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„Star Trek Discovery“ – 1.02 – „Kampf beim Doppelstern“ – Kritik

Na also! Es geht doch, sobald es fliegt! Nach der zweiten Folge kann ich bereits eine deutliche Qualitätssteigerung verbuchen, was nur teilweise auf meine gestrige Gedankenverschmelzung mit Bryan Fuller & Kollegen zurückzuführen ist. So bewegte sich die Qualität der 2. Episode von vorher „Oh Gott, wie lange geht das denn noch?!“ langsam auf „Mit Selbstverletzung durchaus ertragbar!“ – In jedem Fall werden wir jetzt erfahren, wie es mit dem abwartenden Klingonen weitergeht…

Im Ernst: Daumen auf halb acht! Das war für eine Serie, die ich spontan nicht mag, durchaus großes Verbesserungskino! 2 Punkte aus dem Stehgreif! Also fast so was wie eine normale miese Folge. Hut ab.

So waren die Charaktere etwas klarer gezeichnet und belästigten uns weniger mit ihren „Unverbindlichen Einführungsangeboten“ im kessen One-Liner-Bereich. Hier herrschte eher eine humorfreie Arbeitsatmosphäre, was bei einem Klingonenangriff mit integrierter Mini-Meuterei auch die verhaltenstherapeutisch empfohlene Maßnahme sein dürfte. Trotzdem verhindert diese Episode nicht, dass ich mit der Hauptfigur Michael wenig anfangen kann. Klar, deren Emotionsarmut ist von der Geschichte gewollt, allerdings lasse ich die Autoren da trotzdem nicht so leicht mit einem „Vulkanier halt!“ vom Haken. Da gibt es 20 anderen Kniffe aus der Drehbuch-Mottenkiste, die selbst eine überhebliche, arrogante Superkriegerin von der verletzlicheren Seite zeigen. – Und nein, mit traurigem Gesicht in der Arrestzelle rumhängen, das zähle ich noch nicht als Schwäche. Dann schon eher, dass sie unfähig war, ihren Captain länger als 10 Sekunden zu betäuben.

„Wir machen Star Trek moderner, haben sie gesagt. Es wird realistischer und dunkler, haben sie gesagt. Und dann haben sie gesagt, dass es Kack-, Wasch- und Tisch-Ecken trotzdem nicht in den Arrestzellen zu sehen gibt. Man könnte da ja vor dem Zuschauer masturbieren, haben sie gesagt.“ – Vierwandküken: Bei all dem neuen Design fehlt mir immer noch das Bodenständige. Im Ernst, stellt doch mal irgendwas auf den BODEN, Leute!

Immerhin war das wohl die beste Szene: Den Computer davon zu überzeugen, Michael freizulassen, weil alles andere ethisch nicht vertretbar ist – wenn einem gerade das Schiff unter dem Popo wegbröselt. Hier blitzte zum ersten Mal auf, dass die Serie nicht nur Klischee-Blabla aus der Mottenkiste kann. Etwas, was ich den Klingonen auch noch mal deutlich auf den Rezeptblock schreiben würde: „Lernt NORMAL zu sein!“ – Kampf und Ehre ist ja gut und schön für alle, die gerne tot sind, aber diese steifen Dialoge von unbeweglich dastehenden Krieger(k)lumpen wandeln mir langsam den Hirnstamm zu einem Schmerzstab um. Denn: Die Machtverhältnisse sind hier entweder unklar oder uninteressant, die Motivation (gewollt) eindimensional („Make Kronos great again“) und die tranige/trashige Sprechweise generell tattergreisverdächtig.

Klar, ist alles beabsichtigt, aber sollte es jemals zu diplomatischen Gesprächen kommen, könnte das zu Geschwindigkeitsproblemen (oder ständigen Doppelfolgen?) führen. Und das alte Spielchen „Du gibst mir – Ich gebe dir“ müsste nach dieser Serienlogik eigentlich umgedichtet werden in „Kahless sagt aber … – Und Kahless sagt auch … “.
Dauerhaftes Augen- und Köpferollen somit confirmed?

Um zu dem Raumkampf zu kommen: Ja, sah halbwegs okay aus. Da wurden mir bei den J.J.-Filmen schon mehr Kilos abgeschnitten. Also Augenkrebs jetzt. Jedoch fällt deutlich auf, dass die Texturen aller(!) Schiffe in den Nahaufnahmen bedenklich an selige Amiga-„Babylon 5“-Zeiten erinnern. Da fehlt definitiv noch eine Nah-dran-Schicht aus Staub, Metallporen und Kratzern, die in jedem Ballerspiel der letzten zehn Jahre Standard ist.

