Film- und Serienkritiken

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„Life“ (2017) – Die öde Kritik zum Film mit dem kreativen Namen

Da der Film im Netz vorzugsweise mit „Alien“ und „Gravity“ verglichen wird, will ich gar nicht großartig ausscheren (Ich hatte eher den Beginn von „Species“ im Kopf, aber wer kennt sich schon gut mit miesen Filmen aus?) und bestätige hiermit die buckelige Verwandtschaft in den Genres der a) mordenden Single-Monstren und b) geschrotteten Raumstationen. Immerhin spielen hier 2-3 Stars mit. Und das ist – dem Filmposter zufolge – ja immer noch das Wichtigste.

INFORMATIONEN:

Regie: Daniél Espinosa
Jahr: 2017
Budget: 60 Mio Dollar

Poster
Die Keimzelle der Schleimzelle

Inhalt: Als die Crew der ISS eine Bodenprobe vom Mars untersucht, erweckt sie ein winziges Lebewesen aus seinem Winterschlaf. Doch alle sind nur so lange begeistert, bis das Wesen wächst und lernt, scharfkantige Laborgeräte ohne Bedienungsanleitung zu benutzen. Ist es jetzt schon zu spät, um bei der Bodenstation Kindersicherungen bzw. Erwachsenensärge zu bestellen?

Besprechung:

Dies eines dieser Werke, die man am besten besprechen kann, wenn man sie manisch mit anderen VERGLEICHT. – Sind die Versteck- und Rennszenen z.B. spannender als im Raumschiff von „Alien 2“ (Hier: weniger spannend), tricktechnisch besser als der Beginn von „Mission to Mars“ (deutlich besser!) oder blutiger als „Der Kindergarten-Cop“ (auf jeden Fall!) … ? Ja, „Life“ ist eben der ideale Film, um mit irgendwas verglichen zu werden. Möglicherweise auch die Schwanzlängen der Filmkritiker untereinander, wenn es darum geht, ob das hier alter Käse ist – der nichts neu macht – oder eben eine gute Formel modern aufarbeitet.
 

Ich zeige euch den Trailer nur, damit ihr ihn NICHT anseht. Die dreifache stumpfe Wiederholung von Kevin Spacey im Hintergrund („Das Leben, das wir kennen. Das Leben, das wir kennen!“) plus dem völlig unpassenden Einschub „Vielleicht müssen wir bei uns selbst ansetzen?“ wirkte auf mich jetzt nicht verkaufsfördernd. Oder wollt IHR hiernach neues Leben machen, äh, diesen Film schauen?

Auf diese Weise könnte ich den ganzen Tag weiter „rezensieren“ (düster wie „Moon“, aber weniger Hobbits als in „Game Of Thrones“), denn so richtig neu macht dieser Film in der Tat nichts – abgesehen davon, dass „Life“ die verfügbaren Fernseher-Pixel mit haufenweise Details und toller Ausstattung „volltankt“.

Es ist wirklich feini, wo wir visuell inzwischen im Kino angekommen sind, wenn man bedenkt, dass dieses Werk eher zum Preis von Ryan Reynolds Kaffeekassenfüllung gedreht wurde – tatsächlich sollte der Streifen erst nur 10 Millionen kosten und verteuerte sich u.a. durch die nachträgliche „Be-Star-ung“ auf immer noch popelverdächtige 60 Millionen Dollar. Trotzdem dachte man hier an die wertigen Effekte – zum Beispiel in der Schwerelosigkeit: Selbst wenn alle angeschnallt sind, schweben Tränen, flattern Gurte und dreht sich die Kamera zu der spontan einsetzenden Schnitt-Sommernacht (= wenig Schnitte; das Gegenteil vom sogenannten „Schnitt-Gewitter“)… Optisch gibt es also nur für diejenigen überkritischen Zuschauer etwas zu meckern, die bereits auf der ISS geboren wurden – und dort mindestens ihren Abi-Ball hatten.

