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The Orville – 1.03 – Das kurze Review zum Abschließen

Handlung: Bortus, die Worf-Kopie der USS Orville, hat ein Ei ausgebrütet. Dummerweise ist das darin enthaltene Baby weiblich, was in der Nur-Männer-Kultur der Moclan ein großes Problem darstellt. Diese schreibt in solchen Fällen eine Geschlechtsumwandlung vor, womit Captain MacFarlane und der Rest der Crew überhaupt nicht einverstanden sind. Dies sorgt natürlich für einen großen Konflikt, wo… Ach, denkt für einen passenden Vergleich einfach an eine dieser alten Star Trek Folgen mit anspruchsvoller Gesellschaftskritik. „Spocks Gehirn“, zum Beispiel.

Die gute Nachricht zuerst: Der Anteil an Plattwitzen ist in Folge 3 mittlerweile auf ein überschaubares Maß gesunken. Schneidet man die 3-4 Minuten davon heraus, erhält man tatsächlich eine immerhin nur unterdurchschnittliche Episode von TNG. Hmmm. Okay, sagen wir Voyager.

Andererseits wirkt es dadurch umso deplatzierter, wenn mitten in einer trek-typischen Moral-Diskussion der Vorschlag eingebracht wird, ob man zum Abkühlen nicht einfach mal eine Runde… *prust*… Monopoly spielen sollte. Wobei der Captain natürlich… *kicher*… darauf besteht… *schnorch*… das Auto als Spielfigur zu nehmen. Nein, ich muss aufhören, daran zu denken. Bauchweeeeh!

Aber einiges hat auch wieder gefallen. Denn so dreist abgekupfert es auch ist, das Timing und der Look der Serie ähnelt „The Next Generation“ schon sehr. Und besonders in dieser Folge durch nette Planeten-Vistas und der stimmungsvollen Gerichtsraum-Kulisse der Moclan. Es gibt schon einige Moment, wo man sich gefühlstechnisch wieder in die 90er-Jahre zurückversetzt fühlt. Leider wird dieses wohlige Gefühl durch einige unvermeidliche Humor-Zuckungen immer mal kurz unterbrochen („Was ist die Hauptstadt von Amerika?“ – „Der Mooond?!“). Ha-ha! Aufhören, sonst kriege ich noch einen Leistenbruch durch die Lachkrämpfe!

Doch irgendwo dazwischen gibt es sogar ein paar (relativ) nette Charaktermomente. Bortus und Starkfrau im Boxring. Bortus und sein Ehemann (?) im ebenfalls aus Star Trek geklauten Replikatorraum (TNG – Staffel 4 – Datas Tag – PS: Hilfe, warum kann ich mich an so etwas erinnern?!) oder das Meiste der Gerichtsverhandlung um das Geschlechtsrecht des Kindes. Mensch, soooo viel erinnert an das Original.

Vielleicht auch schon ZU viel? Weswegen mir auch der Gedanke gekommen ist, ob man die plumperen Gags nicht vor der Premiere einfach eingebaut hat, um das ganze Ding als Satire verkaufen zu können. Zwecks Vermeidung von Klagen durch die Trek-Rechteinhaber, zum Beispiel. Und nachdem dies anscheinend gelungen ist, fährt man die Gag-Dichte nun langsam und diskret wieder runter. Ein so doofer Plan, dass er schon fast wieder genial ist und somit STIMMEN muss!

„Ach, JETZT verstehe ich das Dilemma um die Bräuche meines Volkes!“ – „Wieso, ist doch nur ein Weihnachtsfilm für Kinder?“ – „Von wegen. Die Mißbildung von Rudolf mit der roten Nase, durch welche er von der Gesellschaft der anderen Rentiere ausgeschlossen wurde, steht symbolisch für das Problem meines Kindes. Trotz der Verachtung der anderen rettet Rudolf am Ende den Tag!“ – Superheld, was er verspricht. Und das Beste? Der obige Dialog wurde von mir gar nicht inhaltlich verändert und kommt fast identisch in der Folge vor. Psych!

