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Star Trek Enterprise – 2.08 – „Der Kommunikator“ („The Communicator“) Review

Wer den Kommunikator verliert, wird hart gefoltert: Mürrisch blickende Statisten glotzen einem ein Loch in’ Kopp, während der Beleuchter seine „Ausstrahlung“ mit kaum transparentem Packpapier umwickelt. Doch Archer behält den Durchblick! – dem Zwischenraum zwischen den Gitterstäben sei Dank!

Besuchen sie Zentralafrika!

Leben sie unerkannt als einer der dortigen Einwohner und lernen sie die seltsamen Sitten, Gebräuche und eigenproduzierte Comedyshows dieser fremdartigen Kultur kennen! Außer der vom Reiseveranstalter gestellten Schuhcreme (ausreichend für 3 Wochen Teint) benötigen sie zur Tarnung nichts, außer Zahnbürste und einem kleinen Handtuch. Und das nicht mal zur Tarnung. Denn sooo seltsam und fremdartig ist diese Kultur nun auch wieder nicht…

Bestellen sie also ruhig mit amerikanischen Akzent Hacksteaks, wenn die anderen einen Fruchtbarkeitstanz um einen phallusförmigen Baumstamm vollführen! Errichten sie einen Drive-In-Weddingspalast, während die Stammesangehörigen noch Frauen gegen Antilopen tauschen und als Wechselgeld Elefantendung in die Geldbörse manschen! Machen sie ihre „Landsleute“ auf den Krieg gegen den Terror aufmerksam, wenn diese unamerikanische Showkämpfe mit Lanzen vollführen…

Nicht mal „Niemand“ wird sie enttarnen können! Darum fliegen sie JETZT! – Diese nette Idee wurde ihnen präsentiert von Lufthansa und Hansa Pils. Einfach besser doof sein!

Dieser Vergleich mit der heutigen Folge hinkt natürlich nicht, sondern hockt bereits querschnittsgelähmt im Rollstuhl… Denn kulturelle Unterschiede bei Star Trek sind ja bekanntermaßen geringer als auf der Erde selber. Während wir uns mit afrikanischen Trommelkloppern, indischen Kuhbutlern, fischfressenden Eskimos und rohen Fisch fressenden Japaner herumärgern müssen, sind die ST-Planeten so amerikanisch, dass der Storyautor seine Phantasie zum Burgerholen schicken kann.

Da versteht es sich auf fremden Planeten von selbst, dass man sich ein gebrauchtes Kondom auf die Stirn klebt und die dortigen „Rote Kreuz“-Säcke (immerhin: Dort heißen sie „scharlachfarbenes Friedhofssymbol“ Na, geht ja doch mit der Fremdartigkeit!) nach einheimischen Nylon-Auffahrunfällen durchforstet. Das genügt, um die Gesellen mal eben ausspionieren zu können! Denn zum Glück funktionieren beispielsweise Restaurants genau so wie auf der Erde: Man wird mit dem bestellten Essen nicht beworfen, die Speisekarte wird nicht auf den eigenen Handrücken tätowiert und der Kellner springt nicht aus einer Luke in der Tischmitte…

In klaren Worten: ST-Kulturen sind öder als TV-Programme mit zweistelligen Nummern auf der Fernbedienung! In deprimierenden Brauntönen (oft auch politisch) schleichen genervte Statisten durch ockerfarbene Kulissen, ziehen sich den erdfarbenen Schlafanzug glatt und postieren sich gekonnt unter (dunkel)orangefarbenen Lichtquellen.

“Let’s talk about talk, Baby!“ – In dieser gemütlichen Gesprächsatmosphäre werden Reed und Captain mit stundenlang vorgetragenen Vietnam-Erinnerungen gefoltert.

Wenn ich so etwas sehen will, schaue ich nicht ST, sondern besuche meine Großmutter!

