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„Stranger Things“ – Review zur Staffel 2

„Stranger Things 2“ ist schon ein Phänomen. Jeder liebt es, jeder schaut es. Und jeder schafft es, innerhalb von 3 beschreibenden Sätzen zu dieser Serie mindestens einmal die Worte „80er“ „Spielberg“ oder „Goonies“ zu sagen. Auf verbal-kognitiver Ebene ist das große Synthesizer-Experiment der Duffer Brothers also schon ein großer Erfolg. Demnächst sollen sogar Papageien und Schimpansen durch den Dauerkonsum dazu gebracht werden, beim Betrachten eines BMX-Rades versonnen zu schluchzen. Hier also nun das Review zu Staffel 2…

Der nachfolgende Text enthält SPOILER.
(War gar nicht so einfach, so ganz ohne Handlung.)

Oh Mann! Dieses himmelgroße Monster, von dem der kleine Junge immer wieder mal träumt! Von dem würde ich gerne mal mehr sehen – vielleicht sogar den Lebenslauf. Okay, natürlich geht das nicht gleich zu Beginn, wir sind hier ja nicht bei Marvel. WIR brauchen ja noch was Unheimliches für die letzte Episode. Daher begleitet mich doch bitte ein Stück durch die Dramaturgie einer Hochglanzserie. Erlebt mit mir, wie sich langsam der labberige Rosenkohl für uns entblättert, um seinen leckeren Kern freizugeben!

„Es kommt!“ – „Ja, es kommt!!“ – „Kommt es immer noch?“ – „Nein, es macht Mittach.“ – De Dröhner: Wer jede rollende Bierflasche gerne mit 2 Minuten viel zu lauter Synthie-Mucke untermalt hört, ist hier an der richtigen Ohrblut-Adresse. Teilweise wummerte die Musik so laut aus den Boxen, dass ich minutenlang kaum einen Dialog verstanden habe. Aber das ist okay. Denn das hier ist ja Kultmusik. Und wer die nicht gut findet, ist ein schlechter Rezensent.

Sehen wir doch mal zur Einstimmung, wie das so mit den Hausaufgaben in der Schule läuft. Aha. So mittelgut. Danke für die Info! Der eine Lehrer ist ja durchaus sympathisch. Gut, dass die den zwischendurch einweihen wollen, es dann aber doch nicht tun. Wäre ja auch dumm. Wer glaubt schon übernatürlichen Kram, nachdem in Staffel 1 ja schon übernatürlicher Kram passierte? Wie groß ist schon die Wahrscheinlichkeit auf weitere Vorkommnisse? – Null? Mindestens! Vielleicht sogar doppelt so viel.

Aber um auf dieses Monster noch mal zurückzukommen, das da in der anderen Dimension am Himmel steht und mit seinen gigantischen Tentakeln… – Wie? Ja, die Kids haben jetzt Ghostbusters-Kostüme an. Denn Halloween steht ja an. In den ACHZIGERN! Wie? Ich schreibe das nur fett, weil es die Duffer Brothers auch ständig tun. Keine Ahnung, was das soll. Denken bestimmt, ich wäre Dekaden-schwerhörig?

„Ja, ich notiere: Mehrere Wutanfälle aus nichtigen Gründen. Und eine Ladung bedeutungsschwangeres Am-Auto-Lehnen-und-Rauchen. In Folge 7 kaufen wir dann im Supermarkt einen Aschenbecher.“ – Stranger thinks? Nein, eher nicht… Aber ist trotzdem gut, dass alles so langsam erzählt wird. So erschreckt man sich nicht, wenn man beim Vorspulen irgendwann von der Taste abrutscht und die Serie plötzlich weitergeht.

