Film- und Serienkritiken

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Wonder Woman – Das wunderbar kurze Review

Handlung: Eine Amazone verlässt zusammen mit Chris Pine, in seiner üblichen Rolle als Captain Kirk, ihr gemütliches Insel-Resort um nach einem legendären Bösewicht zu suchen. Dieser taucht aber erst kurz vor dem Ende auf und existiert leider nur für den üblichen die Sinne betäubenden CGI-Endkampf. Vorher kämpft sie jedoch erst einmal gegen die bösen Deutschen im ersten Weltkrieg und noch bösere Vorurteile gegen Frauen. (Was wollen die denn noch? MEHR Schuhe?!)

Nach dem überproduzierten „Batman v Superman“ ist „Wonder Woman“ schon schön geworden. Keine zusätzlichen Handlungsstränge um krampfhaft zukünftige Filme zu bewerben („Ich bin es, der Flash! Ich muss jetzt aber auch schon wieder los, tschöööö!“) und die Heldin will tatsächlich mal Gutes tun, statt nur verstimmt in einer dunklen Ecke vor sich hin zu schmollen. Bot man uns bei BvS noch eine echte Arschloch-Parade, ist so eine nette und zudem noch sehr hübsche Wonder Woman schon ein echter Labsal für die Hose. Äh. Seele.

Spaß auf der Castingcouch: Wonderwom’iger als Gal Gadot kann man wohl nicht mehr werden. Allein ihr Lächeln würde selbst das versteinerte Herz von Kollege Klap (falls vorhanden) zum Schmelzen bringen und ihre allgemeine Bildschirmpräsenz erinnert durchaus an eine Lucy „Xena“ Lawless. Hach, jaaa!
Zeit für Mini-Gefühle: Nach all den atemlosen Action-Spektakeln der beiden Comic-Filmstudios ging man es hier auch mal etwas ruhiger an. Manchmal spricht man sogar einfach mal miteinander, ohne dass eine Sekunde später der halbe Block explodiert. Eigentlich eine selbstverständliche Sache, aber durch den heutzutage großen Einfluss der ADS-Lobby doch mal eine Erwähnung wert.
Fiesfleisch aus der Dose: Gnaaah. Ist das denn wirklich so schwer, dem Gegenspieler mal ein paar einprägsame Merkmale ins Drehbuch zu schreiben? Dieser soll ja nicht rund um die Uhr Shakespeare rezitieren (das gab es nämlich schon), aber ein paar originelle Motivationen und Sprüche sollten schon drin sein. Phrasen wie „Die Menschheit hat ihre Zerstörung verdient!“, „Ich werde eine neue und bessere Welt schaffen!“ oder „Alle doof, außer mich!“ kann man sich nur so oft anhören, werte Herren DC und Marvel.

„Ha, diese doofen Deutschen haben sich sofort aus dem Staub gemacht, als sie uns gesehen haben. Gute Arbeit, Team!“ – „Endlich ist dieses Dorf wieder sicher. Es wird bestimmt Monate dauern, bis die Öffentlich-Rechtlichen hier wieder neue Tatort-Folgen produzieren lassen. Oder noch schlimmer… SOKO!“ – Know-HAU! Der Indianer (zweiter von Rechts) guckt übrigens so dankbar, weil man ihn aus dem Konzentrationslager eines deutschen Wild West Laientheaters gerettet hat. Besser bekannt als die Karl May Festspiele in Elspe.

Das Schulterzucken unter den Effekten: Das ging schon einmal besser. Deutliche Aussetzer konnte man zwar nicht erkennen, aber gerade wenn Wonder Woman schnell Platz für ihre digitale Kollegin macht, dann fühlt man sich schon ein bisschen in das letzte Jahrzehnt zurückversetzt. Besonders deutlich wird dies auch beim Endkampf, welchen man in dieser Form zudem schon Dutzendfach gesehen hat. Man rechnete wohl nie damit, dies einmal sagen zu müssen, aber das gegenseitige Fresse polieren unter Einsatz diverser Gebäude wird langsam doch etwas alt.
Kämpfe mit Frischesiegel: Neben dem Standard-Mampf aus dem Prügel-Rezeptbuch gibt es aber ein paar nette Hau-Häppchen. Schließlich ist die Back(pfeifen)-Mischung „Amazonen gegen 1. Weltkriegssoldaten“ noch ziemlich unverbraucht. Wenn Frau Woman sich durch schmutzige Gräben schlägt (Ha-ha!) kommt daher schon Spannung auf.

