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Star Trek DS9 – 1.07 – „Der Fall Dax“ Review

WAS? Dax soll in einem anderen Leben Mord in einem Bürgerkriegslan… -planeten begangen haben? Das ist unglaublich! – Weswegen es außer den kritischen Nebendarstellern hier auch niemand glaubt. Wir sehen hier quasi die Episode „Wem gehört Data“ in der debilen Version für Hobbymediziner und Vertrauensfasler. Und um den Sack zuzumachen, geht es nicht mal um die Verhandlung wegen Mordes, sondern erst mal nur um die Möglichkeit(!) einer Auslieferung(!)… Gähn, 90er-Jahre-Trek at it’s Drecks.

Hier geht die Kritik schon mit Grundsatzfragen los: Okay, die anklagende Regierung stammt nicht von Trill, ABER hat sich vorher noch nie jemand Gedanken gemacht, wie man mit Schuldfragen und verpflanzten Persönlichkeiten umzugehen hat? Zwar fordert Sisko am Anfang von Kira „Grundsatzentscheidungen“ an, aber diese schien damit überfordert, Google oder die stationsinterne Unibibliothek zu bemühen. Vermutlich hat sie nur drei Bomben an den Server gelegt, wie sie es von früher kannte…

Ja, am Ende will man uns gar durch die Blume weismachen, dass eine Straftat bei einem „verwurmten“ Trill rechtlich nie (so richtig) eingeplant war und die gängige Rechtauffassung dieser Rasse (/bzw. der Föderation) dazu „Tja… Hmm… Alles neu macht der Mai?“ lautet. Im Ernst, es MUSS haufenweise Regeln dafür geben, wenn ein Mördersymbiont weitergereicht wird! Und wenn es nur auf alte Kniffe zurückgeht, die uns im Mittelalter geholfen haben, die Schuldigkeit von Hexen zu erkennen.

Und gilt der alte Mietvertrag auch für den nächsten Wirt? Garantieverträge? Rabattmarken? Führerscheine? – Alles noch nie geklärt, noch nie dagewesen?

„Mister Sisko, können Sie etwas zu Ihrem Freund Curzon sagen?“ – „Er war sooo gut! Er war nie ein Verräter … gewesen … worden sein! Er war… Schluchz… wie heißt doch gleich der klingonische Ghandi?“ – „Okay, tragt ihn raus und holt diesen Ferengi namens Rom. Der scheint mehr beitragen zu können.“ – Alter Heuler: Manche Dialoge sind so doof, dass auch mein Bandwurm einen Mord begehen möchte.

Mondpreise für Mordsreisen – Überhaupt halte ich das ständige Erfinden von muckeligen Mordanklagen gegen Trek-Charaktere für eher öde. Ob Riker, Tom Paris, Odo (kürzlich erst) oder jetzt Jadzia: Kein Zuschauer glaubt, dass am Ende jemand zu mehr als zu 7 Staffeln Langeweile verurteilt wird. Interessant wäre es nur dann, wenn die Figur davonkommt – und trotzdem etwas Schlimmes getan hätte.
Schöner Rückblick kann auch entzücken – Das Gerede über einen Bürgerkrieg, den wir nicht sehen, ist heutigen Zuschauern nicht zu vermitteln. Wir erleben keine Holoaufzeichnung, hören keine (plastische) Erzählung der Witwe des involvierten Generals, ja, bekommen lediglich ein läppisches Standbild(!) vom ollen Curzon Dax. Pfff, da erscheint 12-Jährigen sogar der Kosovo-Krieg greifbarer.
Alter Mann, was nu? – Die Gespräche zwischen Sisko und Dax wirken trotz krampfiger Anekdoten grausam gestellt: „HA,HA, HA! Wissen Sie noch, wie Sie mich damals warnten, nicht vor Wut immer in die Hose zu machen?“ – „Ja-Ha-Ha, Benjamin. Sie haben heute noch eine braune Unterhose an, ha-ha-ha!“ – Eben Charakterzeichnung der Marke Laternenpfahl, ganz unten.
Salz in der Suppe oder im Auge? – Wie Sisko stolz und blödmännisch davon faselt, wie man Salz wieder von Wasser trennen kann, um bildhaft zu beweisen, dass der Symbiont und Jadzia NICHT eine einzige (schuldige) Person sind, das hat schon was vom späten Donald Trump. – Also in der Variante ab 1975, um genau zu sein.
Hoh(l)es Gericht – Die Stimmung der kernigen Richterin mochte ich: „Ich esse zeitig!“ und „Ich habe keine Zeit, bin über 100 Jahre alt!“ waren nur zwei der besten Schenkelklopfer. Schade nur, dass die schön gestartete Anhörung immer wieder in grenzdebilen Zeugenaussagen versumpfte (Bashir: „Es ist sooo kompliziert, ich kann es unmöglich so erklären, dass es den Zuschauer mehr als einen Satz lang interessiert!“)