Ach ja: Auf einem der Halloween-Videobänder sieht man ja einige Folgen später eine verrauschte Aufnahme des … MONSTERS. War zwar jetzt nicht so wichtig, weil die Frau Mama nur sabbernd vor dem Standbild hängt und dann doch keinem was darüber sagt, aaaber so ein Teaser-Element braucht eine Serie. Ich sag’s ja immer: Dieses moderne Fernsehen nimmt sich halt Zeit. Klasse! – Also, man muss viele Klassen zeigen, meine ich. In der Schule jetzt.

Was uns zu dem nicht eingeschulten Monster in der düsteren Dimension bringt. Boah… Wie es da unbarmherzig voranschreitet, seine ausladenden Füße… – Apropos Füße, Apropos Füße-aufs-Gaspedal: Der irre Nebendarsteller-Psychopath fährt ganz schön aggressiv Auto. Kann schon verstehen, dass man den so oft zeigt. Er ist immerhin im Besitze eines verschwitzten Oberkörpers, spielt gerne Basketball und bereitet sich darauf vor, in der letzten Folge kurz im Weg zu stehen, wenn es um monströse Gefahren geht. Kein Wunder, dass seine Schwester auch mitspielt. Die vier Jungs, die man streckenweise bis zu 10 Minuten pro Folge sieht, können die Geschichte einfach nicht alleine tragen. So ein abweisendes Mädchen, das meist doof an der Seite steht, macht es gleich viel authentischer. Bei uns durften die Mädchen auch nie mitspielen. Genial beobachtet, diese Netflixianer!

Was uns wiederum zu dem Monster bringt, das in dieser Höllendimension über die Hügel wandert. Ich wüsste ja gerne, welche Art von Wesen… – Oh, die gehen schon wieder zu dem Psychologen im Forschungslabor? Und der interessiert sich erst nicht für eventuelle Dimensionsrisse unter dem Kürbisfeld, weil er nur für die Dimensionsrisse im eigenen Kartoffelkeller zuständig ist? Mach Sachen! Forschung war in den 80ern bestimmt auch schon so. Wenn ich kurz KUUULT rufe, darf ich dann kurz noch mal Folgendes sehen? Nämlich mein …

Monster?

„Guten Tag, wir sind die Ausgestoßenen und klingeln gerade in der ganzen Nachbarschaft. Möchten Sie von uns vielleicht etwas GEGEN Gott hören?“ – Neben… Nebelhandlung: Gut, dass die Geschichte einige interessante Abzweigungen nimmt. Denn hierbei habe ich gelernt, dass man nur gaaanz fest zusammenhalten muss. Zum Beispiel, wenn man zwei Dinge mit Sekundenkleber aneinander drückt.

Dieses Biest ist bestimmt zwei Kilometer hoch. Locker. Und in jedem Traum kommt es ein bisschen näher an den Jungen ran, so dass wir… Ups? Warum liegt hier Schnee rum? Wieso sind wir plötzlich in einem Rückblick? Ach ja: Elfi, das wundersame Mädchen aus Staffel 1, das lief ja erst mal einsam im Wald rum, bevor es vom Sheriff gefunden wurde. Gut, dass wir das noch mal ausführlich sehen. Sonst hätte ich gedacht, er hätte sich die Kleine in einer Bierdose neu geklont. Schon toll, wenn eine Serie solche Details liebevoll ausarbeitet, damit wir bloß nicht …

… DAS VERDAMMTE MONSTER SEHEN!!!

Sorry. Mein Fehler. Ich war kurz verwirrt. Ist natürlich hochwertig produziert, dieses Stranger Things. Oder diese Stranger Strings … Also diese Fäden, an denen der Zuschauer hängt, damit er nicht abschaltet. Oder so.

„Was ist hinter dieser Wand, Doktor?“ – „Wir wissen es nicht. Aber wir tippen auf etwas Rotes. He, wo ist ihr Stift? Spielen Sie jetzt weiter mit mir Klischee-Bullshit-Bingo oder nicht?“ – Flusensieb: In diesem Ding bleiben alle konkreten Aussagen und neuen Ideen hängen. Einmal im Jahr werden sie dann rausgeklaubt und an „Black Mirror“ und „The Orville“ verschenkt.

