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„Skull Island“ – Ein Review für den Schädel

Netflix und Amazon sind schon eine tolle Sache: Für den überschaubaren Obolus von wenigen (bengalischen) Cent pro Film darf man sich hier Blockbuster in die Rübe schrauben, für die man an der Kinokasse höchstens einen trockenen Knatterpups übrig hatte. Da ich den letzten Godzilla-Film gar nicht für sooo übel erachtete (zumindest fand ich in meiner fehlenden Erinnerung nichts Negatives – außer Amnesieärzten halt), wollte ich auch diesem Monsterfilm jene Chance geben, die ihm niemals zustand.

INFORMATIONEN:

Regie: Jordan Vogt-Roberts
Jahr: 2017
Budget: 185 Mio Dollar

Poster
Dann gehe ich lieber zu den ‚Haarig Krishnas‘

Inhalt: Skull Island hat zwei Nachteile: 1) Die Insel wird von mehr Stürmen umtobt, als der Skull-Island-Versicherungsbranche recht sein kann. 2) Das Ding ist immer noch unerforscht, was jeglichem US-Militär irgendwie prinzipiell missfällt. Doch als man dort ankommt, langt so ein großer Gorilla in die Luft und zerstört die Hubschrauber-Armada. Schade.

Besprechung:

War da mal Haar da? – Eigentlich habe ich gar nichts am Film auszusetzen. Nur leider kann ich mich nach nunmehr 7 Tagen nicht mehr daran erinnern, WARUM ich nichts daran auszusetzen habe. Und obwohl mein Lieblingsschauspieler Tom Hiddleston mitspielt, der hier als unterforderter Spurenleser seine Spu… Sporen verdient („Ups, ich bin in einen zwanzig-Meter-Krater gefallen. Kombiniere: Eine Spur!“), hätte eigentlich auch ein hysterischer Schimpanse diese Abenteuerer-Rolle übernehmen können. Til Schweiger übrigens nicht. Der kreischt immer so undeutlich.

„Oh, was für ein schönes, mattes Painting in diesem Film!“ – „Das ist kein Matte Painting, das ist hochwertiges CGI!“ – „Ich weiß. Deswegen sieht es doch auch so matt aus.“ – Watte matte du‘dn da: Einerseits ist das schon alles recht detailliert und aufwändig, andererseits wünscht man sich hierbei fast, dass Ray Harryhausen sich doch noch mal im Grabe umdreht – und dann aufsteht, um wieder sein damaliges Ding zu machen.

Alles andere können wir im Schnelldurchlauf weglutschen:

Lass uns Cowboy und Indiana spielen – Die Vorbereitung zur Expedition hatte durchaus was. Obwohl man natürlich schon weiß, dass die idealsten Inselerforscher lediglich den CGI-Röntgenblick haben müssten („Oh, ein DirectX-13-Lichteffekt, Professor!“), so mochte ich die erste halbe Stunde. Auch, weil Samuel L. Jackson mir mit seiner kultigen Stimme befohlen hat, dass ich „meinen Arsch festhalten“ soll. Und das habe ich getan! – Äh, kann ich jetzt denn loslassen?
Naturschutz? Natur-Spratz! – Schade, dass es dann recht schnell doof wurde. Um die exakte Zusammensetzung des Untergrunds zu erforschen (und einen Affen aufzuscheuchen, der eh hoch wie ein Berg ist), werden erst mal wie wild Granaten(!) aus dem Hubschrauber geworfen, die dann irgendwo im Wald für ein Reh-Hackbuffet sorgen. Klar, dass König Kong sich derlei Tötungsfrevel nicht lange ansehen mag (was frisst der eigentlich? Sojabohnen und vegane Raupen-Eier?) und die ersten Helikopter rasch in lokalpatriotische Bodenobjekte verwandelt.
Einmal Wachsen bitte! – Schön, dass man auch mal ein paar andere Riesenviecher sieht. Ob nun der Algen-in-der-Fresse-Büffel oder die 30-Meter-Beine-Spinne: Ich hatte irgendwie gar nicht damit gerechnet, sofort andere und glaubwürdige Wesen zu sehen. Wobei das Adjektiv „glaubwürdig“ hier mit dem üblichen Zusatz versehen werden muss. Nämlich: „Sollte sich die CGI nicht in den letzten 10 Jahren mal weiterentwickelt haben?“. Im Ernst, wenn das so weitergeht, sind wir spätestens bei der Playstation 5 an dem Punkt, an dem eine in Echtzeit(!) berechnete Kreatur besser als die in einem solchen Film aussieht.
Tiere ohne Moral? Dann ohne Kong! – Okay, vermutlich kann man eine King-Kong-Geschichte nicht anders erzählen, als den Affen als moralisch überlegen (oder zumindest „ehrlich daran interessiert“) zu gestalten. Hier ist er diesmal eine Art unterbezahlter Zoowärter, der die anderen Tiere in Schach hält, weil das die Götter(?) so bestimmt haben. Das gibt der ganzen Geschichte natürlich Struktur („Iiih! Die Ekel-Echsen würden uns alle töten!“) und dem Alabasterkörper-Affen einen Grund, nicht beim New Yorker Arbeitsamt vorstellig zu werden. Und ja, das aus Erzähler-Perspektive nachvollziehbar. Einen komplexeren Ansatz hätte ich aber auch gerne gesehen.
Warum töten? DARUM! – Samuel L. Jackson dreht leider gegen Ende ziemlich am Rad. Eigentlich hätten seine drei verbleibenden Männer sich ab dem Helikopterabsturz weigern müssen, einen 400 Meter hohen Affen bekämpfen zu wollen. Man zeigt ja auch nicht auf einen niedergehenden Asteroiden und sagt: „Seid ihr Männer oder Mäuse? Holt das Schmetterlingsnetz!“
Lang erwartet, danach lang gewartet – Das große Finale ist einfach zu groß. Wenn ein Affe und eine augenlose Maulwurf-Echse sich gegenseitig mit den Kopp in Berge rammen, dann erwarte ich einen 700 Meter hohen Krankenwagen nach spätestens 5 Minuten. Doch wie oft beide Wesen hier einfach wieder aufstehen, das geht auf keine Kuhhaut mehr (und fragt nicht, wie groß die wäre).

