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Star Trek DS9 – 7.25 & 7.26 – „Das, was Du zurücklässt“ („What You Leave Behind“) Review

Ick hab‘ noch eenen Koffer in Orleans…

Schon den englischen Originaltitel genießt man am besten mit der amerikanischen Nationalhymne und ein paar Litern salziger Tränen. Die deutsche Übersetzung ist dagegen so grandios bescheuert geraten, daß man sie am besten mit einem Duden genießt. „Das, was…“ – diese Wortkombination könnte direkt aus einer Trekzone-Übersetzung stammen (siehe unser Special „Do you speak Deutsch?“).

So, das war also der große Abschied von DS9? Na toll… Um das Ergebnis gleich vorneweg zu nehmen: Diese Folge ist, dafür, dass sie das Ende der Serie markiert, einfach nur grottenschlecht! Schwachsinn drängt sich an Schwachsinn, Unausgegorenes an Peinliches und Uninteressantes… Ein Armutszeugnis hoch 2!

So langsam kommt ja nun wirklich was ins Rollen bzw. ist auch schon wieder fast ausgerollt… Nach wochenlangem Geschwafel, das man auch getrost hätte verpassen können, ohne daß man den Sinn dieser Folge nicht begreifen würde, geht’s hier also ab… Sisko setzt sich in sein Schiffchen ballert sich mit einer ganzen Flotte siegeshungriger Verbündeter durch die feindlichen Linien… Nach staffellangen Wartereien, während derer man sich fragte, warum denn nicht endlich ‚mal eine Großoffensive durchgeführt wird, wurde es auch höchste Zeit! OK, werden penible Zuschauer jetzt sagen (ich erinnere nur an die erfolglosen Versuche, Rom als entwickelten und durchaus intelligenten Charakter zu verkaufen), das Dominion ist nun eben erst jetzt ausreichend geschwächt, dank der 2,5 Bombenanschlägen der tapferen Männer um Damar… Na ja…

In der Tat ist es ein wenig befremdlich zu sehen, wieviel Bedeutung den Stammcharakteren am Ausgang des Krieges zukommt: besonders Kira, Damar und Garak. Tagelang verschimmeln die 3 in einem ranzigem Kellerloch, lassen sich von einer himmelschreiend nervtötenden Putze `nen Schinken ans Knie quasseln und rufen mal gerade so auf der Straße eine planetare Revolution aus, die ein paar griesgrämig dreinblickende Statisten mitbekommen und flugs um den ganzen Planeten tragen („Du, ich hab gestern Damar auf dem Weg zu Aldi gesehen!“ – „So`n Scheiß!“ – „Nein wirklich! Und er sagt, wir sollen gegen das Dominion kämpfen!“). Man hätte ein Kommunikationsnetzwerk beschlagnahmen und die Bevölkerung erreichen sollen – denn so wirkt es einfach nur unglaubwürdig. Aber klar, ohne unsere Helden läuft natürlich nix und wenn Damar nicht diese vier beeindruckend schnarchigen Sätze in einem beliebigen Ghetto von Cardassia gesprochen hätte, wär‘ nix passiert… Kein Aufstand, kein Nörgeln über schlechtes Essen, häßliche Jem Hadar und bröckelige Formwandler…

Und heute spazierte man mal eben bis vor die Haustür des Gegners, um kurzerhand einzubrechen… Man hatte nicht das Gefühl, hier würde gerade ein planetarischer Herrschersitz erobert – stattdessen wirkte das Ganze mehr wie das Eindringen in eine verlauste Hinterhofkneipe… Diese Tendenz ist ja bei ST schon immer zu beobachten gewesen: Ein lausiger Marktplatz von 7 Statisten war der Nabel der fremden Welt, planetare Herrscher sitzen in kahlen Liebloskulissen herum und warten nur den ganzen Tag mit dem Finger an der Steuerkonsole auf einen Ruf der Enterprise, um ja sofort auf dem Bildschirm das schleimige und wenig beeindruckende Äußere präsentieren zu können…

OK, über die Spezialeffeckte wollen wir hier gar nicht groß reden… Waren nett anzuschauen, entgegen anderslautenden Berichte waren Ähnlichkeiten zu geklauten Sequenzen aus vorherigen Folgen nicht zu bemerken und der durchschnittliche Zuschauer bekommt das, was er sich erhofft, wenn es um ein Ende einer Serie wie DS9 geht: ACTION! – Schließlich geht es ja um Krieg, gell?

