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Kurzkritik: „Arrival“ – Anspruch nach Zahlen

Handlung: Riesige Raumschiffe erscheinen überall auf der Erde und schweben doof in der Gegend rum. Dort ist eine Kommunikation lediglich über eine dicke Trennscheibe möglich (im Schiff, nicht der Gegend). Aber als selbst eine Hundertschaft gesichtsloser Experten kein Wort versteht, wird schnell Professor Banks (Jodie Foster) herangekarrt. Unterstützung erhält diese von Hawkeye, welcher, ähnlich wie in den Avengers-Filmen, nicht viel zur Handlung beiträgt. Zusammen verbringt man den Großteil des Films mit Staunen und anderen schönen Emotionen.

Man kann schon verstehen, warum „Arrival“ der große Kritiker-Liebling war. Denn ähnlich wie bei den Marvel-Filmen wurden auch hier alle Punkte auf der „Wie ein Film unmöglich langweilig werden kann“-Liste erfolgreich abgearbeitet:

– Angenehm vor sich hin rumpelnde Ambient-Mucke (meist ein einzelnes und deutlich heraushörbares Instrument, z.B. das Piano von „Interstellar“).

– Weite und somit automatisch grandiose Aufnahmen (Wichtig: Langsame Kamerafahrten!).

– Szenen mit Menschen, die beeindruckt auf etwas starren, das der Zuschauer nicht sehen kann (Bonus-Punkte für Dialoge á la: „Meeeein Goooott…“ oder „Ist es das, was ich glaube?“).

– Die Geschichte darf nicht zu verständlich sein, sondern muss über einen esoterischen Faktor verfügen, der „zum Nachdenken anregt“ und als Nebeneffekt nervige Erklärungen überflüssig macht. Ein gutes Beispiel ist wieder „Interstellar“ mit dem zeitreisenden Bücherregal. Dezent-Spoiler: Es würde mich überraschen, wenn sich „Arrival“ davon nicht inspirieren ließ.

– Der Hauptcharakter sollte über einen tragischen Hintergrund verfügen. Durch einen furchtbaren Unfall der Omma beim Rollator-Wettrennen oder sonstige verstorbene Verwandte wird eine Figur nämlich erst so richtig schön dreidimensional.

„Hööööh? Warum wirken denn alle so aufgeregt? Sind etwa Aliens gelandet, ha-ha-ha-haaaa?! Egal, ich ignorier das jetzt erstmal ein paar Minuten und beginne sogar mit meiner Vorlesung, obwohl kaum einer im Saal ist. Dumdidumdiduuum!“ – Scheu? Klappe! Kein Witz, so spielte sich dieser Spannungsaufbau für Einsteiger tatsächlich ab. Bei einem Brand ruft sie wahrscheinlich allen noch hinterher, dass man sich vor dem Fliehen bitte im Sekretariat abmelden soll. Brrrr!

Technik aus dem Drögeriemarkt: So langsam kann man sich den Apple-Look für Zukunfts- und Alien-Technologie wirklich mal abgewöhnen. Denn auch hier ist wieder alles so rund, schlicht, karg und glattpoliert, dass die Außerirdischen wahrscheinlich einen Glatzenfetisch haben.
Böse aus Bösistan: Es gibt eine Stelle, wo die Angst vor den Aliens in einem Panik-Höhepunkt gipfelt. Rein zufällig ist dies übrigens auch die Stelle im Drehbuch, wo einer der Film-Chefs anfing sich die Haare zu raufen und laut „Da gibt’s ja gar keine Action!“ zu rufen.
Aliens zum Anbeten: DA hat man sich ein Lob wirklich verdient! Keine scharfzähnigen Glibbermonster. Keine humanoiden Maskenfressen mit Schmink-Knorpel auf der Nase. Diese Mischung aus dem eiskalten Händchen der Addams Family und Quasimodo wirkt einfallsreich und auch deren Art zu kommunizieren hat ordentlich Tinte auf dem Füller. („Oooh! Aaah! Was dieser Kringel wohl bedeutet? Das Geheimnis des Universums?“ – „Oh, Sorry! Hab auf die Scheibe geniest!“) Anmäkeln könnte man höchstens, dass man erneut von uns Menschen die ganze Denkarbeit erwartet, während die Außerirdischen kaum eigene Lösungsansätze beitragen. („Höhööö, diese Kleinköppe glotzen jetzt aber doof aus der Wäsche!“)

