Film- und Serienkritiken

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The Orville – 1.04 – Klapo will es wissen!

Eigentlich wollte ich „The Orville“ nicht weiter schauen, hatte mich doch die zweite Folge so wenig begeistert, dass ich heute noch die Frau von der Zeitansage beschimpfe, weil ich IRGENDWEN für die Timing-Probleme verantwortlich machen muss. Doch Kollege Sparkiller überzeugte mich mit seinem Review zu Episode 1.03 davon, dass man manchmal einfach nur eine Geschlechtsumwandlungs-Story lang abwarten muss, um auf Niveaubesserung hoffen zu können. Und außerdem sind abgeschlossene Geschichten ja gar nicht so übel, ist doch bei Discovery der Langzeitplan noch irgendwo eingeschlossen.

Hier stelle man sich bitte einen Bösewicht in seiner Basis vor, der seine Faust schüttelt und auf dem Monitor sehen muss, wie der strahlende Held wieder einmal an seinen bösen Schergen vorbei geschlüpft ist:

Dieses Orville schon wieder… Du hast also wieder mal meine finsteren Pläne durchkreuzt, dir mit jeder Episode mehr und mehr deine Legitimation abzusprechen! Aaaarrrh! Diese geschüttelte Faust recke ich DIR sinnfrei entgegen! Ja, sogar meinen Schrumpfstrahler hast du umgangen, mit dem ich dir sogar dein SF-Herzblut absprechen wollte! Und nuuun entdeckst du auch noch diese Superkraft namens „Routine“, lerntest bei deinem alten Meister „Han D‘werk“! Doch vom Haken lasse ich dich nicht! Muhahahaa! (*Roboter-Schildkröten aus Terrarium lass*)

Ja, wieder einmal ist ein kleiner Qualitätssprung im einstigen Tal der Tränen zu verzeichnen. Aber vielleicht liegt es auch an der Grundstory, die mit einer gigantischen Struktur im Weltraum beginnt, die sogleich todesmutig erforscht wird? Oder mit der Stimmung, die bei mir immer dann steigt, wenn Luftschleusen ploppend andocken und Außenteams rätselnd mit dem Scanner in der Luft herumrühren? Ja, sogar eine schnuckelige Charakterstudie des schiffseigenen Roboters dürfen wir diesmal erwarten, nebst ein paar Gedanken von Alara Kitan, die NICHTS mit Erbrechen zu tun haben. Da bekomme ich glatt wieder Hunger auf das längst abgeschriebene Macfarlene-Schnitzel!

„Dieses fremde Schiff ist riesig, Captain! Was können wir nur tun, um auch etwas total Riesiges vorzuzeigen?“ – „Das wisst ihr doch längst! Darauf gehe ich in Folge 4 echt nicht mehr ein.“ – Gestern, Heute, Morgen … Viagra: Die üblichen „Unter dem Gürtel“-Gags wirken diesmal nicht ganz so aufgesetzt, da sie auch lediglich dem Androiden an Bord erklärt werden. Und wenn DER jetzt Bescheid weiß, können wir bitte damit aufhören?!