Aber gut, Übersicht ist in der Serie eher nicht erwünscht. Wie auch in den Räumen mit ihren „Dutch Angles“ scheint es gewollt zu sein, stets für eine gewisse Rest(licht)verwirrung zu sorgen. Aber das ist ja auch richtig so, denn wie sollten wir sonst verstehen, dass der totale Tod tot macht und Verderben eher verderbend wirkt?

„Wir kommen nun zur Abstimmung. Haus Lei‘Chen’Starr? Wenn ihr mit unserem Vorgehen einverstanden seid, dann nickt nun unmerklich. Und wenn ihr wütend und aufgebracht seid, dann meldet euch bitte nachher beim Targ-Stall. Wir lassen gerne ein Schwein für euch tanzen, damit es eure Emotionen mimisch unterstreichen kann.“ – Der (un)bewegte Mann: Schade, dass das CGI-Budget schon alle war. Eine Gif-Animation dieser Runzelrüben hätte etwas Dynamik reingebracht…

Der Bombenkniff mit den eingesammelten Leichen war nett – erfindet aber die überraschende Explosion nicht neu. Immerhin dürfen wir bei dieser Serie wohl auf spontan-technisches Voyager-Gebabbel verzichten.

Die Sarek-Ansprachen funktionierten, aber nicht mehr. Die Chemie zwischen den beiden Charakteren darf guten Gewissens mit „sparsam“ beurteilt werden, die geheimen Tipps („Suche einen Weg, den anderen zu helfen. Tschöö!“) und Rückblicke als leicht aufgesetzt. Man hat den starken Eindruck, dass man sich tiefenpsychologisch nicht weit von gängigen Fanfilmen wegbewegen wollte, um nicht versehentlich etwas zu äußern, was ich nach einer Stunde noch im Kopf habe. – Generell sind die Dialoge nie so „deep“, wie es die allgemeine Bildverschattung anzudeuten versucht. Hier werden Traumata, Probleme und Integrationsschwierigkeiten angerissen, die angesichts des zweitklassigen Minenspiels eher wie eine Stichwortliste für spätere Episoden wirken.

Eine übermäßig euphorische Endbewertung verbietet sich eh bei dieser Story – selbst wenn man sie okay findet. Denn außer einem mittelgroßen Kampf mit Tarntechnologie (Welche die Klingonen damals eigentlich noch nicht hatten, oooder? Canon, ick hör dir schnapsen!) gibt es hier nichts zu erleben. Die „Was machen wir?“-Dialoge sind ja eher Mittel zum Schieß und sorgen an keiner Stelle dafür, dass man sich nagelkauend fragt, ob der Kampf nicht noch mit einer gewieften Zeile abgewendet werden kann. Hier sollten sich auch Serien-Gut-Finder zurückhalten und mit den Bestnoten auf den Zeitpunkt warten, an dem nicht „nur“ hirnamputierte „Häuser“ auf Standard-Uniformierte treffen. Steigerungsfähig sollte es ja noch sein, ooooder?

„Wir müssen die Klingonen aufhalten!“ – „Aber warum wir Frauen? Sind wir die Stärksten auf dem Schiff?“ – „Nein, aber ich habe schon mal im Dunkeln gemunkelt, huuuii!“ – Knocking On Kevin’s Door: In der Hartz-4-Variante eines coolen Zweikampfes (oder wie viele Leute auch immer noch in den Schatten stehen) kann „Discovery“ zeigen, was es drauf hat. – KANN… Muss sie aber nicht.

Die Zweikämpfe am Ende der Episode fand ich grausam. Zu dunkel, mehr Schnitte als in den Butterbrotsdosen einer Kindertagesstätte, unklare Hiebe, unklarer Verlauf, unklare Stichführung. Dass es auch bei Serien anders geht, zeigt uns die zweite Staffel von „Preacher“, wo wir voll ausgeleuchtet ohne Schnitt(!) sehen dürfen, was penible Choreografie aus einem popeligen(?) 5-bis-8-Millionen-Budget rausholen kann. Und wenn es an den Kostümen liegt, die aussehen, als hätte man den Klingonen drei ausgezogene Kostüme an den Kehlkopf getackert, dann seid doch so gut und lasst wenigstens das Fußvolk wieder im Kettenhemdchen antreten – darf ja auch gerne eine Kahless-Micky-Maus draufgestickt sein.

