Film- und Serienkritiken

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Es wird feurig geflogen: Kritik zu den „Serenity“-Comics (Gastartikel)

Genau so muss es sein: Onkel Klapo hat keine Zeit, außerdem bald Urlaub und platte Füße, da kommt pünktlich einen Monat VORHER ein Gastautor um die Outlook-Ecke und liefert ein Review zu den Firefly-Comics ab. Nach vier Wochen Aufschieben dieses Artikels („Ich muss ihn nicht schreiben, ABER es fehlen noch BILDER, waah!“) soll er hier also seine Premiere feiern. Ich persönlich denke, dass wir hier gerade den zweiten Kinofilm und das geplante Ende der ersten Staffel anstoßen. Für irgendwas muss all MEINE Arbeit doch gut gewesen sein?! (Vielen Dank an den Leser Halbnerd für alle weiteren Zeilen)

Ein Gastartikel von Halbnerd

„Firefly – der Aufbruch der Serenity“ war der Titel jenes gelungenen Western- / SciFi-Hybriden von Joss Whedon. Ähnlich wie der Mythos von der alten Goldgräber-Schlucht geistert die Serenity mitsamt ihren Figuren seitdem immer wieder mal umher. Denn obwohl nach nur einer Staffel beendet wurde, war sie trotzdem erstaunlich langlebig. So wurde 2005 noch der Kinofilm hinterher geschoben und diverse Fan-Artikel sind immer noch zu bekommen. Ich etwa liebe mein „Blue Sun“-Shirt.

Nun erschien vor einiger Zeit eine Comic-Reihe, die bis jetzt drei (deutsche) Bände umfasst. Abermals dürfen also die schwenkbaren Düsen der alten Mühle aufheulen.

Vorab: Bitte die folgenden Meckereien nicht falsch verstehen. Als Fan habe ich mich über jede Seite wirklich gefreut, denn so etwas wie hier ist wirklich selten. Dennoch möchte ich möglichst halbwegs objektiv an die Werke herangehen.

Band 1 – Zwischen den Welten

Der Comic umfasst zwei Geschichten, welche alle während der Serie spielen, soweit ich das einschätzen konnte. Das Joss und Zack Whedon hier mit dabei waren, ist sehr schnell klar, denn starke Dialoge findet man an vielen Stellen.

In „Bessere Zeiten“ kommt die – mal wieder gejagte – Firefly-Crew unverhofft zu Geld.  Sexszenen und chinesische Sprechblasen lassen zudem das typische Firefly-Feeling aufkommen und sogar der Held von Canton darf wieder seinen Mythos ausbauen. Diese Story ist mein persönlicher Favorit des ersten Bandes, denn in großen Panels sieht man, was die Figuren mit den Geld zu tun gedenken. Absolut herrlich! Gegen Ende verliert man sich zwar etwas in Robo-Action, aber das tut dem schönen Wiedersehen mit alten Freuden keinen Abbruch.

In „Die Zurückgelassenen“ geht es dann um Agent Dobson (aus der ersten Folge), der von den „Hands of blue“ genutzt wird, um die immer noch gesuchte Serenity zu finden. Ja, das das Auftauchen der sinisteren Agenten, mit dem fiesen „Ich-lasse-dich-verbluten“-Stift ist mehr als gut inszeniert. Die gesuchte Crew ist indes mal wieder in einen dubiosen Auftrag verstrickt, der sich aber als Falle erweist.

Band 2 – Blätter im Wind

Der 2. Band schließt an den ersten storytechnisch an. Man nutzt alle Ecken des Versums (so nennt man es dort), um mehr über River und ihre Herkunft zu erzählen. Leider wird es hier etwas schwächer mit der Handlung, denn man lässt einfach zu viele Figuren auftauchen, die man aus der Serie kennt. Irgendwie könnte man meinen, das Firefly-Versum wäre nur 10 m² groß – wie damals die Insel aus Lost. Es wirkt mit Early (den angenehm irren Kopfgeldjäger der letzen Episode – übrigens wie die Serie nicht totzukriegen) und dem Operative (der schwarze Schwertschwinger aus dem Film) etwas überfrachtet. Die Story bietet aber neben den Actionszenen auch etwas fürs Herz, denn Zoey’s Schwangerschaft ist ein zentrales Element der Handlung.

Am Ende des Bandes findet man noch „Es ist nie leicht“. Eine etwas lieblose Geschichte über einen Typen, der Serenity stehlen möchte, dabei aber eine Meinungsverschiedenheit mit River hat, die schlecht ausgeht – für ihn. Der Zeichenstil ist recht unbeholfen, was die Story umso vergessenswerter macht. Ganz zum Schluss gibt es noch einige schöne Artworks für den geneigten Fan, insgesamt ist der zweite Band etwas schwächer, denn die Wiedersehensfreude ist verflogen und man erkennt mehr Mängel in der Ausführung. Unabhängig davon ist die nun geklärte Herkunft von River’s Problemen und Fähigkeiten interessant, wenn auch wenig überraschend.  

