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Kurzkritik: „10 Cloverfield Lane“ – Es wird nicht mehr gewackelt!

Wie, keine Wackelkamera mehr? Gut für meinen Magen, der in dieser Hinsicht ein echter Kulturbanause, ach was: -RABAUKE ist! Aber eigentlich sollte man über diesen Film weniger wissen als über die Unterwäsche der eigenen Großmutter – weswegen ich auch fast nichts über den Inhalt verraten werde. Denn nur wer völlig ohne Erwartungen reinschaut, der kann am Ende behaupten, zwei oder drei Male überrascht worden zu sein. – Was schon vier Male mehr als bei den letzten Werken von J.J. Abrams ist!

Okay, HIER ist er eigentlich nur als Produzent dabei, aber der obige Gag würde mit dem echten Regisseur nicht besonders gut funktionieren… Daher gleich zum Inhalt: Eine junge Frau hat einen Autounfall und wacht in einem Bunker wieder auf. Was sie da macht und warum sie da ist? Sie kann ja mal John Goodman fragen…?

„Oh Gott!! Das Ding ist ja riesig! Es hat … hat Dutzende Ausläufer und verströmt diesen seltsamen Geruch?!“ – „Fräulein, ich habe dir doch gesagt, dass meine Klospülung manchmal hakt. Und jetzt weiter! Ich will dir nicht den ganzen Tag beim Toilettengang zusehen – äh, glaube ich.“ – Rohruntergangsstimmung: Gut nur, dass der Hulk nicht mit im Bunker hockt.

Abwarten statt Erwarten – Wer sich gedanklich vom Gloverfield-Monster löst (was mein Psychologe nach meinem damaligen Tobsuchtsanfall eh empfohlen hat) und ohne Erwartungen an den Film rangeht, kann fast nicht enttäuscht werden: Man weiß schlichtweg nicht, ob man nun einen schrägen Thriller, eine dystopische Zukunftsvision oder John Goodmans (missglückte) Weightwatchers-Dokumentation sieht. Und solche Dinge mag ich ja. Beim ERSTEN Gucken reicht das oft…
Zwischen den Stühlen wühlen – Dialoge und Handlung gewinnen keinen Penny für die Originalität, sind aber erfreulich knackig und verkaufen einen selten für blöd. Selbst „Übergriffe“ zwischen den Figuren sind selten plakativ oder effekthascherisch. Ja, hier traf man genau meinen Fäkal-Nerv zwischen Mainstreamkacke und pseudointellektuellem Indie-Scheiß. Kot… äh… gut so!
Wir gehen Enden füttern – Es gibt da einen enthüllenden Moment auf dem Feld, wo man den Film fast schon hätte beenden können, statt eine Actionsequenz zu starten. Der Streifen hätte dadurch zwar den Durchschnittszuschauer zum Weinen gebracht („Aber … von Optimus Prime haben wir doch damals auch die Blutgruppe erfahren…?!“), wäre dafür aber mit einem schönen Schockmoment geendet. Mit den letzten zehn Minuten kann ich aber auch ganz gut weiterleben. MUSS ich ja.
Russisches Erwartungsroulette – Trotz des ersten Punktes weiter oben: Ich halte die Idee, den Film nach einem Wackelkamera-Unfall der Prä-“J.J. Abrams wird jetzt auch seinen letzten Fans zu oberflächlich“-Zeit zu benennen, für blöde. Denn dieses Werk KANN damit nur verlieren. Entweder, weil man ganz andere Erwartungen hat, oder weil man es gut findet und trotzdem die ganze Zeit an ein 100-Meter-Monster denken muss, das sich in einer Stadt versteckt(!)… Da wäre es sogar sinnvoller, einen alten Bud-Spencer-Film mit dem Titel „Bartmann – Geschlagen für die Liebe“ neu auf den Markt zu bringen.

„Wir können hier leider nicht raus, Gnädigste.“ – „Warum? Atomkrieg? Zombies? Killerviren?“ – „Nein, ich bin einer dieser Schönwetter-Fanatiker. Unter 18 Grad und zweimal die Woche Grillen macht das … da … oben einfach keinen Sinn, Schluchz!“ – Leiden Light: Es gibt auch viele schöne Dinge im Bunker. Zum Beispiel die Fotos von NICHT unheimlichen Gastgebern auf der Nachtkommode.


Fazit:

Kein Meisterwerk, aber wirklich nichts, für das sich irgendwer schämen müsste. Wäre das ein Indie-Film eines niedlichen 1-Meter-70-Studenten gewesen, er hätte wohl einigen Fame abgreifen können! – Okay, zugegeben: Diese Beschreibung passt schon fast exakt auf den Regisseur Dan Trachtenberg, doch wurde „Cloverfield Lane“ natürlich nicht als das wahrgenommen. Auch nicht von mir…

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von Klapowski am 21.04.17 in Film-Review

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Kommentare (4)

  1. Cronos sagt:

    Das Ende des Films bzw. die Action am Ende haben mir am besten gefallen. Davor war der Film auch ok, wenn man die Kinokarte geschenkt bekommen hat (so wie ich ;) ).

  2. NCRLM sagt:

    Sehr cool, Hr. Klapowski, sehr cool.

  3. Onkel Hotte sagt:

    Also hat dieser Film mit seinem namentlichen Vorgänger rein gar nichts gemein ? So wie „Far Cry 2“ mit „Far Cry“ (die Viedeospiele jetzt) ?
    Wäre tatsächlich fast schon ein Qualitätsurteil. Ich hoffe, die Filmindustrie lässt dieses seltsame labeln aber sein. Sonst geht man in „Terminator 6“ und bekommt „Twilight 4“ untergejubelt. Fragt sich, was schlechter ist.

    • Klapowski sagt:

      Ich finde es wirklich arm, dass man sich für dieses Titel entschieden hat. Denn abgesehen von irgendwelchen denkbaren Nerd-Diskussionen, WARUM das eventuell mit dem ersten Cloverfield zu tun haben könnte (vielleicht habe ich auch einen Link übersehen – von dem umgefahrenen Straßenschild mal abgesehen), würde ich da KEINE Gemeinsamkeiten sehen.

      Kannst du also unbesorgt gucken. Nur eben nicht zu viel erwarten. Ist schon eher ein Kammerspiel als ein „Rüttel-Viel“.

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