Fazit: Weniger bahnbrechend als es die meisten Kritiken versprochen haben, aber ein solider Erstkontakt-Film der möchtegern-intellektuellen Sorte. Die Figuren wirkten auf mich leider eher platt bis austauschbar. Schon weil sich eigentlich jeder identisch verhält: Professionell angespannt. Wo ist Jeff Goldblum, wenn man ihn braucht?! („Hey, ihr weißkitteligen Schlaumeier! Vielleicht wollen die Fremden einfach nur kuscheln? *hemd aufknöpf*“)
Leichter-Spoiler: Der Twist am Ende war etwas holzhammerig, schon weil durch diesen der ganzen Welt in nur zwei Minuten die Waffen aus den Händen und sich stattdessen alle für den Weltfrieden in die Arme fallen. („Oooooh! Durch *Twist* kennt ein unbekannter Anrufer aus Amerika meinen Lieblingspudding! Sofort die Flotte abziehen, aber dalli!“)

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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von Sparkiller am 12.02.17 in Filmkritik

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Kommentare (8)

  1. Speedomon sagt:

    Ich hab den Film gehasst. Der nette Anfang löst sich spätestens mit dieser bescheuerten Bombe in Luft auf. Charaktere hatten keine Chemie miteinander und kamen am Ende natürlich trotzdem zusammen. Die letzten 15 Minuten hätte man verpassen können ohne was zu verpassen. Das ganze Ende erinnerte in seiner Doofheit an Interstellar ohne dessen dusslige aber trotzdem effektive Epicness zu erreichen.
    Hätte schon beim ‚tote Teochter‘ Klischee am Anfang stutzig werden müssen :)
    Fazit: Hab einen guten Hard Sf Film erwartet (war mein Fehler, oder?), gekriegt hab ich esoterischen Blödsinn.
    @Sparkiller: das dem Telefonat war für mich der Punkt, ab dem ich nur noch den Kopf geschüttelt hatte bis ich einen steifen Hals hatte. Gutes Review mit zuvielen Sternen ;)

  2. Großer Mumpitz sagt:

    Jodie Foster???

  3. Cronos sagt:

    Der Film war schon ein bisschen langweilig. Aber zum Glück auch nicht grottenschlecht. Meine Freundin sagte: „Ach? Das ist auch SciFi?“. Ich weiß jetzt allerdings nicht ob diese Frage ein gutes oder schlechtes Zeichen ist.

    Jedenfalls war der Film einer der besten SciFi Filme ohne Geballer und Invasion. Die Handlung war natürlich irgendwo doof, aber mein Gott, bei Star Trek vernichten sie eine Drohnenflotte per Musik.

    Ich hätte mir nur gewünscht das die Heldin sich den nächsten Lotto-Jackpot an Land zieht oder sich einen sympathischen Mann sucht oder einfach mal ein Heilmittel für ihre Kleine. Aber na ja, so etwas passiert in solchen Filmen NIE.

  4. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    Ja Jodie Foster !

    Sozusagen ein Genre das mit Jodie Foster fest verbunden ist.

    Gruß BergH
    Ich überlege, ob Ich mir diesen Film antuen soll,
    oder nicht .

  5. G.G.Hoffmann sagt:

    Ich möchte aber nicht alle fünf Wochen einen Newsletter erhalten… Inzwischen bekomme ich ja öfter das „Mitteilungsblättchen für ehemalige Buxtehuder Gymnasiasten“ – und das schreiben zwei Omas noch auf Schreibmaschine.

    Danke trotzdem für das Kurzreview von „Arrival“. Klingt für mich wie mein neuer Lieblingsfilm. Werde ich mir wohl demnächst in Dauerschleife mit „Contact“ und „Star Trek 1“ anschauen.