Entsprechend lächerlich kommt es in dieser Hocheifel-Kulisse dann auch `rüber, wenn der Storyautor einen seiner Schützlinge rufen lässt: „Ihr Blut ist… rot!“ – „Was soll es denn sonst sein?“ ist man da geneigt zu fragen. „Gibt’s da etwa generelle Unterschiede zwischen Nordrhein-Westfalen-Mitte und Kleinklotz-Auerbach?“

Überhaupt: Die „Ich verkleide mich mit rosa Badekappe und schau mal, wie die so leben“-Folgen waren schon immer die geistigen Tiefpunkte von Star Trek. Gerade in Hinblick auf die Universaltranslatoren (lippensynchron? wo bleibt der Original-Ton? ect., ect…) hatte ich mir GERADE bei Enterprise mal ein bisschen Abwechslung und Innovation erhofft. „Logik“ wäre doch mal eine der frischen, neuen Ideen gewesen, die man uns damals, Anno 2001, versprochen hatte…

Kein Wunder, dass man die drögen Gesellen da unterschätzt und sein Shuttle 2 Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen auf einer Lichtung, die mir förmlich nach Maronenröhrlingen riecht, parkt. – Statt sich später einfach abholen zu lassen und so das Risiko zu umgehen, dass Oppa Hansen beim Pilzesammeln keifend mit dem Gehstock auf das seltsame Metallobjekt einpiekt.

Überhaupt fehlte mir bei dieser Folge die gewisse Leidenschaft. Statt dessen müssen wir uns mit der Schaffung von Leiden begnügen: Archer und Reed haben die meiste Zeit nicht mehr zu tun, als blöd von ihren Aussichtsstühlen herunterzuglotzen, während einer der Bösen den technischen Support durch Faustschläge anzuwählen versucht. Da wird sie schon mal lang, die Weile…

Ich habe auch nicht verstanden, warum Captain und Reed gleich umgebracht werden sollten. Weil sie „Kooperation“ nicht mal im Wörterbuch nachschlagen wollten, oder was? Da haben die Militärheinis die unglaublichste Technologie seit der Erfindung des 30er-Jahre-Deckenlampe (mal drauf achten) zur Verfügung und wollen die Besitzer ernsthaft zum Trocknen aufhängen?? Das wäre ja so, als würde man Osama Bin Laden nach 48 Stunden Gefangenschaft („Er redet einfach nicht, Chef! Und dabei habe ich ihn schon ZWEI Mal geschlagen! – Einmal Mühle, einmal Poker“) auf die elektrische Anklagebank geleiten!

“Still! Ich höre… 3 Männer. 30 Zentimeter südwestlich… Einer von ihnen hat mich gerade geschlagen!“ – Reed horcht den Boden im Hobbykeller aus…

Was sind denn das für weltfremde Tendenzen? Da haben ja Grünen-Aktivisten mehr Power im Birkenstock! Außerdem konnte ich die Laffeln hier überhaupt nicht einschätzen: General Bergfrühling bewohnt lichtarme Drecksbunker, in denen der mit dem kargsten Holztisch jeden Monat eine 10-Watt-Birne zusätzlich erhält, während futuristisch aussehende Düsenjäger dem Rettungsteam einheizen… Und obwohl alles wie ein 2.-Weltkrieg-Szenario daherkommt, ist der Staunfaktor doch erstaunlich niedrig, als Reed behauptet, ihre Körper seien im genetischen Schraubstock ein bisschen umgebaut worden…

Und hatten die da keinen, der wirklich was zu sagen hatte? – Kanzler, König, Präsident oder Schwiegermutter? Da konnte so ein dahergesessener General ja tatsächlich den Ton angeben, dass es für eine ein ganzes Orchester gereicht hätte!

Da wäre ich viel lieber Tucker durch die wunderbare Welt der Unsichtbarkeit gefolgt! Das wäre doch mal eine lustige Folge geworden! Wieso verschenkte man diese tolle Idee für eine 30-sekündige B-Story, während wir uns mit ihrem 42-minütigen C-Ableger herumärgern mussten?