Neben Wasser- und Luftatmern gibt es auch einfach die, die nur alte Fischreste inhalieren – und danach müffeln. Ihr seht es bestimmt schon an diesem Bildchen: Irgendwas sieht an diesem Stil falsch aus. Und damit meine ich noch nicht mal den schwindelerregenden Nahrungsbedarf, den Dutzende dieser Biester voraussetzen. Aber gut, vielleicht wimmelt es im Inselwasser ja auch vor … Riesen-Krill?

Ja, das ist alles schon ausreichend unterhaltsam, rechtfertigt aber auch keine ernsthafte Empfehlung im Blockbuster-Affenstall. Wenn ich eine kaputte Umgebung sehen will, kann ich auch Sparkiller in Gelsenkirchen besuchen. Wenn ich oberflächliche Charaktere mit wenig intelligenten Texten sehen will, kann ich ebenfalls Gelsen… äh… kann ich auch Discovery schauen. Und schlechte Computereffekte, bei denen irgendwie immer die Beleuchtung auf Links gerutscht ist, die bekomme ich dort auch.

Schade um das geheimnisvolle Abenteuer-Feeling vom Beginn.


Fazit: Ein Film, der keinem weh tut. Immerhin kam er 2017 mit den modernsten Effekten der Ära 2007 daher und macht, was er machen muss: Eine grandiose Naturkulisse zerstören, die wohl nur noch deshalb stand, weil Kong (und die anderen Monster) bislang vermutlich in Geistgestalt umhergeschwebt sind. Das macht – quasi irgendwie irgendwo – ein bisschen Spaß und belastet die empfindlichen Nervenzellen im Hirn nicht. Kann man sich durchaus alle paar Jahre mal ansehen. 2025 also bitte mehr davon!

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von Klapowski am 23.02.18 in All-Gemeines, Filmkritik

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Kommentare (7)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Gab es auch eine „wissenschaftliche“ Erklärung, warum auf dieser Insel so große Viecher wohnen? Oder war das nur nach dem Motto: das war vor 40 Jahren in Südostasien, aus Sicht unserer Zielgruppe also im Mittelalter, und da gab es eben noch viele unerforschte Gebiete?

    Die Globalisierung nimmt der Erde ein wenig ihre nie da gewesenen Geheimnisse und den Filmemachern die Möglichkeit, mit dem Unbekannten zu spielen. Eine Ausnahme ist vielleicht die Tiefsee, die jedoch den Nachteil völliger Dunkelheit hat und nicht zu Fuß oder mit Autos erforscht werden kann.

    Bis vor einigen Jahrzehnten gab es in den Dschungeln Südamerikas, Afrikas und Asiens ja tatsächlich noch einige „weiße Flecken“ auf den Landkarten. Selbst manche Inseln waren noch nicht erforscht. So war ich als Kind noch gerne bereit zu glauben, dass vielleicht tief im damals noch riesigen, nicht abgeholtzten und dünn besiedelten zentralafrikanischen Regenwald unbekannte Riesentiere überlebt haben könnten, was angesichts der dort seit Millionen Jahren relativ konstant warmen Witterung nicht völlig an den Haaren herbeigezogen schien (im Vergleich zu Nessie, Yeti oder Bigfoot). Heute mag man mit Glück noch eine bislang unbekannte oder für ausgestorben gehaltene dreibeinige Zwergnashornrasse von der Größe eines Kaninchens entdecken. Aber im übrigen scheint dieser Planet für phantastische Tierwesen doch eher abgegrast, was die wachsende Beliebtheit von Fantasy und SciFi erklären könnte.

