, ein kulturelles Symbol, der Wegbereiter für die gesamte Story – und zudem noch ein sehr hübsches Modell.

Ja, bereits unbewusst wird man hier auf den Trichter kommen, dass wohl etwas Großes auf uns zukommt. Und wie sehr Kirk und Scotty dieses Stück Technik lieben. Und wie genial doch eigentlich Jerry Goldsmith damals war.

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Selbst bei „Star Wars“ kann man Ansätze von Langsamkeit entdecken, welche die Welt buildet. C3PO und R2D2 laufen – nach heutigen Maßstäben – recht lange durch die ereignislose Pampa. Und es hat gewirkt! Seitdem ist im Franchise oft Sand im Getriebe…

Immer wieder stelle ich fest, dass Filme, die sich (und mir) keine Ruhe gönnen, gar nicht ernstzunehmen sind. Hier nur einige Beispiele, die natürlich überspitzt sind – oder manchmal sogar GUT ankommen:

Die Angst vor langen Einstellungen: Ein gigantischer Sternenzerstörer kommt ins Bild? Eine Monsterwelle schiebt sich in die Stadt? Ein Planet wird gesprengt? – Jedes dieser drei Ereignisse würde ich genüsslich auf mindestens 60-100 Sekunden aufblähen. Eventuell mit fester Kamera. Und ich gebe euch mein Versprechen plus den Stempel vom Technischen Hilfswerk: An diesen 60 Sekunden wäre nicht eine Sekunde langweilig!

Schnitte bitte knicken: Unnötige Schnitte rauben jedem Bombast die Wirkung: Wenn ich 20 Sekunden lang aus einer ungeschnittenen Perspektive die Einzelteile der prügelnden Transformer auf mich herabrieseln sehen, ist das was anderes, als wenn ich 20 Trümmerteile in 20 x 1-Sekunden-Einstellungen an stets anderer Stelle suchen muss.

Emotionaler Turboboost: Wenn eine Figur einen emotionalen Verlust hinzunehmen hat, ist das nicht in wenigen Sekunden getan. So erwarte ich bei dem Tod von geliebten Nebenfiguren, dass der hinterbliebende Schauspieler – wenn er actiontechnisch gerade Zeit hat –, einige Zeit zusammengekauert trauert. „Racheee“ kann man auch dann rufen, wenn man vorher mit leerem Blick in die Pampa gestarrt oder eine halbe Minute auf den Boden eingedroschen hat. Die Länge der Szene muss mir selber WEH TUN, sonst rührt sich in meinem alten Metallherz nur der Rost.

Stille kann manchmal helfen: Filmmusik ist toll. Wir lieben sie und meistens kann man langsamere Augenblicke sehr gut mit ihr begleiten. Doch oft bringt das Gedudel auch nur wieder Unruhe rein. Wenn der Meteoritenschwarm den Schlachtkreuzer zerstört, kann es auch eindrucksvoll sein, nur den Bass-Beat der reindreschenden Felsen zu vernehmen, statt John Williams zuzuhören, wie er 20 zerstörte Pauken und Trommeln von der Inventarliste streicht.

, Klapo fordert: Mehr Langsamkeit in der Science Fiction – aber zackig!

Geheimtipp: „Under The Skin“ (hier ein ruhiger Videoausschnitt mit Spoilern) ist eine SF-Perle, die so ruhig daherkommt, dass man sie für langweilig halten könnte. Der verstörende Sound und die abstrakten Bilder bleiben aber lange hängen – wie auch die schwarzen Teiche aus Teer. Und für unseren Leser BergH: Die fesche Schnitte Scarlett Johansson ist nackelig zu sehen, bohohoorr!

Man könnte Langsamkeit auch als Investition ansehen. Eben gesammelte Zeit, die vermeintlich verloren ist, aber irgendwas mit dem Zuschauer GEMACHT hat. Von Trauerklosigkeit bis hin zum genervten „Da will ich nich leben“-Feeling. Als Bonus oben drauf gibt es noch das spätere Entdecken der Stärken. Und einen angeregten Diskurs über den Kunst-Faktor beim Film „2010“, wie auf dieser Webseite vor Wochen geschehen.