SPOILER (wie eigentlich die ganze Zeit schon, Sorry dafür):

Immerhin hat der Ungehorsam für Michael sehr fix große Konsequenzen, wie wir am Ende der Episode erleben. DAMIT habe ich jetzt nicht gerechnet, auch wenn ich vermute, dass uns hier bald das Tom-Paris-Syndrom ereilen wird: „Oh, wir haben nur ein paar Tausend Leute in der Sternenflotte und nur EINE macht ständig Fehler, hält sich aber für supertoll und missachtet Befehle! Sie müssen unbedingt auf ein neues Schiff und uns ALLE retten, wie es für auserwählte Messiasse… Messianer… Messia’ae… üblich ist.“

Schade auch, dass die „Verhandlung“ in der Dunkelkammer eher lieblos runtergeschrieben war:

Schattenfiguren: „Hier die Anklagepunkte. Bekennen Sie sich schuldig?“
Michael: „Ja. Ich wollte stets das Beste, aber … JA.“ (Wieso habe ich eigentlich keinen Anwalt?)
Schattenfiguren: „Dann verurteilen wir Sie zu einem Cliffhanger auf dem Weg zu Episode 3. Viel Spaß damit!“

„Das war blöd von Ihnen – oder, Burnham?“ – „Mein Fehler war, dass sich das Drehbuch nicht an meine Hochbegabung gehalten hat. Jetzt lassen sie uns das abschließen! Ich habe gleich meine bescheidene Stunde des Tages und will nicht, dass die jemand mitbekommt.“ – Mantra, Mantra: Antihelden sind groß in Mode. Michael Burnham muss jedoch aufpassen, nicht einfach nur zum Anti zu werden.


Fazit: Ich will ehrlich sein, liebe „Discovery“-Busenfreunde… Die Serie hat es schwer, weil mir der verdunkelte J.J.-Look nicht gefällt. Und weil ich Klingonen eklig finde (allein diese haarlosen, ohrlosen, mimikfreien Köpfe seit 50 Jahren, igitt!). Und dass ich dünnes Schauspiel und pseudogebrochene Figuren wie Michael (die durch die Kraft des Rückblicks ALLES mal gelernt haben, aber auf Knopfdruck auch mal den sterbenden Schwan mimen) stinklangweilig finde, dafür kann diese hervorragende Serie ebenfalls wenig. – JA, in Folge 2 wirkte alles mehr aus einem Guss als zuvor, aber vor meinem geistigen Auge sehe ich immer noch verkrampfte Autoren und Setdesigner, die uralte Abschieß- und Kriegs-Storys auf ultramodern umstricken dürfen.
 
Bei Kahless, was für arme Schweine…

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von Klapowski am 26.09.17 in Serienkritik, Star Trek: Discovery

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Kommentare (16)

  1. BigBadBorg sagt:

    Die hatten Michelle Yeoh, die gute Frau kann Martial Arts (man denke an Crouching Tiger, Hidden Dragon). Als die beiden im bester Elite Force Manier auf das gegnerische Schiff sind hatte ich mich auf einen spektakulären Showdown gefreut. Und was machen die? Wackelkamera und Schnittgewitter.

    Ich bin was Star Trek angeht echt für vieles offen. Ich mochte Voyager, Enterprise und sogar die neuen Filme (zumindest Teil 3 war echt super).

    Aber das hier, ich weiß nicht. Ich habe die ersten drei Folgen von The Orville gesehen, das war eine wunderschöne Zeitreise zurück zum guten alten Star Trek, hat mir gefallen.

    Warum haben sie Discovery nicht post Voyager, sagen wir hundert Jahre spielen lassen? Oder im JJ Universum? Da hätte ich den Look, die Logikfehler und das Düstere durchaus gelten lassen können.

    Ich bleibe dran an der Serie, aber wohl nur um zu sehen wie sehr sie versagt. Oder wer weiß, vielleicht bekommt die erste Staffel ja doch noch die Kurve.

    Edit:
    Oder werden wir zu alt?

