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„Maze Runner – Die Auserwählten der Brandwüste“ – Das Review brennt.

Zukunftia-Veteranen erinnern sich noch gut: Den Vorgängerfilm hatte ich ja damals nicht besprochen. Zu kurzweilig und gleichzeitig kurzatmig erschien mir zu jener Zeit die Geschichte einer Frau, die … mit Romanen und deren Verfilmungen fette Kohle macht. Doch nun steht also doch die „Brandwüste“ an – einfach, weil es namentlich gut auf den vorgestrigen Vatertag passte. Doch musste die Story überhaupt weiter erzählt werden? Waren noch Fragen offen zu dem Bruttosozialprodukt jenseits des Horror-Labyrinths? Fehlten noch kittel- und uniformtragenden Nachbarn in dem Labor gegenüber? – Offensichtlich ja.

INFORMATIONEN:

Regie: Wes Ball
Jahr: 2015
Budget: 38 Mio $

Poster
Die Wüste (b)rennt

Inhalt: Nach den Ereignissen in Teil 1 müssen sich unsere Kids mit den Nachteilen ihrer Rettung herumschlagen. Unter anderem mit der Tatsache, dass „Rettung“ hier nur ein Pseudonym für „5% langsamer weglaufen“ ist… Unter anderem halt in der Brandwüste.

Besprechung:

Die Probleme bei dem neuen „Kinder-in-Dystopie“-Trend sind allgemein folgende:

– Oft ist es keine interessante Dystopie
– Die Kinder/Heranwachsenden sind keine Kinder/Heranwachsende

Das mag angesichts von Zombiewesen, Todeslabyrinthen, zerbröselten Städten und eher knirpsigen Protagonisten erst mal komisch klingen, ist aber so. Denn im Prinzip geht es gar nicht um die Rettung einer komplexen, interessanten Welt, sondern „nur“ darum, jugendliche Darsteller auf der Schnellstraße zum Auserwähltenstatus zu sehen. Schon bei „Hunger Games“/„Panem“ durfte man NICHT mit dem Taschenrechner und 5 Kilogramm Star-Trek-Literatur aufkreuzen und sich Hard-SF-mäßig den Kopf darüber zerbrechen, wie denn nun das gesellschaftliche Problem des eher kalorienarmen Dahinvegetierens gelöst werden könnte. Schließlich muss die präsentierte Technologie ja (nur) für Monsteraffen, Säurenebel und sich schnell drehende Plattformen im Wasser reichen.

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„Haltet die Tür zu! Die Zombies kommen rein!“ – „Nein, macht die Tür auf, die Soldaten kommen gleich um die Ecke!“ – „Jungs? Einer von uns ist ein Spion. Ist aber nicht schlimm, denn er wird in 5 Minuten zum Zombie.“ – Ma(t)ze rennt: Wenn man am Ende doch einfach rechts abbiegt, in das offizielle Kneipen- und Alkoholmissbrauch-Labor…

Filmen wie diesen geht es nicht um eine gesellschaftliche Lösung, sondern um ER-Lösung. Gerne auch über 4-5 Filme hinweg, sollte der Hauptdarsteller am Ende von Teil 1 noch nicht der ultimative Shit (= positiv gemeint) geworden sein. „Maze Runner“ und Konsorten setzen eben auf ein heranwachsendes Publikum, welches irritiert die neuen Haare an seinem Körper betrachtet und sich zu Recht fragt: „Und SO soll ich Mediendesign und Work-Life-Balance studieren?!“