Klar, man mag sich über das teilweise bedeutungsschwangere „Nichts“ in vielen Filmen lustig machen. Tu ich ja auch. Aber: Erstens kann auch eine vorgetäuschte Schwangerschaft zu Gewichtszunahme führen. Und zweitens gibt es gar nicht (mehr) viele Filme, die Langsam- und Gemütlichkeit ausgiebig nutzen.

Gut gemachte Stille heißt: Irgendwann wird der Transusen-Regisseur (Nein, ausnahmsweise nicht die „Trans-Suse“) den Grund für die Schnarchigkeit aufklären, das Zeit-Sparschwein aufschlagen und einem die „verlorene“ Zeit mit Gewinn und Zinseszins auszahlen. Zum Beispiel, weil man irgendwie noch nach Wochen an bestimmte Szenen denken muss.

Klar, oft geht das in die Hose und Langeweile bleibt einfach nur … Langeweile. Aber sofern man kapiert, warum diese überhaupt drin ist, sollte man sich zumindest drauf einlassen. Man isst ja auch nicht Obst und Gemüse und lässt es nach 5 Minuten für immer sein, weil man nicht sofort diese „heilsame Wirkung verspürt hat, von der immer alle reden“.

„Sind wir bald daaa?“ – „Nein.“ – „Sind wir bald daaa?“ – „Nein.“ – Waren irgendwie NIE bald da: Die Crew aus dem Film „Arrival“. Hier kann man sich so lange an kultureller Fremdartigkeit und unerklärlicher Gigantomanie ergötzen, bis mal selber sagt: „Mein nächster Urlaub geht nach Nordkorea!“

Nur mit dem richtigen Entschleunigungs-Mindset kann man nach manchen Filmen nachts wach werden und sich sagen: „Hey, diese Kulissen im Dune-Film… Ich glaube, die würden sich gut auf der Gartenterrasse machen!“ – Ja, manchmal muss man Langsamkeit bewusst aushalten, um Wochen oder gar Jahre später zu verstehen, warum manch ein Werk als Klassiker gilt. Oder zumindest als atmosphärisch. Oder hübsch. Oder dass der Produzent nicht sooo besoffen war, als er das Projekt abnickte.

Und das Gegenteil will ja auch keiner. Denn gerade Kurtzman-Trek fällt dadurch auf, dass es billige, vermeintlich unlangweilige „Abkürzungen“ sucht, um ans Ziel zu kommen:

– Alle Charaktere sollen tiefgründig sein, aber ruhige Dialoge finden nie statt.

– Alles soll groß und episch sein, aber man erkennt teilweise nicht mal optischen Größenverhältnisse.

– Alles soll verzweigt und komplex sein, aber längere (gute) Erklärungen werden weggenuschelt.

Und da man auch mal was Positives sagen sollte: Die Eröffnungsszene von „Discovery“ setzt eigentlich ein paar schöne visuelle Ideen in Szene! Von der Verlorenheit und Hilfsbedürftigkeit des kargen Planeten bis hin zur Verletzlichkeit der (später leider) übermächtigen Schiffscrew. Schade, dass man diesen Stil nur wenige Sekunden durchhielt:

Leider muss man sich diesen Ausschnitt ohne Ton ansehen. Das Dampfgeplauder der beiden Figuren ist eigentlich schon wieder das Gegenbeispiel meiner These… („Und wissen Sie noch, wie wir uns gestern kennengelernt haben, nachdem wir uns 10 Jahre lang gut kannten?“ – „Klar. Erlauben Sie mir eine Zusammenfassung unserer derzeitigen und zukünftigen Pläne, um das zu zelebrieren!“)

Ich fordere daher in der SF – und speziell in Star Trek – wieder mehr „Langeweile“… Zum Beispiel (gute) Füllerfolgen, in denen ein Ex-Borg an der Bar sitzt und Shakespeare rezitiert. Annehmbare Kaugummi-Episoden, in denen der Erste Offizier minutenlang von seinem strengen Ausbilder erzählt. Ich will Picard, der sich als Androide wieder ins Leben kämpfen muss, weil das Körpergefühl eben doch nicht dasselbe wie früher ist. Einen Jean-Luc, der drei Minuten lang erfolglos versucht, seinen Teebeutel zu stopfen, in Minute Vier aber nur mit vollgebröselten Schuhen dasitzt. Eine Michael Burnham, die vor Gericht steht und minutenlang mit (fast) unbewegten Gesicht dasitzt, so dass man ihre Emotionen nur mit Mühe abzulesen vermag.

