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„Insatiable“ – Die Kritik zur Serie, die mal fett versagt

Eine Netflix-Serie, die vorzeitig(!) mit Hass überschüttet wurde, weil die Story nach Fat-Shaming klingt? Na, das ist doch ein Fall für Zukunftia! Oder, wie wir uns neuerdings auch zu nennen zu pflegen: „Die Kontext-Detektive – Ein Satz ist uns zu wenig!“ (demnächst nach 0,5 Folgen eingestellt – nur auf Sat.1) Tatsächlich wurden schon vor Wochen Stimmen laut, die Netflix massiv zur Absetzung der Show aufforderten. Schade ist nur, dass die Serie zu kacke und langweilig ist, als dass nur ein Shit in den Storm abgelassen werden müsste…

Inhalt:

Ein dickes Mädchen wird in der Schule gemobbt. Jedenfalls bis zu dem Tag, an dem ihr ein Obdachloser auf die Fresse schlägt und sie aufgrund des Kieferbruchs wahnsinnig viel abnimmt. Danach dreht sie irgendwie am Rad und möchte mit ihrem Anwalt schlafen, mit dem Obdachlosen schlafen – und nebenbei auch den Zuschauer in den Schlaf wiegen.

Besprechung:

Tatsächlich erscheint es reichlich doof, einer Serie politische Unkorrektheit vorzuwerfen, die sich selber als große Ulkerei betrachtet („Ulkerei“ = © by Grandma).

Okay, auf dem allerersten Blick könnte man durchaus Schnappatmung bekommen. Eine Frau, die erst beliebt wird, als sie hübsch ist? DARF man das zeigen? Hört da nicht nach dem Internet-Mob-Gesetzbuch die Kunstfreiheit auf und wird automatisch durch aggressive Facebook-Rülpser ersetzt?

Doch auf dem zweiten Blick werden alle Themen lediglich in den großen „Political Correctness“-Mixer geworfen und bei 220 Grad Celsius so zu einem schwarzhumorigen Ziegelstein gebacken, dass alle Grenzen verwischen. Und diese Planlosigkeit und Beliebigkeit ist auch ein Glück für die Macher. Denn so kann man ihnen GAR NICHTS mehr vorwerfen oder unterstellen. Das wäre nämlich so, als würde man in einen Haufen Sperrmüll greifen, zufällig eine tote Ratte rausziehen und fest behaupten, dass Sperrmüll hauptsächlich aus toten Ratten bestünde. Das würde ja auch keiner glauben.

Quäkstimmen, Popmusik und kalkulierte Tabubrüche: „Insatiable“ leistet für die Kunstform Satire ungefähr das, was „Sharknado“ für die Sexualaufklärung geleistet hat.

Wie soll man einem „Kunstwerk“ auch Fatshaming und Thin-Bevorzuging vorhalten, wenn quasi kein einziger Charakter ernst genommen wird? Wenn die Hübschen völlig doof und trampelig sind, obdachlose Männer den dicken Mädchen ihren Schokoriegel klauen und Anwälte im Büro mal gerade ihre Bauchmuskeln rausholen? Und nein, aus all diesen seltsamen Bildern soll KEINE übergreifende Pointe entstehen. Die Serie provoziert einfach, wie es ein 14-Jähriger Karussellschubser tut: Einfach irgendwo eine brennende Kippe hinwerfen und aus Trotz oder Langeweile mal NICHT drauftreten.

Im Prinzip ist hier jeder so oberflächlich und moralisch verkommen, dass man sich eigentlich nur eine Sintflut wünscht, die das ganze Menschenpack hinfort spült. Und zwar die Dicken wie die Dünnen, die Rechten wie die Linken, die Amis wie auch die Amerikaner. Denn niemand verhält sich hier schlau oder aus edleren Motiven heraus. Vielmehr wirken die Figuren oftmals so, als würden man einer Ferengi-Sitcom ohne Gummimasken beiwohnen.

Klar, ich verstehe, was die Macher wollten. Sie wollten eine Art Zerrspiegel der aktuellen US-Gesellschaft, wo man Linke sofort als Kommunisten beschimpft („Er hat Jehov… Krankenversicherung gesagt!“) und die Linken meinen, man müsste nur oft genug über homosexuelle Transgender-Kleinwüchsige sprechen, um auch Bauer Hillbilly von seiner Anmeldung bei der nächsten Schwulenparade zu überzeugen.