Aber: Es gibt ja sogar ein ganz kleines Monster. Aus irgendeinem Grund nur ein einziges, das ausgerechnet in der Mülltonne eines der Hauptdarsteller auftaucht. Das wächst erst mal vor sich hin, frisst Nougat und macht nicht viel. Ist ja auch Okay. Ist ja auch irgendwie eine Kinderserie. Sollen sie den kleinen schleimigen Racker also ruhig in der Schule suchen, ihn unter der Mütze verstecken und dann halt wieder nach Hause tragen. Ist fast so, als hätte man mal was über das RICHTIGE Monster gesehen. Nur tausendfach kleiner und in völlig belanglos. Aber Dramaturgie braucht nun mal Zeit zum Atmen. Ich will auch gar nicht meckern. Ich will nur große Monster. Aber nicht zu früh, ja?

Nein, lass dich nicht hetzen, Serie! Ich WILL ja auch sehen, wie das hübsche Mädel um ihre Freundin trauert, die in der ersten Staffel umkam. Und ihren Freund liebt sie ja auch nicht mehr richtig. Vor Trauer oder so. Aber sie war ja betrunken, als sie ihm das sagte. Richtig monströs betrunken. Was uns zu dem nächsten Thema bringt:

Mo… Mooon…

– Mon Sheriff. Ein bisschen Französisch macht euch doch nichts aus? Der Sheriff sollte ja wieder mit der Hysterischen zusammenkommen. War eh immer meine Lieblingsfigur. Also, die Hysterie selber jetzt. Im Ernst: Warum trifft sich Winona Ryder denn mit diesem dicken Nicht-Sheriff? Der wird doch voll als Loser gezeichnet, obwohl er es eigentlich nicht ist? Aber gut, wir haben ja auch sonst NUR dreizehn Hauptfiguren. Und alle anderen sind relativ schlank. Nehmen wir den Dicken also auch mit.

„Dröööhn! Stöööhn!“ – „Cut! Das war gut. Wir sehen uns wieder in Staffel 3, ja? ‚Danger rings‘ soll die heißen. Nur dass da auch wieder keiner die Tür aufmacht, harhar!“

HA! Aber das MONSTER in dem Bild hier drüber, DAS ist gar nicht schlank! Habe ich euch erwischt, ihr Serienmacher! Jaaa, zeigt mir jetzt endlich, warum es da ist, ob es intelligent ist und was sein Plan… WAS? Wirklich? Unglaublich! Fernsehverbot für Elfi? Nur, weil sie während der drei Streits ungefähr 18 Mal ihre Psychokräfte angewendet hat, weil sie bis zur 9. Episode nicht zu den restlichen Hauptfiguren stoßen durfte? Finde ich übertrieben. Wenn es 14 Folgen in der dummen Waldhütte geworden wären, hätte ich es vielleicht verstanden, aber so? 9 Folgen sind für eine Premiumserie rein gar nichts! Da weiß man gerade mal, wer Antiheld und wer der ANDERE Antiheld ist. Macht man heute halt so. Und ich kann gar nicht oft genug sehen, wie Elfi nach Gebrauch ihrer Psycho Power aus der Nase blutet. Tue ich übrigens gerade auch. Komisch, ich habe das Gefühl, mich selbst zu verletzten? (*Faust runterdrück*)

Auch der Sheriff geht dahin, wo es wehtut. Nein, nicht nur zu „Wollen-wir-zusammen-weinen?“-Winona, sondern auch unter das mysteriöse Kürbisfeld, das seit 5 Folgen vor sich hinfault. Und da sind sogar Tunnel und man wird von der Decke schleimig angeniest, was nicht sehr gesund ist! Äh, denkt man jedenfalls. Im Prinzip sind aber Birkenpollen schädlicher. Ein nasser Lappen über den Mund (den man vorher noch trocken geföhnt hat), schon kann man diese Gänge in der allerletzten Folge gemütlich heimsuchen.