Diese Art der Langeweile wünsche ich mir öfter. Und um das durchzukriegen, habe ich mit diesem Text wunderbar vorgelegt.

Oder ist irgendwer von euch noch wach?


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Artikel

von Klapowski am 14.08.21 in All-Gemeines

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Kommentare (16)

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  1. Bolleraner sagt:

    Du solltest Fortbildungen für angehende, fortgeschrittene und bereits etablierte Filmschaffende anbieten. Allein der Verweis der Finanziers auf die nackten Zahlen (Klicks, Kinobesucher) wird die meisten Leute vermutlich eher von einer Teilnahme abhalten. Das schnelle Geld und die kurzfristige Aufmerksamkeit scheinen mittlerweile alle guten Argumente und künstlerische Qualitätsmerkmale auszustechen. Wir Deutsche sind allerdings auch traditionell extrem verwöhnt mit langweiligen und -atmigen Filmen (Werner Herzog, Rainer Fassbinder, Fritz Lang).

    Stille und Langsamkeit gibt es noch im Programmkino, das ja einen gewissen künstlerischen Anspruch vorgibt zu haben. Im heutigen Mainstream gilt vor allem: Keine Experimente = klingende Kassen.

  2. G.G.Hoffmann sagt:

    Sehr schönes Plädoyer.

    Idealistische Filmemacher, die finanziell unabhängig sind oder freie Hand von einem Produzenten erhalten, schaffen solche Werke noch immer. Arrival und Blade Runner 2049 waren in jüngerer Zeit gute Beispiele. In Teilen auch „Passengers“. Ich muss einräumen, dass ich sie beim ersten Anschauen eher langweilig fand und verordne mir zur Strafe für den Herbst einen gemütlichen und aufmerksamen Rewatch.

    Viele dieser Filme entfalten tatsächlich erst beim zweiten oder dritten Anschauen ihre volle Wirkung, nachdem man sich beim ersten Mal durch 3-4 Stunden Schnarch gequält hat, in denen 246 Charaktere auf- und nur selten wieder abtreten. 2001 oder Star Trek I sind so Beispiele aus der SciFi, die mich zwar als Jugendlicher fasziniert, aber nicht sonderlich gefesselt haben. Heute liebe ich sie (Was? Der Vorbeiflug ist schon vorüber? Das können doch keine 8 Minuten gewesen sein!).

    Es sind zudem Werke für die große Leinwand, die auf einem kleinen Röhrenfernseher, zum Teil auf 4:3 Vollbild beschnitten, aber selbst auf großen 65 Zoll Flatscreens, nicht richtig zur Geltung kommen. Ich freue mich, dass im September „Star Trek – Der Film“ auf UHD-BD veröffentlicht wird. Die Blu-ray war gegenüber der DVD zwar schon eine Offenbarung, aber immer noch übel gefiltert.

    Langsamkeit muss man sich leisten können. Das ist eher nichts für Filme, von denen konkret erwartet wird, dass sie (kurzfristig) die Kassen füllen und sind für die meisten jungen Zuschauer ein Abtörner. Wir haben uns für den Kinobesuch mit Kumpels ja früher auch eher nicht die Filme ausgesucht, die wir heute für ihre Ruhe schätzen.

    Daneben fällt auf, dass selbst in langsamen Filmen heute wesentlich schneller gesprochen und genuschelt wird als früher. Auch so ein Trend: weniger als 120 Wörter pro Minute gelten bereits als Altersheim. Wenn heute jemand so langsam spricht, wie es vor 50-60 Jahren noch üblich war, wird man rasch ungeduldig.

    • Bolleraner sagt:

      Danke für Tipp, Gerd! Passengers hat mir sehr gut gefallen. Ging mir seinerzeit wohl völlig durch die Lappen. Die Anleihen bei Kubrick sind ziemlich offensichtlich, das Pacing ist aber doch etwas flotter als beim Vorbild. Im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Sci-Fi Filmen breitet sich aber angenehme Retroruhe aus. Das gibt’s im Genre aber schon immer mal wieder. Man denke z.B auch an „Moon“ oder den „Marsianer“.

