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Star Trek Enterprise – 2.11 – „Kostbare Fracht“ („Precious Cargo“) Review

Was für ein Aufwand: Bevor ein dusseliger Kuss (mit anschließender Windbestäubung) uns endlich aus dieser Folge entlassen darf, muss der Zuschauer eine Schulung über die geographischen Besonderheiten von Sardinenbüchsen über sich ergehen lassen! – Und natürlich das verdiente Ende von Lederfetischist Nr. 372…

Manche Folgen sind so langweilig und belanglos, dass es in den Reviews nicht mal für witzige Aufgeregtheit und lustige Verarsche reicht… Da hilft alles nichts: So lustlos und eintönig diese Episode heruntergenudelt wurde, sitze ich hier schlaff an meiner Tastatur, während der Wille zur Rezension nur notdürftig durch mein Pflichtbewusstsein aufrecht erhalten wird…

Der heutige Regenerationszyklus für Fernsehzuschauer beginnt mit einem schrottigen Alienschiff, das technische Probleme hat. Etwas, was man seinem Mediaplayer zu gewissen Zeiten durchaus zugestehen möchte…

Im Laderaum des Schiffes befinden sich nicht nur gesammelte Schatten für 3 Akte-X-Folgen, sondern auch eine Stasis-Kammer, deren Benutzerin angeblich eine stinknormale Passagierin ist. „Unmöglich“ sagen wir uns da… Die Frachter-Aliens tragen doch schwarzes Leder! Mädchenhändler, ick hör’ dir trapsen!

Exakt in dem Moment, in dem Tucker den menschlichen Scheibenwischer an der Raureif-Kammer mimt, erklingt bereits ein schmerzerfüllter Stöhnlaut von der Lippenherpesfraktion… Ganz klar: Guten Frauchen gibt man ein Küsschen. Oder auch zwei… oder drei… – Denn sie ist hübsch! Dass hier in den verbleibenden 37 Minuten ein folgenloser One-Night-Stand zu erwarten ist, kapierte wohl jeder, der nicht die letzten 300.000 Jahre menschliche Evolutionsgeschichte oder wahlweise 3 Minuten Oktoberfest verschlafen hat…

Überhaupt könnte man die weitere Inhaltsangabe in jedem Satz mit einem formschönen „natürlich“ schmücken: NATÜRLICH findet sich in dem Raum (Übrigens der Einstand des japanischen Kulissenbauers Ashi Fishfish, zuvor Besitzer eines Fischrestaurants) wieder einmal ein(e) vergessene(r) Wartungstunnel/ Klimaanlagenschacht/ Katzenklappe/ Bauer Hansens’s Scheunentor, wodurch die Flucht gelingt… NATÜRLICH entdeckt man eine Rettungskapsel, die nur darauf wartet, von den Schiffssensoren (basierend auf Quecksilberthermometer und Stethoskoptechnologie) unbemerkt in`s All hinaus zu trudeln.

„Sag es! Na los!“ – „Fischers Fritze fischt frische Ische!“ – Die mysteriösen Netze im Laderaum sind für wortspielfreudige Satireautoren immer wieder ein geistiges Festessen!

Es folgt ein echtes „Kammerspiel“ in eben jener winzigen Kapsel, deren Inneres an eine perfekte Verquickung einer Waschmaschine und der Mercedes A-Klasse erinnert. Die außerirdische Schönheit, eine Art Prinzessin auf der Erbse, zickt während ihrer Rettung erwartungsgemäß temperamentvoll und hochnäsig herum: „Fass mich nicht an!“ – Du bist meiner nicht würdig, geh weg!“ – „Nein, ich will nicht „erfühle meinen Schraubenschlüssel“ spielen!“ – Eben all’ jene Sätze, die wir Männer aus unerfindlichen Gründen ständig ernten, wenn wir unserer Herzdame freundlich zurülpsen.

Und ein weibliches Verhalten, wie es sich eben für jemanden gehört, dessen Autor neben „Shrek“ auch noch sämtliche „Xena“- und „Hercules“-Folgen gesehen hat: Retter vs. Östrogen… Ein Stilmittel, so alt wie die Fernsehunterhaltung ihr Großvater!

In der Enge der Fluchtkapsel überkommen dann auch den Zuschauer klaustrophobische Anfälle: engstirnige Dialoge, zeit- und platzraubende Standardsätze und verschlossene Pokerfressen langweilen derart, dass man sich glatt VOYAGER zurückwünscht! Hier war man wenigstens noch emotional involviert, auch wenn sich der ganze Spaß zumeist auf Wutausbrüche beschränkte…

“Jetzt geradeaus und dann links! Da gibt’s die besten Ladyshaves!“ – (B)ein Wunder, dass sich Tucker bei diesem Ausblick überhaupt noch auf die Milchstraße konzentrieren kann!