  2. Raketenwurm sagt:

    Ich fand die zweite Folge auch gesser, als die Erste – die in Sachen Handlung und Dialoge schon ziemlich kostruierte Hölzerlichkeit war. Ansonsten habe ich nun zumindest mehr Lust auf die Serie, als es vor dem Anschauen der beiden Folgen der Fall gewesen ist. Alles weitere muss man dann wirklich schauen, wie sich die Serie entwickelt. Inhaltlich hätte die Serie bisher aber tatsächlich auch prima 20 Jahre nach dem Dominion-Krieg spielen können. Dann wäre das andere Look&Feel auch kein Thema mehr. (und die Frage, wie der Krieg mit den Klingonen ausgeht, wäre auch eine Spannendere)

    • ted_simple sagt:

      Ja, das Setting Post-DS9 wäre problemlos möglich gewesen. Man hört manchmal die Kritik, dass eigentlich Post-Voyager gar keine Serie mehr machbar sei, weil die Voyager mit viel zu toller Borg-Technik aus der Zukunft ausgestattet wird. Andererseits wäre es ein Leichtes, mal eben das Timeship Relativity mit dem guten Captain Braxton auftauchen zu lassen, der wieder mal eine Verletzung der temporalen Direktive feststellt und der Voyager kurzerhand die Borg-Technologie wieder wegnimmt (oder vielleicht gleich das ganze Schiff beschlagnahmt?). Die ganze Geschichte könnte man so nebenbei in einer der ersten Folgen der neuen Serie erwähnen, indem man einem der Ex-Voyager-Crewmitglieder einen Gastauftritt einräumt.

  3. Cronos sagt:

    Die ganze Handlung ist doch arg konstruiert. Wieso hauen die eingentlich nicht ab? Der einzige Vernünftige ist doch dieser Wissenschaftsoffizier. Und Sareks Rat war auch selten dämlich: „Schießen sie auf die Klingonen!“. Das haben die Irren vom Vulkan vor 200 oder so Jahren auch mal gemacht. Da hätte Frau Michel ruhig mal fragen können wie viele Vulkanier dabei drauf gegangen sind. Oder ob ihr Ziehpappi noch alle Latten am Zaun hat.

  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Nach der zweiten ST und der dritten The Orville Staffel finde ich,
    dass The Orville das bessere Trek ist. Steinigt mich, aber das war ein saugutes STNG like ethic dilemma.
    Nur in etwas lustiger.

    Grußm Bergh

  5. G.G.Hoffmann sagt:

    Mit unserer Kanzlerin möchte ich sagen:

    „Ich bin nicht enttäuscht.“
    „Ich kann nicht erkennen, was wir anders hätten machen müssen.“
    „Wir haben unsere strategischen Ziele erreicht.“

    Zunächst einmal freue ich mich ganz doll und bedanke mich bei den Wählern und Wählern, daß wir überhaupt endlich wieder eine neue Star-Trek-Serie haben und wieder Dampfhammer-Reviews zu niegelnagelneuen Folgen auf Zukunftia lesen dürfen. Wann hatten wir das zuletzt?

    Trick- und filmtechnisch war das hübsch, wenn auch kaum über dem Niveau der Fanproduktion „Axanar“. Langsam beginnt man zu ahnen, warum CBS diese Produktion in Grund und Boden geklagt hat. Sehr schön animiert allerdings die Eingeborenen zu Beginn auf dem Wüstenplanet. Das ist ENT und dem 90er Jahre Trek um Lichtjahre voraus. Erzähltechnisch ist das leider noch immer VOY. Da muß mehr kommen. Aber Pilotfilme sind eben Pilotfilme. In 95% der Fälle unausgegoren und weit vom Endprodukt entfernt. Das gilt selbst für das hochgelobte und immer als Vergleich beliebte GoT.

    Wenn die Staffeln wirklich „durchgeschrieben“ und auf 10-15 Folgen begrenzt sind, außerdem auf lieblose Budgetsparer und Platzfüller verzichtet wird, hat die Serie viel Potential. Die meisten Charaktere haben wir ja noch nicht kennengelernt. Auch Burnham wird sicher nicht die ganze Serie lang trotzköpfig mit Selbstfindungsproblemen durch die Gegend laufen. Ich glaube, sie ist ein gutes Kind. Und Captain Lorca wird ohnehin großartig. Auch auf die neue Androidenfigur bin ich gespannt. Der Rest der Crew sieht mir etwas zu gelackt aus, Marke „Fähnrich Mayweather“. Ob die einen bleibenden Eindruck hinterlassen können werden?