Übrigens ist das MONSTER jetzt in dem einen Jungen drin. Was es da macht, außer, dass Winona besorgt schaut und der Bengel saukalt wird, das weiß keiner. Aber immerhin. Die Monsterhaltigkeit der Geschichte steigt somit auf mindestens 5%. Wenn nicht sogar weniger. So oft sieht man den Kleinen nämlich auch nicht im Bett rumliegen.

„Tut mir Leid, Junge. Du hattest in Staffel 1 schon nichts zu melden. Jetzt müssen wir deinen letzten coolen Dialogzeilen leider alle verbrennen. Irgendwelche letzten Worte?“ – „Mir ist warm. Mir ist heiß. Ich will Kaka.“ – „Huuui! Da haben wir aber etliche coole Sätze abzufackeln, was?“ – Der Jammer-Jam: Die meiste Zeit tritt man mit der Forschung auf der Stelle. Da müssen erst die Nachwuchs“forscher“ anrücken, um den Alten mit Funkgeräten und BMX-Rädern mal richtig die Hucke voll zu forschen!

Immerhin ist die Musik schön laut. DÖÖÖDÖDÖ-DÖDDDDÖDDDÖÖ-DÖÖÖ.


Fazit: Eine großartige Serie! Erwähnte ich schon, dass sie in den 80ern spielt? 80er, 80er, 800000er? Äh, ich meine: 80eeeeer?

Wer nicht gerne Monster sieht, sich nicht für die fremde Dimension, die seltsamen Forscher oder irgendwelche Geschehnisse interessiert, darf gerne zugreifen. Denn die zweite Staffel hievt das Hinhalten des Zuschauers (bekannt aus der ersten Season; war da schon super gemacht!) noch mal auf ein ganz anderes Level! Teilweise kann man 3-4 Episoden überspringen, ohne etwas Wichtiges zu verpassen.

Wie? Was jetzt aus dem gigantischen Monster wurde, das man am Ende noch mal sehen wollte? Das sieht man halt nicht. War euch das etwa wichtig? – Und wenn schon! Der Weg war das Ziel! Das Wühlen in den Schulmülltonnen, die Weigerung, über die mysteriösen Erlebnisse (auch nicht von Staffel 1!) zu sprechen oder die quälend langen Einstellungen bei fast jeder Szene. Dafür schaltet man doch gerne ein.

Denn ist nicht eigentlich jeder Mensch eines anderen Menschen Monster, hm?

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Klapowski am 02.11.17 in Serienkritik

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Kommentare (8)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Kenne ich nicht. Hätte ich gerne gesehen (80er!!!). Aber jetzt hat Klapo es mir verdorben. Ich weiß nicht so recht, was ich von den modernen „story arcs“ halten soll. Einerseits wird man als Zuschauer gefesselt, andererseits manchmal solange mit Entwicklungen und Auflösungen hingehalten, daß man es am Ende gar nicht mehr wissen will. Hier scheint wieder so ein Fall vorzuliegen.

    Das ist zwar kein ganz neues Phänomen (Dallas, Denver Clan), ist aber in den vergangenen 10 Jahren stark perfektioniert worden. Früher konnte man auch bei den Fortsetzungsgeschichten eher mal eine in sich abgeschlossene Folge einfach so zwischendurch genießen, ohne die vorangegangenen 40 Folgen und die dort aufgetretenen (und nur selten wieder abgetretenen) 587 Protagonisten auswendig kennen zu müssen („Wer war jetzt noch gleich dieser Grifor vom Güldental III.?). Wenn sich unmittelbar etwas anschloß, hieß es eben „Fortsetzung folgt“. Heute muß man, um überhaupt einen Plan zu haben, jede Folge sehen, will die Serien nach der dann doch meist nur halbintelligenten Auflösung aber kein zweites Mal anschauen. Und die „Was-bisher-geschah“-Zusammenfassungen (120 Schnitte in 40 Sekunden) zu Beginn der Episoden sind ebenfalls nur etwas für Leute, die die Serie ohnehin komplett verfolgt und günstigstensfalls auch verstanden haben.

