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Star Trek DS9 – 1.10 – „Die Nachfolge“ Review

Irgendwann musste es passieren: Eine reine Spaß-Episode in den Reihen der Ferengis, die bekanntlich so geldgierig und geizig sind, dass sie sich nicht mal eine vorteilhafte Gesellschaftsstruktur leisten können. Erst im Laufe der Serie werden die Aktionäre… äh, die AKTEURE lernen, dass Frauen auch konsumieren sollten, dass Wissen durchaus Vorteile haben kann und dauerhaft(!) beknacktes Verhalten irgendwie der Formel „Zeit ist Geld“ zuwider läuft.

Um den Kapitalisten unter uns keine Zeit für’s Baby-Fressen zu stehlen, hier gleich in einem Satz: Die Folge leidet an der generellen Unglaubwürdigkeit des Konzepts – wenn man sie denn überhaupt ernst nimmt.

Dass der mächtigste Ferengi mit nur zwei „Bewachern“ (Schießbudenfiguren mit Bewaffnungs-Defizit, auch schädelinhaltstechnisch) auf der Station auftaucht, ist schon ziemlich schwer zu schlucken. Aber dass der Oberste Oberstübchengeschädigte die Bar von Quark für eine Konferenz „braucht“, statt einfach ein dickes Schiff andocken zu lassen, ist … sehr … *Finger gegen Schläfe drück*

Okay, am Ende war alles ja nur ein Ablenkungsmanöver, um einen Nachfolger zu be- oder entstimmen, um ein Attentat zu verhindern bzw. heraufzubeschwören. Die „Überraschung“ war halt, dass der reichste Mann auf Ferenginar gar keinen dahergelaufenen Schnapsverteiler benötigte, sondern einfach einen „Rest-Twist-Verwerter“. Doch auch nach den rundum aufklärenden Schlussworten blieb ein Gefühl in mir, dass wir gerade Donald Trump gesehen haben, der einen beliebigen Pommesbuden-Besitzer in Israel aufsuchte, um den Nahost-Konflikt zu lösen. Äh… Wobei DAS für Donald jetzt nicht gerade abwegig klingt?

„Quark ist der einzige, der mir helfen kann!“ – „Aber warum denn, großer Nagus?“ – „Äh… Ja, warum, Quark?! Warum können sie mir helfen? Warum bin ich hier? Antworten Sie, sonst gibt es eine Erinnerungsschelle!“ – Hinterfragen verboten: Wer das noch nicht seltsam findet, darf sich gerne die Queen vorstellen, die einen armen Kioskbesitzer täglich mit „Wieso haben Sie eigentlich keinen Tee?!“ drangsaliert.

Alles für den Gag – Die Ferengi-Gesellschaft ist natürlich als Comedy-Gold konzipiert. Dass man z.B. nicht lernen(!) und generell nix wissen sollte, um Profit zu machen, ist auch (und gerade) für Kapitalisten Schwachsinn. Da wäre es fast logischer, Omas in Öfen zu verheizen, um Energiekosten zu sparen. Und das Konzept der am Rande stattfindenden Lehrveranstaltung (= „Leute bescheißen, bis sie einem wieder vertrauen“?) ist vielleicht etwas zuuu platt gewählt? Aber gut, es bleibt eine gewisse Verzinsung der Restlustigkeit übrig…
Anschlag macht Ausschlag – Auch in einer reinen Spaßepisode würde man 2017 einiges anders machen. Zum Beispiel bei dem Anschlag auf Quark, der die einzige „Action“ der Folge ist. – Zwei Sekunden gebückt, Miniexplosion, Schnitt: Odo steht rum und hat braune Sachen an. Laaaahm! Archer hätten sie vor dem Anschlag wenigstens noch entführt und bei J.J.-Trek wäre Bajor zufällig mitexplodiert!
Simpel gestrickt – Okay, ich will nicht verhehlen, dass manche Dialoge, so unlogisch sie auch waren, durchaus Freude brachten: Wie Quark seine neuen Untertanen ständig beim Lügen und Schleimen erwischt, sich aber keiner böse ist, weil’s quasi der Knigge-Standard dieser Gesellschaft ist, das war schon amüsant. – Make Ferenginar great again!
Macht Gold dran! – Der Episode hätten ein paar weitere Requisiten-Statussymbole gut getan. Okay, der Gehstock ist toll und die vergessenen(?) Spinnenweben in den Ohren des Großen Nagus verdienen den einen oder anderen Zoom auf die ollen Eierköppe. Aber sonst hat der alte Zausel nichts dabei, was seiner würdig wäre. Ja, sogar seine Klamotten sind Durchschnitt. Hätte jemand ihm einen goldenen Stuhl hinterher getragen (oder eine ebenso glänzende Dirne), alles wäre schon viel „greifbarer“ (vor allem die Dirne) gewesen.

