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Kurzkritik: „Transparent“ – Folge 1

„Transparent“, eine preisverzierte Amazon-Vorzeigeserie, erzählt die Umwandlung von Papa zu Mama. In bisher 3 Staffeln. Nebenbei lernen wir noch den schrägen(?) Familienanhang besser kennen. Na, wenn DAS nicht trägt…

Dialoge diagonal: Das ziellose Geplappere soll spontan, lebensnah und „unfilmisch“ wirken, ist für mich aber nur das Sound-Äquivalent zu Handkameragewackel. Ständig blubbern die Charaktere irgendwelche Insider vor sich hin – witzig gemeint, aber so unterhaltsam wie den Nachbarn im Garten zuzuhören.
Kontraste konträr: Wäre die Familie kitschig und konservativ, wäre das „Outing“ vom Vadda witzig oder dramatisch. Aber da wir schon am Anfang haufenweise alternative Lebensweisen sehen, schrumpft die dramaturgische Fallhöhe auf Fußnageldicke zusammen.
Gender quer: Ich gönne jedem Opi, dass er im hohen Alter seine innere Omi findet – und glücklich wird. Doch als Serienkonzept trägt das heutzutage nur für eine Doppelfolge „Doctor House“. Und das auch nur, wenn er (/sie) zusätzlich noch einen seltenen Darmparasiten hat. Und wieso sollte sich die junge, hippe Seriengeneration für einen gefühlt Hundertjährigen interessieren?
Kühl (er)zählt: Dass die Handlung die Sinneszellen überreizt, bis man nicht mehr weiß, ob man Mädchen oder Junge ist (haha), kann man der Serie gewiss NICHT vorwerfen. So im Understatement verwurzelt hat man sich früher nicht zu erzählen gewagt. Allein so etwas zu gucken/unterstützen, bereitet auch allen Nicht-Veganern das gute Gefühl, die Welt besser gemacht zu haben.
Mut tut gut: Das Thema ist eigentlich nicht das Drängendste, steht aber aus irgendwelchen Gründen gerade auf der „Worüber wir mal reden mussten“-Agenda. Hätte ich nicht schon drei Jahre lang jeden Tag 1,8 Artikel zu dem Thema Transgender gefunden (ohne danach zu suchen!), wär’s sogar unerwartet und frisch.

Wie nennt man es am Bielefelder Hauptbahnhof, wenn zwei Frauen knutschen, während Dad Frauenkleider trägt? – Richtig: SO normal, dass es keiner Serie bedarf.


Fazit: Eine handwerklich okaye Serie, deren Pilot aber nicht Lust auf mehr macht. Weder auf mehr Pillermann-ab, noch auf mehr Pillermann-dran, noch auf die tieferliegenden Psychohintergründe (Ist halt im falschen Körper geboren; ICH verstehe das sofort!), noch auf die Reaktionen der dumpfbackigen Gesellschaft, die hier sicherlich gaaar nicht so dumpfbackig dargestellt wird – oder halt immer abwechselnd. Eben eine typische Prestige-Serie zwecks Bekanntmachung der „Amazon“-Eigenproduktionen.

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Artikel

von Klapowski am 24.09.16 in TV-Review

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