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The Orville – 1.09 – „Cupid’s Dagger“ – Die Kritik zum Liebhaben

TNG hatte es in der ersten Folge nach dem Pilotfilm (mit Tasha Yar und Data), und sogar Spock hatte es: Ein unersättliches Alien-Verlangen nach Sex. Ja, somit ist der Episode erst mal nichts vorzuwerfen – wenn man denn nichts gegen ausgelebte Erotik hat. Aber man wehrt sich ja als Star-Trek-Fan auch dann nicht, wenn uns jemand die Existenz von Einhörnern beweisen will. Dafür sind wir zu wissbegierig. Dennoch sollte man hier vielleicht nur weiterlesen, wenn man die Folge schon gesehen hat. SPOILER-Gefahr in Bezug auf die verwendeten Stellungen!

Inhalt: Um den Streit zwischen zwei verfeindeten Alienrassen zu klären, kommt ein Wissenschaftler an Bord, der eine lächerlich langsam ausgewertete (für die Zukunft) DNA-Analyse vornehmen soll. Leider ist dies jedoch der blaue Wicht, mit dem Kelly Grayson den Captain einst betrog. Und die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Und nochmal. Und nochmal. – Oh, Baaaby! Doch irgendwie scheint diese Anziehung nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

„Du hast so schöne weiche Hände. Welche Handcreme benutzt du, Darulio?“ – „Eine Mischung aus Blausäure, Pril und zerriebenen Blu Rays, auf denen James Camerons AVATAR ist.“ – Man wichst gern flach: Klar sind Gags über blaue Hautfarben etwas ausgenudelt. Aber hey, hier ist es ja auch total spaßig, sich über das 600 Millionen alte Konzept von Sexualität zu beömmeln.

Nein, diese Episode ist nichts für SF-Puristen, Homophobiker und Menschen, die nach den letzten Orville-Folgen fast vergessen hatten, dass die Serie mal mit einer tintenverspritzenden Knatterszene begann. Denn diese Episode macht es einem schon ziemlich schwer, eine abschließende Bewertung und Schlüpferbewegung vorzunehmen:

– Die Fremdgeh- und Eifersuchts-Szenen interessieren einen eigentlich nicht, sind aber teilweise so kurzweilig, dass man sich beim Schmunzeln erwischt. Ja, da geriet der Klapo beim Zuschauen ganz schön in Schwulitäten (wo kommt dieses komische Sprichwort eigentlich her?), was die Bewertung angeht… Kult oder Scham? Auf die Stirn klatschen oder ein „Orville“-Fan-Cappie drüberziehen?

– Einerseits sind die ganzen homoerotischen Gags schon ziemlich „In your face“ (iiih, in‘s Gesicht? Höhö.), andererseits aber noch frisch genug, um einen das Gefühl einer subversiven Parodie zu geben. Wobei das aber auch daran liegt, dass alles so sehr nach TNG aussieht und somit unser Freund, der Kontrast, wieder zur Hilfe eilt. Quasi als anheizendes Dramaturgie-Fluff-Girl. Doch uns allen sollte klar sein: Ohne Alien-Pheromone, mit Mallorca statt Raumschiff und Til Schweiger statt MacFarlane hätten uns die Dialoge wohl gegruselt, bis uns ebenfalls die Tinte aus der Nase gelaufen wäre.

– Stellt man kurz beiseite, dass es sich hier nur um eine amüsante Serie handelt, so ist es eigentlich nicht mehr lustig, dass hier voneinander angeekelte Spezies zum Sex miteinander gezwungen(!) werden können. Man stelle sich vor, die Pheromone hätten für ein er(n)stes Rektalproblem gesorgt, weil Bortus im Fahrstuhl irgendeinen Hänfling (oder gar der Bord-Ziege) zu Nahe gekommen wäre. Aber andererseits war diese „Flexibilität“ der Lockstoffe hier ja die Lösung des aufziehenden Krieges – auch wenn man diese Wendung irgendwann schon sehr laut um den Kondomautomaten tapsen hören konnte.