Ohne Kaka? = Mit Klapo! – Erstaunlich, wie sehr sich eine Serie verändern kann, wenn ihr die Herrenslipeinlagen ausgehen: Die Gags sind deutlich verhaltener und zielen sogar mal auf etwas ab, was man gemeinhin nicht in Unterwäsche verpackt (Nein, keine Popel!). So hätte der hier gebrachte Kennenlernspruch („Abgesehen von dem Schuss auf deinen Dad wollen wir euch nichts tun!“) vor 2-3 Episoden noch ganz anders geklungen (Vermutlich: „Abgesehen von einem Bierschiss in eurer Klo wollen wir euch nichts tun“).
Klassischer Klassiker (Classic Edition) – Zugegeben, die Idee mit der innen verhagelt… verhügelten Raumstation ist jetzt nicht gaaanz frisch. Grüne Landschaften in Megastrukturen gibt es in der Science Fiction schon, seitdem sich 1950 die ersten SF-Autoren fragten, in welchen Parks mutierte Space-Hunde wohl austreten würden. Dennoch wird‘s nach dem (etwas sinnfreien) Zoo in Folge 2 und den ausschließlich männlichen(!) Eierlegern(!) in Folge 3 hier noch mal eine Spur klassischer.
Melodien für Klingonen – Die Musik ist super! So super, dass ich kurz davor war, die Andocksequenz an die gigantische Raumstation noch mal zu hören – und zwar direkt vor dem Nochmalhören! Wo man bei Discovery auch eher in Richtung dumpfes Gegrummel geht („War daaa daaaas Gewittaaa?“), hat man hier keine Kosten und Mühe gescheut, gefühlt Beethoven, Mozart und den „Legend of Zelda“-Komponisten zu gewinnen. Ganz großes Kleinstadt-Kino!
Steh auf, wenn du ein Aufstand bist! – Die Idee, dass Menschen in einer abgeschlossenen Station/ Simulation/ Besenkammer ein eher reduziertes Bild vom Universum haben, ist leider alter Shit. Und der „Lass uns mal aus dem Fenster schauen“-Geschmacksrichtung wird auch nicht viel hinzugefügt. Vor allem, weil Leute, die sich als „Fenster-Wächter“ berufen fühlen, die einzige Bedrohung für die Frischluftzufuhr darstellen.

„Sie beiden müssen mitkommen, sie haben uns einiges zu erklären!“ -“Zum Beispiel, warum sie moderne Fahrzeuge verwenden, es aber nicht geschafft haben, sich über ein paar läppische Jahrhunderte zu merken, dass sie an Bord eines Schiffes leben?“ – „Genau das, Ladys! Das wunderte schon meinen Großvater!“ – Lasche Logik: Darf man so etwas in einer 30%-Comedy-Show überhaupt ansprechen, oder ist das schon ihr „Get out of the critic“-Joker?

Interessant, am Ende der Folge hatte ich fast das Bedürfnis, dass alles noch länger hätte gehen können („Haha, Länger! Peeeenis!“).

Denn weder Gesellschaftsform, noch die „Action“, noch die Aufständischen, noch der charismatische Bösewicht (Robert Knepper ist eben IMMER gut!) hatten hier die Zeit, um sich kultbegründend in unseren Hirnwindungen einzunisten. 40 Minuten sind überraschend wenig Zeit, wenn man noch die üblichen B(ortus)-Storys (Was ist denn jetzt mit den Eheproblemen vom Beginn?) unterbringen muss, ein bisschen Stimmung erzeugen will und die üblichen Charaktersegmente einzuflechten hat. Und die paar Flachzangen-Gags schütteln sich auch nicht von allein aus dem Witzebuch!


Fazit: Das war das erste Mal, dass ich gerne mehr erfahren hätte! Wie genau wurden die Burschis unterdrückt? An was hat man dort noch so alles geglaubt („Der Himmel hat Ringe, weil er mit dem Boden verheiratet ist!“)…?

Und wieso wirken viele Scheunen-Shots irgendwie wie blankgeputzte Soap-Bilder? Hat Macfarlene eventuell die alten „Reich und Schön“-Kameras neu aufgetragen?

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Klapowski am 08.10.17 in Serienkritik

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Kommentare (14)

  1. BigBadBorg sagt:

    Gib zu, es fängt an dir echt gut zu gefallen, du alter Trekkie!

    Ist es nicht schön im Zeitalter von Stories die dreitausend Staffeln umfassen und neunundneunzig Prozent der Darsteller Arschlöcher sind nochmal sowas altmodisches zu sehen?

    Die nächste Folge hat sogar den besten practical joke ever! Was will man denn mehr?

  2. Jako sagt:

    Ja es wird besser, aber es wirkt immer noch so haaaaaardcore billig und ich hoffe der „Humor“ fliegt irgendwann komplett raus, mitsamt Adriana Pallicki und Mc Farlane… die beiden … neeee

  3. Parteihase sagt:

    Erklärt mir mal jemand, warum hier über den Humor in The Orville gemeckert wird? Das hebt für mich die Serie erst über 0815-Sf-Langweilerniveau. Sonst könnte man ja gleich sowas wie SG-Atlantis (nicht) ansehen.