„Und, Quark? Wie fühlt man sich so als Großer Nagus?“ – „Ich sitze immer noch in dieser Bar, die Medienberichte zu meiner Ernennung glänzen durch Abwesenheit und alle meine Berater sind Geistesgestörte. Kurzum, ich kenne kein Oberhaupt unserer glorreichen Kultur, das jemals mehr erreicht hätte!“ – Hoch… Hohlkultur: Eine kleine Krönungszeremonie (Goldbarren an den Kopf werfen oder so) hätte sicher geholfen. Äh, ich wüsste nur nicht, bei WAS genau.


Fazit: Die Episode macht höchstens Spaß in dem Sinne, dass auch WIR ganz allgemein Spaß haben, wenn wir Kindern zusehen, die sich beim Kasperletheater beömmeln. Die Handpuppen an sich sind einem natürlich völlig Latte, doch der Aufwand der Puppenspieler, das selige Lachen auf den Gesichtern der Kids, die den Scheiß gut finden… Das ist schööön…

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Klapowski am 17.06.17 in Star Trek - Deep Space Nine

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Kommentare (8)

  1. Susan sagt:

    Die (nach)Folge ist zwar etwas doof, hat aber doch ihren Charme. Immerhin war es eine der ersten (oder die erste?), wo man etwas mehr über die Kultur der Ferengi erfahren hat. Leider hat man es im Laufe der Serie damit etwas übertrieben ;)
    Von dem her sehe ich die Folge etwa so wie die frühen Worf-zeigt-uns-klingonische-Brauchtümer-Episoden. Die fielen auch im Lauf der Zeit ziemlich ab.

  2. Cronos sagt:

    Die Folge war sicher doof, schon damals, aber Ferengi fand ich trotzdem immer lustig. Jedenfalls damals. Daher hat mir die Folge ganz gut gefallen.

    • Susan sagt:

      Ja, die haben DS9 mit Sicherheit aufgelockert mit ihrer blinden Habgier. Sie sind irgendwie menschlicher, als die eigentlichen Menschen im Star Trek Universum ;)

    • Cronos sagt:

      DS9 war ja später recht düster für ST-Verhältnisse. Und es gab manchmal Humor. Die Ferengi blieben aber irgendwie immer ziemlich doof. Erst später wurde es ernst, als z.B. Noog (oder wie die Nervensäge hieß) im Krieg ein Bein abgerissen wurde. Na ja, leider haben sie am Ende Rom zum neuen Nagus gemacht. Schade das ihnen keine bessere Lösung eingefallen ist. Im Spiegeluniversum haben sie den Kerl ja an ein Schott genagelt. Aber so was passiert im echten Universum ja nie. ;)

  3. Donald D. sagt:

    So übertrieben hat man es auch nicht. Das waren ja nur ca. drei bis vier Episoden pro Staffel, wenn überhaupt. Und noch etwas: die Habgier der Ferengi soll ja auch die Habgier der Menschen des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Nicht umsonst wurde das Wort „Ferengi“ vom Farsi-Wort „fereng“ abgeleitet, was übersetzt „Franke“, „Europäer“ oder „Westler“ heißt.