„Ist unser Wesen nicht wunderschön?“ – Äh, das Alien ist nebenan. Sie haben nur das Frühstück von Veganer-Uschi auf den Objektträger gelegt.“ – Der Titel „Life“ ist möglicherweise etwas unpassend. Das wäre in etwa so, als würde man eine Liebeskomödie einfach nur „Romantik“ nennen. Und außerdem wird es am Ende des Films auf der Station alles geben, nur nicht das nette L-Wort. – Vorsicht, Spoiler!

 
Die Entwicklung des Aliens befindet sich ebenfalls auf der üblichen schulischen Laufbahn: Erst ist es klein und niedlich, kann mit dem Handschuh gestreichelt und mit dem Elektroschocker gekrault werden, bevor es dann – wie im Weltall üblich – innerhalb von Minuten das zig-fache an Größe zulegt. Natürlich wird es dazu auch noch superklug, superflexibel, superschnell, super-hitzeunempfindlich und das Vakuum macht ihm auch nicht wirklich viel aus – auch wenn die Crew beharrlich das Gegenteil behauptet. Letzteres ist aber eh egal, denn im Zweifel steht in der Station immer irgendeine rettende Klappe auf, die dem frechen Tintenfisch als Dramaturgie-Brandbeschleuniger und Sauerstoff-Be- oder -Entschaffer dient. Mal muss was entlüftet, irgendwas nachgeschaut oder einfach nur gezünde(l)t werden – ZACK, schon ist der Lauser wieder woanders und killt einen/eine Astronaut/in nach der/dem anderen.
 
Einerseits ist jede dieser Alienfähigkeiten sehr nützlich, um die Story (und Bedrohung) voranzubringen, andererseits hat das Schweizer Taschenmesser unter den Kreaturen dadurch aber keinen rechten Schwachpunkt, keine Persönlichkeit. Bei ALIEN war allein die Säurefähigkeit schon extrem besonders (hier: starke Muskeln, aber auch flutschig-weich), dazu kamen die spinnenartigen Facehugger (hier: Vermehrung durch Zuckertropfen auf’n Zellhaufen). Da kann „Life“ mit seinen Talenten aus einem ausgelutschten Biobuch natürlich nicht mithalten, versucht es allerdings auch gar nicht erst… Immerhin: Überladen kann man eigentlich nichts an diesem Film nennen.
 
Doch wenn das beinharte Beinfresser-Biest z.B. zum vierten Mal zur richtigen Zeit durch den genau richtigen Spalt schwabbelt, kann das Spielchen durchaus etwas ermüdend werden. Vor allem, da der Ort (Station), Mitarbeitermenge (alle halbe Stunde einer weniger) und das allgemeine Vorgehen (Sachen reparieren, sich in den Pausen verstecken/abschotten) jetzt nicht viel Varianz bieten. Manch einer wird sich eh fragen, wo die planetengroßen Explosionen bleiben: Wird am Anfang noch mit kleinen Flammenwerfern hantiert, werden am Ende eher Ritzen mit Plastikfolie verstopft. Einerseits erholsam für die Sinne, aber für 18-Jährige oben (und unten) herum eventuell nicht stimulierend genug.

„Jaaa, guuut. Und jetzt die zwei Hälften der Schubdüsen zwischen den Sonnensegeln-Splittern hindurchmanövrieren und die Schiffshülle zu maximal 2,4 Zentimeter durchstoßen.“ – Einparken für Querlenker: Andockmanöver im All waren schon immer eine diffizile Angelegenheit. Vielleicht hätte die entspannende Weltraummusik aus „Gravity“ ja bei der Konzentration geholfen?

Doch alle Negativpunkte sind gar nicht sooo schlimm – da hilft es wirklich, sich vorher „Alien Covenant“ angesehen zu haben. Die Story wirkt in „Life“ solider als ein Schneckenskelett und will auch nicht mehr sein, als sie ist. Zwar wird am Rande angemerkt, dass es auch um die Themen „Großartigkeit des Lebens“ und „Verantwortung“ geht (vor allem im Marketing, wenn ich mir den Trailer anschaue), jedoch werden alle Gedanken dazu nur dem Zuschauer überlassen, der noch Bock auf Kindergarten-Philosophie hat. Auch minutenlanges Gegreine oder unprofessionelles Diskutieren, damit auch der letzte Hauptschüler einen Feuerlöscher von einem Erdorbit unterscheiden kann, das gibt es hier kaum. Genau so wenig wie eine Liebesgeschichte oder das ermüdende „Wer ist hier der Boss?“-Gelaber, das uns woanders oft einen Mehrwert-durch-Beschwerwert bieten soll.