Tja, und dann noch die Sequenzen mit Gul Dukat und der Kai. Waren diesmal ja nicht ganz so schlimm, die Stellen… Was nur erheblich störte, war die Tatsache, daß die Pahgeister als unbestritten starke Wesen ein paar genuschelte Worte aus einem vergammelten Buch benötigen, um befreit zu werden… Das ist nicht ST (zu TNG-Zeiten hätte Data mittels Trikorder sofort erkannt, wie der Zauber funktioniert), sondern eine Geschichte aus dem Zeitalter der Ritter und Drachen. Die Pah-Geister sind schon längst nicht mehr (wie auch die Propheten) als „Aliens“ zu sehen, sondern haben unbestritten den Status richtiger Zauberwesen und Götter, anders war die „Wiedererweckung“ in den Feuerhöhlen nicht erklärbar.

Wer beim DS9-Pilotfilm noch laut gelacht hat und sich vor Freude die Schenkel klopfte, als die naiven Barojaner einen zweiklassigen Sternenflottencommander zu ihrem „Abgesandten der Propheten“ erhoben, dem blieb mit Blick auf den Mystery-Quatsch im DS9-Finale das Lachen im Halse stecken. Nie zuvor hat sich Star Trek weiter von seinen Wurzeln entfernt als in der siebten DS9-Staffel. Der Höhepunkt des Hirnkrampfes waren die sogenannten „Pah-Geister“, die in Gul Dukat gefahren sind und ein debiler Sternenflotten-Kapitän, der zu den Propheten gerufen wird. Wer auf so eine präpubertäre Scheiße steht, ist mit Serien wie „Xena“ oder „Buffy“ gut bedient. In Star Trek hat dieser Dünnsinn nichts zu suchen. Die intelligenten Zuschauer straften die Produzenten während der letzten beiden DS9-Staffeln durch massenhaftes Abschalten. Nur ein paar fette Kinder, die auch die Teletubbies verehren würden, wenn sie nur Starfleet-Uniformen trügen, blieben kauend vor den Bildschirmen zurück und mampften sich glücklich-debil lächelnd das Idealgewicht für die nächste Convention (137,5 kg) an.

Die Raumschlacht im Orbit von Cardassia, die man in der letzten Folge noch vermutet und noch gut in die Handlung gepasst hätte, wurde mangels Budget einfach gestrichen… Nix, Nada! Statt dessen sehen wir, wie unsere Helden ungehindert durch das Hauptquartier einer der größten Mächte des Quadranten spazieren (erwähne ich immer wieder gerne), ohne daß einer Alarm schlägt, so etwas wie Spannung aufkommt oder gar so etwas wie Realismus… Man mag es bei ST sowieso nie so recht glauben, wie kümmerlich Gebäude und Gefängnisse gesichert sind: Kein Scanner, der bei unerwünschten Lebenszeichen Alarm schlägt, keine verschlossene, passwortgeschützte Tür, keine Fallen, Überwachungssysteme oder wenigstens ein Stolperdraht… Eine Putze hätte sich versehentlich im Hauptkontrollraum verirren können („Oh, entschuldigen bitte, ich wollten machen Wischi-Wisch in Flur 12, haben abgebiegt wohl zu früh… – Schönes Hauptquartier übrigens… Geben sie von hier aus Befehle zum Kaputtmachen ganzer Völker? Ich könne nach Arbeit mal auf Stuhl sitzen und gucken zu? Danken sehr!“).

Auch sehr, sehr spannend inszeniert: Wie bringen wir die Bröckeltussi dazu, ihre Truppen zurückzupfeifen? – Wo Picard vor einigen Jahren noch zu einen ausführlichen Monolog ausgeholt hätte, der die Wandlerin wimmert und sich selbst züchtigend zurückgelassen hätte, darf hier der gute Odo mal wieder die Ode der verschmolzenen P(l)atschehändchen anblubbsen… Ruck-Zuck, schon ist die Alte überzeugt und rennt zu den Konsolen herüber… Schneller, SCHNELLER, es gibt noch vieles in dieser Folge abzuarbeiten… Plötzlich ist der Krieg zu Ende, die Wandlerin wird abgeführt und statt ein rauschendes Fest zu veranstalten, da der Krieg endlich vorrüber ist, sitzen die Quarkfressen in Quarks Bar und sprechen über die plötzlichen Abgänge der Hauptdarsteller, während Vic wieder mal ein Schlaflied zu Besten gibt und alle gerührt in sich hineinschunkeln… Apropos die Abgänge: Das war ja wohl eindeutig zuviel des Blöden: Mit einem Male fällt allen ein, dass die Serie zu Ende ist, und strömen nach 7-Jährigen Aufenthalt auf der Station durch die Gänge zu den Raumgleitern, dass man sich ernsthafte Sorgen um die Ellenbogen der Beteiligten macht… Ein Wunder, das der eine oder andere rempelnder Body-Check („Laßt mich duuuurch!!“ – „Frauen und wandelnde Götterspeisen zuerst!“) ausgeblieben ist…

