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Star Trek Enterprise – 2.07 – „Der Siebente“ („The Seventh“) Review

Wenn völlig Gut und mächtig Böse in Star Trek aufeinandertreffen, dann explodiert die Kinoleinwand. Handelt es sich jedoch nur um (im Prinzip) Gut und (vielleicht ein bisschen) Böse, brennt höchstens das Lokal „Zum Güldenen Hinterhof“. Trotzdem zeigt T’Pol hier, was man mit einem schlechten Gewissen Tolles anstellen kann…

Für mich war TNG immer die Harald Schmidt Show des Quadranten: Egal, ob Picard nun ein zähnefletschendes Alien statt Gliedmaßen einige Shakespeare-Zitate in den Mund legte oder stundenlang mit William „The Andrack“ Riker über die Konsequenzen weggeworfener Bierflaschen auf Prä-Warp-Planeten diskutierte: Spaß und Unterhaltung (Bitte nicht mit dem neudeutschen „Fun & Entertainment“-Prinzip von Voyager verwechseln!) waren garantiert! Und wenn nicht, traute man es sich nicht zu sagen… Zwar stand man „Laberfolgen“ – so die meiner Erinnerung nach offizielle Bezeichnung – auf dem Schulhof distanziert gegenüber, mochte sie aber auch nicht wirklich hassen…

Eine ENT-Charakterfolge im feinsten Schlachthaus-Amerikanisch zu beurteilen ist hingegen noch schwerer, als auf einer Leiter aus Wackelpudding nach den Sternen zu greifen. Wer möchte angesichts der unendlichen Weisheit dieser Charakterfolge, die in ihrer Weitläufigkeit eine handelsübliche Galaxis weit übersteigt, schon ernsthaft den klischeehaften Phaserkampf unter Reflexgestörten schlecht machen? –Wir!

Da verschwindet der Oberbösewicht in einer Skywalker, nein: Luke (Haha, Mördergag!) im Boden und unser ENT-Einkaufstrupp für psychoaktive Substanzen ruft, sich geistig auf einer Psychoanalytiker-Couch räkelnd, hinterher: „Was tun sie? Warum tun sie das? Wo wollen sie hin? Wo wollen wir alle hin?“, statt den Manne mal ganz schnell zu verstrahlen.

“Fass, Archer, Fass!“ – Mit aufmunternden Rufen manipuliert der Oberschmuggler die Zielerfassung des Schützenkönigs…

Wie gesagt: Da es sich hier um unglaubliche seelische Leiden dreht, wollen wir den Roten Riesen unter den anspruchsvollen Folgen auch nicht dadurch niedermachen, indem wir erneut auf Mayweathers Wetterdienst anspielen. – Denn außer mit herausgestreckter Zunge Schneeflocken einzufangen (leider rausgeschnitten) und an einem wichtigen Gesicht zu bauen (gerne, aber warum nicht mal das eigene?), hat Kims Urur…großvater ja nicht wirklich viel zu tun, wenn man davon absieht, dass seine Actioneinlagen ihn für den Job des Stand… nein, STUNTmans empfehlen…

Aber dies alles spielt ja wegen des mitreißenden Charakterstudiums (15 Semester an der Uni „Mindmelt“ sind Minimum-Voraussetzung) höchstens die Rolle, auf der man Klopapier aufbewahrt. Umso komischer ist es, dass ich TROTZ der hammerharten Gesprächssequenzen mit chronischem Schulterzucken in die Rückenambulanz eingeliefert werden musste. Ich weiß ja auch nicht, worans’ liegt! – Vielleicht war T’Pol’s grimmige Verzweiflung angesichts des Todes vom Paramount-Schülerpraktikanten ja nicht so wirklich nachvollziehbar? Für die logischen Ohrprothesenschaukler dürfte „Notwehr“ doch eigentlich mehr als ein 20-Punkte-Wort beim Scrabble sein, oder?