    Dabei soll es sich zwar um das hochgelobte High-Quality-TV mit intelligenten Handlungsfäden und Dialogen für das selbsternannte anspruchsvolle und clevere Publikum handeln. Tatsächlich ist das aber doch zumeist sehr zäh erzählt und lediglich unnötig in die Länge gezogen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Nach dem Motto: wir haben hier ein Drehbuch für 88 Minuten – macht bitte 9 Staffeln daraus.

  2. Jürgen Plewka sagt:

    @G.G.Hoffmann: Habe gerade die zweite Staffel durch und würde Dir den Rat geben, Dich nicht von der harschen Kritik hier abschrecken zu lassen (Alternativ“review“: Süddeutsche Zeitung vom 28. Oktober).
    Zu Deiner Sehnsucht nach abgeschlossenen Folgen: Es gibt immer noch genug Serien, die das bieten – aktuell etwa das grausige Star Trek Discovery und The Orville (kenn ich nur über Reviews)offenbar auch.

    Hab (im Urlaub) jetzt nicht die Lust, ausführlich die Review zu kritisieren, die ich in vielerlei Hinsicht zu oberflächlich finde.
    Deshalb nur soviel: Das gigantische Monster sieht man sehr wohl in der letzten Folge. Einmal im Kampf mit Eleven kurz vor der Schließung des Tors. Und dann sogar in der allerletzten Szene der Staffel als es auf „der anderen Seite“ über der Highschool von Hawkins schwebt.
    Offenbar hat der Reviewer schon vor der letzten Folge aufgegeben.

    • Klapowski sagt:

      > Einmal im Kampf mit Eleven kurz vor der Schließung des Tors.

      > Und dann sogar in der allerletzten Szene der Staffel

      Stimmt, habe ich gesehen. War auch total supi, für fast die selben Shots wie in der ersten(!) Folge noch mal 8-9 Stunden lang gewartet zu haben. – Wurde hier mit dem Monster interagiert? Wurde es erklärt? Ist es ansatzweise bei uns eingebrochen? Hat es sich lautmalerisch oder sonstwie intelligent geäußert? Nein, hier wird die selbe Geschichte wie in der ersten Staffel erneut erzählt, um am Ende nett mit dem Taschentuch zu winken. („War schön, euch beim Streiten, Rumrennen und Weinen zuzuschauen, Erdlinge. Tschöö!“)

      Eigentlich sehen wir nur Leuten dabei zu, wie sie sich ewig lange darauf vorbereiten, eine verdammte Tür zuzumachen.

      Würde man diese „Story“ hier auf das „Alien“-Filmuniversum übertragen, so würden wir Sigourney Weaver 4 Stunden lang mit 15 Besatzungsmitglieder diskutieren sehen, während mindestens drei von denen düstere Vorahnungen haben. Natürlich bemerkt Bob zwei Stunden lang, dass sich seltsamer Schleim auf dem untersten Deck breitmacht – woraufhin er vor Schreck ins Koma fällt, bevor er die anderen warnen kann. Am Ende sieht die Hälfte der Besatzung dann einen Schatten an der Wand, bevor das Alien im Vakuum verschwindet.

  3. Jürgen Plewka sagt:

    Die „Monster Kritik“, die Du hier formulierst, kann ich nachvollziehen. Geschrieben hast Du allerdings:
    „Was jetzt aus dem gigantischen Monster wurde, das man am Ende noch mal sehen wollte? Das sieht man halt nicht. War euch das etwa wichtig? – Und wenn schon! Der Weg war das Ziel!“
    Und das musste für einen Leser, der die Staffel nicht gesehen hat, schlicht bedeuten, dass das Monster gar nicht mehr auftaucht.