Fazit: Mein Wunsch, den Stil der Serie auch inhaltlich mehr in Richtung Star Trek zu puschen scheint erhört worden zu sein. Wenn die Geschichten jetzt noch eeeetwas interessanter werden, ein weeeenig mehr Eigenideen präsentieren und der Doof-Witz gaaaaanz rausfällt, dann kann ich sogar endlich mit dem lahmen Stilmittel des übertriebenen Wörterstreckens aufhören und EUCH sogar ein Weitergucken von „The Orville“ erlauben. Ich schalte dagegen erst einmal aus und hole die restlichen Folgen in der „Star Trek Discovery“-Pause nach. Denn sich über zwei Serien gleichzeitig aufzuregen ist gar nicht gut für den Blutdruck und macht derbe Klumpfüße. Wollt ihr mal seeeeeehen?!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

(Wertung inkl. Trek-Wohlfühl-Retro-Bonus.)

Als kleinen Zusatz gibt es nun noch ein paar letzte Klapo-Worte, frisch geklaut aus seinen letzten Mails. Die Folge selbst hat er zwar nicht gesehen, aber sinnlose Texte sind wir doch bereits eh von ihm gewohnt. Har-har!

KLAPOS KLAPPRIGER MEINUNGSKASTEN
Wir sehen uns Montag!
Merke leider auch schon, dass sich die Kritikpunkte an Orville wie damals bei Doctor Who (versteckten Knopf drücken, Aliens belabern, Abspann) ständig wiederholen dürften. Langsam gehen mir auch die Vergleiche aus, um zu beschreiben, dass sich die Serie überhaupt nicht organisch anfühlt und das Comedy-Timing mal gerade so richtig Lust auf Big Bang Theorie macht, da dort zwei Level besser.

So eine durchschnittliche Serie! Ich hasse sie (nicht mal richtig)! Was soll er denn machen, der Klapo? Den Herrn Fartlane immer wieder drauf hinweisen, wie es richtig geht? Hört denn überhaupt mal irgendwer auf mich? Von einem Starautoren zum anderen? Wenigstens zum Schein?

Nein! Darum sage ich: Premium-Trek-Content muss her! Und wenn der Spaß im Wohnzimmer nur durch die 4K-Auflösung entsteht.


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Artikel

von Sparkiller am 24.09.17 in Serienkritik

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Kommentare (4)

  1. hay jay sagt:

    yo…. lahmer star trek abklatsch der ohne Humor wesentlich besser wäre.

  2. Mac Donald sagt:

    Mir gefällt der Humor von The Orville, allerdings war es bisher die schwächste Folge. Trotzdem geht die Serie in eine bessere Richtung als es ST Discovery wohl je schaffen wird. Allein die beleuchteten Kulissen sind eine Wohltat für meine müden Augen statt des ausgelutschten Darklooks von Discovery.

  3. Serienfan sagt:

    Diese Folge zeigt, was „The Orville“ sein soll. Eine liebenswert-humorvolle Hommage an das, was „Star Trek“ einst war. Besonders komisch fand ich, als Bortus wegen des „Rudolph“-Films sofort aufspringt und wegen der Botschaft des Films augenblicklich seine Meinung um 180 Grad ändert. Das war ein cleverer Seitenhieb auf all die „moralischen“ Aussagen in Filmen und Serien, bei denen die Macher sich einbilden, sie würden damit tatsächlich festgefahrene Weltbilder umdrehen können. Die zum Teil leicht infantilen Gags sollten nicht von einem ablenken: MacFarlane ist der seit langem klügste „Star Trek“-Produzent. Denn er hat WIRKLICH kapiert, was die Stärken und natürlich auch Schwächen von „Star Trek“ auszeichnet. Und er bringt sie alle in „The Orville“ perfekt auf den Punkt.

  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Sehen wir der Wahrheit ins Auge :
    The Orville ist besseres Trek , als Trek selber.
    Vielleicht noch nicht so gut wie es sein könnte, aber schon ziemlich gut.

    Wohingegen STD (Sau Teurer Dreck) mir bis dato so gar nicht zu gefallen weiß.,
    Und diese KlingelGonen sind einfach Schei****.

    Gruß BergH

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