Worf erinnert sich bei den Rückblenden natürlich nicht an Jadzia (was mir alleine schon die Folge vergällt hätte, meine süße Jadzi, Mönsch) und der Rest zauberte mir auch nicht gerade Trauertränen aufs Antlitz…

Ganz toll natürlich der Schluß: Ben merkt bei Tanzen, dass sein Typ verlangt ist und SCHWUPP, schon steht er in den sagenhaften Feuerhöhlen von Wesen, die zwar die ganze Galaxis erobern wollen, aber immer noch menschliche Körper und obskure Murmelsprüche brauchen, um ihren flimmernden Arsch aus der Höhle zu bekommen… Dann der tolle Endkampf: Sisko macht Bauz, steht wieder auf, Gul Dukat ist abgelenkt und schon brutzeln beide im Flammenmeer… Zu schnell? Vielleicht noch einmal in der Zeitlupe? – Jaaaa… Toll!! Diese mitreißenden Dialoge, diese sensible Charakterzeichnung von Gul Dukat, diese packende Spannung, dieser Sturz! Traumhaft, ich weine immer noch vor Erregung… Das war also diese bahnbrechende Bestimmung unseres Captains? Der Grund seiner Geburt? Der Grund von ewigen Diskussionen mit den Wurmlochwesen? („Der Abgesandte ist von Bajor“ – „Schnauze, ich will aber nicht!“)

Jetzt gammelt der Seppel also auf ewig in einem weiß gestrichenen Raum herum, freut sich über seine neue Bestimmung als Friedensengel (Aliens sind die Spackos ja schon lange nicht mehr, eher Gotteswesen) und hat auch noch was Dringendes zu erledigen… Ja, der Abgesandte ist ja so ungeheuer wichtig für die Galaxis. Nicht, dass man das Gefühl hatte, dass einem mit Wischi-Waschi-Geschwätz und religiösen Floskeln ein „packendes“ Ende aufgezwungen worden ist, das man schon deshalb nicht kritisieren kann, weil man eben nicht weiß, wohin die Wege der Propheten führen… Folgt halt alles einem galaktischen Plan – so ist das und nicht anders!

Tja, derweil erfreuen sich auf DS9 alle wieder an ihrer Abschiedszeremonie und der verschwundene Captain ist auch schon wieder vergessen… Alle lachen, außer Jake, der noch ein bißchen betroffen aufs Wurmloch gucken darf, während das Ende erstaunlich unspektakulär und ohne prägnanten Schlußsatz auskommt: Zoom raus und aus die Maus…

Das alles war so lieblos, gestelzt und hektisch zusammengewürfelt worden, daß ich nicht die geringste Lust verspüre, mir diese Folge in absehbarer Zeit noch einmal anzutun… Das ganze Spektakel hat in mir nicht die geringste Emotion ausgelöst, alles blieb an der Oberfläche wie ein Morn-Diskussionsbeitrag…

Dafür, daß das das Ende der Serie war, wirklich jämmerlich!!

Note: 5+

Daniel Klapowski & Gert Günther Hoffmann


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Artikel

von Klapowski am 21.12.04 in Star Trek - Deep Space Nine

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Kommentare (1)

  1. Exverlobter sagt:

    „Das alles war so lieblos, gestelzt und hektisch zusammengewürfelt worden, daß ich nicht die geringste Lust verspüre, mir diese Folge in absehbarer Zeit noch einmal anzutun… Das ganze Spektakel hat in mir nicht die geringste Emotion ausgelöst, alles blieb an der Oberfläche wie ein Morn-Diskussionsbeitrag…“

    Wenn dieses Finale schon zu hektisch war, was hälst du dann von dem Voyager-Finale? Also meiner Meinung nach überzeugt das DS9-Finale im Vergleich zu allen anderen Finalepisoden vollends.
    Lediglich das TNG-Finale war besser. TOS wurde am Schluss ohne würdigen Abgang einfach gecancelt, Voyagers „Endgame“ wirkte tausendmal mehr gehetzt als DS9 und über die letzte Folge von ENT brauchen wir gar nicht erst reden. Wenigstens gab es in der letzten Folge „What you leave behind“ noch Rückblicke. OB diese beim Zuschauer EMotionen auslösen sei dahingestellt. Aber wenigstens hat man sich Mühe gegeben. Bei Voyager kommt das Schiff zu Hause an, und das wars. Abspann. ALso wenn schon „What you leave behind“ eine Fünf bekommt, dann müsste Voyager Endgame eine 10 bekommen (ich weiß, dass das UNTER der Skala ist).

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