„Ich hoffe, wir können heute jegliche Streitigkeiten beenden, Leute! Wir haben die beste Crew für diese diplomatischen Verhandlungen zusammen getrommelt.“ – „Captain, unter der Tischplatte sind Peniszeichnungen.“ – „Und auf dem Fenster steht: Hier öffnen, wenn ihr ein hässliches Alien seid!“ – unfair Ver-Verhandelt: Mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen. Es sei denn, sie würden MacFarlanes Humor für eine geächtete Waffe halten.

Fein beob-schmachtet – Die Fallstricke und Peinlichkeiten, in die man als Verliebter und Eifersüchtiger hineingerät, sind schon gut umgesetzt. Hier läuft MacFarlane schauspielerisch erstmals zur Höchstform auf (die bei ihm ca. 4 von 10 Patrick-Stewart-Punkten bedeutet), wenn er sinnlos begeistert herum springt, seltsam „coole“ Adjektive benutzt und auch sonst alles äußert, was man derzeit in den bekannteren „Discovery“-Kritiken nachlesen kann.
Wenn der Hammer auf das Köpfchen… – Vieles funktioniert nur in der Orville-Realität, wo man die Logik einfach mal als gegeben annehmen muss, solange der Gag gut genug war (so konnte Einstein auch seine Relativitätstheorie durchbringen: Mit dem berühmten Zungenbild). So ist es eigentlich unverantwortlich, dass ein „seriöser“ Wissenschaftler wie Darulio an den Klippen des Krieges nicht mehr dafür tut, die Situation aufzulösen. Und dafür lieber den Captain(!) durchnimmt.
Für Timing ist immer … Zeit – Die Inszenierung auf dem Schiff gefällt mir immer besser: Wirkte das in den ersten Folgen oft noch wie der ungeschnittene Verdauungsspaziergangs beim „Trek-Frühstück Bad Münstereifel“, so wirkt alles jetzt etwas „schiffiger“. Die albernen Szenen sind nicht mehr so lang, Gags werden einem nicht mehr durch dreifache Wiederholung in die rebellierende Rübe massiert und unnötige Szenen gibt es auch kaum.
Popelstory mit Popels Story – Die Sexabenteuer vom nervigen Schleimwesen und der Schiffsärztin waren wohl nötig, um noch eine zweite Körperflüssigkeiten-Baustelle zu zeigen. Schade nur, dass der Grünling so überzeichnet plump ist, dass man ihn mit Karacho in eine quartiergroßes Taschentuch befördern will. Und wie genau kann sich die Ärztin morgens noch in die gespiegelten Augen sehen? Oder sie überhaupt noch aufmachen wollen?!

„Es ist nicht so, wie es aussieht, Alara. Mein Freund Yaphit wollte mir nur zeigen, welche Form der Rollstuhl von diesem Commander Pike hat. Aus diesem Nachbaruniversum, von dem der Captain immer schwärmt!“ – Man ist sich wieder grün: Warum diese Art von Sex für Yaphit befriedigend ist, darüber kann nur spekuliert werden. Frauen geben doch schließlich keine Unmengen an Flüssigkeit ab, mit der man sich vermisch… – Äh …

Dies ist keine Episode, bei der man sich gemeinhin langweilt. Somit wäre auch eine höhere Wertung möglich gewesen. Versagt wird das eigentlich nur durch den permanenten Gedanken, was zum Geier die da eigentlich treiben – und wieso man selbst in dieser Zeit nicht mal was Sinnvolles macht. Arabisch lernen zum Beispiel?


Fazit: Okay, warum sollte es die Trek-typischen Spaß-Episoden nicht auch in einer Serie geben, die eh als Verballhornung von TNG gilt? Und hier reicht halt keine Lwaxana Troi, die eine ungeschickte Bemerkung über die Gedanken des Captains macht („Jeeeaaan-Luuuc!“). Nein, die Serie hat längst etabliert, dass der Cock halt irgendwann rein muss. Das ist genauso Canon wie Transporterunfälle und Tribbles beim richtigen Star Trek.

Die „richtigen“ SF-Scherze gefallen mir aber trotzdem besser. Das nächste Mal daher mindestens ein Borgkollektiv zeigen, das in sich selbst verliebt ist, jaaa?

ACTION
HUMOR
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von Klapowski am 11.11.17 in Serienkritik

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Kommentare (5)

  1. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Warum so negativ? Das war eine Hammer Folge, und das nicht nur , weil genagelt wurde.
    Wie oben angeführt stimmte (fast) alles und besser als : „Ich beherrsche 8 verschiedene Techniken“ war es auch nicht.