Und dann gab es auch noch zum dritten Mal in Folge einen Phaserkampf für Fielmänner und andere Blindfische, die ihre Sehkraft ausschließlich an den Hühneraugen tragen… Müssen denn diese pseudospannenden Ballereo-Endkämpfe immer sein? Für die entsprechende Zielgruppe wurde vor 40 Jahren schließlich extra die James-Bond-Reihe eingerichtet!

“Guck mal, ein Treppenwitz!“ – Wer so perfekt gedeckt ist, wird höchstens von alten Bekannten getroffen…

Fazit:

Staubfarbene Langeweile mit so vielen abgekauten Ideen, dass es für 3 ENT-Folgen reichen würde. Serie 5 zum Abgewöhnen…

Note: 4 –


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Artikel

von Klapowski am 17.11.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (12)

  1. Gast sagt:

    Ne 4- ist für diesen Voyagerlike Schrott viel zu gut!!!

  2. Hellspawn sagt:

    Täusch ich mich oder sind bei ENT gerade die Trip-Folgen (Nein, hat nichts mit Drogen zu tun) die guten? Zumindest gefielen mir die immer am besten.
    In letzter Zeit scheint er aber mit Porthos die Rollen getauscht zu haben. "Aber Captain, darf ich..?" "AUS! Sitz! Platz!" "Aber..!" "Ruhe jetz!" Schon zum zweiten mal in Folge eine Trip-B-Story, die mir besser gefallen hätte als der gesamte Rest der Folge. Aber was soll's? Noch sechs solche Folgen und man kann sich wenigstens ein leidlich unterhaltsames Trip-Special zusammen schneiden.
    Ich zück auf jeden Fall schon mal die Schere. Bei der Gelegenheit schneid ich den guten Fähnrich Mayweather raus, versprochen.

  3. DeadPoet sagt:

    Jaaaaaaaaaaaaaaaaa !
    Is doch ganz loggisch, warum alle Kulturen immer America-Like sind – schau doch unsere veramerikanisierende KUltur an – da strebt doch alles danach, oder?

    Is eigentlich ganz einfach: Die allgemeine ENtropie im Universum strebt nach der (amerikanisch braunen) Ordnung… und da wundert ihr euch noch über die Logik der Ent-Autoren…

  4. Qualtar sagt:

    Also Herr Klapowski!
    Ich muss doch sehr bitten!

    "Das da mit dem Universaltraslator kann doch gar nicht gehn. Das ist doch nicht Lippensynchron. Mutti, was passiert mit dem Originalton?"

    Ich hoffe du hast das geschrieben, weil du von großen bösen Chefs mit viel Geld dazu gezwungen wurdest. Wenn nicht, dann kann du dich vielleicht das nächste mal über die Funktionsweise des Wapantriebes oder der Transportervorrichtung beschweren….

    … der Rest war ganz witzig :-)

  5. Klapowski sagt:

    Daher habe ich's ja auch nur am Rande bemerkt UND noch eine hübsche Klammer herum gezogen… Es ist nur ein Detail.

    Aber in der Tat würde ich es mal begrüßen, wenn der Universaltranslator mit deutlicher Verspätung plaudern würde. Auch Fehlübersetzungen, Rauchschwaden und digital verfremdete Stimmen würden mein kindliches Herz gar sehr erfreuen!

    Warum nicht mal? Wir sind doch hier neuerdings beim staatlich lizensierten Innovations-Trek!

  6. Qualtar sagt:

    Oh, hier wird sogar Sonntags gearbeitet. ;)

    Ich wollt ja nur sagen, dass solche Dinge wie Universalübersetzer, Translatormicrobes oder Babbelfische nie zum Ansatzpunkt einer Kritk nutzen sollte (auch wenn einen die Logik ständig wiederauf das Thema zu lenken versucht). Das Kommunikationsproblem kann man wohl kaum anders lösen und wer möchte schon ständig über Multilingualist Hoshi die holde Dreisamkeit T'Pol, Archer und Alien gestört sehen?!