  4. G.G.Hoffmann sagt:

    Während die Menschen natürlich höchst komplexe Wesen mit tausenden von Kulturen, Sprachen und individuellen Vorlieben, Stärken und Schwächen sind, fiel die Charakterzeichnung von Außerirdischen in Star Trek immer sehr eindimensional aus.

    a) Grundsätzlich gibt es auf fremden Planeten nur zwei Kontinente oder „Provinzen“. Die haben dann auch keine Eigennamen, sondern heißen nur „der/die nördliche/südliche Kontinent/Provinz“

    b) Die Kultur der Erde kennt tausende Sprachen, auf fremden Planeten haben sich höchstens drei Sprachen entwickelt, die auch nur als „Dialekte“ bezeichnet werden.

    c) Planetenweit herrscht auf anderen Welten die gleiche Kultur. Da hat sich kein 1,52 Meter großer armenischer Zottelbart mit merkwürdigem Hut und wettergegerbter Haut neben 1,88 Meter großen weißen Blondinen mit großen Brüsten entwickelt, sondern alle tragen die gleichen Klamotten, gleichen Frisuren und meistens auch die gleiche Hautfarbe und Gesichtssymmetrie.

    d) Grundsätzlich alle Klingonen sind wilde Krieger und alle Ferengi geldgierige, geile Zwerge. Die Komplexität von Fächern wie „öffentliche Verwaltung“ oder „theoretische Physik“ legt aber die Vermutung nahe, daß eine hochentwickelte Gesellschaft wohl überwiegend aus bebrillten Nerds bestehen muß, die eher weniger Zeit für das Ausleben ihrer niederen Instinkte haben, sondern sich mit komplizierten wissenschaftlichen Fragen auseinandersetzen müssen, um so etwas wie Raumfahrt überhaupt zu ermöglichen. Zwar hat man in späteren Folgen von TNG, DS9 und VOY dieses Problem angeschnitten. Aber ein Akademiker auf 10.000 Idioten dürfte nicht ausreichen, um langfristig gesellschaftlichen und technischen Fortschritt zu sichern.

    Gerne sähe man daher mal eine klingonische Computerchipfabrik oder eine Technische Universität der Kazon. Mitunter entsteht der Eindruck ein Warpantrieb sei in der Zukunft so etwas wie ein Smartphone: kann jeder Depp sich leisten und bedienen. Und je größer der Depp desto reger die Nutzung.

    • Susan sagt:

      Ja, Star Trek – zumindest die Serien – blieben da immer etwas arg skizzenhaft und klischeebeladen. Aber was konnte man auch erwarten von TV der 80er und 90er? (TOS lass ich mal der Rücksicht halber raus^^).
      Man hatte sicher nicht das Geld und vor allem die Zeit (oder das Interesse), um glaubhafte, vielschichtige Aliens-of-the-week zu konzipieren. Die Leute haben es auch so akzeptiert. In Sci-Fi Literatur ist das viel einfacher. Beschreiben geht halt leichter als zeigen. Von dem her find ich das zwar nicht großartig, aber auch nicht fürchterlich. Es hat immerhin gereicht, um gute Geschichten zu erzählen. Also zumindest in den guten Folgen ;)
      Und wir haben immerhin in TNG mal nen Ferengi und ne Klingonin als Wissenschaftler gesehen. Es gibt bei beiden also schon eine intellektuelle Parallelgesellschaft. Nur bekamen wir sie selten zu Gesicht.^^
      Ich denke, da viele Folgen als Parabeln auf heutige oder zukünftige Probleme gedacht waren, war das auch soweit ok, wenn die Aliens nicht allzu viel Tiefgang hatten. Sie waren halt nur so weit entwickelt, wie es nötig war, um die Geschichte zu erzählen. Es hat dann angefangen nicht mehr so recht zu funktionieren, als die Aliens gar zu eindimensional wurden und die Drehbücher zu schlecht also Voyager.

    • Onkel Hotte sagt:

      Die Serien aus den 70/80ern wurden den Studios zu teuer. Jede Folge mindestens ein Auto crashen oder Hubschrauber, Motoräder oder dicke Trucks fahren/fliegen zu lassen wollte sich keines mehr leisten, daher ging man immer mehr zu Studioaufnahmen über. Mit etwas GLück gab es mal hie und da eine Aussenaufnahme, aber meist wurde nur generisch auf Strassenschilder oder Bauten gezoomt um sich vorzustellen, wo das jetzt spielen möge.
      Von daher konnte auch Star Trek nicht aus diesem Korsett ausbrechen. Als dann die CGI ins Fernsehen kam hat man leider vergessen das frei gewordene Budget in Drehbücher einfliessen zu lassen.

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