Möglicherweise war der Bösewicht, der da die halbe Folge lang eine Symbiose mit dem Wirtshaustisch einging, nicht wirklich fies und pervers genug? Was ist schon ein Schmuggler? Da lachen ja selbst unsere Großväter, die noch ihr 3.-Reich-Verdienstkreuz für ungerechtfertigte Massenexekutionen an russischen Kindergärten in Omas Porzellanschrank geparkt haben! Ich verweise auf die DS9-Folge „Der undurchschaubare Marritza“, die wohl zu den Besten dieser Serie gehört…

Kein Wunder, dass am Ende T`Pol als energiesparendes Trotzköpfchen für einen Moment zögert und überlegt, ob ein Betäubungsschuss auf den mäßig hundsgemeinen Schmuggelschläfer überhaupt angebracht ist.

Interessant hingegen die persönlichen Töne zwischen T’Pol-„Wolle’ Sex mit mir?“-Fan Jonathan Archer und Archer-„Wir sind nur Freunde“-Freundin T’Pol. So viel Vertrauen aber auch! – Wenn’s da nicht die nächsten Staffeln gehörig knistert, funkt, sexuell anspielt und „Kann ich mit ihnen reden?“-t, fress ich Mayweathers Besen!

Süß, aber extrem kurz: Tucker versucht sich als Captain für Arme. So ein amüsanter Nebenplot muss eben auch immer sein, damit auf Con’s auch ja kein Trek-Schauspieler behaupten kann, mal einen Tag NICHT 5 Stunden in der Maske und 18 vor der Kamera gestanden zu haben…

Fazit:

Eine durch und durch mittelmäßige Folge mit dem von Kritikern gehassten Totschlag-Aufkleber „Heute keine Action. Charakterfolge! (Anspruchsvoll!)“. Da schwimmt man lieber nicht so weit raus und vergibt ängstlich eine glatte

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Artikel

von Klapowski am 16.11.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (8)

  1. hdEATH sagt:

    Da es sonst keiner tut ;-) :

    Absolut klar, dass "Notwehr" für die Ohrprothesenschaukler kein 20 Punkte Wort beim Scrabble ist. N1+O2+T1+W3+E1+H2+R1 sind bei mir 11 Punkte (Prämienfelder nicht berücksichtigt). So eine schlechte Recherche hätte ich aber wirklich nicht von euch erwartet – Hat schon fast was von Bild-Niveau…

    *scnr* hdEATH

  2. Klapowski sagt:

    Tut uns ehrlich leid…

    Der Tod von Rudolf Augstein hat leider unseren Sinn für seriösen Journalismus in die Winterstarre versetzt. – Nicht, dass er jemals irgendwo anders war…

  3. Gast sagt:

    Hui, Mittwoch dachte ich noch "Enterprise kommt ja, aber wenns so maessig wird wie letzte Woche kann der Esel auch im Stall bleiben"
    zu recht!
    Bin mal gespannt, was STUS von der aktuellen "man spricht ämerikanisch" Folge haelt.

    sooo wird das nix im Hause Braga und Berman, wann schnallen die endlich, dass das Buffy niveau nicht reicht.

  4. Gast sagt:

    Hey, nix gegen Buffy! Die Serie ist in Sachen Charaktere und Kontinuität weit vor Enterprise!

  5. Onyx sagt:

    Und überhaupt, wann kauft endlich jemand Bus.de für witzige Zwecke???

    Ich denke Buffy ist "gut" und hats verdient…

  6. Gast sagt:

    Rudolf Augstein war ein fieses Arschloch. Ich bin froh, dass er tot ist. Was konnte er denn schon ? Der SPIEGEL hat 40 Jahre lang sich fdaran aufgegeilt, Menschen mit "Enthüllungen" fertigzumachen. Kunststück. Jeder Mensch macht Fehler. Jeder Mensch hat Schwächen. Es ist fies, das auszunutzen. Immerhin konnte der alte SPIEGEL formulieren! Das erkenne ich neidlos an. Der neue SPIEGEL kann nicht mal mehr das. Nur die massenhafte Werbung unterscheidet ihn von BILD und GOLDENES BLATT. Keine Träne für Augstein!

  7. Der Eine Basketballschläger sagt:

    Echt ma!

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