    Also warum solch eine schlechte Bemerkung, wenn es Dir gefallen hat?

    Gruß BergH

    • Klapowski sagt:

      Ich schwankte ja zwischendurch auch zwischen „Durchschnitt“ und „Hervorragend! Wie heißt der Grimme-Preis in den USA?“.

      Das hier ist nun mal mehr Sitcom-Humor der Marke „Two And A Half Big Bangs“ und entspricht somit nicht gaaanz meinem Geschmack. Und so einfach will man es den Machern ja nicht machen, dass sie einen mit eher einfachen Knatter-Gags hinter dem Sofa weglocken können.

      Sagen wir so: Für eine SF-Serie war das etwas zu doof (2,5 von 5), für ein albernes Gagfeuerwerk jedoch ganz passabel (4 von 5). Darin ist noch nicht eingeschlossen, dass die Idee nicht sooo frisch ist (2 von 5), dafür aber die Fahrstuhlszenen sehr lustig waren (4,5 von 5).

      Wenn ich jetzt noch die anderen fünfzig „X von 5“-Aspekte aufzähle, kommen wir vermutlich im Schnitt wieder genau bei 3 von 5 an. Und das schon, bevor ich die Darsteller nach Attraktivität und Stimmvolumen bewerten muss.

  2. BigBadBorg sagt:

    Der Captain ist (wenn er nicht gerade unter Pheromonen steht) ein echt guter Diplomat. Wie er in der Shuttlerampe die beiden verfeindeten Völker zu einem Gespräch einläd war clever! Ich hätte gerne die Verhandlung gesehen die darauf gefolgt wäre.

    Und ansonsten geht es mir wie Alara: Wie kann ich jemals wieder die Augen schließen ohne an… DAS zu denken!! Ich glaube ich bin xenophob. Ich will nie wieder sowas sehen!

    Wenigstens haben sie jetzt Fahrstuhlmusik! Das war genial! Danke, nerviger Alienoffizier!

  3. Serienfan sagt:

    Mir missfiel an der Folge ein wenig die Hilflosigkeit der restlichen Crewmitglieder, die immer nur nach Mercer und Greyson suchten, anstatt die Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen. (Immerhin, am Ende taten sie es.)

    Die Auflösung war mir ein wenig zu einfach, auch der Satz „es war gar nicht einfach, die beiden zu einem Händeschütteln zu überreden“ wirkte ja merkwürdig, denn in der Tat habe ich mich gefragt: Wie hat man denn die beiden völlig verfeindeten Botschafter überhaupt dazu gebracht, einander zu berühren? Denn nur so funktionierten ja die modifizierten Pheromone.

    Übrigens: Gerade Claire und Yaphit fand ich gut. Es war einerseits ein netter Pay-Off eines Running Gags, auf der anderen Seite war diese Neben-Story wichtig für die Lösung des Konflikts. Denn Darulios Pheromone wirken ja nur auf Darulio. Leute, die er berührt, wollen plötzlich Sex mit ihm haben.

    Doch durch die Vermengung dieser Pheromone mit Yaphit, der als Gestaltwandler-Wesen anders funktioniert, hat Yaphit diese Pheromone genetisch verändert, sodass sie auch auf ihn selbst wirkten. Deswegen war Claire plötzlich ganz scharf auf Yaphit. Erst dadurch kam Alara auf die Idee, dass Darulios Pheromone verändert werden können. Und dann hat man diese so verändert, dass sie zwischen den beiden Botschaftern wirken konnten.

  4. bergh60 sagt:

    tach auch !

    Man biust Du ein Erklär-Bär !

    Gruss BergH

    P.S. Ich fühlte mich mindestens 4,5 von 5 unterhalten.
    Die Doctor im Cocktail (Wortwitz unbeabsichtigt) Kleid war ja wohl der Hammer.
    Dei Frau ist 1 Jahr jünger, als ich und sieht richtig gut aus.

    Fahrstuhlmusik : Super
    Bortos wollte Celine Dion = Titanic singen : Ich dacht eich mach mir ins Höschen.

    Das war richtig guter Comic Trek.

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