Die Macher dieser (Anti-)Moppelserie wollten also so eine Art „Southpark“ mit weniger Themen, weniger Wendungen und schlechteren Dialogen, dafür aber mit weniger Scherenschnitt-Männchen. Und wer braucht schon tolle Ideen, wenn ein Mädchen einen Obdachlosen permanent nur mit „Obdachloser“ abspricht und ihn in Brand zu setzen versucht? Das ist doch suuuperkultig und total provokant? Schnell, jetzt noch eine nymphomanische Mutti dazu, dazu ein paar Lolitaphantasien und fertig ist es, das … äh… – Na, DAS hier halt (*bemalte Klowand mit Pimmeln drauf hochhalt*)

„Ich bin jetzt hübsch und will Leute quälen! Schnell, helft mir beim Buchstabieren des Wortes ANTIHELD, ja?“ – Moppel nur noch im BH-Doppel: Wenn die unsympathische Fette aufgrund eines Drehbuchunfalls plötzlich aus ihrem Fat-Suit fällt und eine unsympathische Dünne wird, darf die Charakterentwicklung als abgeschlossen betrachtet werden.

Bei aller Liebe zur Satire: Hier ist nichts gelungen. Lieber pfeife ich mir ein Spanferkel mit Schlagsahne rein und lasse Donald Trump als persönlichen Erlöser in mein Herz, als diese Staffel zuende zu schauen.

Die ständige Distanzierung von allem und jedem bedeutet am Ende nur, dass man den Charakteren gefühlt nur durch ein Fernglas zuschaut. Der Anwalt ist scheiße, die Mutter verdorben und das schlanke Moppelchen auch eher im unteren Bereich der Wunderkind-Skala angesiedelt. Klar, es sorgt für Erheiterung, wenn dem Miss-Wahl-Manager mitten auf der Veranstaltung fälschlicherweise zugerufen wird, er hätte seinem Schützling an die Mumu gepackt. Denn da ruft mein kleines, krankes Herz natürlich erst mal: „Ha! Das habt ihr jetzt von dieser Me-too-Debatte! LOL! ROFL!“ – Aber am Ende der Szenen bleibt nur das Gefühl, einer Gesellschaft zuzusehen, die bei all den ganzen Grundsatzdebatten in eine Art Tourette-Syndrom verfallen ist. – Ja, Dicke können kacke sein (und selber extrem viel kacken, höhö), Dünne keine Ahnung von Weltpolitik haben und selbst linke Schlaumeier-Frauen nur deswegen im Kirchenchor trällern, damit alle zu ihnen aufschauen. Das KÖNNTE beim Zuschauen (ent)spannend sein, ist es aber nicht.

Denn die Serie macht aus diesem Mischmasch weniger als „Star Trek – Discovery“ aus dem Thema „Den Sporen die Sporen geben – Pilzantriebe besser ohne Katalysator?“…

Zugegeben: In Folge Eins gibt es viele Sprüche, die Deadpool-Fans sicherlich vor Lachen gegen den Mauerpfeiler laufen lassen, aber ein intelligenter Twist, ein zarter Lösungsvorschlag oder ein emotionales Gefühl wollen sich einfach nicht einstellen.

Ein real gefallener Satz fasst das Niveau der Serie ganz treffend zusammen: „Ist dir die Sonnenbräune von dem da etwa wichtiger, als jemand anderen vor Analkrebs zu retten?“

Und so vermelde ich einfach mal, dass die moralische Aufregung um diese mittelmäßige Doofi-Serie vollkommen übertrieben ist.

„Toll! Wenn ich ganz doll mit den Armen wedle, kann ich meine Pimmelwitze in einer Art atemlosen Rap-Gesang vortragen!“ – Alters(f)lecken: Dieser Anwalt hat ein paar Probleme mit seiner Midlifecrisis. Daher ist es gut für ihn, dass sein Charakter trotzdem nach Pippo dem Clown gestaltet wurde…


Fazit: Es ist doch alles ganz einfach, Leute. Die Fetten sollen nicht so viel fressen und die schönen Menschen einfach mal die Schnauze halten. Börps… Mag jemand meine letzten fünf Donats essen oder soll ich sie für 100 Dollar an Obdachlose verkaufen?

(Schnurch… Chrrk… Für 100 Dollar an Obdachlose… Ich bin ja sooo lustig!)

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Artikel

von Klapowski am 10.08.18 in Serienkritik

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