  7. Gast sagt:

    Warum ist eigentlich niemand dieser Dummblödel auf die Idee gekommen den Communicator einfach wegzubeamen, nachdem man ihn geortet hatte???

    Interessant auch, das "Strahlenballermänner" zu Anfang der Episode noch "graue Theorie" sind, aber am Ende bereits Düsenjets mit Lasern rumschießen!

    Von dem (mal wieder) auftauchendem Tarnmechanismus, den man bis Kirk wohl wieder vergessen hat (Scheiss Alzheimer) ganz zuschweigen.

  8. DeadPoet sagt:

    Jahaaaaaaaa !
    Universaltranslatoren sind doch nur firlefanz. Was denkt ihr denn, wer das ganze auf die Mattscheibe bringt?
    Das is der kleine Fähnrich, der immer mit der Bordkamera von Archer rumlaufen muss (hoffentlich nicht in dessen Nasszelle). Na, und der bereitet die Bilder dann digital für die Dumpfbacken von der Starfleet auf – die könnens doch nicht haben, wenn da jemand nicht lippensynchron spricht!
    Wir könne heute ja auch schon den Kalpowski digitalisieren – warum sollte der almighty Ent-Computer dann die nicht verenglsichen können.. also wirklich, ihr denkt aber auch garnicht nach… ;-)

  9. Qualtar sagt:

    Verdammt, mir hat wohl einfach die Fantasie gefehlt ?-(

    *lol*

  10. Stilgar sagt:

    Bezüglich der Laserstrahlen über die sich einer der Gäste moquiert hat: ohne mich jetzt genau an die betroffene Szene erinnern zu können, so gehe ich davon aus, dass es sich dabei um Leuchtspurmunition handelt, die in der Bewaffnugn irdischer Flugzeuge schon im ersten Weltkrieg Verwendung fand und dies noch heute tut.

  11. Pip sagt:

    Worüber ich mich wahnsinnig aufgeregt habe: Wieso glauben die zwei Dummbeutel bloß, es wäre für diese Zivilisation schlimmer, um die Existenz von Außerirdischen zu wissen als zu glauben, dass ihre Todfeinde einen geradezu wahnwitzigen Technik-Vorsprung haben? Und dafür wollen die zwei auch noch ihr Leben opfern!

    „Oh, Alien-Besuch! Vielleicht schaffen wir’s auch mal so weit wie ihr. Helft ihr auch nicht der bösen Allianz? Und der HUK? Schön. Uns vielleicht? Nein? Na gut.“

    Stattdessen lassen sie ein paar Leute in tiefster Paranoia zurück, die entweder jetzt kapitulieren (und wer weiß, ob das besser ist) oder total ausrasten und den roten Knopf drücken (aber sie haben ja noch nicht einmal das Atom gespalten – da war die Menschheit aber in der vergleichbaren Ära auch schon weiter).

    Herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht in einer der nächsten Folgen die Oberste Direktive erlassen wird, werd‘ ich sauer!

  12. Igelnasefingerspitze sagt:

    Außerdem mal Stichwort Tarntechnologie… so weit ich mich aus anspruchsvolleren Trek-Serien erinnern kann, basiert die Tarntechnologie auf umgeleitetem Licht bzw. Photonen. In dieser Folge scheint der Tacker nähere Bekanntschaft mit „Tarnflüssigkeit?“ gemacht zu haben. Wer mir das physikalisch halbwegs plausibel erklären kann, bekommt ein Eis. Jetzt könnte man natürlich argumentieren: ja, die Suliban tarnen halt anders als der Rest… dann möchte ich aber wissen, warum das Tarngeräusch immer noch das Gleiche ist wie anno dunnemals. Also die Berman-Crew hat mit Logik und Kontinuität wirklich nicht mehr viel am Hut…

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