    Außerdem ist der Humor auf dieser Seite auch nicht gerade besser oder liegst vielleicht sogar daran?

    • Klapowski sagt:

      Es ist nun mal ein Unterschied, ob man über 40 Minuten eine Geschichte erzählen will oder auf einer Webseite ist, die seit 16 Jahren „amüsante“ Reviews schreibt. Ich weiß, das mag dich jetzt verwundern („Aber… Aber ein Porsche ist dir zu teuer, aber du kaufst trotzdem den teuersten Schinken im Laden? Häää, wie passt das zusammen!?“), aber so manch einer wird uns da wohl folgen können.

      Und eine Serie sollte nun mal ein paar Millionen Menschen begeistern können (bei uns nur ca. 900.000 Zuleser), und das ist halt mal schwer, wenn man ernsthaftes SF-Zeug mit Pipi-Witzen mischt. Oder ist es jetzt besonders witzich oder abwechslungsreich, in jeder Orville-Episode an unpassenden Stellen einen „You’re a dick!“-Gag unterzubringen, nur eben mit wechselhaften Personen/Antworten?

      („In unserer Kultur ist das ein Kompliment!“ / „Nein, ich habe eine Vagina, aber danke, dass du an dein Problem gedacht hast.“ / „Ich bin kein Dick, aber immerhin wachse ICH über mich heraus!“ / „Ich bin nicht nur ein Dick, ich habe sogar den von deiner Mudda gesehen!“ …. Etc. )

      Für solcherlei Erheiterung brauche ich im Jahre 2017 keine Parodie mehr, dafür reichen mir YouTube-Kommentare. Und wenn es schon platt sein muss, dann bitte etwas kreativere Körper(flüssigkeits)-Sprüche.

    • Parteihase sagt:

      Versteh nicht, was du damit sagen willst. Aber egal, ich brauch flache Witze zur Auflockerung, je platter desto besser. Hilft prima gegen mein ADHS!

  4. Serienfan sagt:

    „The Orville“ folgt dem klassischen Serienaufbau. Haupthandlung, Nebenhandlung, und ein sehr kurzer Epilog, der nur dazu da ist, dem Zuschauer zu sagen, dass jetzt „alles in Ordnung“ ist. Das ist so Old School, dass es schon wieder modern wirkt, und die Review bringt es auf den Punkt: Das ganze wirkt befremdlich nach „Handwerk“, das die Macher einfach verstehen!

    In Folge 5 haben die Figuren schon derart viel Dynamik entwickelt, wie sie wohl nur die Classic-Serie je erreicht hat. Die Musik ist grandios, ein großes Orchester, mit dem MacFarlane auch seine Gesangs-CDs aufnimmt. (Und der Mann KANN singen!)

    Hier ein Interview mit MacFarlane:

    https://youtu.be/fQ8RMGinoGs

    MacFarlane sagt ja, seine Crew sind eben nicht „die Besten der Besten“, sondern Normalos, die es nie auf die Enterprise schaffen würden. Und dennoch wirken sie allesamt kompetenter als in dieser anderen Serien, die aus irgendwelchen Gründen die Worte „Star Trek“ im Titel trägt.

  5. G.G.Hoffmann sagt:

    Seltsamerweise habe ich die Serie noch bei keinem legalen Anbieter gefunden…

    • Serienfan sagt:

      Wenn man sich eine US-IP-Adresse besorgt, kann man die Serie auf der Fox-Seite streamen. Und leider gibt es die Serie auch nur im amerikanischen iTunes, nicht im deutschen iTunes. Pro7 hat wohl die Rechte an der Serie erworben und will sie 2018 senden. Bei sowas werden dann oft Erstausstrahlungsrechte ausgehandelt.

  6. Bergh60 sagt:

    tach auch !
    @Klapowski
    Wenn Dir 4 gefallen hat,
    wirst Du E05 bejubeln und das nicht nur wegen des Decolteh.., Dekollteeth.., Ausschnitts von CT.
    Die Serie wird richtig gut.

    Bis dato immer mehr das bessere Trek.
    Besser, als Trek selber.
    Und die paar Pubertärs/Kaka/Pipi Witze überhöre Ich schon jetzt.