    • Kai Hawaii sagt:

      Sehr schön formuliert zum Thema „lang ist es her“. Geht mir mit Jahrgang 1957 genauso, aufgewachsen in Hagen-Haspe, als noch oranger Rauch aus Hochöfen den Himmel färbte. Das waren Effekte, da muss man heute bis nach China reisen um so etwas zu erleben. Und dann sagt man, dass bei uns die Insekten aussterben, obwohl alle so öko ist und der Himmel so blau? Sillycon Valley hilf! Auch Bezahl-App willkommen.

  2. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Der Film ist eine wüste Ballerorgie mit ohne viel Handlung und schlechtem Drehbuch.
    Noch Fragen?

    Gruss BergH

  3. Bolleraner sagt:

    Um ausnahmsweise mal wieder was Gutes zu sehen, empfehle ich in der Hinsicht die Serie „Dark“ auf Netflix. Viele sehen darin einen Abklatsch von Stranger Things, aber ich finde dass die das sehr gut hin bekommen haben. Die Charaktere und die Atmosphäre sind echt gut gelungen. Eine absolute Ausnahme für eine deutsche Produktion, von denen ich erstmal immer nicht viel (nix) halte. Und das beste: Weder Schweiger noch Schweighöfer mischen mit!
    Sonst noch wer da mal rein geschaut?

  4. Onkel Hotte sagt:

    Reiner Popcornfilm für Samstagabend mit gelassenen Nachbarn, bei denen man mal die Anlage lauter stellen darf. Mit Chips und Bier hat man Spaß für 2 Stunden.
    Man vergißt den Streifen natürlich auch recht schnell, weil er nix bietet, was nicht schon „King Kong“ von 1933, 1976 oder 2006 geboten hätte. Obwohl, hier bekommt man einen zeitgemäßen Kong ohne all die Längen und langweiligen Dialoge vom 2006er Kong.
    Am Ende, wer denn so lange durchhält, bekommt eine Ahnung dessen, was uns an Monsterfilmen noch bevorsteht. Gehört habe ich allerdings davon noch nichts. Vielleicht wartet man ab, was Warner(?) tun wird. Deren Auftakt zur Monsterfilmreihe („Die Mumie“) war ja nicht so pralle und verschiebt erstmal die weiteren Filme.

    • Onkel Hotte sagt:

      P.S. Jetzt bin ich mir gerade nicht sicher, ob die Monsterfilmvorschau nicht schon bei „Godzilla“ (2012) zu sehen war ?!

  5. Kai Hawaii sagt:

    Sag ich halt auch mal was, nachdem ich mir die drei Klein-Dööfi-mit-Plüschohren-Filmchen GUARDIANS OF THE GALAXY II, VALERIAN und SKULL ISLAND während eines Langstreckenflugs eingepfiffen habe. Bei GOTG II musste ich spätestens beim Auftritt von Silvester Stallone (war aber wohl nur ein digitalisiertes Exemplar) schnell vorspulen zum üblichen Dröhn- und Ballerende. Tinnitusschäden dann auch bei VALERIAN, dazu Augenkrebs wegen zu viel Effekthascherei und Hirnschwund wegen zu wenig Message. Eine MASSAGE hätte gutgetan für die Nackenstarre vom auf den Minibildschirm-im-Vordersitz-Glotzen (Abk. MiVG). Wenn man grad aus Asien kommt und dann im Flieger ein übles Hollywood-Machwerk wie SKULL ISLAND serviert bekommt, mutiert man zum Anti-Amerikaner in Dimensionen, von denen ein G-20-Krawalltourist nur träumen kann. Die Message „Wir sind die lustigen Amis, und wir kommen immer nach Asien, um Euch dusselige Schlitzaugen aus der Scheisse zu helfen gegen noch blödere Schlitzaugen. Ja, am Anfang erkennt man uns nicht so richtig, wegen all den Bombenteppichen und MG-Geratter, das von uns ausgeht. Für uns ist das Musik, Hard Rock und nicht so ein Geflöte und Gefiedel und Getrömmele wie in euern öden Tempeln. Deswegen beglücken wir Euch auch weiterhin mit echt sexfreiem und umweltschonenden Witzkanonaden und CGI-Explosionen und danken Euch schon im Voraus für Euer zahlreiches Erscheinen im Megaplex in Ho-Chi-Minh-City.“ – Leider wahr: Die Kinoprogramme in Asien sehen genau gleich aus wie bei uns: 85% Hollywood, der Rest lokaler Murks. halt eher so „FackYouLaotse“ statt „Fackjugöte“.

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