      Antworten
    • Ben3000 sagt:

      Ja, Moon war traumhaft und tauchte für mich völlig unvorbereitet auf.

      Antworten
  3. JP1957 sagt:

    „Einen Jean-Luc, der drei Minuten lang erfolglos versucht, seinen Teebeutel zu stopfen,…“

    Bitte im Zusammenhang mit Picard (dem Picard aus TNG) nie den Begriff „Teebeutel“ verwenden.
    Die Serie „Picard“ war für mich endgültig erledigt, als sie den Earl Grey Liebhaber aus TNG zum Teebeutel greifen ließ (war das nicht bereits in Folge 2?).

    Ein schlimmer Stilbruch war es schon, dem Pferdeliebhaber in Folge 1 einen Hund an die Seite zu stellen.
    Und den dann noch spurlos verschwinden zu lassen, ohne dass Herrchen seine romulanischen Bediensteten auf Hundesuche schickt.

  4. BigBadBorg sagt:

    Stimme voll zu. Sehr schöner Artikel!

    Nehmen wir mal Star Trek Beyond. Ist jetzt egal ob man den gut oder schlecht fand: In der ersten Raumschlacht gibt es eine Totale, aus sehr sehr großer Entfernung. Die Enterprise feuert auf den Schwarm. Die Soundeffekte in dem Moment sind leise und dumpf.
    Diese Szene hätte man einfach mal für 15 oder 20 Sekunden stehen lassen können, denn sie wirkt gewaltig und beschreibt viel von dem was du oben anmerkst. Man bekommt ein Gefühl für das große Ganze.
    Wie lange dauert dieser Moment im Film? Nicht mal zwei Sekunden. Genau dieser Moment ist es jedoch der hängen geblieben ist (bei mir zumindest). Aber er ist viiiiel zu kurz. Es geht sofort wieder in Nahaufnahmen und ein Schnittstakkato über.

    Wenn ich jetzt noch ein wenig nachdenke fallen mir wahrscheinlich noch 50 weitere Filme ein denen etwas mehr Langsamkeit (in einigen Momenten zumindest) sehr gut getan hätte.

    Es muss nicht wie in 2001 oder Star Trek TMP sein (und wenn doch freue ich mich, aber das spült kein Geld in die Kassen). Mir reicht es schon wenn man zwischendurch einfach mal atmen kann.

  5. JP1957 sagt:

    Ich habe zufällig gestern Abend das Glück gehabt, den Film „Master Cheng in Pohjanjoki“ sehen zu dürfen (nachdem ich den Artikel zum Thema „Langsamkeit“ hier gelesen habe).
    Ein chinesischer Koch verirrt sich nach Lappland.

    Ein sehr langsamer Film mit wunderbaren Bildern, bei denen „man“ (zumindest ging es mir und Begleitung so) sich keine Sekunde langweilte, weil die Langsamkeit Sinn machte und Plot und Charakterzeichnung entsprach.

    Hab grad nachgeschaut – den gibts auch bei Amazon für 0,99 €.
    Sehenswert.

  6. frank sagt:

    wo bleibt eigentlich die kritik zu lower decks 2.01?

  7. Serienfan sagt:

    Die Angst vor Langeweile ist immer berechtigt.

    Ich kann allerdings nicht mehr beurteilen, was die aktuelle E-Scooter-Generation spannend oder langweilig findet. Wahrscheinlich sind sie so an inhaltsloses Bildflimmern gewöhnt worden, dass sie die ersten zehn Minuten von „Spiel mir das Lied vom Tod“ tatsächlich nicht mehr spannend finden können. Sie sind dann ein wenig wie Kinder, deren Geschmacksnerven auf überzuckerte Fertig-Tees und überaromatisierte Joghurts geeicht sind, sodass klassische Tees und Joghurts mit frischen Früchten in ihren Mündern nur noch fad schmecken.

    Schwierig scheint mir aber die Gleichsetzung von „Langsamkeit“ und „Langeweile“. Eine Szene wie die U-Bahntreppen-Szene in „The Untouchables“ ist ja gerade deshalb spannend, weil sie mit Langsamkeit arbeitet.