    Ich konnte nach der Staffel nicht genau sagen, warum die Staffel mich jenseits der spannenden Figuren bzw. der Schauspielerleistungen von „Elf“ und „Hopper“ so angesprochen hat. In einer Spiegel Kritik stieß ich auf:
    „Stranger Things“ ist vielmehr eine Serie von Erwachsenen, die gerne wieder Kinder wären oder sich ihre Wunschkindheit imaginieren – … Und sich von ihrer (Fernseh-)Kindheit zu verabschieden, dazu sind die Duffers keinesfalls bereit.“
    Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt die Staffel noch einmal reviewen – das spielt in Deiner Kritik ja gar keine Rolle.

    • Klapowski sagt:

      > „Und das musste für einen Leser, der die Staffel nicht gesehen hat, schlicht bedeuten, dass das Monster gar nicht mehr auftaucht.“

      So halb fühlte es sich ja auch so an. Für mich jedenfalls. Aber vielleicht bin ich auch etwas altmodisch, was das Wort „Auftauchen“ angeht. Ich denke dabei immer an was, was nicht nur in Träumen oder hinter roten Fleisch-Vorhängen gezeigt wird. Aber ich verstehe schon, dass man sich den unschuldigen 80er-Charme (= Nur die Kids wissen, was Phase ist. Alle anderen glauben nicht dran, weil nix zu sehen ist) bewahren wollte. Auf lange Sicht funktioniert das aber leider nicht so toll.

      > „Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt die Staffel noch einmal reviewen – das spielt in Deiner Kritik ja gar keine Rolle.“

      Weil ich das als Argument inzwischen etwas lahm finde. Bei Staffel 1 war das schon das Hauptargument für die wohlwollende Bewertung – auch von mir. Aber niemand möchte von Filmschaffenden langfristig „missbraucht“ werden, weil die halt die ganze Zeit einen auf Pawlow-Experiment machen und NUR den 80er-Reflex ansprechen: „Guck mal, Walkman! Guck mal, 80er-Pop! Guck mal, Frisur! Guck mal, Ghostbusters! Guck, guck!“

      Leider genügt vielen Zuschauern das bloße Erwähnen oder Zeigen liebgewonnener Elemente. So wie auch bei Discovery und zig anderen Neuauflagen („Guck mal, der heißt auch Mudd! Guck mal, da steht Archer auf dem Monitor!“).

      Oder, wie Southpark es visualisierte:

      https://www.youtube.com/watch?v=ndI9vkgw_1Y

  4. Jürgen Plewka sagt:

    Bitte nicht den Discovery Schrott mit Stranger Things vergleichen. Das würde – bei aller möglichen und nachvollziehbaren Kritik – der Serie nicht gerecht.

    „Leider genügt vielen Zuschauern das bloße Erwähnen oder Zeigen liebgewonnener Elemente.“

    Daraus darf jetzt aber nicht die grundsätzliche Ablehnung von Serien werden, die in den 70érn, 80érn etc. spielen und sich dabei um authentische Darstellung des historischen Hintergrunds bemühen. Du müsstest sonst Serien wie „Mad Men“, „Good Girls Revolt“ oder die aktuell noch laufenden „The Americans“ (spielt in den 80ern) und „The Deuce“ (spielt in den 70ern)ebenso stark kritisieren.
    Berechtigt wäre meiner Meinung nach diese Kritik aber nur, wenn diese Serein nichts zu erzählen hätten – es also nur um „Guck mal Walkman“ etc. ginge.
    Die Frage wäre dann also, ob das – anders als bei den Serien oben – bei Stranger Things so wäre.
    Das obige Spiegelzitat sieht das anders und ich würde ihm da folgen. Die Duffer Brüder entwerfen eine „ideale“ Kindheit (der Horror ist nur ein scheinbarer Widerspruch dazu)für Personen (Kinder), die alle ein klein bisschen anders sind als andere bzw. einen Knacks haben. Diese Geschichte erzählen sie in den 80ern und machen das mit großem (ausstattungstechnischen)Ernst – so sollte es auch sein! Mir fiele jetzt auch keine einzige Szene ein, wo das Ambiente nicht auch einen Sinn für die Erzählung gehabt hätte (im Gegensatz etwa zu Discovery, wo man in der 3. und 4. Folge ein Tribble in Lorcas Raum hörte … wozu nur?).