Fazit: Eine unterhaltsame Umsetzung der Wonder Woman Geschichte, wenn oft auch etwas arg unmutig erzählt. Aber dies ist ja aktuell ein sehr verbreitetes Phänomen, welches wohl auf die Innovationsangst der Studios zurückzuführen ist. Schließlich müssen die Anweisungen der patentierten Blockbuster-Erfolgsliste ohne Abweichung eingehalten werden. Dies erklärt wohl ein Endergebnis, bei welchem man nicht nur einmal an das Filmdebüt von Marvels „Captain America“ denken muss. Inklusive Finale mit großen Todesflugzeug, deutschem Oberfiesling und mutiger Begleitertruppe mit Multikulti-Bonus. Ist Alzheimer unter Hollywood-Autoren eigentlich sehr verbreitet?

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM


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Artikel

von Sparkiller am 03.09.17 in Filmkritik

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Kommentare (5)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Sehr schön zusammengefaßt. Man erträgt es einfach nicht mehr. Ich habe am Wochenende versucht, „Guardians of the Galaxy“ (Teil 1) eine zweite Chance zu geben, habe es aber wieder nur bis zur Hälfte geschafft. Dagegen wirkte der ebenfalls am Wochenende zum x-ten Mal wiederholte X-Men (Teil 1) noch immer originell.

    Diese extrem simpel gestrickten Stories und Charaktere, vor allem die eindimensionalen Bösewichte, sowie die inflationär eingesetzten CGI-Effekte, die jeden Film nur noch wie ein besseres Videospiel aussehen lassen, sind aus meiner Sicht unfaßbar langweilig. Aber warum etwas an dem Konzept ändern, solange auch der 50. Film dieser Art mindestens mittlere dreistellige Einspielergebnisse liefert? Die „Boah-Eys“ unter den Zuschauern werden niemals alle, sondern wachsen ständig nach. Spätestens seit den 70er Jahren ist der sogenannte „Boah-Ey!“-Film fester Bestandteil der Jugend, die wahrscheinlich 70% der Zuschauer dieser Filme ausmachen.

    Spätestens nach dem 2. X-Men-, Spiderman-, Batman- und Iron-Man-Film hatte ich jedoch das Gefühl, alles, was man in diese Richtung erzählen kann (nicht viel offenbar) gesehen zu haben.

  2. Re-Saulus sagt:

    Naja, lieber G.G., es gab schon ein paar echte Boah, ey Filme.
    Nennt man Sense of Wonder und sind rar gesät.

    Der erste Star Wars zum Beispiel.
    So märchenhaft, so einfach die Story und so gut die Umsetzung.
    (70er)

    Danach Blade Runner.
    Keine großen Weltraumschlachten, sondern pure Story.
    Philip K. Dick wurde gerade erst entdeckt.
    (80er).

    Dann kam erst mal lange gar nichts mehr.
    Tanzfilme, John Hughes Filme, nihilistischer Mad-Max Dreck.

    Und dann: MATRIX!!
    Nix mehr Boah ey, sondern „ja leck mich doch“
    oder auch wahlweise „ach du Scheiße, was‘ n
    das?“

    Und wieder eine laaange Pause.
    Gefüllt mit etwas AVATAR und bekloppter Marvel Scheiße.
    Und natürlich J.J. Lensflare, der grad mal eben Kirk & Co. neu erfindet.

    Alte Haudegen wie Sir Ridley Scott dienen sich dem Zeitgeist an und scheitern kläglich.
    Die jungen, hungrigen, noch unbekannten Regisseure werden ausgebremst.
    Könnte ja ein Reinfall werden.
    Oder der nächste Megaklassiker.

    Bevor hier irgendwas riskiert wird, erstmal die Schwänze einklemmen.