Die „Kids“ sind hierbei eher austauschbar, da sie nicht mal wie Kinder oder Heranwachsende leben, reden oder reagieren – schon aus Zeitmangel. Ja, gerade bei „Brandwüste“ hätte man die Hauptrollen auch mit 25-35-Jährigen besetzen können, was bei gefühlt 30% der Rollen auch gemacht wurde. Meist wird eh vor irgendwas weggelaufen, wobei man das als Zuschauer einige Minuten vorher schon kommen/flüchten sieht. So schnürte ich die Turnschuhe bereits, als Littlefinger-Darsteller Aidan Gillen schräglächelnd in die Kaserne… äh… Kantine trat und unglaubhaft verkündete, sich rührend um alle Kids kümmern zu wollen. – Immerhin: Er ließ den Teenagern die anderthalb Meter breiten Luftschächte, durch die sie bis zum Hochsicherheits- bzw. den amtlichen Dystopie-Beweisbereich krabbeln konnten.

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„Sehen Sie? Ich habe Ihnen doch gesagt, dass die Erderwärmung real ist, Herr Doktor Lüdenscheidt.“ – „Na, na. Da warten wir aber erst mal die langfristigen Ewigkeitsdaten ab, Herr Doktor Klütenbeck!“ – Jetzt mit S(tr)andpromenade in der Karstadt-Filiale: Kann bitte jemand diese schöne Kulisse in einen kultigen 80er-Jahre-Film zeitreisen lassen? Für pickelige Kinoposter-Portraits ist das hier etwas verschenkt.

Aber die Sinnhaftigkeit sollte man wohl eh nicht zu sehr hinterfragen. Zwar sieht man das Labyrinth (leider) im zweiten Teil nicht mehr, doch fragt man sich angesichts von bis hin zur Atomteilung zerstörten Städten nachträglich doch, wieso man damals unbedingt einen gigantischen Videospiel-Parkour mit sich komplex bewegenden Wänden und todbringenden Robotern brauchte. Im Ernst: Gab es keine andere Möglichkeit, um Auserwählte zu „melken“, als sie entweder jahrelang unangetastet(!) in einer Mittelalter-Siedlung abzustellen, oder halt jene 5%, die beim Betreten des Labyrinths nicht umkamen, als Milchkuh an die Decke zu hängen?

Egal, wie man es dreht und wendet – ich wittere Steuerverschwendung im mindestens acht- bis neunstelligen Bereich. Ich hoffe daher, dass die gezeigte Frau Doktor, welche das Zombievirus bekämpfen soll, trotzdem noch das Budget für ein 100-köpfiges Forscherteam bekam. Käme mir als Forscher schon etwas doof vor, wenn ich ständig auf blutende Jugendliche im Dystopie-Camp verwiesen werden würde. „Aber Frau Doktor! Wir machen doch große Fortschritte mit Quetschfallen und Eisenklauen.“

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„Ich verstehe ja, dass es filmisch eindrucksvoller aussieht, aber im Ernst: Warum ausgerechnet über Kopf?!“ – „Weil der Kot der Gefangenen unterm Kinn gestoppt wird, solange das Hemd am Hals fest genug anliegt.“ – Wundermittel gegen Blutstau in den Venen gefunden: 5-minütige Gefangenschaft in der vierten Fraktion von links. Eine Wunderkur!

Es muss eben alles leicht verdaulich sein. Wozu dann auch gehört, dass die Bösen mit zwei Kampfhubschraubern anrücken und sich im großen Finale in die Mitte der aufständischen Siedlung stellen, um DOCH noch kaputtgeschossen zu werden. Und mit Verstärkung wird dann natürlich am nächsten Tag NICHT wiedergekommen. Man hatte schließlich bereits seinen Filmhöhepunkt und der Auserwählte wird sich sowieso innerhalb von drei Tagen aufmachen, um Film drei anzuleiern. – Schlimm wäre das alles noch nicht mal, wenn es ein paar knackigere Dialoge oder vom Klischee abweichende Sequenzen gäbe. Doch außer „Kommt mit!“, „Wir werden es schaffen!“ und maximal „Meine Kindheit war grausam, daher verrate ich euch jetzt.“ braucht man hier nix erwarten. Ein Tarantino-Gespräch wäre hier auch eher unpassend.