    Und bitte die Seite in „DK – Daniel Klapowskis interessantes Magazin“ umbenennen. Jeden zweiten Dienstag im Monat neu am Kiosk. Mit zwei farbigen Seiten.

    • Klapowski sagt:

      Bedauerlicherweise macht die Romanschreiberei im Moment viel Kopf-Aua. Nach dem dritten Band der von Dir geschätzten Jenseits-Trilogie werde ich daher vermutlich mal eine mehrtäg… -monat… -jährl… -minütliche Vielschreibpause einlegen. Auch, um häufiger mal wieder was Kurzes für Zukunftia zu produzieren.

      Denn die neue Star-Trek-Serie MUSS besprochen werden! 2001, ick hör dir trapsen.

      Gibt’s eMule und eDonkey noch?

  6. Bergh60 sagt:

    tach auch !

    nach dem Ich mir dieses Machwerk angetan habe muss Ich sagen:
    Kann Man gucken. Der ZBH hat es auch gefallen.
    Was will man mehr von einem 1st Contact Film.
    Und Amy Addams hat Jodie Foster gut gespielt.

    Gruß BergH

  7. Klapowski sagt:

    Jaaaa! Jetzt habe ich mir auch „Arrival“ angesehen und finde ihn … recht okay. Was komisch ist, da er doch viele Schwächen hat, die Kollege Sparkiller oben schon ausführte.

    Ab hier SPOILER-ALERT:

    – Die Sequenz mit der Bombe erschien mir wenig liebevoll vorbereitet. Wie eigentlich vieles im Film, das trotz langsamer Erzählweise oft hopplerdihopp wirkt. Lange Kameraeinstellungen werden abgebrochen durch abrupte Schnitte – z.B., dass man die Forscher beim ersten Besuch nicht mehr rausgehen oder sich wenigstens „verabschieden“ sieht.
    Eine seltsame Stil-Mischung, wie ich finde.

    – In welcher parallelen Logikwelt hält IRGENDEIN Soldat (Heerführer/Präsident) es für eine gute Idee, hochtechnisierte Aliens mit Bömbchen zu ärgern? Muss man sich dafür vorher im Selbstmord-Forum angemeldet haben?

    – Spätestens die Telefon-Szene hätte zeigen können, wie Amy Foster ein paar gewiefte Sätze wählt. Dass ihr der richtige Inhalt des Gesprächs quasi per Zeitschleife vorgegeben wird, halte ich von der Logik her für okay (ist halt SF – und immerhin kein fliegendes Bücherregal), emotional aber für verschenktes Potenzial. Die Zeitschleife hätte ja jedes andere Detail aus dem Leben des Generals vorgeben können. Dass es nicht die Hutgröße war, scheint mir reines Glück (oder göttliche Vorhersehung?) zu sein.

    – Mich hätte am Ende dann doch interessiert, wie die Aliens in 3000 Jahren von der Menschheit profitieren. 1-2 Infos mehr hätten dem Streifen wirklich nicht geschadet. Mussten sie in diese Zeit reisen, damit alles erst passiert? Gibt es für die Biester überhaupt Zeit? Wusste der eine Alien, dass er bei der Explosion draufgehen würde?
    Was bei Captain Siskos Wurmlochaliens schon komisch war (meist aber im „geschützten“ Wurmloch stattfand), ist hier noch schwieriger, weil sie physisch mit unserem Raum interagieren.

    – Toll finde ich aber das Gefühl während des Films. Sounddesign, die verhaltene Stimmung, das Gefühl, hier echten Wissenschaftlern (und nicht 20-jährigen Nerds) zuzusehen, das hat schon sehr geholfen. Auch die Aliens machten irgendwie Bock auf … Apokalypse.

    – Überhaupt würde ich gerne noch mehr Kinofilme sehen, die ernsthafte SF (Interstellar, Gravity, das hier…) umzusetzen versuchen. Okay, am Ende hatte jeder dieser Streifen mehr versprochen als gehalten, aber alleine Hard-SF in modernen Gewand zu sehen, das reizt.

    Gehe mit Sparkiller Endwertung konform.

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