„Ich war mit Dax im … im … Bett, als alles geschah!“ – „HUCH!“ – „AAAH?“ – „Oh GOTT!“ – „Und nach dieser spannenden Auflösung am ENDE der Folge geht natürlich keiner davon aus, dass das gelogen sein könnte. Der Fall ist also geschlossen.“ – Scheißbudenfiguren: Die Fallhöhe der Episode entspricht der an einem abgesenkten Bordstein – mit Rampe für Rollstuhlfahrer.

Die Auflösung ist so bescheuert, dass man gleich zweimal hinhören muss, um sie … immer noch nicht zu raffen. Jadzia schwieg also, um das Ansehen einer ihr unbekannten(!) Witwe zu schützen, die vor Jahrzehnten fremdgevögelt hat? Und um das Andenken eines geschätzten Generals zu bewahren, von dem wir nur in zwei Sätzen hören, dass er ganz okay war, bevor er sein Volk verriet? Wobei letzteres niemandem gesagt wird, weil es die zarten Seelen der dortigen Bevölkerung traurig machen könnte? (Hallooo? Nazi-Aufarbeitung?) – DAFÜR hätte sie ihr Leben weggeworfen, das ihres Symbionten und die Reputation ihres Drehbuchautoren? – Okay, Letzteres war wohl nicht zu verhindern…

Die ganze Story baut auf einem Ehrgefühl auf, das so lächerlich überdehnt wurde, dass man es sich mit aufgeplatzter Leggins auf einer Parkbank vorstellen muss – 120 Kilo schwer und entsprechend atmend.


Fazit: Eine Gerichtsepisode für das „Jüngste Gericht“ (= Dreijährige), die nur dafür da ist, uns endlich zu erklären, warum Sisko die junge Busenträgerin immer mit „Alter Knacker“ anspricht. Hätte Jadzia gleich ausgesagt (niemand wäre sauer gewesen!), hätte alles in 5 Minuten vorbei sein können.

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Artikel

von Klapowski am 12.04.17 in Star Trek - Deep Space Nine

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Kommentare (2)

  1. Donald D. sagt:

    Und genau wegen solcher Elendsepisoden, taugen Staffel 1 und 2 fast nichts.

  2. DerBeimNamenNennt sagt:

    Naja, das mit den „Das Volk kann die Wahrheit nicht ertragen“, die Frage der personalen Identität von so etwas wie Symbionten usw., das sind interesante Zutaten für eine Mixur.
    In den Händen eines fähigen Autors (man denke an Lem, Dick oder, ähm, sagen wir Kafka) wäre daraus vielleicht eine großartige GEschichte geworden. Die integration in den Star Trek-Kosmos dagegen, da hat Klapowski recht, ist schwerer…

    Die Episode ist langweilig. Der Stoff wäre dagegen, wenn man ihn nur ein bisschen dreht, aktuell, vielleicht zeitlos.

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