    • Klapowski sagt:

      „Erzähltechnisch ist das leider noch immer VOY. Da muß mehr kommen. Aber Pilotfilme sind eben Pilotfilme.“

      Ich glaube auch, dass viele sich etwas zu sehr von der schicken Optik blenden lassen (im wahrsten Sinne des Wortes?) und vergessen, dass die Story selbst so simpel ist, dass sie auf einen Replikator-Bierdeckel passt.

      Würden wir hier Tom Paris sehen, der nach einem Raumanzug-Ausflug auf ein verunfalltes Klingonen-Schiff getroffen wäre, sähe das – für die meisten – schon wieder anders aus. Janeway würde in unserem Beispiel nicht sofort angreifen wollen, während Tuvok und Chakotay sich gegenseitig mit Verschmelzungs- und Tierberater-Visionen zu stimulieren versuchen.

      Am Ende gibt Neelix dem Captain einen großen Kaffee mit Schlafmittel, woraufhin die große 90er-Jahre-Schlacht startet (B’ellana beamt nach einem Protest-Wutanfall einen Torpedo in eine Leiche und flucht auf ihre Landsmä… äh… Planetenmänner). Zum Schluss steht dann mindestens Seven-of-Nine vor Gericht, weil sie Scannerdaten falsch interpretiert hat.

      Im Ernst, viel tiefgründiger oder innovativer ist das hier nicht.

      Ich sehe auch das Problem, dass die Sternenflotte bei Discovery als total hehre Veranstaltung angepriesen wird, bis auf die Brunnen-Action zu Beginn aber wie eine Ansammlung fliegender Dark Rooms im „Battlestar Galactica“-Universum wirkt. Hier fehlt mir eine gewisse moralische Fallhöhe, da ich DIESER Sternenflotte nicht abnehme, so edel und rein wie die von Picard, Archer oder Kirk zu sein.

    • ted_simple sagt:

      „Hier fehlt mir eine gewisse moralische Fallhöhe, da ich DIESER Sternenflotte nicht abnehme, so edel und rein wie die von Picard, Archer oder Kirk zu sein.“

      Was mich sehr gestört hat, war die Verurteilung zu „lebenslanger Haft“. Was, bitteschön, rechtfertigt eine solche Maximalstrafe? Letztlich ist dies die moderne Form der Todesstrafe – dem Verurteilten wird damit sein ganzes Leben genommen. Und weswegen? Weil sie VERSUCHT hat, auf das Klingonenschiff zu feuern, aber dann doch noch im letzten Moment vom Captain gestoppt wurde? Also ist doch genau genommen GAR NIX passiert, oder? Außer dass der Captain für zwei Minuten ein ungewolltes Nickerchen gemacht hat?

      Das zu erwartende Urteil wäre Ausschluss aus der Sternenflotte gewesen, nicht aber lebenslange Freiheitsberaubung. Hat mich direkt an Star Trek VI erinnert, wo Kirk auch zu lebenslanger Haft auf einem klingonischen Gefängnisplaneten verurteilt wur… ups, das war aber damals die KLINGONISCHE Justiz. Nicht die Sternenflotte. In der Tat, die moralische Fallhöhe ist hier nicht sehr tief.

  6. Donald D. sagt:

    @ Klapo & Spark: ganz tolle Rezensionen, die letzten drei. Klapo, Du kannst es also noch! Kahless sei Dank! Ich hatte beim Lesen mehr Spaß, als beim Anschauen der Folgen. Da ich mit absolut minimalen Erwartungen an die Serie herangegangen bin – seit ENT hat man ja dazugelernt – konnte ich auch nicht groß enttäuscht werden. Die schiefe Kamera ist mir gar nicht mal so aufgefallen, dafür umso mehr die Lens Flares. Das war wohl immer eine pro Sendeminute. Das Klingonendesign ist eine Katastrophe. Die Klingonen sehen absolut dämlich aus und ihre Schiffe noch dämlicher. Föderationsschiffe sind als solche zu erkennen, aber so modern, daß man die Serie doch lieber im 26. Jahrhundert hätte spielen lassen sollen. Dann hätte alles gepaßt. Aber zehn Jahre vor Kirk!? Kanon Adé! Da hat man sich einiges verbaut, was nicht hätte sein müssen. Wie die die Kurve zu Kirk kriegen wollen, ist mir ein Rätsel (Zeitreise? Paralleldimension? Alles nur ein Traum von Michael, die in Wirklichkeit in einer McDonald’s Bude in Downtown L.A. arbeitet?). Selbst ENT hat nicht so einen großen Kanonbruch begangen, außer daß es ein Raumschiff Enterprise vor Kirk nicht gab. Ich werde trotzdem erstmal weitergucken, schlechter kann es ja nicht werden.