Hier muss die gelungene Stimmung genügen, das angenehm-unterkühlte Schauspiel von Jake Gyllenhaal und die intime Szenarie. Das tut sie dann auch – allerdings nur, wenn man vorher die Transformers-Actionfiguren vom Regal nimmt.

Das CGI ist in den meisten Sequenzen übrigens durchaus gelungen, auch wenn die eine oder andere Handpuppe oder Klebekralle aus dem YPS-Heft nicht geschadet hätte. Oft vergisst man aber einfach, dass die Animatoren das krabbelnde Biest nachträglich auf die Körper „kleben“ mussten. Da gibt es auch heute noch ganz andere Filmwerke (komischerweise alle von Marvel?), bei denen innige Streicheleinheiten zwischen Mensch und Computerabbild eher wie eine Reise in eine substanzlose Geisterwelt wirken.

Die Tode der Crewmitglieder sind teilweise grausam, aber nicht so explizit, dass man sich darüber in den Schlaf (oder in irgendeinen einen anderen Zustand) weinen musste. Gerade die Kombination „Schwebendes Blut“ und „Hauptschlagader“ hätte andere Filmschaffenden schnell mal übertreiben lassen. So bleibt es aber bei ein paar fliegenden Glitschi-Bällen, mit denen die Klimaanlage bzw. der wegschnippelnde Cutter ganz gut fertig werden.


 
Fazit: Wer keinen Christopher-Nolan-verdächtigen Anspruch an die Tiefgründigkeit hat, sollte sich grunzsolide (kein Rechtschreibfehler) unterhalten fühlen. „Life“ ist eben ein Kreaturenfilm der alten Schule, der dankenswerterweise auf flötespielende Androiden und strunzdoofe Origin-Geschichten verzichtet. Da bleibt am Schluss nur die Frage, warum die Crew sich nicht mehr Sorgen um jedes Bisschen fremde Biomasse an Bord machte. Konnte nicht jede einzelne Zelle(!) des Wesens zu einer neuen Kreatur werden, wenn die DNA auf ein Marmeladenbrötchen klatscht?
 
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Artikel

von Klapowski am 12.08.17 in Filmkritik

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Kommentare (4)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Danke für den Hinweis. Nie gehört! Will von mir unbedingt gesehen werden! Scheint mir genau das Richtige, wenn man nach einem langen Tag beim Heute-Journal ermattet eingeschlafen ist und sich plötzlich wieder topfit fühlt, weil das „Montags-Kino“ uns mit einem drittklassigen SciFi-Thriller (Worldwar Z, Battleship) zu begeistern versucht und man noch „kurz“ bis 0.30 Uhr hängen bleibt.

  2. Cronos sagt:

    Hey, vielleicht ist das neue Star Trek doch nicht so schlecht, wenn man es mit diesem Film hier vergleicht. Immerhin machen die Klingonen auch gerne andere Leute tot.

  3. Gumril sagt:

    Der Film war nicht schlecht auch wenn die Beleuchtung auf er ISS wohl auf billig LED umgestellt wurde. So viel Schatten hat es da bestimmt nicht ;)

  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Habe den Filmgestern gesehen und muss sagen:

    Öhhhhhhhhhhhhhh, nee schllcht war er nicht.

    Für mich ein bisschen zuviel Splatter beim ersten Toten, sonst sehr stimmig, bis auf den Schluß,
    der war mit der Elektrolanze herbeigeschockt.

    Schließe mich der Bewertung an.
    Und für das bisschen Geld ein echt gelungener Film.

    Gruss BergH

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