    Und so wartet die Hollywood-Regierung noch heute auf die göttlichen Eingebungen.
    (frei nach: Ein Münchener im Himmel)

    • Onkel Hotte sagt:

      Ich glaube es gab seit 2000 noch keinen CGI Film, der das Prädikat „Boah ey/Ja leck mich doch..“ verdient hätte, oder ?
      Ich meine, ich würde Peter Jackson’s „Herr der Ringe 1-3“ auf jeden Fall mit Bestnoten überziehen aber der Mund klappte nicht runter wie zuletzt bei „Matrix“.

      Liegt’s an CGI, daß wir denken „Och jo, ist halt mit Computer gemacht, keine Kunst“ oder gibt es in diesem Jahrtausend einfach keine Megakracher mehr ?

      „Avartar“ hatte als Bonus eigentlich nur den bisher unerreichten 3D Effekt. Zieht man den ab bleibt nicht viel übrig. Die BluRay schlummert seit 4 Jahren eingeschweißt in meinem Zimmer aber ich hatte einfach keine Lust gehabt, mir den mal in 2D anzuschauen.
      Wenn es bei „Avartar 2“ keine VR Brillen im Kino gibt, frage ich mich was Herr Cameron damit groß neues anstellen will. Aber ich lass mich gerne überraschen.

      Aus Langeweile habe ich mir übrigens den Film „Dantes Peak“ reingezogen. An einem Samstagabend. Damals fand ich den im Kino eher fad, keine fetten Lavatröme und so. Vulkanfilme waren eher enttäuschend für mich. „Volcano“ war OK aber das lag auch an Tommy Lee Jones. Die hätten mal besser Michael Bay rangelassen.
      Aber worauf ich hinaus wollte: Als im Showdown der Vulkan mal ordentlich gerülpst hat und die selige Stadt quasi weggepustet wurde habe ich mich echt über die guten alten Modell-FXs gefreut. All die schönen Explosionssplitter und Autos die wegfliegen. Sowas gibt’s heute ja nicht mehr zu sehen, weil Setarbeiten heute nur noch daraus bestehen grüne Tapeten festzutackern.
      Der Hype um Gal Gadot (auf 9GAG) ging mir übrigens ziemlich auf’n Sack.

    • G.G. Hoffmann sagt:

      @Re-Saulus

      Ich wollte ja nicht sagen, daß es solche Filme nie gab oder gibt. Nur, daß man da irgendwie rauswächst (und nachfolgende Generationen hineinwachsen). Es gibt zwar auch unter aktuellen Action-/SciFi-Filmen immer wieder mal Perlen oder zumindest gute Ansätze (z.B. Edge of Tomorrow, Lucy). Aber die meisten dieser Filme verlieren sich spätestens im letzten Drittel in sinnlosen CGI-Einsätzen. Sämtliche Marvel-Filme sind ohnehin Schema F, selbst die hochgelobten letzten X-Men Filme. „Logan“ werde ich noch eine Chance geben. Aber 80% der Dialoge und Handlungen in diesen Streifen sind ja eher für schlichte Gemüter, bestenfalls für den ein oder anderen Schmunzler gut und nicht besonders kultverdächtig.

  3. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ich fand WW viel besser, als die meisten anderen Marvel Filme.
    Und Gal Gadot ist als Kriegerin authentischer, als die meisten anderen Männer.
    (Ihr wisst warum.)

    Und wenn Ich auch Hotte meist zustimme, Avatar ist auch in 2 D ein recht guter Film.
    Ich persönlich kann mit 3D sowieso wenig anfangen.
    Ein guter Film braucht kein 3D und einen schlechten macht es auch nicht besser.
    Und Avatar funzt als Film, nicht wegen der Effekte.
    UNd das ist es auch was mir an den genannten Lucy, Matrix und Co gefallen hat. Die Effekte sind nice,
    ein guter Film braucht aber gar nicht viel davon.

    Matrix 2 und 3 hatten wesentlich mehr Effekte und waren die schlechteren Filme.(Punkt)

    Insgesamt ist WW ein recht guter Film, dem die von Kalpo angeregten Verbesserungen gut getan hätten.

    Gruß BergH

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