    • Klapowski sagt:

      Danke für die Blumen. Ich habe eine davon zwischen meine Staffelboxen von Voyager geklemmt.

      Ich habe auch schon drüber nachgedacht, wie sie den angeblich geplanten Shift zum alten Kirk-Look hinbekommen wollen. Natürlich kann man durch Zeitstrahländerungen und Paralleluniversen so ziemlich jede blöde Status-Quo-Änderung erklären (in Superheldencomics nennt man das auch „Atmen“), aber richtig rund wäre es nur dann, wenn man uns verklickert, warum die Technik selbst sooo viel weniger potent erscheint.

      – Sind Touchpads plötzlich das Einfallstor für feindliche Killerviren?
      – Reagieren Wesen aus einem bösartigen Universum auf alle Schiffsmaterialien mit sofortigem Angriff – außer bei Kupferkabeln und Plastik?
      – Erhöhen Hologramme und Quantencomputer die Wahrscheinlichkeit, von den Klingonen entdeckt zu werden?

      Am Ende des Tages glaube ich aber nicht, dass da was Substanzielles kommt. Man wird ein paar Konsolen mit mehr Ecken aufstellen und einen lustigen Spruch reißen, à la: „Oh, scheint ja wieder modern zu werden. Ist bestimmt dieser Sternenflottendesigner T. Rekkie dran Schuld, ha-ha-ha!“

  7. onlinekevin sagt:

    also die folge war foll gut gute action und so. nicht so ein gelaber wie bei den alten serien. kommt gut rüber der trek. ist schon fast so geil wie der letze tranksvormers film. krass und peace out

  8. onlinekevin sagt:

    satire? ich bin keina aus der sm szenä, alter! voll krank!!!!111

  9. ted_simple sagt:

    Nach der heutigen Folge, „Context is for Kings“, habe ich noch einige Nachgedanken zum Pilotfilm gesammelt.

    Das Zitat der Woche lautet übrigens „You are the most intelligent Starfleet officer I’ve ever known.“ Hahahaha… Hier liegt ein großes Problem – die Serie ist einfach NICHT intelligent und Michael ebensowenig. Eher was für Dumpfbacken. Fassen wir zusammen:

    – Michael fliegt in einem Raumanzug zur klingonischen Station, obwohl eine Sonde auch gereicht hätte (die Instrumente an Board des Raumanzuges funktionierten ja auch, bevor er beschädigt wurde, also hätte man ebenso gut eine automatisierte Sonde losschicken können). Das hätte den ersten Zwischenfall, den Tod des Klingonen, vermieden.

    – Die Kindergarten-Logik, der zufolge Michael meinte, auf das klingonische Schiff schießen zu müssen, ist mir vollkommen unverständlich. „Stärke führt zu Frieden!“ – „Ich hau dem mal richtig einen drauf, dann haut er gewiss nicht mehr zurück! Harhar!“ Nüchtern betrachtet ging es hier wohl um die Einschätzung, dass die Klingonen eine Falle vorbereitet hatten und etwas Arglistiges im Schilde führten. Elaboriert wurde dies leider nicht. Wie entgeht man also der Falle? Hm, wie wäre es einfach mit Davonfliegen? Hatte Michael irgendeinen Grund anzunehmen, dass es wichtig ist, das klingonische Schiff zu zerstören, weil sonst… ja, WAS sonst? Weil es ansonsten zu einem Krieg kommt? Was für eine Logik ist das?

    Wenn es darum geht, der Falle zu entgehen, ist Flucht die logischste Handlungsweise. Und es war noch schlimmer: Michael war sich dessen bewusst, dass das klingonische Schiff viel stärkere Waffen hatte, und nahm die Zerstörung des eigenen Schiffes in Kauf, um dadurch einen Krieg zu verhindern. Ja, das hat sie so impliziert, zwischen den Dialogzeilen. Wie ehrenhaft! Nur wofür? Wieso soll das Kaputtschießen gerade dieses einen Schiffes einen Krieg verhindern? Und was ist mit dem Gegenargument, dass die Zerstörung eines Schiffes zum ANLASS (!) für einen Krieg werden könnte. Die gegenteilige Argumentation ergibt ein bisschen mehr Sinn, oder?