    Gruß BergH

  7. Susan sagt:

    Anscheinend kann ich die erste Staffel aussetzen, bis die Serie richtig gut ist! Ist aber schön zu sehen, das die Qualität aufwärts geht. Vielleicht schneidet die Folgen auch wer in eine Erwachsenenversion um. Also ohne die Doofwitze ;)

  8. Anonymus (Bosch) sagt:

    Also, ich persönlich denke ja, dass es Episode 5 doch ein bisschen übertreibt mit dem (gut) abkupfern bei TNG. Ist doch irgendwie nur „der Zeitreiernde Hysteriker“, bei dem man perühmten Gastdarsteller A durch berühmten Gastdarsteller B ausgetauscht hat…
    Aber insgesamt tatsächlich das bessere Trek als dieses „very Disco“!

    Grüße, Anonymus (Bosch)

  9. Serienfan sagt:

    MacFarlane hat mehrfach erklärt, dass bei „The Orville“ die Figuren eben nicht die „Best of the Best“ sind. Es sind nicht Figuren wie Picard oder Kirk. Das ist die größte „Neuerung“. Es sind „normale Durchschnittsmenschen“, über die normalerweise nie jemand eine Serie machen würde.

    (Wobei das mit dem „Best of the Best“ ein wenig bei „The Next Generation“ eingeführt wurde. In der Classic-Serie waren die Figuren viel „normaler“. Da war nicht jeder die absolute Elite.)

    Und dennoch zeigt „The Orville“, dass die Figuren keine Idioten, Ärsche und Kriegstreiber sein müssen, um einem „Ideal“ zu widersprechen.

    Bei „Star Trek“ versucht man dauernd, das extreme Gegenteil des Etablierten einzuführen. Das hat schon mit Rick Berman begonnen. Die Maquis waren so ein wilder Haufen, bei dem man sich laut Chakotay auch schon mal mit der Faust zu seinem Recht verhalf. Was sollte dieser Unsinn? Warum gleich so übertrieben? Dieses Schwarz-weiß-Schema habe ich nie verstanden.

    Seitdem schwankte „Star Trek“ permanent zwischen zwei Extremen. Picard ist entweder der ultimative Philosoph, oder Jean Luc Macclane. Wie erfrischend „normal“ wirken dagegen die Figuren von „The Orville“. Wie sympathisch und menschlich.

    Mit „The Orville“ HABEN wir eine friedliche Erforschung des Alls, und trotzdem ist die Serie voller Witz, voller Spannung, voller Action!

    Allein dafür, dass MacFarlane bewiesen hat, dass die Grundprämisse der friedlichen Erforschung des Alls immer noch zeitlos, fetzig und verdammt unterhaltend sein kann, hätte er den größten aller denkbaren TV-Orden verdient. „Star Trek“ war auch manchmal albern, manchmal absurd. Und gleichzeitig war es keine „dumme Unterhaltung“. So erlebe ich „The Orville“.

    Gerade Episode 5 von „The Orville“ zeigt mir: Die Serie tastet sich an das heran, was sie sein will, und das tut sie sogar verblüffend schnell und erfolgreich. Dass sie zuvor hin und wieder mit den Gags übers Ziel hinausgeschossen hat, sehe ich weniger dramatisch. Wirklich übers Ziel schießt „Star Trek: Discovery“ hinaus, weil aus einer friedlichen Erforschung des Alls eine Kriegstreiberserie wurde. Das ist so, als würde „Columbo“ aufhören, Verbrechen aufzuklären und anfangen, selbst welche zu begehen. Weil man halt mal was Neues machen will.

    • Flyan sagt:

      Danke, Serienfan! Ich sehe vieles genauso. Diese Serie ist bestimmt nicht perfekt, aber es ist die Serie, die viele Zuschauer haben wollen. Das ist auch sehr schön bei Rotten Tomatoes zu sehen. 20% Kritikerwertung, 91% Zuschauerwertung.

  10. bergh60 sagt:

    Hört, hört , hört !

    @SF
    Das hats Du schön gesagt ähh geschrieben.

    Gruß BergH

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