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„Star Trek: Discovery“ – 1.01 – Ein sparkisches Review

Handlung: Die USS Shenzhou trifft auf ein Raumschiff der Klingonen, mit denen es seit 100 Jahren keinen Kontakt gab. Diese sind überraschenderweise total aggressiv und kriegstreiberisch, weswegen ein Föderationsoffizier sogar seine eigene Karriere riskiert, um einen tödlichen Konflikt zu verhindern. Glücklicherweise stößt dieser auf eine Gruppe von Rebellen, welche den Kampf gegen das Imperium… nee, Moment…

Zuerst einmal: Nichts gegen den Schritt, ein bewährtes Muster auch einmal etwas durchzumischen. So etwas kann schließlich zu interessanten Ideen beim Autoren und vor allem frischen Spaß-Wind in der Zuschauer-Hose führen.

Aber DAS? Hätten einige Raumschiffe nicht vertraute Formen, der Intro-Song das bekannte Di-di-diiii und die Klingonen ihre Insigne am Hosenbund, das Ganze hätte auch eine beliebige neue SciFi-Serie sein können. Ist es aber nicht, laut Programmzeitschrift handelt es sich nämlich (angeblich) um Star Trek: Discovery. Aber hier wurde „der alte Muff der Vorgängerserien“ direkt mit der Turbine aus dem Raum gepustet, was in einem Best-of von Änderungen resuliert, welche sich irgendwie niemand gewünscht hat. Dies macht sich z.B. bemerkbar in:

Das Design: Da passt einfach nix. Beim Beispiel Transporterraum hatte ich keine Ahnung, was ich mir da überhaupt gerade ansehe. Eine Wand voller Waschmaschinen? Die Klingonen haben sich scheinbar vom Glöckler neu einkleiden lassen und zudem den Jackpot im Hackfressen-Wettbewerb gewonnen. („Wisst ihr, was denen gefehlt hat? VIER Nasenlöcher!“) Am Ende wirkt wirklich alles total wie Jay-Jay-Trek, was einfach kein Zufall sein kann. Zumal es hinter den Kulissen viel Stühlerücken gegeben haben soll.

PS: War kein Geld für Stative übrig, beim welchem ein Bein nicht zu kurz war? Mir schmerzt jetzt noch der Nacken von all den schiefen Einstellungen.

Die Story: Krieg! Krieeeg! Okay, mal kurz erwähnen, dass die Sternenflotte für Frieden steht. Aber dadurch entsteht schließlich keine dunkle Stimmung mit viel Action! Ein bisschen mag ich ja die Idee, dass „Michael“ ein Zögling von Sarek ist. Welcher von Spock und Co. nie erwähnt wurde. Aber das wurde Sybok schließlich auch nicht, höhö. Aber sonst hätten wir hier schließlich nun keinen Sarek! Aus dem originalen Star Trek! Cooool! Nett immerhin, dass man die Klingonen etwas mehr ausleuchtet als ihre Marvel-Kollegen. Und das in… *grusel*… permanenten Klingonisch mit Nuschelfaktor durch spitze Zahnprothesen. In kleinen Happen mag ich sowas ja, aber hier fehlte nur noch die Einblendung eines klingonischen Übersetzers für Taubstumme.

„Schon bald schehen wir unsch auf dem Schlachtfeld! Esch wird mir eine grosche Ehre schein!“ – „Haha! Super! Und jetzt sag: ‚Wo die Schoschonen schön wohnen‘! Hihiii!“ – Donnerlispel! Kudos an die Darsteller unserer Neu-Klingonen für das Lernen und Aussprechen von Stunden an Klingonisch. Außerdem: Sorry an den Hausmeister, der die ganze Spucke wegwischen muschte. Pardon, musste.

Die Charaktere: Dem T’Dingsbumms und seinen klingonischen Fanatikern mit Ägypten-Faible wurde ich schnell überdrüssig. Kriegstreiberische Ansprache hier, Testosteron-geladene Drohung dort. Quasi dasselbe Problem, was unsere kleinen Vollzeit-Krieger bereits bei den Vorgängern hatten. Dort war man aber auch mal lustig drauf und hat sich in den Klopp-Pausen mit Blutwein um den geringen Verstand gesoffen. Und einige hatten sogar Haare, im Gegensatz zu unserem überernsten Kojak-Verein hier.

Die Effekte: Irgendwas hat mir an der CGI nicht gefallen, aber ich kann es noch nicht genau in Worte fassen. Verschwommenheit durch zuviele Lichteffekte? Oder einfach zuviel davon, weil ich mir pausenlos vorgestellt habe, wie alle Schauspieler vor ihren grünen Wänden standen? Toll fand ich aber die Alien-Masken. Sehr hochwertig. Besonders bei diesen Menschen.

Fazit: Für’s Fernsehen wirkt „Discovery“ schon sehr aufwändig und beinahe wie ein Kinofilm. Leider wie der falsche, denn ich erkenne leider sehr viel „Star Trek Into Darkness“ darin. Und, mit etwas guten Willen, einen Hauch von „The Undiscovered Country“. Will sagen, alles sehr kurzweilig, aber oberflächlich und mit einem großen Mangel an Vitamin Tiefsinn sowie Spaß an der Materie. Man sucht eher vergeblich nach einer Ähnlichkeit mit der Serie, welche inhaltlich nur 10 Jahre später spielt. Nämlich „Star Trek: Ohne Alles“.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

(mit Alles-noch-so-schön-NEU-Pilotfilm-Bonus.)


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Artikel

von Sparkiller am 25.09.17 in Serienkritik, Star Trek: Discovery

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Kommentare (2)

  1. Darth Digitus sagt:

    Weiß auch nicht so recht was ich davon halten soll…
    Andererseits scheinen die Karten in der nächsten Folge neu gemischt zu werden.
    Mal sehen was daraus wird.
    Ich hoffe nur das Schiff im Vorspann ist irgendein Prototyp und nicht das neue „Stammschiff“…

  2. Susan sagt:

    Bei dem Wort „Programmzeitschrift“ hab ich mich für einen Moment gewundert: hab ich da was verpasst?

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