Band 3 – Shepherds Geschichte

Erinnert sich wer an den Shepherd? Jenen Priester mit einer dunkelgrauen Vergangenheit? Endlich wird hier geklärt, was der Mann alles durchhatte. Diese Story ist mein klarer Favorit und lässt den abermals geänderten Zeichenstil schnell vergessen. In mehreren Rückblenden, die chronologisch nicht sortiert sind und erst am Ende sinnvoll zusammengefügt werden (können), erfährt man von seiner schweren Kindheit, seiner kriminellen Karriere, der Nähe zu den Browncoats und von der Zeit als Maulwurf bei der Allianz. Schlussendlich wird eine der schwersten Niederlagen der Allianz durch ihn zustande gebracht. Dieses bewegte Leben bietet aber keine Erfüllung. Nein, tatsächlich muss er sich von einer Schale Hühnersuppe erleuchten lassen, die ihn zur Kirche bringt. Das klingt alles etwas irre, ich weiß, aber es funktioniert vollkommen. Die Fragmente seiner Vergangenheit passen zu der Zerrissenheit der Figur und schlussendlich vermisst man diesen Mann sogar noch mehr, wenn man begreift, welche Kette von Ereignissen ihn zu den Menschen machte, der er war. Hier werden alte Serienqualitäten erreicht und überboten. Zumindest den dritten Band kann ich Fans sehr ans Herz legen.

Es gibt noch 3 Kurzgeschichten im Gepäck:

Andere Hälfte – eine kurze Jagd mit Reavern, die aber wenig in Erinnerung bleibt.

Auszeit – Jane fängt sich einen Tripper ein und River färbt etwas Schnee rot, irgendwie nichts, was ich gebraucht hätte.

Treibgut – hier berichten Freunde von Wash über den bereits Verstorbenen. Eine nette, persönliche Geschichte, die mit einer schwangeren Zoey endet. Ebenfalls nicht weltbewegend, aber das sollen die kurzen Schnipsel sicherlich auch nicht sein.


Persönliches Fazit:

Die drei Comics haben sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen, aber insbesondere der dritte Band lohnt sich. Leider sind sie, wie auch schon der Kinofilm, starker Fan-Service. Wer das Firefly-Versum nicht kennt, der ist hier sehr verloren. Ich selbst musste einen Marathon starten, um alle Anspielungen und Figuren einordnen zu können. Die Preise sind natürlich happig (ich hatte das Glück, sie von einem Freund zu bekommen, der Comics sammelt), wenn man bedenkt, wie schnell man einen Comic durch hat, doch den wahren Fan wird das wohl nicht schrecken. Irgendwie sind die Werke dann doch wie eine Kneipenschlägerei: Eigentlich unvernünftig, doch manchmal braucht man doch genau das.
 


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Artikel

von Klapowski am 15.07.17 in Das Test-Labor

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Kommentare (3)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Firefly, die Serie und der Film, waren für mich als SF-Fan natürlich ein absoluter Pflichtkauf. Sogar auf Bluray. Hier wurde Gerüchten (und Sheldon Cooper) zufolge eine potentielle Kultserie nach einer Staffel völlig zu Unrecht vorzeitig abgesetzt! Leider könnte ich keine einzige Figur mehr mit Namen benennen. An den Film habe ich keinerlei Erinnerung, könnte die Handlung nicht einmal in gröbsten Zügen beschreiben (Raumschiff? Weltraum? Planet?). Ich fand dieses Wild-West-im-Weltraum-Konzept eher öde und kann die Absetzung nachvollziehen. Die einzelnen Episoden waren langatmig und die Charakterzeichnungen unausgereift. Altbackener Erzählstil, zu wenig nackte Haut und ein Universum ohne jede Struktur, in dem niemand leben möchte. Und das war die aufgeschlossene Sichtweise.

    Ich sehe wirklich keinen Grund, mich auch noch durch drittklassige Romane zu dieser Serie zu quälen.

  2. Cronos sagt:

    Keine Ahnung ob das eine Kultserie ist. Ich fand daran auch nichts besonderes. Aber Comics an sich mag ich gerne. Und die hier sind nicht die Schlechtesten.

  3. Susan sagt:

    Das es zu Firefly Comics gibt, hätte ich echt nicht erwartet. Was für eine Überraschung! Ich habe die Serie letztes Jahr zum ersten Mal gesehen. Sehr liebenswerte, interessante Charaktäre, bei denen auch die Chemie gestimmt hat.
    Die Stories waren – wie üblich bei ersten Staffeln, hit or miss, aber im Großen und Ganzen schon ganz fein – was mit Sicherheit auch am augenzwinkernden Humor liegt. Die Serie hat sich selbst nicht allzu ernst genommen. Was bei Wildwest im Weltraum jetzt auch nicht sooo schwer fällt! Vieles am Setting war leider etwas Wage gehalten, aber um das weiter auszumalen wäre in späteren Staffeln auch noch Zeit gewesen. Leider kams nicht dazu.
    Ich glaube außerdem das Firefly die erste SciFi-Serie war, die wackelige Kamera und Lensflares eingesetzt hat. Und wohl die Einzige, wo das geschmackvoll geschah und nicht fürchterlich ausgesehen hat (looking at you, JJ).

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