Trotzdem hat der Film durchaus seine Momente: Die zerstörte Stadt sieht hervorragend und trotz CGI erstaunlich echt aus. Aneinander gelehnte Hochhäuser wirkten nie besser – und haben selbst unter Bin Laden damals nicht etabliert werden können. Ein-zwei Fluchtsequenzen machen sogar Spaß, sind flott inszeniert und wuchtig. An dieser Stelle daher ein Lob, welches ich damals oft bekam, wenn ich dem „Club Nintendo“ einen kindlichen Liebesbrief zu meinen durchgezockten Games schickte: „Prima! Das ist wirklich nicht einfach. Schön, dass du es trotzdem geschafft hast, Daa-ni-eeel!“

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„Diese Filme sind heute so schnell geschnitten, dass ich nicht mehr weiß, was ich tun wollte. Granate wegwerfen oder Steuererklärung?“ – Wüste Beschimpfungen: Der große Showdown schwankt zwischen „komplett doof“ und „intellektuell leicht minderbefähigt“. Wie immer wollen auch die Bösen nur die Menschheit retten. Und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob die Seuche ohne berufsaufsässige „Auserwählte“ nicht wirklich schneller erledigt wäre.

Leider fehlt es einfach an Zeit, die positiven Dinge auszubauen. Freut man sich eben noch über die Ankunft in der zerstörten Stadt mit ihren gesellschaftlich dunklen Ecken, so steht man gleich schon in der Drogendisko, um berauscht in der nächsten Szene aufzuwachen – und weiterzuziehen. Wird der Trupp dann auf offener Straße angegriffen, sind es natürlich keine rustikalen Kämpfer à la „Mad Max“, sondern gut geschminkte Teenie-Girls, die fast ihre Finger auseinander spreizen, wenn sie rufen: „Huuuu? Hans-Dieter?! Du bist es? Dann schnell ins Hauptquartier!“

Erwähnte ich schon, dass ich seit einigen Jahren empfindlich darauf reagiere, wenn Leute in Wüsten wohnen und sich offensichtlich von Steinen und Sand ernähren?


Fazit: Brandwüste, Landwüste, Schmandwüste… – Eigentlich scheißegal. Hauptsache, die Reise geht immer noch weiter und die Experimente überflügeln auf den letzten Metern knapp Doktor Mengeles Lebenswerk. Trotz vieler schöner Ansätze war’s mir am Ende doch zu sehr Fließband im Schweißland. Schade, dass man den jüngeren Kinozuschauern keine ausgefeilteren Helden zumuten wollte – da war die „Gummibärenbande“ damals charakterisierungstechnisch deutlich weiter…

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Artikel

von Klapowski am 07.05.16 in Film-Review

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Kommentare (1)

  1. Onkel Hotte sagt:

    Ich glaube ja eher, das „Maze Runner“ ein Schnellschussprodukt ist. Man wittert da in den WarnerBros & Co Chefetagen einen Trend, dem möglichst schnell gefolgt werden sollte bevor sich der Wind wieder dreht. Also wird eine literarische Vorlage auseinergepflückt bis es passt oder eine dünne Story dem Film direkt auf den Leib geschrieben. Dank CGI, sofern gut gemacht, kann man heute auch kinotaugliche Tele-IIIII-Klasse Filme drehen. Früher sind solche Granaten „Exklusiv auf Video“ erschienen – ein Prädikat zum schmunzeln und erinnert ein wenig an „It’s not a bug, it’s a feature“
    Glaubst du ernsthaft, die Zielgruppe macht sich knutschend und mampfend im Kinosaal Gedanken darüber, wie die mehr oder minder potraitierte Gesellschaft funktionieren könnte ? Ich habe mich auch eher selten gefragt, wie das denn genau mit der Judi-, Exe- und Legislative auf „Absolom“ funktioniert hat.

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