Kein Wunder: Die Storyline ist hier wieder mal so verwinkelt und mehrdimensional wie eine ST-Sternenkarte: Von A nach B über Linie C. Ein regungsloser Strich wie auf dem Herzschlagmesser frisch Verstorbener… Da gibt es nichts zu entdecken, nichts zu hinterfragen, und schon gar keine Schokolade. Und alleine das erfüllt bereits drei Verwünschungen auf einmal! – Für mich nicht weniger als eine Beleidigung der Zuschauer’schen Erwartungshaltung, die nach gut 10 Jahren SF-Boom im Fernsehen weitaus bessere Geschichten erwarten darf, wenn ST den Anspruch des Mithalten-Könnens ernsthaft aufrecht erhalten möchte…

Doch weiter in der Story:

Damit die Präsentation von schattenreichen Zimmerecken und dreckigen Alienschiffen nicht allzu bedrückend auf das Publikum wirkt, dürfen Tucker und Tante für die letzten 8 Minuten noch auf einem Dschungelplaneten abstürzen. Freund Amor sieht bereits nervös auf die Uhr: deftiger Kuss, Sex im Freien und eine actionreiche Kampfszene (in der Tat nicht ganz seine Zuständigkeit, aber die Paramount-Hausmeister schreiben ja auch ENT-Drehbücher) stehen noch auf dem Plan.

Dann aber flott:

„Frau, sammel Feuerholz!“ – „Ich will nicht!“ – „Willst du doch!“ – „Will ich nicht!“

*Knuff, Kämpf, Balg, Hügel-runterroll*

„Knuuuutsch!“

Na also, es ste… geht doch! Und nach dem höflichen Schnitt liegen sie auch schon wieder beide adrett bekleidet im Studioschlamm. Wer sagt denn, das Männer zwischen Sex und Einschlafen nicht auf Nachspiel stehen? Dieser hier steht halt auf Backward-Striptease…

“Guck mal! Ich bin schon ganz feucht!” – Tucker gerät vom Regen in die Schlaufe. Und dabei mag er Sex noch nicht einmal!

Die Uhr tickt: Noch 3 Minuten für die bislang völlig fehlenden Actionszenen!

Schwupps, schon schleicht der Ledermufti vom Beginn durch die Lüneburger Heide, der aber schon nach einem 28-sekündigen Faustkampf die Blutegel von unten betrachten kann. Es verbleiben weniger als 2 Minuten für die finale Rettung durch Archer, einem kessen Spruch auf dem Schiffshausflur für die Verabschiedung der temporären Liebessklavin und ein kurzes Bild von der Enterprise, wie sie weiter reist, einen langweiligen und spannungslosen Zukunft entgegen.

Gähn, schon aufstehen, Vati Berman?

Fazit:

Pure, destillierte Langeweile für Sammler. Mit einer Handlung, so durchsichtig, dass selbst das Vakuum neidisch hinter dem Topfpflanzenplaneten hervorschielt…

Note:

5 +


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Artikel

von Klapowski am 18.12.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (27)

  1. Gast sagt:

    der leibesgott heisst amor nicht armor! ( armor = panzerung) english for insiders = englisch für reingefallene

  2. Klapowski sagt:

    Wurde bereits geändert, Danke! Nur was ist ein "Leibesgott"? – Der Trekki mit dem großflächigsten Hüftspeck?

    Das sorgt bei mir wirklich für (Aufgepasst!) Verwonderung!

    Na, Spielregeln begriffen? Dann bitte unten weitermachen! – Beispiel: "Es heißt "Verwunderung", Daniel!"

    Aber danach eigenen Rechtschreibfehler bitte nicht vergessen!

  3. Brecht sagt:

    Was soll denn das? Ich weiß nicht ob dafür die Kommentarfunktion genutzt werden sollte?
    Bitte vermeidet doch Diskussionen á la: "HAHA, ist der BlöT… ein Rechtschreibfehler!"
    "Ne, selber blöd, kannst auch nicht richtig schraiben…"
    Danke.

  4. Darkk sagt:

    Del Blecht ist plöd und das ist auch gut so ^^

  5. Gast sagt:

    sagt mal, gibts vielleicht noch einen bonuspunkt für die szene mit den "post-mortal rituals"? ich fand die stelle klasse :)

  6. Klapowski sagt:

    Na klar! Wir sind hart, aber fair: Die ist nämlich bereits in der Wertung enthalten! – Daher auch das gerechtfertigte "+" !

    Hätten die Autoren T'Pol diesen Satz ganze 12 Mal aufsagen lassen, hätte die schrittweise Heraufbenotung (4-, 4, 4+, ect.)glatt zu einer glatten 1 geführt!

    Rechnet es nach, wenn ihr es nicht glaubt! Ich habe heute nämlich mal meinen fehlerfreien Abend eingelegt, höhö…

  7. Gast sagt:

    superbloede kostueme in dieser folge. kleidchen und stoeckelschuhe traegt man ueberall.

  8. Sparkiller sagt:

    Grandioser Beitrag, "Gast einen über mir"!