    Nur mal nebenbei (und eigentlich betrifft es die erste stärker als die zweite Staffel): Fandest Du Millie Brown (in der ersten Staffel 12 Jahre alt!!) als Eleven nicht umwerfend?

    • Klapowski sagt:

      > „Mir fiele jetzt auch keine einzige Szene ein, wo das Ambiente nicht auch einen Sinn für die Erzählung gehabt hätte“

      Ist sicherlich Geschmackssache. Im Prinzip kann man auch trefflich drüber streiten, welche Szenen jetzt nötig waren und welche nicht. Und wenn nötig, wofür eigentlich. Wie definiert man einen Grund?

      So liefen da ja recht viele Kids und Jugendliche rum (ich zähle spontan zehn), wo es mit der Hälfte viel komprimierter und knackiger gewesen wäre. Die älteren Teens hatten für mich keinerlei Bewandnis. Außer halt auch mal diese Alterklasse beim Knutschen, Feiern und Betreten-Dreinschauen zu zeigen. Und was war doch gleich der Deal mit dem Psychopathen-Kid? Weil es eben immer einen Bully geben muss? Der hat am Ende weder eine großartige charakterliche Wandlung durchgemacht, noch eine handfeste Strafe, noch bei der Lösung des Problems geholfen. Sein einziger Zweck war es, seiner Schwester auf den Geist zu gehen („Triff dich nie wieder mit dem Jungen, den ich für zehn Sekunden von der Seite gesehen habe! Sonst mache ich im großen Finale Stunk!“)…

      Eine „ideale Kindheit“ sehe ich hier auch nur teilweise. Sicherlich blitzt das immer wieder mal durch, doch am Ende sind viele Einstellungen sehr langatmig, was dem Ganzen eine ungeheure Schwere verleiht. Vergleichbar mit einem Wiegenlied, das einige Sekunden geht (= Positiv, fröhlich, man weiß, was gemeint ist) oder halt einem, das zwei Minuten dauert (= creepy, was wollen die mir damit sagen? Hat das eine tiefere Bedeutung?).

      > „Fandest Du Millie Brown (in der ersten Staffel 12 Jahre alt!!) als Eleven nicht umwerfend?“

      Jo. Schauspielern können die Kids eigentlich alle sehr gut. An den Darstellern und an deren Auswahl habe ich auch nichts zu bemängeln. Nur die Drehbücher haben die Dynamik von kaltem Kaffee. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir in der dritten Staffel nicht wieder 10 Folgen lang Leuten zusehen, die der fremden Dimension ein Vorhängeschloss kaufen wollen – während zwei Punks sinnfrei den Schulhof terrorisieren.

      Was ich der Serie aber zugute halte: Sie wirkt aus einem Guss. Noch mehr als Discovery, wo man den holprigen Schaffensprozess und den Kampf mit dem Kanon zu erahnen glaubt.

  5. Tabularius sagt:

    Das beschreibt eigentlich das ganze moderne Fernsehen.
    Auf den Punkt kommen ist altmodisch. Alles 10mal so lange auswalgen wie es fuer die story noetig ist, ist top.

    Zum kotzen…

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