    Während Serien wie „Game of Thrones“ (in den ersten Staffeln) oder „Breaking Bad“ die Langsamkeit zur Spannungssteigerung neu entdeckten, wurde genau diese Langsamkeit in dem völlig misslungenen „El Camino“ und zum Teil auch bei „Better Call Saul“ zum gimmickhaften Selbstzweck.

    Langsamkeit als Selbstzweck ist genauso langweilig wie Action als Selbstzweck. Beides ist ein Mittel, das man gezielt einsetzen sollte, um Spannung zu erzeugen, und Regisseure wie Hitchcock beherrschten beide Stilmittel. Hitchcock aber füllte seine Filme auch immer wieder mit Pausen auf, in denen er, wie er sagte, den Zuschauer mit Humor und heile Welt „verhätschelte“. Er hatte Angst, die Filme könnten sonst zu spannend und damit für die Zuschauer zu schwer verdaulich sein.

    Solche Sorgen müssen sich die aktuellen Regisseure definitiv nicht machen.

  8. bergh60 sagt:

    tach auch 1

    Schwierig scheint mir aber die Gleichsetzung von „Langsamkeit“ und „Langeweile“.

    Aber Hallo !!!!!!!!!!!!!!!111111111111111111

    Was beim Marsianer funktioniert, was bei Der mit dem Wolf tanzt funktioniert und was bei Pssengers funktioniert,
    funktioniert bei vielen anderen Filme NICHT !

    2001 habe ich oft genug angeführt.
    Silen t Running ebenso, da funktioniert das eben nur , wenn man sich wie oben angedeutet , darauf einläßt.

    Und imho funzt die psychodelische Sequenz (Wormhole?) bei 2001 genauso wenig wie die „wir kehren in den Mutterleib zurück“ Szene bei ST TMP.

    Langsamkeit als Selbstzweck ist genauso langweilig wie Action als Selbstzweck.

    Auch hier ein hört , hört. Was bei Kill Bill partiell funzt, wenn er auch in Teil 1 die Sequenzen – Reihenfolge völlig vermurkst hat,
    funzt bei The hatefull 8 eben nicht mehr,
    weil die Gewalt dort reiner Selbstzweck war/ist.

    Gruß BergH

    • Serienfan sagt:

      Nicht zu vergessen die ersten zehn Minuten zu Beginn der zweiten „Twin Peaks“-Staffel. Die Spannung ist geradezu unerträglich.

      Antworten
    • Kazairl sagt:

      Die Langsamkeit bei Filmen von Cameron wie Avatar oder Titanic ist zumindest für mich sehr störend. Du hast ein großartiges Grundszenario wie Pandora und die Navi und dann zerstörst du es mit ellenlanger Exposition, zugegebenrmaßen schönen Bilder und einer Liebesstory, die sich über 2 Drittel des Films aufbaut.

      Antworten
    • JP1957 sagt:

      Das ging mir ganz anders!
      Im heimischen Cinemaxx wurde der Film in zwei Hälften gezeigt. Die erste Hälfte fand ich fesselnd, in der zweiten Hälfte, in der die Ballerei stattfand, bin ich zwischendurch eingeschlafen.

      Wo in Titanic Langeweile aufkommen sollte, ist mir schleierhaft.

      Antworten
    • Kazairl sagt:

      Unsere Wahrnehmung ist halt eine andere. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Avatar nur im Heimkino und dann nur in der extended extended Version erlebt habe.
      Bei Titanic passiert mir leider viel zu wenig. Da finde ich sogar den ganzen Film misslungen, ist aber nur meine Meinung. Kann aber auch daran liegen, dass ich mit den Charakteren nicht warm wurde und dass ich die Liebesgeschichte aufgesetzt fand.
      Es gibt nur 3 Cameron-Filme, die mir uneingeschränkt gefallen: Terminator 2, Aliens und the Abyss, letzter Fulm wunderbar langsam inszeniert.

      Antworten
  9. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Mir ist eingefallen, dass das auch bei Musik gilt.

    1. Version Bam bam Bam bam bam FLASH !!!!!! ahhhhaaaaahhhhaaaaaaaa
    2. Version ~7 Minuten Instrumente (meist Synthies), die sich kangsam steigern, dann die E-Guitarre, dann erst setzt das Schlagzeug ein und das Stück steigert sich weiter.
    Welches ? Ratet ! Shine on you crazy diamonds von Piink Floyd

    Gruß BergH

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