    Wie war das noch in „Yesterday’s Enterprise“: Die Enterprise-C hilft den Klingonen 25 Jahre vor TNG dabei, ihren Außenposten gegen Romulaner zu verteidigen, und die Klingonen sind von dieser Hilfestellung so gerührt, dass sie vom Krieg gegen die Föderation absehen. Was passiert da wohl, wenn ein Föderartionsschiff mutwillig ein klingonisches Schiff zerstört?

    Ich vergaß, trotz 8 Millionen Budget pro Folge ist es offenbar nicht möglich, jemanden zum Korrekturlesen der Drehbücher anzustellen, der tatsächlich alle Star Trek-Folgen kennt und dem ein fehlerhaftes Konzept der Klingonen auffällt.

    – Der dritte Paukenschlag war die Idee, das Klingonenschiff mit 2 (!) Leuten zu infiltrieren, und zu meinen, man könne sich mal eben zum Kommandanten „durchkämpfen“ (Das Schiff hat bestimmt nur zwei Korridore! Die Brücke finden wir doch ganz schnell!) und dann diesen gefangen nehmen und von Board beamen. Natürlich ohne eigene Verluste! Und warum muss der Captain (!) diesem Zweier-Team angehören? Sind wir wieder zurück auf TOS-Niveau, Kirk, Spock und Pille machen alles allein und der Rest sind Statisten?

    Und dann der Knüller: Michael ist sich dessen bewusst, dass der Bösewicht nicht zum Märtyrer werden darf, entschließt sich dann aber doch, ihn zu erschießen, als das Bath’let den Captain bereits durchbohrt hat. Geistesgegenwart? Vulkanische Logik? Alles Attribute, die diesem Charakter immer wieder zugeschrieben werden. Merken tut man davon allerdings nichts.

    Immer zu wiederholen wie intelligent sie ist macht es nicht glaubhafter.

    • ted_simple sagt:

      Nachtrag: Problematisch ist auch, wie Michael sich zur Antipathie-Person entwickelt. Eigentlich soll sie ja der zentrale Sympathieträger der Serie sein; nur wie sehr kann man sich für eine Person erwärmen, die ständig meint, sie wäre die intelligenteste Person im Raum – ähnlich wie Vulkanier dies tun – aber de facto liegt sie meistens falsch und die selbstsichere Haltung erscheint dann nur noch wie eine „Arroganz der Dummen“?

      Das beschreibt übrigens auch die Macher dieser Serie prima. – Was zum Teufel hatte es mit dem mutierten Riesen-Targ auf sich, das die Besatzung des Schwesterschiffes zerfleischt hat? Entsteht sowas durch mutierte Pilzsporen? Hoffentlich wird dies in späteren Folgen noch erklärt, andernfalls muss man es wohl als unsinnige Horror-Einlage erklären, um am Ende der Folge noch ein bisschen Action einzubauen.

    • ted_simple sagt:

      Okay, mein erstes Post von vor drei Tagen wer sehr langatmig und unkoordiniert. Ich will’s nochmal auf den Punkt bringen:

      Michael vermutet eine Falle der Klingonen, und meint dass die 24 Schiffe wohl den 24 klingonischen Häusern entsprechen. Sie befürchtet eine Vereinigung dieser Häuser. Gegen Ende der Folge argumentiert sie zusätzlich noch, man müsse vermeiden, einen Märtyrer zu schaffen.

      Ihr Handlungen passen aber so gar nicht zu dieser Einschätzung. Sie ärgert sich zwar, dass sie den Klingonen am Anfang in Selbstverteidigung töten musste, und damit die Klingonen potentiell gegen die Föderation aufgebracht hat. Sie will aber dann (!) noch einen draufsetzen, indem sie das Flaggschiff kaputtschießt, was der übrigen Logik „wir sollten den Klingonen keinen Anlass zum Krieg geben“ 100% zuwiderläuft.

      Cpt. Lorcas Bemerkung in der dritten Folge, „Context is for Kings“, legt ja auch nahe, dass er Michaels Handlung in dem Kontext richtig fand. Nur inwiefern, wird nicht erläutert. Ich komme da nicht ganz mit.

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