    Während manch andere ein inhaltlich leeres Text-Universum nach dem anderen erschaffen, schaffst du es wunderbar, die pure Ausdruckskraft in nur einem Wort zu bündeln.

    Denken wir also alle einmal darüber nach, und versuchen seinem holden Beispiel zu folgen und unsere momentanen Gedanken möglichst kompakt zum Ausdruck zu bringen… so wie ich jetzt!

  9. Klapowski sagt:

    Nicolaus

  10. Brecht sagt:

    SINNLOS!!!

  11. Sparkiller sagt:

    Ha-ha-ha!

    Da soll mir doch mal einer sagen, dass Witze nicht lustiger werden, je öfter man sie wiederholt!!

    Ha-ha-ha!

  12. Gast sagt:

    5+???? das war wohl dein bester witz..

  13. Sparkiller sagt:

    Das hast du wohl recht, aber durch die amüsante T'Pol/Archer-Nebenhandlung finde ich die Wertung durchaus gerechtfertigt.

  14. Gast sagt:

    Woran erkennt man einen Homosexuellen Tucker?

    An der Möhre in seinem Hintern…

    Ich weiß, der war mein Bester.

    Gruss
    Lt. Smurf

  15. Klapowski sagt:

    Woran erkennt man einen masochistischen Hasen?

    An dem Tucker in seinem Hintern!

    Hahahaaa!
    Ha-ha-ha!
    Ha! Ha! Ha!

    Mal ganz im Ernst: Was würden wir nur ohne eure stets passenden Kommentare machen??

    Lebenswille züchten…

    (Hahaha! Ha-Ha-ha! ect, pp…)

  16. Gast sagt:

    Genug gelacht, neue Folge anschauen!

  17. Klapowski sagt:

    Den Witz mit dem masochistischen Trekki hatte ich doch noch gar nicht erzählt!?

    Egal…

    *Esel anpeitsch und schon mal Beißring zwischen die Zähne schieb*

  18. urangeschoss sagt:

    die folge war ja nur geil, also klaposwki merke:
    Folgen mit Beinwundern in engen Räumen sind immer genial! Vor allem wenn koenigliches zickiges Blut durch sie strömt!

    Schwul oder was?;)

  19. Bakterius sagt:

    Nein, tuckig. Wenn ich ne Folge mit ner geilen Frau sehen will dann guck ich Vanishing Point. Die Folge war Schrott aber dank meiner unermüdlichen Hoffnung auf bessere Folgen weiß ich schon das die nächste wieder besser wird. Zwar wird es nicht für eine 1 reichen (das Budget ist zu klein) aber immerhin ist sie sehenswert.

  20. urangeschoss sagt:

    vanishing point besser als Precious Cargo ?!
    Hoshi geiler als zickiges, koenigliches, nimm mich Beinwunder?!

  21. Gast sagt:

    Muh!
    Bedauerlich. Diese Folge wäre die ideale Gelegenheit für einen Gastauftritt von Jeri Ryan gewesen.

    Und was bekommen wir stattdessen?
    Irgendeinen thailändischen Hungerhaken.

    Das Star Trek auf dem absteigendem Ast ist, dürfte ja mittlerweile jedem bewusst sein.

    Aber sind sie schon soweit gesunken, das die Gueststars jetzt mittels ostasiatischem Sextourismus gecasted werden?

    Wo ist die gute alte Besetzungscouch geblieben?

    Kein Wunder, sage ich da.
    Note gerechtfertigt.

    Euer Bademeister – Herr über das Silikon am Strand von Venice Beach

  22. frakesjoe sagt:

    Hmmm, mal sehn, wann die ersten Todesmutanten in der Serie auftauchen…… Also irgendwelche Volksmusikanten im üblichen Kostüm….. schauderhaft

  23. Gast sagt:

    Zum Thema Gaststars:
    Da wir ja schon (fast) alle Rassen "durch" haben, fehlen eigentlich nur noch die BORG.

    Archer : T'Pol, warum nehmen die uns nicht wahr ?
    T'Pol: Weil wir es wohl nicht wert sind assimiliert zu werden !

    Klappe aus !

    Ich fand Precious Cargo zwar nict soooooo schlecht, (ich mag lange Beine), aber ein highlight war die Folge wirklich nicht.

  24. Gast sagt:

    Ja, das war mal ne Folge… Erinnerte irgendwie an TOS, nur das Kirk nie so lang gebraucht hätte um die Alte zu befried….. ähhm befreien. Ich fand's gut, könnte aber auch an der Flasche Wein gelegen haben die ich gerade getrunken hab.

  25. Gast sagt:

    yo, hab mir die folge heut angeschaut, sooooo megaschlimm fand ich die nich, aber was ziemlich lustig war, das tucker die tante anmeckert, weil sie zu wenig feuerholz mitbringt, dann lodert das feuer der liebe und dann klappts auch mit dem lagerfeuer, alles ganz logisch, gelle? tja mädels, männer sind einfach zufriedenzustellen.
    gruß
    krapfen

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